Über den Krug in Canditten, Pr. Eylau

Wenn ich mich eine Weile nicht mit Ostpreußen beschäftigt habe, überkommt mich die Sehnsucht …. Unter meinen Entwürfen für dieses Tagebuch befinden sich aber glücklicherweise noch viele Beiträge zum Thema ‚Ostpreußen‘ – so auch dieser über den Krug in Canditten im Kreis Pr. Eylau!

Durch die Eheschließung meiner Vorfahrin Catharina Lehmann, einer Tochter des Wildenhofer Bräuers Jacob Lehmann, gibt es bereits um 1739 einen Bezug meiner Vorfahren zum Krug in Canditten, denn Catharina heiratet 1739 den verwitweten Krüger George Steinau, lebt mit ihm im diesem Krug und bringt dort von 1740 bis 1751 mehrere Kinder zur Welt.

Nach dem Tod ihres Ehemanns bleibt Catharina im Krug von Canditten – sie schließt eine neue Ehe und ihr Ehemann Johann Boenke betreibt den Krug weiterhin. Das Ehepaar bekommt 6 weitere Kinder – darunter im Jahre 1755 auch meine Vorfahrin Anna Barbara Boenke.

Auch in der nächsten Generation wird der Krug von meinen Ahnen bewirtschaftet, denn Anna Barbara ehelicht Gottlieb Gutt, der den Krug seines Schwiegervaters weiterführt. Es folgt der 1788 geborene Sohn Johann Christoph Gutt. Als dieser am 24. Januar 1817 in Ludwigswalde Loysa Charlotta Liedtke – eine Tochter des Altenberger Köllmers Gottfried Liedtke und dessen Ehefrau Anna Louisa Hempel heiratet, hat er den Krug in Canditten bereits übernommen.

Die Kirchenkassenrechnungen von Canditten enthalten einen Brief von Pfarrer Schiemann aus dem Jahr 1824, in dem Johann Christoph Gutt erwähnt wird. Der Pfarrer wendet sich an den ‚General-Landschaftsrath‚ und teilt diesem mit:

Wohlgebohrner, Hochzuverehender Herr General-Landschaftsrath!

Der hiesige culmische Krüger Gutt ist gesonnen, einen großen zum Kruge gehörigen Garten, welcher in 2 Abtheilungen an die beiden Pr(ediger) Wittwen Gärte gränzet, 2 ½ Morgen groß ist und in guter Cultur, ca 3 ½ bis 4 Sch. Aussaat u. ein Wiesenstück von 1 bis 2 Fuder Heu enthält(,) zu verkaufen, um eine Schuld, welche er an H. Amtmann Spaeth restirt, tilgen zu können. Schon früher habe ich oft daran gedacht(,) diese Gärten für die künftigen Prediger-Wittwen mit dem in der hiesigen Wittwen-Casse gesammelten kleinen Capital ankaufen zu dürfen, doch hatte Krüger Gutt bisher keine Lust, sie zu verkaufen. Jetzt bietet er sie den Vorstehern für 85 RM an, er gewiß würde, wenn der Kauf zu Stande käme, auch hirvon noch etwas abgehen. ….

Dem Herrn Reichsgrafen von Schwerin habe ich diese Sache vorgelegt und gebeten, sein Gutachten darüber gefälligst abgeben zu wollen.

Mit vorzüglichster Hochachtung bin ich jederzeit Ew. Wohlgeb. ganz ergebenster … Schiemann

Canditten, d. 23ten August 1824

Der Krug scheint sich in der Nähe der Kirche zu befinden, was wohl häufiger der Fall war. Die Krüge wurden offenbar bewusst so angelegt, dass sich die Besucher der Gottesdienste dort anschließend noch versammeln und ‚feiern‘ konnten. Bei meinem letzten Besuch in dieser Region habe ich gelernt, dass dies auch im Kirchdorf Eichholz – nicht weit entfernt von Canditten – zutraf. Hier befand sich der Krug der Kirche unmittelbar gegenüber. Das Gebäude steht dort noch heute.

War dieses schöne Gebäude möglicherweise der ehemalige Krug? Er befindet sich direkt an der großen Straße von Landsberg nach Blumstein (wie unten angegeben) – die Kirche liegt dort, wo das Kreuz zu sehen ist!

Johann Christoph Gutt und seine Ehefrau bekommen drei Kinder, die im Canditter Krug zur Welt kommen und aufwachsen: Gotthilf Amalie *23.12.1817 – Charlotta Wilhelmine *27.2.1820 (sie heiratet 1846 in Ludwigswalde Carl Grohnert, den damaligen Kämmerer in Milgen) und Carl Ludwig August Gutt *23.8.1822.

Die Mutter der Kinder muss vor 1831 verstorben sein, denn am 18. Januar 1831 heiratet der Krüger Johann Christoph Gutt in Landsberg Lowisa Paegert, die einzige Tochter des in Eichen noch lebenden Eigentümers Johann Paegert. 10 Jahre apäter – im November 1842 verstirbt – Johann Christoph Gutt in Eichen.

Ab etwa 1870 ist der Krug für einige Jahre im Besitz des Kaufmanns Wilhelm August Kalusch und seiner Ehefrau Henriette Poschmann. Die Familie stammt aus Eisenberg im Kreis Heiligenbeil und bringt mindestens drei Kinder mit nach Canditten:

  • August Wilhelm Kalusch *um 1859
  • Minna Berta Kalusch *1865
  • Franz Gustav Kalusch *1869

Am 3. Mai 1873 kommt in Canditten Sohn Wilhelm Adolf Kalusch zur Welt. Nur ein Jahr danach – m Mai des Jahre 1874 – gibt August Kalusch im Kreisblatt bekannt, dass er den Krug in Canditten verkaufen möchte. Durch dieses Inserat erfahren wir Näheres über die Gastwirtschaft des Ortes, die sicherlich viele Bewohner von Canditten besucht haben. Der Text lautet:

Canditten, pr. Wildenhof, im Mai 1874 August Kalusch

Zu Familie Kalusch:

Sohn August Wilhelm lebt später mit seiner Ehefrau Heinriette Mill als Mälzer in Danzig, wo er 1927 verstirbt. von 1885 bis 1894 werden in Danzig ihre 5 Kinder geboren: Anne Grete *1885 – Gertrude Carla *1887 – Arthur August *1889 + 1914 – Willy Kurt *1891 + 1914 und Paul Max Kalusch *1894. August Wilhelm verstirbt am 12 Sep 1927 im Danziger Diakonissenkrankenhaus.

Minna Bertha Kalusch *1865 in Eisenberg oo 1915 in Hamburg Wilhelm Karl Runge. Franz Gustav Kalusch *1869 in Eisenberg wird Schuhmacher in Danzig und heiratet dort 1926 Caecilie Natschke * 1891 in Abbau Strepsch, Kr. Neustadt

Der in Canditten geborene Wilhelm Adolf Kalusch wird Schmiedemeister in Danzig und heiratet dort 1931 Margarete Babette Gutermuth *1890 in Dallherda, Kr. Gersfeld.

Aus den Heiratsurkunden ihrer Kinder lässt sich schließen, dass sowohl der Kaufmann und kurzzeitige Krugbetreiber August Kalusch als auch seine Ehefrau vor 1918 im Kreis Heiligenbeil verstarben – er in Hanswalde und sie in Rehfeld.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.