Heiratseintrag aus der Gemeinde Haina-Kloster

goebel_haina-kloster

Dieser Heiratseintrag meiner Urgroßeltern 6. Grades stammt aus dem Kirchenbuch der hessischen Gemeinde Haina-Kloster in der Nähe von Frankenberg. Mit tatkräftiger Unterstützung ist es gelungen, den Text zu entziffern – herzlichen Dank!

Der Eintrag heißt:

‚d. 13. Jan: ist Anna Gertrud Israels hiesigen Aufwärters in der Eßstube Tochter mit Joh(ann) Henrich Göbel Bänder Gesell aus Frankenberg weinkäufl:(ich) copuliret von Pfr. Peter Scriba Pastore zu Grüsen me absente und darauff praevia terna proclamatione et copulation mit einem gewöhnl:(ichen) Hochzeit Sermon d. 18. April vollendigt ward.

                                                                                                                          Gott segne Ihre Ehe!‘

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‚Todtgeschoßen mit einer Kugel durch den Kopf‘

Die Schlacht von Friedland (Prawdinsk – russisch Правдинск) am 14. Juni 1807, bei der Napoleon das russische Heer besiegte, wurde oft beschrieben, u.a. auch bei Wikipedia 🙂

Genau fünf Jahre später (am 14. Juni des Jahres 1812) hält sich Napoleon auf seinem Feldzug gegen Rußland mit seinen Truppen erneut in der Umgebung von Friedland auf. Mit einer Heerschau (einer ‚militärische(n) Zeremonie, in der Soldaten zu besonderen staatlichen Anlässen öffentlich auftreten und dabei ihre Bewaffnung und Ausrüstung präsentieren‘ (Wikipedia) wird der Sieg von 1807 an diesem Jahrestag gebührend gefeiert.

wohnsdorf_auglitten

Das Gut Groß Wohnsdorf liegt – laut Leopold Krug – etwa 1 Meile östlich von Friedland. Auf diesem Gut, das sich schon lange im Besitz der Familie von Schrötter befindet (zu dieser Zeit im Besitz des Freiherrn Friedrich Leopold von Schrötter) dient 1812 Johann Gottlieb Reissmann als ‚Oberwarth‘. Sein Vater Gottlieb Reissmann – mein Ur-Großvater 5. Grades – übt denselben Beruf im Jägerhoff aus, der Privatförsterei der Begüterung Worienen, Pr. Eylau. Beide sind demnach verantwortlich für den Forstbezirk des jeweiligen Gutes.

Auch drei Tage nach der großen Siegesfeier müssen sich die Franzosen noch in der Gegend von Friedland aufgehalten haben. Als ein französischer Soldat am 17. Juni versucht, in Wohnsdorf Pferde zu stehlen, bemüht sich Johann Gottlieb Reissmann, dies zu verhindern und wird dabei von dem Soldaten erschossen. Die genauen Umstände dieses Vorfalls sind nicht bekannt, aber im Kirchenbuch von Auglitten-Schönwalde fand ich folgenden Sterbeeintrag:

auglitten_schoenwalde_reismann_1815

‚den 21ten Juny ist der Oberwart Gottlieb Reismann aus Wohnsdorf, welcher den 17ten Juny beim Pferderaub von einem Franzosen am Mühlenteich in Wohnsdorf erschoßen wurde, begraben. Er wurde ein Opfer seiner Menschenliebe (?), indem er die von den französischen Truppen mit Gewalt genommenen Pferde retten wollte. Heyl seinem unsterblichen Geiste.

