Mein Opa – der „Rennfahrer“

Meinen ostpreußischen Großvater Carl Ludwig Gegner habe ich nie kennengelernt. Er starb im Alter von nur 29 Jahren. Ich freue mich deshalb über jeden kleinen Hinweis auf sein Leben, der ihn mir ein wenig näher bringt ….

Carl Ludwig hatte nur wenig Zeit, um seinen Nachkommen persönliche Erinnerungen zu hinterlassen. Außer zwei Fotos gibt es noch seine Unterschrift, die er 1911 bei der Geburt meines Vaters im Standesamt leistet:

Aber dann ist da noch dieser Pokal, der mich seit meiner Kinderzeit begleitet und belegt, dass mein ostpreußischer Großvater nicht nur Maschinenschlosser und Soldat war – sondern auch Radrennfahrer!

Ich wusste zwar, dass dieser Pokal von meinem Opa stammt und dass er ihn 1906 bei einem Radrennen gewonnen hatte. Ich kannte die Inschrift – aber keinerlei Geschichte ‚dahinter‘. Nun habe ich beim Stöbern in alten Zeitschriften mehr erfahren …

Carl Ludwig Gegner war Mitglied des Blumenthaler Radfahrvereins Germania‚ und nahm als solcher auch an Fernfahrten teil, die von Zeit zu Zeit gegen andere RadsportVereine ausgetragen wurden.

Am 8. September 1906 erscheint in der Oldenburger Zeitung ‚Nachrichten für Stadt und Land‘ folgende Ankündigung: „Für die am nächsten Sonntag zu veranstaltende Fernfahrt über 250 Kilometer sind ca. 20 Nennungen eingegangen, so daß die Fahrt unbedingt stattfinden wird. …. Unter den Gemeldeten befinden sich die besten Straßenfahrer des Gaus aus Bremen, Oldenburg (R.-V. „Germania“ stellt 7 Fahrer), Zwischenahn, Blumenthal usw. …“

Einer dieser „besten Straßenfahrer“ war mein Opa! Bei genau dieser Fernfahrt am 15. September 1906 erreichte er als Zweiter das Ziel und gewann den obigen Pokal! Nach der Fahrt erscheint dieser Artikel:

Darin heißt es: „Die Fahrer mussten folgende Strecke zurücklegen: Bremen, Oldenburg, Varel, Wittmund, Aurich, Hesel, Wiefelstede, Oldenburg, Bremen. Oldenburg passierten die Fahrer zum ersten Male um 7 Uhr 10 Min(uten) und auf der Rückfahrt um 2 1/4 Uhr. Die Fahrer wurden in Oldenburg vom Radfahrerverein von 1884 und vom Radfahrerverein Osternburg geführt, um zu vermeiden, daß innerhalb der Stadt ein zu schnelles Tempo innegehalten wurde. ….

Folgende Herren gingen als Sieger aus der Wettfahrt hervor:

Die Fahrer kamen in bester Gesundheit am Ziel an“.


Wer mehr über die Bremer Fahrradgeschichte vor dem 1. Weltkrieg erfahren möchte, dem sei der Text von Florian Nikolaus Reiß empfohlen, der 2015 im Bremischen Jahrbuch Band 94. veröffentlicht wurde:

Einige Auszüge daraus:

  • Besonders in den frühen Jahren, als das Fahrrad anfing, ein allgemeines Verkehrsmittel zu werden, zeigte die Stadt Bremen eine erstaunliche Offenheit und kreative Bereitschaft, das neue Verkehrsmittel auf ihren Straßen und Wegen zu integrieren .
  • Aus der hölzernen Michauline entwickelte sich das stählerne Hochrad. …. Das Hochrad erlaubte seinen Fahrern, sich mit den Reitern auf Augenhöhe fortzubewegen .
  • Es wird erzählt, dass Engländer und Amerikaner aus ihrer Heimat Fahrräder mitbrachten und damit in Bremen spazieren fuhren. Bremer Kaufmannsöhne eiferten ihnen nach, indem sie sich ebenfalls ein solches Sportgerät zulegten. Bald gab es so viele Radfahrer in der Stadt , dass sich unter ihnen ein Verein bildete. 1881 entstand der Bremer Bicycle-Club.
  • 1884 wird eine neue Fahrradordnung erlassen. Das Befahren der Fußwege wurde nun erlaubt, allerdings nur für Radfahrer, die fahren konnten. Mit dieser Regelung war Bremen damals sehr fortschrittlich, denn es gab nicht viele Städte, die Radfahrer auf den Fußwegen duldeten. Es wurde eine Fahrprüfung eingeführt. Hatte man sie bestanden, konnte man für wenig Geld einen Erlaubnisschein und ein Nummernschild erwerben .
  • Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit des Vereinswesens, und so schossen die Radfahrvereine wie Pilze aus dem Boden. Allein in Bremen gab es an der Schwelle zum 20. Jahrhundert über ein Dutzend.
  • Wichtigste Interessenvertretung der Radfahrer wurde nach 1884 der Deutsche Radfahrerbund.
  • Zehn Radfahr-Ordnungen erließ Bremen zwischen 1884 und 1908. 1887 wurden die Bedingungen, unter denen das Befahren der Fußwege im Bürgerpark gestattet worden war (Erlaubniskarte und Nummernschild, auf alle freigegebenen Fußwege ausgedehnt .
  • Anfang der 1890er Jahre ersetzte die Bremer Polizeidirektion das Wort Velociped durch Fahrrad.
  • Dem ersten Bundestreffen 1897 verdankte Bremen seine ersten Radwege. Im Vorfeld dieses Ereignisses veranstalteten Bremens Radfahrer eine Geldsammlung zur Anlage von Radwegen. 5000 Mark kamen damals zusammen. Davon entstanden im Bürgerpark mehrere Radwege.
  • In den folgenden Jahren wurden Radwege in der Mitte der Straße angelegt. Solche Radwege sind noch heute im Steintorviertel in einigen Straßen vorhanden , sie dürften zu den ältesten noch erhaltenen Radwegen Deutschlands gehören .
  • Die Radrennbahn an der Schleifmühle wird errichtet
  • Am 7. Juni 1885 konnte das erste Rennen unter großer Anteilnahme des Publikums abgehalten werden . Die 1200 Sitz – und Stehplätze auf der Tribüne waren vollständig ausverkauft .
  • Eine Disziplin des Radsports war das Reigenfahren, das heute kaum noch bekannt ist. Es gab Meisterschaften im Hoch – und im Niederrad-Reigen. Bremen besaß damals eine der besten Reigenmannschaften Deutschlands. ….

Das Fahrradgeschäft boomt! Viele Geschäftsleute wittern gute Umsätze und werben für Räder und Zubehör. Ständig werden technische Neuerungen angeboten und die Firma Maggi empfiehlt ihre Bouillon-Kapseln als ‚besonders geeignet für Radfahrer!‘


Auch in Oldenburg existierte eine Halle, in der u.a. Radsport-Veranstaltungen stattfanden: die Rudelsburg! Sie befand sich ganz in meiner Nähe an der Ecke Westerstraße/Ofener Straße. Vermutlich hat mein Großvater auch in der Rudelsburg geradelt, denn beim dortigen Radsport-Saalfest erbrachte der Blumenthaler Verein Germania 1907 wiederum gute Leistungen!

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Familie Kischke in Landsberg, Pr. Eylau

In der Mitte des 19. Jahrhunderts leben in der Geburtstadt meines Großvaters Carl Ludwig Gegner – der ostpreußischen Stadt Landsberg im Kreis Pr. Eylau – zwei Kischke-Brüder, die ursprünglich aus Labiau stammen: Johann Daniel Abrecht und Johann Gottlob Lebrecht Theodor Kischke. Dies sind ihre Taufeinträge aus dem Kirchenbuch von Labiau.

KB Labiau – Taufeinträge der Kischke-Brüder: 1787 und 1789

Ihr Vater Johann Jacob Kischke (zeitweise Kiszke geschrieben) ist Großbürger, Gewürzhändler u. Ratsverwandter in Labiau – ihre Mutter Heinriette Lebrecht Schulz ist seine 2. Ehefrau, die er nur wenige Monate nach dem Tod der ersten Gattin (Sophia Dorothea (Bülowius) Bylovius – + Mai 1786) am 6.9.1786 in der Königsberger Junkergasse, im Haus des Herrn Kressing, geheiratet hatte.

KB Königsberg Löbenicht 1786 – Heiratseintrag

Sohn Johann Daniel Albrecht Kischke kommt am 21. September 1787 in Labiau zur Welt. Er ist 23 Jahre alt, als er am 3. Oktober 1810 in Landsberg mit Barbara Gertrude Neumann die Ehe schließt.

Barbara Getrude Neumann – die jüngste Tochter des Zintener Großbürgers und Kürschnermeisters Johann Jacob Neumann und dessen Ehefrau Suanne Busau – war bereits zweimal verheiratet. Ihre erste Heirat findet 1805 in Landsberg mit Johann Siemon Brusewitz statt, dortigem Großbürger, Brandtweinbrenner u. Schmiedemeister, der jedoch bereits wenige Monate nach der Eheschließung verstirbt. Ihr zweiter Ehemann wird Johann Jacob Aglester, der 1780 als Sohn des Mühlenmeisters Friedrich Aglester und dessen Ehefrau Maria Elisabeth Braxein in Gr0ß Peisten das Licht der Welt erblickte. Hier besteht eine Verbindung zu meinen eigenen Vorfahren, denn Maria Elisabeth Braxein ist eine Tochter aus der 1. Ehe meiner Vorfahrin Dorothea Reuter aus Pompicken ….

Johann Daniel Albrecht Kischke lebt zunächst als Bürger und Brandweinbrenner in Landsberg – 1815 wird er als Ratsmann genannt – am 17.12. 1819 erstmals als Landsberger Bürgermeister vereidigt. Dieses Amt übt er zunächst für 6 Jahre aus.

Die Kischke-Familie vergrößert sich. Von 1811 bis 1822 werden in Landsberg 5 Kinder geboren – Tochter Heinriette Susanna Barbara Kischke heiratet 1840 den Bartensteiner Stadtschullehrer Friedrich Gotthard Ranisch – Tochter Julie Jacobine Hedwig Kischke wird 1851 die Ehefrau des Landsberger Kaufmanns Gustav Adolph Moeck – Sohn Johann Friedrich Leberecht wird 1839 als künftiger Mathematiker unter den Studierenden der Königsberger Albertina aufgeführt.

  • 1838 verstirbt Johann Daniel Albrecht Kischkes Ehefrau in Landsberg an Nervenfieber.
  • 1841 wird Kischke für weitere 6 Jahre zum Bürgermeister gewählt.
  • 1842 heiratet er im Alter von 53 Jahren Ernestine Wilhelmine Henriette Seydel aus Petershagen, die Tochter des dortigen Pfarrers Johann Geoorge Seydel.
  • 1846 heißt es in der Landsberger Chronik: ‚Die Frau Bürgermeister Kischke, welcher von hiesiger Behörde die Leitung der Armenpflege anvertraut war, hat sich besonderen Dank hierbei erworben und ist ihr daher ein belobendes Anerkennungsschreiben von der Königlichen Regierung dafür übersandt worden.‘
  • auch 1847 wird Kischke für weitere 6 Jahre zum Bürgermeister gewählt

Besondere Ereignisse zu seiner Amtszeit:

1842 wird in Landsberg ein Königliches Salzmagazin eingerichtet – ab 1843 findet an jedem Feiertag ein Wochenmarkt statt – eine anhaltend nasse Witterung im Jahr 1844 führt zu schlechter Ernte – Missernte auch im folgenden Jahr – zusätzlich sind die Kartoffeln von einer Krankheit befallen – ärmere Bewohner leiden Not und Hunger und müssen unterstützt werden – 1845 begint der Bau der Chaussee von Landsberg nach Pr. Eylau – am 18. Mai 1845 feiert die Schützengilde das 200-jährige Jubelscheiben-Schießen – das alte Rathaus wird abgebrochen, ein Neubau wird begonnen – am 2. Juni 1846 findet auf dem Marktplatz eine große Feier statt, denn der König hat der Bürgerschaft zum Andenken an das Jubiläum der Schützengilde eine neue Fahne geschenkt – 1847 folgt das dritte Notjahr – die Preise der Lebensmittel steigen von Monat zu Monat – der Rathausbau wird beendet – in der Grünwaldschen Vorstadt gerät eine Scheune in Brand, auch zwei nahe stehende Häuser werden ergriffen – eine neue Feuerordnung wird erstellt – die Separation der Felder wird abgeschlossen – im Dezember 1847 ein erneuter Brand: am Damm des Töpferteichs werden 16 Scheunen mit Getreidevorräten vernichtet … (Quelle: Stadtchronik von Landsbberg)

Es folgen weitere unruhige Zeiten …

Um diese Zeit in die Geschichte meiner Familie einordnen zu können, überlege ich, in welcher Situation sich meine dort lebenden Vorfahren befunden haben mögen … Vor allem Friedrich Westphal und seiner Ehefrau Anna Carolina Gutt werden die Notjahre ganz besonders zugesetzt haben. Sie leben unweit von Landsberg entfernt, in der Mühle von Groß Peisten. Als Mühlenbesitzer ist Friedrich auf Getreide angewiesen – wird ihm keines geliefert, ist er arbeitslos. Es wird der Familie nicht gut gegangen sein! Anna Carolina verstirbt im Oktober 1848 in der Mühle an der Cholera Friedrich nur wenige Monate apäter an Entkräftung.

Straßenkämpfe am Alexanderplatz in Berlin im Jahr 1848 während der Deutschen Revolution

Das Jahr 1848 ……

In der Chronik ist zu lesen: 1848 ist ‚ein höchst denkwürdiges Jahr in der Geschichte Preußens. Am 18. März brach in Berlin eine blutige Revolution aus, welche das absolute Königsthum zu Grabe trug, und ein constitutinelles Regiment herstellte. Alle Gemüther waren erregt und da auch hier viel Unruhe war, so musste der Bürgermeister (Kischke) auf die Sicherheit seines Eigenthums bedacht sein; zu diesem Zwecke wurde eine Bürgerwehr organisiert, zu welcher sämtliche rüstige Bürger herangezogen wurden.

Die Schützengilde, mit Büchsen mehrentheils bewaffnet, bildete die erste Compagnie des Bürgerbataillions. Die beiden anderen Compagnien waren mit Bajonettgewehren, welche aus dem Königlichen Arsenal zu Pillau entliehen und mit Lanzen armiert. Commandeur des Bataillions war der Kaufmann Albert Ohlenschlaeger, ein militärisch geübter energischer Mann, welcher – nachdem später die Bürgerwehr aufgelöst wurde – als Commandeur der Schützengilde verblieb.

Es bilden sich hier wie an anderen Orten politische Vereine. Die meisten Bürger, namentlich die intelligenteren Leute, gehören der liberalen Partei an. Wenngleich ein großer Jubel sich darüber kund gab, dass dem Lande eine Verfassung zu Theil geworden, so war das Jahr 1848 doch ein recht trauriges, denn Handel und Gewerbe lagen vollständig darnieder Zu allen den stürmischen Ereignissen dieses Jahre wankte die Treue zum angestammten Herrscherhause durchaus nicht …


Am 2. April 1848 nimmt Bürgermeister Kischke in Berlin an der Sitzung des Landtags teil. (Mit einem Klick auf das Bild sollte man bei dem Buch landen!)

Der Landsberger Chronist bemerkt dazu: ‚Kischke war kein großer Heres in der Politik(,) aber er hatte Ruf … er folgte den Landtags-Debatten und stimmte gewiß verstandesgemäß ab, obgleich er nach seiner Nachhausekunft aus dem Landtage zur Einsicht gekommen war, selbst vor uns bekannte: Es gehöre zu einem Landtags-Abgeordneten doch mehr als ein fließend Schwatzen und das eigene Bekenntnis ehrten wir an dem Manne.

Sonst war Kischke in unserer Stadt nicht gerade eine persona grata. Sein Character war herrisch und intrigant, keinen Bürgermeister litt er neben sich, so den allgemein geliebten Bürgermeister Engelbrecht, ferner den von der Regierung hergeschickten und später gewählten Bürgermeister Albrecht, mit dem Beinamen ‚Krummstiefel‚, bis er selbst Bürgermeister wurde und dann bald als Schwiegersohn des alten Pfarrers Seidel-Petershagen (am 8. Mai 1850) starb…

KB Landsberg 1850 – Sterbeeintrag von Daniel Albert Kischke

Der Chronist schildert zudem dies: ‚Kischke stammte aus den litthauischen Familien Tilsits und Insterburgs her – und er erzählte mir einmal über seine eigene Abstammung folgende Geschichte: Mein Großvater stammt eigentlich aus Kurland (Rußland) her. Als es im vorigen Jahrhundert noch keine Kaufstraßen, Chausseen, gab, ging der Weg von Kurland bis Memel längst dem Ostseestrande – von Memel bis Königsberg sogar über die Kurische Nehrung. Ein paar Tilsiter Kaufleute trafen einmal auf einer ihrer Strandreisen von Kurland nach Memel hin in einem Strandwäldchen einen verirrten 3- oder 4-jährigen Knaben an. Aus diesem Knaben aber war weder Name noch Geburtsort herauszubekommen und alle Mühe, ihn wieder loszuwerden, war vergebens. Daher nahmen sie den Knaben mit nach Tilsit, ließen ihn gut erziehen und gaben ihm den Namen Kischke d.h. aus Litthauisch Hase, weil sie ihn im Walde wie einen Hasen gefunden.

Von diesem an der Ostsee aufgefundenen Knaben wollen nun alle zweibeinigen Kischkes Litthauens abstammen und also unser Bürgermeister Kischke auch‘. (Ob man das glauben kann???)


Auch Johann Gottlob Lebrecht Theodor Kischke – der 1789 in Labiau geborene Bruder des obigen Bürgermeisters – lässt sich in Landsberg nieder. Bei seiner Eheschließung mit Heinriette Busau in Landsberg am 24. Mai 1819 ist er 30 Jahre alt und wird als Bürger und Höker bezeichnet.

