Rangliste der ostpreußischen Güter um 1805

Im Jahre 1805 erscheint in Berlin das Buch ‘Betrachtungen über den National-Reichthum des preußischen Staats und über den Wohlstand seiner Bewohner‘, geschrieben von dem Ökonomen und Statistiker Leopold Krug.

Nationalreichtum_KrugHier das von Google digitalisierte Buch

Darin fand ich eine Rangliste der ostpreußischer Güter, taxiert nach ihrem damaligen ‘ongefähren‘ Wert. An erster Stelle gibt Leopold Krug das ‘Neuschloß Gerdauen’ an mit einem Wert von ca. 252.000 Rthlr. Es folgen die Güter bis zu einem Wert von 30.000 Rthlr, die alle namentlich genannt werden. Aufgeführt sind auch eine ganze Reihe von Gutsbesitzungen im Kreis Pr. Eylau.

Rangliste_der_Güter_Krug-horzIch hoffe, meine ‘Bastelei’ ist noch lesbar :-)

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An der Pest verstorben – Haberberg (1709/1710)

Wenn ich in einem Buch über die furchtbare Zeit der Pest in Ostpreußen lese, fällt es mir schwer, mir das Ausmaß dieses Elends wirklich vorzustellen. Ganz anders geht es mir, wenn ich die Einträge in Kirchenbüchern lese. Die Einträge im Sterberegister der Gemeinde Haberberg in Königsberg machen deutlich, wie schrecklich die Pest 1709/1710 in Königsberg tatsächlich gewütet haben muss. Im Jahr 1707 sind insgesamt 194 Sterbefälle eingetragen, 1708 sind es 168 – 1709 sind bereits im August 200 Tote verzeichnet!

Im September 1709 notiert der damalige Pastor:

Pesthaus‘den 8. Sept. ist denen Verstorbenen im Pesthause ein Ort außer dem Brandenburgischen Thor unten an der Windmühle aufm Felde am wege zum Begräbnis geordnet und zugeeignet, und sind den Abend zuerst 5 Personen daselbst begraben, deren Nahmen der Pest-Schreiber Pape gut muß aufgezeichnet haben. Heute alß d. 9ten soll auch einer begraben werden.’

Allein in der Gemeinde Haberberg sterben bis zum Ende des Jahres 1709 insgesamt 2685 Personen – und Haberberg ist ja nur eine von vielen Gemeinden in Königsberg!

Sterberegister_1709Es muss ein furchtbares Durcheinander gewesen sein – der Pastor war kaum in der Lage, die Sterbefälle ordnungsgemäß einzutragen. Im Dezember 1710 schreibt er:

Pest_1710‘In diesen kurtz Vorherverfloßenen Tagen sind wider mein Wißen und meinen Willen von den Pestträgern weggetragen und hinter der Windmühle begraben worden, der Behrends tochter von 12 Jahren, die alte Porschin, wie auch ihr Sohn der kürtzlich vorher mit der Kilianschen d(en) 3ten October alhier copuliret, imgleichen die Behrendsche selbst, Gott wende doch die Plage und solche Unordnung einmahl ab!’

Die Abbildungen stammen aus dem

vom Staatsarchiv Allenstein digitalisierten Sterberegister

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Die Pest in Landsberg, Pr. Eylau

Im Jahre 1710 sterben in Landsberg, Pr. Eylau, insgesamt 767 Personen an der Pest. 169 Häuser standen leer. Die Toten wurden an der Stelle begraben, an der sich noch heute das Gaswerk befindet. Der Berg erhielt damals den Namen ‘Pestberg‘.

