Die Mobilität unserer Vorfahren ist bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sehr eingeschränkt. Meine ostpreußischen Vorfahren im Kreis Preußisch Eylau – in Landsberg und den umliegenden kleinen Dörfern – werden ihre Heimatorte wohl nur selten verlassen haben – es sei denn, sie hatten die Patenschaft bei der Taufe eines Kindes in der Kirche eines benachbarten Ortes übernommen, waren in einem Nachbarort zur Hochzeit eingeladen oder nahmen an einer Beerdingung in einer Nachbargemeinde teil.
Der Besuch des Marktes in Landsberg gehörte für viele der Bewohner umliegender Orte vermutlich schon zu den Höhenpunkten des Jahres!
Reisen war beschwerlich und anstrengend. Als sich Friedrich von Coelln im September 1807 mit der Postkutsche von Königsberg aus in die Stadt Preußisch Eylau bringen lässt, um sich über die dortigen Verhältnisse nach der großen Napoleonischen Schlacht zu informieren, berichtet er:
‚Wir freuten uns über den lange vermissten Sonnenschein. Wurden wir nun vom Himmel nicht begossen, so wurden wir doch von dem ungeheuren Koth nicht befreyt, den die vortreffliche Landstraße von Königsberg nach Warschau (an dieser liegt Eylau) sehr ergiebig producirt; überdieß hatten wir eine alte preußische Postchaise, das heißt, einen Leiterwagen, mit zwey ungeheuern Sitzgebunden von Erbenstroh (die grauen Erbsen sind das vorzüglichste Produkt der Provinz). Dieser Postwagen, die elastischen Sitze, auf denen man balanciren mußte, um nicht herunter zu fallen, die Schlaglöcher der Landstraße, der sich den Rädern entgegenballende Koth, stimmten uns nicht zur Freude‘ ….
Quelle: 3. Band der von Friedrich von Coelln geschriebenen ‚Vertrauten Briefe über die innern Verältnisse am preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II‚
Von Landsberg aus konnte man um 1830 mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf direktem Wege nur nach Bartenstein – Creuzburg – Pr. Eylau – Heilsberg – Mehlsack – Wormditt und Zinten gelangen! Um Königsberg zu erreichen, musste man zunächst mit der Postkutsche 2 Meilen bis Pr. Eylau zurücklegen – dort gab es die Möglichkeit, in eine Kutsche nach Königsberg umzusteigen.
Mit dem Bau der Reichsstraßen 126 und 128 – den direkten Verbindungen von Königsberg in südliche Richung – wurde 1822 begonnen, bis zur Fertigstellung vergingen 30 Jahre.
‚In südliche Richtung führte über die Aweider Allee aus der Stadt hinaus die Reichsstraße 126 über Aweiden, Altenberg, Mansfeld nach Mehlsack, Wormditt und Mohrungen sowie die Reichsstraße 128 von der Schönfließer Allee über Schönfließ, Ludwigswalde, Wickboldt und Wittenberg weiter nach Preußisch Eylau, Landsberg, Heilsberg, Bischofsburg, Ortelsburg und Willenberg bis zur Grenze in Richtung Warschau. Die Bauarbeiten dauerten von 1822 bis 1853′.
Quelle: Fernstraßen ab Königsberg – Eine historische Bestandsaufnahme von Gerhard Mannke
Der 58 km lange Streckenabschnitt von Königsberg nach Bartenstein wurde als wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Ostpreußen 1830 fertiggestellt.
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