Als Todesursache ist am Rand des Kirchenbuches vermerkt: todtgeschoßen mit einer Kugel durch den Kopf‘

Johann Gottlieb Reissmann wird nur 30 Jahre alt. Einige Monate später kommt in Worienen ein kleiner Junge zur Welt, der seinen Vater nie kennen lernen wird. Der damalige Pastor von Eichhorn notiert im Taufregister:

‚den 6. Januar wurde die unverehelichte Justine Ohmüller, die angeblich geschwängert von dem in Wohnsdorff erschoßenen Oberwarth Johann Gottlieb Reismann, Sohn des Oberwarths Reismann in Jägerhoff b. Worienen, von einem Sohn entbunden, der den 18ten getauft und genannt wurde: Johann Gottlieb Reismann.

‚Die Mutter vorgedachten Kindes kam, nachdem ihr Geliebter erschoßen war, zu deßen Vater, dem Oberwarth Reismann zu Jägerhoff bei Worienen, um ihren Aufenthalt daselbst zu suchen und wurde bald danach entbunden.‘

Was wohl aus den beiden geworden ist …?

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Fürbitten für das königliche Haus und verordnete Trauer

Unter den vom Staatsarchiv Allenstein digitalisierten Akten finden sich auch ‚General-Kirchen-Akten der Superintendentur Heilsberg über Fürbitten für das Königliche Haus aus der Zeit von 1823 bis 1867.

Die Akten enthalten eine Reihe von Schreiben, die während dieser Zeit an ’sämmtliche evangelische Herren Superintendenten des Königsbergschen und Gumbinnenschen Regierungsbezirks‘ gesandt wurden. Diese werden darin über familiäre Ereignisse im Königshause informiert und gleichzeitig aufgefordert, ‚aufs schleunigste zu veranlassen‘, dass dieses Ereignis  den ‚getreuen Unterthanen Seiner Majestät, des Königs‘ in allen Kirchen innerhalb ihres Bezirks mitgeteilt werde

Je nachdem, ob es sich dabei um freudige oder traurige Ereignisse handelt, soll das Fürbitte-Gebet in der Kirche – das ohnehin immer auch das Königliche Haus einschließt -so abgefasst werden, dass diesem Ereignis besonders Rechnung getragen wird.

Dabei handelt es sich um:

  • Vermählungen
  • ‚gesegnete Leibesumstände‘ der Königin oder Prinzessinen
  • Geburten
  • oder Todesfälle

Verstirbt ein Mitglied der königlichen Familie, so greift das 1797 abgefasste TrauerReglement. Nicht jeder soll jedoch auf dieselbe Weise trauern – es sind genaue Regeln einzuhalten: ‚Bei dem Ableben des Königs, der Königin und einer verwitweten Königin von Preußen, trauern der Hof und die Collegia 6 Wochen lang; die ersten drei Wochen der Adel, wie bisher mit Pleureusen (= schwarze Spitzenmanschetten), und Personen bürgerlichen Standes ohne dieselben, mit tiefer Trauer: die übrigen drei Wochen mit gewöhnlichen schwarzen Kleidern, silbernen Degen und Schnallen. Die Subalternen der Collegien trauern bloß mit einem Flor um den Arm.‘

Um sicher zu stellen, dass die Trauer im Lande auch ordnungsgemäß erfolgt, wird den Superintendenten jeweils ein Auszug des Trauer-Reglements gesandt. Das Reglement enthält noch weitere Vorschriften – zum Beispiel wird das Behängen der Kanzeln und Kirchenstühle mit schwarzem Stoff untersagt und es wird angeordnet, dass 14 Tage lang (jeweils Mittags von 12 bis 13 Uhr) die Kirchenglocken geläutet werden sollen.

Quelle: http://olsztyn.ap.gov.pl/baza/skany.php?z=629&s=51

Nachdem am 26. Februar 1805 Königin Friederike Luise von Preußen in Berlin verstorben war, können auch die Bewohner des Kirchspiels Eichhorn, Pr. Eylau, 14 Tage lang den Klang ihrer Kirchenglocken ausgiebig genießen. Im Sterberegister notiert der Pastor:

koenigin_1805

Nota

den 26ten Febr. 1805 starb die Allerdurchlauchigste Fürstin und Frau, Frau Louise Friederike, verwitwete Königin von Preußen, und geborene Prinzeßin von Heßen Darmstadt, von einem heftigen Schlagfluß befallen, im 54sten Jahr ihres Alters.

