Datenschützer warnen …

Ich finde es erstaunlich, wie unkritisch viele Hobby-Genealogen über ihre ‚Matches‚ und Erfolge bei der Auswertung ihrer DNA-Ergebnisse berichten. Nur selten findet sich jemand, der seine Skepsis gegenüber dem immer größer und immer kostengünstiger werdenden Angebot äußert, das mittlerweile ja sogar im Werbefernsehen zwischen den Sonderangeboten von Baumärkten und Schuhgeschäften auftaucht. Man liest und hört vor allem Sätze wie: ‚Toll – dank der DNA-Analyse habe ich die Nachfahren eines verschollenen Großonkels in Australien gefunden!‘ oder ‚Nun weiß ich endlich, dass meine Abstammung zu 17% in Baltikum liegt!‘

Vielleicht sollte man lieber auf das Aufspüren von Nachfahren eines vor 100 Jahren nach Australien ausgewanderten Vorfahren verzichten und stattdessen die unkalkulierbaren Gefahren und Risiken im Blick behalten, die mit einer Speicherung seiner DNA in einer riesigen Datenbank verbunden sein können… ? Zumindest sollte man sich doch wohl kritisch mit diesem Tthema auseinandersetzen!

Auszüge aus einem Beitrag vom 18.12.2018, der hier vollständig nachzulesen ist:

„Mitte November gab das US-Unternehmen Ancestry bekannt, fortan auch gezielt deutsche Ahnen- und Stammbaumforscher bedienen zu wollen. Das Online-Angebot, das aktuell für das Verschenken von Genanalysen zu Weihnachten wirbt, hat rasch Datenschutzspezialisten auf den Plan gerufen. So warnt das „Netzwerk Datenschutzexpertise“ im Rahmen der Publikation eines Gutachtens über die hiesigen Offerten am Dienstag davor, dass Ancestry-DNA rechtswidrig den „deutschen Gendaten-Markt aufzumischen“ versuche. …..

Datenkraken hätten es bisher vor allem auf die Spuren der Nutzer im Internet abgesehen, resümiert der frühere schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert, der das Gutachten erstellt hat. Der Fachmann moniert: „Mit den gleichen Maschen greifen sie nun nach den sensibleren Gendaten, locken mit Spieltrieb und menschlicher Neugier, verstecken sich hinter vielseitigen kleingedruckten Geschäftsbedingungen und verhökern dann die Daten steuersparend über Irland.“

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Im Spanischen Mantel auf dem Hofplatz von Tolks, Pr. Eylau

Es herrschten rauhe Sitten in Natangen während des 18. Jahrhunderts ….

Der folgende Eintrag stammt aus dem Jahre 1790. In Hanshagen im Kreis Pr. Eylau wollen sich vom damaligen Pastor Kriese der Müllergesell Johann Friedrich Brakvogel, Sohn eines Tischlermeisters aus Bartenstein, und Juliane Feyer, ‚aus dem Ermländischen Dorfe Frauendorf‘, eine Tochter des geschiedenen Bauern (und jetzigen Instmanns) Christoph Feyer aus Reddenau, trauen lassen.

Der Bräutigam kann ein Zeugnis ‚des Policey-Bürgermeisters‘ Werner aus Bartenstein vorlegen, worin seine Angaben bestätigt werden. Die Braut jedoch besitzt keinerlei Unterlagen. Ihr Geburtsort Reddenau ist ein adeliges Dorf, das zu den Tolkschen Gütern der Familie von Tettau gehört. Gutsherr ist zu dieser Zeit Hans Adolf Ernst von Tettau.

Pastor Kriese wagt es ich nicht, die Trauung ohne Erlaubnis des Gutsherrn zu vollziehen. Er wendet sich an Herrn von Tettau und schreibt nach erhaltener Antwort ins Kirchenbuch: ‚Da die Braut nach allen Umständen als eine Unterthanin zu betrachten war, aber die Mutter behauptete, daß sie wäre erbgegeben worden, u. daß der Losbrief sey verlohren gegangen; so that ich in dieser Sache eine schriftliche Abfrage bey Herrn v. Tettau auf Tolx und erhielt von demselbten unterm 8ten November 1790 zur Antwort, daß er sich aller Ansprüche auf sie begeben und ihrer ehelichen Verbindung keine Hinderniße in den Weg lege, nach eignem Geständniß, sie, weil sie nach Martin nicht wäre in den Dienst zurückgekommen, durchs Militair habe aufheben, in die Güter zurückführen, auf dem Hof=Platz zu Tolx und in Rednau den spanischen Mantel tragen und darauf über die Grenze bringen laßen, um nicht ferner die Güter mit ihr zu verunreinigen.

