Familie Reuter (Reiter) in Schmoditten und Klein Dexen

Um 1675 wird Johann Reuter als Bauer und später als Krüger im Dorf Althof im Kirchspiel Schmoditten genannt. Hier kommen von 1675 bis zum Jahre 1693 auch seine zahlreichen Kinder zur Welt. Nach 1695 taucht der Name Reuter im Kirchenbuch von Schmoditten nicht mehr auf. Die Familie ist mittlerweile – mit mindestens 7 Kindern – nach Schlauthienen verzogen, wo Johann Reuter den dortigen Krug übernimmt.

Mit diesem Unzug wird auch das Kirchspiel gewechselt, denn die Bewohner von Schlauthienen gehören zur Kirche von Klein Dexen, in der sich die Familie fortan häufiger versammeln wird – 1703 wird dort die Hochzeit von Regina Reuter mit Peter Engelbrecht, einem Bürger und Radmacher aus Pr. Eylau gefeiert – Tochter Catharina heiratet in Kl. Dexen den Schmiedemeister Reinhold Binder aus Schlauthienen. Sohn Martin Reuter – mein direkter Vorfahre – der 1687 auch noch in Althof zur Welt kam, heiratet in Kl. Dexen Dorothea Kebbe und wohnt fortan in Pompicken. Der Eheeintrag im Kirchenbuch lautet: ‚Martin Reuter, neuangehender Wirth in dem Hospital-Dorffe Pompicken mit Jgfr. Dorthea Kebbin, des Christoph Kebben Sen. daselbst, eheliche Tochter, zum Ehestande copuliret‘.

Den Reuter-Hof in Pompicken übernehmen vermutlich Martins Sohn Johann und seine Ehefrau Maria Elisabeth Braxein, die im Jahre 1756 in Kl. Dexen die Ehe schließen. Johann Reuter wird außerdem Kirchenvorsteher von Klein Dexen. In dieser Funktion wohnt er 1776 der in der Kirche vollzogenen Taufe des ‚Mulatten aus den holländischen Plantagen bey Surinam‘ bei, die in der Umgebung sicherlich einiges Aufsehen erregt hat. Um 1790 übernimmt Johann Reuter auch das Schulzenamt in Pompicken von seinem Schwager Johann Christoph Ankermann, dem Ehemann seiner Schwester Dorothea.

Am 16. Dezember 1794 versammeln sich im Reuterschen Hof die damaligen 6 Bauern des Ortes, da eine Kommission aus Zinten  – an dessen Hospital die Pompicker Bewohner ihre Abgaben entrichten müssen – eingetroffen ist, um den Inventarwert sämtlicher Höfe zu ermitteln. Diese Kommission besteht aus dem Zintener Justizbürgermeister Grüneberg, Stadtkämmerer Laudien, Polizeibürgermeister Talck und Hospitalvorsteher Preuß. Das Ergebnis ihrer Ermittlung:

1. Johann Reiter:
Inventarwert 265 Taler, 75 Groschen.
8 Pferde, 8 Rindvieh, 8 Schweine, 8 Schafe, 10 Gänse, 10 Hühner.
Aussaat: 20 Scheffel Roggen,
20 Sch. Gerste,
40 Sch. Hafer,
2 Sch. Erbsen,
2 Sch. Lein.

2. Michael Dreher: Inventarwert 254 Taler, 36 Groschen
3. Christoph Neumann: Inventarwert 259 Taler, 66 Groschen
4. Ludwig Pittwald: Inventarwert 257 Taler, 15 Groschen
5. Christoph Ankermann: Inventarwert 266 Taler, — Groschen
6. Christoph Buchhorn: Inventarwert 256 Taler, 45 Groschen.

Nach 1800 verlassen einige Familienmitglieder den Bauernstand und ergreifen den Lehrerberuf  – zunächst ist dies Johann Reuters jüngster Sohn, der 1776 in Pompicken geborene Johann Heinrich Reuter – später REITER geschrieben. Er besucht das Lehrerseminar in Kl. Dexen, heiratet 1807 in Löwenhagen die 24jährige Regina Oelsner aus Grünbaum im Kirchspiel Abschwangen und wird Lehrer in Heiligenkreutz im Kirchspiel Fischhausen.

Der Herr Johann Heinrich Reiter, Organist und Kirchschullehrer in Heiligen Creutz, 31, des bereits verstorbenen Johann Reiter, Cöllmischen Eigenthümers in Pompicken und Kirchenvorstehers bey der Kirche zu Dexen nachgelaßener eheleiblicher jüngster Sohn, mit der Jungfer Anna Regina Oelsnerin, 24, welche bisher auf Birkenwalde im Dienste gewesen, des bereits verstorbenen Christian Oelsner, Huf- und Waffenschmidts zu Grünbaum im Abschwangischen Kirchspiel nachgelaßenen eheleiblichen jüngsten Tochter, nach eingeliefertem Aufbietungs-Attest von Heiligen Creutz, allhier getruat worden, den 18. August 1807.

Auch sein Naffe Johann Gottfried, der Sohn seines Bruders Carl Daniel Reuter – geboren in Pompicken am 27.1.1818 – wird Lehrer. Auch er besucht das Lehrerseminar, das sich mittlerweile in der Stadt Pr. Eylau befindet. Er wohnt dort zeitweise bei Schuhmacher Tritter, Fleischer Rehfeld und Riemermeister Vollmeister und wird 1839 mit Leistungen entlassen, die als ‚im Ganzen GUT‘ bewertet werden.

