Ich habe schon oft Tipps für die Familienforschung im Kreis Preußisch Eylau gegeben, aber nun noch einmal einen Überblick über Möglichkeiten der Recherche erstellt:
Möchte man Näheres über seine Vorfahren herausfinden, die im Gebiet des ehemaligen Kreises Pr. Eylau lebten, sollte man zunächst einmal das Kreisgebiet ein wenig kennenlernen, um folgende Fragen beantworten zu können:
- in welchem Ort wohnten sie?
- zu welchem Kirchspiel gehörte dieser Ort?
- zu welcher Zeit lebten sie dort?
Die aus dem Kreis Preußisch Eylau noch vorhandenen Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen sind mittlerweile online auf unterschiedlichen Portalen zu finden. Die Hauptportale sind: ANCESTRY – ARCHION sowie FAMILYSEARCH (die Datenbank der Mormonen), wo eine Reihe von Kirchenbüchern kostenlos einsehbar sind.
Das Allensteiner Indexierungsprojekt wurde leider vorübergehend deaktiviert. Wenn die Seite wieder erreichbar ist, sind dort viele Standesamtsunterlagen – namentlich indexiert – einsehbar!
Momentan findet man sie hier zum Durchblättern:
https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/web/archiwum-panstwowe-w-olsztynie
zum Beispiel:

Zur Orientierung kann zwischendurch ein Blick auf diese Karte hilfreich sein. Hier werden nur die Kirchdörfer des Kreises Pr. Eylau angezeigt – ohne die einzelnen Ortschaften, die zu diesen Kirchdörfern gehören. Man erhält einen guten Überblick über benachbarte Kirchspiele.

Zur Recherche gehört auch, sich mit der Geschichte des Kreises Pr. Eylau zu beschäftigen. Man sollte beispielsweise wissen, dass es bei der Suche nach Unterlagen aus der Zeit vor 1819 sinnlos ist, nach dem ‚Kreis Pr. Eylau‘ Ausschau zu halten – der existierte noch nicht! Von 1752 bis 1818 gehörten die Gebiete der späteren Kreises Pr. Eylau und Heiligenbeil zum Kreis Brandenburg.
1818 wurden die Kreise Kreuzburg und Zinten gebildet. Zu beiden Kreisen gehörten Gebiete des späteren Kreises Pr. Eylau: zum Kreis Kreuzburg u.a. natürlich Kreuzburg – aber auch die Kirchspiele Uderwangen – Dexen – Schmoditten u. Pr. Eylau. Zum Kreis Zinten: Canditten – Guttenfeld – Buchholz – Peisten – Hanshagen – Albrechtsdorf – Landsberg – Reddenau – Eichhorn – Petershagen und Borken.
Im Februar 1819 wurden die Kreise Kreuzburg und Zinten wieder aufgehoben und am 1. April 1819 erfolgt die Gründung des Kreises Pr. Eylau mit 21,75 Quadratmeilen – 3435 Wohnhäusern – 3517 Feuerstellen u. 29 994 Einwohnern. Bis auf geringe Grenzänderungen bleibt der Kreis so bis 1945.

