Mit den Soldaten kam die Rathaus-Uhr nach Landsberg

In Landsberg, Pr. Eylau, wurde nicht nur mein Großvater Carl Ludwig Gegner geboren – meine Urgroßeltern heirateten dort und eine Reihe von Vorfahren-Familien wohnten in dieser kleinen natangischen Stadt. Deshalb interessiere ich mich auch für deren Geschichte. Der folgende Text stammt aus dem Buch ‘Der Kreis Pr. Eylau‘ von Horst Schulz:

‘Landsberg ist im 18. Jahrhundert fünfmal Garnisonsstadt gewesen. Im Jahre 1714 standen hier wie auch in Pr. Eylau Teile der Regimenter Graf zu Dohna und Herzog von Holstein-Beck. Bei der … Verlegung des Regiments Finckenstein von Königsberg in die natangischen Garnisonen rückte am 29.7.1718 eine Musketier Kompanie dieses Regiments in die Stadt ein, um hier ständig in Garnison zu liegen. Chef der Kompanie war der Kaptän von Tippeskirch. Ein Jahr später am 27.6.1719 rückte noch eine zweite Kompanie desselben Regiments unter dem Kapitän von Oldenburg in Landsberg ein und blieb dort. Im Jahre 1722 wurde Oldenburg Major und nahm im August 1724 aus gesundheitlichen Gründen den Abschied. Er war fünf Jahre der dienstälteste Offizier der Garnison. Sein Nachfolger wurde ein Kapitän von Grieben.

‘Im Jahre 1724 zählte jede Landsberg Kompanie – wie auch die anderen des Regiments – 4 Offiziere (Kapitän, Premierleutnant, Sousleutnant, Fähnrich), 11 Unteroffiziere, 3 Tambours, 108 Musketiere, 12 Grenadiere, 1 Zimmermann, 1 Feldscher und fünf Überklomplette zur Deckung der Ausfälle. Also pro Kompanie 145 Mann; zusammen waren also in der kleinen Stadt etwa 300 Soldaten in Garnison. Kasernen gab es nicht, die Soldaten lagen in Bürgerquartieren. Viele der Soldaten waren verheiratet, das zeigten die Taufregister der Landsberger Kirche. Für die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften gab es Quartiergelder; so für einen Kapitän 20-24 Taler im Jahr, für die anderen bedeutend weniger.

Zehn Jahre blieb Landsberg Garnisonsstadt. Im Jahre 1728 kamen die beiden Landsberger Kompanien nach Friedland und die Stadt blieb ohne Militär bis 1753′.

Ich vermute, das stimmt so nicht. In den Jahren, in denen Landsberg angeblich ohne Militär gewesen sein soll, sind im Kirchenbuch der Stadt zahlreiche Heiratseinträge von Soldaten zu finden. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1748:

Auszug aus dem Landsberger Heiratsregister

Auszug aus dem Landsberger Heiratsregister

‘Im Juni dieses Jahres (1753) rückten abermals zwei Kompanien – und zwar die beiden Grenadier-Kompanien – des nun auf 12 Kompanien verstärkten Infanterie Regiments (Nr. 14) von Lehwaldt in die Stadt ein und blieben bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 hier. Auch nach dem Kriege – also 1763 – rückten die beiden Grenadier-Kompanien des späteren Regiments 4 wieder in Landsberg ein und bezogen hier ihre Quartiere. Die Landsberger Kompanie-Chefs waren jetzt die Kapitäne von Collas und von Bredin.

Im Jahre 1769 waren die beiden Landsberger Kompanien im Sommer wieder zum Manöver ausgerückt und während ihrer Abwesenheit wüteten zwei große Brände in der Stadt. Damit war eine weitere Stationierung vorerst unmöglich geworden und die beiden Kompanien wurden in eine andere Stadt verlegt. Der König befahl aber ausdrücklich, “sobald die Stadt völlig retablieret sey”, sollten die beiden Kompanien dort wieder Quartier beziehen. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen.

Landsberg wurde nur noch kurz in den Jahren 1793-1795 mit der Invaliden-Kompanie des Infanterie Regiments (Nr. 16) von Hausen belegt, seitdem blieb es ohne Garnison. Auf Bitte der Soldaten war seinerzeit die Uhr auf dem Rathausturm angeschafft worden,

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die blieb nun als Andenken an die einstige Garnisonszeit zurück’.