Johann Gottfried Reiter soll zunächst 2. Lehrer in Laukischken gewesen sein und später an verschiedenen anderen Schulen des Kreises Labiau unterrichtet haben. (Quelle: Kurt Vogel, Die Verzeichnisse der Seminaristen der Lehrerseminare Kl. Dexen und Pr. Eylau 1816-1924). Als er am 4. Oktober 1842 in der Kirche von Powunden im Samland Juliana Henriette Minuth, die Tochter des in Uggehnen verstorbenen Mühlenbesitzers Friedrich Wilhelm Minuth heiratet, wird er zudem als Pächter dieser Mühle genannt. Aus dem Heiratseintrag geht außerdem hervor, dass sein Vater Carl Daniel Reiter mittlerweile als ‚Ausgedinger‘ in Hoofe lebt – vermutlich bei Tochter Anna Louisa.

Heiratseintrag aus dem Kirchenbuch von Powunden

Das Lehrerseminar in Kl. Dexen (Quelle: Kurt Vogel, Die Verzeichnisse der Seminaristen der Lehrerseminare Kl. Dexen und Pr. Eylau 1816-1924)

Nach 1840 werden sich bei den Reuterschen Familienfeiern eine Reihe von Lehrern versammelt haben, denn auch Marianna und Anna Louisa Reiter – Johann Gottfrieds jüngere Schwestern – heiraten in eine Lehrerfamilie – und zwar in die alt eingesessene Familie der Kirsteins aus Topprienen!

Die 1810 in Pompicken geborene Marianna Reiter wird zunächst Ehefrau von Gottlieb Ferdinand Kirstein, Lehrer in Weskeim und später in Hoofe. Nach ihrem frühen Tod heiratet dieser 1840 in Kreuzburg Marianna Schwester Anna Louisa Reiter. Der gemeinsame Sohn Adolph Kirstein, geboren 1852 in Hoofe, wird später Lehrer in Landsberg und heiratet dort am 1. Mai 1882 Marie Braun aus Landsberg, eine Tochter des  Lehrers und Organisten Leopold Braun und dessen Ehefrau Amalie Eggert. Adolph Kirstein verstirbt 1905 in Landsberg.

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Geburtsbrief von Michael Aust (1729)

Ein Geburtsbrief ist eine Urkunde, mit der die eheliche Abstammung des Geborenen bestätigt wurde. Er wurde in der frühen Neuzeit insbesondere von den Zünften von jedem Auswärtigen verlangt, der ein Handwerk in der Stadt erlernen oder ausüben wollte. Der Geburtsbrief bescheinigte auch die Freiheit von Leibeigenschaft. (Wikipedia)

Häufig sind diese Geburtsbriefe wunderschön gestaltet – wie auch dieser, der am 28. Februar 1729 vom Bürgermeister und Rat der Stadt Mohrungen angefertigt wurde.

Ausgestellt wird das Dokument für Michael Aust, einen Sohn des 1729 in Mohrungen ansässigen Müllermeisters Christoph Aust und dessen Ehefrau Barbara Meyer. Die Eltern versichern darin, dass ihr Sohn, der vierte in der Folge ihrer erzeugten Kinder … aus einem reinen keuschen, und unbeflekten Ehebette … gezeuget, auch niemandem mit leibeigenschafft zugethan, sondern freyer Teutscher Nation und Zungen sey.

Vor dem Rat der Stadt erschienen sind auch Gerge Lingner, 63 Jahre alt, Bürger und Mälzenbräuer in Mohrungen und Fabian Teibert, 60 Jahre alt, Schuhmachermeister und Bürger – beyde Evang(elisch) Luther(ischer) Religion. Sie sind gekommen, um zu bezeugen, daß sie den Ehrbaren und wohlgerathen Meister Christoph Austen, Müller und Bürger in Mohrungen und dessen Ehegattin Barbara, eine leibliche Tochter des weyland Ehren vesten Josua Heinrich Meyer, ehemaligen Badern und Bürgern alhier gut kennen. Sie erklären außerdem, daß dieses alles wahr sey – und zwar tun sie dies mit ausgestrekten Armen und auffgehobenen Eydes Fingern.

Als ich diesen Geburtsbrief vor einiger Zeit entdeckte, kam mir diese Familie Aust sehr bekannt vor – nun weiß ich auch, warum! Michael Aust wurde 1710 in Eichhorn, im Kreis Pr. Eylau geboren, ich hatte seine Geburt bereits im OFB des Kirchspiels Eichhorn eingetragen. Als Vater wird im Kirchenbuch angegeben: ‚Müller Christoff Augst anitzo zu Eichhorn wohnhafftig‘. Außerdem hatte ich mir notiert, dass ein Müller namens Christoff Aust 1719 in Liebnicken – im Kirchspiel Canditten – genannt wird und dass er und seine Ehefrau Barbara Meier am 21.11.1719 in der Kirche zu Canditten eine Tochter namens Catharina taufen lassen – einer der Taufpaten ist mein Vorfahre, der Brauer Jacob Lehmann aus Wildenhoff!

