Deutsch-russische Zusammenarbeit

In einigen Bereichen klappt die deutsch-russische Zusammenarbeit ja nicht immer – in diesem Fall war sie jedoch sehr erfolgreich :-)

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anfrage aus Kaliningrad. Tatjana – eine junge russische Reiseleiterin – war bei ihrer Recherche im Internet auf diesen Bericht über ein Haus in der ehemaligen Luisenstraße (heute ul. Komsomolskaya/ул.Комсомольская Nr. 21) gestoßen.

Tatjana war gerade dabei, eine Führung durch die Luisenstraße vorzubereiten und bat um nähere Informationen zur Familie des Kaufmanns Julius Schnell, die in diesem Haus gelebt hatte. Diese Bitte habe ich ihr gern erfüllt und mittlerweile fanden – unter dem Motto „Häuser, Leute, Ereignisse“ – bereits zwei Spaziergänge durch die Straße statt, an denen insgesamt etwa 90 Personen teilnahmen.

Luisenstrasse-horz

Ich freue mich darüber, dass Tatjana auf diese Weise ein wenig über die früheren Bewohner dieses schönen Hauses erzählen konnte und dass das Foto von Julius Schnell, der 1945 in Rostock verstarb, auf diesem Wege wieder vor seinem ehemaligen Haus gelandet ist!

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Posamentarier-Witwe aus Danzig verstirbt in Müggen, Pr. Eylau

In Müggen, einem kleinen Ort im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, stirbt am 19. Februar 1755 eine alte Witwe namens Barbara. Leider wurde ihr Familienname nicht notiert – vermutlich war er den Bewohnern im Ort und dem Pfarrer gar nicht bekannt. Dennoch gibt der Sterbeeintrag im Kirchenbuch Auskunft über die Lebensumstände der Verstorbenen und – nachdem mir das Entziffern des Berufes ihres Ehemannes endlich gelungen war – habe ich viel Neues gelernt und weiß nun:

Barbara war die Ehefrau eines Posamentierers – früher auch ‚Bortenwirker‚ genannt. Dieser Beruf war mir völlig unbekannt.

Orna119-Franzen-LambrequinsPosamente (aus dem französischen passement) sind Besatzartikel, die keine eigenständige Funktion besitzen, sondern lediglich als Schmuckelemente auf andere textile Endprodukte wie Kleidung, Polstermöbel, Lampen-schirme, Vorhänge und andere Heimtextilien appliziert werden. Als Posament zählen Zierbänder, gewebte Borten, Fransenborten, Kordeln, Quasten, Volants, Spitzen aller Art, kunstvoll besponnene Zierknöpfe und Ähnliches‘. (Wikipedia)

Die Abbildung stammt aus: Franz Sales Meyer – A handbook of ornament (1898)

Auch 1817 sind im Adressbuch von Danzig noch eine ganze Reihe von Posamentierern aufgeführt.

Danzig_Adressbuch

Dach zurück zu Barbara. Sie war erst 14 Tage vor ihrem Tod in Müggen angekommen -nach einer langen und vermutlich beschwerlichen Reise. Bei der Belagerung Danzigs, die bereits im Jahre 1734 stattgefunden hatte, hatte sie all ihr Hab und Gut und wohl auch ihren Ehemann verloren, war aus der Stadt geflohen und letztlich in Müggen ‚gestrandet‘.

Hintergrund der Belagerung Danzigs war der Polnische Thronfolgekrieg (1733–1738), in den mehrere Länder verwickelt waren und über den an vielen Stellen berichtet wird. Eine besondere Rolle spielt dabei u.a. der aus Neuenhuntorf bei Oldenburg stammende Graf Burkhard Christoph von MünnichAls Generalfeldmarschall und Anführer der russischen Armee eroberte er 1734 Danzig, ’schlug die Unruhen in Warschau nieder und übernahm in der Ukraine den Oberbefehl gegen die Türken. Im Russisch-Österreichischen Türkenkrieg verwüstete er 1736 die Krim, im gleichen Jahr wurde er mit den Weißen-Adler-Orden ausgezeichnet. 1736 wurde er zudem Generalissimus aller russischen Armeen‘ ….(Wikipedia).

Bei dieser Belagerung ‚wurden allein 4430 Bomben in die Stadt geworfen, und dadurch 1800 Häuser zum Theil bedeutend beschädigt und 1500 Civilpersonen getödtet oder verwundet‘. (K. Hoburg, ‚Die Belagerung der Stadt Danzig im Jahre 1734‘; Danzig 1858; Seite 61).

Die Witwe Barbara muss demnach 20 Jahre lang unterwegs gewesen sein bevor sie letztlich in dem kleinen natangischen Ort Müggen landete. Nachfolgend ihr Sterbeeintrag aus dem Eichhorner Kirchenbuch:

Sterbeeintrag_1755_Eichhorn

‚Den 19. Febr(uar) starb in Miggen (=Müggen), eine alte Wittwe, Barbara …., deren Mann in Danzig ein Bortenwürckner gewesen, und in der Belagerung, da sie alles ihrige verlohren, nach Preußen geflüchtet seyn soll, nachdem sie 14 Tage vorher dahir gekommen; und ward den 20. Febr(uar) wegen außerster Armuth ganz stille begraben. Die Kirche bekam nichts‘.

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Caspar Henneberger und Worienen

Schon lange beschäftige ich mich mit der Geschichte des kleinen Ortes Worienen (heute Woryny) – unweit von Landsberg (Górowo Iławeckie) im ehemaligen Kreis Pr. Eylau gelegen – der bereits zu Ordenszeiten als Mittelpunkt des natangischen Gaus Wore bzw. Woria von besonderer Bedeutung war. Eine Chronik dieses Ortes, an der ich seit mehreren Jahren arbeite, ist mittlerweile auf etwa 300 Seiten angewachsen und wird hoffentlich in absehbarer Zeit fertig werden.

Seit ich mich mit der Geschichte Worienens befasse, interessiere ich mich auch für historische Karten dieser ostpreußischen Gegend und versuche, den Ort darin zu finden. In vielen dieser alten Landtafeln ist Worienen gar nicht verzeichnet – auch in der von Caspar Henne(n)berger im Jahre 1576 angefertigten Karte fehlt der Ort.

Henneberger_1636

Caspar Henneberger war Pfarrer – u.a. in Domnau und Mühlhausen, wurde aber vor allem als Kartograph und Landeskundler bekannt. Schon als Student in Königsberg sammelte er Landkarten von Preußen und verglich sie mit der Realität und vorhandenen Berichten. ‚Als nun … 1570 eine höchst mangelhafte Karte von Preußen erschien, forderten ihn verschiedene Personen auf, eine bessere zu verfertigen, was Henneberger auch endlich unternahm. Zu diesem Zwecke bereiste er das Land angeblich sieben Jahre hindurch‘. (Quelle: F. von Selasinski, Über Land- und Seekarten, Grundrisse u. Städtedarstellungen, welche Ost- u. Westpreußen betreffen, in ‚Neue Pr. Provinzial-Blätter; Königsberg 1848; Seite 372).

Karten, die um diese Zeit erstellt wurden, sind aufgrund der damaligen Möglichkeiten ungenau und auch unterschiedlich. Die Kunst des Feldmessens befand sich erst in den Anfängen – es gab noch kein einheitliches Maß. Henneberger richtete sich bei den Angaben der Entfernungen vor allem nach den Schätzungen der ansässigen Bewohner.

