Zur Begüterung Groß Peisten (Piasty Wielkie)

I. Die Ära der Familie von Kreytzen

Ich habe in vorherigen Beiträgen bereits viel erzählt über die Begüterung Groß Peisten – über besondere Einrichtungen, einzelne Vorwerke und Dörfer oder dort ansässige Familien. (Auflistung siehe unten!) Nun möchte ich einen Überblick geben über die Zeit der Familie von Kreytzen.

Über viele Generationen – von 1547 bis 1815 – befinden sich die Peistischen (bzw. Pehestenschen) Gütern im Besitz der Familie von Creytzen (später von Kreytzen). Erster Besitzer der Familie ist Melchior von Kreytzen (ca. 1475-1550).

„Dessen ältester Sohn und Nachfolger Johann von Kreytzen (1506-1575) erweitert diesen Besitz noch bedeutend durch den Kauf von Buchholz, Hoofe, Worlack, Wiecherst, Schwadtken, Kattlack, Finken mit der sog. Teufelsmühle, Sienken, Egdeln sowie einem großen Teil von Albrechtsdorf. Ferner gehörten ihm noch die verschollenen Orte Kupeiten, Konrads sowie später die Begüterung Klein-Steegen. Die Kreytzenschen Besitzungen mit dem Hauptgut Gr. Peisten waren damals die größten im späteren Kreis Pr. Eylau; außerdem kamen noch 18 Orte in den Kreisen Bartenstein, Gerdauen und Rastenburg dazu.“ (Horst Schulz, die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, S. 430)

Das Hauptgut Groß Peisten
  • Fast 40 Jahre lang – von 1536-1575 – ist der Erbherr von Gr. Peisten Prof. Dr. Johann von Kreytzen Kanzler von Preußen. Er wird als einer der bedeutendsten Staatsmänner seiner Zeit angesehen
  • Erbe der Begüterung wird sein Sohn, der Hofgerichtsrat Albrecht von Kreytzen.
  • Ihm folgt dessen Sohn, Obermarschall Wolff von Kreytzen (1598-1672). Zu seiner Zeit werden Umbauten am Gutshaus vorgenommen – außerdem wird der Gutspark angelegt. Zudem erweitert Wolff von Kreytzen die bereits seit dem 16. Jahrhundert bestehende Büchersammlung, die zu einer der größten und bedeutendsten Preußens wird. Um 1615 wird auch die Kirche erbaut – vorher exisiert lediglich eine Schlosskapelle.
  • Dem letzten Willen seines verstorbenen Bruders Achatius von Kreytzen entsprechend, vermacht Wolff von Kreytzen der Kirche in Peisten die Einkünfte der Dörfer Sargen und Plessen: 940 Mark jährlich. Von diesem Geld sollen 7 Schulen errichtet werden: in Peisten, Hoofe, Guttenfeld, Buchholz, Albrechtsdorf und Blumstein
  • Nachfolger von Wolff von Kreytzen wird zunächst Sohn Wolff Albrecht von Kreytzen aus der 1. Ehe mit Euphemia zu Eulenburg. Dieser tritt sein Nachfolgerecht jedoch ab an seinen Stiefbruder, den Hofgerichtsrat und Kammerherrn Johann von Kreytzen (1643-1712) aus der 2. Ehe seines Vaters mit Regina Truchseß zu Waldburg.
  • In den Rechnungen des Amts Pr. Eylau werden 1703 drei Mühlen aufgeführt, die zur Peistenschen Begüterung gehören: die Mühle in Peisten, in Raaben u. in Finken
– Ausschnitt aus den Amtsrechungen von 1703 –
„Mühlen so denen vom Herrn Stand und Adell gehören“
Amt Pr. Eylau – 1703 – Besitz des Johann von Kreytz(en)
  • Unter Johann von Kreytzen wird das Gutshaus in Gr. Peisten in barockem Stil umgebaut. Er verstirbt im Jahre 1712.
  • Nach seinem Tod folgt Sohn Elias Gottfried von Kreytzen (1689-1743). Am 15. Juli 1723 wird im Hofe von Groß Peisten zwischen ihm und Johann Ludwig Bruno, dem neuen Burggrafen der ‚Adelich Wangnickschen Güter‚ ein ‚Arrende Contract‘ geschlossen.
  • Nachfolger von Elias Gottfried wird Sohn Christian Gottfried von Kreytzen (1717-1773). Bei Lucanus ist 1748 zu lesen: „Der adlige Hof Peisten mit seinen Gebäuden und seinem ansehnlichen Lustgarten fällt jedermann in die Augen.“
Ausschnitt aus der Vasallen-Tabelle von 1748

