Die Malerin Elisabeth Ankermann

Elisabeth Ankermann wird am 17. Oktober 1863 als Tochter von Gustav Hermann Ankermann (Bruder von Hugo Ankermann) und Bertha Johanna Julia Laudien in Tapiau geboren. Der Vater ist zunächst Arzt in Tapiau – 1865 wird ihm die Kreiswundarztstelle in Wehlau übertragen, später die Physikatstelle in Fischhausen und 1869 wird Hermann Ankermann Kreis-Physikus in Rastenburg. Die Familie wechselt demnach immer wieder den Wohnort.

Ankermann_SignaturElisabeth Ankermanns Signatur

Bislang weiß ich wenig über das Leben von Elisabeth Ankermann – ich bin noch auf der Suche nach weiteren Informationen. Bekannt ist, dass einige ihrer Bilder einen weiten Weg hinter sich haben. Sie befanden sich im Besitz der Familie und sind zusammen mit Prof. Dr. Karl Laudien und seiner Ehefrau nach Chile ausgewandert.

Ankermann_Gemälde

Vermutlich konnte Elisabeth vom Verkauf ihrer Gemälde allein nicht leben. Sie gestaltete u.a. auch Fächer, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur modische Accessoires waren, sondern auch Reklamezwecken dienten und als Werbegeschenke verwendet wurden. In mehren Katalogen ist Elisabeth Ankermanns Name verzeichnet. Auch ihre Tante Therese Minna Mathilde Laudien (Schwester ihrer Mutter) wird in diesem Zusammenhang genannt, denn auch sie war Malerin – und auch sie hat Fächer bemalt.

Mit Fächern habe ich mich zuvor noch nie beschäftigt. Es ist doch spannend, dass man durch die Ahnenforschung mit ganz neuen Themen konfrontiert wird!

Im Jahre 1891 findet in Karlsruhe eine Fächerausstellung statt, bei der auch Elisabeth Ankermann und Therese Laudien ihre Fächer präsentieren. In der Zeitschrift ‚Gartenlaube‚ erscheint anschließend ein ausführlicher Bericht über diese Ausstellung. Darin ist zu lesen: ‚Daß auch unsere deutsche Künstlerschaft sowohl in ihren weiblichen wie in ihren männlichen Vertretern die Ausschmückung der Fächer mit Erfolg versucht hat, das beweisen deutlich die ausgestellten Arbeiten. Daß das Publikum, welches dieses schöne Luxusgeräth kauft und bestellt, sich mehr wie bisher den deutschen Künstlern zuwendet, wird die segensreiche Folge sein, welche die Veranstaltung für viele Mühe und Anstregung entschädigen muß.‘ Und an anderer Stelle heißt es: ‚Man darf es mit Befriedigung aussprechen, daß eine Fülle von Geschmack, eine Summe tüchtigen, über den Dilettantismus hinausgehenden Könnens sich hier offenbart. Wünschen wir, daß die mit dem Unternehmen verknüpften Absichten sich verwirklichen und daß so manche kunstgeübte Frauenhand, die bisher nur zur eigenen Freude oder zu Hochzeits-geschenken für Freundinnen den Pinsel führte, künftig in lohnender Berufsarbeit ihre Geschicklichkeit verwerthen könne‘. (Gartenlaube 1891, Seite 575).

Elisabeth Ankermanns und Therese Laudiens Fächer scheinen jedenfalls in Karlsruhe besonderen Anklang gefunden zu haben. Beiden wurden für die Gestaltung Preise verliehen. Leider ist nirgends eine Abbildung ihrer Kunstwerke zu finden.

Rudolf_Epp_FaecherBeispiel eines handbemalten Fächers (übernommen von Wikipedia)

Zudem hat Elisabeth Ankermann zahlreiche Postkarten gemalt, die heute noch bei vielen Postkartenhändlern angeboten werden. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass Elisabeth Ankermann meine Cousine 3. Grades ist, habe ich sofort zwei ihrer Karten gekauft 🙂

Ankermann-Postkarte_blau– meine Lieblingskarte –

1940 wohnen drei Ankermann-Geschwister in Berlin. Elisabeth lebt zusammen mit ihrer Schwester Marie Ankermann, die als Klavierlehrerin arbeitet, im selben Haus in der Pariser Str. Nr. 58. Beide sind gemeinsam im Adressbuch verzeichnet. Ihr älterer Bruder,  Prof. Dr. Karl Victor Bernhard Ankermann, Direktor des Berliner Museums für Völkerkunde, wohnt in Dahlem.

Ankermann_Berlin_1940

Es gibt auf jeden Fall noch einen weiteren Bruder, Fritz Rudolph Ankermann, der am 1. November 1870 in Rastenburg geboren wurde. Er wird Kaufmann, lebt in Insterburg, später in Danzig, dann in Dratzig (Posen) und möglicherweise anschließend in Breslau. Weitere Informationen fehlen.

Auch 1943 werden Elisabeth und Marie Ankermann noch im Berliner Adressbuch aufgeführt. Ob beide den Krieg überlebt haben, ist nicht bekannt. Über Hinweise würde ich mich sehr freuen!

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7 Kommentare zu Die Malerin Elisabeth Ankermann

  1. Ich weiß nicht, ob es hilft: In Bielefeld gibt es ein Fächermuseum. Vielleicht haben sie dort ja schon einmal etwas von Elisabeth Ankermann gehört? Manchmal hilft ein Schuss ins Blaue ja weiter…

  2. Clair sagt:

    Ich habe da zwei alte Auktionen zu Elisabeth Ankermann gefunden. Vielleicht kannst Du sie aber auch schon?
    Plums, cherries, sunflowers in copper pan on table
    Christie’s, South Kensington – October 8, 1998 – $3,099
    Still life with fruit
    Ruef Kunstauktionen, Munich – April 10, 1997 – $582
    Leider sind die Bilder selbst nicht mit abgebildet

  3. Franziska Mattern sagt:

    Hallo, meine Oma hat auch noch Bilder und einen handgeschrieben Brief und Postkarte von ihr. Anscheinend hat sie sich auch mal in der Grafschaft Bentheim aufgehalten. Gibt es da eventuell auch eine Verbindung zu dem damals hier ansässigen Rektor Ankermann?

    • Irmi Gegner-Sünkler sagt:

      Hallo Frau Mattern – das ist ja spannend! Gibt es eine verwandtschaftliche Beziehung Ihrer Familie zu Elisabeth Ankermann? Wäre es möglich, eine Kopie des Briefes zu bekommen?

      Herzliche Grüße von Irmi Gegner-Sünkler

  4. gerbrand caspers sagt:

    Hallo, ich suche Verbindung zu ein Künstler(in) die ihre Farbholzschnitt-drücke mit E. Ankermann unterzeichnete. Freundliche Grüssen Gerbrand Caspers, Friesland, Niederlände

  5. Irmi Gegner-Sünkler sagt:

    Hallo Herr Caspers – Elisabeth Ankermann unterzeichnete Ihre Werke üblicherweise mit E. Ankermann. Bitte vergleichen Sie doch einmal den Schriftzug (obige Abbildung). Der Name ANKERMANN erscheint auf all ihren mir bekannten Werken in Druckschrift.

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