Taufeintrag des Michael Aust aus dem Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau

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Aufhebung des Mühlenzwangs in Ostpreußen

Eine Reihe meiner Vorfahren in Ostpreußen üben zu unterschiedlichen Zeiten den Beruf des Müllers aus – einige von ihnen sind Müllermeister, Mühlenpächter oder Besitzer einer Mühle, überwiegend im Kreis Pr. Eylau:

  • Johann Wilhelm Hellwich (1690-1764) vor 1722 Müller in Finken – ab 1724 Müllermeister in Landsberg – um 1730 Arrendator der ‚Gräflich Schwerinschen Mühlen zu Landsberg‘ – um 1744 Müller in Kumkeim, ab 1744 Arrendator des Vorwerks Woymanns – ab 1749 Pächter der Mühlen von Gr. Steegen und Liepnick)
  • Johann Friedrich Westphal (1729-1801) etwa 1762-1778 Müllermeister und Pächter der Mühle zu Wilknit – dann Mühlenpächter der Reichsgräflichen Steegenschen Mühle)
  • Friedrich Westphal (1779-1849) um 18o5-1817 Müller in Eichen; 1818-1826 Müller in Worienen; 1830 Müllergesell in Gr. Peisten, Müllermeister der Worienschen Mühle, 1848/9 Mühlenbesitzer in Gr. Peisten
  • Johann CARL Westphal (1822-1879) von 1850-1855 Mühlenbesitzer in Gr. Peisten, danach Mühlen- und Grundbesitzer in Landsberg (auf dem Konertsberg)
  • CARL Sigismund Ankermann (1799-1846) 1826 Pächter der Mühle in Gr. Peisten – 1827 Müllermeister in Nerfken – etwa 1831-1846 Mühlenbesitzer in Konnegen bei Heilsberg

In Ostpreußen, Litauen, im Ermland und im landrätlichen Kreis von Marienwerder wird der Mühlenzwang durch ein Edikt vom 29. März 1808 aufgehoben. Sowohl für die Müller als auch für die Bewohner, die ihr Getreide zu Mehl verarbeiten lassen wollen, treten damit eine Reihe von Änderungen in Kraft. Für Johann Wilhelm Hellwich und Johann Friedrich Westphal ist es noch selbstverständlich, dass sie in all ihren Rechten und Pflichten vom Wohlwollen ihres Grundherrn abhängig sind. Friedrich Westphal erlebt die Aufhebung des Mühlenzwangs unmittelbar mit und muss sich auf die neuen Regelungen einstellen – und für Johann Carl Westphal und Carl Sigismund Ankermann gelten diese von Beginn an.

  • jeder Eigentümer darf nun auf seinem Grund und Boden eine Mühle bauen
  • die Landespolizeibehörde muss informiert werden
  • der Bau einer Wassermühle (und ob es eine ober- oder unterschlägige sein wird) muss vom Bauherrn an zwei Sonntagen in der Kirche angekündigt werden
  • jeder darf sein Getreide nun in eine beliebige Mühle bringen
  • die Bewohner müssen keine Baudienste mehr leisten – vorher waren sie verpflichtet, die ‚Zwangsmühle‘ mit instand zu halten
  • der Müller verliert das Recht des ‚freien Bauholzes‘
  • die Preise der Mühlenerzeugnisse werden in Abstimmung zwischen Müller und ‚Mahlbedürftigen‘ festgelegt, dürfen aber einen vorgeschriebenen Höchstpreis nicht überschreiten
  • die Mahlpflichtigen zahlen eine Abgabe für die erhaltene Mahlfreiheit
  • Handmühlen (Quirdeln) sind auf dem Lande erlaubt, in der Stadt nicht.
  • niemand darf einer Windmühle durch Anpflanzen von Bäumen den Wind nehmen
  • ein Nachbar darf der Mühle nicht das nötige Wasser entziehen
  • Mühlenwaagen werden Pflicht – es gibt vorgeschriebene Maße und Gewichte
  • jeder Müller muß eine ’schwarz angestrichene, mit rothen oder weißen Nummern versehene Rangtafel halten, und sie öffentlich in der Mühle dergestalt aufhängen, dass sie von Jedem gesehen werden kann‘
  • es werden harte Strafen verhängt wegen ‚untüchtigen oder betrügerischen Mahlens‘ – ein dreimal bestrafter Müller kann zum Verkauf der Mühle angehalten werden
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Vor der Heirat muss gepflanzt werden …

Friedrich Wilhelm (noch nicht zum König gekrönt) ordnet an, ‚daß hinfort ein jeder Unterthan und Einwohner in den kleinen Städten und Flecken, sonderlich aber auf den Dörffern, und sonsten aufm Lande, hinter seinem Wohnhause, wenn er die Gelegenheit darzu findet, ihm einen gewissen Platz abhegen, solchen in zwey Theile theilen, und den einen Theil zu Pflantzung allerhand Frucht=tragender Obst=Bäume, den andern aber zu einem Eichel=Kamp und Zeugung Mast=tragender Eichen=Bäume gebrauchen solle‘ …

Geheiratet werden darf erst dann, wenn zuvor Bäume gepflanzt wurden – genau heißt es: ‚Es soll … allen Pfarrern in allen Unsern Aemptern, und andern Domainen, hiemit ernstlich befohlen seyn, daß sie hinfort und von dato an, kein Paar Ehe=Leute vertrauen sollen, es habe dann der Bräutigam, er sey ein junger Geselle oder Wittwer von seiner Ampts=Obrikeit einen beglaubten Schein und schriftliches Gezeugnis produciret, daß er zum Wenigsten Sechs Obst=Bäume, und Sechs junge Eichen an einem bequemen Orthe gepflanzt habe‘.

