Eine Reise in die Vergangenheit …

Der Besuch der Burg Blomendal am vergangenen Sonntag war für mich eine spannende Reise in die Vergangenheit. In der Burg untergebracht ist auch der Blumenthaler Heimatverein und in mehreren Räumen finden sich Spuren meiner Vorfahren.

übernommen von Wikipedia

Dort hängt zum Beispiel ein Bild, auf dem mein Urgroßvater Hinrich Haesloop gemeinsam mit anderen Blumenthaler Kapitänen zu sehen ist –

eine Abbildung des Kahns, der meinem Ur-Ur-Ur-Großvater Lüder Schwarting gehörte

sowie das Schaumlöffel-Schild, das vermutlich über lange Zeit in ihrem Schuhgeschäft in der Mühlenstraße hing.

Die größte Überraschung war jedoch, dass ich mich plötzlich in der alten Schumacherwerkstatt  von ‚Onkel Seebeck‚ wiederfand, in der ich mich als Kind so oft und so gern aufgehalten habe! Nach dem Tod von Johann Seebeck wurde seine gesamte Werkstatt dem Blumenthaler Heimatverein übergeben.

Obwohl wir gar nicht in der Jollenstraße (ehemals Beckstraße), sondern in der Fresenbergstraße und später in der Schonerstraße wohnten, war ‚Onkel Seebeck‘ quasi unser Nachbar. Die Gärten hinter unseren Häusern grenzten aneinander und meine Eltern unterhielten sich oft mit ihm über den Gartenzaun hinweg – meine Mutter auf Plattdeutsch, mein Vater auf Hochdeutsch.

Meine Besuche in ‚Onkel Seebecks‘ Schuhmacherwerkstatt gehören zu den intensivsten Erinnerungen an meine Kinderzeit in Bremen-Rönnebeck. Die Erinnerung ist wohl deshalb so intensiv, weil auch der wunderbare Geruch von Leder und Leim sofort wieder in meine Nase steigt, wenn ich  daran denke …

Johann Seebeck bewahrte in seiner Werkstatt alle möglichen Nägel auf, die er für seine Arbeit benötigte. Sie befanden sich – nach Größe sortiert – in dem runden Metallgefäß, das auf dem obigen Bild in der Mitte des Tisches zu sehen ist. Als Kind durfte ich diese Nägel mit einem Magneten aus diesem Behälter ziehen, musste sie aber anschließend sorgsam wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückbefördern. Sie durften auf keinen Fall vermischt werden! Neben dem Sortieren der Knöpfe unseres Knopfkastens war dies damals eine meiner liebsten Beschäftigungen.

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Heinrichswalde in Ostpreußen

Am 7. November des Jahres 1781 heiraten in der Kirche von Eichhorn, Pr. Eylau meine 4fach-Urgroßeltern Wilhelm Gegner und Elisabeth Catharina Kenckel. Der Eintrag im Kirchenbuch lautet: ‚Wilhelm Gegner, Leinewebergesell in Eichhorn, ist mit Jgfr. Elisabeth Catharina Kenckelin, des Christoph Kenckel, Zimmermanns in Heinrichswalde ältester leibl(icher) Tochter d. 7ten November in hiesiger Kirche copuliret worden. Wohnen in Eichhorn. Der Bräutigam ist lt. Kichenbuch 27 u. die Braut lt. Angabe ..‘.

Jahrelang war ich in dem Glauben, Elisabeth Catharina Kenckel sei in Heinrichswalde bei Topprienen zur Welt gekommen. Dann fand ich heraus, dass das im Kreis Pr. Eylau belegene Vorwerk Heinrichswalde erst seit 1866 existiert.

Kreisblatt Pr. Eylau

Die Orstbezeichnungt ‚Heinrichswalde‚ gibt es in Ostpreußen mehrfach:

  • den Ort Heinrichswalde im Kreis Niederung bzw. Elchniederung
  • das Vorwerk Heinrichswalde bei Frögenau und
  • das Gut Heinrichswalde bei Gassewen im Kreis Angerburg

Wo mag meine Vorfahrin Catharina Elisabeth Kenckel wohl geboren worden sein? Zumindest weiß ich nun, dass meine Versuche, ihre Taufe im Kirchenbuch von Pr. Eylau zu finden, völlig überflüssig war.

