Aus einem Zinsbuch des Amtes Balga von 1684

Ich möchte ein wenig Freude wecken am Lesen alter Dokumente, indem ich einige Auschnitte aus einem Ostpreußischen Folianten zeige – und zwar aus einem Zinsbuch des Amtes Balga aus dem Jahre 1684. Vieles von dem, was dort zu lesen ist, wurde bereits ausgewertet und in verschiedenen Schriften veröffentlicht. Auch ich wusste, was ich in diesem Amtsbuch über meine Vorfahren finden würde – aber dennoch macht es mir großen Spaß, diese so sorgfältig geführten alten Bücher durchzublättern!

Einiges hatte ich mir bei früheren Besuchen des ‚Geheimen Staatsarchivs Pr. Kulturbesitz‘ in Dahlem aus den Folianten bereits herausgesucht und kopieren lassen. Mittlerweile wurden aber eine Reihe der Ostpreußischen Folianten des ehemaligen Königsberger Staatsarchivs digitalisiert und sind nun online einsehbar – u.a. hier!

Zum Amt Balga gehören um 1684 auch viele Orte des späteren Kreises Heiligenbeil, in denen einige meiner Vorfahren lebten – u.a. Hans Tolkmitt in GehdauMichel Lange in Lütkenfürst und Jacob Ewert (Ebert) in Schönlinde. Sie alle werden auch in diesem Buch genannt.

Aber zunächst einige Überschriften aus diesem Zinsbuch, die vielleicht schon verdeutlichen, weshalb es  mir so viel mehr Spaß macht, in den Original-Folianten zu stöbern als irgendwelche gedruckten Abhandlungen zu lesen.

Verzeuchnüß der Schultzen, Ihrer Huben, undt zu waß Sie dieselbe besitzen

undt waß Ihre Pflichte seyn

Die Cöllmische Freyen dieses Ambts

Einnahm Geldt.

An Bußen so der Herr Haubtmann

Zuerkandt

Manche Amtsschreiber haben offenbar Freude an der Gestaltung ihrer Bücher gehabt. Da ich selbst auch heute noch gern mit der Hand schreibe, bin ich begeistert von der wunderschönen Ausgestaltung. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, dass sämtliche Amtsbücher derart gut lesbar und prachtvoll verziert sind – Schmierfinken gab es auch damals!

Vielleicht entdeckt man in einem solchen Amtsbuch auch einen Vorfahren, der dort eingetragen wurde, weil er etwas Verwerfliches gesagt oder getan hat. Unter der zuletzt eingefügten Überschrift über das ‚Einnahme Geldt an Bußen‚ ist zum Beispiel zu lesen, daß Gerge Schultz aus Eisenberg ein Strafgeld zu entrichten hat, ‚weil er wider den Priester daselbsten ehrenrührig gesprochen‘. (Er gehört aber nicht zu meinen Ahnen!)

Jeder Ort und jedes Gut des Amts wird genau beschrieben. Und in dem folgenden Text wird auch mein Vorfahre Hans Tolkmitt (Tolckmith) genannt.

Gedau

Hatt eine Neue Handt Veste unter eigener Hohen Handt, vom Markgraf George Wilhelm Churfürsten zu Brandenburg. Ist gegeben Anno 1639. Wohnen daselbst 5 Freyen, mit Nahmen Friederich Schultz, Hanß Tolckmith, Michel Tolcksdorff, Friedrich Radau und Peter Schwarck, besizen 22 Huben 11 Morgen zu Cöllmischen Rechten, leisten Zusammen einen tüchtigen Dienst, mit Pferdt, Mann und Harnisch, imgleichen ist jeder Jährl. Auff Sanct Martini, des Bischoff Tage 1 schf. Weytzen und 1 schf. Korn zu geben schuldig. Im übrigen Von allem Scharwerck alte Häuser Zu brechen, Neue zu bauen auch andere pflichten und Beschwerden, wie dieselben Nahmen haben und erdacht werden mögn, Erb und Ewiglich ganz und gar Befreyet, und dabey Zu allen Zeiten geschüzet werden sollen.


Ich würde mich sehr freuen, wenn ich vor allem einige der jungen Ahnenforscher dazu anregen könnte, auch Einsicht in alte Dokumente zu nehmen und sich nicht nur mit dem Sammeln von Namen und Daten zu begnügen !!!

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