In einem Brief des Burggrafen Seel von Wildenhoff, den dieser am 4. September 1710 an seinen Herrn nach Berlin schickt, berichtet er über Landsberg: ‘daß die schwere Plage leider Gottes mehr und mehr zunimmt und haben sehr viele Pestgeschwüre, wie auch der ehrliche alte Kaplan daran gestorben, des Pfarrers Frau auch, wie es an seine Person auch kommt, welches Gott verhüte,  so sind die armen Leute gänzlich trostlos. Es ist ein großer Jammer und Elend, viele Eltern sind weg und haben kleine, unerzogene Kinder hinterlassen. Da kann man keine ohne Zwang dazu bekommen, der sie wartet und speiset. Am allermeisten hat der Magistrat große Sorge und Kümmernis, die Pestträger anzuschaffen, alle müssen mit Gewalt dazu gezwungen werden und alle sterben plötzlich weg, heute sind abermals alle viere nieder und sind acht Leichen zu begraben. Das collegium sanitas hat zwar einen Chirurgen aus Königsberg geschickt, aber war hilft’s, die Medikamente wollen nicht verschlagen! … Unterschiedliche Leute haben sich ihren Sarg mit eigenen Händen zurechtgemacht, sich rein angezogen und sich hineingelegt, so hat es keine viertel Stunde gedauert, so sind sie tot gewesen.’ (Quelle: Geschichte der Stadt Landsberg Ostpr. durch sechs Jahrhunderte)

Auch der gesamte Magistrat der Stadt wird von der Pest dahingerafft. Der Landsberger Vice-Bürgermeister und Stadtschreiber Andreas Tolcksdorff ist das einzige Magistratsmitglied, das dieses Pestjahr durchsteht und versucht, die überlebenden Stadtbewohner zu unterstützen. Am Ende des Jahres verstirbt aber auch er im Alter von 40 Jahren, 8 Monaten und 21. Tagen.

Im Turmeingang der evangelischen Kirche befand sich zur Erinnerung an ihn ehemals ein marmornes Grabmonument.

Überlebt haben seine Ehefrau Anna Catharina Tolcksdorff, geb Nicolai, und mindestens eine Tochter namens Maria Dorothea Tolcksdorff. Anna Catharina heiratet als Witwe 1713 in Landsberg Herrn Caspar Quandt, ‘gewesenen Lieutenant bey der Landmilice’, der nach der Eheschließung als Stadtrichter in Landsberg tätig ist.

Quandt_Tolksdorf_1713KB Landsberg

Tochter Maria Dorothea Tolcksdorf wird 1730 in Landsberg die Ehefrau des Bürgers und Riemers Christian Patz(e).

Dem Kirchenbuch ist zu entnehmen, dass bereits im Jahre 1658 ein Mitglied der Familie Tolcksdorf in Landsberg ein wichtiges Amt bekleidet:

‘Aufgebohten zum ersten Mahl: der ehrbare und Wohlgerechte Herr Fabian Tolcksdorff, Bürger und Gerichtsverwandter alhier, ein Wittiber, mit der Ehr und tugendsamen Jungfrauen Anna, des auch Ehrbaren und Wohlgerechten Herrn Georg Schultzen, Bürger und Gerichtsverwandter alhier eheleiblicher Tochter’ (Heiratseintrag 1658)

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Die kölmischen Gutsbesitzer in Ponarth

Während der vergangenen Tage konnte ich anhand von Tauf- und Heiratseinträgen der Haberberger Kirchenbücher Informationen über die Ankermann-Familie in Ponarth ergänzen und Näheres über einige der anderen um 1820 in Ponarth ansässigen köllmischen Gutsbesitzer herausfinden.

Dorothea Ankermann – die jüngste Schwester Johann Christoph Ankermanns, meines Urgroßvaters 5. Grades – verließ nach ihrer Eheschließung in Kl. Dexen im Jahre 1777 ihren Heimatort Pompicken und zog nach Ponarth. Ihr Ehemann Christian Ankermann (mit dem sie vermutlich ‘um einige Ecken’ verwandt ist) wurde in Ponarth geboren. Sowohl er und sein Bruder Gottfried werden 1793 als Freiköllmer in Ponarth genannt. Auch der Vater ist bereits köllmischer Gutsbesitzer in Ponarth.