Die Glocken wurden 14 Tage lang, vom 15ten bis zum 27sten März von der Dorfschaft Eichhorn, in der Mittagsstunde von 12 bis 1 Uhr geläutet(,) auch die Kirchen Music 2 Sonntage eingestelt. Die Gedächtsnißpredigt wurde Dom. Judica über den vorgeschriebenen Text Offenb. Joh. 14, 13 gehalten.

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Sammelei ’seltener‘ Familiennamen

Als ich vor nunmehr fast 20 Jahren mit der Erforschung meiner ostpreußischen Vorfahren begann, waren mir die meisten ostpreußischen Familiennamen fremd. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob ein Name in Ostpreußen häufig oder relativ selten vorkommt – deshalb notierte ich oftmals alle Personen, von denen ich meinte, sie könnten sich später einmal als potentielle Verwandte ‚entpuppen‘.

Nachdem ich entdeckt hatte, dass eine meiner ostpreußischen Ur-Ur-Großmütter Justine Friedericke Matern heißt, sammelte ich also  – der Name Matern war mir bis dahin völlig unbekannt und ich hielt ihn für ausgesprochen ungewöhnlich – sämtliche Personen namens Matern und war begeistert, wenn irgendwo Familienzusammenhänge wie die folgenden auftauchten.

Inzwischen weiß ich, dass in Ostpreußen viele Matern- (oder Mattern) Familien lebten! Meine Sammelei war bisher erfolglos – die Herkunft der Familie meiner Ur-Ur-Großmutter ist noch immer nicht geklärt. Justine Friedericke selbst kommt 1832 in Hoofe, im Kreis Pr. Eylau, zur Welt und wird in Gr. Peisten getauft, aber ein Heiratseintrag ihrer Eltern Carl Matern und Maria Borm ist weder in Gr. Peisten noch in benachbarten Kirchspielen zu finden.

Vielleicht kann ein anderer Familienforscher etwas mit den nachfolgenden Matern-Zusammenhängen anfangen … ?


XX. HA Ostpr. Fol. 167 – Hausbuch Amt Brandenburg No 3

S. 322: ‚Extract des in dem Cöllmischen Kruge zu Guttenfeld der verwittweten Frau Maternin (Catharina Barbara geb. Saekin) den 7ten bis 11ten Dec. 1744 gehaltenen Theilung‘

Erben:

1. Frau Anna Regina (verw. Holtzweißerin) Maternin geb. Zander
2. des seel. H. Gottfried Matern nachgel. jüngste Tochter Barbara Dorothea aus Friedland
3. Herr Christian Friedrich Matern
4. Herr Lieutnant Theodor Matern
5. Frau Dorothea Sophia verw. Ambtmannin Reinhardin geb. Matern
6. Frau Catharina Barbara verehel. Meyerin geb. Maternin
7. Herr Chirurgus Severin Matern
8. Im Namen der seel. Frau Anna Maria verehelicht gewesene Hertzogin geb. Matern derselben hinterbliebener Eheliebster Christoph Hertzog aus Fuchsberg für sich und seine beiden Kinder

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Familienforschung in Ostpreußen

Ich freue mich, dass mein Vortrag über Familienforschung in Ostpreußen – während des Kreistreffens der Pr. Eylauer in Verden – auf so großes Interesse gestoßen ist. Da ich mehrfach gefragt wurde, ob man meine Tipps auch auf meiner Internetseite finden könne, stelle ich hier noch einmal die Links für die am Schluss genannten Hinweise zusammen:

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Johanna Westphal, geb. Ankermann

Mit vollem Namen heißt sie Johanna Louise Tugendreich Westphal, geb. Ankermann – meine ostpreußische Ur-Ur-Großmutter, die den größten Teil ihres Lebens in Mühlen verbracht hat. Sie kommt 1830 in der Mühle von Gr. Peisten zur Welt, verbringt Kindheit und Jugend in der väterlichen Mühle von Konnegen bei Heilsberg. zieht nach ihrer Eheschließung wieder in die Peistener Mühle (wo ihre ersten Kinder geboren werden) und lebt später mit ihrer Familie in der Landsberger Mühle auf dem Kohnertsberg .