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Digitalisate für die Forschung im Kreis Pr. Eylau

All diese Unterlagen für den Kreis Pr. Eylau sind mittlerweile als Digitalisate bei den Mormonen einzusehen. Man muss sich registrieren und kann dann über die Suchmaschine direkt nach der Filmnummer suchen.


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Carl Ludwig Holldack in Landsberg, Pr. Eylau

Die Chronik der Stadt Landsberg in Ostpreußen wird von 1876 bis 1880 von Carl Ludwig Holldack geführt. Sein Nachfolger, Rektor Koppenhagen, verfasst nach Holldacks Tod – er verstirbt am 13.2.1884 – einen Nachruf, der auf der Seite der Familie Holldack nachzulesen ist. Ich möchte diesen Nachruf ergänzen um einige Informationen zur Familie und einige Anmerkungen von Carl Ludwig Holldack selbst.

Carl Ludwig Holldack

Lt. Sterbeurkunde wird Carl Ludwig Holldack am 13. Februar 1807 in Gnie, Kreis Gerdauen, als Sohn des Oberförsters Gottlieb Holldack und dessen Ehefrau Minna Justine Raabe geboren.

Als Chronikschreiber berichtet er u.a. von den wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Stadt, von baulichen Veränderungen, Zünften, von Jubiläen und Begräbnissen, der Gründung eines Vorschuss-Vereins – er erwähnt Unglücksfälle, die sich in der Stadt ereignen, die Stiftung des Krieger-Vereins und beschreibt – voller Stolz – den Werdegang einiger seiner ehemaligen Schüler, die er selbst in der ‚Rektoren-Klasse‘ unterrichtet hatte. Ab und zu schimpft er über Missstände und auf einige Amtsinhaber – und immer wieder streut er lateinische Zitate ein.

All das ist äußerst spannend, wenn man – wie ich – Vorfahren hat, die zu dieser Zeit in Landsberg wohnen.

Bevor er im Mai 1841 nach Landsberg kam, war Carl Ludwig Holldack einige Jahre in Lichtenau, das zu den Dessauschen Gütern gehörte, als Hauslehrer tätig.

Aus seiner Kinderzeit erzählt er:

‚Meine Familie gehörte zu den Forstleuten – mein Vater war Oberförster und stand in ziemlich hohem Gehalt – aber im Sommer mußten alle, wir Kinder, baarfuß gehen und bekamen Stiefel nur anzuziehen, wenn Fremde kamen oder an hohen Festtagen, daher hielt unser Schuhwerk auch 2 bis 4 Jahre und wir Kinder wunderten uns dann darüber, daß Stiefel und Schuhe uns immer zu enge wurden und schoben dann die Schuld auf den Schuhmacher; ich der älteste Sohn der Familie trug selbst gewebte und selbst gemachte Kleider bis zur Einsegnung – erst im Jahre 1830 bekam ich einen Mantel von gekauftem grauen Tuche, als ich Student geworden war. Jede Ausgabe wurde vermieden, wo man sie nur vermeiden konnte.‘

Auch von der Anschaffung seines Aufsehen erregenden Kochherds erzählt er;

‚Als ich herkam im Jahre 1841 gab es in unserm Städtchen noch keinen Sparherd. Da ich nun guten Torf, wie Braunkohle (besaß), wollte ich denselben nicht auf offenem Herde verschmoren – ich verschrieb mir daher aus der Königsberger  Unions-Eisengießerei eine eiserne Kochplatte und ließ mir einen Kochherd setzen, wozu ich den Riß dazu lieferte. Die Kochplatte kostete damals noch 13 Sgr und für die unglasierten Ziegel, die der Magistrat hergab, mußte ich auch noch 2 Sgr bezahlen. Als ich so den ersten Kochherd hergestellt, verschrieb ich mir auch noch eine hermetisch verschließbare Ofenthür aus der damals berühmten Schichauschen Eisenfabrik aus Elbing für 5 Rthl und nun konnte ich reichlich kochen und heizen nach Wohlgefallen, den Landsbergern ein wahres Wunderwerk: ein Kochherd fast mitten in der Küche und ein Ofen ohne Klappe! Das war ihnen rätselhaft!‘

Im Juli des 1843 wird in der Landsberger Kirche sein Aufgebot mit Anna Caecilie Therese Kappner (einer Tochter des mittlerweile verstorbenen Maurermeisters Anton Kappner aus Königsberg) bekannt gegeben. Holldack ist 36 Jahre alt und wird im Kirchenbuch als Prediger, Rektor, Kantor und Organistenadjunct bezeichnet.

