OFB Eichhorn, Pr. Eylau online

Nach langjähriger Vorbereitung wurde nun das von Ko Meerwaldt und mir erarbeitete OFB des Kirchspiels Eichhorn im ehemaligen Kreis Pr. Eylau veröffentlicht!

Es wird nach und nach von uns ergänzt werden.

Über Hinweise zu – sicherlich enthaltenen – Unstimmigkeiten und über Ergänzungen würden wir uns freuen. Sie würden dann im nächsten Update berücksichtigt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Familien in Worglitten vor 1700

Auch das Dorf Worglitten gehörte ehemals zum Kirchspiel Eichhorn im Kreis Preußisch Eylau. Kinder, die dort zur Welt kamen, wurden in der Kirche von Eichhorn getauft – Bauern und Instleute, die dort lebten, ließen sich in der Eichhorner Kirche trauen.

Vor 1700 leben in Worglitten u.a.:

  • Christoph Gnoß, Bauer +1669
  • Matthes Gnoß, Bauer und Schulz +1678
  • Greger Gnoß, Bauer und Schulz *um 1640 +1699
  • Gerge Gnoß, Bauer * um 1645
  • Gerg Zilian (Ziljan), Knecht
  • Johann Sahm, Bauer
  • Peter Brodd, Bauer
  • Christoph Kunter, Krüger + 1676
  • Wenzel Kaulbarsch (Kaulbarschcke), Bauer + 1668
  • Christoph Benicke, Bauer
  • Gerge Brahl, Bauer
  • Andres Brahl, Bauer
  • Lorentz Sommerfeldt, Bauer
  • Johann Kaulbarsch, Bauer + 1723
  • Greger Neumann, Bauer
  • Samuel Rappun, Instmann
  • Daniel Dorsch, Bauer
  • Andres Gerge, Knecht
  • Gerg Stabbert, Hirt
  • Melchior Gronert, Instmann +1683
  • Martin Beutner, Hirt
  • Matthes Neumann +1703
  • Johann Thomßcke, Bauer
  • Christoph Dorsch, Bauer +1692
  • Lorentz Krause, Bauer

Die in obiger Liste aufgeführten Gnoß-Bauern sind sicherlich miteinander verwandt. Da die Kirchenbücher von Eichhorn ‚erst‘ im Jahre 1665 beginnen, lässt sich das genaue Verwandtschaftsverhältnis ohne zusätzliche Quellen jedoch nicht klären.

Mitglieder der Gnoß-Familien in Worglitten hatten über lange Zeit das Amt des Dorfschulzen inne, das ja üblicherweise innerhalb der Familien vererbt wird.

  • Als der Krüger Christoph Kunter 1672 in Eichhorn die Witwe des verstorbenen Schulzen von Glomsienen heiratet, ist er Schulz von Worglitten.
  • Schon 1673 – und dann bis zum Jahre 1676 – wird Lorentz Sommerfeld als Schulz genannt, nachdem er 1672 die Witwe des verstorbenen Bauern Christoph Gnoß geehelicht hat. 
  • Im Mai 1678 verstirbt in Worglitten der Bauer Matthes Gnoß. In seinem Sterbeeintrag wird er als ‚gewesener Schultz in Worglitten‘ bezeichnet. Vermutlich hat er dieses Amt bereits vor Christoph Kunter ausgeübt.
  • Der nachfolgende Schulz ist Greger Gnoß. Er wird um 1640 in Worglitten geboren worden sein. Am 17. Oktober des Jahres 1666 heiratet er in Eichhorn Maria Sintscholl aus Müggen, eine Tochter des dort verstorbenen Bauern Caspar Sintscholl. Bis zu seinem Ableben im Jahr 1699 bleibt Greger Gnoß Dorfschulz von Worglitten.
  • Ihm folgt – bis kurz vor seinem Tod – sein 1668 geborener Sohn Johannes (Hans) Gnoß, der 1734 im Alter von 65 Jahren verstirbt.
  • Ab 1732 wird dann der Bauer Martin Worm als Schulz in Worglitten aufgeführt.
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ergänzung und Korrektur zu Christian Weißermel, Pfarrer in Petershagen

Laut Daniel Heinrich Arnolds ‚Kurzgefaßte(n) Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandenen Predigern‘ (Digitalisat) stammt Christian Weißermel aus Königsberg, ist zunächst Kantor in Kreuzburg, Pr. Eylau, und ab 1705 Pastor in Petershagen.

Erwähnung in o.g. Buch

Christian Weißermels erste Ehefrau, Catharina Elisabeth Martini, eine Tochter von Daniel Martini, Rektor der Pfarrschule in der Altstadt von Königsberg, muss bereits vor April 1716 verstorben sein.

Am 28. April 1716 heiratet Christian Weißermel in Eichhorn, Pr. Eylau,  Eleonora Sophia Boblick. Der Heiratseintrag im Eichhorner Kirchenbuch ist nur schwer zu entziffern. Er lautet: H. Christian Weiß Ermel, Pfarrer von Petershagen mit J. Eleonora Sophia, Selig H. Andreas Martin Boblicken; Sr Königl. Majestät in Preußen unter dem Garde d‘ Corps gewesenen ältesten Wachtmeisters nachgelaßener Tochter‘

Eleonora Sophia Boblick lebt vor der Eheschließung in Worienen und wird von 1712 bis 1716 mehrfach als Patin genannt (im Jahre 1712 u.a. gemeinsam mit meinem Vorfahren Christoph Gegner, der als Böttcher in Polassen wohnt). Auch Christian Weißermel legt in der Zeit von 1709 bis etwa 1733 immer mal wieder den Weg von Petershagen nach Eichhorn zurück, um in der dortigen Kirche – oft gemeinsam mit den Pfarrern der umliegenden Kirchorte – Patenschaften zu übernehmen, u.a.

  • 1712 bei Maria Dorothea Henning, einer Tochter des Eichhorner Pastors
  • 1715 bei Loysa Tugendreich, einer weiteren Tochter desselben Pastors
  • 1716 bei Johanna Henriettta Müller, Tochter des Woriener Burggrafen
  • 1717 bei Anna Maria Gradcke, einer Tochter von Martin G., Hofmann in Glomsienen
  • 1725 bei Martin Ephraim Bohrt, einem Sohn von Jacob Bohrt, Cammerverwandtem in Worienen

Ausschnitt aus dem Kirchenbuch von Eichhorn – unter Nr. 5: H. Christian Weiß Ermel, Past(or) Petershag(en)

In der ‚Kartei Quassowski‘ wird angegeben, am 12.11.1726 sei in Eichhorn Johann Friedrich Weißermel zur Welt gekommen. Das ist ein Fehler – an eben diesem Tag wird hier Johann Friedrich Bohrt geboren, ein Bruder des zuvor genannten Martin Ephraim Bohrt. Auch bei dieser Taufe wird Christian Weißermel jedoch als Pate genannt. Ein Weißermel-Kind wird zu keiner Zeit in Eichhorn getauft.

   
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Familie Schmidt in Kumkeim

Ich freue mich immer, wenn ich weitergehende Informationen zu Familien finde, die ich aus dem Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, ‚kenne‘ – wie hier zu Familie Schmidt aus Kumkeim


Eduard Bernhard Schmidt wird 1833 in Worglitten als jüngster Sohn des dortigen Lehrers Gotthard Schmidt und dessen Ehefrau Maria Dorothea Langhans geboren. Er ist drei Jahre alt als sein Vater im Februar 1836 in verstirbt.

Eduard Bernhard verlässt seinen Heimatort, wird Kaufmann in Bischofstein, kehrt als junger Witwer – erst 30 Jahre alt – zurück und heiratet im Dezember 1863 in der Eichhorner Kirche  die 28jährige – aus Wolfsburg ‚im Herzogtum Braunschweig‘ stammende – Henriette Louise Elisabeth Kranig, eine Tochter des dortigen Försters Friedrich Kranig. Nach ihrer Eheschließung lebt das Ehepaar in Kumkeim, wo auch ihre 3 Kinder zur Welt kommen:

  • Auguste Amalie Waleska  am 28.11.1864
  • Hermann Friedrich Karl am 21.12.1866 und
  • Elisabeth Karoline am 7.9.1870

Das nachfolgende Inserat erzählt uns, wie die Familie um diese Zeit in Kumkeim wohnt: sie besitzt ein Haus mit 4 Stuben, einem Keller, einer Scheune, einem Stall und erntet das eigene Obst aus ihrem Garten. Eduard Bernhard Schmidt hat offenbar vielerlei versucht, um seine Familie zu ernähren – er übernimmt Aufträge als Restaurator, arbeitet 1866 als Gastwirt und hat sich innerhalb des Hauses ein kleines Geschäft eingerichtet.

Nach der Geburt seines Sohnes plant E.B. Schmidt offenbar eine Veränderung der Lebens- oder Wohnsituation. Laufen seine Geschäfte schlecht? Will er mit seiner Familie Kumkeim deshalb verlassen oder möchte er nur in ein anderes Haus innerhalb des Ortes umziehen?

