Während der vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit meinen Vorfahren in Sachsen befasst und entdeckt, dass viele dieser Familien während des 16. bis 18. Jahhunderts in kleinen Orten bei Meißen lebten. Sie gehören in die Ahnen-Linie meines Ur-Ur-Großvaters Carl Friedrich August Müller, der am 24. November 1818 in Torgau geboren wurde, seine sächsiche Heimat als junger Mann verlässt und fernab in (Bremen)-Blumenthal landet.
Ich kenne diese Region überhaupt nicht – vielleicht ein neues Reiseziel …?

Über einige meiner Ahnen in Sachsen (in Torgau und Umgebung) habe ich bereits hier berichtet: Pinnewitz – Deila – Altbelgern und Graditz oder: Familie Springefeld in Graditz.
Zu meinen Vorfahren in der Region von Meißen gehören u.a. Urban Görne, der 1663 in Neustößwitz verstirbt, Andreas Fischer aus Pinnewitz, Valten Münch aus Görtitz und – George Zscherper, der 1633 in Kleinprausitz zur Welt kommt. Um sie zu entdecken, habe ich die Kirchenbücher von Krögis, Ziegenhain, Raußlitz und Rüsseina durchstöbert.

Über Familie Zscherper (auch auch Tscherper – Zschörper – Zscherber oder auch Scherper geschrieben) konnte ich herausfinden:
George Zscherper kommt 1633 im Dorf Kleinprausitz als Sohn von Hans Zscherper zur Welt und wird am 30. April in der Kirche von Krögis getauft. Seine Taufpaten sind: ‚der Wohl Edle Gestrenge und Veste Georg Albrecht von Nizschwiz (Nitzschwitz) uff Sörnwitz (Sornitz), an deßen statt Hanß Gappisch; Thomas Zscherper zu Görtiz (Görtitz) und Regina, uxor Hanß Lehmanns zu Cäbschiz (Käbschütz)‘.

1657 wird George in der Kirche von Ziegenhain erstmals als Taufpate genannt:
1659 tritt er in Ziegenhain erneut als Pate auf. Mittlerweile hat er seine Ausbildung beendet und wird nun als ‚George Zscherber, Schirrmacher in Klein Prausitz‘ bezeichnet. So könnte es ausgesehen haben, wenn er arbeitete:
George und Anna leben nach ihrer Eheschließung in Gohla. Hier werden von 1662 bis 1684 ihre 10 Kinder geboren. Zwei Söhne kommen tot zur Welt, einer stirbt 1664 bereits im Mutterleib. Hier ist mehr über ihr Leben zu erfahren: George Zscherper – Schirrmacher von Gohla.

Anhand der sächsischen Gerichtsbücher konnte ich noch einiges über die vorherigen Zscherper-Generationen herausfinden. Diese Bücher sind wahre Schätze – vor allem dann, wenn keine Kirchenbücher existieren, aber auch dann, wenn man nach Informationen aus der Zeit vor Führung der Kirchenbücher sucht!
Recherche in den Gerichtsbüchern
Die Gerichtsbücher sind einzigartige Quellen zu Grundbesitz-veränderungen, Nachlässen oder Vormundschaften vom ausgehenden Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und liegen für praktisch alle Orte Sachsens vor. Sie geben Auskunft über Kaufhandlungen, verbriefte Rechte, Besitzerfamilien, verwandtschaftliche Beziehungen, aber auch zum Alltag der Menschen in früheren Jahrhunderten. https://www.saechsische-gerichtsbuecher.de/
So funktioniert’s: Nach Eingabe des Ortsnamens in ein Suchfeld werden die für diesen Ort in Frage kommenden Gerichtsbücher angezeigt.

Man muss sich ein wenig einarbeiten. Die meisten Bücher enthalten Namensregister – sortiert wird allerdings in den frühen Büchern (manchmal noch bis ins 18. Jahrhundert hinein) nicht nach Familiennamen, sondern nach Vornamen.
Das sieht dann so aus:

Wenn man die Vornamen der jeweils gesuchten Personen nicht kennt, macht es Sinn, das gesamte Register zu studieren! Auf jeden Fall sollte man dabei auch an die möglichen Schreibvarianten der Familiennamen denken – Zscherper ist beispielsweise auch unter S (Scherper) oder T (Tscherper) zu finden. Wichtig ist außerdem, unter den Buchstaben T und V nachzusehen – Hinweise auf die gesuchte Familie könnten sich dort evtl. unter den Stichwörtern ‚Testament‚ – ‚Vergleich‚ oder ‚Vererbung‚ finden lassen.
Ab und zu hatte ich Schwierigkeiten, den Text zu entziffern. Ich habe mich bei der Durchsicht der Dokumente vor allem auf die Namen der genannten Personen konzentriert, um die Verwandtschaftsverhältnisse zu entschlüsseln. Ich zeige anhand einiger Beispiele, wie ich vorgegangen bin und was ich herausfinden konnte ….

