Johann Conrad Israel – Aufwärter im Kloster Haina

‚Die Hospitalstiftung des Landgrafen Philipp gilt bis heute als eine sozialpolitische Pioniertat und hat auch bis heute Bestand. Als der Herrscher 1533 die Reform verkündete, betraf dies nicht nur das Kloster Haina, sondern auch das Augustinerchorherrenstift Merxhausen bei Kassel (heute Bad Emstal). Haina war für Männer, Merxhausen für Frauen aus Ober- und Niederhessen bestimmt. Später kamen weitere Hospitäler .. hinzu. .. Die Stiftung war gezielt für die Menschen in den Dörfern gedacht, weil es auf dem Land, anders als in den Städten, damals noch kaum Einrichtungen der Armen- und Krankenfürsorge gab. …

aus Topographia Hassiae, Text von Martin Zeiller, Illustrationen von Matthäus Merian

Neben Armen und Alten waren es Kranke und Behinderte, die in Haina Zuflucht fanden. Unter ihnen waren Blinde oder Taubstumme ebenso wie Aussätzige, Epileptiker und Syphilitiker. Auch Gemüts- und Geisteskranke zählten von Anfang an zu den Insassen, ab dem 18. Jahrhundert wurde ihr Anteil immer größer.

Zur Betreuung wurden anfangs nur so genannte Aufwärter und Geistliche eingesetzt, später auch Ärzte.‘ (Quelle: http://www.klosterhaina.de/Hospital)

Die Kranken werden von insgesamt fünf Aufwärtern versorgt, die unterschiedliche Verpflichtungen haben. Sie müssen die ‚Kranken pflegen, sie waschen, kämmen, ihnen das Eßen reichen, die Bette machen, des Winters die Zimmer heizen, denen Rasenden die Kerker ausfegen und ihnen, so offt es noetig, frisch Stroh geben, auch das Linnen Zeug nehmlich Hemder und Bettlinnen waschen.‘ (Quelle: Kurze Beschreibung des Fürstlich-Heßischen Hohen Samt-Hospitals Haina, Verfertiget vom zeitigen Küchenverwalter Adjuncto Johann Theodor Cranz in Haina am 30.ten Julii 1782).

Um 1719 bis 1721 ist einer dieser Aufwärter mein Vorfahre Johann Conrad Israel. 

israel_1721

Als Aufwärter in der Eß-Stube sind dies seine Aufgaben: ‚Zu gewöhnlicher Zeit die Tische zu decken und einem jeden Hospitaliten seine Portion Eßen vorzusezen. Alles Tisch-Geräth, an Tischtücher, Höltzeren- und Eißengeräth rein und sauber zu halten. Das Suppenbrod ordentlich einzutheilen. Darauf zusehen, daß beym Tisch Gebäth und während ein Lector sein Amt in der Eßstube verrichtet alles still und ruhig seye. Die übrig gebliebene Suppe und sonstiges Eßwerk in das Spühlfaß vor das Hospitalsvieh zuthun. Aufsicht auf die Köche, daß solche nicht größere oder kleinere Portiones als sich gehöret austheilen. Aufsicht auf das Gemüß, wenn solches eingeordnet wird, solches auch zur Küche rein machen zulassen. Bestellung derer Haußdiener Weiber zum Jäden auf dem Garten und sonstiger Arbeit p.p. (Quelle: Anlage zum Schuldentilgungsplan für das Hospital Haina, Verzeichnis der Bediensten und ihrer Aufgaben – http://www.xn--hohe-hessische-hospitler-bcc.de)

In einem Reisebericht aus dem Jahre 1788 wird lobend erwähnt, wie sehr der damalige Obervorsteher des Hospitals, der hessische Major von Stamford, um das Wohlergehen seiner Patienten bemüht ist. Für damalige Verhältnisse mag das so gewesen sein – liest man den Bericht heutzutage, gerät man doch ins Grübeln … Der Reisende erzählt:

‚Es ist unmöglich zu beschreiben, daß keiner der Elenden eine hinreichende Speise nicht erhielt, ohne daß er (Major von Stamford) sie gekostet hätte. Personen von Stande erhalten eine Kost, die sie nicht mit Mißvergnügen an ihren Stand erinnert, und das menschenfreundliche Betragen des Obervorstehers gegen sie läßt sie an ihr Unglück kaum denken, so lange sie nur nachdenken können. Gesunde- und Krankenkost sind verschieden, ich versuchte sie, und hätte mitessen wollen, ohne mich zu beklagen.