Hat man in den Kirchenbüchern ausgiebig nach Namen und Daten gesucht, ist es sinnvoll, auch andere Quellen zu nutzen, um Näheres über die Lebensumstände seiner Vorfahren oder die Geschichte ihrer Wohnorte zu erfahren. Da sind zunächst einmal Steuerlisten – Amtsrechnungen – Prästationstabellen oder Grundbücher.
Die Namen seiner Vorfahren findet man in amtlichen Unterlagen nur dann, wenn diese auch Amtsuntertanen waren. Diese wurden zu unterschiedlichen Zeiten namentlich erfasst, weil sie Abgaben an die jeweilige Regierung zu leisten hatten oder dem Amt gegenüber bestimmte Auflagen zu erfüllen hatten. Gutsuntertanen werden in amtlichen Dokumenten nicht genannt.
Um bei der Recherche die richtigen Stichworte verwenden zu können, sollte man Folgendes wissen: Um 1600 gehören die Kirchspiele „unseres Forschungsgebiets“ zu unterschiedlichen Ämtern: dem Amt Pr. Eylau – Brandenburg – Bartenstein und Balga.
Dem Amt Pr. Eylau unterstehen um 1600 elf Kirchpiele: Pr. Eylau – Klein Dexen – Eichhorn – Petershagen (unter landesherrschaflichem Patronat) – Landsberg – Canditten (unter dem Patronat der Truchsesse v. Waldburg auf Wildenhoff) – Buchholz – Hanshagen (unter Albrecht v. Creytzen) – Albrechtsdorf (unter Caspar v. Aulack) – Reddenau u. Schönbruch (unter d. Patronat der Familie v. Tettau)
Zum Amt Brandenburg gehören die Kirchspiele: Creutzburg – Dollstädt – Jesau – Mühlhausen – Almenhausen – Abschwangen – Schmoditten – Tharau – Uderwangen
Ins Amt Bartenstein: das Kirchspiel Borken und zum Amt Balga das Kirchspiel Guttenfeld sowie Teile des Kirchspiels Klein Dexen (die Ortschaften Sodehnen – Rositten – Hussehnen – Suplitten und Pompicken)

Steuerlisten – Amtsrechnungen – Prästationstabellen oder Grundbücher findet man so:

Beispiele meiner eigenen Recherche:
Mein Vorfahre Jacob Söcknick (auch Sicknick) lebt von ca. 1642 bis 1725 in Sollnicken (Kirchspiel Kreuzburg). Hier ein Ausschnitt aus den Steuerlisten des Amts Brandenburg aus dem Jahr 1703: Jacob Soecknick ist vom Scharwerk befreit, zahlt dem Amt jährlich 50 Mark und muss außerdem Getreide, Holz sowie eine fette Gans, 4 Hühner und Fisch liefern.

Einnahm Geldt
2 Hub(en) Jacob Sicknick davon er wegen Be-
freyung des Scharwercks giebet 50 Mark
an Gelde, 1 Scheffel Weitzen, 1 Scheffel Roggen,
2 Scheffel Haber, 1 fette Gans, 4 Hüner, 1 Ach-
tel Holtz und 2 Zoll jutes Garn
Mein Ur-Urgroßvater Johann Ludwig Gegner wird 1822 in Eichhorn geboren, heiratet 1850 in Groß Peisten und lebt anschließend mit seiner Familie in Hoofe. Dort zahlt er Steuern für zwei kleine Landflächen, die vom Besitz der Familie Schlick abgetrennt wurden.
Auswertung der Kreisblätter

Die Kreisblätter des Kreises Pr. Eylau sind als Digitalisate auf der Seite der Martin Opitz-Bibliothek zu finden. Hier das erste Exemplar aus dem Jahr 1835!. Das Durchblättern lohnt sich! Beispiel: Der in dem nachfolgenden Inserat erwähnte Carl Westphal ist mein Ur-Urgroßvater, der seine Mühle auf dem Kohnertsberg bei Landsberg 1874 zum Kauf anbietet. Ohne Durchsicht der Kreiblätter hätte ich dies vermutlich nicht erfahren!
Weitere Beispiele:
- Umzug von Steuerpflichtigen innerhalb des Kreises Pr. Eylau
- Ortswechsel bzw. Grundstücksverkäufe im Kreis Pr. Eylau

Archivbesuche
Obwohl mittlerweile viele Unterlagen online einsehbar sind, empfehle ich unbedingt, auch Archive zu besuchen! Bei der Recherche nach Dokumenten zu Vorfahren aus dem Kreis Pr. Eylau sind dies vor allem das Geheime Staatsarchiv in Berlin-Dahlem und das Archiv in Olsztyn!
Im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem befinden sich u.a. die
Ostpreußischen Folianten, 16. – 18. Jahrhundert
Inhaltlich von unschätzbarem Reichtum für die Geschichte des alten „Preußenlandes“ (dem späteren Ost- und Westpreußen), aber auch formal von außerordentlichem archivgeschichtlichen Stellenwert stehen die sogenannten Ostpreußischen Folianten in langen Reihen im Magazin des Geheimen Staatsarchivs. Die über 15.000 Nummern stammen aus den Registraturen von Königsberger Behörden, die ihr Schriftgut nach alten Traditionen in solchen „Folianten“ und damit in einer interessanten Übergangsform zwischen spätmittelalterlichen Amtsbüchern und frühneuzeitlichen Akten organisierten. (Quelle: https://agoff.de/?p=53465)
Eine spannende Quelle sind zum Beispiel die vielen noch vorhandenen Hausbücher:

Beispiele aus
XX.HA Ostpr. Fol. 284/2 Hausbuch Gr. Peisten
Auswertung: Der Krug in Peisten, Pr. Eylau

Online-Suche in den Beständen des GStA – mit einem Klick auf die Suchmaske sollte man dort landen!



Online-Suche in den Beständen des Staatsarchivs Olsztyn – mit einem Klick auf die Suchmaske sollte man dort landen!

Bei der Suche nach ‚Worienen‚ werden u.a. folgende im Archiv vorhandene Akten angzeigt, die anhand der angegebenen Signatur vorbestellt werden können:

Eine weitere interessante Quelle sind die Archivalien des Königsberger Etatsministeriums. Viele von ihnen wurden vom Staatsarchivs Allenstein digitalisiert. Sie sind hier einsehbar: https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/strona_glowna
Man findet die Akten, wenn man bei der Suche anklickt, dass man nur Fotos und Scans sehen möchte! Am sinnvollsten ist es jedoch, direkt unter den Digitalisaten des Archiwum Państwowe w Olsztynie zu suchen- siehe oben! Man muss geduldig sein, da die Bezeichnungen der Dokumente manchmal etwas verwirrend sind – ab und zu auch nur in polnischer Sprache.


Beiträge zu diesen Unterlagen:
- Höfe und Katen in Canditten, Pr. Eylau
- ‚Vorzügliche Personen‘ im Kirchspiel Canditten
- Unterstützung aus der Armenkasse in Canditten, Pr. Eylau

Suche in Zeitungen




Digitalisierte Literatur
Ab und zu ändern sich leider die Links, aber diese Angaben sind aktuell (17.9.2026)
- Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch für die Provinz Ostpreussen
- Guttzeit, Emil Johannes: Natangen
- Kenkel, Horst: Schulen und Lehrer im Regierungsbezirk Königsberg 1810/13
- Die preussische Monarchie – Leopold Krug
- Nachricht von der Schlacht bei Preussisch-Eylau am 8. Februar 1807
- Behnisch, Johann G.: Versuch einer Geschichte der Stadt Bartenstein
- Guddat, Wilhelm: Die Entstehung und Entwicklung der privaten Grundherrschaften in den Ämtern Brandenburg und Balga (Ostpreußen)
- Goldbeck, Johann Friedrich: Volständige Topographie des Königreichs Preussen
- Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Königsberg
- Kunstdenkmäler im Kreis Preussisch Eylau
Die Bücher von Horst Schulz sollte eigentlich jeder einsehen, der sich mit der Geschichte des Kreises Preußisch Eylau und dem Leben der damaligen Bewohner befassen möchte. Manchmal findet man sie noch antiquarisch – fast immer jedoch zu horrenden Preisen!
Horst Schulz: Der Kreis Preußisch Eylau, Geschichte und Dokumentation eines ostpreußischen Landkreises, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau
Horst Schulz: Die Städte und Gemeinden des Kreises Preußisch Eylau, Geschichte und Dokumentation, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau
Horst Schulz: In Natangen – Der ostpreußische Landkreis Preußisch Eylau in 1470 Bildern, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau
Auch mein ‚Genealogie-Tagebuch‚ hat eine Suchmaske – vielleicht findet ihr auch auf diesem Weg Informationen zu Orten des Kreises Pr. Eylau oder zu Familien, die dort ansässig waren. Im Verlauf der vergangenen 20 Jahre hat sich dort einiges angesammelt.