‚Kischke, Johann Theodor, Bürger und Höker alhier mit der Jungfer Heinriette Busau, des noch lebenden Bürgers und Schneider Meisters Johann Jacob Busau ehel(ichen) einzigen Tochter …‘

Theodor Kischke hat ein äußerst abenteuerliches Leben hinter sich, als er letztlich in Landsberg landet. Nach seinem Tod (1865) widmet ihm der damalige Pfarrer Westphal eine ganze Seite im Kirchenbuch und berichtet:

KB Landsberg 1865

Der in diesem Todtenbuche, Jahrgang 1865 Seite 281 No 58 aufgeführte Theodor Kischke, war der Sohn eines Apothekers in Labiau. Letzterer wurde wegen seiner Kenntniß der polnischen u. russischen Sprache Bürgermeister in Bialystock, wo der Sohn die Handlung erlernte.

1806 trat derselbe beim Ausbruch des preußischen Krieges gegen Napoleon freiwillig in das Regiment v. Plaetz ein, kam nach Pillau und wurde nach hartneckigem Kampfe auf dem Wege nach Danzig mit vielen seiner Cameraden von den Franzosen gefangen genommen, nach Frankreich transportiert u. hier gezwungen, in französische Dienste zu treten. 1807 marschirte er mit dem 5ten Chassier-Regiment nach Spanien und kam nach Madrid.

Joachim Murat (Wikipedia)

1808 beim Ausbruche des Spanischen Krieges diente er unter dem von Joachim Murat formirten … Regiment und trat mit demselben den Rückzug bis nach Neapel an, wo Murat König wurde. In Neapel blieb er bis 1812. Dann ward er beim Ausbruche des russischen Krieges nach Triest umgeschifft. Von da schloß er sich den österreichischen Truppen an und kam bis Poltava.

Im November erfolgte der Rückmarsch bis nach Galicien, jedoch nur von den Österreichern, sein neapolitanisches Regiment unter Le Grand ging nach Warschau. Hier verließ er die neapolitanischen Truppen u. trat in preußische Dienste, kam nach Breslau und trat in das pommersche Husaren-Regiment ein, machte den ganzen Feldzug mit, kämpfte in den Hauptschlachten, marschirte mit nach Frankreich bis Castre im October 1814, kämpfte 1815 bei Ligny u. Belle Alliance u. kam zum zweiten Mal nach Paris.

Schlacht von Ligny (Wikipedia)

Bei Versailles wurde er stark blessirt, von einem französischen Kaufmann aufgenommen u. verpflegt, dann nach seiner Genesung nach Longvic geschickt u. dem 7ten Dragoner-Regiment beigegeben.

Nach dem Kriege blieb er bis 1817 in Tionville (Thionville) stehen, wurde dann als halber Invalide in die Heimath entlassen, mußte in Halberstadt wegen eines Augenübels ins Lazareth und kam endlich im März 1818 in Königsberg an, wo er entlassen wurde.

Er ließ sich dann hier in Landsberg als Kaufmann nieder, bis er sein Geschäft in späterer Zeit aufgab u. in stiller Zurückgezogenheit lebte bis an seinen Tod. Er sprach 6 Sprachen: deutsch, polnisch, russisch, französisch, spanisch, neapolitanisch, war ein Mann von kirchlichem Sein und starb im Glauben an seinen Erlöser. Westphal, Pfarrer

KB Landsberg – Sterbeeintrag von Theodor Kischke – er wurde 73 Jahre und 7 Monate alt
und war 47 Jahre verheiratet.

Auch Theodor Kischke wird in der Landsberger Chronik erwähnt. Dort heißt es:Theodor Kischke, der hier zuletzt in dem sogenannten Zanderschen (seines Schwiegersohnes) Haus am Markte als Kaufmann lebte, war insofern ein ausgezeichneter Mann, weil er Italienisch, Spanisch und mehrere andere Sprachen sprach, weil er dorten überall als gefangener Soldat gelebt….“

Am Markt Nr. 44 –

Die Verbindung zur Familie des Kaufmanns Zander ist ein wenig merkwürdig …. Die Ehefrau des Landsberger Kaufmanns Friedrich Leopold Zander heißt Ottilie Kischke. Als beide 1842 heiraten, wird als Vater der Braut nicht Theodor Kischke angegeben, sondern Carl Kischke, Steuerrendant in Sensburg …Bei Ottilies zweiter Heirat nach dem Tod von Friedrich Leopold Zander (1866 mit dem Kaufmann Rudolph Streit aus Drengfurth) heißt es, sie sei die Tochter des verstorbenen Kaufmanns Friedrich Kischke gewesen. Im Sterbeeintrag von Theodor Kischke wird unter den ‚Hinterbliebenen‚ lediglich dessen Ehefrau (keine Tochter) genannt – im Sterbeeintrag von Heinriette Kischke, geb. Busau (1869) wird eine hinterlassene Tochter aufgeführt.

In Sensburg lebt zur Zeit der Geburt von Ottilie Kischke der Rendant bzw. Accise-Einnehmer Carl Eheregott (manchmal Fürchtegott) Kischke – Ehefrau: Euphrosine Brachvogel – Kinder: 6.8.1814: Carl August Theodor – 18.3.1822: Amalia Emma Eveline – 6.8. 1828: Emilie Auguste Josephine – eine Tochter namens Ottilie konnte ich nicht finden.


Ich vermute übrigens, dass es sich bei dem folgenden Ehepaar, das um 1810 unter den ‚Brotlosen Offizianten‚ in Königsberg genannt wird, um die Eltern der beiden KischkeBrüder handelt, da der Vater seinen Posten als Bürgermeister in Bialystok nach dem Tilsiter Frieden möglicherweise verlor. Bialystok fiel an Russland und viele preußische Beamte wurden arbeitslos – nicht nur dort.

(Quelle: APG 1938/12)

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Die evangelische Kirche in Heilsberg

Einige meiner Vorfahren, die ursprünglich aus dem Kreis Pr. Eylau stammen und alle evangelisch sind, leben zeitweise im benachbarten Kreis Heilsberg und somit im überwiegend katholischen Ermland. Sie werden in der evangelischen Kirche von Heilsberg getauft, konfirmiert und getraut.

Der Grundstein dieser Kirche wurde im Jahre 1821 gelegt – 1823 wurde sie eingeweiht. Damit ist die Heilsberger Kirche das  erste evangelische Gotteshaus im Ermland.

1864 wird in Heilsberg eine Statistik veröffentlicht, die zu Beginn des Jahre 1863 im ‚Bureau des Königlichen Landrathsamts Heilsberg‚ erstellt wurde. Darin ist zu lesen: ‚Die evangelische Kiche anlangend, so gehören die evangelischen Bewohner des Heilsberger Kreises zu 2 Parochien, dem evangelischen Kirchspiele Heilsberg und dem evangelischen Kirchspiele Guttstadt. Jenes begreift die  in der Stadt Heilsberg und deren Umkreis im Radius von 2 Meilen befindlichen evangelischen Personen, dieses diejenigen, welche in umd um Guttstadt in einen ähnlichen Umkreise wohnen. Einige wenige Bewohner des Kreises gehören auch zum evangelischen Kirchspiel Wormditt.

Die Zahl der Bekenner zu der evangelischen Kirche hat in den letzten Jahren abgenommen, denn es befanden sich im Kreise

  • im Jahre 1858 ………. 3116 und
  • im Jahre 1861 ………. 2874 evangelische Personen, also
  • im Jahre 1861 ……….   242 evangelische Personen weniger.

Von den evangelischen Einwohnern gehören zur Kirche in Heilsberg 1651 Personen und zur Kirche in Guttstadt 1223 Personen. Eine erhebliche Zunahme der Bekenner der katholischen Konfession im Wege der gemischten Ehen ist nicht bemerkbar‘.

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Klassifizierung der Bewohner in Bremen und ‚umzu‘

Ich habe wieder einmal in den Digitalisaten des Staatsarchivs Stade gestöbert ….

Unter diesen befindet sich auch ein dicker Ordner mit folgender Aufschrift: ‚Acta betreffend die von den Quartals Commissarien eingesandten Designationen über die Classifizierung der Einwohner zur Erhebung der Kontribution und Konsumtionsakzise. Die Regierung benötigt Geld und man möchte zuvor wissen, in welchen Vermögensverhältnissen sich die Bewohner befinden.

Viele Seiten sind online schlecht zu entziffern – wenn man sie nach dem Downloaden ein wenig bearbeitet, klappt das Lesen gut!

Am 11. Februar 1710 befiehlt die Regierung in Stade, in sämtlichen untertänigen Dörfern und Orten eine Klassifizierung der Bewohner in drei Vermögensklassen vorzunehmen – nach diesem Schema:

Das Herzogtum Bremen steht noch bis zum Jahr 1719 unter schwedischer Herrschaft – Adressat des Antwortschreibens ist also der König von Schweden.

Die einzelnen Ämter beschreiben ganz genau, wie sie bei der Erfassung der Vermögensverhältnisse und deren Zusammenstellung vorgegangen sind – es wurde je nach Ort ein wenig anders verfahren.