Die politische und administrative Einteilung des Herzogtums Preußen wurde fast völlig ignoriert. Herzog Albrecht hatte das Land zu Beginn seiner Regentschaft in Hauptämter und Kammerämter unterteilt und diese in drei Hauptabteilungen zusammengefasst – in den Samländischen, den Natangischen und den Oberländischen Kreis. ‚Henneberger, der nicht bloß Chorograph, sondern vielmehr noch Historiker sein wollte, der auch wohl diese verwickelte Eintheilung unbequem finden mochte, zog es vor, Preußen nach den Landschaften der heidnischen Preußen abzutheilen. Diese Vermischung des Historischen mit dem Geographischen war ein Mißgriff, der allen Karten von Preußen bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts in den Augen der Landeskundigen ein wunderliches Ansehen geben muß‘. (Quelle: F. von Selasinski, Über Land- und Seekarten, Grundrisse u. Städtedarstellungen, welche Ost- u. Westpreußen betreffen, in ‚Neue Pr. Provinzial-Blätter; Königsberg 1848; Seite 374)

Henneberger selbst beschreibt 1595 sehr detailliert, welche Kosten und Mühen er auf sich nehmen musste, um – neben seinem Beruf als Pfarrer – durch die Lande zu reisen, alte Chroniken zu studieren, zunächst einzelne Mappen der verschiedenen Gebiete anzulegen und anschließend die gesamte Landtafeln erstellen zu können. Seen, Sümpfe und Waldgebiete mussten überwunden werden, Amtsleute und Anwohner wurden befragt. In manchen Gegenden ‚weiss man offtmals der flüsser namen gar nicht, und wenn mann sie nicht in alten Handfestungen und Verschreibungen fünde, so weren der alten namen viele gar verloren, denn die leute achten solches nicht gros, wenn sie nur den nutzen und ein Kannen Bier dabey haben, sein sie wohl content‘ schreibt Hennneberger in seiner ‚Erclerung der Preussischen grössern Landtaffel.‚ (Digitalisat der Bayrischen Staatsbibliothek)

In seine 1638 gezeichnete Karte hat Caspar Henneberger den Ort Worienen dann doch eingetragen. Die Umgebung von Worienen ist ziemlich morastig – vielleicht hatte er vorher Schwierigkeiten, den Ort überhaupt zu erreichen?

Henneberger_Karte

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Einblick in das älteste Kirchenbuch von Kl. Dexen

Das älteste Kirchenbuch des ehemaligen Kreises Pr. Eylau ist ein Taufbuch der Kirche von Klein Dexen, das im Jahre 1607 beginnt.

‚In Dexen wirkte damals der Pfarrer Johannes Lucas, welcher bei seiner am 28. Februar 1596 auf der Albertina in Königsberg unter dem Rektorat des Professors Gruner erfolgten Immatrikulation unter dem Namen Hollandinus Borussus genannt wird, also aus Pr. Holland stammte‘. `(Quelle: Johannes Hoehne, Das Amt Pr. Eylau um 1600, unter besonderer Berücksichtigung des Kirchsspiels Kl. Dexen; 1909).

Pfarrer Lucas notiert auf der ersten Seite des Kirchenbuchs: ‚Anno 1607 – Register wie vi(e)l ich, Johannes Luca ahir zu Dexen Pfarrer von di(e)sem iar (Jahr) angefangen, zu trauen(,) zu tauffen undt wie vi(e)l endtlich auch gestorben.‘Dexen_1607

Die Heirats- und Sterbeeinträge der Anfangszeit existieren leider nicht mehr – sie sind erst ab 1698 vorhanden.

Die frühen Taufeinträge enthalten nur wenige Informationen. Man findet noch keine Familiennamen und nur selten werden die Vornamen der Kinder genannt – zeitweise erfährt man  nicht einmal das Geschlecht des Täuflings.


Ein Beispiel aus dem Jahr 1609: Kl.Dexen_1609

Getauft werden: am 26 October ‚Ein Kindt von Orschen‘ – am 29. October ‚Mickels Kindt von Rositten‘.

Sehr selten taucht auch um diese Zeit ein Familienname auf – man muss regelrecht danach suchen. Entdeckt habe ich 1608 Hans Lembcke aus Bornehmen.

