Bittere Tränen wegen der weggeführten Kinder ….

Bei der Durchsicht von Kirchenbüchern achte ich immer auch auf chonikalische Aufzeichnungen der Pastoren, die man in vielen Büchern finden kann. Die Pastoren berichten oft hautnah über Geschehnisse in ihrer Umgebung oder über besondere Ereignisse des Weltgeschehens.

Die nachfolgenden Ausschnitte stammen aus dem Kirchenbuch von Rüsseina – nicht weit entfernt von Meißen in Sachsen. In dieser Kirche – wie auch in denen von Krögis, Planitz, Raußlitz und Ziegenhain werden in der Zeit von etwa 1550 bis 1800 eine Reihe meiner Vorfahren getauft, bestattet oder verheiratet.

Diese Aufzeichnungen wurden verfasst von Johann Gottlob Stöckel, seit 1742 Pfarrer in Rüsseina, vorher Feldprediger im Kürrasierregiment. Er schreibt:

Dieses 1745ste Jahr war sehr merckwürdig. Imo (in der Tat) starb der Kayser Carolus VII d. 20 Jan: nachdem er nur 3 Jahr und zwar in der größten Unruhe regiret hatte(,) denn 1742 im Monat Januario war die Wahl vollzogen worden. Sein Alter war 47 Jahr, 5 und 1/2 Monat; die Zeit seiner Regierung im Churfürstenthum Bayern 19 Jahr weniger 1 Monat. Im Kayserthum aber von dem Wahltage an 3 Jahr weniger 3 Tage.

Seit 1744 tobt der Zweite Schlesische Krieg, bei dem auch Sachsen sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Friede von Dresden (auch: Dresdener Friede, Dresdner Friede oder Friede zu Dresden) war ein am 25. Dezember 1745 in Dresden unterzeichneter Friedensvertrag zwischen Preußen, Österreich und Sachsen. Er beendete den Zweiten Schlesischen Krieg. Während König Friedrich II. von Preußen mit Frankreich verbündet war, bildete Österreich unter Maria Theresia eine Allianz mit Sachsen, Großbritannien und den Niederlanden. (Wikipedia)

Die preußischen Soldaten verlassen Sachsen, aber sie zwingen viele junge Männer, mit ihnen zu kommen. Der Pfarrer von Rüsseina berichtet:

Am 27. Decembr gieng der König in Preußen von Dreßden ab, am 28. zog die Guarnison aus. Am 1. Jan(uar) 1746 verließen sie leipzig, und in wenigen Tagen drauff das gantze Land. Aus Dreßden wurden vom König in Preussen über 40 Cadets mitgenommen, von welchen kaum 3 oder 4 ihr Vaterland wieder gesehen haben, da doch diese, als Edelleute, gleiche Kriegs Freyheiten, als Officiers zu geniessen haben.

Zugleich wurden auch die Knaben aus den Casernen, welche blau gekleidet waren, alle nach Brandenburg geschlept, desgleichen 3000 wohlgewachsne junge Mannschafft von der landmilitz, welche die Preussen auff dem Marsch übel sollen tractirt haben, sie des Nachts in die Kirchen gesperrt, dass manche darinnen erfroren sind.

Und ob es gleich bey dem frieden geheissen: sie solten wiederum ausgeliefert werden, so sind doch die allermeisten Dienste zu nehmen gezwungen worden, und in die äußerste Grentzen der Brandenburgschen Lande hin und her zerstreut worden, dass viele Eltern im Lande noch bittere Thränen wegen ihren weggeführten Kindern vergießen müßen.

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