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Die Cholera in Königsberg und Landsberg, Pr. Eylau

Im Sommer 1831 bricht in Königsberg eine Cholera-Epidemie aus, mit deren Bewältigung offenbar sowohl die Ärzte als auch der Magistrat der Stadt vollkommen überfordert sind. Ganze Stadtbezirke werden abgesperrt und Lazarette werden eingerichtet, um die Erkrankten isolieren zu können. Teile der Bevölkerung widersetzen sich den angeordneten Maßnahmen – es kommt zu einem Tumult, der schließlich sogar Tote fordert.

1832 erscheint in Königsberg eine von Königsberger Ärzten herausgegebene ‘Cholera-Zeitung‘. Die darin enthaltenen Artikel verdeutlichen die Hilf- und Ratlosigkeit der Ärzte beim Ausbruch der Epidemie. Man versucht verzweifelt, der Ursache für den Ausbruch auf den Grund zu gehen und bemüht sich, wirksame Behandlungsmethoden zu finden.

Cholera-Zeitung

Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek

Unterschiedliche Ratschläge werden erteilt - so wird z. B. empfohlen, zu Beginn der Erkrankung ‘heißen starken schwarzen Kaffee‘ oder ‘Rotwein mit Senf‘ zu trinken, ‘kalte Begießungen‘ vorzunehmen oder aber ‘warme Umschläge‘ zu machen. Andere Ärzte berichten, dass eben diese Mittel zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands führen würden und warnen davor. Die Hilflosigkeit ist groß. Lange Zeit wird gerätselt, ob die Cholera ansteckend sei oder nicht. Wohn- und Lebensverhältnisse der Erkrankten werden eingehend untersucht und es wird erörtert, ob möglicherweise auch psychische Faktoren den Ausbruch der Krankheit und deren Verlauf beeinflussen …

Allein in Königsberg sterben in der Zeit vom 23. Juli bis zum 30. November  2191 Personen an der Cholera – dazu kommen (vom 28.7. bis zum 23.11.) noch 254 Verstorbene aus den zum Kreis gehörenden ländlichen Ortschaften.

Auch in Landsberg treten Fälle von Cholera auf. ‘In diesem Städtchen war zuerst ein alter Invalide, Namens Bilitzki, an der Cholera erkrankt und am folgenden Tage gestorben, und hierauf hatten in demselben Hause der Ackerbürger Hill, dann die Wittwe Reimann, der Maurer Ersch und seine Frau (Hills Eltern), Hills beide Söhne von 8 und 10 Jahren dasselbe Schicksal gehabt; auch eine andere Bewohnerin desselben Hauses, die unverehelichte Gering war von der Cholera befallen, aber geheilt worden …’

Nach Rekonstruktion aller Wege, die von den zuerst Erkrankten an den Tagen vor Ausbruch der Krankheit zurückgelegt worden waren, und nach Prüfung ihrer Lebensverhältnisse kam man zu dem Schluss, dass ‘der Ausbruch und die Verbreitung der Cholera innerhalb des Hillschen Hauses durch dessen besondere Verhältnisse bedingt war. Es liegt im niedrigsten Theile der Stadt an einem Bache, und enthielt ziemlich viel Einwohner. …. Unter diesen Verhältnissen entwickelte sich nun die Krankheit zuerst bei denjenigen Bewohnern des Hauses, die durch anderweitige Umstände dafür besonders empfänglich geworden waren, nämlich zuerst bei dem alten Bilitzki, der schon seit längerer Zeit an Diarrhoe gelitten und am Tage seines Erkrankens den Weg nach Peisten und zurück gemacht hatte, dann bei Hill, der nach Erhitzung vom Regen durchnäßt worden war … Später unterlagen der schädlichen Einwirkung zwei Kinder und zwei alte Leute, und endlich betraf die Krankheit auch zwei rüstige Bewohner des Hauses, sei es nun, daß sie durch Diätfehler oder durch Schreck über die plötzlichen Todesfälle um sie her dazu prädisponirt wurde, oder auch daß die durch Cholerakranke verunreinigte Luft im Hause daran Schuld war’.

