Das ‚Hospital zum Heiligen Geist‘ in Landsberg, Pr. Eylau

‚Mit dem Schicksal Landsbergs ist allezeit, das „Hospital zum Heiligen Geist“ verbunden gewesen. Das Hospital ist um 1367 gegründet, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Pfarrer Nicolass, der im Jahre 1367 vom Orden Zandersdorf erwarb und es dem Hospital schenkte. Dann kam Zandersdorf durch Verleihung um 1461 in den Privatbesitz des Pfarrers Caspar Boteke. Als er starb, wurde Zandersdorf durch den Herzog wieder dem Hospital zurückgegeben. Um 1540 wusste man nicht mehr, wie das Dorf eigentlich Hospitalslehen geworden war. In der Mitte des 17. Jahrhunderts erhielten es die Waldburger verliehen, die gleichzeitig auch die Unterhaltung des Hospitals übernahmen. Zum Hospital, das unter der Lehnsherrschaft der Reichsgrafen Schwerin neu erbaut wurde, kam auch das Gut Schönwiese für einige Jahre‘. (Quelle: Hermann Bink, 625 Jahre Landsberg. Wechselvolle Schicksale einer kleinen ostpreußischen Stadt, Ostpreußen-Warte, 1960)

Im Amtsregister von Pr. Eylau wird 1604 unter der Rubrik ‚Hospitale‚ nur das Hospital in Landsberg genannt.

Eins ist zur Landesburgh dem Herren Truchseßen von Waldpurgh zugehörig

Unter den von den Mormonen digitalisierten Beständen des ehemaligen Königsberger Staatsarchivs finden sich auch Abrechnungen des Landsberger Hospitals (Film Nr. 007948712), die Auskunft geben über Einnahmen und Ausgaben aus der Zeit von 1731 bis 1737. Die hier abgebildeten Ausschnitte stammen aus diesen Digitalisaten. Genannt werden darin u.a. die Namen der damaligen Bewohner von Zandersdorf (heute Swędrówka), die Abgaben an das Landsberger Hospital entrichten müssen – zum Beispiel der Schulz Ohnhut (später Anhut geschrieben), Jacob, Simon und Hans Rode und Andres Brißkorn (später Brieskorn).

Einkünfte erzielt das Hospital zudem durch den Verkauf von Obst aus eigenem Garten und durch die Pacht, die das Gut Schönwiese jährlich zu leisten hat. Von Trinitatis (1. Sonntag nach Pfingsten) 1731 bis Trinitatis 1732 übergibt der damalige Arrendator Ge(o)rge Schultz dem Hospital 800 Reichtstaler.

Das Hospital versorgt nicht nur Kranke, sondern kümmert sich auch um die Armen der Stadt. Verpflegt werden jeweils 10 arme Personen – vor allem von Spenden einzelner Personen oder ganzer Dorfschaften. Aufgeführt werden die Almosen unter ‚Einnahm an Verehrungen(,) so die Zehen Armen unter sich getheilet haben‘. Im Januar 1731 sind dies zum Beispiel:

  • 10 Haußbacken Brodt und 1/2 Scheffel Erbsen von Grauschienen
  • 10 Haußbacken Brodt von Glandau
  • 6 Rthl. vom H. Cantor
  • 1 Scheffel Korn von Canditten
  • 1 Scheffel Korn (vom) Krüger von Glandau und
  • 1 Mahlzeit Essen und Trincken woll getractiret vom H(errn) Bürgermeister‘

Unter ‚Ausgaben‘ wird auch die regelmäßige Zahlung von Bargeld an die 10 Armen verbucht, die alle drei Wochen – jeweils am Dienstag – ‚laut Concession der Gnädigen Lehnsherrschafft‘ stattfindet.

Immer wieder muss auch Geld für Handwerker und Material für die Instandsetzung der Gebäude ausgegeben werden – so erhalten 1731 der Mauer Lapuse, der Handlanger Stebun (=Steppuhn) 4 Rthl und 16 Gl und der Töpfer Gertler 6 Rthl und 18 Gl ‚vor den Offen im Vorwerck neu zu setzen, dabey er 63 neue Kacheln verbrauchet(,) auch in des Gertners Damraw (=Damerau) Gebäude den Offen umbgesetzet den 4. Nov(ember).

Auch Folgendes ist den Hospitals-Abrechnungen vermerkt:

  • im Dezember 1731 spendet Johann Wilhelm Hellwich, der Müllermeister von Landsberg, dem Hospital im Dezember 1731 einen Scheffel Mehl (Johann Wilhelm Hellwich ist mein Ur….Großvater)
  • Herr Goßky gibt im Dezember 1733 zwei Reichstaler ‚vor seine Frau zu beten um ein seeliges Ende‘ (Johann George Goßky ist Gewürzhändler u. Kirchenvorsteher in Landsberg. Er heiratet 1734 Barbara Sophia Schultz, eine Tochter des Pfarrers Jacob Schultz aus Reichau)
  • im Jahre 1735 erhält das Spital 10 Reichstaler und 22 Gulden aus der Hinterlassenschaft der verstorbenen ‚Möckschen‘ – die andere Hälfte ‚ist der Catharina Corinthschen zur Erbschafft gegeben, weil sie derselben näheste Erbin als Schwester Tochter gewesen‘
  • am 23. August 1736 gibt das Hospital 1 Reichstaler  ‚einem Armen und Kranken Saltzburger Bartel Creutzberger nebst seinem elenden Weib und vier Kinder(,) davon 2 gantz kranck‘

Im Juni des Jahres 1738 bestätigt Amtmann Klügel auf Wildenhoff : ‚Nachdem in Vollmacht des Herrn Cammer Herrn und Erb Cämmerers der Chur und Marck Brandenburg Reichs-Graffen von Schwerin ich die Landsbergsche Hospital Rechnung von Anno 1736 bis 1737 abgnommen und solche in Einnahme und Ausgabe richtig befunden; Als(o) habe die Herren Vorsteher darüber hierdurch quittieren auch zu deßen mehrerer Vergewißerung diese Rechnung unterschreiben und besiegeln wollen‘

Als Ergänzung noch einige Einträge aus dem Kirchenbuch von Landsberg mit Bezug zum Hospital:

  • Heiratseintrag 1713: H. Valentinus Schultz, Senator et xenodochus (=Spitalmeister) antistas alhir, mit Jgfr. Maria, Seel. Herrn Jacob Hemplers, scabinus (=Schöffe) in Heiligenbeil, relicta filia
  • Heiratseintrag 1715: Mr. Johann Friedrich Geiseler, e. Bürger, Festbäcker u. Mälzenbräuer alhir, mit Jgfr. Catharina, Hr Valentinus Schultzen, (arenda)toris u. Hospital-Vorstehers alhir, fila
  • Heiratseintrag 1716: Mr. Michael Krause, Bürger u. Leinweber alhir, mit Jgfr. Barbaram seel. Hn. Christoph Eichlers, gew. Senatoris u. Hospital-Fürstehers alhir, filia.
  • Heiratseintrag 1734: H. Friedrich Theodor Baurath, Stud. Theol., mit Tit. Jgfr. Regina, des Tit. Hrn. Valentin Schultzen, Raths Verwandten u. Hospital Vorstehers allhir Jgfr. Tochter
  • 1734 werden als Hospitalvorsteher Valentin Schultz und Gottfried Bernhard Schultz genannt
  • Heiratseintrag 1733: Gottfried Bernhard Schultz, Candidatus Juris u. unserer Hochgräfl. Lehnsherrschafft bestallter Lehns Secretarius mit Frau Eleonora Elisabeth, des Seel. He. Frantz Christian Horns, gewesenen Medicin und Gewürtz=Apothekers, relicta vidua
 
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