Von Goldap ins Herzogtum Oldenburg

Ich wohne nun schon seit vielen Jahren in Oldenburg. Mein Weg hierher war nicht weit – er führte nur über die Weser – und er war unkompliziert. Für Johann Friedrich Isigkeit, der mehr als 100 Jahre vor mir hier in Oldenburg landete, war das alles sehr viel umständlicher. Um sich im damaligen Großherzogtum Oldenburg niederlassen zu können, musste er nicht nur einen sehr viel weiteren Weg zurücklegen, sondern zuvor seine preußische Staatsangehörigkeit aufgeben bzw. ‘aus dem Preußischen Untertanenverbund entlassen werden’.

Goldap_Auswanderung_Deckblatt

Alle nachfolgenden Informationen habe ich den vom Archiwum Państwowe w Olsztynie (Staatsarchiv Allenstein) digitalisierten Akten über ‘die Auswanderung Preußischer Unterthanen aus dem landrathlich Goldappschen Kreise’ entnommen, die hier einzusehen sind.

Johann Friedrich Isigkeit wird am  17. September 1827 als Sohn des Eigenkätners Carl Isigkeit in Iszlaudszen im Kirchspiel Tollmingkehmen, Kreis Goldap (Regierungsbezirk Gumbinnen) geboren. In der Stadt Goldap erlernt er die Gerberei und begibt sich anschließend auf die Wanderschaft. Seine Mutter verstirbt früh, der Vater heiratet erneut – im März 1859 ist er auch er verstorben.

Iszlaudszen

Im März des Jahre 1859 lebt der Gerbergeselle Johann Friedrich Isigkeit bereits im  Herzogtum Oldenburg – vermutlich zunächst in Elsfleth. Von hier aus beantragt er bei der für ihn zuständigen Regierung in Gumbinnen einen Heimatschein. Offenbar hat er mittlerweile seine zukünftige Ehefrau Anna Sophia Meyer kennengelernt und plant die Hochzeit mit ihr.

Anna Sophia Meyer wurde am 2. Februar 1827 in Deichstücken als Tochter von Johann Meyer und Anna Catharina Margareta Edling geboren. Sie war zuvor bereits verheiratet mit dem Matrosen Friedrich Stemmich, der aus Steinhausen stammt. (Quelle: OFB Brake-Elsfleth-Golzwarden-Hammelwarden – hier wird auch die Ehe von Johann Friedrich Isigkeit und Anna Sophia Meyer genannt, allerdings wird der Bräutigam unter dem Namen ‘Jeigkeit’ aufgeführt).

‘In Folge der vorstehenden Bescheinigung steht der Verheirathung des J. F. Isigkeit in weltlicher Hinsicht nichts entgegenAmt Elsfleth, 9. April 1859′ – ist als Randvermerk auf dem am 15. März 1859 von der Regierung in Gumbinnen ausgestellten Heimatschein zu lesen. Man bestätigt dem Antragsteller, dass er ‘durch Abstammung die Eigenschaft als Preuße’ besitze. Weiterhin wird mitgeteilt, dass von den nächsten Angehörigen des Johann Friedrich Isigkeit folgende Personen noch am Leben seien:

  1. die Stiefmutter, Eigenkätnerfrau Maria Isigkeit (Witwe), Besitzerin eines   Eigenkätnergrundstücks in Iszlaudszen von 16 Morgen
  2. eine Schwester des Johann Friedrich Isigkeit, verheiratet an den Eigenkätner Pinnau in Rominten
  3. eine weitere Schwester, verheiratet an den Losmann Riegel in Baudehnen.

Am 19.6.1859 findet in Elsfleth die Eheschließung von Johann Friedrich Isigkeit und Anna Sophia Meyer statt und um 1861 muss die gemeinsame Tochter Friederike Isigkeit zur Welt gekommen sein. Vor März 1863 muss die Familie Elsfleth verlassen haben und in die Stadt Oldenburg verzogen sein.