Insgesamt ist der Kreis Pr. Eylau von dieser Cholera-Epidemie sehr viel weniger betroffen als andere – es sterben 74 Personen. Zum Vergleich: der Kreis Heiligenbeil verzeichnet 203 Verstorbene, der Kreis Friedland 196.

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Krücken bei Kreuzburg, Pr. Eylau

Krücken_Kirchenhufen

In Krücken bei Kreuzburg leben meine Ankermann-Vorfahren nachweislich schon vor 1660. Heinrich Ankermann – mein Ur-Großvater 7. Grades – kommt dort im März des Jahres 1669 als Sohn des Kirchbauern Martin Ankermann zur Welt.

Kirchenhübner (2)Heinrich Anckermann Kirchenhübner zu Krücken

Einiges von dem, was ich über meine dort wohnenden Ankermann-Ahnen weiß, habe ich hier bereits erzählt. Im russischen Teil des ehemaligen Kreises Pr. Eylau bin ich leider noch nie gewesen, aber nun konnte ich mir zumindest – dank Google Streetview – die Gegend einmal ansehen, in der meine Ankermann-Familie wohnte.

Krücken_GutshausIm ‘Vorbeifahren’ sieht man noch einige alte Gebäude, die vermutlich zum Gut ‘Klein Krücken’ gehörten. Die folgenden Krücken-Bilder wurden mir schon vor mehreren Jahren von einem netten russischen Fotografen zugesandt, dessen Namen ich leider vergessen habe.

Kruecken_Collage

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Die Malerin Elisabeth Ankermann

Elisabeth Ankermann wird am 17. Oktober 1863 als Tochter von Gustav Hermann Ankermann (Bruder von Hugo Ankermann) und Bertha Johanna Julia Laudien in Tapiau geboren. Der Vater ist zunächst Arzt in Tapiau – 1865 wird ihm Kreiswundarztstelle in Wehlau übertragen, später die Physikatstelle in Fischhausen und 1869 wird Hermann Ankermann Kreis-Physikus in Rastenburg. Die Familie wechselt demnach immer wieder den Wohnort.

Ankermann_SignaturElisabeth Ankermanns Signatur

Bislang weiß ich wenig über das Leben von Elisabeth Ankermann – ich bin noch auf der Suche nach weiteren Informationen. Bekannt ist, dass einige ihrer Bilder einen weiten Weg hinter sich haben. Sie befanden sich im Besitz der Familie und sind zusammen mit Prof. Dr. Karl Laudien und seiner Ehefrau nach Chile ausgewandert.

Ankermann_Gemälde

Vermutlich konnte Elisabeth vom Verkauf ihrer Gemälde allein nicht leben. Sie gestaltete u.a. auch Fächer, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur modische Accessoires waren, sondern auch Reklamezwecken dienten und als Werbegeschenke verwendet wurden. In mehren Katalogen ist Elisabeth Ankermanns Name verzeichnet. Auch ihre Tante Therese Minna Mathilde Laudien (Schwester ihrer Mutter) wird in diesem Zusammenhang genannt, denn auch sie war Malerin – und auch sie hat Fächer bemalt.

Mit Fächern habe ich mich zuvor noch nie beschäftigt. Es ist doch spannend, dass man durch die Ahnenforschung mit ganz neuen Themen konfrontiert wird!

Im Jahre 1891 findet in Karlsruhe eine Fächerausstellung statt, bei der auch Elisabeth Ankermann und Therese Laudien ihre Fächer präsentieren. In der Zeitschrift ‘Gartenlaube‘ erscheint anschließend ein ausführlicher Bericht über diese Ausstellung. Darin ist zu lesen: ‘Daß auch unsere deutsche Künstlerschaft sowohl in ihren weiblichen wie in ihren männlichen Vertretern die Ausschmückung der Fächer mit Erfolg versucht hat, das beweisen deutlich die ausgestellten Arbeiten. Daß das Publikum, welches dieses schöne Luxusgeräth kauft und bestellt, sich mehr wie bisher den deutschen Künstlern zuwendet, wird die segensreiche Folge sein, welche die Veranstaltung für viele Mühe und Anstregung entschädigen muß.’ Und an anderer Stelle heißt es: ‘Man darf es mit Befriedigung aussprechen, daß eine Fülle von Geschmack, eine Summe tüchtigen, über den Dilettantismus hinausgehenden Könnens sich hier offenbart. Wünschen wir, daß die mit dem Unternehmen verknüpften Absichten sich verwirklichen und daß so manche kunstgeübte Frauenhand, die bisher nur zur eigenen Freude oder zu Hochzeits-geschenken für Freundinnen den Pinsel führte, künftig in lohnender Berufsarbeit ihre Geschicklichkeit verwerthen könne’. (Gartenlaube 1891, Seite 575).