JohannaAnkermann_Sterbeeintrag

Ausschnitt aus der Sterbeurkunde

Nachdem ich im vorherigen Artikel erwähnt hatte, dass ich leider immer noch nicht wisse, wann sie verstorben sei – irgendwann nach 1906 und vermutlich in Königsberg – wurde mir von einem Mitforscher ihre Sterbeeurkunde zugesandt! Auch auf diesem Weg noch einmal herzlichen Dank dafür !

Nun weiß ich: Johanna wurde 81 Jahre alt. Nach dem Tod ihres Ehemanns Johann Carl Westphal lebt sic noch 32 Jahre lang als Witwe – zunächst in Landsberg und später in Königsberg, wo sie am 25. Februar 1912 verstirbt.

Ihr Tod wird angezeigt von ihrem Schwiegersohn Eugen Wilhelm Gorontzy, dem Ehemann ihrer jüngsten Tochter Helene Amalie Westphal, in deren Haushalt – in der Sternwartstraße – sie wohnt.

Johanna war etwa 63 Jahre alt als ihre Tochter Therese Amalie Gegner, geb. Westphal, mit ihrer Familie die ostpreußische Heimat verließ. Da sie erst 1912 verstarb, hat sie noch miterlebt – oder zumindest erfahren – dass ihr Enkelsohn Carl Ludwig Gegner (mein Großvater) 1910 in Bremen-Blumenthal heiratete. Auch von der Geburt meines Vaters, ihres Urenkels, der 1911 in Bremen-Aumund zur Welt kam, wird man ihr sicherlich erzählt haben.

Wie viele Briefe mögen wohl zwischen Königsberg und Bremen-Aumund hin- und her gesandt worden sein … ? Ob die Bremer wohl ab und zu in Königsberg waren … ? Ob Johanna vielleicht auch einmal in Bremen zu Besuch war …?

Manche meiner Fragen werden vermutlich nicht mehr beantwortet werden können.

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Verkauf der Mühle auf dem Kohnertsberg

Über die Mühlen in Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie) habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Eine dieser Mühlen gehörte meinem Ur-Urgroßvater Johann CARL Westphal.  ‚Nach der Separation baute Müller Westphal inmitten seines zugetheilten Landes auf dem Kohnertsberge einen schönen Gallerie-Holländer‘ schreibt Rektor Holldack in der Landsberger Chronik. Die Mühle lag demnach etwas abseits – an der Straße nach Heilsberg.

Kohnertsberg_Peisten

Im Jahre 1874 ist Carl Westphal 52 Jahre alt. Möglicherweise entschließt er sich aus gesundheitlichen Gründen zum Verkauf der Mühle (fünf Jahre später verstirbt er im Alter von nur 57 Jahren). Im November 1874 erscheint im Kreisblatt ein Inserat mit folgendem Text:

‚Die Besitzung des Herrn Carl Westphal in Abbau Landsberg Ostpr(eußen), bestehend aus sehr guten Ländereien, Wiesen und einem Waldplan, einem neuen, mit Steindach versehenen Wohnhause, einer Scheune und Stallungen, sowie einer gut eingebauten Holländer Windmühle mit 2 Mahlgängen, 1 Graupengang nebst Cylinder, unweit der Stadt an der nach Heilsberg führenden Chaussee, soll freihändig, jedoch weder öffentlich noch meistbietend im Ganzen oder in einzelnen Parzellen verkauft werden‘.