Um hier das Bürgerrecht zu erhalten und als Oldenburgischer Staatsangehöriger aufgenommen werden zu können, muss Johann Friedrich Isigkeit 1863 bei der ‘Großherzoglich Oldenburgischen Regierung’ weitere Nachweise erbringen:

Goldap_Oldenburg_Isigkeit_4

Am 6. Mai 1863 erhält der Gerbergeselle Johann Friedrich Isigkeit die Urkunde über seine Aufnahme in den Staatsverband des Herzogtums Oldenburg. Ein Duplikat wird zur Kenntnisnahme an die Königlich Preußische Regierung in Gumbinnen gesandt.

Isigkeit

Isigkeit_Urkunde

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Notizen bei der Durchsicht von Kirchenbüchern

Ich habe mir angewöhnt, bei der Durchsicht eines Kirchenbuchs zwischendurch all das zu notieren, was mir als Besonderheit auffällt. Oft haben diese Notizen mit der eigentlichen Recherche meiner Vorfahren gar nichts zu tun. Manchmal fallen mir zum Beispiel spezielle Berufe auf – manchmal entdecke ich eine Notiz des Pastors, die etwas über die Lebensumstände der Bewohner eines Ortes verrät – manchmal ist es ein ungewöhnlicher Name, der mir ins Auge fällt. Mich interessieren auch die Familien, die gemeinsam mit meinen Vorfahren im jeweiligen Ort leben oder ich achte – bei der Durchsicht eines Sterberegisters – auf die zu bestimmten Zeiten eingetragenen Todesursachen .

Die nachfolgenden Notizen – die ich hier nicht in vollem Umfang wiedergebe – entstanden bei der Durchsicht von Taufeinträgen des Kirchenbuchs von Kl. Dexen in Pr. Eylau. Die Bewohner des Hospitalsdorf Pompicken hatte ich dabei besonders im Blick, weil in diesem Ort meine eigenen Vorfahren lebten.

  • Bewohner von Pompicken, die ihre Kinder taufen lassen: Martin Nitsch – Görg Braxien (1638) – Görg Braxien (1639) Martin Nitsch (1641) Andres Depner (1650) Hans Pottel (1657) Martin Altmann (1657) Andreas Döpner (1658) Peter Pittwaldt (1661) Michel Steppuhn u. Jacob Arndt (1669) Christoph Kebbe, Bauer zu Pompicken (1701)
  • um 1650 werden mehrere Kinder aus Kumkeim in Kl. Dexen getauft – warum?
  • um 1650-1670 werden Töchter ELSE – ANNIKE – ORTHIA, ORTY o. TUSCH genannt!

KL.Dexen_1668

  • Jacob Schimmelpfennig ist 1667 Bauer in Saagen
  • 1668: Georg Kosemundt aus Gehrken (=Görken) lässt Sohn Michael taufen
  • Andreas Corschinsky ist 1676 Schulz von Orschen
  • der Name Kebbe kommt noch nicht vor!
  • 1682 Martin u. George Kantelberg sind Bauern in Schlauthienen
  • 1683-1685: kaum Taufen eingetragen ‘In diesem 83 Jahr sindt gar keine getaufften Kinder eingeschrieben’ 1684 2 Taufeinträge – 1685 gar keine
  • 1690 – der Name Reuter ist bislang nicht aufgetaucht!

Dieses Anfertigen von Notizen hat sich sehr bewährt – so manches Mal haben sie mir im Nachhinein zur Auswertung bestimmter Fakten sehr geholfen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Als die Frühlingssonne zu weichen begann …

Immer mal wieder entdecke ich in alten Zeitungen Berichte über die Schlacht in Galizien, bei der am 2. Mai 1915 u.a. auch mein Großvater Carl Ludwig Gegner starb. Der nachfolgende Text stammt aus einer Ausgabe des vom Staatsarchiv in Litauen digitalisierten Tageblatt für Litauen (1913-1918). Und immer wieder bin ich fassungslos …

Tageblatt_Litauen

‘Preußische Garderegimenter warfen den Feind aus den Höhenstellungen östlich der Biala und stürmten bei Staszkowka sieben hintereinander gelegene erbittert verteidigte russische Linien. Entweder von den Russen angesteckt oder von den Granaten getroffen, entzündete sich die hinter Gorlice gelegene große Naphtaquelle. Haushoch schlugen die Flammen aus der Tiefe und eine Rauchsäule von mehreren hundert Metern stieg gegen Himmel. Am Abend des 2. Mai als die heiße Frühlingssonne allmählich einer kühlen Nacht zu weichen begann, war die Hauptstellung ihrer ganzen Länge und Tiefe nach in einer Ausdehnung von etwa 16 Kilometer durchbrochen und ein Geländegewinn von durchschnittlich vier Kilometer erzielt. Mindestens 20.000 Gefangene, mehrere Dutzend Geschütze und etwa 50 Maschinengewehre bleiben in der Hand der verbündeten Truppen, die im Kampfe um die Siegespalme gewetteifert hatten. Außerdem wurde eine noch unübersehbare Menge von Kriegsmaterial aller Art erbeutet, darunter große Mengen von Gewehrern und Munition.’

Die furchtbar vielen toten Soldaten, zu denen auch mein Großvater gehört, der als Gardesoldat bei genau dieser Schlacht am 2. Mai des Jahres 1915 sein Leben verlor, werden in dem Artikel überhaupt nicht erwähnt. Carl Ludwig Gegner war nicht einmal 29 Jahre alt. Hat auch er mit den anderen voller Begeisterung ‘um die Siegespalme gewetteifert’ oder hat er auch an seine Frau und seine beiden beiden kleinen Söhne gedacht, die er vielleicht nie wiedersehen würde …?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Kunstdenkmäler im Kreis Preußisch Eylau

Christoph Heinrich Otte (* 24. März 1808 in Berlin; † 12. August 1890 in Merseburg) war ein deutscher evangelischer Geistlicher, der als „Kunst-Archäologe“ mehrere Schriften veröffentlichte. Er galt im 19. Jahrhundert als Begründer und hervorragendster Vertreter der „kirchlichen Altertumswissenschaft des deutschen Mittelalters“. (Quelle: Wikipedia)

1868 erscheint das von Otte herausgegebene ‘Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen Mittelalters‘.

Im Jahre 1857 sendet Heinrich Otte vorgefertigte Fragebögen an die Pastoren aller Kirchen im Kreis Pr. Eylau (ebenso auch an die Pastoren anderer Kreise) und wertet die Ergebnisse anschließend aus. Ich fand keinerlei Hinweis darauf, ob diese jemals veröffentlicht wurden. Auf jeden Fall existieren die handschriftlichen Aufzeichnungen noch. Sie wurden vom Staatsarchiv Olsztyn (Allenstein) digitalisiert.

Titel

Nachfolgend als Beispiel die Antwort von Pfarrer Riedel in Kl. Dexen auf die Frage zu den in seiner Kirche eventuell noch existierenden Grabmonumenten. Er schreibt: ‘Sind nicht vorhanden, da früher wahrscheinlich die Patrone etc. unter dem Kirchenboden in Gewölben beigesetzt sind. Auf dem Fußboden der Kirche sind einige Grabsteine mit Wappen und Inschriften, deren Entzifferung, durch das Hinübergehen beinahe abgenutzt, ziemlich unsicher wird’.

Kl.Dexen_Grabmale

Kl.Dexen_2 (2)

Manchmal sind den ausgefüllten Fragebögen auch Zeichnungen beigefügt – wie diese der Kirche von Gr. Peisten oder die des Grundrisses der Stadt Landsberg.

Peisten_Kirche
Landsberg_Skizze

Der in Landsberg damals amtierende Pfarrer Westphal legt dem Fragebogen im Mai 1857 folgenden Brief bei: ‘Sehr geehrter Herr Amtsbruder – Auf Ihr gefälliges Schreiben vom 7ten h. erwidere ich Ihnen ganz ergebenst, daß die Steinpfosten der Fenster hiesiger Kirche samt den Steinfiguren in den Fensterbogen wahrscheinlich so alt sind wie die Kirche, da sich kaum annehmen läßt, daß sie beim Brande von 1650 zerstört gewesen sein sollten, indem sie sehr stark, obgleich nur von Ziegeln, aufgeführt sind. – Das bunte Glas in den Fenstern ist erst vor 2 Jahren eingesetzt worden und noch nicht einmal in allen Fenstern vorhanden, indem diese Zierde der Kirche erst noch vollständig ausgeführt werden soll. – Diese Nachrichten Ihnen bereitwilligst mitteilend wünsche ich Ihnen den besten Fortgang Ihrer interessanten(,) obwohl etwas mühsamen Arbeit und verharre in der Liebesgemeinschaft Jesu Christi als Ihr ganz ergebenster Bruder Westphal, Pfarrer’.