Von 1848 bis 1851 werden in Landsberg drei Holldack-Töchter geboren:

  • Anna Caecilie Concordia Holldack * am 19.1.1848
  • Therese Maria Martha Holldack * am 2.6.1850 und
  • Friederike Wilhelmine Martha Holldack * am 13.9.1851

Im Juni 1869 erfährt das ‚hochgeehrte Publico‚ durch ein Inserat im Pr. Eylauer Kreisblatt, dass im Haushalt des Predigers eine amerikanische ‚Wheeler-Wilsonsche Doppel-Steppstich-Nähmaschine‘ existiert und die Damen des Hauses Holldack ‚jede Art von Wäsche, andere Nähtereien und dazu gehörige Stickereien für einen soliden Preis‘ fertigen.

Carl Ludwig Holldacks älteste Tochter – Anna Caecilie Concordia – heiratet am 29. September 1871 in Landsberg den damaligen Oberinspektor der Begüterung Wildenhoff Julius Eduard Theodor von Freyhold, einen Sohn des Gutsbesitzers Heinrich von Freyhold. Tochter Friederike wird einige Monate später – am 15.4.1872 – die Ehefrau von Emil Justus Börner, dem Meiereipächter der Begüterung Worienen.

Schon aufgrund seiner Funktion als Kantor und Organist spielt die Musik in Holldacks Leben eine besondere Rolle – so leitet er z.B. einen Knabenchor. Von Zeit zu Zeit  erwähnt er in der Chronik Mitürger, die mit besonders schönen Singstimmen ausgestattet sind und 1876 berichtet er: ‚Zur Jetztzeit zählt unsere Stadt gewiß schon einige zwanzig Pianos und Fortepianos – das macht im Ganzen der Aufschwung der Zeit, aber auch die Gelegenheit(,) Klavier-Unterricht erhalten zu können, denn sowohl fast alle unsere Lehrer geben Unterricht auf dem Klavier und meine Tochter Therese unterrichtet schon seit 10-12 Jahren mit guten Erfolge in der Musik, so daß bald ihre Schülerinnen selbst werden Unterricht geben können‘.

Carl Ludwig Holldack wird 77 Jahre alt. Sein Tod wird beim Landsberger Standesamt angezeigt von ‚Fräulein Therese Holldack‚, seiner 1884 noch unverehelichten zweiten Tochter.

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Das ‚Deutsche Haus‘ in Landsberg, Pr. Eylau

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit klappt hervorragend! Der nachfolgende Text stammt von Wojtek Wolański. Er benutzte dafür Unterlagen, die ihm das Rathaus von Górowo Iławeckie zur Verfügung stellte – sowie die Bücher von Manfred Gross (Landsberg Ostpreußen, Straßen, Häuser, Einwohner). Übersetzt wurde der Text mit Hilfe von ‚deepl‘. Ich selbst habe ein wenig ’nachgearbeitet‘ und den Text an einigen Stellen ergänzt.


Heute existiert in Górowo kein richtiges Hotel mehr. Gäste, die bei uns wohnen möchten, müssen nach Lidzbark oder Bartoszyce gehen oder können eines der Angebote des lokalen Agrotourismus nutzen. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es jedoch ganz anders.

Ziemlich im Zentrum von Górowo, in der Hofstraße 14 (der heutigen Sikorskiego-Straße, gegenüber der Ermland-Bäckerei und der Apotheke) stand früher ein schönes Gebäude: das Hotel „Deutsches Haus„mit angeschlossenem Restaurant.

Die ehemalige Hofstraße in Landsberg – 1. Haus links das ‚Deutsche Haus‘

Die erste Erwähnung dieses Hauses geht auf das Jahr 1862 zurück. Zunächst befand sich hier ein großer Gasthof, der von dem Kaufmanns Friedrich Rudolph Ankermann (geb. am 25.1.1832 in Konnegen, Kr. Heilsberg – Anmerkung von mir: er ist der Bruder meiner Ur-Urgroßmutter) durch einen Neubau ersetzt wurde. Das Gasthaus wurde zum Hotel und fortan wurde es „Deutsches Haus“ genannt. 1880 wohnte darin der Kaufmann und Getreidehändler Carl Mulack.

