Die ‚rote Ruhr‘ in Canditten, Pr. Eylau

Im Verlaufe des Jahres 1781 versterben im Kirchspiel Canditten bis zum Monat August fast 100 Personen. (Zum Vergleich: 1779 sind im Kirchenbuch insgesamt 13 Sterbefälle, 1780 23, 1783 und 1784 18 Sterbefälle verzeichnet). Im ersten Halbjahr des Jahres 1781 lauten die Todesursachen – wie auch in anderen Jahren – Bräune, Schlagfluss, Brustfieber, Wassersucht etc.; einige kleine Kinder versterben an Stechhusten.

Im Juni 1781 wird die Gegend um Canditten dann von einer Ruhr-Epidemie heimgesucht. Das erste Kind, das diese schrecklichen Krankheit nicht überlebt, ist die kleine Anna Barbara Gutt in Amalienhoff, eine Tochter meiner Urgroßeltern 4. Grades (Gottlieb Gutt, Hofmann in Amalienhoff und Ehefrau Anna Barbara Boehnke). Anna Barbara Gutt wird als 43. Todesfall des Jahres im Kirchenbuch eingetragen – sie wird nur 2 Jahre alt.

Die Epidemie breitet sich im gesamten Kirchspiel aus. Während die ersten Todesfälle im Juni und Juli in Amalienhoff, Wildenhoff, Augam, Quehnen, Liebnicken, Rimlack, Garbnicken und Sangnitten auftreten, erkranken im August auch in Canditten mehrere Personen.

Ende August notiert der Pastor im Sterberegister : ‚Bis hierher ist das Verzeichniß derer an der Ruhr gestorbenen dem Herrn Kreyß Physicus Olsner in Bartenstein auf Verlangen zugeschickt unter d(em) 8. August 1781‘.

Canditten_1781

Im September sterben noch weitere 4 Personen an der roten Ruhr – dann scheint die Epidemie gebannt. Insgesamt sind im Kirchenbuch bis zum Jahresende 129 Sterbefälle eingetragen – 77 Personen wurden Opfer der Ruhr-Epidemie.

Canditten_1781_Sterbefälle-tile

Am Ende des Jahres sind im Kirchenbuch diese Statistiken zu finden: 1. eine Aufteilung der Sterbefälle nach Orten, 2. nach der Jahreszeit und 3. nach dem Alter der Verstorbenen. Unter den im Jahre 1781 im Kirchspiel Verstorbenen befanden sich 80 Kinder unter 10 Jahren.

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