Diese umständliche und gewissenhaft abgefaßte Nachricht dienet zur Rechtfertigung, daß man nicht einen Freyen mit einer Unterthanin, sondern mit einer Freyen copuliret habe.‘

Kirchenbuch Reddenau

Quelle: Wikipedia

 

 

Ein Schandmantel, auch Schandtonne und Spanischer Mantel genannt, war ein Strafinstrument ab dem 13. Jahrhundert. Die aus Holz gefertigten Mäntel, die mitunter innen mit Blech ausgelegt waren, wurden zum Vollzug von Ehrenstrafen eingesetzt. (Wikipedia)

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Haus in Kohsten, Pr. Eylau

Das kleine Dorf Kohsten (vor 1846 Kosten oder Koosten geschrieben) im Kreis Pr. Eylau, ‚lag etwas abseits an Landwegen 1,5 km westlich der Chaussee Beisleiden-Petershagen. Bis Weischnuren waren es 1,5 km, bis zum Kirchdorf Eichhorn 4,5 km‘ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 521).

1945 hießen die letzten Besitzer:

  • Julius Klein
  • Hermann Langhans
  • Hugo Langhans
  • Heinrich Maak
  • Willy Pohl
  • Richard Reimann und
  • Fritz Rogall

Heute ist ehemalige Dorf Kohsten Teil des Dorfes Wajsnory (früher Weischnuren).

Die jetzigen Bewohner des auf dem nachfolgenden Ausschnitt gekennzeichneten Hauses würden sich freuen, wenn sie wüssten, wer früher in diesem Haus lebte. Vielleicht kann jemand helfen?

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das ‚Hospital zum Heiligen Geist‘ in Landsberg, Pr. Eylau

‚Mit dem Schicksal Landsbergs ist allezeit, das „Hospital zum Heiligen Geist“ verbunden gewesen. Das Hospital ist um 1367 gegründet, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Pfarrer Nicolass, der im Jahre 1367 vom Orden Zandersdorf erwarb und es dem Hospital schenkte. Dann kam Zandersdorf durch Verleihung um 1461 in den Privatbesitz des Pfarrers Caspar Boteke. Als er starb, wurde Zandersdorf durch den Herzog wieder dem Hospital zurückgegeben. Um 1540 wusste man nicht mehr, wie das Dorf eigentlich Hospitalslehen geworden war. In der Mitte des 17. Jahrhunderts erhielten es die Waldburger verliehen, die gleichzeitig auch die Unterhaltung des Hospitals übernahmen. Zum Hospital, das unter der Lehnsherrschaft der Reichsgrafen Schwerin neu erbaut wurde, kam auch das Gut Schönwiese für einige Jahre‘. (Quelle: Hermann Bink, 625 Jahre Landsberg. Wechselvolle Schicksale einer kleinen ostpreußischen Stadt, Ostpreußen-Warte, 1960)

Im Amtsregister von Pr. Eylau wird 1604 unter der Rubrik ‚Hospitale‚ nur das Hospital in Landsberg genannt.

Eins ist zur Landesburgh dem Herren Truchseßen von Waldpurgh zugehörig

Unter den von den Mormonen digitalisierten Beständen des ehemaligen Königsberger Staatsarchivs finden sich auch Abrechnungen des Landsberger Hospitals (Film Nr. 007948712), die Auskunft geben über Einnahmen und Ausgaben aus der Zeit von 1731 bis 1737. Die hier abgebildeten Ausschnitte stammen aus diesen Digitalisaten. Genannt werden darin u.a. die Namen der damaligen Bewohner von Zandersdorf (heute Swędrówka), die Abgaben an das Landsberger Hospital entrichten müssen – zum Beispiel der Schulz Ohnhut (später Anhut geschrieben), Jacob, Simon und Hans Rode und Andres Brißkorn (später Brieskorn).