Inserat im Kreisblatt 1886

Fand die Musterung der Militärpflichtigen des Kreises in Landsberg statt, so geschah dies 1886 – und vermutlich auch in anderen Jahren – ‚im Lokale des Kaufmanns Mulack‚:

Bekanntgabe im Kreisblatt – März 1886

1895 hieß der Besitzer Julius Freund (Kaufmann, geb. am 21.10.1849 in Seefeldt, Kr. Braunsberg) und 1901 Ernst Gruhn. 1913 wurde das Haus von Familie Krauskopf aus Königsberg gekauft, die – nach dem Kauf eines weiteren Gebäudes am Marktplatz – das „Deutsche Haus“ an den Kaufmann August Kalb veräußerte.

August Kalb war eine interessante Figur. Auf der Rückseite der Feuerwehr (die sich bei der alten Schule befand) besaß er eine Scheune, in der er eine Mühle aufstellte. Diese wurde jedoch 1925 durch eine Explosion zerstört.

1924/25 baute August Kalb das Haus um und vergrößerte es. Das angrenzende Gebäude des Stellmachers Karl Nieswand wurde deshalb abgebrochen. In einem Teil des Hauses richtete August Kalb zudem einen Feinkostladen ein – außerdem einen Eisenwarenladen.

Das „Deutsche Haus“ erlebte eine Reihe wichtiger Veranstaltungen: im Jahre 1895 feierten hier 87 Personen die Einweihung der neuen katholischen Kirche. Auch Feiern des Vaterländischen Frauenverbandes, Winterbälle des Männergesangsvereins und zahlreiche Maskenbälle fanden hier statt.

In den Räumen des „Deutschen Hauses“ wurden Aufführungen des Landestheaters Elbinger veranstaltet und es wurden Sendungen von Radio Königsberg unter Beteiligung des Dirigenten Eugen Wilken und des Komponisten Erich Boerschel live übertragen. Auch Kinovorführungen unter der Leitung von Herrn Beersdorf aus Preußisch Eylau, die zuvor im Café Paradowskie stattgefunden hatten, wurden hierher verlegt.

Nachfolgender Besitzer des Hotels waren Herr Tischtau und seine Frau Emma, geb. Koll. Tischtau war Vertreter der Kinderhof Brauerei in Gerdauen. Um die Jahreswende 1936/37 verkaufte er das „Deutsche Haus“ an Gustav Wierutsch (Ehefrau Emma, geb. Arndt).

Das Feinkostgeschäft („Edeka“) im Erdgeschoss führte Gerhard Wehrmeister – um 1936 wurde es von Franz Hill übernommen. Die Eisenwarenhandlung betrieb der jüdische Kaufmann Georg Alexander, der in der Hindenburgstraße wohnte. Alexander musste Landsberg 1938/39 verlassen – sein Geschäft wurde anschließend von Gert Karusseit weitergeführt.

Telefonverzeichnis Landsberg 1942

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das „Deutsche Haus“ zerstört und leider nicht wieder aufgebaut. Auch die Häuser 9 bis 12 fielen dem Krieg zum Opfer. Besitzer waren:

  • Hofstraße 9: Franz Vanhöfen
  • Hofstraße 10: Erwin Gottwill, Tischlermeister (Ehefrau Maria geb. Wohlfeil u.  Tischlermeister Rudolf Gottwill
  • Hostraße 11: Bruno Petroschka, Bäcker (Ehefrau Ida geb. Pogorszelski)
  • Hofstraße 12: Otto Wormitt, Fleischermeister (Ehefrau Margarete geb. Feuerabend)

Auf dem Grund dieser Häuser wurde ein Einkaufszentrum errichtet, in dem sich heute die Bäckerei Warmia, die Apotheke, eine neue Eisdiele und ein Geschäft befinden.

Google Streetview – links befand sich das ‚Deutsche Haus‘

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‚Tante Anni‘ in der Waller Feldmark

Anna Kröger, geb. Müller, (* 2.9.1899)  war die Ehefrau von Carsten Kurt Kröger, einem Bruder meiner Großmutter Anna Lisette, der am 3. März 1890 in BremenLüssum zur Welt kam. Er wuchs gemeinsam mit seinen 5 Geschwistern in diesem schönen Haus in der Lüssumer Straße auf, das leider abgerissen wurde.

