Christophorus Gegener (1682 – 1759)

Christoph(orus) Gegener kommt am 23.12.1682 als ältester Sohn des Böttchers Erdmann Gegener in Polassen zur Welt – einem kleinen Hakendorf, das etwa 5 km nord-östlich von Landsberg (Pr. Eylau) liegt, im 14. und 15. Jahrhundert zum Kammeramt Worienen gehörte und damals „Passelen“ hieß.

Er wird in eine Zeit des Friedens hinein geboren, was für die damalige Zeit etwas Besonderes ist. Noch 3 Jahre zuvor – bis Mitte Januar 1679 – waren die Schweden bis zur Höhe Wehlau-Friedland-Bartenstein vorgedrungen, dann allerdings durch den Winterfeldzug des Großen Kurfürsten zum Rückzug gezwungen worden.

Wie sein Vater erlernt auch Christoph Gegner das Böttcherhandwerk und fertigt vermutlich Holzgefäße für den täglichen Gebrauch – Gefäße wie Eimer, Tröge für das Vieh oder Butterfässer.

Christoph ist 19 Jahre alt als am 18. Januar 1701 – nur wenige Kilometer entfernt, in Königsberg – die Krönung Friedrich III. zum König stattfindet. Wochenlang befindet sich die Stadt im Mittelpunkt europäischen Interesses. Von Anfang Januar bis zum März werden viele glänzende Feste gefeiert. Auswirkungen der Krönung werden auch in Eichhorn (dem zugehörigen Kirchort) spürbar gewesen sein, denn es ergeht ein Befehl in alle Lande, „daß sothaner Tag … gantz gefeyret, in allen Kirchen der Gottesdient mit zweyen Predigten verrichtet …. und zu gewissen Stunden, als nemlich: Morgens frühe um 8 Uhr, Mittages um 12 Uhr, und nach vollendeter Vesper=Predigt mit allen Glocken im Lande, geleutet werden solle.“ (Edikt vom 8. Januar 1701)

Nur kurze Zeit später verliert Christoph Gegner seinen Vater. Erdmann Gegner stirbt am 19.4.1701 in Polassen. Als ältester Sohn hat Christoph Gegner sich nun sicherlich auch um die Versorgung der Mutter und seiner jüngeren Geschwister zu kümmern – die beiden Schwestern Maria und Anna sind erst 5 und 9 Jahre alt.

Christoph Gegner heiratet um 1710, vermutlich in Eichhorn (das genaue Datum ist bislang nicht bekannt). Seine Ehefrau wird in den Taufeinträgen der Kinder lediglich mit Vornamen genannt – sie heißt Susanna.

In den Jahren von 1711 bis 1735 werden dem Ehepaar 7 Kinder geboren. Christian, der erste Sohn, kommt am 1.11.1711 zur Welt.

Um diese Zeit wird die Gegend um Landsberg herum von der Pest heimgesucht – kurz nach 1700 grassiert diese schreckliche Krankheit in Polen und breitet sich auch in Natangen aus. Im Verlaufe zweier Jahre – von 1709 bis 1711 – sterben in Natangen 9180 Menschen daran. „Von Kreuzburg griff die Pest im Sommer 1710 weiter nach Süden über. Im September waren in Pr. Eylau innerhalb von zwei Stunden sechs Häuser infiziert und das große Sterben begann, das 244 Opfer forderte. In der Umgebung von Pr. Eylau starben 57 Personen. Über Topprienen und Gr. Peisten griff die Pest im September 1710 nach Landsberg über und entvölkerte die Stadt fast ganz.“ (Horst Schulz, Der Kreis Pr. Eylau, S. 89) Ob auch der Sohn Christian, der im April 1713 verstirbt, Opfer dieser Krankheit wird, ist nicht bekannt – die Todesursachen werden in den Eichhorner Kirchenbücher zu dieser Zeit nicht notiert.

Nach dem Tod des ersten Sohnes werden in Polassen sechs weitere Kinder geboren:

Michael Gegner am 29.8.1713
Maria Gegner 14.12.1716
Albrecht Gegner am 15.4.1719
Christoph Gegner am 1.10.1722
Johann Gegner am 13.3.1725 und
Gottfried Gegner am 20.10.1730

Außer der Tochter Maria, die nur 18 Monate alt wird, erreichen alle Gegner-Kinder das Erwachsenenalter. Eine entscheidende Regelung, die sie alle betrifft: am 28.Oktober 1717 verordnet der König die allgemeine Schulpflicht.

Am 2.6.1726 herrscht sicherlich große Aufregung in der Familie, denn der König kommt, vom Ermland aus – bei seiner Durchquerung Natangens – auch nach Eichhorn, wo die Pferde gewechselt werden, damit er weiter nach Bartenstein reiten kann. Vor allem Michael Gegner, der 2. Sohn, wird im Alter von 13 Jahren davon besonders beeindruckt gewesen sein.

Christoph Gegners Ehefrau Susanna muß vor dem 12. Oktober 1739 verstorben sein (die Sterbeinträge der Jahre 1738 und 1739 fehlen), denn an diesem Tag heiratet Christoph Gegner in Eichhorn zum zweiten Mal.

Im Kirchenbuch ist zu lesen: ‚Christof Gegner, Böttcher in Polassen mit Anna, des Jacob Pohl, eines gewesenen Maurers in Eichhorn hinterlassener Witwe.‘

Die Familie vergrößert sich sehr, denn die neue Ehefrau bringt mindestens vier Kinder mit in die Ehe, die etwa im Alter der Gegner-Kinder sind.

Christoph Gegner erlebt mit wie seine Söhne aufwachsen, ehrbare Berufe ergreifen und eigene Familien gründen. Sohn Michael wird Gartenierer in Worienen – heute würde man ‚Kunstgärtner‘ dazu sagen. Sohn Albrecht wird Böttchermeister in Eichhorn, außerdem Mitmeister und Eltermann des Böttchergewerbes in Pr. Eylau. Sohn Christoph wird Bauer in Eichhorn. Auch Sohn Johann setzt die Familientradition fort – er wird ebenfalls Böttcher und übernimmt zudem das Schulzenamt in Eichhorn.

1759 ist im Kirchenbuch vermerkt:

‚den 29.3.Morgens starb CHRISTOPH GEGNER, Böttcher in Eichhorn, im 77ten Jahr und ward begraben den 31.Mart. mit einer Leich-Predigt. Die Kirche bekam 32 gl und fürs Leichentuch 6 gl.‘

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3 Antworten zu Christophorus Gegener (1682 – 1759)

  1. Ramona sagt:

    Hallo Irmi,

    die Lebensläufe deiner Vorfahren sind spannend, interessant, es macht einfach Spaß diese zu lesen. Vorallem die geschichtliche Einordnung gefällt mir besonders gut.

    Hast du einmal vor, diese vielleicht in Buchform zu veröffentlichen?

    Sonnige Grüße
    Ramona

  2. Viktor sagt:

    Auch ich bin begeistert von der Form dieser Geschichte. Die Verknüpfung von individueller Genealogie mit den zeitgleich abgelaufenen Ereignissen aus Politik und Zeitgeschehen liest sich sehr gut. Beim Lesen stellt sich immer wieder so ein AHA-Erlebnis ein: ach ja, so war das, stimmt – ja, genau… Macht Spaß! Mehr davon!

  3. Gaby sagt:

    Hallo,
    Du hast ein sehr schönes Tagebuch erstellt. Es wirkt alles so lebendig und man kann sich in die damalige Zeit hineinversetzen. Deine Geschichten zu den Familienmitgliedern sind sehr interessant und lebendig beschrieben. Ich bin schon mehrmals auf Deiner Seite gelandet und lese immerwieder Deine Geschichten gerne. In so etwa möchte ich meine Familienchronik auch erstellen.
    Ich wünsche Dir weiterhin gutes Gelingen
    Gaby

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