KL.Dexen_1614

Getauft werden im Januar des Jahres 1614:

  • Radmachers Kindlein von Orschen
  • Krollen Töchterlein von Toprin Elisabeth
  • Lorenzen Kindlein von Toprin u.
  • Erharts Kindlein von Alkainen

(Toprin=Topprienen; Alkainen=Alkehnen)

KL.Dexen_1623

Auch der Name von Davids Töchterlein aus Orschen, das im Januar des Jahres 1623 zur Taufe gebracht wird, wird uns nicht verraten.

Ab etwa 1625 werden die Vornamen der getauften Kinder fast durchgängig genannt.

Familiennamen bilden noch immer die Ausnahme – aber ab und zu erfährt man sie doch: Ludwich Erdmann ist 1626 Instmann in Topprienen und lässt seine Tochter Dorothea taufen – 1627 lässt Mikel Sergannt in Claussen seinen Sohn Andreas taufen – Quednau in Alkehnen ebenfalls einen Sohn Andreas – Pasternak in Pilzen seinen Sohn Johannes und Hans Müllenhauer in Orschen seinen Sohn Christoph.

Auch um 1630 sind zwischendurch immer noch Einträge wie diese zu lesen: (Taufen lässt) ‚Hans, ein Instmann zu Dulzen, sein Söhnlein‚ oder ‚Peter von Orschen sein Töchterlein Anna.‘

Taufpaten werden bis zum Jahr 1618 überhaupt nicht angegeben.

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Akten des Magistrats von Landsberg, Pr. Eylau

Unter den vielen Akten, die ich im vergangenen Frühjahr im Staatsarchiv von Olsztyn (Allenstein) einsehen konnte, befanden sich auch Akten des Magistrats von Landsberg, Pr. Eylau.

Enthalten sind u.a. Vermerke über die Erteilung von Bürgerrechten und dieMagistrat_Wetzger Ausfertigung von Bürgerbriefen – zum Beispiel für den Mühlenmeister Ernst Carl Wetzger. Dieser stellt am 25. Oktober des Jahres 1827 in Landsberg den Antrag, man möge ihn als Bürger dieser Stadt aufnehmen. Nur wenige Tage später – am 3. November – wird Carl Wetzker vorgeladen und erhält (nach Abnahme des Bürgereids) den erwünschten Bürgerbrief .

Auch der Schmiedegeselle Johann Westphal wendet sich an den Magistrat. In einem Aktenvermerk vom 6. September 1824 heißt es: ‚Es erscheint unaufgefordert der Schmidt-Geselle Johann Westphal von hieselbst, mit der Anzeige, wie er gesonnen sey, das Gewerbe als Grobschmidt in Landsberg zu treiben, habe sich zu diesem Ende auch schon ein Grundstück gekauft und bitte (,) ihm das Bürgerrecht zu ertheilen. Dem Schmidt-Gesell Johann Westphal wurde eröffnet, daß der von ihm gemachte Antrag der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung mitgetheilt werden müsse, und wenn dieselbe keine gegründete Einwendungen gegen Ertheilung des Bürgerrechts zu machen haben sollte, er sogleich in die Zahl der hiesigen Bürger aufgenommen werden würde‘.

Magistrat_1824

Einwendungen gibt es nicht – am 19 September erscheint Johann Westphal nach vorheriger Vorladung erneut vor dem Magistrat. Nachdem man ihn ‚von den Pflichten eines Bürgers gehörig in Kenntniß‘ gesetzt und ihm den ‚vorgeschriebenen Bürger-Eid nach lutherischem Kirchen-Gebrauch abgenommen‘ hat, wird ihm der Bürgerbrief sogleich ausgehändigt.