Christian Gottfried von Kreytzen wird 62 Jahre alt und verstirbt am 4. März 1780 im Hofe von Peisten.Der Pastor vermerkt im Kirchenbuch:

„Den 15. Marti wurde der Hochwohlgebohrne Herr Christian Gottfried von Kreytzen, Lehns- und Erbherr der Peisten- u. Wangnickschen Güther, welcher den 4ten ej im 62. Jahr seines Alters an einer Erstickung starb(,) in seinem Erbbegräbniß beygesetzt.“

  • Christian Gottfried hinterlässt keine Kinder – Erbe wird nun sein jüngerer Bruder Johann Wilhelm von Kreytzen (1719-1791). Zu seiner Zeit befinden sich in Groß Peisten selbst 20 Feuerstellen. Johann Wilhelm von Kreytzen selbst lebt nicht auf der Begüterung Gr. Peisten – er hat sein Gut Sillginnen im Kreis Rastenburg zum Wohnsitz auserkoren.
1778 – Johann Wilhelm von Kreytzen – ‚hält sich in Sillginnen, Rastenburgischen Creyses auf“
  • Am 15. Mai 1791 verstirbt Johann Wilhelm von Kreytzen auf dem Gut Sillginnen. Bestattet wird er jedoch in Groß Peisten. Im Kirchenbuch von Gr. Peisten ist zu lesen: „Den 17. May wurde Herr Johann Wilhelm von Kreytzen, Erb- und Gerichts-Herr der Silginnen und Peistenschen Güther, welcher den 15ten desselben Monats im 69. Lebensjahre zu Sillginnen an convulsivischen Zufällen entschlief, in das hiesige Herrschaftliche Erbbegräbniß und äußre Kirchengewölbe beygesetzet mit einer Leichenpredigt. Sanft ruhe der wahre Religionsverehrer und wahre Menschenfreund!“
  • Außer seiner Tochter Henriette, verehelichte von Lentzke und deren Familie sowie der Familie einer bereits verstorbenen Tochter hinterlässt Johann Wilhelm von Kreytzen einen Sohn namens Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen. Aus seinem 1788 verfassten Testament geht hervor, dass Johann Wilhelm von Kreytzen in großer Sorge um den Fortbestand seiner Güter ist – er will die Verwaltung weder seinem Schwiegersohn noch seinem Sohn überlassen. Über seinen Sohn äußert er sich im Testament wie folgt:

Da ich durch lange Erfahrung und viele Proben überzeugt bin, daß mein Sohn Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen von dem höchsten Gott nicht auf solche Ueberlegung und und Nachdenken begabt ist, daß er der Administration und Bewirtschaftung der ihm zufallenden weitläufigen Lehngüther vorstehen kann, und es zu befürchten, daß mein Sohn sich und seine bereits habende Kinder und Lehnserben, wegen fehlender Einsicht zu Grunde richten würde; so ersuche ich das Köngl.-Ober Vormundschaftliche Landes-Collegium, diesem meinem blödsinnigen Sohne einen rechtschaffenen Curatoren, jedoch mit Ausschluß seiner Schwäger zu setzen, und zuzuordnen, welcher auf die Bewirtschaftung derer Silginnen und Peistenschen Güther, als auf die Conservierung des durch die väterliche Erbschaft ihm zufallenden Vermögens, sorgfältige Acht und Aufsicht habe, und darüber dem Königl.-Landes-Collegium jährlich Rechnung ablege,

Kurz vor seinem Tod bekräftigt Johann Wilhelm von Kreytzen sein Testament und ergänzt:

„Die gantz genaue Beobachtung und Beprüfung der Seelen- Kräfte meines Sohnes Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen, meiner Tochter der Henriette von Kreytzen verehel(ichte) von Lentzke und insonderheit des Gemüths meines Schwieger Sohnes des von Lentzke auf Kudwinnen, bringen mich auf den Entschluß, meine unterm 9ten May 1788 errichtetes und den 10ten May 1788 beym Magistrat zu Landsberg deponirtes Testament und Deposition zwischen meinen Kindern nachstehender Art zu erweitern…

Johann Wilhelm von Kreytzen verfügt, dass seiner Tochter und deren Kindern ein Erbteil zugesprochen wird, dass sich sein Schwiegersohn jedoch auf keine Weise einmischen dürfe, da ihm (dem Erblasser) dessen „zanksüchtiges Gemüth und seine Einbildung, daß ihm bey jeder Gelegenheit Unrecht geschiehet, hinreichend bekannt“ sei und dieser deshalb „von dem Capital auch nicht einen Groschen erhalten solle“.

In Bezug auf seinen Sohn betont Johann Wilhelm von Kreytzen erneut:

Da ich auch in dem unterm 9ten May 1788 errichteten Testament disponiret habe, daß meinem Sohn Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen wegen seiner Schwäche des Verstandes und Ueberlegung ein Curator gesetzet werden soll; so bestätige ich dieses nochmals hiemit ausdrücklich, indem ich vollkommen überzeuget bin, daß mein Sohn leider ! nicht im Stande ist, solche ansehnliche Güter und Vermögen zu verwalten, und damit die Welt nicht glaube, daß ich etwa aus ungerechtem Haß und Ueberredung gegen meinen Sohn handele, so ersuche ich hiedurch Er. Königl. höchstverord-neten Ostpreußischen Regierung, diesen meinen Sohn durch artis peritia mit Zuziehung eines Membri Collegii genau untersuchen zu laßen, und im Fall sich alsdenn meine Angabe völlig gegründet finden wird, diese meine Anordnung zum eigenen Wohl meines Sohnes und meiner Familie kräftigst zu unterstützen und aufrecht zu erhalten.

Das gesamte Testament ist hier zu finden: Testament des Johann Wilhelm von Kreytzen 1791. Für Familienforscher mit Bezug zu Groß Peisten ist dieses von besonderem Wert, da es eine namentliche Liste sämtlicher Gutsuntertanen enthält! Das Testament wurde dem Grünen Hausbuch der adlig Peistischen Güter entnommen, das im GStAPK in Dahlem verwahrt wird. Es wurde bereits vor vielen Jahren transkribiert von Helmut Ramm und seiner Ehefrau.

Als Curatoren des Sohnes schlägt Johann Wilhelm von Kreytzen den Herrn Grafen v. d. Groeben auf Schraegen? vor und als dessen Assistenen Stadtrichter Paulien aus Landsberg, da „derselbe die Inspections-Geschäfte in Peisten … schon so viele Jahre hindurch“ zu seiner größten Zufriedenheit geführt habe. Mit den “ dasigen Guthsleuten“ solle dieser „keine ungewöhnlichen Neuerungen vornehmen“.

Auch die besondere Bibliothek erwähnt Johann Wilhelm von Kreytzen in seinem Testament. Sie soll nicht nur bewahrt, sondern auch erweitert werden. Er verfügt: „Da in dem Hofe zu Peisten eine von meinen Vorfahren gesamlete Bibliothec nebst einiger Raritaeten und Müntzen vorhanden, welche bereits sowohl nach dem Ableben meines GroßVaters Vaters und Bruders als ein gemeinschaftliches Erbguth ohngetrennt verblieben, es auch meiner Familie zum Schimpf gereichen würde, wenn diese schöne Samlung von Büchern und Kostbarkeiten sollte zerrißen und veräußert werden; so ist mein ausdrücklicher Wille, daß meine Erben und Nachkommen diese Bibliothec cum Praetiosis nicht allein beständig auf dem Hofe zu Peisten beybehalten, sondern auch selbige durch Anschaffung guter und nützlicher Bücher, jährlich vermehren sollen“.

Quelle: Erdbeschreibung der preußischen Monarchie9; Hrsg. von M.F.G. Leonhardi; Halle 1791
  • Am 21. Oktober des Jahres 1791 übernimmt Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen die Güter Groß Peisten und Sillginnen.
  • In einer „Rangliste“ sämtlicher ostpreußischer Güter wird der Wert der Begüterung Groß Peisten im Jahre 1805 mit 104.147 Rthlr angegeben.
(Quelle: Leopold Krug, Betrachtungen über den National-Reichthum des preußischen Staats und über den Wohlstand seiner Bewohner; Johann Friedrich Unger, Berlin 1805; Seite 410)
  • Im Kreis Pr. Eylau existieren insgesamt 71 adlige Güter . Dem Wert nach steht die Begüterung Groß Peisten – nach Schrombehnen und Jesau – an dritter Stelle.
  • Nach dem Tod von Erdmann Friedrich Alexander im Jahre 1815 erlischt das Haus Peisten im Mannesstamm
  • Es folgen lange Erbauseinandersetungen innnerhalb der Familie mit vielen Prozessen
  • Die Folge sind Misswirtschaft und Verfall der Begüterung
  • Schließlich obsiegt die Domnauer Linie von Kreytz
  • Um 1830 wird der Landrat Ludwig Constantin Sylvester von Creytz (1753-1831) als Erbherr genannt.
  • Um 1835 übernimmt der Major a.D. Franz Heinrich Anton von Kreytz (1783-1872) die Begüterung
1833 – Leopold Krug ,Die preußische Monarchie; topographisch, statistisch u. wirthschaftlich dargestellt nach amtlichen Quellen‘

