Ich habe wieder einmal in den Digitalisaten des Staatsarchivs Stade gestöbert ….
Unter diesen befindet sich auch ein dicker Ordner mit folgender Aufschrift: ‚Acta betreffend die von den Quartals Commissarien eingesandten Designationen über die Classifizierung der Einwohner‚ zur Erhebung der Kontribution und Konsumtionsakzise. Die Regierung benötigt Geld und man möchte zuvor wissen, in welchen Vermögensverhältnissen sich die Bewohner befinden.
Viele Seiten sind online schlecht zu entziffern – wenn man sie nach dem Downloaden ein wenig bearbeitet, klappt das Lesen gut!
Am 11. Februar 1710 befiehlt die Regierung in Stade, in sämtlichen untertänigen Dörfern und Orten eine Klassifizierung der Bewohner in drei Vermögensklassen vorzunehmen – nach diesem Schema:

Das Herzogtum Bremen steht noch bis zum Jahr 1719 unter schwedischer Herrschaft – Adressat des Antwortschreibens ist also der König von Schweden.

Die einzelnen Ämter beschreiben ganz genau, wie sie bei der Erfassung der Vermögensverhältnisse und deren Zusammenstellung vorgegangen sind – es wurde je nach Ort ein wenig anders verfahren.
Das Amt Blumenthal erklärt:
‚damit man nun von einem jeden Zustandt und deßen Vermögen desto gründlicher Nachricht haben möchte; ‚So hat man aus jedem Dorffe zwey Alte und beständige Männer vor der Commission Zu erscheinen Citirt, die man dan An Eydes statt ermahnet, auff desjeniges warumb sie etwa befraget werden möchten, die reine und unbezwingliche Wahrheit auszusagen, worauff man dann zum Wercke selbsten geschritten und die Contributions und Consumptions-Rollen zur Handt genommen, und die Classen darnach gemachet‘.
Die Auflistungen werden ‚in Unterthänigkeit übergeben, mit dem Hinbeyfügen, daß es daselbsten nicht alleine Viele Armsehlige Leuthe gibt, sondern es befinden sich auch darunter viele Häußlinge, die sonsten nichts eigenes haben, alß was sie mit der Handt Täglich alß Taglöhner Verdienen‚ ….
In der Börde Lesum hat man ’nicht auf gantze-halbe Bau oder Kathen allein reflectiret, sondern auf dem itzigen Zustand und gelegenheit, ob Sie in diese Extra-ordinaire Begebenheit einen Vorschub zu thun vermögen oder nicht, die absicht genommen, da bisweilen ein halber Bauermann oder ein vermögender Käther, woll in die Erste, oder andre Classe, dahingegen auch woll ein Bauermann, welcher in schlechten Zusstande stehet, in die andere oder gahr dritte Classe gesetztm, nachdehm man sein Vermögen judiciret‘.
Man trifft sich in der Vorderstube des Wohnhauses von Jost Harbers auf dem Burgdamm!

Gehalten auf dem Burgdamm in Jost Harbers Wohnhaus
Vorderstube, den 21. February Anno 1710 wegen Classificrung
der Eingeseßenen, der Böhrde Leesumb, Ritter-
hude und übrigen Freyen Dämme, auch Troupe
undt St. Jürgen.
Die Bevollmächtigten der Börde Scharmbeck senden eine besonders ausführliche Situationsbeschreibung. Sie sind der Meinung, dass die 3 Klassen nicht an allen Orten gleich gesetzt werden können, und ‚dass die Börde Scharmcke, wo nicht die aller geringste im Lande, demnach eine von denen unvermögensten seye, in betracht eine sehr große anzahl leute darin, wie man zu reden pfleget, von der Hand in den Mund lebete, imdem es Handwerker sind von geringer Nahrung, welche nichts zuthun haben, woferne nicht die Bremer arbeiten lassen, wir aber solches, bey generaler abnahme der Nahrung, nicht mehr so, als woll vorhin geschiehet, so folget daraus, dass fast durchgehens die Kinder dieser, und der ihnen gleichenden Leute, das Brod vor sich, und ihre Eltern, vor anderer Leute Tühren suchen, und diese sind doch von dem H. Commissarius durchgehens in die 3. Classe gebracht.

Wie nun der bekante Circulus in der Welt so ist, dass, wann der geringe Mann nichts hat, oder consumiren kan, der auf ihn folgende, auch nichts habe, weil Er keine Nahrung hat, und dan überdehm die Börde Scharmcke durchgehens, einige Jahre her, gar hart, theils durch Mißwachs, Hagelschaden, am aller meisten aber universaliter, im abgewichenen Jahre, durch den darin erlebten harten Frost, und die darauf erfolgte sehr schlechte Ärnte mitgenommen worden, so, dass sie itzo durchgehens das Brod nicht hat;
Es folgt ein wunderschön formulierter Abschluss ….
‚So stellen wir es lediglich zu Ew. Hochgräfl. Excellenz auch Hochwoll: und Wohlgeb. Gnädig geneigte erwegen, ob und wie, Sie, die armseelige Börde Scharmbcke zu denen bevorstehenden extraordinairen Beytrage consideriren wollen, damit nicht der ordinairen und ordinair-extraordinairen, onera, welche doch aufgebracht werden müßen und sollen, in stocken gerathen.‚
Nachfolgend einige Resultate der Erhebung aus unterschiedlichen Orten. Es fällt auf, dass insgesamt nur sehr wenige Personen der 1. Vermögensklasse zugeordnet werden und dass diese vor allem in Beckedorf und Neuenkirchen ansässig sind. Von meinen eigenen Vorfahren betrifft dies lediglich Johann Vollers und Dierich Burgwall in Beckedorf!







Ein weiterer Bericht aus der schwedischen Zeit des Herzogtums Bremen:


