‘Ein Brief über den Nothstand in Ostpreußen’

1868 wird in einer Ausgabe des ‘Grenzboten‘ ein in Königsberg im Februar desselben Jahres verfasster Brief über den Nothstand in Ostpreußen abgedruckt. Darin geht es zunächst um den wirtschaftlichen Notstand, die schlechte Verkehrssituation im Land (fehlende Chausseen und Eisenbahnlinien), um Handel, Industrie und Landwirtschaft.

Nothstand_Titel

 Digitalisat der Staatsbibliothek Bremen

Dann schreibt der Verfasser (dessen Name – bewusst? – nicht genannt wird): ‘Es würde aber sehr einseitig sein, wollte man nicht bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß wir auch in einem geistigen und moralischen Nothstande leben, welcher den materiellen wesentlich verschlimmert. Die große Masse der Bevölkerung ist bei uns r o h, s e h r  r o h, sodaß es für den Gebildeten eine wahre Erholung ist, einmal mit schlesischen, sächsischen oder rheinischen Arbeitern zu tun zu haben’.

Als Ursache für diese ‘Rohheit’ gibt er u.a. die ‘Beimischung nicht-deutscher (litthauischer und masurischer) Elemente‘ an, die ‘in manchen Grenzkreisen noch die Mehrzahl bilden und deren Germanisirung nur langsam vorrückt’. Er bezeichnet die in Ostpreußen lebenden Lithauer und Masuren, mit denen es auch in moralischer Hinsicht ‘gar übel bestellt’ sei als Hemmschuh der Cultur und schreibt: ‘Das rauhe Klima und die harte Feldarbeit begünstigen … den Trunk und mit ihm Zank, Schlägereien, Familienzerwürfnisse, Verwahrlosung der Kinder. Die Begriffe von Ehre, Pflicht und Gesetz stehen noch auf der niedersten Stufe: Holzdiebstahl gilt kaum als Diebstahl, Unkeuschheit ist bei der ärmeren Classe kaum mehr als ein Tadel’.

Auch dort, wo keine Masuren oder Litthauer lebten, sei eine ‘Cluft zwischen den gebildeten und ungebildeten Classen, als wohnten zwei verschiedene Volksstämme auf derselben Scholle’. Der Schreiber beklagt den mangelhaften Schulunterricht und das fehlende Interesse am Zeitungslesen. Auffällig sei, dass fast alle älteren Männer, die ihre Schulbildung vor 40-50 Jahren erhalten hätten, schreiben und lesen könnten, aber nur wenige jüngere dazu imstande seien.

Und schließlich spricht er das Problem der ‘Hütejungen‘ an. Da die Dörfer keine gemeinschaftlichen Weiden mehr haben, auf denen ein Gemeindehirt das Vieh beaufsichtigt, ‘muß jeder kleine Besitzer sein Vieh auf seinem Stück Weide besonders hüten lassen und verwendet dazu natürlich gern die billigste Kraft, d.h. ein Kind im schulpflichtigen Alter. Die Schulstrafen weiß er zu umgehen oder er bezahlt sie auch und kommt trotzdem noch billiger fort. Unzweifelhaft werden auch auf vielen größeren Gütern Kinder, die noch in die Schule gehörten, schon zu wirthschaftlichen Arbeiten verwandt, nicht nur während der Erntezeit …., sondern auch außerhalb derselben. Da hier der Gutsherr als Ortspolizei die Schulstrafen festzusetzen hat und der Lehrer außerdem sehr von seinem Wohlwollen abhängt, so kann man sich denken, wie dabei die gesetzlichen Bestimmungen gehandhabt werden’.

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Die Krüger in Eichhorn, Pr. Eylau

Schon im Jahre 1419 wird in Eichhorn bei Landsberg, Pr. Eylau, ein Krug erwähnt, der aber um diese Zeit noch wüst liegt. Anhand der Eichhorner Kirchenbücher konnte ich die Namen der Eichhorner Krüger seit der Mitte des 17. Jahrhunderts herausfinden.