Das Amt Blumenthal erklärt:

damit man nun von einem jeden Zustandt und deßen Vermögen desto gründlicher Nachricht haben möchte; ‚So hat man aus jedem Dorffe zwey Alte und beständige Männer vor der Commission Zu erscheinen Citirt, die man dan An Eydes statt ermahnet, auff desjeniges warumb sie etwa befraget werden möchten, die reine und unbezwingliche Wahrheit auszusagen, worauff man dann zum Wercke selbsten geschritten und die Contributions und Consumptions-Rollen zur Handt genommen, und die Classen darnach gemachet‘.

Die Auflistungen werden in Unterthänigkeit übergeben, mit dem Hinbeyfügen, daß es daselbsten nicht alleine Viele Armsehlige Leuthe gibt, sondern es befinden sich auch darunter viele Häußlinge, die sonsten nichts eigenes haben, alß was sie mit der Handt Täglich alß Taglöhner Verdienen‚ ….

In der Börde Lesum hat man ’nicht auf gantze-halbe Bau oder Kathen allein reflectiret, sondern auf dem itzigen Zustand und gelegenheit, ob Sie in diese Extra-ordinaire Begebenheit einen Vorschub zu thun vermögen oder nicht, die absicht genommen, da bisweilen ein halber Bauermann oder ein vermögender Käther, woll in die Erste, oder andre Classe, dahingegen auch woll ein Bauermann, welcher in schlechten Zusstande stehet, in die andere oder gahr dritte Classe gesetztm, nachdehm man sein Vermögen judiciret‘.

Man trifft sich in der Vorderstube des Wohnhauses von Jost Harbers auf dem Burgdamm!

Protocollum Commissionis
Gehalten auf dem Burgdamm in Jost Harbers Wohnhaus
Vorderstube, den 21. February Anno 1710 wegen Classificrung
der Eingeseßenen, der Böhrde Leesumb, Ritter-
hude und übrigen Freyen Dämme, auch Troupe
undt St. Jürgen.

Die Bevollmächtigten der Börde Scharmbeck senden eine besonders ausführliche Situationsbeschreibung. Sie sind der Meinung, dass die 3 Klassen nicht an allen Orten gleich gesetzt werden können, und ‚dass die Börde Scharmcke, wo nicht die aller geringste im Lande, demnach eine von denen unvermögensten seye, in betracht eine sehr große anzahl leute darin, wie man zu reden pfleget, von der Hand in den Mund lebete, imdem es Handwerker sind von geringer Nahrung, welche nichts zuthun haben, woferne nicht die Bremer arbeiten lassen, wir aber solches, bey generaler abnahme der Nahrung, nicht mehr so, als woll vorhin geschiehet, so folget daraus, dass fast durchgehens die Kinder dieser, und der ihnen gleichenden Leute, das Brod vor sich, und ihre Eltern, vor anderer Leute Tühren suchen, und diese sind doch von dem H. Commissarius durchgehens in die 3. Classe gebracht.

Wie nun der bekante Circulus in der Welt so ist, dass, wann der geringe Mann nichts hat, oder consumiren kan, der auf ihn folgende, auch nichts habe, weil Er keine Nahrung hat, und dan überdehm die Börde Scharmcke durchgehens, einige Jahre her, gar hart, theils durch Mißwachs, Hagelschaden, am aller meisten aber universaliter, im abgewichenen Jahre, durch den darin erlebten harten Frost, und die darauf erfolgte sehr schlechte Ärnte mitgenommen worden, so, dass sie itzo durchgehens das Brod nicht hat;

Es folgt ein wunderschön formulierter Abschluss ….

So stellen wir es lediglich zu Ew. Hochgräfl. Excellenz auch Hochwoll: und Wohlgeb. Gnädig geneigte erwegen, ob und wie, Sie, die armseelige Börde Scharmbcke zu denen bevorstehenden extraordinairen Beytrage consideriren wollen, damit nicht der ordinairen und ordinair-extraordinairen, onera, welche doch aufgebracht werden müßen und sollen, in stocken gerathen.

Nachfolgend einige Resultate der Erhebung aus unterschiedlichen Orten. Es fällt auf, dass insgesamt nur sehr wenige Personen der 1. Vermögensklasse zugeordnet werden und dass diese vor allem in Beckedorf und Neuenkirchen ansässig sind. Von meinen eigenen Vorfahren betrifft dies lediglich Johann Vollers und Dierich Burgwall in Beckedorf!

Ein weiterer Bericht aus der schwedischen Zeit des Herzogtums Bremen:

Nachrichten aus der Burgschanze bei Lesum

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Man lernt nicht nur Verstorbene kennen (2)

Auch Maarten Dietrich Gutt hätte ich ohne die Ahnenforschung wohl nie getroffen. Er wohnt weit entfernt von mir – in der Nähe von Krakau. Viel zu weit!

Wir lernten uns bereits vor mehr als 20 Jahren über unsere Forschung in Natangen kennen. Zusammengeführt hat uns die Suche nach Vorfahren seines Familiennamens: Gutt!

Maarten und ich hatten von Beginn an einen ganz besonderen ‚Draht‘ zueinander. Während seines ersten Besuchs bei mir in Oldenburg saßen wir gemeinsam vor den Lesegeräten in der Forschungsstelle der Mormonen und versuchten, die Einträge in den Kirchenbüchern von Canditten der dort ansässigen Gutt-Familien zu entziffern, die zu meinen Ahnen gehören.

Seitdem haben wir uns mehrfach wiedergesehen – dreimal auch in Polen. Eines unserer Treffen – im November 2005 – war besonders emotional, denn wir besuchten zusammen den ‚Friedhof 116‘ bei Gorlice, einen Soldatenfriedhof in Galizien, auf dem mein ostpreußischer Großvater Carl Ludwig Gegner 1915 bei der sogenannten ‚Durchbruchsschlacht‚ sein Leben verlor. Maarten hatte zuvor herausgefunden, dass er dort bestattet wurde. Einige Jahre später besuchte Maarten meinen Opa dort sogar noch einmal allein.

Maarten besucht meinen Opa auf dem Soldatenfriedhof

Trotz der großen Entfernung haben Maarten und ich einen regen und intensiven Kontakt zueinander. Ob wir an irgendeiner Stelle durch unsere Ahnen miteinander verbunden sind, konnten wir bislang nicht herausfinden – auf jeden Fall sind wir ‚Seelenverwandte‚!

Unsere letzte direkte Begegnung war eine Reise durch Natangen im Sommer 2023 – zusammen mit meinem Sohn. Wir wohnten unmittelbar an der russischen Grenze – in ‚Terra Natangia‚ in Żywkowo.

Von dort aus fuhren wir gemeinsam durch die wunderschöne Landschaft, besuchten u.a. Heilsberg, Landsberg, Bartenstein, Petershagen, Schppenbeil, Rastenburg, Canditten und Worienen, die kleine Kirche in Eichholz, erkundeten den ehemaligen Standort der Mühle meines Ur-Ur-Großvaters auf dem Kohnertsberg bei Landsberg und hatten viel Zeit für intensive Gespräche ….

Hier ein Bericht von unserer Reise: Zurück aus Natangen …

In Heilsberg
Kaffeepause

Dank Maarten gibt es in meinem Natangen-Buch übrigens auch ein Namensregister, das er erstellt hat. Das hätte ich allein nie geschafft!

Mittlerweile ist Maarten ein kompetenter Namensforscher, der die Vorkommnisse des Namens ‚Gutt‚ in allen möglichen Regionen intensiv erarbeitet hat.

Wie schön,

dass es dich gibt, Maartenchen!

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Man lernt nicht nur Verstorbene kennen …

Seit fast 30 Jahren verfolge ich die Spuren meiner Vorfahren in Ostpreußen, Hessen, Norddeutschland und in Sachsen und habe dabei nicht nur ganz viel über meine verstorbenen Ahnen und ihre Lebensumstände erfahren. Ab und zu gelang es mir auch, noch lebende Verwandte zu finden, zu denen ich einen herzlichen Kontakt aufbauen konnte. Darüber freue ich mich ganz besonders. Ohne die Beschäftigung mit der Ahnenforschung hätte ich sie vermutlich nicht kennen gelernt ….

Die – mittlerweile sehr enge und intensive – Beziehung zu meinen Verwandten in Sandstedt an der Weser ergab sich vor etwa 25 Jahren durch ein ziemlich witziges Ereignis. In einer genealogischen Mailing-Liste für Ahnenforscher, die speziell für die Recherche nach Vorfahren in Norddeutschland eingerichtet wurde, versuchte ich damals, Näheres über meinen 1814 in Schwanewede geborenen Ur-Ur-Großvater Carsten Knübel zu erfahren.

Als Reaktion auf meine Anfrage erhielt ich eine Mail von Erdmute aus Sandstedt. Ihre erstaunte Frage war: ‚Was haben Sie denn mit unserem Carsten Knübel zu tun?‘ ….