Dabei wird auch daran gedacht, dass die Eheschließung ja möglicherweise zu einer Zeit stattfindet, in der eine Pflanzung nicht möglich ist. In diesem Fall soll der Ehemann ‚dieselbe nach vollzogener Heyrath, in dem nechstfolgenden Frühling oder Herbst werckstellig machen‘.

Das alles geschieht unter der Aufsicht von Forst-Bedienten, die sowohl die Bäume besorgen als auch darauf achten sollen, dass diese ordnungsgemäß gepflanzt werden. Beamte und Forst-Bediente sollen zudem dafür sorgen, dass frei stehende Plätze innerhalb der Dörfer ‚wo sichs nur immer schicket‘ mit Bäumen bepflanzt werden. Dies müssen nicht unbedingt Eichen sein – es können auch Rüstern, Linden, Weiden, Espen und dergleichen‘ genommen werden.

Die Anordnung dieser Baum-Pflanzungen wird auch begründet und die Gründe sind durchaus nachvollziehbar. Es heißt nämlich, daß ‚die Häuser in den Dörfern … durch Pflanzungen dergleichen Bäume vor Feuer und Windschaden verwahret werden sollen‘.

Im Kirchenbuch von Canditten im Kreis Pr. Eylau findet man bei den Heiratseinträgen um 1720 ab und zu Notizen wie diese:

d(aß) er stämme gesetzet, hat er mit e(inem) Zettel bewiesen

Auch der Landsberger Bürger und Schneidermeister Jacob Zilian, der 1724 in Canditten Catharina Barbara Geißler, eine Tochter des Schulmeisters Georg Geißler, heiratet, hat zuvor seine Bäume gepflanzt. Im Heiratseintrag deshalb der Zusatz: ‚d(er) stämme halber hat er vom Bürger Mstr einen Zettel gebracht‘.

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Familie Derschau in Ludwigswalde, Prilacken und Riga

Manchmal muss man seine Forschungsergebnisse korrigieren! Als ich vor mehr als 20 Jahren mit der Erforschung meiner Vorfahren begann, waren die Voraussetzungen ganz andere: ich saß entweder vor einem kleinen Filmgerät in der Forschungsstelle der Mormonen in Oldenburg, im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin oder im Staatsarchiv Leipzig, musste die Zeit nutzen, die mir zur Verfügung stand und hatte viel weniger Übung im Entziffern schwer lesbarer Kirchenbucheinträge.

Dank all der mittlerweile vorhandenen digitalisierten Unterlagen kann ich heute in Ruhe von zu Hause aus arbeiten. Das Bildmaterial ist wesentlich besser und ich habe wesentlich mehr Erfahrung im Lesen alter Schriften.

So habe ich nun herausgefunden, dass meine Vorfahrin Regina, die im Jahre 1704 in der Stadt Kreuzburg, Pr. Eylau, meinen Vorfahren Heinrich Ankermann, den damaligen Kirchenhübner in Krücken heiratet, gar nicht Regina Döschner, sondern Regina Derschau, heißt!

Reginas Vater, Johann Derschau, kommt um 1660 in Ludwigswalde (heute Lesnoje)  etwa 10 km südöstlich von Königsberg – zur Welt. 1682 finde ich ihn noch als ‚jungen Gesell‘ unter den Taufpaten im Kirchenbuch von Ludwigswalde. Von hier aus führt sein Weg zunächst nach Prilacken ins Samland.

Prilacken gehört zum Kirchspiel Cumehnen. In der dortigen Kirche heiratet Johann Derschau im Februar 1683 Gertraud Scheffler, die Witwe des einige Jahre zuvor in Prilacken verstorbenen Cöllmers Johann Lopsen.


Der Familienname wird im Kirchenbuch unterschiedlich geschrieben: LopsLopsenLopsin – später Lobsen. Eine verwandtschaftliche Beziehung scheint es zu Christoph Lopsen in Wickau – unweit von Prilacken – zu geben, der etwa zur selben Zeit mehrere Kinder in Cumehnen taufen lässt und auch als Taufpate einer Tochter von Johann Lopsen aufgeführt wird.


Gertraud bringt mehrere Töchter mit in die Ehe und im März 1684 wird in Prilacken der gemeinsame Sohn Georg Derschau geboren. Bei seiner Taufe vermerkt der Pastor, Johann Derschau habe mehr als 60 Gevattern gebeten!

Kurz nach Georgs Derschaus Geburt zieht die gesamte Familie in die Heimat Johann Dreschaus nach Ludwigswalde, wo im November des Jahre 1686 Tochter Regina zur Welt kommt. Zu ihren Taufpaten gehören u.a. :

  • Christoph Pickert aus Königsberg,
  • der Scharmacher (Hersteller von Pflugscharen) Melcher Pantuhn,
  • Hans Quednau, Schulz zu Cavern,
  • Michel Steinort, Schulz zu Schönfließ
  • Hans Quednau, der Krüger von Lichtenhagen und
  • die Peter Jockelsche, deren Sohn Peter 1693 in Ludwigswalde Reginas Halbschwester Dorothea Lopsen heiraten und später mit ihr in Königsberg ‚aufm Steindamm‘ wohnen wird.