Die digitalisierten Unterlagen zu dieser ‘Fragebogen-Aktion’ der Kunstdenkmäler (und viele andere) sind hier zu finden!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Ein gutes Beispiel für die benachbarten Catholiken …

In dem nachfolgenden Sterbeeintrag aus dem Kirchenbuch von Petershagen, Pr. Eylau, berichtet der damalige Pastor von der ‘beispielhaften’ Fürsorge des Hauptmanns von Heyden auf Nerfken. Dazu muss man wissen: das Kirchspiel Petershagen war evangelisch, lag aber nicht weit entfernt von der Grenze zum katholischen Ermland. Die Entfernung vom Gut Nerfken, das auch zum Kirchpiel Petershagen gehört, bis zum katholischen Heilsberg betrug etwa 10 km. Die Begüterung Nerfken (heute Nerwiki) befindet sich ab 1728 im Besitz der Familie von Heyden – das Schloss existiert noch.

Der Sterbeeintrag lautet:

‘den 11ten Maii 1788 starb ein Schwerdtfeger Geselle, Caspar Ferowski, catholischer Religion, aus Prag in Böhmen gebürtig, im hochadl(igen) Hofe zu Nerfken – – Dieser Wandersbursche kehrte den 7ten Maii im Nerfkenschen Kruge schon krank ein, und nachdem er bis zum 10ten Maii alda gelegen, so wurde es der gnädigen Herrschaft im Hofe gemeldet, welche den unbekanten und nie gesehenen Wanderer sogleich in den Hof zur Verpflegung nahmen und da Sie seine Krankheit von Bedenklichkeit fanden, den Stadt Chrírurgum Wegner von Heilsberg herüberholen ließen, welcher den Kranken mit gehöriger Medicin versehen und zu zweien malen Ader schlagen mußte. Allein aller Vorsorge und Wartung ungeachtet verstarb er unter den Händen des Arztes. Der menschenfreundliche Wohlthäter, Herr Hauptmann von Heyden auf Nerfken, aus Menschenliebe gedrungen und auch den benachbarten Catholiken ein gutes Beispiel in Absicht der Toleranz zu geben, ließ den erblasten Mitmenschen, nach einer gehaltenen Rede vorm Altar, auf dem Kirchhofe zu Petershagen solemniter (=feierlich) u. in Gefolge sämtlicher Unterthanen begraben. – – Der Kirche 30 g; 38 J. Entzündung’.

Petershagen_1788_Nerfken_3

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Verkauf des Gutes Grundfeld, Pr. Eylau (1698)

Immer noch  gibt es eine Reihe von Dokumenten, die ich im Laufe der vergangenen Jahre aus den Staatsarchiven von Dahlem oder Olsztyn (Allenstein) mitgebracht und noch gar nicht richtig ausgewertet habe – zum Beispiel den Kaufbrief über das kleine Gut Grundfeld aus dem Jahr 1698.

‘Nach der Reformation von 1525 und der Gründung des Herzogtums Preußen ist am Rande des Stablack-Forsts auf ausgehauenem Waldland ein kleines Chatull-Gut gegründet worden, das ‘Grundfeld‘ genannt wurde. … Grundfeld blieb auch in späteren Jahrhunderten stets ein kölmisches kleines Gut. Es geriet nicht in den Besitz größerer Güter. 1785 wird es ‘kölmisches adliges Chatullgut’ mit 3 Feuerstellen im Kirchspiel Kl. Dexen genannt. Besitzer war Fähnrich Seel’ (Horst Schulz, Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 236).

Der Burggraf der Begüterung Wildenhoff, Reinhold Seel, war bereits vor 1700 Besitzer des Gutes Grundfeld. Am 14. Juni 1698 verkauft er es an seinen Bruder Johann Seel, den damaligen Burggrafen des Gutes Worienen.

