Johann Ludwig Bruno, Burggraf von Wangnick, Pr. Eylau

Am 15. Juli Anno 1723 wird im Hofe von Peisten, Pr. Eylau, zwischen dem damaligen Erbherrn Elias Gottfried von Kreytzen und Johann Ludwig Bruno, dem neuen Burggrafen der ‘Adelich Wangnickschen Güter‘ ein ‘Arrende Contract’ geschlossen, in dem die Rechte und Pflichten des zukünftigen Burggrafen ausführlich beschrieben werden. Diesen Vertrag entdeckte ich vor einigen Wochen im GStA PK  in Dahlem.

Bruno_Vertrag_Peisten

XX. HA Ostpr. Fol. 290

Zum Aufgabenbereich von Johann Ludwig Bruno gehören nicht nur ‘Hoff und Vorwerck Wangnick’, sondern auch auch die Vorwerke Kattlack, Wiecherts, Schwadtken, Egdeln und Sienken ‘mit allen ihren Gebäuden, Äckern, Wiesen, Teichen und Teich-Steten … mit allem darauf stehenden Besatz, Viehe und Pacht-Viehe, an Pferden, Ochsen Kühen, Schaafen, Schweinen, Gänsen und Hühnern … dann vier Baur-Dörffern, nahmentlich Buchholtz, Hanshagen, Papperten und Fincken, mit allen ihren Inwohnern und deren bey ihnen stehenden Geld-Zinsen, Pflichten und Scharwercken … Ferner die Brau- und Brandtwein Brennerey, die Rabsche Waßermühle, Ziegel-Scheune und der Honig-Bruch’.

Johann Ludwig Bruno erhält einen Pachtvertrag für 9 Jahre und hat jährlich 8000 Gulden an Pacht zu zahlen. In insgesamt 21 Unterpunkten werden seine Aufgaben im Vertrag genauestens aufgeführt. Zum Beispiel soll er dafür sorgen, dass

  • ‘die Sämbtlichen Unterthanen … das Bier zu ihren Ausrichtungen auff Hochzeiten und Kindt Taufen auß dem Hoffe Wangnicken’ holen -
  • er muss die Kosten der Böttcher, Riemer und Radmacher übernehmen, ‘ohne Herrn Locatori etwas anzurechnen’ -
  • er soll ‘mit Fleiß darüber wachen, daß nicht übermäßig Holtz gefället, oder aus Muthwillen junge Bäume … ruiniret werden’ -
  • er soll ‘gutte Aufsicht auf die Waldt Wächter haben -
  • er soll die Knechte und Mägde, Jungens und Margellens wie bisher entlohnen, ‘wobey zu mercken, daß die Unterthanen nach der Ordnung drey Jahr im Hoffe zu dienen, verpflichtet sind’.
  • Schäden, die durch Verwahrlosung entstehen, müssen durch Herrn Bruno ersetzt werden, für Schäden durch ‘Feuer vom Himmel, Anzündung böser Menschen, Pest, Krieg und Landes Verheerung’ kommt Herr von Kreytzen auf.
  • usw.

Bruno_Buchholz_1724

Am 30. November 1724 lassen Johann Ludwig Bruno und seine Ehefrau Regina in der Kirche von Buchholz ihren Sohn Elias Gottfried Bruno taufen. Taufpaten sind u.a. Elias Gottfried von Kreytzen, der Erbherr von Peisten (und sicherlich Namensgeber dieses Kindes), Herr Antonius Pfeiffer, Arendator von Stegen und Friedrich Seel, der Burggraf von Wildenhoff. Sohn Adam Christian Bruno wird am 24. November 1725 in Buchholz getauft .

Nach 1725 taucht der Name Johann Ludwig Bruno – zumindest im Taufregister des Kirchenbuchs von Buchholz – nicht mehr auf. Es werden weder weitere Kinder getauft, noch tritt J. L. Bruno als Pate in Erscheinung.