Johann Derschau ist nun cöllmischer Krüger in Ludwigswalde, wo er offenbar einiges Ansehen genießt. In den Jahren von 1684 bis 1691 werden sowohl er, seine ‚Hausmutter Gertraud‘ als auch seine Stieftöchter immer wieder als Taufpaten genannt.Das Familienglück währt leider nur 9 Jahre. Georg und Regina Derschau sind noch klein, als 1691 und 1692 nacheinander beide Eltern versterben – zunächst die Mutter, im darauf folgenden Jahr der Vater Johann Derschau. Der Sterbeeintrag von Johann Derschau ist sehr ausführlich und ungewöhnlich – genannt werden auch die Namen seines Vaters und seines Großvaters: Georg Derschau und Stephan Derschau. Es heißt dort: bestattet wird Johan Derschau, viduus, Cölmischer Krüger alhir, Georg Derschauen, Krügers Sohn und Stephan Derschauen, ejusdem status Enkel. Demnach waren sowohl sein Vater als auch sein Großvater Krüger – wie Johann selbst.

Nach dem Tod Johann Derschaus wird für kurze Zeit der langjährige Schulz in Ludwigswalde, Georg Quednau, der im Sterbeeintrag Johann Derschaus als ‚Ohm‘ bezeichnet wird, als Krüger genannt. Die Familien Derschau und Quednau in Ludwigswalde werden somit auf jeden Fall miteinander verwandt sein – das gilt es noch herauszufinden.

Meine Vorfahrin Regina Derschau heiratet 1704 in Kreuzburg den 16 Jahre älteren Kirchhübner Heinrich Ankermann, bekommt mit ihm 12 Kinder und verstirbt im Alter von 71 Jahren in Krücken.


Und dann entdeckte ich anhand verschiedener Quellen noch einen Stephan Derschau (auch Derschow oder Derschovius) aus Ludwigswalde, der schon 1632 an der Albertina in Königsberg und 1637 in Rostock studiert, am 7.9.1649 in Riga Dorothea Schwarzenberg, eine Tochter von Abraham Schwarzenberg, heiratet und anschließend als Pastor in Pilten (Lettland) tätig ist. Dort verstirbt er im Jahre 1663.

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Vom Samland nach Natangen …

Die Vorfahren meines ostpreußischen Großvaters Carl Ludwig Gegner lebten vor allem in und rund um Landsberg – in kleinen natangischen Orten der Kreise Pr. Eylau und Heiligenbeil. Aber ab und zu führt mich meine Spurensuche auch in ganz andere Regionen, in diesem Fall ins Samland – in .eine Gegend, mit der ich mich bislang gar nicht beschäftigt hatte.

Im Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, tauchen Gottfried Reissmann und seine Ehefrau Louise, geb. Rumohr erstmals im Jahre 1788 auf, als ihre Tochter Helena Dorothea im Alter von nur einem Jahr und 6 Wochen verstirbt. Beide Namen – sowohl Reissmann als auch Rumohr – kommen im Eichhorner Kirchspiel ansonsten nicht vor.

Die Familie wohnt im Jägerhoff, der Woriener Privatförsterei, denn Gottfried Reissmann ist Oberwart dieser Försterei. Bei ihrer Ankunft in Worienen bringt das Ehepaar bereits einige Kinder mit – u.a. auch meine damals etwa 10jährige Ur…mutter Anna Louise Tugendreich Reissmann, die später den Woriener Kunstgärtner Carl Wilhelm Schmidt aus Kapsitten heiraten wird. Die Geburtsorte der vor dem Eintreffen der Familie in Worienen geborenen Kinder sind bislang nicht bekannt.

Aber ich konnte herausfinden, dass Gottfried REISSMANN – so die Schreibweise im Kirchenbuch von Eichhorn, die auch in den nachfolgenden Generationen beibehalten wird – eigentlich Gottfried Ludwig Reisemann heißt und dass sowohl er als auch seine Ehefrau aus dem Kirchspiel Schaaken im Samland stammen.

  • Gottfried Ludwig Reisemann wird 1745 in Sallecken als Sohn des dortigen Arrendators Johann Jacob Reisemann und dessen Ehefrau Barbara Dorothea Siegmund geboren.
  • Louise Rumohr kommt 1753 nicht weit entfernt – auf dem Gut Sudnicken – zur Welt. Auch ihre Eltern, der Jäger Ernst Friedrich Rumohr und seine Ehefrau Anna Regina Stolzenberg ziehen später zu ihrer Tochter in den Worienener Jägerhoff.

Der Vater von Ernst Friedrich Rumohr und Großvater von Louise ist Melchior Rumohr. Nach Michael Gegner und Carl Wilhelm Schmidt, die beide als Gärtenierer (Kunstgärtner) am Hofe von Worienen tätig sind, ist Melchior Rumohr nun der dritte Kunstgärtner unter meinen Vorfahren.