Einkünfte erzielt das Hospital zudem durch den Verkauf von Obst aus eigenem Garten und durch die Pacht, die das Gut Schönwiese jährlich zu leisten hat. Von Trinitatis (1. Sonntag nach Pfingsten) 1731 bis Trinitatis 1732 übergibt der damalige Arrendator Ge(o)rge Schultz dem Hospital 800 Reichtstaler.

Das Hospital versorgt nicht nur Kranke, sondern kümmert sich auch um die Armen der Stadt. Verpflegt werden jeweils 10 arme Personen – vor allem von Spenden einzelner Personen oder ganzer Dorfschaften. Aufgeführt werden die Almosen unter ‚Einnahm an Verehrungen(,) so die Zehen Armen unter sich getheilet haben‘. Im Januar 1731 sind dies zum Beispiel:

  • 10 Haußbacken Brodt und 1/2 Scheffel Erbsen von Grauschienen
  • 10 Haußbacken Brodt von Glandau
  • 6 Rthl. vom H. Cantor
  • 1 Scheffel Korn von Canditten
  • 1 Scheffel Korn (vom) Krüger von Glandau und
  • 1 Mahlzeit Essen und Trincken woll getractiret vom H(errn) Bürgermeister‘

Unter ‚Ausgaben‘ wird auch die regelmäßige Zahlung von Bargeld an die 10 Armen verbucht, die alle drei Wochen – jeweils am Dienstag – ‚laut Concession der Gnädigen Lehnsherrschafft‘ stattfindet.

Immer wieder muss auch Geld für Handwerker und Material für die Instandsetzung der Gebäude ausgegeben werden – so erhalten 1731 der Mauer Lapuse, der Handlanger Stebun (=Steppuhn) 4 Rthl und 16 Gl und der Töpfer Gertler 6 Rthl und 18 Gl ‚vor den Offen im Vorwerck neu zu setzen, dabey er 63 neue Kacheln verbrauchet(,) auch in des Gertners Damraw (=Damerau) Gebäude den Offen umbgesetzet den 4. Nov(ember).

Auch Folgendes ist den Hospitals-Abrechnungen vermerkt:

  • im Dezember 1731 spendet Johann Wilhelm Hellwich, der Müllermeister von Landsberg, dem Hospital im Dezember 1731 einen Scheffel Mehl (Johann Wilhelm Hellwich ist mein Ur….Großvater)
  • Herr Goßky gibt im Dezember 1733 zwei Reichstaler ‚vor seine Frau zu beten um ein seeliges Ende‘ (Johann George Goßky ist Gewürzhändler u. Kirchenvorsteher in Landsberg. Er heiratet 1734 Barbara Sophia Schultz, eine Tochter des Pfarrers Jacob Schultz aus Reichau)
  • im Jahre 1735 erhält das Spital 10 Reichstaler und 22 Gulden aus der Hinterlassenschaft der verstorbenen ‚Möckschen‘ – die andere Hälfte ‚ist der Catharina Corinthschen zur Erbschafft gegeben, weil sie derselben näheste Erbin als Schwester Tochter gewesen‘
  • am 23. August 1736 gibt das Hospital 1 Reichstaler  ‚einem Armen und Kranken Saltzburger Bartel Creutzberger nebst seinem elenden Weib und vier Kinder(,) davon 2 gantz kranck‘

Im Juni des Jahres 1738 bestätigt Amtmann Klügel auf Wildenhoff : ‚Nachdem in Vollmacht des Herrn Cammer Herrn und Erb Cämmerers der Chur und Marck Brandenburg Reichs-Graffen von Schwerin ich die Landsbergsche Hospital Rechnung von Anno 1736 bis 1737 abgnommen und solche in Einnahme und Ausgabe richtig befunden; Als(o) habe die Herren Vorsteher darüber hierdurch quittieren auch zu deßen mehrerer Vergewißerung diese Rechnung unterschreiben und besiegeln wollen‘

Als Ergänzung noch einige Einträge aus dem Kirchenbuch von Landsberg mit Bezug zum Hospital:

  • Heiratseintrag 1713: H. Valentinus Schultz, Senator et xenodochus (=Spitalmeister) antistas alhir, mit Jgfr. Maria, Seel. Herrn Jacob Hemplers, scabinus (=Schöffe) in Heiligenbeil, relicta filia
  • Heiratseintrag 1715: Mr. Johann Friedrich Geiseler, e. Bürger, Festbäcker u. Mälzenbräuer alhir, mit Jgfr. Catharina, Hr Valentinus Schultzen, (arenda)toris u. Hospital-Vorstehers alhir, fila
  • Heiratseintrag 1716: Mr. Michael Krause, Bürger u. Leinweber alhir, mit Jgfr. Barbaram seel. Hn. Christoph Eichlers, gew. Senatoris u. Hospital-Fürstehers alhir, filia.
  • Heiratseintrag 1734: H. Friedrich Theodor Baurath, Stud. Theol., mit Tit. Jgfr. Regina, des Tit. Hrn. Valentin Schultzen, Raths Verwandten u. Hospital Vorstehers allhir Jgfr. Tochter
  • 1734 werden als Hospitalvorsteher Valentin Schultz und Gottfried Bernhard Schultz genannt
  • Heiratseintrag 1733: Gottfried Bernhard Schultz, Candidatus Juris u. unserer Hochgräfl. Lehnsherrschafft bestallter Lehns Secretarius mit Frau Eleonora Elisabeth, des Seel. He. Frantz Christian Horns, gewesenen Medicin und Gewürtz=Apothekers, relicta vidua
 
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Bauern in Eichhorn, Pr. Eylau, im Jahre 1604

Die Kirchenbücher des Kirchspiels Eichhorn beginnen im Jahre 1650. Eine Reihe von Orten des Kirchspiels (z.B. Worglitten, Glomsienen oder Polassen) gehören um diese Zeit bereits zur Begüterung Worienen. Eichhorn jedoch wird erst 1663 – durch die Verschreibung an Hans von Lehndorff, den damaligen Besitzer von Worienen – ein ‚adeliges Dorf‚.

Noch bis zum Jahr 1663 untersteht Eichhorn dem Amt Pr. Eylau. Das bedeutet: die in Eichhorn ansässigen Bauern sind bis 1663 verpflichtet, ihre Abgaben an das Amt zu entrichten und dem Amt Scharwerksdienste zu leisten. Deshalb werden ihre Namen in den noch vorhandenen Steuerlisten des Amts Pr. Eylau genannt. Mit der Verschreibung des Dorfes Eichhorn an Hans von Lehndorff erlischt diese Pflicht. Von nun an sind die Eichhorner dem jeweiligen Besitzer der Begüterung Worienen untertan.

Zu Beginn meiner ‚Ahnenforscherei‘ habe ich mich oftmals gefragt, weshalb meine eigenen Vorfahren, die ja um diese Zeit auch im Kirchspiel Eichhorn lebten, in diesen Steuerlisten nie erwähnt werden. Inzwischen weiß ich: meine Vorfahren wohnten in Dörfern, die bereits seit 1558 zur Begüterung Worienen gehörten. Meine Vorfahren waren keine Amtsuntertanen.

Es folgt ein Auszug aus den Steuerlisten des Amts Pr. Eylau aus dem Jahr 1604:

Ausschnitt aus der Steuerliste von 1604 – verfilmt von den Mormonen

Von den 60 Hufen des Ortes gehören 4 zur Eichhorner Kirche, 6 Hufen (jeweils 3) den beiden Schulzen. Die restlichen 50 Hufen sind mit Bauern besetzt.

1604 wohnen in Eichhorn:

  • Jürge Eggerd
  • Merten Möhgk
  • Jacob Wesphal 
  • Quirin Bockhorn 
  • Anders Blaswigk 
  • Ditterich Heine 
  • Brosie Scheffler 
  • Clemendt Heine 
  • Jacob Wesphal 
  • Chrispin Mergklin 
  • Paull Sath 
  • Jacob Haßelbusch
  • Marx Heine 
  • Augustin Arenßbergh
  • Greger Mergklin 
  • Friederich Mergklin 
  • Peter Möhke und
  • Hans Wildfangk

Die Schreibweise der Familiennamen verändert sich im Laufe der Zeit – so wird beispielsweise aus Möhgk oder Möhke später Möck – aus Mergklin wird Marcklin und später Marklein und aus Sath wird Saat – siehe OFB Eichhorn!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