Landsberg_Magistrat_BitterIm Juni 1827 wird vom Magistrat ein Vermerk über die beantragte Volljährigkeit des Landsberger Schuhmachergesellen Ernst David Bitter angelegt. Darin heißt es: ‚Daß der hiesige Schuhmachergesell Ernst David Bitter mit seiner Zustimmung von seinem Vater, dem hiesigen Eigenthümer Ernst David Bitter laut dessen gerichtlicher Erklärung vom heutigen Tage aus der väterlichen Gewalt entlassen worden, und nunmehr fähig ist, sich und seinem Vermögen selbst vorzustehen, und in allen bürgerlichen Geschäften gleich einem Großjährigen frey und allein zu handeln, wird hirdurch zum öffentlichen Glauben und mit dem Bermerken bescheinigt, daß dieser Entlassung aus der väterlichen Gewalt auch von Seiten des unterschriebenen Gerichts, als vormundschaftlicher Behörde genehmigt worden ist‘.

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Über das Leben meines Vaters in Babelsberg

Manchmal denke ich, dass ich besser informiert bin über das Leben einiger Vorfahren, die während des 18. und 19. Jahrhunderts in unterschiedlichen Gegenden lebten, als über einige Lebensumstände meiner Eltern und Großeltern. Möglicherweise liegt dies daran, dass zu Lebzeiten meiner Eltern mit uns Kindern über so manches nicht gesprochen wurde – oder dass ich nicht aufmerksam zugehört habe …?

Beim Stöbern in meinen Unterlagen entdeckte ich vor einigen Tagen Photos aus dem Leben meines Vaters und stellte fest, wie wenig ich doch über seine Zeit in Babelsberg weiß. Ich erinnere mich nur daran, dass er manchmal von seinen Statisten-Rollen in den Babelsberger Filmstudios erzählte, durch die er sich als junger Mann ein wenig Geld hinzuverdiente.

Kurz vor seinem 23. Geburtstag heiratete mein Vater Karl August Gegner  in Nowawes zum ersten Mal. Seine Ehefrau Kätchen Lea Alice Schneider war 7 Jahre älter. Sie wurde am 4. Juli 1904 in Schönwalde, Kreis Schweinitz, geboren. Auf  dem linken der folgenden Bilder sieht man meinen Vater mit seiner Ehefrau Alice (rechts neben ihm). Wer mag die andere Dame sein – ihre Mutter oder Schwester? Auf der Rückseite des Bildes, auf dem sie allein photographiert wurde, ist vermerkt: ‚1946 – im Garten.‘


Mein Vater wohnte mit seiner ersten Ehefrau in Babelsberg, in der Wilhelmstraße Nr. 95. Irgendwann sind beide nach Bremen-Aumund (zur Mutter meines Vaters) gezogen. Die Ehe wurde 1945 einvernehmlich geschieden – 1945 heirateten meine Eltern – 1947 wurde ich geboren.

Noch lange muss es eine Verbindung nach Babelsberg gegeben haben. Ich fand zwei Photos, die 1971 in Babelsberg entstanden sind. Auf einem dieser Photos ist im Hintergrund mein Vater zu sehen – mittlerweile 60 Jahre alt. Vor ihm hat sich offenbar eine ganze Familie versammelt. Es scheint, als stünden dort zwei Kinder mit ihren Eltern und Großeltern. Das andere Bild zeigt die Großmutter der Familie mit meinem Vater.

Außerdem entdeckte ich eine Postkarte, die im Sommer 1971 von einer Familie Gangei (Willi und Lina) aus der Ernst-Thälmannstraße (heute Großbeerenstraße) Nr. 149 an meinen Vater nach Bremen-Blumenthal gesandt wurde. Familie Gangei erkundigt sich, ob mein Vater die Bilder erhalten habe, die man ihm nach seinem Besuch in Babelsberg zugeschickt habe.

Potsdam_1971_2

Potsdam_1971

 

 

 

 

 

 

 

Die Wilhelmstraße in Babelsberg heißt heute Alt-Nowawes. 2010 bin ich diese Straße entlang gegangen – von dort aus gelangt man direkt zum Eingang in den Babelsberger Park. Da ich nicht weiß, ob sich auch die Hausnummern geändert haben, bin ich nicht sicher, in welchem Haus mein Vater gewohnt hat – auf jeden Fall hat er in einer schönen Gegend gewohnt!

