Die Chronik von Landsberg, Pr. Eylau, in der Heimatstube

Auch in diesem Jahr konnte ich mir die Chronik von Landsberg, an deren Erstellung auch Friedrich Ankermann, der Bruder meiner Urgroßmutter mitgearbeitet hat, leider nicht ansehen. Verwahrt wird diese Chronik in der Heimatstube der Kreisgemeinschaft Pr. Eylau in Verden.

Nachdem im vergangenen Jahr während der Öffnungszeiten der Heimatstube die im Programm angekündigte Führung nicht stattgefunden hatte und niemand anwesend war, der Auskunft geben konnte, hatte ich diesmal vorgebeugt und 4 Wochen vor dem Treffen der Kreisgemeinschaft eine Email an den Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft und zwei weitere Funktionsträger gesandt. Darin stand u.a.: ‚Ich hoffe sehr, dass der Besuch der Heimatstube in diesem Jahr allen Interessenten ermöglicht wird und dass es mir endlich gelingt, die in der Heimatstube aufbewahrte Chronik von Landsberg, an der auch der Bruder meiner Urgroßmutter mitgeschrieben hat, in Augenschein zu nehmen‘.

Ich erhielt keine Antwort auf diese Mail und ging davon aus, dass es nun endlich klappen würde – zumal in diesem Jahr ein Herr anwesend war, der sich mit den in der Heimatstube verwahrten Dingen bestens auskennt und meine Mail ebenfalls erhalten hatte.

In einer Vitrine des Raumes entdeckten wir ein aufgeschlagenes, altes Buch und fragten uns, ob es sich dabei möglicherweise um die alte Landsberg-Chronik handeln könne. Auf meine Nachfrage wurde uns mitgeteilt: ‚Nein, das sei ein anderes Buch‚ – ‚die Landsberger Chronik sei eingeschlossen‚ – ‚der Schlüssel sei nicht da‘‚die Vereinssatzung sähe auch nicht vor, dass dieser Schrank an einem solchen Tag zu öffen sei‘‚meine Mail sei auch nicht eingetroffen‘ und ‚ich möge einen Extra-Termin absprechen, zu dem ich dieses Buch dann ansehen könne.‘ Mein Hinweis, das wäre schwierig für mich, ich hätte kein Auto und wohnte relativ weit von Verden entfernt, spielte keine Rolle.

Abgesehen davon, dass es in diesem Fall kein Aufwand gewesen wäre und nur etwas guten Willens und möglicherweise einiger Schritte durch den Raum bedurft hätte, um mir das Buch zumindest einmal zu zeigen, frage ich mich, für wen und zu welchem Zweck diese aus dem Kreis Pr. Eylau noch vorhandenen Materialien in der Heimatstube eigentlich verwahrt werden – wenn nicht zur Ansicht für die ehemaligen Bewohner des Kreises und deren Nachkommen!? Warum wird nicht gerade ein solcher Tag, an dem  sich vermutlich mehr Besucher in der Heimatstube aufhalten als während der übrigen Zeit des Jahres, dazu genutzt, die noch vorhandenen ‚Schätze‘, zu denen auch diese alte Chronik von Landsberg gehört, den Interessenten unter Aufsicht zu präsentieren!? Das hätte sicherlich auch viele andere Besucher gefreut, die von weither angereist waren.

Immer wieder wird erwähnt und oft beklagt, dass sich die Anzahl der Besucher an den Treffen der Kreisgemeinschaften von Jahr zu Jahr verringert. Grund ist vor allem die Tatsache, dass viele der noch in Ostpreußen Geborenen mittlerweile verstorben sind bzw. ein hohes Alter erreicht haben und sich weite Fahrten nicht mehr zutrauen. Umso erstaunlicher ist es, dass interessierten und begeisterten Nachfahren dieser ‚Erlebnisgeneration‚ nicht freundlicher und entgegenkommender begegnet wird.

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3 Kommentare zu Die Chronik von Landsberg, Pr. Eylau, in der Heimatstube

  1. Hans-Joachim Liedtke sagt:

    Hallo aus dem Norden !
    Stimme Ihnen voll zu, die Kreisgemeinschaft scheint die ihr zur Verfügung stehenden Unterlagen wie eine Geheimsache zu behandeln. Seit Jahren steht auf der Internetseite der Kreisgemeinschaft, dass einige Unterlagen digitalisiert werden, ja wann kommen die denn? Bei Anfragen wird zwar höflich auf die anderen Institutionen (EZAB , Leipzig usw.) hingewiesen aber auf deren Seite rührt sich nichts! So muß sich die Kr.-Gemeinschaft nicht wundern, wenn das Interesse nachläßt. Ein paar Kr.-Gemeinschaften haben nach demselben Verfahren gearbeitet und müssen nun wegen Geldmangel und Desinteresse aufgeben oder sich mit Anderen zusammenschließen .
    Die neue Computergeneration gibt sich nicht mit Vertröstungen ab, es muß doch Möglichkeiten geben, Interessierten, die z.B. wie ich körperlich oder aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind in Verden mitzuarbeiten, Sache , Daten usw. zur Verfügung zu stellen, um die Arbeit der Gemeinschaft weiterzuentwickeln und erfolgreich weiterzuführen. Es gibt sicherlich mehr als meine Person, dessen Vorfahren aus dem Kreis Pr.Eylau stammen und bereit wären mitzumachen aber von zu Hause aus. Was in Firmen möglich ist, muß doch auch auf die Kreisgemeinschaft übertragbar sein. Manchmal glaube ich, die Kr.-Gmeinschaft hängt zu sehr an der Vergangenheit und vergißt die Zukunft. Die Herausgabe des Kreisblattes, was ich im übrigen gerne und mit Interesse beziehe, reicht einfach nicht aus, um den Gedanken an die Heimat unserer Vorfahren zu erhalten, geschweige denn fortzuführen. Mir scheint ein Aufbrechen der eingefahrenen Strukturen ist dringend nötig. Ich wäre bereit .
    Herzlichen Gruß, Joachim

  2. Andreas Billert sagt:

    Es scheint die höchste Eisenbahn zu sein, das deutsche Ostkulturerbe aus den immer schwächeren und zittrigen Händen der 1001 Landsmannschaften und ihren Heimatstuben herauszunehmen und ZENTRAL an eine Stelle in Verantwortung der Regierung zu sammeln und öffentlich zugänglich zu machen. Einmal gucken was da im Pommern-Zentrum los ist. Es ist eine ziemlich große institutionelle Substanz da, wenn sich die dort arbeitenden Leute noch nicht total auseinandergezankt haben. Dort könnte man das z.B. konzentriert unterbringen. Odeer in Frankfurt (Oder), dort gibt es doch bereits eine deutsch-polnische wissenschaftliche Forschungsinstitution – Collegium Polonicum, von deutschen und polnischen Universitäten gemeinsam geführt. Wer zum Teufel ist übrigens heute für das ostdeutsche Kulturerbe eigentlich verantwortlich? In Polen gibt es bereits seit Jahren mehr Interesse darüber als in der Bundesrepublik (z.B. polnische Organisation BORUSSIA, aber auch andere).

  3. fraglesi sagt:

    Ich habe einen Scan dieser Chronik in pdf. Er versucht es auf den Computer herunterzuladen (es ist handgeschrieben) und übersetzt es schließlich ins Polnische. Es ist schwer für mich, weil ich Deutsch im mittleren Grad kann.

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