Um 1670 ist Johann (Hans) Scheffler Krüger von Eichhorn – um 1690 Peter Simson (in zweiter Ehe verheiratet mit Anna Specht, der Witwe des Böttchers Erdmann Gegner). Um 1709 betreibt sein Sohn Johannes (Hans) Simson den Eichhorner Krug. Um 1730 wird Peter Westphal als Krüger in Eichhorn genannt. Gleichzeitig ist dieser auch als Schneider tätig.

Viele Krüger betreiben neben dem Krug zusätzlich ein handwerkliches Gewerbe bzw. sind sie wohl eigentlich Handwerker und bewirtschaften die Gastwirtschaft zusätzlich. Sie arbeiten als Schneider, Zimmermann, Leineweber oder Schmied.

Nach Peter Westphal folgt Jakob Laschke (+ 1763); von etwa 1769 – 1771 dessen Sohn Johann Jacob Laschke – von 1773 bis 1776 der Zimmermann Johann Till (+ 1778). Von etwa 1779 bis 1783 wird Michael Pohl als Krüger in Eichhorn genannt -  ab ca. 1788 bis 1807 Daniel Geisler (+ 1807). 1810 wird ‘Susanna Dorothea Gegnerin, Krügerin’ unter den Paten genannt. Sie ist die Ehefrau des damaligen Eichhorner Schulzen Friedrich Gegner, der offenbar kurzzeitig den Krug übernimmt bis ein Nachfolger gefunden ist.

Von 1811 bis 1822 versorgt mein Urgroßvater 3. Grades (Friedrich Gegners Cousin)  - der Leinewebermeister Ernst Wilhelm Gegner - die Gäste in Eichhorn mit Getränken. Er ist verheiratet mit der Tochter des Krügers Gnoss aus dem Nachbarort Worglitten. Regina Elisabeth Gnoss wurde im ‘Neuen Krug’ in Worglitten geboren. Sie hat schon als Kind erlebt wie ein Krug geführt wird und kann ihrem Ehemann sicherlich hilfreich zur Seite stehen  - oder die Arbeit im Krug allein verrichten ? :-)

Gegner-Krüger

Im Jahre 1886 erscheint in einer Ausgabe des Kreisblatts Pr. Eylau folgende Ankündigung der damaligen Eichhorner Gasthofbesitzerin Politt: ‘Meine Schmiede will ich vom 1. April d. Js. (des Jahres) anderweitig verpachten. Tüchtige solide Bewerber bitte sich zu melden bei Wittwe Politt, Gasthofbesitzerin, Eichhorn’.

Politt_1886

Diese ‘Wittwe Politt’ ist die zweite Ehefrau des vier Jahre zuvor verstorbenen Carl Ludwig Politt. Als dieser am 9. November 1842 in Eichhorn seine 1. Ehefrau Amalia Fligge heiratet, ist er Schmiedegeselle. Amalia Fligge ist eine Tochter des Eichhorner Hufenwirths Gottfried Fligge (ihre jüngere Schwester Wilhelmine wird 1851 die Ehefrau von Otto Gegner in Dixen).

Bei der Heirat wird Carl Ludwig Politt schon als ‘angegehender Krugbesitzer’ bezeichnet. Seine Mutter Susanna Politt geb. Politt, ist in zweiter Ehe verheiratet mit Gottfried Scheffler, dem vormaligen Besitzer des Eichhorner Kruges. Nachdem dieser am 22. März 1847 im Alter von 67 Jahren und 3 Monaten verstirbt (eigene Kinder hat er offenbar nicht) gelangt der Gasthof in den Besitz der Familie Politt.

Amalie Politt, geborene Fligge, wird nur 21 Jahre alt. Sie stirbt am 12. April 1843 – nur wenige Monate nach der Eheschließung – an den Folgen eines Aborts.

Um 1844 heiratet Carl Ludwig Politt erneut. Seine zweite Ehefrau Emilie Mathilde Pohl bringt in der Zeit von 1845 bis 1868 insgesamt 14 Kinder zur Welt, von denen 4 im Kleinkindalter versterben. Neben der Erziehung der Kinder und der üblichen Arbeit im Haushalt wird sie wohl ‘nebenbei‘ auch die Arbeit im Gasthof erledigt und die Gäste bewirtet haben. Ihr Ehemann wird sich vermutlich um die Schmiede gekümmert haben.

Carl Ludwig Politt wird 67 Jahre alt. Er stirbt am 20. Februar 1882 in Eichhorn. Emilie Mathilde Politt, geb. Pohl führt den Gasthof auch nach dem Tod ihres Ehemanns weiter. Als sie 1886 die Anzeige aufgibt, ist sie etwa 70 Jahre alt.

Ob sich Gustav Heinrich Steinke auf das Inserat der Witwe Politt gemeldet und die Schmiede der Familie Politt übernommen hat? Er wird jedenfalls 1887 als Schmiedemeister in Eichhorn genannt.

Schon 1877 ist auch Friedrich Liedtke Gastwirt in Eichhorn. Er verstirbt vor September 1890. Irgendwann muss in Eichhorn ein zweiter Gasthof dazugekommen sein - wann dies geschah, konnte ich nicht herausfinden. (Möglicherweise ist dieser zweite Gasthof der, der von Friedrich Liedtke betrieben wird – es ei denn dieser arbeitet als Gastwirt im Krug der Familie Politt). Horst Schulz schreibt in seinem Buch ‘Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau: ‘Im Dorf selbst waren zwei Gastwirtschaften (Nichau und Westphal) mit Ladengeschäften; letztere mit Saal, in denen die Feste der Vereine gefeiert wurden’.

Die letzten Eichhorner Gastwirte sind Gustav Nichau und Kurt Westphal.

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Eine Woche in Berlin …

Eine schöne Woche in Berlin liegt hinter mir. Abgesehen davon, dass Berlin eine spannende Stadt ist, in der es wahnsinnig viel zu sehen gibt, haben wir (meine Freundin Anneliese Grosse und ich) auch dieses Mal einige Zeit im ‘Forscher-Saal‘ des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz’ in Berlin-Dahlem zugebracht. Bei diesem Besuch habe ich u.a. Ordens-Folianten durchgesehen, die sich früher im Staatsarchiv Königsberg befanden. Da es relativ schwierig und zeitaufwendig ist, diese alten Dokumente zu lesen, habe ich Kopien bestellt, auf die ich nun warte, um sie zu Hause ganz in Ruhe entziffern zu können.

Wie schon oft, fand auch ein Treffen mit befreundeten Genealogen statt – diesmal nicht in Kreuzberg, sondern bei leckerem Essen am Savigny-Platz. Alle stammen ursprünglich aus Norddeutschland und fast alle sind MAUS-Mitglieder. Aufgrund der Entfernung sehen wir uns selten und freuen uns deshalb immer besonders auf diese Zusammenkünfte.

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Auch eine Friedhofs-Besichtigung gehört in Berlin oft zu unserem Programm. Den Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg kannten wir schon, aber die Ehrengräber der Gebrüder Grimm hatten wir beim ersten Besuch nicht gefunden. Nun haben wir Jakob und Wilhelm Grimm aber besucht. Vor uns müssen wohl einige Kinder an den Gräbern der beiden Märchensammler gewesen sein und ihnen kleine Geschenke gebracht haben :-)

Und endlich habe auch ich das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten des Königin-Elisabeth-Garde-Regiments Nr. 3 im Lietzensee-Park besucht. Zu diesen Gefallenen gehörte auch mein Großvater Carl Ludwig Gegner, der am 2. Mai 1915 in Gorlice starb und auf dem Soldatenfriedhof Staszkowka begraben wurde.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERADass sich auch die Kaserne, in der er stationiert war, ganz in der Nähe – in der Soorstr. 83 in  Charlottenburg – befand, wusste ich nicht. (Schlecht recherchiert!)

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Fehlende Quellen-Angaben sind ärgerlich!

Als ich vor mehr als 10 Jahren im Zuge meiner Ostpreußen-Forscherei im ‘Geheimen Staatsarchiv’ in Dahlem in Archivalien erstmals die Ortsnamen ‘Worienen‘ oder ‘Eichhorn‘ oder aber Familiennamen entdeckte, die in meiner Ahnenreihe auftauchen, war ich so begeistert, dass ich vor lauter Euphorie manchmal vergessen habe, mir die Signaturen der Bestände zu notieren, aus denen meine ‘Fundstücke’ stammen.

