Bitte keine Stachelbeeren mehr!

Im Gegensatz zu meinem ostpreußischen Großvater Carl Ludwig Gegner, der nicht einmal 29 Jahre alt wurde und während des 1. Weltkriegs – im Mai 1915 – in Gallizien verstarb, hatte mein Großvater Hinrich Haesloop Glück! Er überlebte beide Kriege.

Hinrich war Seemann und fuhr als Maschinist auf verschiedenen Dampfschiffen durch die Welt. Hier sieht man ihn (2. von links) gemeinsam mit anderen Seeleuten auf dem Dampfschiff Heimburg.

Aber auch Hinrich musste im 1. Weltkrieg selbstverständlich ‚dienen‚. Es lag nahe, dass er zur Marine eingezogen wurde. Aufgrund der Adresse auf einer Feldpostkarte, die ihm im März 1915 von seinem Schwager Georg Kröger von Vegesack aus gesandt wurde, weiß ich, dass Hinrich Haesloop zu dieser Zeit der 1. Werftdivision Abt. I in Kiel-Wik – einer militärischen Einheit der Kaiserlichen Marine angehörte – und in Kaserne Nr. 9 in der Stube 35 untergebracht war.

Georg Kröger schreibt u.a.: ‚ (Lieber) Hinrich! Wir haben d(ie) ganzen Tage schon auf dich gewartet, da du doch an Anna geschrieben hattest, daß Du auf Urlaub kommen wolltest‘.

Irgendwann muss er dann wohl wirklich ‚auf Urlaub‘ bei seiner Frau Anna in Blumenthal gewesen sein – denn am 28. Dezember desselben Jahres wird seine Tochter – meine Mutter – geboren!

Meine Großeltern Hinrich und Anna Lisette wohnten in Blumenthal in einem schönen alten Haus und besaßen einen riesigen Garten, in dem alle nur denkbaren Obst– und Gemüsesorten angebaut wurden. Es gab Kartoffeln, Bohnen, Äpfel, Birnen, Kirschen und auch Stachelbeeren!

1916 erhält meine Großmutter in Blumenthal diese Karte von ihrem Ehemann aus Kiel:

Mein Großvater Hinrich Haesloop steht ganz links!

Auf der Rückseite der folgende Text:


Liebe Anna!

Besten Dank für deinen Brief und Paket. Leider muß ich dir mitteilen, daß die Stachelbeeren schlecht waren, deshalb sende bitte keine wieder. Danke bestens für die Adressen, denn wie ich eingeliefert wurde, hatte ich garnichts mitgenommen. Muß noch einige Tage hier bleiben zur Beobachtung, denn es ist festgestellt worden, daß ich die Ruhr gehabt habe. Schreibe bitte bald wieder. Hoffentlich geht es der kleinen gut.

Es grüßt vielmals Heinrich

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