Haberberg_1793_PONARTH (2)1793 – Kirchenbuch Haberberg

Ponarth (früher auch Ponarten) liegt laut Leopold Krug 1/4 Meile vor der Stadt (Königsberg) ‘vor dem Brandenburger Thor’ und besteht 1828 aus acht ‘völlig separierten Freigütern’ mit 8 Instleuten und insgesamt 92 Einwohnern.

Ponarth_KöllmerQuelle: Brauer im Osten

Weitere Ponarther Köllmer sind um 1820:

  • Michael Kirstein (Ehefrau: Dorothea Elisabeth Hollstein)
  • Friedrich Baumgarth (Ehefrau: Charlotte Luise Bierfreund)
  • Johann Christoph Matz (in 1. Ehe verheiratet mit Eleonora Kunckel – 2. Ehe mit Anna Lovisa Steinorth, 3. Ehe mit Juliana Lovisa Steinorth, To. von Lorenz Steinorth u. E. D. Matz)
  • Lorenz Steinorth – (Ehefrau Eleonora Dorothea Matz)
  • Wilhelm August Lafontaine – (Ehefrau: Friderike geb. Thiel)
  • vermutlich Heinrich Riemann (mehrfach als Pate genannt)
  • Gottlieb Reimann – um 1800 Waldwächter
  • Johann Friedrich Heinrich Giese – um 1830 Gastwirt in Ponarth
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Impressionen aus Königsberg um 1840

So – oder ähnlich – werden unsere Vorfahren um 1840 Königsberg wohl erlebt haben. Aber manche von ihnen wären vielleicht nicht in der Lage gewesen, ihre Eindrücke ebenso malerisch widerzugeben  wie Herr Rosenkranz :-)

‘Das Wasser … gibt der Stadt überall große Lebendigkeit. Der Blick von der Promenade auf den Lindenmarkt den Hauptarm des Pregels hinunter ist wirklich sehr schön. Links große Holzwiesen, rechts eine Reihe zum Theil alterthümlicher Häuser mit Balkonen und Bäumen, von dem sogenannten blauen Thurm, einem Stadtgefängniß, bis zur Börse sich hinabstreckend, in der Mitte zwei Brücken, über das Geländer der letzten, der grünen(,) die Masten der zusammengedrängten Schiffe hervorragend.

Noch schöner ist die Aussicht von der grünen Brücke selbst nach dem Haff zu. Durch die Einmündung des andern Pregelarms, der hier um die Insel des Kneiphofs herum in den Strom einbiegt, wird die Wasserfläche sehr breit. Zu beiden Seiten des Bohlenwerks ziehen sich die Speicher hinab. Auf der linken Seite schließt unten die Festung, auf der rechten das Zollhaus des Holländer Baums. Die rechte Seite ist durch die Packhofs- oder Licentgebäude, durch die Balkone des Dampffschiffahrtslocales, durch den jetzt freilich verbrannten rothen Krahn die mannigfaltigere.

Der größte Reiz aber wird durch die Schiffe hervorgebracht, welche, wenn der Pregel offen ist, hier eine jeden Augenblick sich verändernde Ansicht gewähren. Hier zur Rechten geht mit Schildkrötenlangsamkeit die Pfennigfähre über den einmündenden Pregelarm am Kai hin und her; dort fliegt ein Boot, von einem Matrosen gerudert, pfeilschnell über den glatten Fluß; dort sucht ein Schiff vor dem Speicher, aus dem es Waaren einnehmen will, zwischen den andern Schiffen sich einzudrängen; da endlich segelt eines mit voller Ladung dem Haff zu und hinter dem Holländer Baum legen andere vor Anker, den Ballast auszukarren, der hier den Boden Amerika’s, Norwegens, Hollands mit Preußischer Erde mischt und wo beständig Schulknaben nach Muscheln und Schneckengehäusen suchen’.

(Ausschnitt aus ‘Königsberger Skizzen‘ von Karl Rosenkranz; 1842)

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Digitalisierte Königsberger Kirchenbücher

Mittlerweile hat das Staatsarchiv Allenstein eine Reihe von Königsberger Kirchen-büchern digitalisiert. Die Durchsicht lohnt sich auch für Familienforscher, deren Vorfahren in den umliegenden Kirchspielen lebten – aus vielen Familie ‘landete’ irgendwann jemand in Königsberg.

Taufen Königsberg Altstadt 1831-1872

42/1666/1 Tauf-Register der Altstadt 1831-1838
42/1666/2 Tauf-Register der Altstadt 1851-1861
42/1666/3 Tauf-Register der Altstadt 1861-1872

Evangelische Kirche zu Haberberg

Allenstein_Haberberg

Zum Trauregister 1792-1817 ist auch hier einiges nachzulesen!

42/1729/2 Tauf-Register 1791-1814
42/1729/3 Tauf-Register 1814-1829
42/1729/4 Tauf-Register 1829-1849
42/1729/5 Trauungsregister 1792-1817
42/1729/6 Trauungsregister 1849-1863
42/1729/7 Trauungsregister 1869-1890
und Sterbe-Register 1694-1729

Evangelische Domgemeinde

42/1726/1 Taufregister der Domkirche 1842-1857
42/1726/2 Taufregister der Domkirche 1858-1874
42/1726/3 Trau-Register 1872-1891
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Mit der Postkutsche von Danzig nach Königsberg

Der folgende Bericht ist enthalten im 3. Band der von Friedrich von Coelln geschriebenen ‘Vertrauten Briefe über die innern Verältnisse am preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II‘.

Friedrich von Coelln, Nationalökonom, zeitweise Kriegs- u. Domänenrat, auch Steuerrat, übt in seinen Briefen Kritik an den Zuständen in Preußen – an der Staatsverwaltung, dem Adel und dem Militär. Er selbst sagt:

vonCoelln_BriefeHier erzählt er im September 1807 von einer Reise mit der Postkutsche nach Königsberg.

‘Ich bin von Danzig mit der ordinairen Post hierher gereist, um den Schikanen der Postmeister auszuweichen, die einem stets mehr Pferde aufdringen wollen, als man braucht, und um nicht auf den Stationen wegen Mangel an Pferden liegen zu bleiben; das ist mir aber schlecht bekommen. Wenn im preußischen Staat bekanntlich das Postfuhrwesen sehr vernachläßigt und noch einmal so theuer ist als in Oestreich; wenn Graf Schulenburg (Anmerkung von mir: Friedrich Wilhelm von der Schulenberg (1742-1815) war seit 1800 Generalpostmeister in Preußen) zu seinem steten Andenken auch die Postmeilen, die lang waren, verkürzt, die zu kurz waren (wie in Schlesien) nicht verlängert hat, so ist doch in Altpreußen diese Partie noch mehr wie in jeder andern Provinz vernachläßigt.

Sonntags um 7 Uhr verließ ich Danzig und kam Mittwochs früh um 7 Uhr hier an, war also auf 26 Schulenburgsche Meilen 72 Stunden gefahren. Fast auf keiner Station kamen wir unter zwey Stunden fort; in Marienburg lagen wir 5 Stunden. Nirgend(s), obwohl man die ordinaire Post erwartet, werden für sie Pferde aufbewahrt, sondern erst bestellt, wenn sie ankommt. Für die Bequemlichkeit der Passagiere ist nirgends gesorgt, und in Marienburg war unter andern keine Passagierstube. Sie sind als Frachstück dem Schirrmeister und Postillions verdungen und so gehen sie auch mit ihnen um.

Was die Extrapostfuhren anlangt, so kann es kein absurderes Reglement geben als dasjenige ist, welche die Anzahl Pferde bestimmt, die man nehmen muß. Hast Du einen federleichten Wagen und ein Kind von 10 Wochen bey Dir, ohne alles sonstiges Gepäcke, so mußt Du 3 Pferde nehmen; hast Du aber einen schweren halben Wagen und einen Coffer voll Goldstangen bey Dir, bist allein, und hast selbst nicht soviel Verstand, 3 oder 4 Pferde zu verlangen, so muß man Dich mit 2 Pferden fortschaffen’.

Die Briefe und andere von Friedrich von Coelln verfasste Schriften wurden von Google digitalisiert – ich finde, es lohnt sich sehr, darin zu stöbern …

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‘Gnädige Verordnung’ gegen Üppigkeit und Verschwendung

Bei dieser Verordnung aus dem Jahre 1756 ging es vor allem um wirtschaftliche Interessen – die Produkte des eigenen Landes sollten Absatz finden. So edel und uneigennützig wie es klingt waren die Absichten wohl nicht, die zum Erlass dieser Verordnung führten – zumal es ja gerade am königlichen Hofe ausgesprochen üppig zuging.

Aber manchmal (besonders zu Weihnachten) wünsche ich mir auch so einen König, der eine ‘gnädige Verordnung‘ erlässt, ‘durch welche die Einführung gewisser zum Ueberflusse gehörenden Waaren ins Reich verboten wird.’

Ueberfluss_1756

Anton Friedrich Büsching, Magazin für die neue Historie und Geographie; Hamburg 1769

‘Wir Adolph Friedrich, von Gottes Gnaden der Schweden, Gothen und Wenden König etc. Erbe zu Norwegen und Herzog zu Schleßwig, Holstein etc. thun hierdurch kund: daß Wir, nicht ohne Bekümmerniß vernommen, wie Ueppigkeit und Verschwendung, insbesondere in den letzten Jahren, so außerordentlich überhand genommen haben, daß sie beynahe in allen einzelnen Haushaltungen herrschen; indem mancher eine eingebildete Ehre in eine kostbare und verschwenderische Lebensart setzet; und oft der Dürftigere und Geringere darinn mit dem Reicheren und Vornehmeren um den Vorzug streitet. Je mehr aber eine solche Unart und Verwirrung sich ausbreitet, desto schädlicher ist sie für die Wohlfahrt des Staates und eines jeden insbesondere; und desto mehr verdienet sie Unsere Aufmerksamkeit.

Wir halten es für überflüßig, Unseren getreuen Unterthanen vorzustellen, wie heilsam eine einfältige und ungekünstelte Zubereitung der Speisen für die Gesundheit sey; und wie schädlich hingegen für dieselbe eine Vermischung von vielerley Arten von Weinen und Liqueuren, und hitzigen ausländischen Gewürzen seyn müsse. Wir wollen bloß Unseren getreuen Unterthanen zu Gemüth führen, daß Ueppigkeit und Verschwendung gegen die Natur streiten, welche sich mit wenigem begnüget; und oft gegen die natürliche Neigung bey manchem, und der mehresten Vermögen und Umstände, eine Nachäffung von der, dem Ansehen nach prächtigen, an sich selbst aber unüberlegten Haushaltung von anderen sind.

Die Geschichte aller Völker bezeuget, daß so lange Mäßigkeit und Enthaltung im Essen, Getränke und der Kleidung als Tugenden bey ihnen angesehen worden, sie immer an Reichthum, Macht und Ansehen zugenommen haben; daß aber hingegen, so bald Ueppigkeit und Verschwendung sich ausbreitet, die Sitten verderbet worden, und eben diese Völker in die äußerste Armuth, Verachtung, Mühseligkeit und die schimpfliche Sklaverey gerathen sind’. ….

Nach weiteren Ausführungen (und der Androhung von Strafen bei Zuwiderhandlung) folgt – alphabetisch geordnet – ein ‘Verzeichniß gewisser Waaren des Ueberflusses, deren Einführung für das künfige im Land verbothen wird’. Zu diesen Waren gehören u.a.:

  • Anchovis
  • Barometer
  • Brot, Zwieback und Kringel
  • Cacaobohnen
  • Corallen, verarbeitete
  • Compasse
  • Datteln
  • Danziger Bier
  • Pfeifenköpfe, von allerley Art
  • Perlen, unächte …….

Mir selbst fallen ganz andere Dinge ein, die ich heute am liebsten auf eine solche Liste setzen würde :-)

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Brechstuben in ostpreußischen Dörfern

Im Internet sind kaum Informationen über diese Brechstuben, die Ludwig Avenarius beschreibt, zu finden. Es gab sie auch  in vielen Orten des Kreises Pr. Eylau.

‘Im Bisthum Ermland, in der Gegend zwischen Landsberg und Braunsberg, wird der Flachsbau sehr im Großen getrieben, und man findet Flächen von 30 bis 40 und mehreren Morgen. …. Bei jedem Dorfe oder größern Gute, wo einigermaaßen Flachs gebauet wird, hat man, entfernt von dem übrigen Gehöfte, und von den Dörfern, zur Sicherheit gegen Feuersgefahr, besondere sogenannte Brechstuben. Dies sind ganz isolirt liegende Häuser mit großen Räumen, in deren Mitte sich ein Ofen zum Heizen befindet, in welchem der Flachs getrocknet und dann gebrakt wird. In den Dörfern sind diese Brechstuben gemeinschaftliches Eigenthum der Gemeinde. Im Ermländischen habe ich ein Dorf gefunden, bei welchem ganz vorzüglich viel und schöner Flachs gebauet wird, welches ganz mit solchen Brechstuben in einiger Entfernung umgeben war. Man versicherte mich, daß hier jeder Bauerhof seine eigene Brechstube habe.

Wegen des bedeutenden Flachsbaus findet man in jedem Bauernhause einen oder mehrere Webstühle, wo Manns- und Frauenspersonen in den Abendstunden, oder in der Zeit, welche ihnen die Feldarbeit übrig läßt, sich mit Weben beschäftigen. Ich habe hier mitunter sehr hübsche und bunte Leinenwaaren, auch mit Baumwolle vermischt, verfertigen sehen’. (Ludwig Avenarius, Beiträge zur nähern Kenntniß der Provinz Preußen, beonders Ostpreußen …; Erfurt 1829)

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Tharau und der ‘Bahnhof Tharau’

Auch Tharau kann man heutzutage mit Hilfe von Google Street View ‘bereisen’. Man muss allerdings ein wenig aufpassen – ab und zu kommen einem Autos entgegen, an einer Stelle sogar ein Bus :-) Der Ort Tharau lag im ehemaligen Kreis Pr. Eylau. Den Namen ‘Tharau’ kennt vermutlich jeder. Hier wurde die Pastorentochter Anna Neander geboren, die im Jahre 1637 den Pfarrer Johannes Portatius heiratete. ‘Ännchen von Tharau‘ – das Lied, das anlässlich der Hochzeit dieses Paares entstand – ging um die ganze Welt und machte den Ort bekannt.

Tharau_KarteQuelle: Mapster

Heute liegt Tharau im russischen Teil des ehemaligen Kreises und heißt ‘Wladimirow‘. 1865 wurde – etwa 4 km von Tharau entfernt – ein Bahnhof gebaut, den man ‘Bahnhof Tharau‘ nannte, obwohl er gar nicht zu Tharau, sondern zu Wittenberg gehörte. Als Grund für diese Benennung gibt Horst Schulz (‘Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau’) an, es habe damals mehrere Orte namens Wittenberg gegeben, Tharau jedoch sei einmalig … Der ‘Bahnhof Tharau‘ – etwa 500 m westlich von Wittenberg gelegen – wurde zu einem Ortsteil von Wittenberg. Nach und nach kamen Häuser dazu und bis 1945 war dieser Ortsteil gänzlich mit Wittenberg zusammengewachsen.

Tharau_BahnhofEinige Eindrücke von meiner Google-Street-View-Reise durch diese schöne Gegend:

Tharau_CollageMan fährt unmittelbar an der Kirche vorbei. Wer gute Augen hat, kann sie auf dem Bild unten links sogar sehen. Auf dem letzten Foto: ein Blick von der Brücke auf den Frisching.

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