4.2.1568 – Peter Zscherper ist verstorben. Er hat zwei Güter hinterlassen: eins in Prausitz und eines in Roitzschen. Nach seinem Tod erscheint sein Sohn Hans mit seinen Brüdern Barthel und Peter im Amt Meißen – gemeinsam mit ihren Schwagern Hans Fichtner, Simon Mainzner u. Hans Rosenberg in ehelicher Vormundschaft ihrer Weiber, Peter Tscherpers nachgelassenen Töchtern.Weitere Erben sind: Veit und Hans Schuberts Tochter Kinder.
Die Bezeichnung ‚Gut‚ ist oft etwas irreführend – vermutlich ist damit ein gewöhnliches Bauernhaus gemeint.
Hans soll das Gut in Roitzschen und Barthel das Gut in Kleinprausitz bekommen. Peter erhält Geld. Barthel findet auch seine Schwager mit Geld ab.
Also: Peter Zscherper verstirbt vor 1658. Er hat auf jeden Fall 3 Söhne: Hans – Barthel und Peter sowie drei verheiratete Töchter! Ihre Ehemänner heißen: Hans Fichtner – Simon Mainzner und Hans Rosenberg.

Hans Zscherper gesteht, dass er seinem Bruder Peter noch Geld schuldet.
2.5.1575 – Hans Zscherper in Roitzschen ist verstorben. Vor dem Amt Meißen erscheinen: Peter Heimbach, Vormund der Tochter Elisabeth – Jacob Schönberg, Vormund von Katharina und Valten Donat, Vormund des Sohnes Blasius, des Erben.
Danach hinterlässt der vor 1575 verstorbene Hans Zscherper in Roitzschen mindestens drei Kinder: Tochter Elisabeth – Tochter Katharina und Sohn Blasius.

1593 Valten Donat erscheint mit seinem Mündel Blasius Zscherper im Amt. Nach dem Tod des Vaters hatte Blasius – als Erbe des Guts in Roitzschen – seinem Stiefvater George Kretzschmer aus Barnitz diesen Besitz für 18 Jahre verpachtet. Pfingsten 1594 wird Kretzschmer das Gut an ihn abtreten. Noch 1618 erhält George Kretzschmer Erbgeld (warum eigentlich?)
Die Mutter hat demnach um 1575 erneut geheiratet. Ihr 2. Ehemann ist George Kretzschmer, der aus Barnitz stammt.
Am 25.6.1581 erscheinen im Amt Meißen Barthel Zscherpers (Besitzer in Kleinprausitz) hinterlassene Kindern und Erben mit ihren verordneten Vormündern namens Nickel Haubtmann von Döbschütz, Walpurgen, der ältesten Tochter Vormund, Matthes Zscherper, Elisabeth, Blasius Zscherper von Döbeln, Hansen, Jorge Thielmann u. Hans Pinkert, Vormünder des jüngsten Sohnes Bartholomäus …
Das bedeutet: Barthel Zscherper stirbt vor 1581 in Kleinprausitz. Er hat auf jeden Fall folgende Kinder: Walpurgis (älteste Tochter) – Matthes – Elisabeth – Blasius – Hans – Bartholomäus (jüngster Sohn)
GB Lommatzsch Nr. 101: 1593 erscheint Hans Zscherper aus Kleinprausitz im Amt Lommatzsch – er kauft ein Gut im Dorf Mauna!
Der jüngste Sohn – also Bartholomäus (Barthel) – ist der Erbe des Guts in Kleinprausitz. Er muss vor 1612 verstorben sein, denn am 10.2. 1612 erscheinen im Amt Meißen die Kinder und Erben mit ihren Vormündern – u.a. die Witwe Regina mit ihrem verordneten kriegischen Vormund Philipp Gappizsch aus Leippen – ihr wird ein Wiederkaufsrecht eingeräumt – dabei sind: Blasius Zscherper aus Roitzschen als Vormund des älteren Sohnes Peter – Peter Donat aus Roitzschen, Vormund von Tochter Maria – George Tielmann aus Kleinprausitz u. George Gamzsch aus Krögis als Vormünder von Hans, dem Erben !!!
Ein „kriegischer Vormund“ ist ein historischer Rechtsbegriff (aus dem Spätmittelalter), der einen speziellen Vormund für einen einzelnen Rechtsstreit oder ein Rechtsgeschäft bezeichnet, ähnlich einem modernen Prozesspfleger (curator in litem), der eine Person (oft eine Frau, die rechtlich eingeschränkt war) vertritt, wenn ein Konflikt drohte oder bestand, und der vom Ehemann oder einem männlichen Familienmitglied unterschieden wurde. Die Funktion war, Schutz und rechtliche Vertretung in spezifischen Situationen zu bieten.