Elisabeth Ankermanns und Therese Laudiens Fächer scheinen jedenfalls in Karlsruhe besonderen Anklang gefunden zu haben. Beiden wurden für die Gestaltung Preise verliehen. Leider ist nirgends eine Abbildung ihrer Kunstwerke zu finden.

Rudolf_Epp_FaecherBeispiel eines handbemalten Fächers (übernommen von Wikipedia)

Zudem hat Elisabeth Ankermann zahlreiche Postkarten gemalt, die heute noch bei vielen Postkartenhändlern angeboten werden. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass Elisabeth Ankermann meine Cousine 3. Grades ist, habe ich sofort zwei ihrer Karten gekauft :-)

Ankermann-Postkarte_blau- meine Lieblingskarte -

1940 wohnen drei Ankermann-Geschwister in Berlin. Elisabeth lebt zusammen mit ihrer Schwester Marie Ankermann, die als Klavierlehrerin arbeitet, im selben Haus in der Pariser Str. Nr. 58. Beide sind gemeinsam im Adressbuch verzeichnet. Ihr älterer Bruder,  Prof. Dr. Karl Victor Bernhard Ankermann, Direktor des Berliner Museums für Völkerkunde, wohnt in Dahlem.

Ankermann_Berlin_1940

Es gibt auf jeden Fall noch einen weiteren Bruder, Fritz Rudolph Ankermann, der am 1. November 1870 in Rastenburg geboren wurde. Er wird Kaufmann, lebt in Insterburg, später in Danzig, dann in Dratzig (Posen) und möglicherweise anschließend in Breslau. Weitere Informationen fehlen.

Auch 1943 werden Elisabeth und Marie Ankermann noch im Berliner Adressbuch aufgeführt. Ob beide den Krieg überlebt haben, ist nicht bekannt. Über Hinweise würde ich mich sehr freuen!

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3 Rönnebecker Haesloop-Generationen

HinrichHaesloop_1810-tileIch freue mich sehr über neue Haesloop-Fotos! Dieses Bild zeigt den Rönnebecker Seefahrer Reinhard Haesloop und seine Ehefrau Catharina, geb. Schwarting, meine Ur-Ur-Großmutter. Catharina Schwarting wurde am 18. September 1816 in Rönnebeck, im Kirchspiel Blumenthal, geboren. Reinhard Haesloop ist ihr zweiter Ehemann. Man sieht den beiden an, dass sie es nicht leicht hatten im Leben …

In diesem wunderschönen Haus in Rönnebeck, das leider nicht mehr existiert, lebte die Familie:

Haesloop-ElternhausKreinsloger (vorher Ellhornstraße) Nr. 146

In erster Ehe ist Catharina verheiratet mit Reinhards älterem Bruder, Hinrich Haesloop, meinem Ur-Ur-Großvater, von dem ich leider kein Foto besitze. Catharinas Schicksal hat mich bereits vor Jahren beschäftigt – hier ist einiges über sie nachzulesen.

Nach Hinrich Haesloops Tod (er ertrinkt mit nur 35 Jahren in der Weser) bleibt Catharina allein mit ihren beiden Söhnen Johann Haesloop (geb. 1845) und Hinrich Haesloop (geb. 1846), die nun von ihrem Onkel aufgezogen werden. Und es kommen noch 4 Halbgeschwister dazu.