AltNowawes_2

Vielleicht gelingt es mir auf diesem Wege, noch Näheres über die Zeit meines Vaters in Babelsberg und die Familie seiner ersten Ehefrau  herauszufinden ….?

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Albert Fischer – Lehrer in Landsberg, Pr. Eylau

Albert Otto Fischer wird am 17. September 1879 als Sohn des ‚Königlichen Steueraufsehers‘ Heinrich Fischer und seiner Ehefrau Johanne Augustin in Gingen, Kreis Lyck, geboren. Im Alter von 24 Jahren heiratet er am 14. Oktober 1903 in Landsberg Helene Elisabeth Wegg, eine Tochter des Gärtners Gottlieb Heinrich Wegg und seiner Ehefrau Louise Dorothea Gegner, am am 6.8.1880 in Glomsienen zur Welt kommt.

Heiratseintrag aus dem KB Landsberg

Am 30. Juli 1907 wird in Landsberg Sohn Werner Heinrich Kurt Fischer geboren – am 5. Oktober 1918 verstirbt Helene Fischer, geb. Wegg im Alter von nur 38 Jahren. Albert Fischer heiratet 1919 Gertrude Knuth aus Königsberg und beide bekommen noch eine Tochter namens Vera, die am 5. Dezember 1920 in Landsberg geboren wird.

‚Albert Fischer wurde mit 21 Jahren als Lehrer in Wildenhoff angestellt. 1903 wurde er Lehrer in einer Schule bei Zinten (Anmerkung: lt. Heiratseintrag im Kirchenbuch befand sich die Schule in Maggen) und kam zwei Jahre später nach Landsberg an die Stadtschule. Er war Mitglied im Kreis der Heimatforscher und Chronist, Geschworerner beim Landgericht Bartenstein, Leiter des Kriegervereins, Mitglied der Schützengilde und von 1909 bis 1943 Vereinsführer des Männerturnvereins. Er starb am 31.10.1943 bei einem Propagandamarsch in der Pr. Eylauer Staße – gegenüber dem Haus von Malermeister Schmidtmann‘. (Quelle: Manfred Groß, Einwohnerverzeichnis Landsberg)

Als begeisterter Heimatforscher schrieb Lehrer Fischer 1935 die ‚Geschichte der Stadt Landsberg Ostpreußen durch sechs Jahrhunderte‘.

Albert Fischer unterrichtete und wohnte in der ‚Alten Stadtschule‚, die 1861 von Baumeister Jeromin an der Zintener Chaussee erbaut wurde. Später wurde diese Straße in ‚Schulstraße‘ umbenannt  – die Schule hatte die Hausnummer 117. Im Erdgeschoss des Gebäudes befanden sich 6 Klassenzimmer und im 1. Stock insgesamt 5 Lehrerwohnungen mit jeweils zwei Zimmern und einer Küche.

Auch einige meiner Vorfahren werden in dieser Schule ein- und ausgegangen sein und (wie wohl alle Schüler) dort Erfolge und Misserfolge erlebt haben. Meine Urgroßmutter Therese Westphal kam 1863 in Landsberg zur Welt – sie wird ihre Schulzeit sicherlich in diesem Haus absolviert haben. Möglicherweise wurde auch mein Großvater Carl Ludwig Gegner noch dort eingeschult bevor die Familie ihre ostpreußische Heimat verließ.

Landsberg_Stadtschule

Quelle: Google Street View

Das Grab von Albert Fischer existiert noch und wird noch gepflegt.

Das Photo entstand bei meinem Besuch in Landsberg im Sommer 2011.