Melchiors Braut – Maria Dorothea Colbe – ist bereits schwanger als beide am 18.12. des Jahres 1720 heiraten. Der Eintrag im Kirchenbuch von Schaaken lautet: ‚den …. sind nach einmaliger Proclam(ation) zusammen getraut alß unzüchtige Personen Melcher Rumor ein gardinirer und die ? Braut? Maria Doroth(ea), seel(ig) Hanß Colben Hoffmanß ehl(iche) Tochter, beyderseits im hochadl(igen) Hoffe Sudnecken in Dienst‘.

Es war wohl höchste Zeit mit der Heirat. Normalerweise erstreckt sich die Proklamations-Zeremonie über mehrere Wochen – erst anschließend konnte dann geheiratet werden. In diesem Fall konnte nur die Proklamation nur noch ein einziges Mal erfolgen. Vier Wochen später wird auf dem Gut Sudnicken bereits Sohn Ernst Friedrich Rumohr geboren.

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Familie Hellwich (Helmich) in Dollstädt, Pr. Eylau

Nun habe ich endlich den Taufeintrag meines Vorfahren Johann Wilhelm Hellwich gefunden! Ich wusste bereits viel über ihn und hatte vor langer Zeit im Geheimen Staatsarchiv Pr. Kulturbesitz in Dahlem sogar den Erbpachtskontrakt entdeckt, den er 1749 mit dem Grafen von Schwerin auf Gut Wildenhoff geschlossen hatte. Ich kannte seine beiden Ehefrauen und einige seiner Geschwister und konnte seinen Lebenslauf bis zum Jahre 1764 verfolgen. Am 21. März 1764 verstirbt er im Alter von 74 Jahren in der Mühle von Gr. Steegen.

Johann Wilhelm Hellwich wechselte häufig seinen Wohnsitz. Er war:

  • 1717 als Müllergesell Taufpate in Landsberg u. Canditten
  • bis 1722 Müller in Finken, Ksp. Buchholz
  • ab 1724 Müllermeister in Landsberg
  • um 1730 Arrendator der ‚Gräflich Schwerinschen Mühle‘ zu Landsberg
  • um 1744 Müller in Kumkeim; Ksp. Eichhorn
  • ab 1744 Arrendator des Vorwerks Woymanns
  • ab 1749 Pächter der Mühlen von Gr. Steegen und Liepnick, Ksp. Canditten

Seine Herkunft war bislang ein Rätsel. Nun weiß ich, dass er am 28. August 1690 als Hanß Wilhelm Helmich in der Kirche zu Dollstädt getauft wurde!

Der Familienname wird immer mal etwas abgewandelt – in ein und demselben Kirchenbuch findet man innerhalb derselben Familie die Varianten: HelmichHelmigHelmingHelwingHelwig und Hellwich.

Schon im November des Jahres 1681 wird Johann Wilhelms Schwester Loysa Catharina in Dollstädt getauft. Und nach Johann Wilhelm folgen noch weitere Kinder. Bei der Taufe einer seiner Schwestern  wird schließlich auch der Beruf des Vaters angegeben. Vater Johann Hellwich war Schneider.

Um möglichst alle Hinweise auf eine bestimmte Familie im Blick behalten zu können, habe ich mir angwöhnt, bei der Durchsicht eines Kirchenbuches Notizen anzufertigen. Auch bei der Durchsicht des Kirchenbuches von Dollstädt bin ich so vorgegangen. Nachdem ich den Taufeintrag von Johann Wilhelm Hellwich im Jahre 1690 entdeckt hatte, habe ich die Taufeinträge des Kirchenbuchs von Beginn an (1643) verfolgt. Dabei achte ich auch besonders auf die Paten! Meine Notizen sehen in etwa so aus:

  • schon 1640 lassen Gerge u. Anna Ankermann in Seeben ihren Sohn Michael taufen
  • möglichweise sind auch diese beiden meine Vorfahren! (hat sich bestätigt!)
  • 1643 Benedict Nitschmann ist Schulz in Dollstädt – Ehefrau Dorothea
  • Michel Braun – Ursula – Müller in Kattlack – Sohn Barthel get. 6.3.1644
  • George Stephan – Gärtenierer im Hofe Penken – Amalia get. 25.5.
  • Christoph Neander – Schreiber im Hofe Penken
  • Jacob Behm – Schneider in Dollstädt
  • 1646 der Schuster in Seeben heißt Rabe
  • in Dollstädt leben: Peter Glandien, Gerge Vogel, Martin Hantel, Christoph Nitschmann
  • Gerge Stephan, Gärtenierer u. Frau Elisabeth lassen Sohn Ludewich taufen 24.6.
  • Michel Braun ist ‚gewesener Müller‘ – Sohn Michel wird am 4.11. getauft
  • der Müller ist nun Jacob Puschke – Ehefrau Gertrudis
  • 1647 Gerge Puschke ist Brauer in Penken
  • Gerge Ankermann u. seine Ehefrau Anna oft als Paten
  • Michael Richau ist Tischler in Seeben
  • Baltzer String ist Krüger in Dollstädt
  • 1648 Andreß Melhorn ist Gärtenierer im Hofe Penken – Ehefrau Elisabeth
  • Gerge Ankermann lässt Sohn Gerge taufen – mehrere Paten aus Pompicken
  • Casparus Neander ist Schulmeister in Dollstädt …..
  • 1667 der arme Casparus Neander ist noch immer im Schuldienst
  • 1672 der Name Hellwich taucht noch nicht auf!

