Von 1815 bis 1863 heißt der Lehrer an der Blumenthaler Hauptschule Martin Gerhard Meierdierks.
Martin Gerhard Meierdierks wird am 27. Januar 1789 als Sohn des Ratsdieners Conrad Meierdierks und dessen Ehefrau Mette Dorothée Meiers in Bremen geboren und am 1. Februar in der Ansgari Kirche getauft. Er ist bereits Lehrer in Blumenthal, als er am 31. Juli 1816 in Bremen Rebecca Bäckmann heiratet, eine Witwe des Bremer Bürgers und Bierbrauers Lüder Mensing und Tochter des Bürgers und Kaufmanns Henrich Bäckmann und Anna Tölke.
Sein Vater war bereits vor 1816 verstorben – die Mutter stirbt am 23. Juni 1822 im Alter von 64 Jahren in ihrer Wohnung in der Ansgarikirchgasse Nr. 15.
Martin Gerhard Meierdierks unterrichtet in Blumenthal u.a. auch den späteren Schiffskapitän und Marinemaler Fritz Müller, der von ihm 1830 auch konfirmiert wurde.
Lehrer Meierdierks wird bereits in meinem vorherigen Beitrag von Pastor Theobald in dessen Berichten an die Schulinspektion ‚als ein sehr vielseitig gebildeter, in den Schulwissenschaften wohl unterrichteter Mann‘ gelobt, bei dem ’sich auch ein lobenswerthes Streben‚ zeige, ‚durch seine Kenntnisse nützlich zu werden‚. Weiterhin schildert der Pastor: ‚Seine Handschrift sowie seine Fertigkeit im Rechnen ist ausgezeichnet gut. Gegen die Disciplin in der Schule ist nichts zu erinnern. Sein Lebens-Wandel ist untadelhaft‚
Dass die Handschrift von Herrn Meierdirks wirklich ausgezeichnet ist, können auch wir fast 200 Jahre später noch begutachten, denn am 13. Oktober 1828 wendet sich der Lehrer mit einem persönlichen Schreiben von Blumenthal aus an den Superintendenten in Osterholz. Auf diese Weise erfahren wir auch Genaueres über die schwierigen Bedingungen, unter denen Herr Meierdierks seinen Dienst in Blumenthal antrat und ausübte. Er schreibt:
‚Als ich im Jahr 1815 mein Amt als Schullehrer hieselbst antrat, fand ich ein Schulzimmer von 550 fuß, mit einer Decke von nicht 8 fuß Höhe, das Ganze in jeder Hinsicht im traurigsten Zustande, und in diesem Locale 250 Kinder zu unterrichten. So aufrichtig mein Eifer war, so mußte ich doch nothwendig sogleich die Erfahrung machen, daß es unmöglich sey, bei solchen Mitteln viel Gutes bewirken zu können. Bey denjenigen Mitgliedern der Gemeine, deren nähere Bekanntschaft ich machte, und denen ich meinen Plan zur Vergrößerung des Schulzimmers und zur Anstellung eines Gehülflehrers mittheilte, fand ich indessen Theilnahme und glaubte nun, voll Enthusiasmus, aber jung, und ohne vollständige Kenntniß meines Terrains, auf den allgemeinen Sinn der Gemeine für eine gründliche Schulverbesserung rechnen zu dürfen.
Ebenso wurde mir, bey der im Jahre 1817 hier abgehaltenen General-Kirchenvisitation, vom Herrn Generalsuperintendenten Hoffnung gemacht, daß ein Unterlehrer hier angestellt werden würde.
Demzufolge legte ich dem Königl. Consistorio einen Plan zur Erweiterung und zweckmäßigeren Einrichtung des Schulzimmers, der auf Anstellung eines zweiten Lehrers berechnet war, vor; und hatte das Vergnügen, diesen Plan gebilligt zu sehen. Der Bau der Schule wurde vom Consistorio verordnet, verzögerte sich aber, weil jetzt schon Spaltungen in der Gemeine entstanden, bis ins Jahr 1819, wo er endlich vor sich ging.
Während dieser Zeit erschien das Consistorial-Decret, welches die Anstellung eines Unterlehrers an denjenigen Schulen verordnet, worin 110 und mehrere Kinder unterrichtet werden. In der Ueberzeugung, daß die mit einer solchen Anstellung verbundenen großen Kosten, mir, als vor diesem Gesetz, an einer Schule angestellten Lehrer, wo niemals ein Unterlehrer gehalten worden war, nicht zur Last fallen könnte, wandte ich mich mit der Bitte an Königl. Consitorium, deshalb mir eine günstige Bestimmung zu erlassen; erhielt aber die Weisung, dass ich mich deshalb mit der Gemeine zu verständigen habe.