Seel_1698_Worienen_2

Kauff Brieff Herrn Johann Seelen, Burggraffen der
Wohrienischen Gütter über das Frey Güthlein Grundfeldt

Kundt und zu wißen sey hirmit, Jedermänniglichen, insonderheit denen hieran gelegen, undt die solches wissen von nöthen haben, daß Anno 1697, den 11ten Januarii gemäß Vergleich ein gültiger, zu Recht beständiger undt unwiederruflicher Kauff-Contract berahmet beschlossen undt vollzogen worden wie folget: Es verkaufet (Tit.) Herr Reinhold Seel, p. t. woll bestallter Burggraff der Hochadel(ichen) Wildenhöfschen Gütter sein cölmisches Freygütlein Grundfeldt im Preusch Eylauschen Ambte gelegen von 2 Huben 15 Morgen, mit allen Pertinentien, Freyheiten, Gerechtigkeiten, wie sie immer Nahmen haben mögen, undt wie Verkäuffer bißhero inne gehabt, besessen und genoßen, nichts davon eximiret, sambt nachfolgenden ausgedrucktem Inventario, als: erstlich Wintersaat: 6 Sch. Gerst, 6 Sch. Haber, 2 Sch. Erbsen, Sommersaat, 2 junge Arbeitsstutten, 1 Kuhe, 1 Ochsen, 5 Schafe, 5 Schweine, 1 Wagen und 1 Egde aus Brüderlicher Liebe an seinen Bruder (Tit.), Herrn Johann Seelen, p.t. wollbestalltem Burggraffen der Hochadel(ichen) Wohrienischen Gütter vor und umb 2000 Schilling Preuß. Jeder in 20 Gulden gerechnet. Welche 2000 Kaufschilling Herr Käuffer Herrn Verkäuffern allsofort bahr mit guten Sorten gegen Quitare gezahlet, dafür er Ihm gebührlichen Dank saget,mit dem außdrücklichen Vorbehalt, undt Condition, daß wenn Gott dermahl einst nach seinem heyligen gnädigen Willen, seinen lieben Bruder, Johann Seelen, undt seine liebe Ehegattin durch den Todt aus dieser Zeitligkeit fordern solte /: welches Gott lange Zeit in Gnaden verhüten wolle :/ Er Verkäuffer nebst den Seinigen die Priorität undt Naheit zu vorgedachtem Gütlein vor allen andern, wer die auch seyn, haben möge. ….. (ein Ausschnitt aus dem Kaufbrief)

So geschehen Wohrienen, den 14ten Junii 1698

Johann Seel, als Käuffer                                                        Reinhold Seel, als Verkäuffer

Seel_1698_Worienen

Grundfeld, das ehemals kleinste amtliche Gut des Kreises Pr. Eylau, existiert schon lange nicht mehr. Es wurde im Herbst 1934 vom Militär aufgekauft und dem Gelände des Truppenübungsplatzes Stablack einverleibt. Der Name Grundfeld verschwand damit  von der Landkarte.


 Zur Familie von Johann Seel gibt es eine verwandtschafliche Beziehung meiner Vorfahren – der Burggraf Johann Seel heiratet im Mai des Jahres 1703 in Eichhorn Catharina Bogdahn, die jüngere Schwester meines Vorfahren Adam Boddahn.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Deutsch-russische Zusammenarbeit

In einigen Bereichen klappt die deutsch-russische Zusammenarbeit ja nicht immer – in diesem Fall war sie jedoch sehr erfolgreich 🙂

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anfrage aus Kaliningrad. Tatjana – eine junge russische Reiseleiterin – war bei ihrer Recherche im Internet auf diesen Bericht über ein Haus in der ehemaligen Luisenstraße (heute ul. Komsomolskaya/ул.Комсомольская Nr. 21) gestoßen.

Tatjana war gerade dabei, eine Führung durch die Luisenstraße vorzubereiten und bat um nähere Informationen zur Familie des Kaufmanns Julius Schnell, die in diesem Haus gelebt hatte. Diese Bitte habe ich ihr gern erfüllt und mittlerweile fanden – unter dem Motto “Häuser, Leute, Ereignisse” – bereits zwei Spaziergänge durch die Straße statt, an denen insgesamt etwa 90 Personen teilnahmen.

Luisenstrasse-horz

Ich freue mich darüber, dass Tatjana auf diese Weise ein wenig über die früheren Bewohner dieses schönen Hauses erzählen konnte und dass das Foto von Julius Schnell, der 1945 in Rostock verstarb, auf diesem Wege wieder vor seinem ehemaligen Haus gelandet ist!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Posamentarier-Witwe aus Danzig verstirbt in Müggen, Pr. Eylau

In Müggen, einem kleinen Ort im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, stirbt am 19. Februar 1755 eine alte Witwe namens Barbara. Leider wurde ihr Familienname nicht notiert – vermutlich war er den Bewohnern im Ort und dem Pfarrer gar nicht bekannt. Dennoch gibt der Sterbeeintrag im Kirchenbuch Auskunft über die Lebensumstände der Verstorbenen und – nachdem mir das Entziffern des Berufes ihres Ehemannes endlich gelungen war – habe ich viel Neues gelernt und weiß nun:

Barbara war die Ehefrau eines Posamentierers – früher auch ‘Bortenwirker‘ genannt. Dieser Beruf war mir völlig unbekannt.

Orna119-Franzen-LambrequinsPosamente (aus dem französischen passement) sind Besatzartikel, die keine eigenständige Funktion besitzen, sondern lediglich als Schmuckelemente auf andere textile Endprodukte wie Kleidung, Polstermöbel, Lampen-schirme, Vorhänge und andere Heimtextilien appliziert werden. Als Posament zählen Zierbänder, gewebte Borten, Fransenborten, Kordeln, Quasten, Volants, Spitzen aller Art, kunstvoll besponnene Zierknöpfe und Ähnliches’. (Wikipedia)

Die Abbildung stammt aus: Franz Sales Meyer – A handbook of ornament (1898)

Auch 1817 sind im Adressbuch von Danzig noch eine ganze Reihe von Posamentierern aufgeführt.

Danzig_Adressbuch

Dach zurück zu Barbara. Sie war erst 14 Tage vor ihrem Tod in Müggen angekommen -nach einer langen und vermutlich beschwerlichen Reise. Bei der Belagerung Danzigs, die bereits im Jahre 1734 stattgefunden hatte, hatte sie all ihr Hab und Gut und wohl auch ihren Ehemann verloren, war aus der Stadt geflohen und letztlich in Müggen ‘gestrandet’.

Hintergrund der Belagerung Danzigs war der Polnische Thronfolgekrieg (1733–1738), in den mehrere Länder verwickelt waren und über den an vielen Stellen berichtet wird. Eine besondere Rolle spielt dabei u.a. der aus Neuenhuntorf bei Oldenburg stammende Graf Burkhard Christoph von MünnichAls Generalfeldmarschall und Anführer der russischen Armee eroberte er 1734 Danzig, ‘schlug die Unruhen in Warschau nieder und übernahm in der Ukraine den Oberbefehl gegen die Türken. Im Russisch-Österreichischen Türkenkrieg verwüstete er 1736 die Krim, im gleichen Jahr wurde er mit den Weißen-Adler-Orden ausgezeichnet. 1736 wurde er zudem Generalissimus aller russischen Armeen’ ….(Wikipedia).

Bei dieser Belagerung ‘wurden allein 4430 Bomben in die Stadt geworfen, und dadurch 1800 Häuser zum Theil bedeutend beschädigt und 1500 Civilpersonen getödtet oder verwundet’. (K. Hoburg, ‘Die Belagerung der Stadt Danzig im Jahre 1734’; Danzig 1858; Seite 61).