Haesloop_BrüderAuch diese beiden Haesloop-Brüder haben (wie die meisten Rönnebecker um diese Zeit) mit der Seefahrt zu tun – Johann Haesloop wird Bootsbauer und mein Urgroßvater Hinrich Haesloop wird Kapitän. Und auch mein Opa, der 1880 in Blumenthal zur Welt kommt und – wie sein Vater – Hinrich genannt wird, führt die Seemanns-Tradition weiter …

HinrichHaesloop_Opa…. und trägt wie Vater und Onkel einen Bart :-)

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Mit Countrymusik durch Wilknitt

Tadeusz Kupryjan hat bereits eine Reihe von Orten in den ehemaligen Kreisen Pr. Eylau und Heiligenbeil gefilmt. Ich habe schon mehrfach darüber berichtet – zum Beispiel hier. Nun ist es auch möglich – mit Countrymusik in den Ohren -  durch Wilknitt (Kreis Heiligenbeil) zu fahren. Herzlichen Dank, Tadeusz !

Wilknitt_Karte-tileDie Geschichte des ‘Gutes Wilknitt in Natangen‘ und die Geschichte seiner Familie hat Carl-Friedrich von Steegen bereits ausführlich dargestellt. Die Gebäude sind größtenteils verfallen, aber immer noch kann man sich vorstellen, dass es dort einmal wunderschön gewesen sein muss. Und es scheint so zu sein, dass man versucht, die Schäden an einigen Gebäuden auszubessern.

Wilknitt_5-tileIm 18. Jahrhundert lebten einige Familien meiner ostpreußischen Vorfahren ganz in der Nähe des Guts: Als Johann Friedrich Westphal, mein Urgroßvater 4. Grades, 1762 erstmals in Petershagen heiratet, ist er Müllermeister in Wilknitt. Später pachtet er die Mühle und mehrere seiner Kinder werden in der Zeit von 1763 bis 1774 in der Wilknitter Mühle geboren.

Andere Vorfahren (die Familien Ewert und Tolkmitt) lebten ganz in der Nähe auf den Höfen Gehdau Nr. 1 und Wohlau Nr. 3.

Auch in Słup Schlepstein – Zagaje Hasselpusch – Krzekoty (Gr. Hasselberg) – und Przebędowo (Perbanden) hat Tadeusz gefilmt.

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Das Stammbuch des Johann Georg Marmalle

Poesiealbum_1787_Cover

Umschlag des von der Uni Tübigen digitalisierten Stammbuchs

Das Stammbuch, das Johann Georg Marmalle, (später Dr. phil und Gymnasial-professor in Königsberg; *1770 +1826) während seines Studiums anlegte, ist ein wahrer Schatz unten den digitalisierten Büchern. Umsomehr, wenn man das Glück hat, eine Spur seiner Vorfahren darin zu finden. Das ist mir zwar nicht gelungen, aber ich ‘kenne’ zumindest einige Personen, die sich in dem Buch verewigt haben – neben Johann Immanuel Kant sind dies: Gottfried Laudien auf Seite 103 (nach dem Studium Pfarrer der Altroßgärtschen Kirche in Königsberg, in Allenburg und Cumehnen) – seine spätere Ehefrau Johanna Sophia Concordia Riedel auf Seite 160, ihr Bruder Johann Ernst Theodor Riedel auf Seite 161 sowie deren Eltern Johann Christian Riedel (ab 1780 Pfarrer in Domnau, vorher Rektor in Liebstadt, Bartenstein u. Feldprediger des Graf zu Anhaltschen, später Steinwehrschen Infanterie=Regiment) auf Seite 156 und dessen Ehefrau Christina Eleonora geb. Werner auf Seite 167. Letztere wird im Inhaltsverzeichnis irrtümlich Christina Eleonora Windelin genannt!

Stammbuch_Riedel

Dieses Blatt wurde von Johann Christian Riedel gestaltet

Die genannten Personen gehören (außer Kant!) zu den Vorfahren bzw.Verwandten des nach Chile ausgewanderten Prof. Karl Laudien.

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In den ‘Kirchen-Rechnungen’ enthaltene Sterbeeinträge

Unter den vom Staatsarchiv Allenstein digitalisierten Büchern befinden sich einige, deren Inhalt mit ‘Kirchen-Rechnungen‘ der Tragheimer Kirche angegeben ist. Enthalten sind außerdem die exakt formulierten Sterbeeinträge der Gemeinde. Im Buch Nr. 42/1668/65 sind z.B. die Sterbeeinträge aus den Jahren 1780 bis 1789 zu finden.