der Bartel Zscherperin umb das gutt
zue Klein Prausiz, sampt dem Inventario undt schulden
(GB Meißen Nr. 277)
Am 10.2.1612 werden u.a. folgende Regelungen getroffen:
- das Gut wird der Mutter für 18 Jahre wiederkäuflich übergeben
- die Kaufsumme beträgt 2000 Gulden
- der Erbe verpflichtet sich, den Kinder jeweils die Hochzeit auszurichten
- die Kinder sollen im Gut ‚ernehret und aufgezogen werden’
- ebenso mit notwendiger Kleidung versehen werden bis sie 12 Jahre alt sind
- wenn es einem Kind nicht mehr auf dem Hof gefällt, kann es woanders in Dienst gehen
- falls es wieder dienstlos oder krank würde, kann das Kind zurück kommen und wird 6 Wochen zu Hause versorgt
- jedes Kind soll eine Kuh und ein einjähriges Kalb bekommen
Nur 4 Wochen später – im März 1612 findet sich die Witwe Regina – erneut im Amt ein. Diesmal kommt sie in Begleitung ihres Verlobten und zukünftigen Ehemanns Hans Münch, der aus Stroischen stammt. Mit ihm wird ein Pachtvertrag für 18 Jahre geschlossen. Über mehrere Seiten wird das gesamte Inventar wird aufgelistet – z.B. das Vieh auf dem Hof (u.a. ‚4 ziehende Pferde‘) – vorhandenes Getreide, aber auch ‚1 gedeckter Tisch mitt 12 Tellern, undt 12 Löfelln und 3 Schüsselln‘.
Auch die vorhandenen Schulden müssen übernommen werden – u.a.: Steuer an das Amt Meißen – Lohn an die Mittelmagd – Lohn für den Schmied Thomas Schneider in Krögis – Lohn für den Arzt in Siebenlehen – George Tzscherper bekommt noch Geld für eine Kuh (wer ist George Tzscherper?) – Geld für das Essen, das die Vormünder beim Amtsschreiber verzehrt haben – auch Erbgelder müssen noch an mehrere Personen gezahlt werden, u.a. an Elisabeth Voigt in Soppen, die Witwe von Jacob Voigt – an Gregor Voigt in Krögis – an Georg Tzscherper (?)…..

25.7.1626 – Thomas ist der jüngste Sohn von Blasius Tscherper in Roitzschen. Blasius verkauft bzw. vererbt ihm sein Gut zu Lebzeiten, will es jedoch selbst noch bewirtschaften so lange es möglich ist. Falls seine Frau vor ihm versterben sollte, will der Vater auf sein anderes Gut ziehen! Dies liegt im Gutsbezirk der Familie von Schleinitz. Falls Blasius zuerst sterben sollte, soll Thomas seine Mutter bei sich aufnehmen und versorgen. Seine Enkelin Maria Burckhardt (Tochter von Jacob) soll Geld bekommen – der ‚blöde‘ Sohn Blasius soll versorgt werden.
(Anmerkung: Der Begriff ‚blöde‚ besagt, dass Sohn Blasius geistig behindert war – im Kirchenbuch von Krögis findet man 1632 seinen Sterbeeintrag. Aufgrund der Kriegswirren und nach Ausbruch der Pest verlieren in der Region um Meißen – auch im Dorf Roitzschen – viele Menschen ihr Leben. Dazu gehört auch Blasius – er wird ‚vom Kriegsvolck‚ erschossen).
Meißen, den 20.12.1630 – Nach dem Tod von Barthel Zscherper in Kleinprausitz war 1612 mit Hans Münch – dem 2. Ehemann der Witwe – ein Pachtvertrag für 18 Jahre geschlossen worden – siehe oben! Das hat offenbar nicht gut funktioniert! Hans Münch musste sich ’seines bösen Haushalts und vieler gemachter Schulden halber außm guthe begeben‘ und hat ‚daßelbe öde, wüste und unbesambt liegen laßen‘
Nun übernimmt Hans Zscherper – der eigentliche Erbe – den Hof! Bei der Übernahme wird das Inventar genauestens begutachtet- vorhandene Mängel werden vermerkt.

Dieser Hans Zscherper ist vermutlich der Vater meines Vorfahren George Zscherper, der 1633 in Kleinprausitz zur Welt kommt. Aber um diese Vermutung abzusichern, werde ich auf jeden Fall nach weiteren Belegen suchen!























