Landsberg_Mühle

Mit dem Verkauf der Mühle verliert die Familie ihr Zuhause. Als Carl Westphal 1879 verstirbt, sind die beiden ältesten Töchter bereits verheiratet und die 1855 und 1859 geborenen Söhne ‚in Lohn und Brot‘. Meine Urgroßmutter Therese Amalie Westphal ist jedoch erst 16 Jahre alt – ihre jüngeren Schwestern 11 und 13. Wo mag die Familie nach dem Tod des Vaters gewohnt haben …?

Noch im März 1893 zeigt meine Ur-Urgroßmutter Johanna Westphal geb. Ankermann, beim Standesamt Landsberg die Geburt ihrer Enkelin Maria Margarethe Riehl an. Danach muss sie Landsberg verlassen haben und und nach Königsberg umgezogen sein. Im Jahre 1901 wohnt sie dort in der Sternwartstraße 70 – im Adressbuch von 1906 wird sie nicht mehr aufgeführt. Nach ihrem Sterbeeintrag suche ich bisher vergeblich.

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‚Durch Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen‘

‚Hat sich durch das Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen und vor seinem Ende großen Jammer ausgestanden‘ schreibt Pastor Fuhrmann im Januar des Jahres 1767 ins Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, nachdem der Knecht Michael Neumann aus Worglitten verstorben war.

Der Ausdruck ‚Gänse-Saufen‚ war mir vollkommen fremd. Auch Google hilft da nicht weiter. Man kommt diesem Begriff auf die (hoffentlich richtige?) Spur, wenn man sich näher mit dem Krankheitsbild der Schwindsucht beschäftigt und sich mit ehemaligen Ostpreußen austauscht, die sich mit den Sitten und Bräuchen auf dem Lande auskennen.

‚Schwindsucht‘ wird im Verlaufe des 18. Jahrhunderts häufig als Todesursache angegeben. Es gibt eine ganze Reihe von Abhandlungen über dieseSchwindsucht Krankheit, die etwa zu der Zeit veröffentlicht wurden als Michael Neumann aus Worglitten an der ‚durch das Gänse-Sauffen sich zugezogenen Schwindsucht‘ verschied.

Es werden verschiedene Formen der Schwindsucht und unterschiedliche Krankheitsverläufe beschrieben, Ratschläge zur Vorbeugung und Vermeidung einer Schwindsucht erteilt und es werden eine Reihe von Therapiemaßnahmen für Patienten aufgeführt, die von der Schwindsucht betroffen sind.

‚Die erste unmittelbare Ursache der Krankheit scheint mir in dem Nervensysteme zu liegen, und ist wahrscheinlich eine widernatürliche Beschaffenheit der Lebensgeister, und ein geschwächter oder gestörter Ton der Nerven; daher nenne ich sie auch eine allgemeine Schwindsucht, die im ganzen Körper liegt. So wie aus dem geschwächten Ton des Magens, Mangel des Appetits und der Verdauung entsteht, so verhindert auch eine fehlerhafte Beschaffenheit des Nervensystems, die Aßimilation, Gährung und Verfeinerung des Nahrungssaftes im ganzen Körper‘ liest man in der Abhandlung über die Schwindsucht bei Richard Morton. Und weiterhin:

Schwindsucht_2 (2)

Ähnliche Ursachen werden auch in anderen Veröffentlichungen immer wieder genannt! Die Ursache des ‚zu häufigen Genusses geistiger Getränke‚ führt schon einmal in die passende Richtung – aber was hat das alles mit GÄNSEN zu tun?

