Faszination Ostpreußen

Meine erste persönliche Begegnung mit Ostpreußen war die Heiratsurkunde meiner Großeltern, die ich vor etwa 20 Jahren beim Standesamt Bremen-Blumenthal anforderte. ‚Landsberg in Ostpreußen‚ war darin als Geburtsort meines Großvaters angegeben.

Ich wusste damals nur wenig über die Geschichte Ostpreußens – von Landsberg und Preußisch Eylau hatte ich nie zuvor gehört. Ich suchte den Ort auf der Landkarte, begann mich mit der Geschichte Ostpreußens zu beschäftigen – und dann ergriff mich ein Virus! Ich saß jahrelang in der Oldenburger Forschungsstelle der Mormonen, um nach den Gegner-Vorfahren zu suchen – ich stöberte im Geheimen Preußischen Staatsarchiv und im Staatsarchiv von Allenstein nach Unterlagen – ich besuchte den Soldatenfriedhof in Polen, auf dem mein Großvater 1915 bestattet wurde und ich erkundete die Orte, in denen meine ostpreußischen Ahnen gelebt hatten. Nach wie vor lese ich sämtliche Bücher über Ostpreußen, die mir in die Finger geraten – und ich schreibe über Ostpreußen.

2004 – hinter Eichhorn, Pr. Eylau

 

Aber warum lässt mich Ostpreußen nicht mehr los?

Es gibt verschiedene Gründe:

  • Meine ostpreußischen Ahnen spielten während meiner Kinder- und Jugendzeit überhaupt keine Rolle. Es wurden keine Geschichten erzählt, in denen sie vorkamen, es gab keinerlei Fotos – sie waren einfach nicht existent. Ich möchte ihnen einen gebührenden Platz einräumen und ihnen endlich Leben einhauchen.

  • All meine ostpreußischen Vorfahren haben dazu beigetragen, dass ich heute so bin wie – ich trage nicht nur das Erbe der Weser-Kahnschiffer der hanseatischen Seeleute oder das der hessischen Schneider in mir, sondern auch das der ostpreußischen Bauern, Gärtenierer und Müller. Ich lerne viel über mich selbst, wenn ich mich mit den Lebenswegen meiner Ahnen beschäftige: von den Seefahrern unter ihnen habe ich wohl das Fernweh geerbt, das mich manchmal packt – meine melancholische Seite ist vermutlich ein Vermächtnis meiner ostpreußischen Vorfahren.

    2004 – Prassen

  • Ein sehr emotionaler Bezug zu Ostpreußen kam schließlich zustande durch meine Reisen in die Heimat meiner ostpreußischen Ahnen. Bei den Fahrten durch die hügelige natangische Landschaft kam es mir vor, als sei ich in eine andere Welt eingetaucht, in eine andere Zeit ‚gebeamt‘ worden. Das Aufspüren der Stätten, an denen meine Vorfahren dort lebten, der Kirchen, in denen sie getauft und der Friedhöfe, auf denen sie bestattet wurden, hat mich tief berührt. Diese Bilder sind immer noch sehr präsent.

Von manchen Viren möchte man ja nicht unbedingt infiziert werden – aber der Ostpreußen-Virus kann gern bleiben! 

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Ein Kommentar zu Faszination Ostpreußen

  1. Helmut Schwarz sagt:

    Dieser interessante Bericht spiegelt meine Erfahrungen und Empfindungen wider, die ich bei der Suche nach meinen ostpreußischen Vorfahren weitgehend ebenso erlebe. Dieser ostpreußische „Zweig“ wurde nie erwähnt in der Familie. Ich hatte lediglich die Geburtsurkunde meines ostpr. Großvaters in Händen, der auf seiner beruflichen „Wanderschaft“ meine Großmutter in Hamburg kennen lernte und auch heiratete. Durch meine Recherche beim Geheimen Staatsarchiv in Berlin und weiterhin durch meine Mitgliedschaft bei Ancestry lernte ich die Vielfalt meiner ostpreußischen Ahnen kennen und schätzen. Inzwischen habe ich diese Orte besucht (Königsberg/Löbenicht/Ziegelhof) ,und habe mich in Träumereien in die Welt meiner Vorfahren versetzt. Fast ausnahmslos war die gesamte große Familie in der Landwirtschaft tätig. Für mich ist Ostpreußen ein faszinierendes Land, das ich jederzeit wieder besuchen würde. Seit meiner Jugend zieht es mich dorthin; in das Land meiner Väter.

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