Da das Hospital ein vortreffliches Wirthshaus hat, so blieb ich drey Tage hier, ob mir gleich zuvorkommende Gastfreyheit es fast entbehrlich machte. Es lagen über dreyßig Unsinnige an Ketten oder in einer breiten Binde um den Leib. Sonst lagen sie auf kaltem Stein. Herr von Stamford hatte ihnen eine Art von hölzernen Bettstellen oder sogenannten Pritschen machen lassen, die höher als der Boden waren. Ueberall zog freye Luft hindurch, Abfluß der Unreinigkeit war befördert, und auf dem Hofe lagen große schwere Bäume, an welche man bey schöner Luft die Rasenden anzuketten wußte, damit sie solcher genießen konnten.

Wie auch alle anderen Bediensteten lebt Johann Conrad Israel mit seiner Familie innerhalb der Klosteranlage. Ich weiß noch nicht sehr viel über die Familie – Tochter Anna Gertrud Israel (meine direkte Vorfahrin) heiratet 1719 im Kloster Haina den Küfer Johann Henrich Giebel aus Frankenberg und bekommt mit ihm 9 Kinder – ihr Bruder Frantz Reinhard Israel wird 1720 als Bader in Frankenau genannt und vermutlich gibt es eine Schwester namens Catharina Israel, die im Jahre 1717 im Kloster konfirmiert wird.

haina_konfirmanden_1717

Catharina Israel wird übrigens zusammen mit zwei Mädchen der Familie Tischbein konfirmiert. Johann Heinrich Tischbein (1682-1764) ist Hospitalbäcker im Kloster Haina. Von ihm stammen sämtliche Künstler der Familie ab – und sicherlich wird auch Familie Israel sein Brot gegessen haben!

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Weinkäufliche Copulation

Da ich mich überwiegend mit meinen ostpreußischen Vorfahren beschäftige, ist mir der Begriff der ‚weinkäuflichen Copulation‚, der im Jahre 1719 im Heiratseintrag meiner hessischen Ahnen auftaucht (siehe vorheriger Artikel), zuvor nie begegnet. Nun habe ich mich ein wenig informiert.

Eine ‚weinkäufliche Copulation‘ gab es nur im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Dort ‚müssen die Verlobten, wenn aus dem Eheverlöbniß eine Verbindlichkeit entspringen soll, sich vom Pfarrer einsegnen (weinkäuflich copuliren) lassen. Hievon sind die wirklichen Räthe und die mit diesen gleichen Rang haben, ausgenommen‘. (Quelle: Ignaz Lougner, Darstellung der Bischöfe in der oberrheinischen Kirchenprovinz; Tübingen 1840; Seite 180).

Der Begriff der weinkäuflichen Copulation ‚ist von dem echt deutschen Brauche herzuleiten: nach abgeschlossenen Verträgen, namentlich Kaufcontrakten, zum Glase zu greifen, und dieselben hierdurch gewissermaßen zu besiegeln, daher man des Wortes „weinkäuflich“ nicht blos bei dem Kaufe sich bediente‘. (Quelle: Danz, Handbuch des heutigen deutschen Privatrechts Bd. II; Stuttgart 1800, Seite 170).

Bei einer solchen weinkäuflichen Copulation unterrichtete der Pfarrer die Verlobten über die Bedeutung des Ehestandes, prüfte ihre Bibel-Kenntnisse und erteilte ihnen schließlich seine vorläufige Einsegnung. Dadurch erklärte er, dass ihm keinerlei Gründe bekannt seien, weshalb diese Ehe nicht geschlossen werden sollte.

