Die Scharffetter-Kutsche

Der Name Scharffetter ist mir seit meiner Kinderzeit vertraut, da meine ‚Tante Elisabeth‘, geborene Scharffetter, in die Familie meiner Lüssumer Vorfahren  einheiratete. Ich erinnere mich auch an Franz Scharffetter, ihren Vater, der auf der ‚Großen Dunge‚ im Werderland bei Lesum lebte und den wir ab und zu dort besuchten.

Die „Große Dunge“ im Werderland in Burg-Grambke war über Jahrhunderte ein Landgut Bremer Kaufleute. Im Zuge der Klöckner-Ansiedlung (Stahlwerke) in den 1950er Jahren kaufte die Stadt Bremen das Gut und verpachtete es an einen Pferdezüchter. 1973 ließ die Stadt die Gebäude abreißen. Das Gelände mitsamt Garten, Hecke, Park, Fischteichen und Obstwiese verwilderte und bietet heute einen wunderbaren Naturerlebnisraum‘. (www.bund-bremen.net)

Der im obigen Text erwähnte Pferdezüchter war Franz Scharffetter. Er wurde am 7. Januar 1897 in Kallwischken – nördlich von Insterburg – geboren. Sein Vater war der Gründer des dortigen Trakehnergestüts. Im vergangenen Sommer muss ich bei meiner Reise durch Litauen ganz in der Nähe von Kallwischken gewesen sein. Mit einer Kutsche und einigen seiner Pferde gelang Franz Scharffetter 1945 die Flucht über das vereiste Haff in den Westen. Heute befindet sich die Kutsche im Kutschenmuseum in Trupe. Zufällig entdeckte ich dieses Foto in einem Heft des Heimatvereins Lilienthal.

Die Familie Scharffetter stammt ursprünglich aus dem Salzburger Raum. Die Pferdezucht wurde auch nach dem Krieg weiter betrieben. Mehr darüber ist hier nachzulesen. Informationen zu Kallwischken und Photos finden sich hier.

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1 Antwort zu Die Scharffetter-Kutsche

  1. Dieter Wermbter sagt:

    Es ist interessant noch etwas von dem Trakehner Pferdezüchter Franz Scharfetter zu hören. Das Gut meines Großvaters Joseph Wiesberger in Kalwischken oder Aulowönen (später Hengstenberg) lag in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Gestüt und sie kannten sich bestens. Im Gegensatz zu Franz Scharfetter konnte sich mein Großvatew im Januar 45 bei der großen Flucht nicht von seinem Besitz trennen. Er kehrte nach wenigen Kilometern zu seinem Hof zurück um wenig später von den Russen ermordet zu werden. Die große Leistung von F. Scharfetter war es, trotz aller Widrigkeiten der Flucht mit einem kleinen Bestand seiner Trakehner Pferde den halbwegs sicheren Westen zu erreichen und somit zur Rettung dieser außergewöhnlichen Pferderasse beigetragen zu haben.

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