Die Vermutung ist: Knecht und Mägde treffen sich zum gemeinsamen Rupfen der Gänse, die zu einem feierlichen Anlass von den Bauern oder Gutsbesitzern verzehrt werden sollen. Wie in Ostpreußen üblich, wird dabei dem Alkohol reichlich zugesprochen. Man trifft sich eigentlich zum ‚Gänse-Rupfen‚, nennt diese Veranstaltung aber umgangssprachlich ‚Gänse-Saufen‚.

Ob das so stimmt?

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Sterbeeinträge aus dem Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau

Meistens enthalten die Sterbeeinträge in den Kirchenbüchern lediglich den Namen des Verstorbenen, sein Sterbe- und Bestattungsdatum, sein Alter und – wenn man Glück hat – die Todesursache. Manche Pastoren befassen sich mit den Einträgen jedoch intensiver als andere. Johann Christian Fuhrmann, der das Pastorenamt im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, etwa 22 Jahre lang (von 1746-1769) ausübt, nimmt sich in den letzten Jahren seiner Dienstausübung viel Zeit bei der Formulierung der Sterbeeinträge seiner Gemeindemitglieder. Durch seine genauen Beschreibungen der Todesursachen trägt er dazu bei, dass wir eine Menge erfahren über die damaligen Lebensumstände – über Krankheitsverläufe, medizinische Versorgung oder auch über die Wohnverhältnisse der Verstorbenen.

Einige Beispiele aus dem Kirchenbuch von Eichhorn:

  • am 11. Januar 1766 starb Catharina Schmaal, ein Kind von 7 Wochen des Christian Schmaal. Freien in Stettinen, an Leibes Schmerzen, woran es beständig geschrieen, auch in solchem Weinen verschieden.
  • den 14. Januar 1766 Nachmittags starb Regina Georgin, ein Kind im 8ten Jahr, des Jacob Georgi, Wirths in Eichhorn, an Leibes Schmerzen, welche von einem Fall ins Waßer ihren Anfang genommen und etliche Wochen angehalten; dies Kind war unversehens in einen Teich gefallen, und von der Zeit ab lag es viele Wochen in den heftigsten Schmerzen im Leibe.
  • d. 8ten Mai 1766 früh Morgens um 3 Uhr starb Catharina Leckin, vid in Glomsienen, alt 83 Jahr, vor Alter sowohl als an einem sehr viele Jahre am linken Auge gehabten Schaden, so 3 Tage vor ihrem Ende zu lauffen aufgehöret hat; Im Schlaff (an der Schläfe?) nahe am linken Auge war ein großes Loch und über dem Auge ein brauner Knaust; wann die Materie floß, war es erträglich, hörte es auf, so empfand das Auge entsetzliche Schmerzen. Fast ein Jahr lang hat sie kraftlos zu Bette gelegen.
  • den 8ten November Morgens gegen 8 Uhr starb an einem äußerlichen Brand-Schaden Maria Charlotta Schoenradin, ein Kind im 3ten Jahre des Martin Schoenraden, Tischlers und Krügers im neuen Kruge bei Worglitten. Dies Kind ward 3 Wochen vorher aus Unvorsichtigkeit auf einen Dreifuß im Schornstein gesetzet, fiel damit um mit feuer und zwischen die Töpfe und ward an der linken Seite jämmerlich verbrandt und verbrühet. Die Heilung ließ sich gut an, aber unvermuthet erfolgte der Tod.
  • den 25. Januar 1767 Mittags um 1 Uhr starb an einer harten Verstopfung des Leibes Michael Pohl, Instmann in Miggen im 45. Jahr seines Alters … Hat keinen verständigen Menschen zu Rathe gezogen, stets starke Geträncke gebraucht, bis der innerl(iche) Brand dazu geschlagen.
  • den 27. Januar frühe etwa um 2 Uhr starb an der Schwindsucht Michael Neumann, ein Knecht in Worglitten, und eheleiblicher Sohn der verwitweten Catharina Passargin in Dixen im 22ten Jahr seines Alters. ..Hat sich als ein angehender Knecht durch das Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen, und vor seinem Ende großen Jammer ausgestanden
  • den 28. Februar 1767 Mittags um 12 Uhr starb an einer unbekannten Krankheit Christian Gegner, ein Kind von 2 Jahren und fast 3 Monathen, des Mstr. Johann Gegners, Böttchers in Eichhorn … Dies Kind lag nur 24 Stunden in großer Unruhe und Hitze, und war nichts an ihm zu sehen, woraus man die eigentl(iche) Krankheit hätte beurtheilen können.
  • Den 18. Marti 1767 bei Untergange der Sonne um 6 Uhr starb Johann Ploen, Schneider in Komkeim, an einer Geschwulst im Genicke, im 51ten Jahr seines Alters und ward begraben den 22ten Marti mit einer Leich Predigt. Schon vor Weihnachten lag er eine Woche an dieser Geschwulst sehr krank, er ward beßer, aber (der) tumor verging nicht gänzlich, sondern warf ihn Sonntag abend ins Bett, und Mittwoch aufs Bret.
KB Eichhorn - 1767