1877 wurde die weinkäufliche Copulation per Gesetz aufgehoben.

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Heiratseintrag aus der Gemeinde Haina-Kloster

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Dieser Heiratseintrag meiner Urgroßeltern 6. Grades stammt aus dem Kirchenbuch der hessischen Gemeinde Haina-Kloster in der Nähe von Frankenberg. Mit tatkräftiger Unterstützung ist es gelungen, den Text zu entziffern – herzlichen Dank!

Der Eintrag heißt:

‚d. 13. Jan: ist Anna Gertrud Israels hiesigen Aufwärters in der Eßstube Tochter mit Joh(ann) Henrich Göbel Bänder Gesell aus Frankenberg weinkäufl:(ich) copuliret von Pfr. Peter Scriba Pastore zu Grüsen me absente und darauff praevia terna proclamatione et copulation mit einem gewöhnl:(ichen) Hochzeit Sermon d. 18. April vollendigt ward.

                                                                                                                          Gott segne Ihre Ehe!‘

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‚Todtgeschoßen mit einer Kugel durch den Kopf‘

Die Schlacht von Friedland (Prawdinsk – russisch Правдинск) am 14. Juni 1807, bei der Napoleon das russische Heer besiegte, wurde oft beschrieben, u.a. auch bei Wikipedia 🙂

Genau fünf Jahre später (am 14. Juni des Jahres 1812) hält sich Napoleon auf seinem Feldzug gegen Rußland mit seinen Truppen erneut in der Umgebung von Friedland auf. Mit einer Heerschau (einer ‚militärische(n) Zeremonie, in der Soldaten zu besonderen staatlichen Anlässen öffentlich auftreten und dabei ihre Bewaffnung und Ausrüstung präsentieren‘ (Wikipedia) wird der Sieg von 1807 an diesem Jahrestag gebührend gefeiert.

wohnsdorf_auglitten

Das Gut Groß Wohnsdorf liegt – laut Leopold Krug – etwa 1 Meile östlich von Friedland. Auf diesem Gut, das sich schon lange im Besitz der Familie von Schrötter befindet (zu dieser Zeit im Besitz des Freiherrn Friedrich Leopold von Schrötter) dient 1812 Johann Gottlieb Reissmann als ‚Oberwarth‘. Sein Vater Gottlieb Reissmann – mein Ur-Großvater 5. Grades – übt denselben Beruf im Jägerhoff aus, der Privatförsterei der Begüterung Worienen, Pr. Eylau. Beide sind demnach verantwortlich für den Forstbezirk des jeweiligen Gutes.

Auch drei Tage nach der großen Siegesfeier müssen sich die Franzosen noch in der Gegend von Friedland aufgehalten haben. Als ein französischer Soldat am 17. Juni versucht, in Wohnsdorf Pferde zu stehlen, bemüht sich Johann Gottlieb Reissmann, dies zu verhindern und wird dabei von dem Soldaten erschossen. Die genauen Umstände dieses Vorfalls sind nicht bekannt, aber im Kirchenbuch von Auglitten-Schönwalde fand ich folgenden Sterbeeintrag:

auglitten_schoenwalde_reismann_1815

‚den 21ten Juny ist der Oberwart Gottlieb Reismann aus Wohnsdorf, welcher den 17ten Juny beim Pferderaub von einem Franzosen am Mühlenteich in Wohnsdorf erschoßen wurde, begraben. Er wurde ein Opfer seiner Menschenliebe, indem er die von den französischen Truppen mit Gewalt genommenen Pferde retten wollte. Heyl seinem unsterblichen Geiste.

Als Todesursache ist am Rand des Kirchenbuches vermerkt: todtgeschoßen mit einer Kugel durch den Kopf‘

Johann Gottlieb Reissmann wird nur 30 Jahre alt. Einige Monate später kommt in Worienen ein kleiner Junge zur Welt, der seinen Vater nie kennen lernen wird. Der damalige Pastor von Eichhorn notiert im Taufregister:

‚den 6. Januar wurde die unverehelichte Justine Ohmüller, die angeblich geschwängert von dem in Wohnsdorff erschoßenen Oberwarth Johann Gottlieb Reismann, Sohn des Oberwarths Reismann in Jägerhoff b. Worienen, von einem Sohn entbunden, der den 18ten getauft und genannt wurde: Johann Gottlieb Reismann.

‚Die Mutter vorgedachten Kindes kam, nachdem ihr Geliebter erschoßen war, zu deßen Vater, dem Oberwarth Reismann zu Jägerhoff bei Worienen, um ihren Aufenthalt daselbst zu suchen und wurde bald danach entbunden.‘

Was wohl aus den beiden geworden ist …?

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Fürbitten für das königliche Haus und verordnete Trauer

Unter den vom Staatsarchiv Allenstein digitalisierten Akten finden sich auch ‚General-Kirchen-Akten der Superintendentur Heilsberg über Fürbitten für das Königliche Haus aus der Zeit von 1823 bis 1867.

Die Akten enthalten eine Reihe von Schreiben, die während dieser Zeit an ’sämmtliche evangelische Herren Superintendenten des Königsbergschen und Gumbinnenschen Regierungsbezirks‘ gesandt wurden. Diese werden darin über familiäre Ereignisse im Königshause informiert und gleichzeitig aufgefordert, ‚aufs schleunigste zu veranlassen‘, dass dieses Ereignis  den ‚getreuen Unterthanen Seiner Majestät, des Königs‘ in allen Kirchen innerhalb ihres Bezirks mitgeteilt werde

Je nachdem, ob es sich dabei um freudige oder traurige Ereignisse handelt, soll das Fürbitte-Gebet in der Kirche – das ohnehin immer auch das Königliche Haus einschließt -so abgefasst werden, dass diesem Ereignis besonders Rechnung getragen wird.

Dabei handelt es sich um:

  • Vermählungen
  • ‚gesegnete Leibesumstände‘ der Königin oder Prinzessinen
  • Geburten
  • oder Todesfälle

Verstirbt ein Mitglied der königlichen Familie, so greift das 1797 abgefasste TrauerReglement. Nicht jeder soll jedoch auf dieselbe Weise trauern – es sind genaue Regeln einzuhalten: ‚Bei dem Ableben des Königs, der Königin und einer verwitweten Königin von Preußen, trauern der Hof und die Collegia 6 Wochen lang; die ersten drei Wochen der Adel, wie bisher mit Pleureusen (= schwarze Spitzenmanschetten), und Personen bürgerlichen Standes ohne dieselben, mit tiefer Trauer: die übrigen drei Wochen mit gewöhnlichen schwarzen Kleidern, silbernen Degen und Schnallen. Die Subalternen der Collegien trauern bloß mit einem Flor um den Arm.‘

Um sicher zu stellen, dass die Trauer im Lande auch ordnungsgemäß erfolgt, wird den Superintendenten jeweils ein Auszug des Trauer-Reglements gesandt. Das Reglement enthält noch weitere Vorschriften – zum Beispiel wird das Behängen der Kanzeln und Kirchenstühle mit schwarzem Stoff untersagt und es wird angeordnet, dass 14 Tage lang (jeweils Mittags von 12 bis 13 Uhr) die Kirchenglocken geläutet werden sollen.

Quelle: http://olsztyn.ap.gov.pl/baza/skany.php?z=629&s=51

Nachdem am 26. Februar 1805 Königin Friederike Luise von Preußen in Berlin verstorben war, können auch die Bewohner des Kirchspiels Eichhorn, Pr. Eylau, 14 Tage lang den Klang ihrer Kirchenglocken ausgiebig genießen. Im Sterberegister notiert der Pastor:

koenigin_1805

Nota

den 26ten Febr. 1805 starb die Allerdurchlauchigste Fürstin und Frau, Frau Louise Friederike, verwitwete Königin von Preußen, und geborene Prinzeßin von Heßen Darmstadt, von einem heftigen Schlagfluß befallen, im 54sten Jahr ihres Alters.