1835 – In Groß Peisten werden die Bestände der dortigen Orangerie meistbietend verkauft, „zu welchen unter anderen einige und dreißig ältere Pomeranzenbäume von vorzüglich schönem und kräftigen Wuchs, größtentheils mit Früchten besetzt, mehrere Mandel-. Lorbeer- und Feigen-äume, einige sehr schöne Oleander, drei amerikanische Aloes, jede 66 Jahre alt, und andere seltene Gewächse gehören“.

Kreisblatt Pr. Eylau 1835

Leopold Krug gibt in seinem 1833 in Berlin erschienenen Buch: ‚Die preußische Monarchie; topographisch, statistisch u. wirthschaftlich dargestellt nach amtlichen Quellen‘ die genaue Anzahl der Höfe und Bewohner einzelner Dörfer und Vorwerke an. Allerdings stimmen diese – zumindest auf das Dorf Hoofe bezogen – nicht ganz überein mit dem, was in den Grundakten der Peistenschen Güter angegeben wird.

Laut Leopold Krug leben um 1830 in Groß Peisten und den zugehörigen Dörfern und Vorwerken:

  • Groß Peisten: Vorwerk, 7 Eigenkätner, 5 Handwerker – 268 Einwohner
  • Klein Peisten: 5 Instleute – 37 Einwohner
  • Ponienken: 4 Instleute – 35 Einwohner
  • Dixen: 4 Bauernhöfe, 2 Instleute – 58 Einwohner
  • Albrechtsdorf: 1 Kirche, 1 Vorwerk, 18 Bauernhöfe, 29 Eigenkätner, 3 Handwerker, 6 Instleute – 368 Einwohner
  • Grauschienen: 4 Bauernhöfe, 2 Eigenkätner, 3 Instleute – 80 Einwohner; vor der Regulierung (1819) 8 Bauernhöfe
  • Hoofe: 35 Bauernhöfe, 16 Eigenk., 20 Instleute – 312 Einwohner – vor 1826: 20 Höfe
  • Sienken: Vorwerk – 4 Instleute – 38 Einwohner
  • Hanshagen: 1 Kirche, 18 Erbpachtsgüter, 8 Bauernhöfe, 4 Eigenk., 17 Inst. – 246 Einwohner
  • Egdeln: Vorwerk, 3 Instleute – 24 Einwohner
  • Raaben: eine Wassermühle mit 10 Einwohnern
  • Kattlack: Vorwerk, 3 Instleute – 33 Einwohner
  • Schwadtken: Vorwerk, 2 Instleute – 27 Einwohner
  • Achthuben: Vorwerk, 1 Instmann – 22 Einwohner
  • Finken: 2 Erbpachtsgüter, 5 Bauerngüter, 1 Papiermühle, 1 Mahlmühle, 1 Eigenkätner, 8 Instleute – 109 Einwohner
  • Wiecherts: Vorwerk, 3 Instleute – 18 Einwohner
  • Wangnick: Vorwerk, 7 Instleute – 76 Einwohner
  • Papperten: 7 Bauerngüter, 8 Instleute – 132 Einwohner
  • Buchholz: 1 Kirche, 1 Vorwerk, 19 Bauernhöfe, 17 Eigenkätner, 7 Handwerker, 13 Instleute – 249 Einwohner

Im Jahre 1837 werden die ‚Adelig Peistenschen Güter‚, deren Wert 1835 auf 115. 373 Taler geschätzt wurde, aus wirtschaftlichen Gründen zur Subhastation ausgeschrieben.

Inserat in der Preußischen Staatszeitung

Zusammen mit seinem Schwager, dem Hauptmann Franz von Kortzfleisch kauft Ernst von Wedell die Begüterung für 85.ooo Taler.

Franz Heinrich Anton von Kreytz wohnt fortan in Landsberg, wird Ehrenbürger der Stadt und stirbt dort im Jahre 1873.

1837 – Ausschnitt aus der Vasallen-Tabelle

Weitere Beiträge aus der Zeit der Familie von Kreytzen

Fortsetzung folgt!

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1 Antwort zu Zur Begüterung Groß Peisten (Piasty Wielkie)

  1. Frank Steinau sagt:

    Liebe Irmi,

    das war wieder einmal ein unheimlich interessanter Bericht, danke dafür!

    GLG

    Frank

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