KB Eichhorn – 1767

  • Den 25. April abends um 6 Uhr starb an den Pocken 1 Jahr alt Christian Feyer, und den 29. April 1767 um 10 Uhr abends starb auch an den Pocken, Johann Jacob Feyer, 2 Jahr und 11 Monate alt, beyde Söhne des Johann Feyers, Wirths in Koosten, und wurden zugleich begraben … Nachdem diese Kinder einige Wochen vorher den rothen Friesel gehabt, bekamen sie die Masern, und da diese noch nicht abgeheilet, kamen die Pocken dazu.
  • Den 28. May 1767 Vormittags auf 8 Uhr fiel Gottlieb Tolcksdorf, ein Kind von 1 ½ Jahren, des Michael Tolcksdorfs, Wirths in Koosten, in eine in der Cammer befindliche Grube, worin etwas Waßer und ersoff darin … Da die Eltern zur Kirche reiseten, übergaben sie das Kind der Magd zur Wartung, welche sich aber in den Schlaff gegeben und so das Kind verwahrloset hat.
  • d. 12. September 1767 Morgens um 7 Uhr starb an Verrenkung der Glieder Johann Ernst Leder, ein Söhnlein von 2 ¼ Jahre, des Georg Leders, Stuttenmeisters in Worienen … Gleich nach Neujahr war dies Kind verbeuget, und hat seit der Zeit jämmerlich danieder gelegen, da es fast auf einen Hauffen zusammen gezogen.

KB Eichhorn – 1767

  • d. 3. November 1767 abends um 7 Uhr starb an Durchlauff Catharina verwittwete Neumannin, 40 Jahr alt, in Eichhorn … Der Durchlauff dauerte über 14 Tage, und in der letzten Nacht fand sich noch die menses ein.
  • d. 8. November 1767 Nachmittags um 3 Uhr starb an einer nach abgeheilter Friesel entstandenen entsetzlichen Geschwulst Maria Gnossin, ein Kind von 8 ½ Jahr, des Michael Gnossen, Wirths in Komkeim … Dies Kind hat über 7 Wochen gelegen und ist die letzten 14 Tage in kein Bette gekommen, sondern hat sich vor Unruhe stets auf der Erde herum getrieben.
  • den 12ten December 1767 Morgens um 7 Uhr starb am schlimmen Halse im 5ten Jahr seines Alters Johann Burtz, des weiland Johann Burtzen, gewesenen Schultzen in Grünwalde nachgelaßenes und des Christoph Kohn, Packmohren in Komkeim Pflege Sohn ..; Schlimmer Halse war in Komkeim eine so gewöhnliche Krankheit, daß fast nicht ein einziges Kind verschont geblieben; vielen brach der Geschwulst auf
  • d. 31. December 1767 Mittags nach 12 Uhr starb an der Waßersucht Anna, verwittwete Zimmermann im 47ten Jahr ihres Alters, und ward begraben d.3ten Januar 1768. Nachdem sie nicht stets bettlägerig gewesen, sondern den Abend vorher noch spät gesponnen, ging sie sitzend im Bette wie ein Licht aus.