Die Glocken wurden 14 Tage lang, vom 15ten bis zum 27sten März von der Dorfschaft Eichhorn, in der Mittagsstunde von 12 bis 1 Uhr geläutet(,) auch die Kirchen Music 2 Sonntage eingestelt. Die Gedächtsnißpredigt wurde Dom. Judica über den vorgeschriebenen Text Offenb. Joh. 14, 13 gehalten.

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Sammelei ’seltener‘ Familiennamen

Als ich vor nunmehr fast 20 Jahren mit der Erforschung meiner ostpreußischen Vorfahren begann, waren mir die meisten ostpreußischen Familiennamen fremd. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob ein Name in Ostpreußen häufig oder relativ selten vorkommt – deshalb notierte ich oftmals alle Personen, von denen ich meinte, sie könnten sich später einmal als potentielle Verwandte ‚entpuppen‘.

Nachdem ich entdeckt hatte, dass eine meiner ostpreußischen Ur-Ur-Großmütter Justine Friedericke Matern heißt, sammelte ich also  – der Name Matern war mir bis dahin völlig unbekannt und ich hielt ihn für ausgesprochen ungewöhnlich – sämtliche Personen namens Matern und war begeistert, wenn irgendwo Familienzusammenhänge wie die folgenden auftauchten.

Inzwischen weiß ich, dass in Ostpreußen viele Matern- (oder Mattern) Familien lebten! Meine Sammelei war bisher erfolglos – die Herkunft der Familie meiner Ur-Ur-Großmutter ist noch immer nicht geklärt. Justine Friedericke selbst kommt 1832 in Hoofe, im Kreis Pr. Eylau, zur Welt und wird in Gr. Peisten getauft, aber ein Heiratseintrag ihrer Eltern Carl Matern und Maria Borm ist weder in Gr. Peisten noch in benachbarten Kirchspielen zu finden.

Vielleicht kann ein anderer Familienforscher etwas mit den nachfolgenden Matern-Zusammenhängen anfangen … ?


XX. HA Ostpr. Fol. 167 – Hausbuch Amt Brandenburg No 3

S. 322: ‚Extract des in dem Cöllmischen Kruge zu Guttenfeld der verwittweten Frau Maternin (Catharina Barbara geb. Saekin) den 7ten bis 11ten Dec. 1744 gehaltenen Theilung‘

Erben:

1. Frau Anna Regina (verw. Holtzweißerin) Maternin geb. Zander
2. des seel. H. Gottfried Matern nachgel. jüngste Tochter Barbara Dorothea aus Friedland
3. Herr Christian Friedrich Matern
4. Herr Lieutnant Theodor Matern
5. Frau Dorothea Sophia verw. Ambtmannin Reinhardin geb. Matern
6. Frau Catharina Barbara verehel. Meyerin geb. Maternin
7. Herr Chirurgus Severin Matern
8. Im Namen der seel. Frau Anna Maria verehelicht gewesene Hertzogin geb. Matern derselben hinterbliebener Eheliebster Christoph Hertzog aus Fuchsberg für sich und seine beiden Kinder

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Familienforschung in Ostpreußen

Ich freue mich, dass mein Vortrag über Familienforschung in Ostpreußen – während des Kreistreffens der Pr. Eylauer in Verden – auf so großes Interesse gestoßen ist. Da ich mehrfach gefragt wurde, ob man meine Tipps auch auf meiner Internetseite finden könne, stelle ich hier noch einmal die Links für die am Schluss genannten Hinweise zusammen:

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Johanna Westphal, geb. Ankermann

Mit vollem Namen heißt sie Johanna Louise Tugendreich Westphal, geb. Ankermann – meine ostpreußische Ur-Ur-Großmutter, die den größten Teil ihres Lebens in Mühlen verbracht hat. Sie kommt 1830 in der Mühle von Gr. Peisten zur Welt, verbringt Kindheit und Jugend in der väterlichen Mühle von Konnegen bei Heilsberg. zieht nach ihrer Eheschließung wieder in die Peistener Mühle (wo ihre ersten Kinder geboren werden) und lebt später mit ihrer Familie in der Landsberger Mühle auf dem Kohnertsberg .

JohannaAnkermann_Sterbeeintrag

Ausschnitt aus der Sterbeurkunde

Nachdem ich im vorherigen Artikel erwähnt hatte, dass ich leider immer noch nicht wisse, wann sie verstorben sei – irgendwann nach 1906 und vermutlich in Königsberg – wurde mir von einem Mitforscher ihre Sterbeeurkunde zugesandt! Auch auf diesem Weg noch einmal herzlichen Dank dafür !

Nun weiß ich: Johanna wurde 81 Jahre alt. Nach dem Tod ihres Ehemanns Johann Carl Westphal lebt sic noch 32 Jahre lang als Witwe – zunächst in Landsberg und später in Königsberg, wo sie am 25. Februar 1912 verstirbt.

Ihr Tod wird angezeigt von ihrem Schwiegersohn Eugen Wilhelm Gorontzy, dem Ehemann ihrer jüngsten Tochter Helene Amalie Westphal, in deren Haushalt – in der Sternwartstraße – sie wohnt.

Johanna war etwa 63 Jahre alt als ihre Tochter Therese Amalie Gegner, geb. Westphal, mit ihrer Familie die ostpreußische Heimat verließ. Da sie erst 1912 verstarb, hat sie noch miterlebt – oder zumindest erfahren – dass ihr Enkelsohn Carl Ludwig Gegner (mein Großvater) 1910 in Bremen-Blumenthal heiratete. Auch von der Geburt meines Vaters, ihres Urenkels, der 1911 in Bremen-Aumund zur Welt kam, wird man ihr sicherlich erzählt haben.

Wie viele Briefe mögen wohl zwischen Königsberg und Bremen-Aumund hin- und her gesandt worden sein … ? Ob die Bremer wohl ab und zu in Königsberg waren … ? Ob Johanna vielleicht auch einmal in Bremen zu Besuch war …?

Manche meiner Fragen werden vermutlich nicht mehr beantwortet werden können.

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Verkauf der Mühle auf dem Kohnertsberg

Über die Mühlen in Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie) habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Eine dieser Mühlen gehörte meinem Ur-Urgroßvater Johann CARL Westphal.  ‚Nach der Separation baute Müller Westphal inmitten seines zugetheilten Landes auf dem Kohnertsberge einen schönen Gallerie-Holländer‘ schreibt Rektor Holldack in der Landsberger Chronik. Die Mühle lag demnach etwas abseits – an der Straße nach Heilsberg.

Kohnertsberg_Peisten

Im Jahre 1874 ist Carl Westphal 52 Jahre alt. Möglicherweise entschließt er sich aus gesundheitlichen Gründen zum Verkauf der Mühle (fünf Jahre später verstirbt er im Alter von nur 57 Jahren). Im November 1874 erscheint im Kreisblatt ein Inserat mit folgendem Text:

‚Die Besitzung des Herrn Carl Westphal in Abbau Landsberg Ostpr(eußen), bestehend aus sehr guten Ländereien, Wiesen und einem Waldplan, einem neuen, mit Steindach versehenen Wohnhause, einer Scheune und Stallungen, sowie einer gut eingebauten Holländer Windmühle mit 2 Mahlgängen, 1 Graupengang nebst Cylinder, unweit der Stadt an der nach Heilsberg führenden Chaussee, soll freihändig, jedoch weder öffentlich noch meistbietend im Ganzen oder in einzelnen Parzellen verkauft werden‘.