Manche mögen das ‚pingelig‘ finden. Für mich hat sich dieses Vorgehen sehr bewährt! Die meisten meiner ostpreußischen Vorfahren sind keine Bauern, die über lange Zeit an einem Ort verweilen – viele von ihnen üben handwerkliche Berufe aus und viele sind Müller. Das bedeutet: die Familien wechseln immer mal wieder ihre Wohnorte und tauchen an anderer Orten (und in anderen Kirchspielen) wieder auf. Die Spurensuche ist oft mühsam. Bei der Notizen-Methode gelingt es mir eher, Hinweise auf mögliche Veränderungen oder Verwandtschaftsverhältnisse im Blick zu behalten.

Zudem interessiert mich auch immer, welche anderen Familien – außer meinen eigenen Vorfahren – innerhalb eines Kirchspiels ansässig sind.

Ich weiß nun, dass mein Vorfahre, der Schneider Johann Hellwich vor 1681 noch nicht im Kirchspiel Dollstädt wohnt, dass sowohl er selbst, seine Ehefrau Gertraud als auch ihre Töchter Loysa (*1681) und Maria (*1691) in der Zeit von 1681 bis 1705 häufig als Paten genannt werden und dass die Familie Dollstädt etwa um 1706 verlassen haben muss.

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Mörderlich erstochen – Landsberg, Pr. Eylau (1712)

Im Januar des Jahres 1713 lässt die verwitwete Barbara Henning, geb. Krüger in der Kirche zu Landsberg ihre Tochter Maria Elisabeth Henning taufen, die sie ’nach dem kläglichen Tode ihrers Eheherrn, Herrn Ephraim Henning in die Welt gebohren.‘

Der Pastor vermerkt im Kirchenbuch zum Namen des Vaters Ephraim Henning, „welcher anno 1712 im Monath September, auf’m hiesigen Rathhause an einem Montage abends mörderlich erstochen worden; der Mörder ist der Ratsherr Blumberg gewesen und der Degen(,) dieses unglückliche Werkzeug des verübten Mordes(,) hängt noch an einem Balken in der Sessionsstube des hiesigen Rathhauses‘.

Auch in der Chronik von Landsberg wird von dem Mord berichtet. Hier erfährt man, was anschließend geschah – der Chronikschreiber berichtet: ‚Der Mörder Blumberg wurde darauf nach der Untersuchung auf dem heutigen Markte … decollirt‘.

Die kleine Maria Elisabeth Henning wird nur wenige Wochen alt – sie verstirbt im Februar 1713. Im November 1723 verstirbt auch ihre Mutter, die Witwe Barbara Henning, geb. Krüger. Sie wird 41 Jahre alt.

 

Familie Blumberg ist in der Stadt Landsberg bereits um 1645 anssäsig – Johannes Blumberg ist zu dieser Zeit ‚Balbierer‘ (=Barbier) – seine Ehefrau heißt Maria. Am 21. Juni 1645 wird Sohn Heinrich Blumberg in der Landsberger Kirche getauft. Die Taufpaten – u.a. ‚Herr Bastian Waldau Comptor zu Powarsen‘ (=Powarschen) – der Pfarrer von Canditten – oder ‚die wolgeborne Frau Anna Erbtruchsen von Garbnikhen‘ (=Garbnicken) lassen darauf schließen, dass die Familie in der Stadt einiges Ansehen genoss.

Nach 1713 – bzw. nach dem Mord in Landsberg – konnte ich den Namen Blumberg im Landsberger Kirchenbuch nicht mehr finden.

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Der Schnüffel-Markt in Landsberg, Pr. Eylau

Nicht nur in Danzig oder in der Stadt Heiligenbeil gab es einen ‚Schnüffelmarkt‚ – auch in der ostpreußischen Stadt Landsberg wurde diese Bezeichnung von den Bewohnern verwendet. Der nachfolgende Text stammt aus der Chronik der Stadt Landsberg – dieser Auszug wurde um 1876 von Rektor Carl Ludwig Holldack verfasst. Er berichtet:

Jede Stadt, groß und klein, hat ihre … Eigenthümlichkeiten … Frägt man nämlich einen geborenen Königsberger: Wo liegt das historisch, merkwürdige Ausfallthor? Oder in dem bergigen Theil der Stadt der Katzensteig? oder wo geht man nach der grünen Wiese oder gar: nach der Neuen Sorge? So weiß er`s nicht, denn seine Vaterstadt hat ja 2-3 Meilen im Umfange und ist ihm viel zu groß !

Und kommt man nach unserem kleinen Städtchen, das man in einer halben Stunde um- und durchwandern kann, so weiß dieses der zehnte Theil seiner Bewohner auch nicht und auch du lieber Chronikleser, der du in unserem Städtchen alt und grau geworden?! Weißt darauf keine Antwort zu geben, denn du hast diesen Schnüffelmarkt in deinem ganzen Leben und im eigenen Interesse vielleicht nie besuchen dürfen, aber frage nur den Fleischer oder den Höker, der Butter und Eier braucht, der wirds dir wohl sagen !