‚Fragt mal eure Eltern‘ – Ostpreußen-Quiz von 1950

Ostpreußen sollte auch nach dem Ende des Krieges nicht vergessen werden – diesen Artikel fand ich beim Durchblättern eines ‚Ostpreußenblattes‘ vom April 1950. Ich selbst konnte einige der 20 Fragen nur mit ‚Schummelei‘ beantworten.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Wo die Toten zu Bäumen wurden (Guttenfeld, Pr. Eylau)

Wo die Toten zu Bäumen wurden

Der nachfolgende Text wurde geschrieben von Wojtek Wolański – aus dem Polnischen übersetzt mit www.DeepL.com/Translator – und  von mir ein wenig nachgebessert. Auch die Photos stammen von Wojtek Wolański.

Dobrzynka ist ein sehr altes Dorf, das 1374 von den Deutschen Rittern gegründet wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts, als Dobrzynka noch Guttenfeld war, lebten dort 287 Menschen – kurz vor dem Krieg 174 – 1986 nur noch 68. Heute wohnen in den verbliebenen  sieben Häusern wahrscheinlich etwa 20 bis 30 Menschen.

Dobrzynka verschwindet – in ein paar Dutzend Jahren ist es vielleicht nicht mehr hier. Es wird das Schicksal vieler Dörfer der Umgebung teilen. Junge Menschen arbeiten auswärts, haben ein besseres Leben und kehren nicht mehr zurück, ältere Menschen gehen langsam.

Dobrzynka wird sich wohl wieder in Wald verwandeln – wie vor der Ankunft der Ordensleute – oder die umliegenden Felder und Wiesen werden einmal von Robotern bewirtschaftet, die von Drohnen am Himmel überwacht werden.

Wojtek Wolański

Mitten im Dorf befindet sich ein alter, vorkriegszeitlicher, schrecklich vernachlässigter evangelischer Friedhof. Bäume und Gräber sind Eins geworden. Die Wurzeln umschlangen die Toten – aus ihren Körpern wuchsen Äste, Zweige und Stämme und  schließlich wurden sie zu Bäumen. Sie rascheln jetzt nachts und erinnern sich an die Zeiten, als Guttenfeld noch vor Leben strotzte.

Wojtek Wolański

Es wird mehrere hundert Jahre dauern, bis massive Eisenkreuze in rostiges Pulver zerfallen – es sei denn, das Leben des Schrottplatzes wird von Menschenhand verkürzt. Moos frisst Betongrabsteine. Die Mutter Gottes, die bereits seit der Nachkrieszeit am Eingang des Dorfes steht, wird viel früher auseinander fallen, weil sie aus Gips ist. Und es wird keine Spur von Guttenfeld/Dobrzynce mehr geben.

Wojtek Wolański

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Die Grabmale in der Kirche zu Eichhorn, Pr. Eylau

Am 8. Januar 1558 verleiht Herzog Albrecht das Amtsgut des Kammeramtes Worienen ‚zu Magdeburgischen Rechten und beeden Kindern‘ an Fabian von Lehndorff, den damaligen Amtmann des Amtes Pr. Eylau, dem um diese Zeit bereits einige andere Güter in der Umgebung gehören. Worienen gehört zum Kirchspiel Eichhorn und Fabian von Lehndorff übernimmt ab 1558 auch das Patronat der Kirche von Eichhorn.

Unstrittig ist wohl, dass das Grab Fabian von Lehndorffs noch nach 1900 in der Eichhorner Kirche zu sehen war – über die auf seinem Grabmal angegebene Jahreszahl ist man sich nicht ganz einig. Vermutlich ist es schwierig, die Zahlen 5 und 6 noch zu unterscheiden, wenn mehr als 250 Jahre lang unendlich viele Füße die Grabplatten betreten haben..

Der Eichhorner Pastor Schröder berichtet im Februar 1857 von 5 in der Kirche vorhandenen Grabmalen – auf einem sei die Jahreszahl 1595, auf einem anderen die Zahl 1710 erkennbar. Die Grabmale ‚sind flach in den Fußboden gelegt und befinden sich in der Nähe der Vorderseite des Altars. Das eine liegt unmittelbar an der Seite des Altars und ist der Deckstein des Pfarrers Henning ….