Eine Erklärung fand ich auf Seite 823 der Kartei Quassowski: ‘Johann Ludwig Bruno hatte mit seinem Vorpächter Elias Gottfried von Creutz einen Rechtsstreit. Ort und Zeit nicht ersichtlich…’. Demnach hat sich Johann Ludwig Bruno nicht – wie ursprünglich im Vertrag vereinbart – 9 Jahre lang, sondern nur wenige Jahre in Wangnick aufgehalten. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Erbherrn von Peisten wird er Wangnick verlassen haben.

Auch über Johann Ludwig Brunos Herkunft, seinen weiteren Lebensweg und verwandtschaftliche Beziehungen finden sich Informationen in der Kartei Quassowski:

  • ‘Der Pächter Bruno des Lt. von Lau auf Angerapp führt 1736 den Titel Burggraf, jedoch rechtmäßig, da er vorher Kgl. Burggraf zu Salau gewesen war (St. Av Kbg. E.M. 15b Titularbediente). Johann Ludwig Bruno *17.4.1687, zuletzt Erbherr auf Reußen bei Angerapp oo Regina Dorothea Fichlau
  • Vater: Mathias Bruno, Kauf- und Handelsherr zu Berlin – Mutter: Katharina Ladovius
  • Schwester: Anna Katharina Bruno ~ 17.1.1689 oo Oktober 1708 Johann Freigang * 18.10.1678
  • Sohn: Johann Ludwig Bruno, stud. jur. Unviversität Königsberg (Sommerhalbjahr 1770)
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Vor 100 Jahren …

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren – am 31. Juli 1914 – war dem ‘Amtlichen Pr. Eylauer  Kreisblatt‘  folgendes Extrablatt zugefügt:

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Und einige Tage später ‘geruhte der Kaiser und König’ die Mobilmachung zu befehlen. Auch diese Bekanntmachung stammt aus einem Pr. Eylauer Kreisblatt.

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Außerdem werden eine Reihe von Verhaltensvorschriften bekanntgegeben. So dürfen zum Beispiel keine Pferde mehr verkauft werden, die Ausfuhr von Verpflegungs- , Arznei- und Verbandsmitteln wird untersagt und es wird speziell an die Besitzer von Brieftauben appelliert:

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Bahnhofstr. Nr. 242 in Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie)

Auch zu diesem schönen Haus in der ehemaligen Bahnhofstraße in Landsberg, Pr. Eylau, gibt es einen familiären Bezug.

Ursprünglich gehört es dem Schneidemühlenbesitzer Eduard Gustav Liedtke. Gustav Liedtke ist in 2. Ehe verheiratet mit Clara Schnell, geb. Ankermann, der Nichte meiner Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann (siehe vorheriger Artikel) – also wird auch sie nach der Eheschließung hier gewohnt haben. Und vermutlich gingen viele meiner damaligen Landsberger Verwandten in diesem Haus ein und aus.

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eigenes Photo – aufgenommen im Sommer 2004

Später wohnte der Landsberger Bürgermeister in diesem Gebäude – von 1938 bis 1945 war dies Bernhard Blaedtke, der am 7.2.1888 in Glandau als Sohn des Besitzers Ferdinand Blaedtke und dessen Ehefrau Johanne Auguste Borm geboren wurde. 1990 befand sich in dem Haus das polnische städtische Sozialamt (Quelle: Manfred Groß).

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Burgstraße Nr. 144 in Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie)

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Quelle: Google Street View

In diesem Haus in der Burgstraße Nr. 144 in Landsberg, Pr. Eylau (heute Górowo Iławeckie) wohnten von etwa 1890 bis um 1906 Julius Schnell und Auguste Clara Ankermann mit ihrer Familie. Clara Ankermann ist die Tochter des Bruders meiner Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann. Julius Schnell war Kaufmann in Landsberg und Vertrauensmann für den Amtsgerichtsbezirk Landsberg. Er verkaufte sowohl Kolonialwaren als auch Eisen- und Stahlwaren.

JuliuaSchnell_Landsberg-tileIrgendwann muss es vor diesem Haus einen Unfall gegeben haben. Es scheint, als sei ein Fuhrwerk mit Heu umgekippt – dabei entstand dieses Photo.

Julius und Clara Schnell hatten mindestens drei Töchter, zu denen auch die Malerin Elfriede Herta Schnell gehört, von der ich hier bereits erzählt habe.

Julius und Clara Schnell zogen später nach Königsberg.

Nach 1906 war das Haus Nr. 144 in der Burgstraße im Besitz von Fritz Kohn.

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Rückseite des Hauses (ehemalige Poststraße)

Die Schwarz-Weiß-Photos stammen aus der Zusammenstellung von Manfred Groß über die Straßen und Häuser in Landsberg – die anderen wurden mit Hilfe von Google Street View erstellt.

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Friedrich der Große als Gründer deutscher Kolonien

Die Uni Köln hat eine ganze Reihe von Texten der Bibliothek des Seminars für Wirtschafts- und Sozialgeschichte digitalisiert, die teilweise auch für Genealogen sehr interessant sind – zumindest für diejenigen, die sich nicht nur für die Namen und Daten ihrer Vorfahren, sondern auch für historische Hintergründe interessieren!

Zum Beispiel:

Kolonien_1772

 

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‘Ein Brief über den Nothstand in Ostpreußen’

1868 wird in einer Ausgabe des ‘Grenzboten‘ ein in Königsberg im Februar desselben Jahres verfasster Brief über den Nothstand in Ostpreußen abgedruckt. Darin geht es zunächst um den wirtschaftlichen Notstand, die schlechte Verkehrssituation im Land (fehlende Chausseen und Eisenbahnlinien), um Handel, Industrie und Landwirtschaft.

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 Digitalisat der Staatsbibliothek Bremen

Dann schreibt der Verfasser (dessen Name – bewusst? – nicht genannt wird): ‘Es würde aber sehr einseitig sein, wollte man nicht bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß wir auch in einem geistigen und moralischen Nothstande leben, welcher den materiellen wesentlich verschlimmert. Die große Masse der Bevölkerung ist bei uns r o h, s e h r  r o h, sodaß es für den Gebildeten eine wahre Erholung ist, einmal mit schlesischen, sächsischen oder rheinischen Arbeitern zu tun zu haben’.

Als Ursache für diese ‘Rohheit’ gibt er u.a. die ‘Beimischung nicht-deutscher (litthauischer und masurischer) Elemente‘ an, die ‘in manchen Grenzkreisen noch die Mehrzahl bilden und deren Germanisirung nur langsam vorrückt’. Er bezeichnet die in Ostpreußen lebenden Lithauer und Masuren, mit denen es auch in moralischer Hinsicht ‘gar übel bestellt’ sei als Hemmschuh der Cultur und schreibt: ‘Das rauhe Klima und die harte Feldarbeit begünstigen … den Trunk und mit ihm Zank, Schlägereien, Familienzerwürfnisse, Verwahrlosung der Kinder. Die Begriffe von Ehre, Pflicht und Gesetz stehen noch auf der niedersten Stufe: Holzdiebstahl gilt kaum als Diebstahl, Unkeuschheit ist bei der ärmeren Classe kaum mehr als ein Tadel’.

Auch dort, wo keine Masuren oder Litthauer lebten, sei eine ‘Cluft zwischen den gebildeten und ungebildeten Classen, als wohnten zwei verschiedene Volksstämme auf derselben Scholle’. Der Schreiber beklagt den mangelhaften Schulunterricht und das fehlende Interesse am Zeitungslesen. Auffällig sei, dass fast alle älteren Männer, die ihre Schulbildung vor 40-50 Jahren erhalten hätten, schreiben und lesen könnten, aber nur wenige jüngere dazu imstande seien.

Und schließlich spricht er das Problem der ‘Hütejungen‘ an. Da die Dörfer keine gemeinschaftlichen Weiden mehr haben, auf denen ein Gemeindehirt das Vieh beaufsichtigt, ‘muß jeder kleine Besitzer sein Vieh auf seinem Stück Weide besonders hüten lassen und verwendet dazu natürlich gern die billigste Kraft, d.h. ein Kind im schulpflichtigen Alter. Die Schulstrafen weiß er zu umgehen oder er bezahlt sie auch und kommt trotzdem noch billiger fort. Unzweifelhaft werden auch auf vielen größeren Gütern Kinder, die noch in die Schule gehörten, schon zu wirthschaftlichen Arbeiten verwandt, nicht nur während der Erntezeit …., sondern auch außerhalb derselben. Da hier der Gutsherr als Ortspolizei die Schulstrafen festzusetzen hat und der Lehrer außerdem sehr von seinem Wohlwollen abhängt, so kann man sich denken, wie dabei die gesetzlichen Bestimmungen gehandhabt werden’.

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Die Krüger in Eichhorn, Pr. Eylau

Schon im Jahre 1419 wird in Eichhorn bei Landsberg, Pr. Eylau, ein Krug erwähnt, der aber um diese Zeit noch wüst liegt. Anhand der Eichhorner Kirchenbücher konnte ich die Namen der Eichhorner Krüger seit der Mitte des 17. Jahrhunderts herausfinden.

Um 1670 ist Johann (Hans) Scheffler Krüger von Eichhorn – um 1690 Peter Simson (in zweiter Ehe verheiratet mit Anna Specht, der Witwe des Böttchers Erdmann Gegner). Um 1709 betreibt sein Sohn Johannes (Hans) Simson den Eichhorner Krug. Um 1730 wird Peter Westphal als Krüger in Eichhorn genannt. Gleichzeitig ist dieser auch als Schneider tätig.

Viele Krüger betreiben neben dem Krug zusätzlich ein handwerkliches Gewerbe bzw. sind sie wohl eigentlich Handwerker und bewirtschaften die Gastwirtschaft zusätzlich. Sie arbeiten als Schneider, Zimmermann, Leineweber oder Schmied.

Nach Peter Westphal folgt Jakob Laschke (+ 1763); von etwa 1769 – 1771 dessen Sohn Johann Jacob Laschke – von 1773 bis 1776 der Zimmermann Johann Till (+ 1778). Von etwa 1779 bis 1783 wird Michael Pohl als Krüger in Eichhorn genannt –  ab ca. 1788 bis 1807 Daniel Geisler (+ 1807). 1810 wird ‘Susanna Dorothea Gegnerin, Krügerin’ unter den Paten genannt. Sie ist die Ehefrau des damaligen Eichhorner Schulzen Friedrich Gegner, der offenbar kurzzeitig den Krug übernimmt bis ein Nachfolger gefunden ist.

Von 1811 bis 1822 versorgt mein Urgroßvater 3. Grades (Friedrich Gegners Cousin)  – der Leinewebermeister Ernst Wilhelm Gegner – die Gäste in Eichhorn mit Getränken. Er ist verheiratet mit der Tochter des Krügers Gnoss aus dem Nachbarort Worglitten. Regina Elisabeth Gnoss wurde im ‘Neuen Krug’ in Worglitten geboren. Sie hat schon als Kind erlebt wie ein Krug geführt wird und kann ihrem Ehemann sicherlich hilfreich zur Seite stehen  – oder die Arbeit im Krug allein verrichten ? :-)

Gegner-Krüger

Im Jahre 1886 erscheint in einer Ausgabe des Kreisblatts Pr. Eylau folgende Ankündigung der damaligen Eichhorner Gasthofbesitzerin Politt: ‘Meine Schmiede will ich vom 1. April d. Js. (des Jahres) anderweitig verpachten. Tüchtige solide Bewerber bitte sich zu melden bei Wittwe Politt, Gasthofbesitzerin, Eichhorn’.

Politt_1886

Diese ‘Wittwe Politt’ ist die zweite Ehefrau des vier Jahre zuvor verstorbenen Carl Ludwig Politt. Als dieser am 9. November 1842 in Eichhorn seine 1. Ehefrau Amalia Fligge heiratet, ist er Schmiedegeselle. Amalia Fligge ist eine Tochter des Eichhorner Hufenwirths Gottfried Fligge (ihre jüngere Schwester Wilhelmine wird 1851 die Ehefrau von Otto Gegner in Dixen).

Bei der Heirat wird Carl Ludwig Politt schon als ‘angegehender Krugbesitzer’ bezeichnet. Seine Mutter Susanna Politt geb. Politt, ist in zweiter Ehe verheiratet mit Gottfried Scheffler, dem vormaligen Besitzer des Eichhorner Kruges. Nachdem dieser am 22. März 1847 im Alter von 67 Jahren und 3 Monaten verstirbt (eigene Kinder hat er offenbar nicht) gelangt der Gasthof in den Besitz der Familie Politt.

Amalie Politt, geborene Fligge, wird nur 21 Jahre alt. Sie stirbt am 12. April 1843 – nur wenige Monate nach der Eheschließung – an den Folgen eines Aborts.

Um 1844 heiratet Carl Ludwig Politt erneut. Seine zweite Ehefrau Emilie Mathilde Pohl bringt in der Zeit von 1845 bis 1868 insgesamt 14 Kinder zur Welt, von denen 4 im Kleinkindalter versterben. Neben der Erziehung der Kinder und der üblichen Arbeit im Haushalt wird sie wohl ‘nebenbei‘ auch die Arbeit im Gasthof erledigt und die Gäste bewirtet haben. Ihr Ehemann wird sich vermutlich um die Schmiede gekümmert haben.

Carl Ludwig Politt wird 67 Jahre alt. Er stirbt am 20. Februar 1882 in Eichhorn. Emilie Mathilde Politt, geb. Pohl führt den Gasthof auch nach dem Tod ihres Ehemanns weiter. Als sie 1886 die Anzeige aufgibt, ist sie etwa 70 Jahre alt.

Ob sich Gustav Heinrich Steinke auf das Inserat der Witwe Politt gemeldet und die Schmiede der Familie Politt übernommen hat? Er wird jedenfalls 1887 als Schmiedemeister in Eichhorn genannt.

Schon 1877 ist auch Friedrich Liedtke Gastwirt in Eichhorn. Er verstirbt vor September 1890. Irgendwann muss in Eichhorn ein zweiter Gasthof dazugekommen sein – wann dies geschah, konnte ich nicht herausfinden. (Möglicherweise ist dieser zweite Gasthof der, der von Friedrich Liedtke betrieben wird – es ei denn dieser arbeitet als Gastwirt im Krug der Familie Politt). Horst Schulz schreibt in seinem Buch ‘Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau: ‘Im Dorf selbst waren zwei Gastwirtschaften (Nichau und Westphal) mit Ladengeschäften; letztere mit Saal, in denen die Feste der Vereine gefeiert wurden’.

Die letzten Eichhorner Gastwirte sind Gustav Nichau und Kurt Westphal.

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Eine Woche in Berlin …

Eine schöne Woche in Berlin liegt hinter mir. Abgesehen davon, dass Berlin eine spannende Stadt ist, in der es wahnsinnig viel zu sehen gibt, haben wir (meine Freundin Anneliese Grosse und ich) auch dieses Mal einige Zeit im ‘Forscher-Saal‘ des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz’ in Berlin-Dahlem zugebracht. Bei diesem Besuch habe ich u.a. Ordens-Folianten durchgesehen, die sich früher im Staatsarchiv Königsberg befanden. Da es relativ schwierig und zeitaufwendig ist, diese alten Dokumente zu lesen, habe ich Kopien bestellt, auf die ich nun warte, um sie zu Hause ganz in Ruhe entziffern zu können.

Wie schon oft, fand auch ein Treffen mit befreundeten Genealogen statt – diesmal nicht in Kreuzberg, sondern bei leckerem Essen am Savigny-Platz. Alle stammen ursprünglich aus Norddeutschland und fast alle sind MAUS-Mitglieder. Aufgrund der Entfernung sehen wir uns selten und freuen uns deshalb immer besonders auf diese Zusammenkünfte.

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Auch eine Friedhofs-Besichtigung gehört in Berlin oft zu unserem Programm. Den Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg kannten wir schon, aber die Ehrengräber der Gebrüder Grimm hatten wir beim ersten Besuch nicht gefunden. Nun haben wir Jakob und Wilhelm Grimm aber besucht. Vor uns müssen wohl einige Kinder an den Gräbern der beiden Märchensammler gewesen sein und ihnen kleine Geschenke gebracht haben :-)

Und endlich habe auch ich das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten des Königin-Elisabeth-Garde-Regiments Nr. 3 im Lietzensee-Park besucht. Zu diesen Gefallenen gehörte auch mein Großvater Carl Ludwig Gegner, der am 2. Mai 1915 in Gorlice starb und auf dem Soldatenfriedhof Staszkowka begraben wurde.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERADass sich auch die Kaserne, in der er stationiert war, ganz in der Nähe – in der Soorstr. 83 in  Charlottenburg – befand, wusste ich nicht. (Schlecht recherchiert!)

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Fehlende Quellen-Angaben sind ärgerlich!

Als ich vor mehr als 10 Jahren im Zuge meiner Ostpreußen-Forscherei im ‘Geheimen Staatsarchiv’ in Dahlem in Archivalien erstmals die Ortsnamen ‘Worienen‘ oder ‘Eichhorn‘ oder aber Familiennamen entdeckte, die in meiner Ahnenreihe auftauchen, war ich so begeistert, dass ich vor lauter Euphorie manchmal vergessen habe, mir die Signaturen der Bestände zu notieren, aus denen meine ‘Fundstücke’ stammen.

Nun besitze ich einen ganzen Stapel interessanter Dokumente, die ich nicht zuordnen kann. Es ist eine mühsame und ärgerliche Arbeit, die richtigen Bestands-Signaturen im Nachhinein ausfindig zu machen. Und es ist durchaus möglich, dass ich in der nächsten Woche – wenn ich hoffentlich wieder im Dahlemer Forschungssaal sitzen werde – Bestände durchsehe, die ich bereits kenne :-)

Glücklicherweise habe ich die Hefte nicht entsorgt, in denen ich mir bei meinen Archiv-Besuchen Notizen gemacht habe und vielleicht gelingt mir die Zuordnung deshalb noch …

Aber ich kann nur jedem Familienforscher dringend raten, solche Anfänger-Fehler zu vermeiden und die Quellen von Beginn an ordentlich zu notieren!

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Das Amtsgerichtsgebäude in Kreuzburg, Pr. Eylau

Das Gebäude kam mir bekannt vor als ich das Bild in einem der Pr. Eylau-Bücher von Horst Schulz entdeckte. Ich war schon daran ‘vorbei gelaufen’ als ich mir mit ‘Google Street View’ die Gegend um Kreuzburg (heute Slawskoje – russisch Славское) ansehen wollte. Von der Stadt Kreuzburg ist nicht viel übrig geblieben. Kreuzburg lag 1945 im ‘Heilsberger Kessel’ und wurde fast vollkommen zerstört. Aber das alte Gebäude in der südlichen Vorstadt, in dem Amtsgericht und Gefängnis untergebracht waren, existiert noch.

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Das ehemalige Amtsgerichtsgebäude in der südlichen Vorstadt

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 Auf dem Stadtplan von Kreuzburg ist der Standort des Gebäudes markiert.

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