Tragheim_Sterbeeinträge_1780-1789

So oft ich in die Wälder gehe,

Und bey den Bäumen stille stehe,

so fält mir der Gedanke ein

zu welchem Baum wird dein Sarg gewachsen seyn.

(Eintrag auf der ersten Seite des Buches)

Und das Buch 42/1668/69  enthält ebenso eine Auflistung des ‘Erde- und Glockengelds’, das bei der Beerdigung zu zahlen war – immer aber in Zusammenhang mit Sterbeeinträgen – hier von 1785 bis 1794.

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Offene Fragen zur Genealogie Laudien

Diese Fragen stehen in Zusammenhang mit dem vorherigen Beitrag zur Auswanderung des aus Königsberg stammenden und nach Chile ausgewanderten Professors Karl Laudien. Um die Liste seiner Vorfahren und Angehörigen vervollständigen zu können, fehlen der Enkelin Iris Maria Gonzalez (und mir) noch einige Informationen:

CarlLaudien

  1. Wer sind die Eltern von Marie Dorothea Amalie Feydt (27.3.1851-11.12.1925), der Mutter des ausgewanderten Prof. Karl Laudien? Sie heiratet am 26. Mai 1871 in Königsberg den Kaufmann Gustav Carl Richard Laudien. Sie hatte mehrere Geschwister namens Martha, Grete (Margarethe?), Hans, Klara, Max
  2. zu Gottfried Laudien (Urgroßvater von Karl Laudien): ‘Gottfried Laudien, geboren den 3. August 1765, ward den 28. September 1798 zum 2. Prediger in der Altroßgärtschen Kirche in Königsberg ordinirt, ging darauf als Pfarrer nach Allenburg und trat endlich zu Cumehnen den 9. Juli 1820 Dom. 6.p.Tri. sein Amt an. Er starb an Nervenfieber den 4. September 1824 um 11 Uhr Abends, 59 Jahre alt’.  (Dr. Ludwig Rhesa: ‘Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern’ ; Königsberg 1834). Er soll in der Löbenichter Kirche getauft worden sein – es fehlt sein Taufeintrag mit dem Hinweis auf seine Eltern.
  3. möglicherweise heißen die Eltern von Gottfried Laudien Friedrich Laudien und Barbara Deickes fehlt der Nachweis. Und falls sie es sind, wer sind ihre Eltern?
  4. Bertha Johanna Julia Ankermann, geb. Laudien, *13.1.1836 in Gumbinnen (Tochter des Regierungsrats Carl Laudien u. Ehefrau Agatha Freudenreich Gefallegott Landmann) heiratet vor 1859 den Arzt Gustav HermannAnkermann, *1.9.1828 in Königsberg - es fehlen Heiratsdatum u. Sterbedaten.
  5. Minna Landmann, geb. Laudien (Tochter des Pfarrers Gottfried Laudien u. Johanna Sophia Concordia Riedel), *25.6.1807 in Königsberg. Sie war die Ehefrau des Pfarrers Carl Friedrich Ehrlieb Landmann (vorher Lausmann) – es fehlen Sterbeort u. -datum.
  6. Caroline Antonia Minna Laudien (Schwester von 4.); *25.2.1840 in Gumbinnen. Sie war Malerin und verheiratet mit August Keller (1848-1884). Minna Laudien starb 1909 – aber wann genau?
  7. auch Helene Schulz, geb. Laudien, die Schwester von Prof. Karl Laudien, war Malerin. Sie wurde am 1.4.1878 in Königsberg geboren und starb 1948 in New York. Das genaue Sterbedatum ist nicht bekannt. Tochter u. Enkelkinder sind bereits verstorben.

Über Antworten würden wir uns sehr freuen!

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Prof. Dr. Karl Laudien – von Königsberg nach Chile

Durch meine Beschäftigung mit den ostpreußischen Ankermann-Familien bekam ich schon vor mehreren Jahren Kontakt zu Iris Maria Gonzalez, geb. Laudien. Die Familien Laudien und Ankermann sind mehrfach miteinander verwandt.