Nun besitze ich einen ganzen Stapel interessanter Dokumente, die ich nicht zuordnen kann. Es ist eine mühsame und ärgerliche Arbeit, die richtigen Bestands-Signaturen im Nachhinein ausfindig zu machen. Und es ist durchaus möglich, dass ich in der nächsten Woche – wenn ich hoffentlich wieder im Dahlemer Forschungssaal sitzen werde – Bestände durchsehe, die ich bereits kenne :-)

Glücklicherweise habe ich die Hefte nicht entsorgt, in denen ich mir bei meinen Archiv-Besuchen Notizen gemacht habe und vielleicht gelingt mir die Zuordnung deshalb noch …

Aber ich kann nur jedem Familienforscher dringend raten, solche Anfänger-Fehler zu vermeiden und die Quellen von Beginn an ordentlich zu notieren!

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Das Amtsgerichtsgebäude in Kreuzburg, Pr. Eylau

Das Gebäude kam mir bekannt vor als ich das Bild in einem der Pr. Eylau-Bücher von Horst Schulz entdeckte. Ich war schon daran ‘vorbei gelaufen’ als ich mir mit ‘Google Street View’ die Gegend um Kreuzburg (heute Slawskoje - russisch Славское) ansehen wollte. Von der Stadt Kreuzburg ist nicht viel übrig geblieben. Kreuzburg lag 1945 im ‘Heilsberger Kessel’ und wurde fast vollkommen zerstört. Aber das alte Gebäude in der südlichen Vorstadt, in dem Amtsgericht und Gefängnis untergebracht waren, existiert noch.

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Das ehemalige Amtsgerichtsgebäude in der südlichen Vorstadt

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 Auf dem Stadtplan von Kreuzburg ist der Standort des Gebäudes markiert.

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Pastoren-Zusammenhänge (Kreis Pr. Eylau)

Die folgenden Informationen zur Genealogie einiger Pastoren-Familien sind aus verschiedenen Quellen (u.a. Daniel Heinrich Arnold: ‘Kurzgefasste Nachrichten  von allen seit der Reformation an den Lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandenen Predigern’ – hier digitalisiert …)  und eigener Recherche ‘zusammengebastelt’.

Bei Durchsicht der Kirchenbücher rund um Landsberg fiel mir auf, dass zeitweise enge familiäre Beziehungen der in Landsberg, Canditten und Guttenfeld lebenden Pastoren-Familien Neumann, Schultz und Perschke bestehen.

Gottfried Neumann wird am 15. Februar 1709 in Bartenstein geboren. Als er 1739 in Landsberg die Witwe Barbara Sophia Goßky (Goski) geb. Schultz heiratet, ist er Kantor, ab 1740 Diakon in Landsberg. Seine Ehefrau ist eine Tochter des Pfarrers Jacob Schultz, der aus Medenau stammt und am 24.2.1722 in Reichau verstarb. Ihren ersten Ehemann, den Gewürzhändler Johann George Goßky, hat sie 1734 in Landsberg geheiratet.

Goßky_Schultz_1734Heiratseintrag im KB Landsberg

Das Ehepaar Neumann hat mindestens 3 Kinder, die in Landsberg zur Welt kommen:

  1. Jacob Neumann, geb. im April 1740
  2. Gottfried Neumann, geb. im September 1741
  3. Anna Dorothea Neumann, geb. im September 1743

Pfarrer Jacob Schultz in Reichenau hat eine weitere Tochter namens Gottlieb Loysa Schultz, die 1730 den Landsberger Pfarrer Andreas Perschke heiratet, der sein Amt 1713 in Landsberg angetreten hatte. Zuvor war dieser Kantor in Zinten und Diakon in Landsberg. Andreas Perschke wird im Dezember 1679 in Bartenstein geboren und verstirbt am 5. September 1725 in Landsberg.

Seinen eigenen Heiratseintrag im Kirchenbuch formuliert er folgendermaßen: ‘Ich, Perschke, Andreas, hiesiger Pfarrer, mit Jgfr. Gottlieb Loysa, des weiland Tit. Herrn Jacob Schultzen, gewesenen Pfarrers zu Reichau hinterl(assenen) Tochter’.

Die beiden genannten Schultz-Pastorentöchter haben auf jeden Fall noch zwei Brüder, die – wie ihr Vater – auch Pastoren werden: 1. Christian Melchior Schultz .

Als dieser 1727 in Landsberg von Andreas Perschke getraut wird, schreibt dieser ins Kirchenbuch: ‘Herr Christian Melchior Schultz, Pfarrer in Guttenfeldt, mit Jungfr. Catharina, seel. Herrn Christoph Görlitzen, gewesenen Bürgers u. Kunstdreßlers in Heiligenbeil eheleiblichen, ietzo aber u. bißhero meiner lieben Pflege-Tochter.’ Daraus ist zu wohl entnehmen, dass Andreas Perschke in erster Ehe mit der Witwe des Heiligenbeiler Bürgers und Kunstdrechslers Christoph Görlitz verheiratet war.

Landsberg_1727

Heiratseintrag im KB Landsberg

In Guttenfeld wird am 20. Mai 1734 der Pastorensohn Johann Eberhard Schultz geboren, der seinem Vater nach dessen Tod im Pastorenamt nachfolgt. Und auch dessen Sohn, Ernst Gustav Schultz, wird Pfarrer in Guttenfeld, nachdem er zuvor als Lehrer in Königsberg tätig war.

Guttenfeld_1734

Taufeintrag im KB Guttenfeld

Der zweite Sohn des Reichauer Pfarrers Jacob Schultz - Johann Jacob Schultz – wird 1734 als Pate seines Neffen in Guttenfeld genannt. Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits Pastor in Canditten (vorher in Gr. Thierbach u. Quittainen). Johann Jacob Schultz stirbt am 7. Oktober 1750 in Canditten.

Johann Jacob Schultz ist außerdem am 15. April 1740 Pate bei seinem Neffen Jacob Neumann in Landsberg, dem Sohn des Kantors Gottfried Neumann. Und auch Andreas Perschke gehört zu Jacobs Taufpaten.

Jacob Neumann wird ab 1780 Pastor in seiner Geburtsstadt Landsberg. Er verstirbt am 7. Oktober des Jahres 1789.

Landsberg_JacobNeumann

Notiz im KB Landsberg

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Johann Willfang, Arendator in Wangnick, Pr. Eylau

Johann Willfang ist mein Urgroßvater 7. Grades. Ihn und zwei seiner Kinder habe ich erst kürzlich im Kirchenbuch von Buchholz, Pr. Eylau, aufgespürt. Der Name Willfang taucht unter meinen Vorfahren bisher nicht auf und ich weiß auch noch nicht viel über die Familie.

Sicher ist, dass Johann Willfang im Jahre 1735 – zum Zeitpunkt der Eheschließung seiner Tochter Maria – Arendator in Wangnick ist. Maria Willfang wird um 1715 geboren worden sein. Am 19. Oktober 1735 heiratet sie in der Buchholzer Kirche Michael Politt, der nach der Heirat als Arendator in Kattlack tätig ist. Dort kommen von 1736 bis 1749 auch ihre 11 Kinder zur Welt.

Außerdem konnte ich herausfinden, dass Maria eine Schwester namens Dorothea Willfang hat, die – vermutlich auch in Buchholz – den dortigen Arendator Michael Knoblauch heiratet.

Finken_Wangnick

Das Gut Wangnick – heute Wagniki – liegt an der Straße, die von Finken nach Landsberg führt. Ich bin dort mehrmals vorbeigefahren, ohne damals zu wissen, dass auch dort einige meiner Vorfahren lebten.

Wangnick_StreetView

Quelle:Google Street View

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Heinrich Julius Laudien – Musikdirektor in Königsberg

Heinrich Julius Laudien wird 10. Dezember 1829 als Sohn des Pfarrers Theodor Laudien und seiner Ehefrau Auguste Luise Mathilde Albrecht in Pillau geboren. Im Alter von fast 25 Jahren heiratet er Maria Wagner, die jedoch bereits 1857 verstirbt und über die bislang keine weiteren Informationen vorliegen. Zu dieser Zeit ist Heinrich Laudien Kapellmeister am Kölner Stadttheater.

Laudien_Köln_1856

Offenbar hat Heinrich Laudien auch auswärtige Konzerte gegeben – u. a. eines, bei dem er von einem Kritiker anschließend als ‘taktlos’ gescholten wird. 1855 führt die deutsche Opern-Gesellschaft in Straßburg unter seiner Leitung die Oper ‘die Stumme von Portici’ auf. Es ist die letzte Vorstellung der Saison, ‘in welcher Fräulein Löwenstein als Prinzessin vielfach durch stürmischen Beifall unterbrochen wurde. Das Publikum belohnte dadurch nicht allein die vortreffliche Leistung dieser talentreichen Künstlerin, sondern schien sie auch für eine Tactlosigkeit des Kapellmeisters Laudien entschädigen zu wollen. Als Fräulein Löwenstein nämlich im 1. Finale einsetzte und das Orchester dabei fehlte, klopfte Herr Laudien und verlangte unerhörterweise, die Künstlerin solle wieder beginnen’. (Neue Berliner Musikzeitung; Bd. 9, Seite 253).

Wann genau Heinrich Julius Laudien Köln verlässt und nach Königsberg zieht, ist nicht bekannt. Dort leben seine Eltern und Geschwister (7 seiner Geschwister wurden von 1836 bis 1845 in Königsberg geboren.  Der Vater Theodor Laudien ist Archidiakon an der Altstädtischen Kirche in Königsberg. Kurz bevor dieser verstirbt, heiratet Heinrich Julius Laudien Johanna Mathilde Berta Ankermann, eine Tochter des Königsberger Kanzleirats Johann Gottfried Ankermann. Die Hochzeit findet am 2. Januar 1859 statt.

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Noch im selben Jahr wird Sohn Max Theodor Heinrich Laudien geboren und am 19. Dezember 1860 in der Altstädtischen Kirche in Königsberg getauft. Heinrich Julius Laudien ist nun Kapellmeister in Königsberg. Von 1860 bis 1869 kommen noch 5 weitere Kinder zur Welt:

  • Clara Maria Bertha Laudien am 2.12.1860
  • Hedwig Anna Louise Laudien am 18.6.1862
  • Wilhelm Viktor Laudien am 26.6.1866
  • Helene Laudien am 27.2.1868 und
  • Hugo Laudien am 15.5.1869

Wohnort der Familie in Königsberg: 1861 Lange Reihe Nr. 8 - 1877 in Tragheim, Pulverstr. 1 d3 – 1888  Lobeck Str. 15.

Von 1861 bis 1892 ist Heinrich Laudien (bis 1866 zusammen mit A. Jensen) Leiter der „Musikalischen Akademie“, Kantor an der Altstädtischen Kirche, Leiter des 1861 gegründeten „Akademischen Gesangvereins“, Universitäts-Musikdirektor und Gesangslehrer am Altstädtischen Gymnasium.

In einem Königsberger Amtsblatt von 1871 ist zu lesen: ‘Die academische Musiklehrerstelle an der hiesigen Königlichen Albertus Unviversität ist von dem Königlichen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- u. Medicinal-Angelegenheiten dem Musicdirector Heinrich Julius Laudien verliehen worden’.

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Ausschnitte aus Königsberger Nachrichten von 1870

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Heinrich Julius Laudien stirbt am 2.10.1893 im Alter von 64 Jahren. Seine Ehefrau verstirbt 5 Jahre nach ihm.

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Mit den Soldaten kam die Rathaus-Uhr nach Landsberg

In Landsberg, Pr. Eylau, wurde nicht nur mein Großvater Carl Ludwig Gegner geboren – meine Urgroßeltern heirateten dort und eine Reihe von Vorfahren-Familien wohnten in dieser kleinen natangischen Stadt. Deshalb interessiere ich mich auch für deren Geschichte. Der folgende Text stammt aus dem Buch ‘Der Kreis Pr. Eylau‘ von Horst Schulz:

‘Landsberg ist im 18. Jahrhundert fünfmal Garnisonsstadt gewesen. Im Jahre 1714 standen hier wie auch in Pr. Eylau Teile der Regimenter Graf zu Dohna und Herzog von Holstein-Beck. Bei der … Verlegung des Regiments Finckenstein von Königsberg in die natangischen Garnisonen rückte am 29.7.1718 eine Musketier Kompanie dieses Regiments in die Stadt ein, um hier ständig in Garnison zu liegen. Chef der Kompanie war der Kaptän von Tippeskirch. Ein Jahr später am 27.6.1719 rückte noch eine zweite Kompanie desselben Regiments unter dem Kapitän von Oldenburg in Landsberg ein und blieb dort. Im Jahre 1722 wurde Oldenburg Major und nahm im August 1724 aus gesundheitlichen Gründen den Abschied. Er war fünf Jahre der dienstälteste Offizier der Garnison. Sein Nachfolger wurde ein Kapitän von Grieben.

‘Im Jahre 1724 zählte jede Landsberg Kompanie – wie auch die anderen des Regiments – 4 Offiziere (Kapitän, Premierleutnant, Sousleutnant, Fähnrich), 11 Unteroffiziere, 3 Tambours, 108 Musketiere, 12 Grenadiere, 1 Zimmermann, 1 Feldscher und fünf Überklomplette zur Deckung der Ausfälle. Also pro Kompanie 145 Mann; zusammen waren also in der kleinen Stadt etwa 300 Soldaten in Garnison. Kasernen gab es nicht, die Soldaten lagen in Bürgerquartieren. Viele der Soldaten waren verheiratet, das zeigten die Taufregister der Landsberger Kirche. Für die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften gab es Quartiergelder; so für einen Kapitän 20-24 Taler im Jahr, für die anderen bedeutend weniger.

Zehn Jahre blieb Landsberg Garnisonsstadt. Im Jahre 1728 kamen die beiden Landsberger Kompanien nach Friedland und die Stadt blieb ohne Militär bis 1753′.

Ich vermute, das stimmt so nicht. In den Jahren, in denen Landsberg angeblich ohne Militär gewesen sein soll, sind im Kirchenbuch der Stadt zahlreiche Heiratseinträge von Soldaten zu finden. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1748:

Auszug aus dem Landsberger Heiratsregister

Auszug aus dem Landsberger Heiratsregister

‘Im Juni dieses Jahres (1753) rückten abermals zwei Kompanien – und zwar die beiden Grenadier-Kompanien – des nun auf 12 Kompanien verstärkten Infanterie Regiments (Nr. 14) von Lehwaldt in die Stadt ein und blieben bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 hier. Auch nach dem Kriege – also 1763 – rückten die beiden Grenadier-Kompanien des späteren Regiments 4 wieder in Landsberg ein und bezogen hier ihre Quartiere. Die Landsberger Kompanie-Chefs waren jetzt die Kapitäne von Collas und von Bredin.

Im Jahre 1769 waren die beiden Landsberger Kompanien im Sommer wieder zum Manöver ausgerückt und während ihrer Abwesenheit wüteten zwei große Brände in der Stadt. Damit war eine weitere Stationierung vorerst unmöglich geworden und die beiden Kompanien wurden in eine andere Stadt verlegt. Der König befahl aber ausdrücklich, “sobald die Stadt völlig retablieret sey”, sollten die beiden Kompanien dort wieder Quartier beziehen. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen.

Landsberg wurde nur noch kurz in den Jahren 1793-1795 mit der Invaliden-Kompanie des Infanterie Regiments (Nr. 16) von Hausen belegt, seitdem blieb es ohne Garnison. Auf Bitte der Soldaten war seinerzeit die Uhr auf dem Rathausturm angeschafft worden,

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die blieb nun als Andenken an die einstige Garnisonszeit zurück’.

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Die Cholera in Königsberg und Landsberg, Pr. Eylau

Im Sommer 1831 bricht in Königsberg eine Cholera-Epidemie aus, mit deren Bewältigung offenbar sowohl die Ärzte als auch der Magistrat der Stadt vollkommen überfordert sind. Ganze Stadtbezirke werden abgesperrt und Lazarette werden eingerichtet, um die Erkrankten isolieren zu können. Teile der Bevölkerung widersetzen sich den angeordneten Maßnahmen – es kommt zu einem Tumult, der schließlich sogar Tote fordert.

1832 erscheint in Königsberg eine von Königsberger Ärzten herausgegebene ‘Cholera-Zeitung‘. Die darin enthaltenen Artikel verdeutlichen die Hilf- und Ratlosigkeit der Ärzte beim Ausbruch der Epidemie. Man versucht verzweifelt, der Ursache für den Ausbruch auf den Grund zu gehen und bemüht sich, wirksame Behandlungsmethoden zu finden.

Cholera-Zeitung

Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek

Unterschiedliche Ratschläge werden erteilt - so wird z. B. empfohlen, zu Beginn der Erkrankung ‘heißen starken schwarzen Kaffee‘ oder ‘Rotwein mit Senf‘ zu trinken, ‘kalte Begießungen‘ vorzunehmen oder aber ‘warme Umschläge‘ zu machen. Andere Ärzte berichten, dass eben diese Mittel zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands führen würden und warnen davor. Die Hilflosigkeit ist groß. Lange Zeit wird gerätselt, ob die Cholera ansteckend sei oder nicht. Wohn- und Lebensverhältnisse der Erkrankten werden eingehend untersucht und es wird erörtert, ob möglicherweise auch psychische Faktoren den Ausbruch der Krankheit und deren Verlauf beeinflussen …

Allein in Königsberg sterben in der Zeit vom 23. Juli bis zum 30. November  2191 Personen an der Cholera – dazu kommen (vom 28.7. bis zum 23.11.) noch 254 Verstorbene aus den zum Kreis gehörenden ländlichen Ortschaften.

Auch in Landsberg treten Fälle von Cholera auf. ‘In diesem Städtchen war zuerst ein alter Invalide, Namens Bilitzki, an der Cholera erkrankt und am folgenden Tage gestorben, und hierauf hatten in demselben Hause der Ackerbürger Hill, dann die Wittwe Reimann, der Maurer Ersch und seine Frau (Hills Eltern), Hills beide Söhne von 8 und 10 Jahren dasselbe Schicksal gehabt; auch eine andere Bewohnerin desselben Hauses, die unverehelichte Gering war von der Cholera befallen, aber geheilt worden …’

Nach Rekonstruktion aller Wege, die von den zuerst Erkrankten an den Tagen vor Ausbruch der Krankheit zurückgelegt worden waren, und nach Prüfung ihrer Lebensverhältnisse kam man zu dem Schluss, dass ‘der Ausbruch und die Verbreitung der Cholera innerhalb des Hillschen Hauses durch dessen besondere Verhältnisse bedingt war. Es liegt im niedrigsten Theile der Stadt an einem Bache, und enthielt ziemlich viel Einwohner. …. Unter diesen Verhältnissen entwickelte sich nun die Krankheit zuerst bei denjenigen Bewohnern des Hauses, die durch anderweitige Umstände dafür besonders empfänglich geworden waren, nämlich zuerst bei dem alten Bilitzki, der schon seit längerer Zeit an Diarrhoe gelitten und am Tage seines Erkrankens den Weg nach Peisten und zurück gemacht hatte, dann bei Hill, der nach Erhitzung vom Regen durchnäßt worden war … Später unterlagen der schädlichen Einwirkung zwei Kinder und zwei alte Leute, und endlich betraf die Krankheit auch zwei rüstige Bewohner des Hauses, sei es nun, daß sie durch Diätfehler oder durch Schreck über die plötzlichen Todesfälle um sie her dazu prädisponirt wurde, oder auch daß die durch Cholerakranke verunreinigte Luft im Hause daran Schuld war’.

Insgesamt ist der Kreis Pr. Eylau von dieser Cholera-Epidemie sehr viel weniger betroffen als andere – es sterben 74 Personen. Zum Vergleich: der Kreis Heiligenbeil verzeichnet 203 Verstorbene, der Kreis Friedland 196.

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