Schnell stellte sich heraus, dass wir beide etwas mit ihm zu tun haben und dass unsere verwandschaftliche Beziehung gar nicht so weit zurück liegt. Die Großmutter von Erdmutes Ehemann Jürgen – Beta Catharina Knübel – war die Schwester meiner Urgroßmutter Margarethe. Carsten Knübel und Elisabeth Dehls sind ihre Eltern. Ihr Grabstein befand sich noch lange auf dem Friedhof der Reformierten Kirche in Bremen-Blumenthal, bevor er auf ärgerliche Weise entsorgt wurde ….

Der Grabstein meiner Ur-Ur-Großeltern

Der verschwundene Grabstein meiner Urgroßeltern

Verwandt bin ich also eigentlich mit Jürgen – aber Erdmute und ich teilen eine große Leidenschaft: wir beschäftigen uns beide voller Begeisterung mit der Geschichte Ostpreußens.


Auch die Familie von Jens Gegner Andreasen lernte ich durch die Ahnenforschung kennen. Jens wurde in Kopenhagen geboren und ist mit Min Min Yu verheiratet, die aus China stammt. Beide haben eine Tochter namens Anne-Marie Serena.

Wir kennen uns inzwischen seit fast 20 Jahren! Jens hätte ich niemals gefunden, wenn er nicht zusätzlich zu seinem Namen ‚Andreasen‚ noch den Geburtsnamen seiner Großmutter Ebba Andrea Gegner erhalten hätte, die 1892 in Dänemark zur Welt kam. Hier sieht man sie (rechts in der 1. Reihe) gemeinsam mit ihren Geschwistern.

Ebbas Urgroßvater – Carl Ludwig Gegner – stammt aus dem kleinen Kirchdorf Eichhorn im ehemaligen Kreis Preußisch Eylau in Ostpreußen. Er ist der Bruder meines Vorfahren Ernst Wilhem Gegner.

Carl Ludwig wurde Kunstgärtner – wie sein Großvater Michael Gegner, der die Gartenanlagen der Begüterung Worienen betreute. Nach einer Ausbildung in Bartenstein verließ Carl Ludwig seine ostpreußische Heimat, heiratete 1809 in der Garnisonskirche von Kopenhagen die Dänin Ellen Erland und gründete eine Familie. Dies ist ihr Heiratseintrag:

Jens Gegner Andreasen und seine Familie leben mittlerweile in Italien. Wir freuen uns beide über den Kontakt, senden uns Fotos und tauschen Nachrichten aus. Jens sagt: ‚Ahnenforschung ist ein bißchen wie ein Spaziergang durch einen großen Wald, wo man ständig neue ‚Blumen‘ entdeckt!‘ Er hat Recht! Ich hoffe sehr, dass wir uns bald auch einmal persönlich begegnen!

Spannend ist auch, dass in Italien gerade ein kleiner Junge zur Welt gekommen ist, der einen besonders interessanten Stammbaum mit Ahnen aus vielen Teilen der Welt hat – sie lebten in Italien Dänemark China und in Ostpreußen!

Zu der dänischen Gegner-Familie findet man hier noch nähere Informationen:

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Bittere Tränen wegen der weggeführten Kinder ….

Bei der Durchsicht von Kirchenbüchern achte ich immer auch auf chonikalische Aufzeichnungen der Pastoren, die man in vielen Büchern finden kann. Die Pastoren berichten oft hautnah über Geschehnisse in ihrer Umgebung oder über besondere Ereignisse des Weltgeschehens.

Die nachfolgenden Ausschnitte stammen aus dem Kirchenbuch von Rüsseina – nicht weit entfernt von Meißen in Sachsen. In dieser Kirche – wie auch in denen von Krögis, Planitz, Raußlitz und Ziegenhain werden in der Zeit von etwa 1550 bis 1800 eine Reihe meiner Vorfahren getauft, bestattet oder verheiratet.

Diese Aufzeichnungen wurden verfasst von Johann Gottlob Stöckel, seit 1742 Pfarrer in Rüsseina, vorher Feldprediger im Kürrasierregiment. Er schreibt:

Dieses 1745ste Jahr war sehr merckwürdig. Imo (in der Tat) starb der Kayser Carolus VII d. 20 Jan: nachdem er nur 3 Jahr und zwar in der größten Unruhe regiret hatte(,) denn 1742 im Monat Januario war die Wahl vollzogen worden. Sein Alter war 47 Jahr, 5 und 1/2 Monat; die Zeit seiner Regierung im Churfürstenthum Bayern 19 Jahr weniger 1 Monat. Im Kayserthum aber von dem Wahltage an 3 Jahr weniger 3 Tage.

Seit 1744 tobt der Zweite Schlesische Krieg, bei dem auch Sachsen sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Friede von Dresden (auch: Dresdener Friede, Dresdner Friede oder Friede zu Dresden) war ein am 25. Dezember 1745 in Dresden unterzeichneter Friedensvertrag zwischen Preußen, Österreich und Sachsen. Er beendete den Zweiten Schlesischen Krieg. Während König Friedrich II. von Preußen mit Frankreich verbündet war, bildete Österreich unter Maria Theresia eine Allianz mit Sachsen, Großbritannien und den Niederlanden. (Wikipedia)

Die preußischen Soldaten verlassen Sachsen, aber sie zwingen viele junge Männer, mit ihnen zu kommen. Der Pfarrer von Rüsseina berichtet:

Am 27. Decembr gieng der König in Preußen von Dreßden ab, am 28. zog die Guarnison aus. Am 1. Jan(uar) 1746 verließen sie leipzig, und in wenigen Tagen drauff das gantze Land. Aus Dreßden wurden vom König in Preussen über 40 Cadets mitgenommen, von welchen kaum 3 oder 4 ihr Vaterland wieder gesehen haben, da doch diese, als Edelleute, gleiche Kriegs Freyheiten, als Officiers zu geniessen haben.

Zugleich wurden auch die Knaben aus den Casernen, welche blau gekleidet waren, alle nach Brandenburg geschlept, desgleichen 3000 wohlgewachsne junge Mannschafft von der landmilitz, welche die Preussen auff dem Marsch übel sollen tractirt haben, sie des Nachts in die Kirchen gesperrt, dass manche darinnen erfroren sind.

Und ob es gleich bey dem frieden geheissen: sie solten wiederum ausgeliefert werden, so sind doch die allermeisten Dienste zu nehmen gezwungen worden, und in die äußerste Grentzen der Brandenburgschen Lande hin und her zerstreut worden, dass viele Eltern im Lande noch bittere Thränen wegen ihren weggeführten Kindern vergießen müßen.

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Genealogie und KI – macht das Sinn?

Macht es Sinn, die KI bei der eigenen Ahnenforschung einzubeziehen? Ich hab’s ausprobiert – aber nun reicht es auch!

Es waren keine kostenlosen KI-Tools, die ich bei diesem Test genutzt habe!

Zunächst bin ich tatsächlich beeindruckt von einigen Texten, die von KI nach Vorgabe nur weniger Fakten erstellt werden – zum Beispiel Biografien wie diese:

Beeindruckt hat mich anfangs der Schreibstil, der so ganz anders ist als mein eigener. Aber es ist eben nicht mein Schreibstil! Die KI-Texte enthalten zahlreiche äußerst ‚blumige‚ Formulierungen und Ausschmückungen – ich selbst schreibe eher Sachtexte.

Was mir gefällt und sicherlich manchmal nützlich sein kann, ist die KI-generierte Darstellung verschiedener Lebenssituationen – zum Beispiel von Berufsbildern der Ahnen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Regionen. Im ‚Flow‘ mit KI bietet mir diese zwischendurch immer mal die Erstellung ‚historisch stimmungsvoller Bilder‚ an – wie KI selbst diese Kreationen nennt.

Im Verlauf der „Unterhaltung“ über meinen Vorfahren Michael Gegner, der um 1750 als Kunstgärtner der Begüterung Worienen im ehemaligen ostpreußischen Kreis Pr. Eylau tätig ist, schlägt mir KI vor, ein solches Bild zu erstellen. Das Ergebnis:

In einschlägiger Literatur konnte ich nirgends ähnliche Abbildungen entdecken, deshalb finde ich es sinnvoll, zur Illustration der eigenen Familiengeschichte KI-generierte Bilder zu verwenden, wenn diese stimmig sind.

Ich füge an dieser Stelle einen Ausschnitt aus einem Kommentar zu diesem Thema ein – den gesamte Kommentar findet man unter dem Beitrag.

Christoph schreibt: ‚Gerade die Bildgenerierung erachte ich als ein ziemliches genealogisches Pulverfass, da wie oben „plausible“ Illustrationen erstellt werden, die irgendwann vielleicht als historische Überlieferung verkannt werden. Als Nachgeborenem kommen einem doch beim Gärtner-„Foto“ ziemliche Zweifel: Konnte sich ein Gärtner um 1750 derartige Stiefel leisten? Wäre er damit zur Arbeit gegangen? Die Weste – zeitgemäßer Stil, Arbeitsklamotte und (immerhin bestickt o.ä.) im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten? ….. Welches Werkzeug hält Christian Fischer in der Hand und entspricht sein muskelbepackter Körper nicht eher modernem Schönheitsideal, Proteinpulver und Muckibude als den Lebensrealitäten im 18. Jahrhundert? So genau „weiß“ die KI das natürlich auch nicht – woher auch – und deswegen steht auch unter dem Schafmeister „c. 1700–1930“.