Das alte Kröger-Haus in der Lüsssumer Straße Nr. 99. Auf der Treppe meine Urgroßeltern Heinrich Kröger und Margarete geb. Knübel

Carsten Kurt Kröger, der in den noch vorhandenen Familienunterlagen seltsamerweise mal CARSTEN und mal KURT genannt wird, besaß eine große Schlachterei in Bremen-Walle, in der Grenzstaße Nr. 124. Am 29. Juli 1944 verunglückte er in Bremen beim Einsatz eines ‚Sicherheits- und Hilfsdienstes‘. Das Haus, in dem er wohnte, wurde ausgebombt (Quelle: Dr. Heinrich Kröger).

Für mich war Anna Kröger meine ‚Tante Anni‚. Ich kann mich sehr gut an sie erinnern, aber als ich vor einigen Tagen zufällig auf die Seite des Digitalen Heimatmuseums Bremen stieß, wurden meine Erinnerungen noch sehr viel lebendiger.

Im Vordergrund sitzend: links meine Oma Anna Lisette – rechts Anni Kröger

‚Tante Anni wohnte auf einer Parzelle in Walle‘ hatte ich mir irgendwann einmal notiert. Nun weiß ich es genauer: sie wohnte in der Waller Feldmark, im Buchfinkenweg Nr. 10!

Bremer Adressbuch 1957

Ihr Haus war ein sogenanntes ‚Kaisenhaus‚. Da während des zweiten Weltkriegs ca. 60% aller Häuser in Bremen zerstört worden waren, hatte der damalige Bürgermeister Kaisen aufgrund des eklatanten Wohnungsmangels erlaubt, in Eigeninitiave Wohnhäuser in den Kleingärtnergebieten zu errichten.

Für viele Erbauer dieser kleinen Häuser war es schwierig, überhaupt die für den Bau notwendigen Materialien zu beschaffen. In Tante Annis Fall half sicherlich die Familie aus Lüssum. Anna Krögers Schwiegervater – mein Urgroßvater, der Maurer- und Brunnenmachermeister Heinrich Kröger – hatte dort bereits im Jahre 1885 ein Bauunternehmen gegründet, das nach seinem Tod von Sohn Georg, Annis Schwager, weitergeführt wurde. Auch Georg Kröger verstarb 1945, doch das Unternehmen blieb in der Familie. So dürfte es kein großes Problem gewesen zu sein, Baumaterialen in die Waller Feldmark zu liefern.

Tante Anni war rundlich, gemütlich und ausgesprochen kinderlieb. Sie hatte keine eigenen Kinder – das war wohl der Grund, weshalb ich immer mal wieder einen Teil meiner Ferien bei ihr verbringen durfte. Und manchmal war ich nicht das einzige Kind, das sich bei ihr aufhielt. Es gab noch einen kleinen Jungen namens Enno, der dort in seinen Schulfereien Zeit verbrachte. Er wohnte eigentlich in Bunde, Ostfriesland, und war einige Jahre jünger als ich. Vielleicht liest er diesen Artikel irgendwann einmal und und hat ebenso schöne Erinnerungen an Tante Anni in der Waller Feldmark …?

Am 23. Mai 1973 verstarb Anna Kröger in Bremen.

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Austausch über die Geschichte einer Stadt in Polen

Seit kurzer Zeit bin ich Mitglied einer Polnisch sprachigen Facebook-Gruppe, die sich mit der Geschichte der Stadt Górowo Iławeckie – früher Landsberg im Kreis Preußisch Eylau – beschäftigt. Ich freue mich darüber, dass sich die jetztigen Bewohner der Region inzwischen auch für die Vergangenheit ihrer Stadt interessieren und darüber, dass ich mit meinen Kenntnissen dazu beitragen kann, dass sie evtl. noch ein wenig mehr erfahren.

Selbstverständlich wird in dieser Gruppe Polnisch ‚gesprochen‘. Das bedeutet für mich:  ich verstehe weder, was die Gruppenmitglieder kund tun, noch kann ich unmittelbar antworten. Aber mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms klappt alles wunderbar!

Wichtig ist allerdings die Wahl des richtigen Programms – ansonsten kann es leicht zu Mißverständinissen kommen.

Ein Beispiel: Die Teilnehmer unterhielten sich über besonders schöne Häuser in Górowo Iławeckie und deren Bewohner. Das schönste Haus – da war man sich schnell einig – ist wohl die frühere ‚Villa Seddig‚, die unmittelbar am ehemaligen Mühlenteich liegt. Ich wusste, dass darin  einmal der Landsberger Mühlenbesitzer Car Gustav Seddig mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Eggert, und den Kindern gewohnt hatte. Herr Seddig war am 18.3.1902 in Landsberg verstorben.