Sterbeeintrag des Eichhorner Pastors Constantin Henning aus dem KB von Eichhorn – Bestattung am 31.3.1710

… die anderen sind mit halb erhabenen aus Stein gemeißelten, theils Ritter, die das Schwert halten, theils Frauen in langer Kleidertracht, darstellenden Figuren geschmückt‘. (Geschichtliche und Kunstdenkmäler im Kreise Pr. Eylau nach den ausgefüllten Frageformularen bearbeitet von Heinrich Otte, Pfarrer zu Fröhden bei Jüterborg 1857).

Ausschnit aus dem o.g. Formular

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Anton Ulbrich gibt später an: ‚In der evangelischen Kirche zu Eichhorn liegen vier Grabsteine. Ein Doppelstein des Grafen Fabian Lehndorff, gestorben 1596 (?), und seiner Gemahlin; schon beschädigt. Die andern drei Platten noch stärker abgetreten und die Schrift nicht mehr erkenntlich und lesbar. Auf dem einen Stein erkennt man eine Rittergestalt in lebhafter Schrittstellung, die rechte Hand in die Hüfte gestützt, die andere am Schwertgriff; auf dem zweiten eine ruhig stehende Gestalt mit derselben Händeanordnung; auf dem letzten eine Frau mit gefalteten Händen. Alle drei Steine werden der Zeit um 1600 angehören.‘ (Dr. Anton Ulbrich, Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen; Gräfe und Unzer Verlag Königsberg; 1926-1929; Bd. 1, Seite 137)

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Górowo Iławecki (Landsberg Pr. Eylau) verändert sich

Im Sommer 2011 war ich zum letzten Mal in der Geburststadt meines Großvaters Carl Ludwig Gegner – in Górowo Iławecki, Landsberg Pr. Eylau. Seitdem ist dort viel geschehen: Gebäude wurden renoviert, Fahrradwege angelegt, der Töpferteich hat eine Promenade erhalten ….

 

Und am Abend mit Beleuchtung!!!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Röhrmeister in Landsberg, Pr. Eylau

Während mein Ur-Ur-Urgroßvater Friedrich Westphal den Unterhalt seiner Familie als Müllermeister in Worienen und schließlich als Mühlenbesitzer in Gr. Steegen verdient, kümmert sich sein Halbbruder Johann Gottfried Westphal um die Wasserversorgung seiner Heimatstadt Landsberg, Pr. Eylau.

Johann Gottfried ist Röhrmeister – diesen Begriff kannte ich gar nicht.

‚Der Röhrmeister oder Röhrenmeister, ein sehr alter, heute kaum noch ausgeübter Beruf,  fertigt aus Holzstämmen Wasserrohre. Dazu benutzt er spezielle Werkzeuge wie den Deichelbohrer.

Die Holzrohre, auch Röhrfahrten oder in Süddeutschland und der Schweiz Deichel oder Teuchel genannt, wurden im Mittelalter benutzt, um das Wasser einer Wasserkunst an die Verbrauchsorte zu verteilen. Möglicherweise geht der Beruf schon auf das Altertum zurück, da die bei der Wasserversorgung im Römischen Reich verwendeten Blei- oder Tonrohre nicht überall zur Verfügung standen.

Im 17. bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte der Röhrmeister die verantwortungsvolle Aufgabe, über die Wasserversorgung der Stadt zu wachen‘. (Wikipedia)

Ausschnitt aus einem Holzschnitt von Elias Diebel in ‚Gustav Lindtke: Lübeck – Ansichten aus alter Zeit. Peters-Verlag, 1959‘ (Wikipedia)

Johann Gottfried Westphal ist 33 Jahre alt als er im Januar 1797 Landsberg Charlotta Gross aus Kumkeim heiratet. Im Kirchenbuch ist verzeichnet: Johann Westphal, hiesiger angesehener Bürger, Eigenthümer u. Röhrmeister, 33, mit der Jungfer Charlotta Grossin, 21, des weiland gewesenen Königlichen) Wirths in Komkeim (=Kumkeim) Michael Groß hinterlassenen jüngsten ehelichen Tochter (copuliert)‘.

In der ‚Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie‚, Bd. 1; Halle 1791 fand ich die Notiz, dass es im Jahre 1788 in Königsberg insgesamt 5 Röhrmeister, 2 Gesellen und 2 Lehrburschen gab.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar