Zitronen und ein Schnupftuch für den Pfarrer

Am 27. Dezember des Jahre 1704 heiraten meine Vorfahren Leonhard Schaumlöffel und Anna Christina Schellhase in Züschen, einer ehemals selbständigen waldeckschen Stadt, die heute ein Stadtteil von Fritzlar in Nordhessen ist.

Leonhard Schaumlöffel stammt aus Obervorschütz, Anna Christina Schellhase wurde im Februar 1679 als Tochter des Leinewebers Johannes Schellhase und dessen Ehefrau Künna (nicht – wie bisher angenommen ‚Anna‘) Hucke in Züschen geboren.

Anna Christinas Vater war mehrfach auch Bürgermeister der kleinen Stadt Züschen – auch ihr Großvater Casparus übte das Amt des Bürgermeisters über viele Jahre aus. Die Familie war wohl relativ vermögend – sonst hätten Anna Christinas Großeltern wohl dieses schöne Haus in Züschen nicht bauen lassen können.

Der Heiratseintrag von Leonhard und Anna Christina war mir bekannt – allerdings enthält der Eintrag eine Zusatzbemerkung, die ich zunächst nicht entziffern und nicht verstehen konnte:

Heiratseintrag aus dem KB von Züschen

Da heißt es zunächst: Leonhard Scheumlöffel von Obern Vorschütz mit Anna Christina Schellhase aus Züschen copuliret worden. Und dann folgt: N(ota) Diese Braut wolte den kurz zuvor copulirten nichts nachgeben, sie gab ein sauber Schnupftuch nebst Citronen.

Inzwischen habe ich im Kirchenbuch entdeckt, dass der Pfarrer in den beiden vorherigen Heiratseinträgen erwähnt, dass ihm von den Bräuten Zitronen geschenkt worden seien. Und ich habe herausgefunden, dass dies in verschiedenen Regionen üblich gewesen zu sein scheint:

Quelle: Augsburger Flora: Ein Blatt zur Unterhaltung und Belehrung (1861)

Ich denke, der Zusatz im obigen Heiratseintrag ist so zu verstehen, dass Anna Christina Schellhase den vorherigen Bräuten ‚in nichts nachstehen wollte‘ und dem Pastor deshalb ebenfalls Geschenke überreichte. Aber weshalb überhaupt diese Bemerkung …? Hat Anna Christina zunächst gezögert …? Wollte sie sich als Tochter dieser angesehenen Familie dann doch nicht ‚lumpen‘ lassen und es deshalb den anderen Bräuten gleich tun …?

Darüber kann nur gemutmaßt werden.

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Ein Kommentar zu Zitronen und ein Schnupftuch für den Pfarrer

  1. Jan Nimda Schelhaas sagt:

    Gnädige Frau Gegner,
    Ich bin am 21.10.2017 in das Haus in Zueschen gewesen. Da wohnt nun Werner Stendebach, geboren in Limburg an der Lahn. Eri ist 84 Jahre alt. Auf das Haus steht ‚Haus Stendebach Erbaut 1671 In der Giebelspitze eine Sonne und zwei Sterne Inschrift: Soli Deo Gloria
    Jan Nimda Schelhaas, schel.haas@solcon.nl
    Ich bin ein Bruder von Jaap Schelhaas uit Hoogeveen, Nederland
    Herzliche Grüsze.

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