Weitere Beispiele KI-generierter Darstellungen einiger Vorfahren: Bild links und Mitte: Israel Elßig, Schafmeister in Kobelsdorf bei Meißen um 1700 – rechts Christian Fischer, der von 1704 bis bis 1749 als Maurermeister in Pinnewitz bei Meißen lebte. Könnten beide bei der Ausübung ihrer Berufe so ausgesehen haben …?


Ab und zu habe ich die KI getestet und bewusst Fragen gestellt, die ich selbst beantworten kann. Mit der Begüterung Worienen im ehemaligen Kreis Pr. Eylau in Ostpreußen habe ich mich lange beschäftigt – damit kenne ich mich ganz gut aus. Deshalb war ich gespannt auf die Beantwortung meiner Frage an KI: „Kannst du mir bitte Näheres über den Ort Worienen im Kreis Pr. Eylau in Ostpreußen erzählen?“ Es folgte diese ‚Unterhaltung‚:

Sauber geklärt‚ wird aber leider gar nichts! KI hätte die richtigen Informationen einfach nur dem von mir erstellten Einleitungstext zum OFB Eichhorn entnehmen können – da heißt es:

Der ehemalige Kreis Pr. Eylau in Natangen gehörte zum Regierungsbezirk Königsberg in Ostpreußen. Das Kirchspiel Eichhorn umfasst folgende Orte bzw. Güter: Dixen, Dörsen, Eichhorn, Gallehnen, Glomsienen, das Vorwerk Jägerhof, Kohsten, Kumkeim, Müggen, Neuendorf, Neukrug, Polassen, Stettinen, Tapperlauken, Weskeim, Wokellen, Worglitten und Worienen.

Sowohl das Dorf Eichhorn selbst – um 1350 als deutsches Bauerndorf gegründet – als auch die zum Kirchspiel gehörigen Orte befanden sich über mehrere Jahrhunderte in adligem Besitz. So lebten beispielsweise in Worienen die Familien von Lehndorff, von Tettau, von Bredow und von Domhardt, in Wokellen Familie von Tettau und in Weskeim Familie von der Gröben.

Stattdessen kommt dieser Unsinn!

Es folgt ein Angebot:

Und dann kommt diese unsinnige Karte!

Noch abstruser ist die nachfolgende Karte! Sie ist das Ergebnis meines Versuchs, herauszufinden, auf welchem Weg meine Gegner-Vorfahren wohl nach Ostpreußen gelangt sein könnten. Ich weiß, dass sie bereits um 1650 im Kirchspiel Eichhorn leben – schon zu dieser Zeit werden sie in den dortigen Kirchenbüchern genannt.

KI erklärt: ‚Das Ordensland wurde in ein weltliches Herzogtum unter Albrecht von Brandenburg-Ansbach umgewandelt. Schon er (um 1530–1550) lockte viele süddeutsche und schlesische Beamte, Geistliche und Handwerker an – bevorzugt aus seiner fränkischen Heimat (Ansbach, Nürnberg, Bayreuth). In dieser Zeit könnten bereits einzelne Familien mit Namen wie „Gegner“ eingewandert sein.‘

Damit bin ich einverstanden – das vermute ich auch schon lange! Doch dann schlägt KI wieder vor, eine Karte anzufertigen, um zu verdeutlichen, wie ‚diese mitteldeutschen Einwanderungsströme im 16. Jahrhundert ins Herzogtum Preußen verliefen‘ und bringt alles durcheinander!

Mein Fazit: KI ist sehr sprachgewandt und ausgesprochen höflich und freundlich! Sie freut sich über Hinweise, lobt den Anwender und bedankt sich für Korrekturen oder Ergänzungen – die sie ja auch benötigt, um besser zu werden!

Es hat Spaß gemacht, verschiedene Funktionen zu testen! Ab und zu erschienen mir KI-Anmerkungen sinnvoll und zumindest überprüfenswert und einige Anregungen werde ich sicherlich durchdenken!

Aber ich sehe eine große Gefahr! Man sollte die KI momentan nur dann verwenden, wenn man selbst in der Lage ist, die – reichlich vorhandenen – sachlichen Fehler zu erkennen! Anfängern in der Familenforschung rate ich ausdrücklich davon ab, KI-generierte Antworten ohne Überprüfung und Kontrolle der Quellen zu übernehmen! Man kann ziemlich beeindruckt sein von all dem, was KI behauptet, aber (leider?) ist vieles absoluter Quatsch! Die eigene Recherche und die Arbeit an Original-Quellen kann KI nicht ersetzen! Und das ist wohl auch gut, denn die Recherche macht Spaß!

Als ziemlich gruselig habe ich die persönliche Nähe empfunden, die KI durch immer wiederkehrende Ansprache und Lob zum Nutzer aufzubauen versucht. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige Anwender dadurch die nötige Distanz zu diesem Medium verlieren und in einen Sog geraten, der kritische Beurteilung verhindert.

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Familie Zscherper im Amt Meißen

Während der vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit meinen Vorfahren in Sachsen befasst und entdeckt, dass viele dieser Familien während des 16. bis 18. Jahhunderts in kleinen Orten bei Meißen lebten. Sie gehören in die Ahnen-Linie meines Ur-Ur-Großvaters Carl Friedrich August Müller, der am 24. November 1818 in Torgau geboren wurde, seine sächsiche Heimat als junger Mann verlässt und fernab in (Bremen)-Blumenthal landet.

Ich kenne diese Region überhaupt nicht – vielleicht ein neues Reiseziel …?

Quelle: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen

Über einige meiner Ahnen in Sachsen (in Torgau und Umgebung) habe ich bereits hier berichtet: Pinnewitz – Deila – Altbelgern und Graditz oder: Familie Springefeld in Graditz.

Zu meinen Vorfahren in der Region von Meißen gehören u.a. Urban Görne, der 1663 in Neustößwitz verstirbt, Andreas Fischer aus Pinnewitz, Valten Münch aus Görtitz und – George Zscherper, der 1633 in Kleinprausitz zur Welt kommt. Um sie zu entdecken, habe ich die Kirchenbücher von Krögis, Ziegenhain, Raußlitz und Rüsseina durchstöbert.

Über Familie Zscherper (auch auch Tscherper Zschörper Zscherber oder auch Scherper geschrieben) konnte ich herausfinden:

George Zscherper kommt 1633 im Dorf Kleinprausitz als Sohn von Hans Zscherper zur Welt und wird am 30. April in der Kirche von Krögis getauft. Seine Taufpaten sind: ‚der Wohl Edle Gestrenge und Veste Georg Albrecht von Nizschwiz (Nitzschwitz) uff Sörnwitz (Sornitz), an deßen statt Hanß Gappisch; Thomas Zscherper zu Görtiz (Görtitz) und Regina, uxor Hanß Lehmanns zu Cäbschiz (Käbschütz)‘.

1657 wird George in der Kirche von Ziegenhain erstmals als Taufpate genannt:

George Zscherber, ein Junger geselle, Hannß Zscherbers zur Klein Prausiz ehelicher Sohn

1659 tritt er in Ziegenhain erneut als Pate auf. Mittlerweile hat er seine Ausbildung beendet und wird nun als ‚George Zscherber, Schirrmacher in Klein Prausitz‘ bezeichnet. So könnte es ausgesehen haben, wenn er arbeitete:

mit Hilfe von KI erstellt

George und Anna leben nach ihrer Eheschließung in Gohla. Hier werden von 1662 bis 1684 ihre 10 Kinder geboren. Zwei Söhne kommen tot zur Welt, einer stirbt 1664 bereits im Mutterleib. Hier ist mehr über ihr Leben zu erfahren: George Zscherper – Schirrmacher von Gohla.

Anhand der sächsischen Gerichtsbücher konnte ich noch einiges über die vorherigen Zscherper-Generationen herausfinden. Diese Bücher sind wahre Schätze – vor allem dann, wenn keine Kirchenbücher existieren, aber auch dann, wenn man nach Informationen aus der Zeit vor Führung der Kirchenbücher sucht!

Recherche in den Gerichtsbüchern

Die Gerichtsbücher sind einzigartige Quellen zu Grundbesitz-veränderungen, Nachlässen oder Vormundschaften vom ausgehenden Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und liegen für praktisch alle Orte Sachsens vor. Sie geben Auskunft über Kaufhandlungen, verbriefte Rechte, Besitzerfamilien, verwandtschaftliche Beziehungen, aber auch zum Alltag der Menschen in früheren Jahrhunderten. https://www.saechsische-gerichtsbuecher.de/

So funktioniert’s: Nach Eingabe des Ortsnamens in ein Suchfeld werden die für diesen Ort in Frage kommenden Gerichtsbücher angezeigt.

Man muss sich ein wenig einarbeiten. Die meisten Bücher enthalten Namensregister – sortiert wird allerdings in den frühen Büchern (manchmal noch bis ins 18. Jahrhundert hinein) nicht nach Familiennamen, sondern nach Vornamen.