Hier fand ich nun leider, daß ich mich, den Gemeinsinn derselben betreffend, sehr verrechnet hatte. Meine billigsten Wünsche und Vorschläge wurden von den deshalb Bevollmächtigten, als ihnen durchaus nicht angehend, verworfen. Ich gab indeß die Hoffnung nicht auf, nahm auf meine Kosten einen fähigen Gehülfen an, und erwartete mit Gewißheit, daß der erwiesene Erfolg eines zweckmäßigen Unterrichts ihrer Kinder sie billiger gemacht haben würde. Ich habe dies 3 Jahre lang mit Aufopferung eines bedeutenden Theils meiner Einnahme fortgesetzt; aber vergebens. Neue Vorschläge wurden so wie die früheren zurückgewiesen. –
Unter diesen Verhältnissen sah ich mich also genöthigt, den Unterricht wieder allein zu übernehmen, da bey meiner geringen und seit meines Dienst Antritts noch sehr geschmälerten Einnahme, ich nicht im Stande bin, die Verbesserung des Unterrichts, die mir jährlich wenigstens 120 Grote kostet, für die ganze Gemeine aus meiner Tasche zu bezahlen!
Zu dieser Zeit, als die Neurönnebeker, eigenmächtigerweise eine Nebenschule für ihre Dorfschule errichtet hatten, fingen einige Alt-Rönnebeker an, ihre Kinder entweder in diese oder in die Nebenschule zu Farge zu schicken, und zu meinem großen Nachtheile mußte ich erfahren, daß der Eifer, mit dem ich die Gemeine auf die Mängel des bisherigen Unterrichts und auf Verbesserung desselben, aufmerksam gemacht hatte, nur dazu gedient hatte, Nebenschulen zu begünstigen und mir in pecuniairer Hinsicht großen Schaden zuzufügen, da, wie Ew. Hochehrwürden erinnerlich seyn wird, für Rechenunterricht halbjährig 51 Grote, für die übrigen Schüler aber nur 15 Grote Schulgeld vergütet wird.
Bald nach Errichtung der Neurönnebeker Nebenschule, etablirte ein Frauenzimmer namens Hilken, aus Bremen, ohne Erlaubniß dazu nachzusuchen, zu Alt-Rönnebek ebenfalls eine Anstalt, die anfangs unter dem Namen einer Unterrichtsanstalt für weibliche Arbeiten ins Leben trat, bald aber als wirkliche Nebenschule sich zeigte, indem diese Person anfing größere Kinder, die zu meiner Schule gehörten, an sich zu ziehn, und solche sowohl des Tages zu gewöhnlicher Schulzeit, als auch Abends in der Religion, im Rechnen, Schreiben und Lesen zu unterrichten.
Eine zweimalige Weisung des Pastor Theobald, sich in ihrem Unterricht auf Kinder bis zu 6 Jahren zu beschränken, wie unser Lagerbuch solches vorschreibt, ist ohne Erfolg geblieben, und sie soll bis diesen Augenblick an 30 Kinder unterrichten.
Mit dem neuesten Vorfall dieser Art sind Ew. Hochehrwürden schon bekannt; ich wiederhole deshalb nur, daß der Mann, welcher mit seiner Frau, gemeinschaftlich, eigenmächtigerweise eine Nebenschule errichtet hat, von Raden (von Rahden) heißt, in Blumenthal selbst wohnt, und an die 30 Kinder, ebenfalls in der Religion, im Rechnen, Schreiben und Lesen unterrichtet.
Um zu zeigen, wie groß mein Verlust durch das Etablissement dieser Nebenschule ist, brauche ich wol nur zu bemerken, daß in hiesiger Gemeine im Durchschnitt 280 schulpflichtige Kinder sind, und daß ich im vorigen Winter 136 und in diesem Sommer 93 Kinder auf meiner Schulliste hatte; nicht zu gedenken, was ich dadurch an Privatunterricht verliere.
Dieses, Ew. Hochehrwürden, ist die gegenwärtige Lage der hiesigen Hauptschule. Daß ich, der ich mit aufrichtigem und redlichem Eifer das Gute gewollt, und darnach gestrebt, unmöglich ruhig dabey seyn kann, sondern mich sehr unglücklich fühlen muß, wenn ich sehe, daß meine guten Absichten mißgedeutet, und meine Pläne für das Bessere bis jetzt so ganz gescheitert sind, brauch ich wol nicht zu erwähnen.
Mit festem Vertrauen auf Ew. Hochehrwürden bekannten Eifer für die Beförderung des Guten, und erlauben Sie mit hinzuzufügen, auch auf ihr mir so gütig gezeigtes Wohlwollen, ergeht deshalb meine gehorsamste Bitte an Ew. Hochehrwürden: Dieselben wollen sich gewogentlich dahin verwenden, daß die genannten, eigenmächtig errichteten Nebenschulen aufgehoben, und ein Fand zur Salarirung und Unterhaltung eines Unterlehrers an hiesigen Hauptschule ausgemittelt werde.
Mit der vollkommensten Hochachtung verharret

Ew. Hochehrwürden
gehorsamster Diener
Meierdirks
Blumenthal, d. 13ten October 1828
Quelle: Visitationen in der Inspektion Osterholz – Laufzeit -1827-1834 -Enthält die Kirchengemeinden Ritterhude, Scharmbeck, Hambergen, Osterholz, Blumenthal, Neuenkirchen, Lesum und Worpswede