KB Eichhorn – 1767

  • den 15ten April 1768 gegen Mitternacht starb an denen Pocken Gottfried Scheffler, im 2ten Jahr seines Alters, ein unehelicher Sohn Gottfried Schefflers, Gärtenierers in Sieselack; das Kind war bei den Großeltern in Dixen; der Vater ist noch beim Regiment engagiret und die Mutter Anna Elisabeth Griessin ist Köchin bei dem H. Major von Collas in Bartenstein.
  • den 30ten Juny 1768 Mittags um 1 Uhr starb an einer starken Haupt Krankheit im 56ten Jahr seines Alters Johann Saedler, Instmann in Woquellen …; seine 2 erwachsenen Söhne entlieffen und der Gram darüber verursachte wahrscheinlich die Verwirrung, doch wenige tage vor seinem Ende bekam er wieder den Gebrauch der Vernunft, hatte aber ein schweres Ende

Anmerkung: Komkeim=Kumkeim, Koosten= Kohsten, Miggen=Müggen, Woquellen= Wokellen

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Carl Wilhelm Schmidt – getauft in Domnau …

Auch wenn man sich schon lange mit der Erforschung seiner Vorfahren beschäftigt, entdeckt man ab und zu doch noch etwas Neues …

Die Mormonen haben mittlerweile einige Kirchenbücher ostpreußischer Kirchspiele digitalisiert – u.a. auch einige Jahrgänge der Kirchenbücher der Stadt Domnau im ehemaligen Kreis Friedland (heute  Domnovo) – Die Digitalisate umfassen: Heiraten 1748-1780 (r. & l. S.) Tote 1754-1765 (r. & l. S.) Taufen, Tote 1766-1800 (r. S.).

Ich hatte Glück: vor einigen Tagen fand ich in den Domnauer Taufeinträgen den Eintrag meines ostpreußischen Urgroßvaters 5. Grades Carl Wilhelm Schmidt. Sein Vater Christian ist eine Zeit lang als Schmiedemeister im Gut Kapsitten tätig – deshalb wurden sowohl Carl Wilhelm als auch seine Schwester Anna Regina in Kapsitten geboren, das zur Kirchengemeinde von Domnau gehört.

Carl Wilhelm Schmidt kommt am 15. September 1773 in Kapsitten zur Welt und wird drei Tage nach seiner Geburt – am 18.9. – in der Domnauer Kirche getauft. Als Taufpaten sind die Bauern Michael Schinck, Valtin Passarge und George Schultz verzeichnet, die ebenfalls in Kapsitten wohnen – außerdem Friedrich Schiemann und Lowisa Evert.

Ausschnitt aus dem Kirchenbuch von Domnau (verfilmt und digitalisiert von den Mormonen)

KBDOMNAU

Familie Schmidt verlässt Kapsitten irgendwann und geht zurück nach Worienen, wo 1764 bereits eine Tochter geboren wurde, die allerdings nur wenige Tage alt wurde.

Ebenso wie Michael Gegner (mein anderer ostpreußischer Urgroßvater 5. Grades) und dessen Sohn Gottlieb ist auch Carl Wilhelm Schmidt als Gartenierer (Kunst– bzw. Lustgärtner) am Hofe Worienen tätig. Das bedeutet, dass die Woriener Gartenanlagen und der Schlosspark fast 100 Jahre lang (von etwa 1730 bis 1830) von meinen Vorfahren betreut wurden!

Da ich mich seit einiger Zeit mit der Geschichte von Worienen befasse und an einer Ortschronik arbeite, bin ich ganz begeistert von dieser Tatsache.

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