Villa Seddig in Landsberg – 2004

Ein Gruppen-Mitglied teilte daraufhin mit, dass er die Bewohner des ‚zweit schönsten‚ Hauses in der Stadt kenne. Das in Facebook integrierte Translator-Programm formte aus dieser Bemerkung den folgenden Satz: ‚In der zweiten über die Schönheit des Hauses, sind wir im Bienenstock. Die Rote Armee hat derzeit meine Freunde … und eine Puppe mit Eltern gelebt‘.

Erst die Übersetzung mit Hilfe eines anderen Programms ergab schließlich Sinn: ‚In der zweitschönsten Hütte in der …  Straße lebten derzeit meine Freunde … und … mit ihren Eltern‘. 🙂

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Die Lage der Häuser in Hoofe, Pr. Eylau

In Hoofe – heute Dwórzno – wurde 1855 mein Urgroßvater Rudolf Leopold Gegner geboren. Auch seine Mutter Justine Friedericke Matern kam dort zur Welt und in den Jahren 1870 und 1873 verstarben dort Friederickes Eltern, Carl Matern und Maria Borm, meine Ur-Ur-Ur-Großeltern.

Carl Matern wird im Jahre 1818 – bei der Geburt einer Tochter und deren Taufe in der Gutskirche von Groß Peisten – als erster Träger des Namens MATERN bzw. MATTERN in Hoofe genannt. Maria Borm und ihr Bruder Johann sind um 1818 bzw. 1819 die ersten Personen in Hoofe, die den Familiennamen BORM tragen.

Auch in den Gutsakten der Begüterung Gr. Peisten, die im Staatsarchiv von  Allenstein verwahrt werden, werden die Familien Matern und Borm aufgeführt.

Nachfahren beider Familien leben noch bis 1945 in Hoofe.

Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau

 

Herzlichen Dank an Gerd Birth, der mir den folgenden Plan von Hoofe gesandt hat, aus dem die Lage der Häuser der o.g. Familien hervorgeht:

Lage der Häuser in Hoofe

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Um 1890 in Landsberg, Pr. Eylau

Mein Großvater Carl Ludwig Gegner war ein kleiner ‚Knirps‘ von 4 Jahren als diese Inserate von Landsberger Geschäftsleuten im Jahre 1890 im Pr. Eylauer Kreisblatt veröffentlicht wurden.

Aber vielleicht ist sein Vater Leopold, der in Landsberg als Schneidermeister  für den Unterhalt der Familie sorgt, mit ihm – als ältestem Sohn – einmal im Omnisbus nach Pr. Eylau gefahren …?

Und vielleicht hat ihn seine Mutter Therese, die sich inzwischen um 2 weitere kleine Söhne kümmern muss, ab und zu mit einem Einkaufszettel zu seiner Oma Johanna Ankermann (Thereses Mutter, im Inserat fälschlichweise Ackermann) oder zu ‚Onkel‘ Julius Schnell – einem Verwandten der Familie – geschickt, um Brandt-Kaffee für die Familie zu holen …?

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Brief an die Eltern – Bremen-Lüssum 1907

Heinrich Kröger wurde am 15.11.1894 in Bremen-Lüssum geboren. Er ist der jüngste Sohn meiner Urgroßeltern Heinrich Kröger und Margarete geb. Knübel. und der jüngste Bruder meiner Oma Anna Lisette (ganz links im Bild). Auf diesem Photo ist die ganze Familie vollzählig – Heinrich ist der kleine Junge hinten rechts.

Heinrich ist 13 Jahre alt als er am Neujahrstag des Jahres 1907 diesen rührenden Brief auf wunderschön verziertem Papier an seine Eltern schreibt:

Der Text lautet:

Lüssum den 1. Januar 1907

Liebe Eltern!

An des Jahres erstem Morgen bring‘ ich meine Wünsche dar, dank für Liebe, Müh und Sorgen in dem nun verfloss’nen Jahr.

Möge Gott Euch ferner schenken
Kraft, Gesundheit, Lebensmut,
segnend Eurer stets gedenken,
daß dies Jahr auch ende gut!

Lange mög er Euch erhalten,
mir das beste Elternpaar;
seine Gnade la(ß) er walten
über Euch noch manches Jahr
bis er führt zu seinem Frieden
Euch in seinen Himmel ein,
wo nach manchem Kreuz hienieden
er uns alle neu verein!

Dies wünscht Euch  Euer Sohn Heinrich

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