Eine Reihe von Nachkommen des Schafmeisters Israel Iltzig findet man über mehrere Generationen in der sächsichen Bergbaustadt Freiberg.

Auch Carl Heinrich Jacob Iltzig kommt am 20. April 1810 als Sohn von Carl Friedrich Iltzig und dessen Ehefrau Christiana Friederica Kaufmann in Freiberg zur Welt. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater und Urgroßvater väterlicherseits waren im Bergbau tätig. Carl Heinrich Jacob möchte ihnen nachfolgen – auch er will Bergmann werden.
Zur Familie: Johann David Iltzig – Urgroßvater von Carl Heinrich Jacob – ist ein Sohn des Schafmeisters Israel Iltzig. Er gründet zunächst eine Familie in Müdisdorf, zieht um 1753 jedoch mit Ehefrau Johanna Rachel Magdalena Griebe und den Kindern nach Freiberg, wo er 1763 als Berghauer verstirbt. Sohn Carl Gottlob Iltzig – Carl Heinrich Jacobs Großvater – wird 1751 noch in Müdisdorf geboren. 1776 heiratet er als Berghauer in Freiberg Christiana Dorothea Lehnert, eine Tochter des Berghauers Christian Friedrich Lehnert und seiner Ehefrau Maria Sophia Straßburger. Carl Friedrich Iltzig – Vater von Carl Heinrich Jacob Iltzig – kommt 1776 in Freiberg zur Welt, dessen Ehefrau Christiana Friederica Kaufmann (Carl Heinrich Jacob Iltzigs Mutter) ist die Tochter eines ‚wohl bekannten Bürgers, Gold und Silber wie auch Seiden Knopfmachers‘.
Am 28. Juni des Jahres 1825 formuliert der 15jährige Carl Heinrich Jacob Iltzig sein ‚Gehorsamstes Gesuch‚ an die Freiberger Bergschule und bittet darum, man möge ihn dort als ‚Bergschulzögling‚ aufnehmen. Genau schreibt er (ein wenig fehlerhaft):
Da ich nun in mein sechzehntes Lebensjahr vorgerückt bin und während den in mir der Wunsch und die schon längst erregte Neigung zum Bergbau zur Bestimmung geworden ist, weil ich aus bergmännischen Geblüte abstamme, welches mir keine Ruhe läßt, die Bergbauwissenschaften zu erlernen, und wo könnte ich dieß am ersten als in der hiesigen Bergschule unter der Leitung des soweit berühmten Hern Professor Hechts erlangen.
Ich habe mich von sechs meinen Jahre an dem Schulwissenschaften gewidmet, und bin doch so weit wie ich mir schmeicheln darf, damit vorgerückt, daß ich die Wissenschaften eines neuen Bergschulzöglings zu besitzen glaube.
Darum wage ich es, Ein Königl(ich) Wohllöbliches Bergamt gehorsamst zu bitten.
Bey Einem Königl. Hochverordneten Oberbergamte mir die Aufnahme auf hiesige Bergschule in bevorstehenden neuen Schuljahren geneigtest auszuwirken. Die gütige Willfahrung meiner gehorsamten Bitte würde ich stets mit dem größten Dank erkennen und mit der größten Hochachtung verharren Eines Königl. Sächsischen Wohllöblichen Bergamts
ganz gehorsamster
Carl Heinrich Jacob Iltzig
Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 1721
Die jungen Männer, die – wie Carl Heinrich Jacob Iltzig – beim Freiberger Bergamt um Aufnahme bitte, fügen ihren Anschreiben ganz unterschiedliche Beweise ihrer Fertigkeiten bei – einige dokumentieren ihre Schönschrift, andere ihre Rechen– oder Zeichenkünste. Einige Beispiele:





Carl Heinrich Jacob Iltzig sendet diese Skizze mit:

Dem weiteren Schriftverkehr ist zu entnehmen, dass Carl Heinrich Jacob Iltzig aufgenommen wird und die Bergschule von 1825 bis 1826 besucht. Danach scheint leider nicht alles so gelaufen zu sein wie er es sich erhofft hatte. Am 2. August 1726 wendet sich seinVater mit diesem rührenden Schreiben an die Schule:
‚Ganz gehorsamste Vorstellung und Bitte !
‚Soweit als gehorsamst unterschriebener von seinen Voreltern Kenntniß hat, so war schon seyn Großvater ein Bergmann, und bis jetzt noch scheint die Lust zu diesen Fache nicht aus meinem Geschlechte weichen zu wollen, da ich mit den Mühen und Beschwerden des Bergmanns durch neunzehnjähriges Anfahren mehr als zusehr bekannt – wohl wünschen durfte, daß meine Kinder sich einen andern Broderwerb wählen würden; auch ließ ich es mir an mancherley Vorstellungen fehlen, und suchte das Beschwerliche dieses Faches von allen Seiten darzustellen, allein wenn mir auch nicht wiedersprochen wurde, so kamen an dessen Stelle Bitten, und die Versicherung, daß ich als Vater gewiß ihr Glück wünsche, und sie wünschten sich nicht besseres, als den Weg ihres Vaters und Großväter zu betreten, und da diese als ehrliche Leute gelebt, so würde es ihnen doch auch so gehn;
Da es nun unbillig wäre, Zwangsmittel zu ergreifen, so willigte ich vor der Hand in den Wunsch meines ältesten Knaben unter Abnahme des Versprechens, daß er sich alle Mühe im Schreiben, Rechnen, Zeichnen usw. geben wolle, damit wenn ich seine körperliche Beschaffenheit für fähig halten würde, er nicht allein mechanisch mit der Handarbeiten lerne, durch etwas Vorkenntniß auch als denckendes Wesen seinen Kopf zu Hülfe nehmen, um dadurch den practischen merklichen Vorschub leisten zu können.
Aus dieser Absicht suchte ich ganz gehorsamst, daß mein Knabe Theil an der Bergschule nehmen könne, welche er nun auch bereits ein Jahr besucht hat und vorletzt verfloßnen Weihnachten gab ich mir auch Mühe, ihn in Arbeit zu bringen; allein da der Wassermangel zu dieser Zeit sehr groß war, und viele Bergleute in Gefahr standen abgelohnt zu werden, trat ich recht gern zurück, zumahl ich die Verströstung erhielt, daß sobald diesen Uebel abgeholfen auf mich billige Rücksicht solle genommen werden, allein da ich vor einiger Zeit mein Netz wieder in Hoffnung auswerfe, so will es verlauten, daß eine Verfügung getroffen, nach welcher jeder, der an der Bergschule Antheil nehmen will, erst drey Jahr müsse eingefahren seyn.
So sehr ich nun als Bergmann in Ordnung, Pünktlichkeit und Gehorsam gewöhnt bin, auch diesen Tugenden nie entgegen zu seyn wünsche, und wäre diese Verfügung eher, oder mir bekannt gewesen, ich mich gewiß folgsam gegen solche bewiesen haben würde; umso viel schmerzhafter aber würde es für mich seyn, wenn ich der erste wäre, der ohne sein Verschulden weder aus Leichtsinn noch Ungehorsam nach so manchen mir gewiß sauer gewordnem Aufwand, sollte abgewiesen werden.
Es ergehet daher an Ew. Hochwohl Wohl und Hochedelgeb(oren) mein gehorsamstes Bitten daß Dieselben, nach Dero allgemein anerkannten Gerechtigkeitsliebe, so nothwendig auch diese neuren Verfügung rücksichtlich der Bergschule sein mag, meinen Knaben, der schon seit einem Jahr theil an dieser Anstalt nahm, und der ebenso wenig als ich davon in Kenntniß gesetzt war, deshalb den ferneren Antheil daran, oder des Anfahrens zu befinden, als wodurch ich in die größte Verlegenheit gesetzt würde, zumahl es fast zu spät seyn würde, wieder etwas anderes zu wählen, und Dieselben doch zu jeder zeit, Bergleuten und deren Kinder ganz vorzüglich berücksichtigten.
In Erwartung der Erfüllung meiner ganz gehorsamsten Bitte, habe ich die Ehre, lebenslänglich mit der vollkommsten Hochachtung zu seyn
Ew Ew Hochwohl Wohl und Hochedelgebohrnen Herrn
ganz gehorsamster Diener Carl Friedrich Iltzig (,) Ablader in Eines Edeln Ratswage
Als Ablader der Ratswaage (dem städtischen Waagehaus) hat Carl Friedrich Iltzig die Aufgabe, die angelieferten Waren und Güter von den Fuhrwerken und Karren ab- und wieder aufzuladen, damit sie auf der städtischen Waage gewogen werden konnten
Einige Tage später – am 4. August 1826 – verfasst Professor Daniel Friedrich Hecht eine Beurteilung seines Schülers Carl Heinrich Jacob Iltzig.
‚Daß Karl Heinrich Jakob Iltzig seit Michaelis 1825 die akademische Bergschule nicht nur besuchet, sondern sich auch hierbey nach seinen Kräften so gezeigt hat, daß man mit seinem bewiesenen Fleiße zufrieden seyn kann wird hiermit attestiret. Freyberg, den 2ten August 1826 Daniel Friedrich Hecht(,) Professor und erster Lehrer an der Bergschule.
(Das klingt in etwa so, als würde er sagen: „Er hat sich stets bemüht!“)
Am folgenden Tag wird der ‚ganz gehorsamsten Bitte‘ des Vaters eine Notiz der Schule hinzugefügt, die besagt, dass der “junge Iltzig‚ aufgrund seiner ‚bedenklichen Gesundheitsumstände‚ und seiner ‚geringen Fähigkeiten‚ abgelehnt wird.
Was mag wohl aus ihm geworden sein ………….. ???