Prof. Dr. Karl Ernst Laudien ist der Großvater von Iris Maria Gonzalez, geb. Laudien. Von ihr stammen die Informationen über das spannende Leben ihres ostpreußischen Großvaters, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Heimat verlässt und nach Chile auswandert.

CarlLaudien

Karl Laudien wird am 25. Januar 1875 als Sohn des Kaufmanns Gustav Carl Richard Laudien und seiner Ehefrau Marie Dorothea Amalie Feydt in Königsberg geboren. Seine Großeltern väterlicherseits sind der Regierungsrat Carl Laudien und Agatha Freudenreich Gefallegott Landmann (beide Pastorenkinder). Auch sein Urgroßvater Gottfried Laudien ist Pastor.

Karl Laudien besucht das Altstädtische Gymnasium in Königsberg, studiert Maschinenbau in Charlottenburg, arbeitet zunächst als Ingenieur und tritt 1903 als Lehrer in den preußischen Staatsdienst ein. ‘Nebenbei’ verfasst er eine Reihe von Aufsätzen und einige Fachbücher. Am 26. Mai 1871 heiratet Karl Laudien Frieda Caecilia Chatiner, die aus Bukarest stammt. Als er sich zur Auswanderung nach Chile entschließt, ist er bereits 54 Jahre alt, hat drei Kinder und ist Rektor der Technischen Hochschule in Stettin.

Hintergrund der Auswanderung: Federico Santa Maria, ein reicher chilenischer Geschäftsmann, der in Paris lebt, hat in seinem Testament verfügt, dass sein Vermögen für die Gründung einer Ausbildungsstätte für Handwerker und den Bau einer technischen Hochschule in seiner Geburtsstadt Valparaiso verwendet werden soll. In den ersten 10 Jahren sollen sämtliche Professoren und Ausbilder keine Chilenen, sondern Ausländer sein. Aus diesem Grund reist sein Testamentsvollstrecker Agustin Edwards nach Deutschland. Er nimmt Kontakt auf zur Regierung und trägt sein Anliegen vor.

Als einer der für Valpariaso geeigneten Professoren wird ihm für das Amt des Rektors Professor Dr. Karl Laudien empfohlen. Karl Laudien sieht die Möglichkeit, eine Hochschule von Beginn an mitzugestalten und zu leiten als große Chance und Herausforderung an. 1928 unterschreibt er einen 10-Jahres-Vertrag.

Karl Laudien erhält die Möglichkeit, mitzubestimmen, welche Gebäude benötigt werden und in welcher Reihenfolge diese errichtet werden sollen. Im Mai 1929 reist er erstmals zu Beratungen und Absprachen nach Chile. Zum ersten Mal sieht er den Platz, auf dem die Hochschule gebaut werden soll – ein völlig freies Gelände mit beeindruckendem Blick auf den Pazifik.

Valparaiso_1929 open land1929 – bevor die Hochschule an dieser Stelle gebaut wird

Karl Laudien kehrt noch einmal nach Deutschland zurück, um die nötige Ausrüstung zu besorgen und seine Professur in Stettin zu beenden. Im Mai 1931 zieht er endgültig nach Chile – zunächst ohne seine Familie. Schon die Reise dorthin muss mühsam und beschwerlich gewesen sein. In Chile ist Winter und – um nach Valparaiso zu gelangen – müssen die Anden überquert werden. Dies war damals noch mit Hilfe der Transandenbahn möglich, deren Betrieb mittlerweile eingestellt wurde.

Valparaiso_1930 walls1930 – die Mauern werden errichtet

Valparaiso_BauphaseAnkunft der Materialien – Montagehalle (während der Bauphase)

Die Ausbildungsstätte für Handwerker wird bereits eröffnet bevor alle anderen Gebäude fertig sind – sobald dies geschehen ist, folgt der Bau der Universität.

Valparaiso_1934 Central building not yet thereAufgenommen während der Bauphase 1934 – es fehlt noch das Hauptgebäude in der Mitte

Die Einrichtungen der Schulen werden nach europäischem Vorbild konzipiert und in der Schule unterrichtet man überwiegend nach deutschen Standards. Wichtig ist zum Beispiel Pünklichkeit. Alle Uhren der Schule sind miteinander ‘vernetzt’ und werden von einer zentralen Uhr gesteuert. Studenten, die zu spät kommen, werden (zumindest von einigen Lehrern) nicht mehr hereingelassen. Schüler und Studenten, die nicht in der Lage sind, ihre Ausbildung selbst zu finanzieren, erhalten – entsprechend der Verfügung des Gründers Federico Santa Maria – freie Unterkunft und Verpflegung und zahlen keinerlei Gebühren.

Valparaiso_general view 1900sBlick auf die fertige Anlage

Karl Laudiens Ehefrau und Tochter Brigitte (geb. 1916) wandern im April 1931 nach Chile aus. Sie sind die einzigen Passagiere an Bord der ‘Carl Legien‘, einem Fracht- und Passagierdampfer, der 1922 in Wilhelmshaven vom Stapel gelaufen war. Am 11. April verlässt das Schiff den Bremer Freihafen. Frieda Laudien, geb. Chatiner muss bei ihrer Auswanderung fast den gesamten Hausstand mit nach Chile genommen haben – auch ihren ‘Blüthner Flügel’. Iris Gonzalez erinnert sich an viele europäische Möbel im Haus der Großeltern, an schönes Porzellan, Kristall, Silber, an Gemälde (vor allem von Helene Laudien, Karl Laudiens Schwester, einer Malerin) und an die große Bibliothek mit deutschen Klassikern. Und sie erinnert sich an die Federbetten, die auch sie selbst nachts noch wärmten!

Auf dem Universitätsgelände – direkt auf der Klippe mit Blick auf den Pazifik – wurde auch ein Wohnhaus für den Rektor und seine Familie gebaut. Dort leben Karl Laudien, seine Ehefrau Frieda und Tochter Brigitte bis ein neuer Rektor ernannt wird und Karl Laudien eine Professur erhält.

Valparaiso_1930s Karl & Frieda

in den 1930er Jahren – Karl und Frieda Laudien auf dem Weg, der direkt vom Rektorenhaus am Pazifik entlang führt

Die beiden Söhne Karl Laudiens, Paul Richard Laudien (geb. 1910) und Heinz Ernst Laudien (geb. 1911) bleiben zunächst in Europa, um ihre Studien an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) zu beenden. Nach Abschluss ihres Studiums (Paul wird 1937 Architekt, Heinz einige Jahre später Ingenieur) kommen auch sie nach Chile. Pauls Schweizer Verlobte Marianne (Anna Alice Armida) Hardmeyer, folgt ihm 1938 und am Tag nach ihrer Ankunft in Valparaiso heiraten sie in der dortigen Deutsch Lutherischen Kirche.

Karl Laudiens anfänglicher Vertrag endet 1939. Die Familie bleibt in Chile – vor allem weil Karls Ehefrau Frieda Jüdin ist. Karl Laudien arbeitet weiterhin an der Hochschule – nach seiner Pensionierung schreibt er Bücher und hält Kontakt zu den Studenten. Da er nicht bereit ist, sich von seiner jüdischen Ehefrau zu trennnen, verliert er den Anspruch auf seine Pension aus Deutschland und auf die Lizenzen seiner Bücher. Erst einige Jahre nach Beendigung des Krieges wird die Pension wieder gezahlt. Am 19. Februar 1952 verstirbt Karl Laudien in Valparaiso.

Valparaiso_1940s in machine-tools workshopKarl Laudien in den 1940er Jahren

Frieda Laudien, geb. Chatiner, machte ihre Liebe zur Musik zum Beruf. Fast bis zum Ende ihres Lebens (sie stirbt 1964) leitet sie als ‘Direktorin für kulturelle Angelegenheiten’ den Radiosender der Technischen Hochschule, sorgt dafür, dass klassische Musik gespielt wird und organisiert Konzertreihen, Ballett- und Opernaufführungen. Ihre Enkelin Iris Gonzalez erinnert sich an einige besondere Höhepunkte: an Claudio Arrau, der Beethovens 5. Klavierkonzert spielte – an Jasha Heifetz mit Mendelssohn und an eine Aufführung des Chilenischen National Balletts mit Carmina Burana unter Leitung von Ernst Uthoff, einem Choreographen und Tanzlehrer, der ebenfalls aus Deutschland stammt.

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