Der Schnüffelmarkt liegt nämlich im südöstlichen Theil der Stadt vor dem alten Mühlenthore und begreift die Dammstraße zwischen der Mühle und dem Töpferteich. Hierher gehen fast täglich die Fleischer am Morgen und sehen, ob nicht die hereinkommenden Fuhrwerke ein Kälbchen oder ein Schweinchen (im Stroh versteckt) zum Verkauf bringen? Hierher geht der Höker und revidirt die Körbe der zu Fuß ankommenden Landleute: ob nicht Eier oder Butter darin anzutreffen??

Und von diesen Lischken-Korb-Fuhrwerk-Revidiren und Schnüffeln hat dieser Theil
der Stadt den Namen des Schnüffelmarkts erhalten. Das Wort: Schnüffeln … scheint mehr seiner Bedeutung nach den Hunden zuzukommen und auf uns Menschen nur übertragen zu sein.

In der Mitte des Schnüffelmarktes steht seitwärts die immerwährend laufende Pumpe im Allgemeinen ‚der Pisser‘ genannt auch wird dieser Markt momentan häufiger frequentiert, weil unmittelbar daran nach den Scheunen zu sich der Schweinemarkt anschließt. Die Stadt hat diesen Theil der Stadt keinen offiziellen Namen gegeben, weil er mehr nur im Munde seiner Bewohner lebt.

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Auf den Spuren von Familie Westphal aus Landsberg, Pr. Eylau

Karl (CARL) Ferdinand Rudolf Erdmann Westphal ist der älteste Bruder meiner Urgroßmutter Therese Amalie. Er wird 1855 noch in der Mühle von Gr. Peisten geboren – bevor die Familie in die neue Mühle auf den Kohnertsberg umzieht.

Karl Westphal wird Kaufmann in der Stadt Landsberg und heiratet 1882 in Eichhorn die 22jährige Auguste Dorsch. Im Kirchenbuch ist zu lesen: ‚Kaufmann Karl Ferdinand Erdmann Rudolph Westphal in Landsberg, 28, ehel(iche) Sohn des in Landsberg verstorbenen Mühlenbesitzers Karl Westphal, mit Jungfrau Auguste Dorsch in Dixen, 22, ehel(iche) Tochter des in Dixen verstorbenen Wirthen Friedrich Dorsch.‘

In Landsberg werden von 1884 bis 1889 auch die Kinder von Karl Westphal und Auguste geb. Dorsch geboren:

  • Friedrich Carl Westphal am 27.3.1884
  • Kurt Gottlieb Westphal am 12.3.1885
  • Ernst Richard Westphal am 26.9.1886
  • Gertrud Johanne Amalie Westphal am 26.12.1887 (+1888)
  • Herta Helene Westphal am 22.11.1889

Nach 1900 verliert sich die Spur der Familie in Landsberg. Unter den Digitalisaten der Personalunterlagen von Lehrerinnen und Lehrern an Volksschulen und höheren Schulen Preußens‘ entdeckte ich Unterlagen des 1885 in Landsberg geborenen Kurt Westphal und anhand der dort angegebenen Informationen konnte ich die Spur der Familie wieder aufnehmen. Nun weiß ich:

Kurt Westphal wird Studienrat für Latein und Griechisch. Zur Zeit seiner Reifeprüfung, die er 1909 am Gymnasium von Schwetz ablegt, leben die Eltern in Thorn.

Im Jahre 1912 wohnt die Familie in der Ulmenallee 2 in Thorn an der Weichsel. Im Adressbuch verzeichnet sind unter dieser Adresse:

  • Karl Westphal, Bautechniker
  • Karl Westphal, Buchhalter sowie
  • Kurt Westphal, stud. phil.

Der Sterbeintrag im Kirchenbuch der Stadtgemeinde Thorn belegt, dass es sich bei dem im Adressbuch aufgeführten Buchhalter Karl Westphal tatsächlich um den Bruder meiner Urgroßmutter handelt. Er verstirbt am 10.12.1915 in Thorn. Nun lebt die Familie in der Kirchhofstraße Nr. 62.

Sterbeeintrag von Karl Westphal im Kirchenbuch der Altstadt von Thorn

Der genannte Bautechniker Karl Westphal ist demnach der 1884 noch in Landsberg geborene Sohn. Ob der Kaufmann Ernst Westphal identisch ist mit seinem 1886 geborenen Bruder, konnte ich bislang nicht herausfinden.

1919 finde ich Auguste Westphal, geb. Dorsch, als Witwe im Einwohnerbuch von Thorn. Sie wohnt nun in der Brückenstraße Nr. 18 – gemeinsam mit dem Kriegsinvaliden Bruno Westphal und der Buchhalterin Erna Westphal.

Der Studienrat Kurt Westphal lebt und arbeitet später in Potsdam. Den Personalunterlagen nach ist er verheiratet und hat 2 Kinder. 1930 wohnt er in der Augustastraße – 1939  in der Schwanenallee Nr. 5.

Mein Vater Karl Gegner hält sich um diese Zeit für mehrere Jahre in Kurt Westphals Nähe auf.

Ob seine Großmutter Therese Amalie Westphal ihm wohl von dem Sohn ihres  Bruders erzählt hat und ob die beiden sich wohl kennengelernt haben?

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