Das sieht dann so aus:

Wenn man die Vornamen der jeweils gesuchten Personen nicht kennt, macht es Sinn, das gesamte Register zu studieren! Auf jeden Fall sollte man dabei auch an die möglichen Schreibvarianten der Familiennamen denken – Zscherper ist beispielsweise auch unter S (Scherper) oder T (Tscherper) zu finden. Wichtig ist außerdem, unter den Buchstaben T und V nachzusehen – Hinweise auf die gesuchte Familie könnten sich dort evtl. unter den Stichwörtern ‚Testament‚ – ‚Vergleich‚ oder ‚Vererbung‚ finden lassen.

Ab und zu hatte ich Schwierigkeiten, den Text zu entziffern. Ich habe mich bei der Durchsicht der Dokumente vor allem auf die Namen der genannten Personen konzentriert, um die Verwandtschaftsverhältnisse zu entschlüsseln. Ich zeige anhand einiger Beispiele, wie ich vorgegangen bin und was ich herausfinden konnte ….

Hanns Tscherper mit seinenn Brüdern und Schwägern – GB Meißen Nr. 269

4.2.1568 – Peter Zscherper ist verstorben. Er hat zwei Güter hinterlassen: eins in Prausitz und eines in Roitzschen. Nach seinem Tod erscheint sein Sohn Hans mit seinen Brüdern Barthel und Peter im Amt Meißen – gemeinsam mit ihren Schwagern Hans Fichtner, Simon Mainzner u. Hans Rosenberg in ehelicher Vormundschaft ihrer Weiber, Peter Tscherpers nachgelassenen Töchtern.Weitere Erben sind: Veit und Hans Schuberts Tochter Kinder.

Die Bezeichnung ‚Gut‚ ist oft etwas irreführend – vermutlich ist damit ein gewöhnliches Bauernhaus gemeint.

Hans soll das Gut in Roitzschen und Barthel das Gut in Kleinprausitz bekommen. Peter erhält Geld. Barthel findet auch seine Schwager mit Geld ab.

Also: Peter Zscherper verstirbt vor 1658. Er hat auf jeden Fall 3 Söhne: Hans Barthel und Peter sowie drei verheiratete Töchter! Ihre Ehemänner heißen: Hans FichtnerSimon Mainzner und Hans Rosenberg.

1569 –Peter und Hanßen Tzschärpers gebrüder vergleichung – GB Meißen 270

Hans Zscherper gesteht, dass er seinem Bruder Peter noch Geld schuldet.


2.5.1575 – Hans Zscherper in Roitzschen ist verstorben. Vor dem Amt Meißen erscheinen: Peter Heimbach, Vormund der Tochter Elisabeth Jacob Schönberg, Vormund von Katharina und Valten Donat, Vormund des Sohnes Blasius, des Erben.

Danach hinterlässt der vor 1575 verstorbene Hans Zscherper in Roitzschen mindestens drei Kinder: Tochter Elisabeth – Tochter Katharina und Sohn Blasius.

GB Meißen 273

1593 Valten Donat erscheint mit seinem Mündel Blasius Zscherper im Amt. Nach dem Tod des Vaters hatte Blasius – als Erbe des Guts in Roitzschen – seinem Stiefvater George Kretzschmer aus Barnitz diesen Besitz für 18 Jahre verpachtet. Pfingsten 1594 wird Kretzschmer das Gut an ihn abtreten. Noch 1618 erhält George Kretzschmer Erbgeld (warum eigentlich?)

Die Mutter hat demnach um 1575 erneut geheiratet. Ihr 2. Ehemann ist George Kretzschmer, der aus Barnitz stammt.



Am 25.6.1581 erscheinen im Amt Meißen Barthel Zscherpers (Besitzer in Kleinprausitz) hinterlassene Kindern und Erben mit ihren verordneten Vormündern namens Nickel Haubtmann von Döbschütz, Walpurgen, der ältesten Tochter Vormund, Matthes Zscherper, Elisabeth, Blasius Zscherper von Döbeln, Hansen, Jorge Thielmann u. Hans Pinkert, Vormünder des jüngsten Sohnes Bartholomäus

Das bedeutet: Barthel Zscherper stirbt vor 1581 in Kleinprausitz. Er hat auf jeden Fall folgende Kinder: Walpurgis (älteste Tochter) – Matthes Elisabeth Blasius Hans Bartholomäus (jüngster Sohn)

GB Lommatzsch Nr. 101: 1593 erscheint Hans Zscherper aus Kleinprausitz im Amt Lommatzsch – er kauft ein Gut im Dorf Mauna!


Der jüngste Sohn – also Bartholomäus (Barthel) – ist der Erbe des Guts in Kleinprausitz. Er muss vor 1612 verstorben sein, denn am 10.2. 1612 erscheinen im Amt Meißen die Kinder und Erben mit ihren Vormündern – u.a. die Witwe Regina mit ihrem verordneten kriegischen Vormund Philipp Gappizsch aus Leippen – ihr wird ein Wiederkaufsrecht eingeräumt – dabei sind: Blasius Zscherper aus Roitzschen als Vormund des älteren Sohnes PeterPeter Donat aus Roitzschen, Vormund von Tochter MariaGeorge Tielmann aus Kleinprausitz u. George Gamzsch aus Krögis als Vormünder von Hans, dem Erben !!!

Ein „kriegischer Vormund“ ist ein historischer Rechtsbegriff (aus dem Spätmittelalter), der einen speziellen Vormund für einen einzelnen Rechtsstreit oder ein Rechtsgeschäft bezeichnet, ähnlich einem modernen Prozesspfleger (curator in litem), der eine Person (oft eine Frau, die rechtlich eingeschränkt war) vertritt, wenn ein Konflikt drohte oder bestand, und der vom Ehemann oder einem männlichen Familienmitglied unterschieden wurde. Die Funktion war, Schutz und rechtliche Vertretung in spezifischen Situationen zu bieten.

Wiederkauf
der Bartel Zscherperin umb das gutt
zue Klein Prausiz, sampt dem Inventario undt schulden

(GB Meißen Nr. 277)

Am 10.2.1612 werden u.a. folgende Regelungen getroffen:

  • das Gut wird der Mutter für 18 Jahre wiederkäuflich übergeben
  • die Kaufsumme beträgt 2000 Gulden
  • der Erbe verpflichtet sich, den Kinder jeweils die Hochzeit auszurichten
  • die Kinder sollen im Gut ‚ernehret und aufgezogen werden’
  • ebenso mit notwendiger Kleidung versehen werden bis sie 12 Jahre alt sind
  • wenn es einem Kind nicht mehr auf dem Hof gefällt, kann es woanders in Dienst gehen
  • falls es wieder dienstlos oder krank würde, kann das Kind zurück kommen und wird 6 Wochen zu Hause versorgt
  • jedes Kind soll eine Kuh und ein einjähriges Kalb bekommen

Nur 4 Wochen später – im März 1612 findet sich die Witwe Regina – erneut im Amt ein. Diesmal kommt sie in Begleitung ihres Verlobten und zukünftigen Ehemanns Hans Münch, der aus Stroischen stammt. Mit ihm wird ein Pachtvertrag für 18 Jahre geschlossen. Über mehrere Seiten wird das gesamte Inventar wird aufgelistet – z.B. das Vieh auf dem Hof (u.a. ‚4 ziehende Pferde‘) – vorhandenes Getreide, aber auch ‚1 gedeckter Tisch mitt 12 Tellern, undt 12 Löfelln und 3 Schüsselln‘.

Auch die vorhandenen Schulden müssen übernommen werden – u.a.: Steuer an das Amt Meißen Lohn an die Mittelmagd – Lohn für den Schmied Thomas Schneider in Krögis – Lohn für den Arzt in Siebenlehen – George Tzscherper bekommt noch Geld für eine Kuh (wer ist George Tzscherper?) – Geld für das Essen, das die Vormünder beim Amtsschreiber verzehrt haben – auch Erbgelder müssen noch an mehrere Personen gezahlt werden, u.a. an Elisabeth Voigt in Soppen, die Witwe von Jacob Voigt – an Gregor Voigt in Krögis – an Georg Tzscherper (?)…..



25.7.1626 – Thomas ist der jüngste Sohn von Blasius Tscherper in Roitzschen. Blasius verkauft bzw. vererbt ihm sein Gut zu Lebzeiten, will es jedoch selbst noch bewirtschaften so lange es möglich ist. Falls seine Frau vor ihm versterben sollte, will der Vater auf sein anderes Gut ziehen! Dies liegt im Gutsbezirk der Familie von Schleinitz. Falls Blasius zuerst sterben sollte, soll Thomas seine Mutter bei sich aufnehmen und versorgen. Seine Enkelin Maria Burckhardt (Tochter von Jacob) soll Geld bekommen – der ‚blöde‘ Sohn Blasius soll versorgt werden.

(Anmerkung: Der Begriff ‚blöde‚ besagt, dass Sohn Blasius geistig behindert war – im Kirchenbuch von Krögis findet man 1632 seinen Sterbeeintrag. Aufgrund der Kriegswirren und nach Ausbruch der Pest verlieren in der Region um Meißen – auch im Dorf Roitzschen – viele Menschen ihr Leben. Dazu gehört auch Blasius – er wird ‚vom Kriegsvolck‚ erschossen).