Landsberg_Mühle

Mit dem Verkauf der Mühle verliert die Familie ihr Zuhause. Als Carl Westphal 1879 verstirbt, sind die beiden ältesten Töchter bereits verheiratet und die 1855 und 1859 geborenen Söhne ‚in Lohn und Brot‘. Meine Urgroßmutter Therese Amalie Westphal ist jedoch erst 16 Jahre alt – ihre jüngeren Schwestern 11 und 13. Wo mag die Familie nach dem Tod des Vaters gewohnt haben …?

Noch im März 1893 zeigt meine Ur-Urgroßmutter Johanna Westphal geb. Ankermann, beim Standesamt Landsberg die Geburt ihrer Enkelin Maria Margarethe Riehl an. Danach muss sie Landsberg verlassen haben und und nach Königsberg umgezogen sein. Im Jahre 1901 wohnt sie dort in der Sternwartstraße 70 – im Adressbuch von 1906 wird sie nicht mehr aufgeführt. Nach ihrem Sterbeeintrag suche ich bisher vergeblich.

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‚Durch Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen‘

‚Hat sich durch das Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen und vor seinem Ende großen Jammer ausgestanden‘ schreibt Pastor Fuhrmann im Januar des Jahres 1767 ins Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, nachdem der Knecht Michael Neumann aus Worglitten verstorben war.

Der Ausdruck ‚Gänse-Saufen‚ war mir vollkommen fremd. Auch Google hilft da nicht weiter. Man kommt diesem Begriff auf die (hoffentlich richtige?) Spur, wenn man sich näher mit dem Krankheitsbild der Schwindsucht beschäftigt und sich mit ehemaligen Ostpreußen austauscht, die sich mit den Sitten und Bräuchen auf dem Lande auskennen.

‚Schwindsucht‘ wird im Verlaufe des 18. Jahrhunderts häufig als Todesursache angegeben. Es gibt eine ganze Reihe von Abhandlungen über dieseSchwindsucht Krankheit, die etwa zu der Zeit veröffentlicht wurden als Michael Neumann aus Worglitten an der ‚durch das Gänse-Sauffen sich zugezogenen Schwindsucht‘ verschied.

Es werden verschiedene Formen der Schwindsucht und unterschiedliche Krankheitsverläufe beschrieben, Ratschläge zur Vorbeugung und Vermeidung einer Schwindsucht erteilt und es werden eine Reihe von Therapiemaßnahmen für Patienten aufgeführt, die von der Schwindsucht betroffen sind.

‚Die erste unmittelbare Ursache der Krankheit scheint mir in dem Nervensysteme zu liegen, und ist wahrscheinlich eine widernatürliche Beschaffenheit der Lebensgeister, und ein geschwächter oder gestörter Ton der Nerven; daher nenne ich sie auch eine allgemeine Schwindsucht, die im ganzen Körper liegt. So wie aus dem geschwächten Ton des Magens, Mangel des Appetits und der Verdauung entsteht, so verhindert auch eine fehlerhafte Beschaffenheit des Nervensystems, die Aßimilation, Gährung und Verfeinerung des Nahrungssaftes im ganzen Körper‘ liest man in der Abhandlung über die Schwindsucht bei Richard Morton. Und weiterhin:

Schwindsucht_2 (2)

Ähnliche Ursachen werden auch in anderen Veröffentlichungen immer wieder genannt! Die Ursache des ‚zu häufigen Genusses geistiger Getränke‚ führt schon einmal in die passende Richtung – aber was hat das alles mit GÄNSEN zu tun?

Die Vermutung ist: Knecht und Mägde treffen sich zum gemeinsamen Rupfen der Gänse, die zu einem feierlichen Anlass von den Bauern oder Gutsbesitzern verzehrt werden sollen. Wie in Ostpreußen üblich, wird dabei dem Alkohol reichlich zugesprochen. Man trifft sich eigentlich zum ‚Gänse-Rupfen‚, nennt diese Veranstaltung aber umgangssprachlich ‚Gänse-Saufen‚.

Ob das so stimmt?

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