Gesche Dreyer, Hebamme in Meyenburg

Meine Vorfahrin Gesche Dreyer wird am 25 September 1749 als Tochter von Johann Dreyer und Anna Mahlstede in Meyenburg geboren.

Quelle: Google maps

Gesche ist bereits 27 Jahre alt, als sie am 03 Dezember 1776 in der Kirche zu Meyenburg den Hausmann Marten Christoffers heiratet. Im August 1777 wird die gemeinsame Tochter Mette geboren, die aber schon 1778 wieder verstirbt.

Dass Gesche erst im Alter von 27 Jahren heiratet, ist ungewöhnlich. Da die Frauen um diese Zeit normalerweise sehr viel früher heiraten, dachte ich lange Zeit, sie habe wohl deshalb so lange mit dem Heiraten gewartet, weil sie beruflich sehr ausgelastet war. Gesche ist eine der wenigen weiblichen Personen unter meinen Vorfahren des 18. Jahrhunderts, die  einen Beruf ausübte – vielleicht sogar die einzige.

Gesche ist nämlich Hebamme in Meyenburg.

Quelle: Wikipedia

‚Der Beruf der Hebamme entwickelte sich aus der Nachbarschaftshilfe. Frauen, die sich in der Geburtshilfe hervorhoben, wurden von der Gemeinschaft der verheirateten Frauen in den Dörfern zur Gemeindehebamme gewählt. Vertreter der Obrigkeit waren zwar häufig bei den Wahlen zugegen, Stimmrecht besaßen sie jedoch nicht. Dies änderte sich auch nicht nach den Versuchen, im 17. und 18. Jahrhundert, diese Wahl ganz der Obrigkeit zu übertragen‘. (aus dem ‚Lexikon zur Zeitgeschichte‘ des Historischen Instituts der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Der Hebammenberuf im Wandel – von der Frühen Neuzeit bis heute).

Hebamme wird Gesche aber wohl vor ihrer Eheschließung noch gar nicht gewesen sein, wie hier zu erfahren ist:

‚An die Hebammen wurden einige Erwartungen geknüpft. Sie brauchten medizinisches Wissen, eine große geburtshilfliche Erfahrung, und es sollten Frauen sein, denen man sich anvertrauen konnte. Das Amt der Hebamme stand nur für Frauen offen, die verheiratet oder verwitwet waren und selbst schon Kinder geboren hatten. Da es für die Hebammen keine regulierten Arbeitszeiten gab, waren es fast immer ältere und sehr häufig verwitwete Frauen, deren Kinder schon groß waren und die über ihre Zeit frei verfügen konnten. Außerdem wurde den älteren Frauen eine größere Lebensweisheit zugesprochen‘.(aus dem ‚Lexikon zur Zeitgeschichte‘ des Historischen Instituts der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Der Hebammenberuf im Wandel – von der Frühen Neuzeit bis heute).

Gesche Dreyers Ehe ist nur von kurzer Dauer – nicht nur Tochter Mette verstirbt im Jahre 1778, auch ihr Ehemann Marten Christoffers muss bereits vor Januar 1779 verstorben sein. Am 28. Januar 1779 heiratet Gesche Christoffers, geb. Dreyer bereits zum 2. Mal. Ihr Ehemann wird der Häusling Marten Hinrich Peek aus Hinnbeck.

Die Familie lebt in Meyenburg und von 1781 bis 1789 werden vier Kinder geboren, die erstaunlicherweise alle das Erwachsenenalter erreichen. Wie muss man sich das Leben einer ‚Häuslingsfamilie‚ im 18. Jahrhundert vorstellen?  Soweit ich weiß, besaßen Häuslinge kein eigenes Land und gehörten zur untersten Schicht der Dorfbewohner. Die Familie war also arm und wird den Lohn, den Gesche als Hebamme erhielt, bitter nötig gehabt haben.

Gesche Peek, geb. Dreyer wird fast 90 Jahre alt. Sie stirbt am 11. März 1838 in Meyenburg. Ihr Ehemann Marten Hinrich Peek muss bereits vor 1805 verstorben sein –   das genaue Sterbedatum ist nicht bekannt. Beke Catharine Peek, Gesches jüngste Tochter, führt den Beruf ihrer Mutter  weiter. Sie wird ebenfalls Hebamme.

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2 Antworten zu Gesche Dreyer, Hebamme in Meyenburg

  1. Sabine Grasse sagt:

    Hallo, die Gesche muss bereits 1776 und nicht erst 1779 geheiratet haben!

  2. Irmi Gegner-Sünkler sagt:

    Hallo Frau Grasse, vielen Dank für den Hinweis – ich hab das korrigiert.

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