KB Krögis 1632

Meißen, den 20.12.1630 – Nach dem Tod von Barthel Zscherper in Kleinprausitz war 1612 mit Hans Münch – dem 2. Ehemann der Witwe – ein Pachtvertrag für 18 Jahre geschlossen worden – siehe oben! Das hat offenbar nicht gut funktioniert! Hans Münch musste sich ’seines bösen Haushalts und vieler gemachter Schulden halber außm guthe begeben‘ und hat ‚daßelbe öde, wüste und unbesambt liegen laßen‘

Nun übernimmt Hans Zscherper – der eigentliche Erbe – den Hof! Bei der Übernahme wird das Inventar genauestens begutachtet- vorhandene Mängel werden vermerkt.

Dieser Hans Zscherper ist vermutlich der Vater meines Vorfahren George Zscherper, der 1633 in Kleinprausitz zur Welt kommt. Aber um diese Vermutung abzusichern, werde ich auf jeden Fall nach weiteren Belegen suchen!

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Die Haesloops von Rönnebeck

Vier Generationen Kahnschiffer an der Weser (um 1700–1855)

Noch ein KI-Versuch! Nach nur wenigen Vorgaben erhielt ich folgenden Text:

Rönnebeck – ein schmales Dorf am linken Weserufer, dort, wo der Deich sich sanft zur Flussbiegung neigt. Zwei Dutzend Häuser, Gärten hinter hohen Wurten, Schilf am Wasser, und dahinter die weite Marsch. Seit Menschengedenken lebten hier Menschen vom Strom. Einer von ihnen war Martin Haesloop, der um 1707 geboren wurde.

Martin Haesloop war Kahnschiffer. Er besaß einen flachen Weserkahn, wie man sie damals überall zwischen Vegesack und Brake fuhr. Im Frühjahr brachte er Bauholz, im Sommer Ziegel, im Herbst Getreide. Der Fluss war sein Weg und sein Wagnis zugleich. Die Ufer wechselten mit jeder Flut, Sandbänke wuchsen, Nebel kam ohne Vorwarnung. Doch Martin verstand das Wasser – und die Weser verstand ihre Leute. Sie nährte sie, prüfte sie und nahm sie, wenn sie wollte.

Ein Weserkahn um 1750 – Unwetter (KI)

Um 1743 wurde sein Sohn Hinrich Haesloop geboren, ebenfalls in Rönnebeck. Auch er wuchs in der Sprache des Flusses auf. Noch bevor er lesen konnte, wusste er, bei welchem Wind der Wasserstand sank und wann man das Boot besser festmachte. Er folgte seinem Vater früh in den Beruf. Rönnebeck war ein Dorf der Schiffer, Treidler und Fischer, und wer dort aufwuchs, gehörte entweder zum Wasser – oder zu niemandem.

Hinrich Haesloop erlebte die Zeit, als Bremen größer und der Verkehr auf der Weser dichter wurde. Er fuhr mit Gütern flussaufwärts in die Stadt, brachte Torf und Holz zurück in die Marsch. Die Männer aus Rönnebeck galten als zäh, wortkarg und zuverlässig. Wenn sie losfuhren, wusste man: der Fluss würde sie prüfen – und die, die zurückkehrten, waren um eine Geschichte reicher.

1776 wurde Hinrichs Sohn Johann Haesloop geboren, wiederum in Rönnebeck, im Schatten des Deichs. Auch sein Leben stand von Anfang an im Zeichen der Weser. Schon als Knabe half er seinem Vater am Ufer, beim Treideln der Kähne stromaufwärts. Das dicke Hanfseil schnitt in die Haut, die Schuhe blieben im Schlamm stecken, und doch trugen die Jungen den Stolz der Männer in sich. Wer auf der Weser Bestand hatte, brauchte keine andere Ehre.

Als Johann erwachsen wurde, war er längst selbst Schiffer. Er fuhr von Rönnebeck nach Bremen, nach Brake, manchmal bis nach Sandstedt. Er kannte jeden Nebenarm, jede Böe. Die Arbeit war beschwerlich, aber in Rönnebeck zählte das nicht. Man tat, was die Weser verlangte.

Am 3. Februar 1807 heiratete er in der Kirche zu Blumenthal – denn Rönnebeck gehörte zum Kirchspiel dort – die Margarete Oltmann, eine junge Frau aus seiner Nachbarschaft. Ihr Vater, Reinert Oltmann, war Seefahrer gewesen, und auch ihre Mutter, Tibke Maake, stammte aus einer Schifferfamilie von der Weser.

Margarete kannte das Geräusch der Taue im Wind, das Warten, das Hoffen. Sie war daheim in Rönnebeck, am Rand des Wassers, wo das Land nach Salz schmeckt.

Zwischen 1808 und 1824 brachte sie fünf Kinder zur Welt, alle in Rönnebeck geboren, alle mit dem Blick auf den Deich groß geworden. Ihr zweiter Sohn, Hinrich Haesloop, kam 1810 zur Welt – und er sollte den Beruf seines Vaters und Großvaters fortsetzen.

Während Margarete das Haus führte, war Johann monatelang auf der Weser. Sie hielt das kleine Anwesen hinter dem Deich in Ordnung, versorgte Vieh, Garten, Kinder. Oft stand sie abends draußen, sah nach Westen und lauschte. Ob irgendwo, hinter dem Nebel, ein Segel ihr Signal gab? Der Wind brachte manchmal den Klang von Stimmen – Männer, die auf dem Strom arbeiteten. Es war kaum zu unterscheiden, ob es wirklich Rufen war oder nur das Echo des Wassers.

So vergingen die Jahre. Johann fuhr, Margarete wartete, die Kinder wuchsen heran, und der Fluss floss weiter, ungerührt von Menschenleben.

Hinrich, der Sohn, wurde wie sein Vater Kahnschiffer. Auch er blieb in Rönnebeck, auch er zog sein Schiff gegen den Strom, belud, entlud, kämpfte gegen Wind und Nebel. Doch die Zeiten änderten sich: Auf der Weser erschienen Dampfschiffe, die kleinen Kähne wurden verdrängt. Vielen alten Schiffern nahm das die Arbeit, nicht wenigen den Mut. Hinrich hielt fest an dem, was die Haesloops seit Generationen konnten – mit der Strömung leben.

Dann, am 19. Oktober 1845, traf das Schicksal die Familie. Dicker Nebel lag über der Weser, der Wind drehte unberechenbar. Hinrich Haesloop war auf Fahrt, als sein Kahn kenterte. Niemand weiß, ob es ein falscher Schritt oder ein gebrochenes Tau war. Als man ihn fand, trieb er tot im Wasser – nur wenige hundert Meter von Rönnebeck entfernt. Er war 35 Jahre alt.

Für seine Eltern, Johann und Margarete, war das ein tiefer Schlag. Sie hatten ihr Leben lang mit der Gefahr des Flusses gelebt – doch wenn sie trifft, ist sie nie vertraut.

Margarete starb 1852, drei Jahre vor ihrem Mann. Johann Haesloop, der zuletzt als alter Mann noch am Deich half, ertrank am 8. März 1855 – fast achtzigjährig, in seinem eigenen Element. Die Weser, die ihn getragen hatte, nahm ihn zuletzt still an sich.

Über mehrere Jahrhunderte lang wohnten die Haesloops in Rönnebeck. Von Martin Haesloop um 1700, über Hinrich, Johann und Hinrich (1810), bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts blieb die Familie eng mit dem Dorf und dem Fluss verbunden. Sie waren Teil jener kleinen, standhaften Gemeinschaft, die ihren Wohlstand und ihr Unglück gleichermaßen aus dem Wasser zog.

Als die Dampfschifffahrt die alten Kähne verdrängte, wandelte sich auch Rönnebeck. Doch für viele der Nachkommen blieb das Wasser ihr Beruf: Einige arbeiteten auf Schleppdampfern, andere auf den Werften von Blumenthal oder Vegesack, wieder andere gingen zur See. Der Klang des Familiennamens aber blieb an die Weser gebunden.

Der Sohn des 1845 in der Weser ertrunkenen Kahnschiffers Hinrich ist mein Urgroßvater Hinrich Haesloop (1846 -1922). Bei seiner Geburt war der Vater bereits verstorben. Auch er selbst wurde Seemann – ebenso wie später sein Sohn – mein Großvater Hinrich Haesloop (1846-1922) – der als Maschinist die ganze Welt bereiste.

Heute ist kaum mehr etwas übrig von dem ursprünglichen Dorf der Schiffer. Doch wer am Deich von Rönnebeck steht und den Blick über das ruhige Wasser schweifen lässt, schaut auf denselben Strom, denselben Fluss, der Martins Kahn trug, über den Hinrich und Johann zogen, in dem Hinrich und Johann ertranken. Wenn der Wind über das Schilf fährt und die Möwen schreien, mag man glauben, die alten Stimmen zu hören – heiser, vertraut und vom Leben zerfurcht.

Dann flüstert die Weser selbst, leise und unaufhörlich, einen einzigen Name über die Jahrhunderte hin: „Haesloop.“

Denn wer in Rönnebeck am Wasser geboren ist, trägt die Strömung in sich – sein Leben lang.

Das trifft auch auf mich noch zu!

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