Die Witwe Barbara muss demnach 20 Jahre lang unterwegs gewesen sein bevor sie letztlich in dem kleinen natangischen Ort Müggen landete. Nachfolgend ihr Sterbeeintrag aus dem Eichhorner Kirchenbuch:

Sterbeeintrag_1755_Eichhorn

‘Den 19. Febr(uar) starb in Miggen (=Müggen), eine alte Wittwe, Barbara …., deren Mann in Danzig ein Bortenwürckner gewesen, und in der Belagerung, da sie alles ihrige verlohren, nach Preußen geflüchtet seyn soll, nachdem sie 14 Tage vorher dahir gekommen; und ward den 20. Febr(uar) wegen außerster Armuth ganz stille begraben. Die Kirche bekam nichts’.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Caspar Henneberger und Worienen

Schon lange beschäftige ich mich mit der Geschichte des kleinen Ortes Worienen (heute Woryny) – unweit von Landsberg (Górowo Iławeckie) im ehemaligen Kreis Pr. Eylau gelegen – der bereits zu Ordenszeiten als Mittelpunkt des natangischen Gaus Wore bzw. Woria von besonderer Bedeutung war. Eine Chronik dieses Ortes, an der ich seit mehreren Jahren arbeite, ist mittlerweile auf etwa 300 Seiten angewachsen und wird hoffentlich in absehbarer Zeit fertig werden.

Seit ich mich mit der Geschichte Worienens befasse, interessiere ich mich auch für historische Karten dieser ostpreußischen Gegend und versuche, den Ort darin zu finden. In vielen dieser alten Landtafeln ist Worienen gar nicht verzeichnet – auch in der von Caspar Henne(n)berger im Jahre 1576 angefertigten Karte fehlt der Ort.

Henneberger_1636

Caspar Henneberger war Pfarrer – u.a. in Domnau und Mühlhausen, wurde aber vor allem als Kartograph und Landeskundler bekannt. Schon als Student in Königsberg sammelte er Landkarten von Preußen und verglich sie mit der Realität und vorhandenen Berichten. ‘Als nun … 1570 eine höchst mangelhafte Karte von Preußen erschien, forderten ihn verschiedene Personen auf, eine bessere zu verfertigen, was Henneberger auch endlich unternahm. Zu diesem Zwecke bereiste er das Land angeblich sieben Jahre hindurch’. (Quelle: F. von Selasinski, Über Land- und Seekarten, Grundrisse u. Städtedarstellungen, welche Ost- u. Westpreußen betreffen, in ‘Neue Pr. Provinzial-Blätter; Königsberg 1848; Seite 372).

Karten, die um diese Zeit erstellt wurden, sind aufgrund der damaligen Möglichkeiten ungenau und auch unterschiedlich. Die Kunst des Feldmessens befand sich erst in den Anfängen – es gab noch kein einheitliches Maß. Henneberger richtete sich bei den Angaben der Entfernungen vor allem nach den Schätzungen der ansässigen Bewohner.

Die politische und administrative Einteilung des Herzogtums Preußen wurde fast völlig ignoriert. Herzog Albrecht hatte das Land zu Beginn seiner Regentschaft in Hauptämter und Kammerämter unterteilt und diese in drei Hauptabteilungen zusammengefasst – in den Samländischen, den Natangischen und den Oberländischen Kreis. ‘Henneberger, der nicht bloß Chorograph, sondern vielmehr noch Historiker sein wollte, der auch wohl diese verwickelte Eintheilung unbequem finden mochte, zog es vor, Preußen nach den Landschaften der heidnischen Preußen abzutheilen. Diese Vermischung des Historischen mit dem Geographischen war ein Mißgriff, der allen Karten von Preußen bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts in den Augen der Landeskundigen ein wunderliches Ansehen geben muß’. (Quelle: F. von Selasinski, Über Land- und Seekarten, Grundrisse u. Städtedarstellungen, welche Ost- u. Westpreußen betreffen, in ‘Neue Pr. Provinzial-Blätter; Königsberg 1848; Seite 374)

Henneberger selbst beschreibt 1595 sehr detailliert, welche Kosten und Mühen er auf sich nehmen musste, um – neben seinem Beruf als Pfarrer – durch die Lande zu reisen, alte Chroniken zu studieren, zunächst einzelne Mappen der verschiedenen Gebiete anzulegen und anschließend die gesamte Landtafeln erstellen zu können. Seen, Sümpfe und Waldgebiete mussten überwunden werden, Amtsleute und Anwohner wurden befragt. In manchen Gegenden ‘weiss man offtmals der flüsser namen gar nicht, und wenn mann sie nicht in alten Handfestungen und Verschreibungen fünde, so weren der alten namen viele gar verloren, denn die leute achten solches nicht gros, wenn sie nur den nutzen und ein Kannen Bier dabey haben, sein sie wohl content’ schreibt Hennneberger in seiner ‘Erclerung der Preussischen grössern Landtaffel.‘ (Digitalisat der Bayrischen Staatsbibliothek)