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Aufgliederung der Vorfahren nach einzelnen Linien

Um einen besseren Überblick zu erhalten, habe ich damit begonnen, all meine bereits ermittelten Vorfahren nach einzelnen Linien aufzugliedern. Dabei gehe ich von meinen beiden Großeltern-Paaren aus und stelle jeweils nur die Ahnen eines Großelternteils zusammen. Ich habe festgestellt, dass diese Gliederung mir dabei hilft, Lücken zu erkennen, die es noch zu bearbeiten gilt. Außerdem behalte ich auf diese Weise die Regionen eher im Blick, aus denen meine Vorfahren stammen.

Zwei neue Seiten sind so entstanden:

  1. ein Überblick über die ostpreußischen Vorfahren meines Großvaters Carl Ludwig Gegner, mit denen ich mich in den letzten Jahren am intensivsten beschäftigt habe,
  2. ein Überblick über die Vorfahren meiner Großmutter Caroline Auguste Müller, die teilweise in Sachsen und in Norddeutschland – vor allem im Gebiet Osterstade – ansässig waren.

Den Gesamtüberblick über sämtliche Ahnen gibt es hier.

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Digitale Schriftkunde

Ein tolles Projekt! Anhand ausgewählter Quellenbeispiele aus den Beständen der bayrischen Staatsarchive, die aus verschiedenen Epochen stammen und mit Entzifferungshilfen und Transkriptionen aufbereitet wurden, wurde eine großartige Übungsplattform zur Entzifferung deutscher und lateinischer Handschriften geschaffen. Da wird so mancher Hobby-Genealoge sicherlich begeistert sein!

Durch ein Anklicken des Bildes sollte man dort landen!

DigitaleSchriftkunde

 

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Albrechtsdorf, Pr. Eylau – Wolhynien – USA

Ohne das Internet, viele Unterlagen und ohne ein wenig Phantasie wäre dieses Rätsel so schnell wohl nicht zu lösen gewesen …

Vor etwa einer Woche erreichte mich eine Anfrage aus den USA, in der es um eine Familie GNOSS ging, die möglicherweise aus dem Kreis Pr. Eylau stammen könnte, dann nach Wolhynien gezogen war und deren Nachfahren von dort aus in die USA ausgewandert waren. Zum ersten Mal habe ich mich deshalb mit den deutschen Siedlern in Wolhynien befasst.

‚Wenn von Wolhyniendeutschen die Rede ist, meint man gewöhnlich jene Gruppe von Deutschen, die vom 19. Jahrhundert bis zum 2. Weltkrieg in Wolhynien ansässig waren. Von entscheidender Bedeutung für das Deutschtum in Wohlynien waren die Ereignisse der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts. In Polen wurde der 2. Aufstand gegen Russland vorbereitet und es entstand eine Unruhe unter den dortigen Deutschen, noch mehr als 1831. In Russland wurde 1862 die Befreiung der Bauern von der Leibeigenschaft von Zar Alexander II. durchgeführt.

Die Gutsbesitzer verloren ihre billigen Arbeitskräfte, die Wälder brachten wenig ein, und die Wirtschaft stand vor dem Ruin. Die einzige Rettung sah man in dem Verkauf und der Verpachtung von Ländereien an deutsche Kolonisten. Man schickte Scharen von Werbern nach Polen und Deutschland, und die russische Regierung unterstützte diese Aktion. Die Werbung hatte Erfolg, und tausende von Siedlern strömten aus Polen und Deutschland ein. Die meisten kauften das Land zum Preise von 11 bis 16 Rubel für den Hektar, weniger Bemittelte wurden Pächter. Sie ließen sich in der Wolhynischen Polessje der Kreise Shitomir und Nowogradwolynsk nieder und gründeten die sogenannten Waldkolonien um das spätere Kirchdorf Heimthal. Auch bei Rowno entstand eine Gruppe neuer Kolonien und in anderen Kreisen ebenfalls‘. (Heimtal, Heimthal, Stara Buda, russ. Старая буда [staraja buda] oder Старая-Буда; ehemals Karolinka, russ. Каролинка; heute ukr. Ясенівка [jasseniwka], russ. Ясеновка [jassenowka]) Quelle: Die Wolhyniendeutschen

Zu diesen Auswanderen nach Wolhynien, die sich in Heimthal und der Umgebung ansiedeln, gehören auch mehrere Mitglieder einer Familie Gnoss aus dem Kreis Pr. Eylau.

Wilhelm Gnoss wird am 26. Januar 1812 in Müggen, im Kirchspiel Eichhorn, als Sohn des Instmanns Johann Christoph Gnoss und dessen Ehefrau Erdmuth Damerau geboren. Als einer seiner Taufpaten wird mein Ur-Ur-Ur-Großvater, der Eichhorner Leinewebermeister und Krüger Ernst Wilhelm Gegner im Kirchenbuch genannt. (Er ist der Ehemann von Regina Elisabeth Gnoss, einer Schwester von Christoph Gnoss).

Anders als sein Vater erlernt Wilhelm Gnoss ein Handwerk und wird Schneider. Mit 24 Jahren heiratet er in Albrechtsdorf die Schneidertochter Anna Dorothea Erdmann und bekommt mit ihr – in den Jahren von 1836 bis 1850 – 8 Kinder, von denen vier bereits im Kleinkindalter versterben. Im August 1850 verstirbt auch Wilhelms Ehefrau. Nur wenige Monate später heiratet er erneut. Seine zweite Ehefrau wird Henriette Scheffler aus Albrechtsdorf, die 15 Jahre jünger ist als Wilhelm selbst.

Weitere 5 Kinder kommen in Albrechtsdorf zur Welt – auch zwei dieser Söhne überleben das Kleinkindalter nicht.

Zwischen 1867 und 1877 verlassen einige Familienmitglieder die Heimat, und zwar die älteste Tochter Caroline Friederike aus Wilhelms erster Ehe mit ihrem Ehemann Carl Wilhelm Langhans sowie die drei noch lebenden Kinder aus zweiter Ehe: HeinrietteRobert und Marie Louise. Wilhelm Gnoss begleitet seine Kinder und zieht gemeinsam mit ihnen in die Fremde. Die Gnoss-Kinder gründen in Wolhynien Familien.

 Am 16. Mail 1879 verstirbt Wilhelm Gnoss in Heimthal im Alter von 67 Jahren.

Die Originale der Kirchenbücher von Heimthal befinden sich im Staatsarchiv von St. Petersburg. Sie wurden bereits ‚bearbeitet‘ – im Internet finden sich Namenslisten  – und auch in der Datenbank der Mormonen sind die Namen und Daten einer Reihe von Wolhyniendeutschen zu finden. Aber hier ist wirklich Phantasie gefragt! Unten sieht man zum Beispiel die Angabe des Geburtsorts von Wilhelm Gnoss – eigentlich sollte es wohl ‚Müggen bzw. Miggen bei Eylau‚ heißen!

Gnoss_Heimthal

‚Ende des 19. Jh. führte die hohe Geburtenrate unter den deutschen Kolonisten (in Wolhynien) zu einer Landverknappung (infolge der Erbteilungsregelung konnten die immer kleiner werdenden landwirtschaftlichen Flächenanteile die Familien nicht mehr ernähren); die Folge war eine Auswanderungswelle nach Sibirien und in den fernen Osten, auch nach Canada, in die USA und nach Brasilien; die Namen der dort neu gegründeten Kolonien sind vielfach mit denen in Wolhynien identisch; so entstand die sehr eigene Identität der Wolhyniendeutschen – nicht nur in Deutschland‘. (Quelle: Begegnung mit Wolhynien)

1891 wandert auch ein Teil der Gnoss-Familie in die USA aus und wohnt fortan in Waupaca County, Wisconsin. Auf dem Foto ist die noch in Albrechtsdorf zur Welt gekommene Marie Louise Gnoss mit ihrem Ehemann Gustav Steinbach zu sehen.

Gustav Steinbach u. Marie Louise Gnoss

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