In seine 1638 gezeichnete Karte hat Caspar Henneberger den Ort Worienen dann doch eingetragen. Die Umgebung von Worienen ist ziemlich morastig – vielleicht hatte er vorher Schwierigkeiten, den Ort überhaupt zu erreichen?

Henneberger_Karte

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!

Einblick in das älteste Kirchenbuch von Kl. Dexen

Das älteste Kirchenbuch des ehemaligen Kreises Pr. Eylau ist ein Taufbuch der Kirche von Klein Dexen, das im Jahre 1607 beginnt.

‘In Dexen wirkte damals der Pfarrer Johannes Lucas, welcher bei seiner am 28. Februar 1596 auf der Albertina in Königsberg unter dem Rektorat des Professors Gruner erfolgten Immatrikulation unter dem Namen Hollandinus Borussus genannt wird, also aus Pr. Holland stammte’. `(Quelle: Johannes Hoehne, Das Amt Pr. Eylau um 1600, unter besonderer Berücksichtigung des Kirchsspiels Kl. Dexen; 1909).

Pfarrer Lucas notiert auf der ersten Seite des Kirchenbuchs: ‘Anno 1607 – Register wie vi(e)l ich, Johannes Luca ahir zu Dexen Pfarrer von di(e)sem iar (Jahr) angefangen, zu trauen(,) zu tauffen undt wie vi(e)l endtlich auch gestorben.’Dexen_1607

Die Heirats- und Sterbeeinträge der Anfangszeit existieren leider nicht mehr – sie sind erst ab 1698 vorhanden.

Die frühen Taufeinträge enthalten nur wenige Informationen. Man findet noch keine Familiennamen und nur selten werden die Vornamen der Kinder genannt – zeitweise erfährt man  nicht einmal das Geschlecht des Täuflings.


Ein Beispiel aus dem Jahr 1609: Kl.Dexen_1609

Getauft werden: am 26 October ‘Ein Kindt von Orschen’ – am 29. October ‘Mickels Kindt von Rositten’.

Sehr selten taucht auch um diese Zeit ein Familienname auf – man muss regelrecht danach suchen. Entdeckt habe ich 1608 Hans Lembcke aus Bornehmen.

KL.Dexen_1614

Getauft werden im Januar des Jahres 1614:

  • Radmachers Kindlein von Orschen
  • Krollen Töchterlein von Toprin Elisabeth
  • Lorenzen Kindlein von Toprin u.
  • Erharts Kindlein von Alkainen

(Toprin=Topprienen; Alkainen=Alkehnen)

KL.Dexen_1623

Auch der Name von Davids Töchterlein aus Orschen, das im Januar des Jahres 1623 zur Taufe gebracht wird, wird uns nicht verraten.

Ab etwa 1625 werden die Vornamen der getauften Kinder fast durchgängig genannt.

Familiennamen bilden noch immer die Ausnahme – aber ab und zu erfährt man sie doch: Ludwich Erdmann ist 1626 Instmann in Topprienen und lässt seine Tochter Dorothea taufen – 1627 lässt Mikel Sergannt in Claussen seinen Sohn Andreas taufen – Quednau in Alkehnen ebenfalls einen Sohn Andreas – Pasternak in Pilzen seinen Sohn Johannes und Hans Müllenhauer in Orschen seinen Sohn Christoph.

Auch um 1630 sind zwischendurch immer noch Einträge wie diese zu lesen: (Taufen lässt) ‘Hans, ein Instmann zu Dulzen, sein Söhnlein‘ oder ‘Peter von Orschen sein Töchterlein Anna.’

Taufpaten werden bis zum Jahr 1618 überhaupt nicht angegeben.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Bitte respektieren Sie das Urheberrecht! Möchten Sie geschützte Inhalte meiner Internetseite weiter verwenden, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail. Danke!