Im Juli 1867 erscheint im Preußisch Eylauer Kreisblatt dieses Inserat:

Ausschnitt aus dem Preußisch Eylauer Kreisblatt – Juli 1867

Vermutlich hat sich weder ein Käufer noch ein Pächter gefunden – zumindest hat kein Ortswechsel stattgefunden – Familie Schmidt wohnt 1870 nach wie vor in Kumkeim. Nun wird Eduard Bernhard Schmidt als ‚Höker‘ bezeichnet. Am 14. September 1870 – nur eine Woche nach der Geburt der jüngsten Tochter – verstirbt seine Ehefrau im Alter von nur 34 Jahren und 11 Monaten an einer unbekannten Krankheit – kurz darauf (am 30. September) auch die erst 3 Wochen alte Tochter Elisabeth Karoline an Schwäche.

Eduard Bernhard Schmidt bleibt zurück mit 2 kleinen Kindern, die versorgt werden müssen. Es geschieht nicht selten, dass verwitwete Väter nach dem Tod ihrer Ehefrauen eine jüngere Schwester ihrer verstorbenen Frau heiraten – so auch Eduard Bernhard Schmidt. Am 3. Februar 1871 ehelicht er  in Eichhorn die 29jährige Auguste Kranig, die bereist 1866 die Patenschaft seines Sohnes übernommen hatte. Die Einwilligung zur Heirat wird von Eduard Bernhards Mutter über das Gericht in Bartenstein erteilt.

Am 4. Juli 1871 kommt Tochter Martha Karoline Schmidt zur Welt. E. B. Schmidt lebt nun als Eigenkätner in Kumkeim. Nach 1871 verliert sich die Spur der Familie im Kirchspiel Eichhorn.

Eduard Bernhard Schmidts Mutter Maria Dorothea, geb. Langhans verstirbt am 6. August 1873 in Worglitten an Altersschwäche. Sie wird 87 Jahre alt und hinterlässt insgesamt 6 majorenne Kinder, die teilweise in Worglitten leben.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Raubmord zwischen Gallehnen und Zipperken

Meine Gegner-Vorfahren leben 1866 in unmittelbarer Nachbarschaft des Tatortes und haben sicherlich von dem schrecklichen Mord auf der Chaussee bei Zipperken gehört. Vielleicht haben sie sogar an der Beerdigung des Opfers teilgenommen …?

Im Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, findet man im Juni 1866 den Sterbeeintrag des Mühlenwerkführers Eduard Borchert aus Finken. Der damalige Eichhorner Pastor Adolf Julius Schröder vermerkt, Eduard Borchert sei am 24. Juni bei Zipperken auf der Chaussee erschlagen aufgefunden worden – sein Alter und seine Familie seien nicht bekannt, seine Bestattung sei am 27. Juni erfolgt.

Sterbeeintrag aus dem KB Eichhorn - 1866

Sterbeeintrag aus dem KB Eichhorn – 1866

Am 5. Juli erscheint im Preußisch Eylauer Kreisblatt eine Meldung, in welcher ein Arbeiter aus Schönwiese namens Thater als Tatverdächtiger genannt wird:

14 Tage später wird auch im Allensteiner Kreisblatt – allerdings mit einigen Schreibfehlern – über den Raubmord berichtet:

‚In der Nacht vom 23. zum 24. Juni 1866 ist der Mühlenwerkführer Borchardt zu Pinken (= Finken) auf der von Pr. Eylau nach Landsberg führenden Chaussee zwischen Gallehnen und Zipperken ermordet und beraubt worden.

Der That ist ein Mann verdächtig, welcher am 28. Juni mit dem Erschlagenen zusammen nach dem Kruge in Poprienen (=Topprienen) bei Pr. Eylau gekommen war. Dieser Begleiter des Borchardt war mit einem langen griesen Rock bekleidet, trug eine blaue Mütze mit einem Schirm und einer preußischen Cocarde (= ursprünglich kreisförmiges Abzeichen, meist mit militärischer oder politischer Bedeutung, zum Beispiel als Aufnäher auf Kleidern und Uniformmützen – Wikipedia), war von kräftiger Statur, etwa 5 Fuß 5 Zoll groß, mochte ungefähr 30 Jahre alt sein und hatte einen schlecht rasirten dunklen Bart. Er sprach im ermländischen Dialect und erklärte im Kruge zu Poprienen (Topprienen), daß er 1 1/2 Meile hinter Heilsberg zu Hause sei, daß er bei Königsberg an der Bahn gearbeitet habe und sich jetzt wieder nach Hause begebe.

Dem Erschlagenen sind außer baarem Gelde ein Ueberzieher von dunklem Tuche und ein Paar Stiefeln geraubt worden. Die Königlichen Behörden und Privatpersonen werden ersucht, nach dem Thäter Ermittelungen anzustellen und, sobald sich ein Verdacht gegen eine bestimmte Person ergiebt, mir davon Mittheilung zu machen. Demjenigen, welcher erheblich zur Ermittelung des Thäters führende Beweise anzuzeigen vermag, wird hierdurch eine Prämie bis 100 Thaler zugesichert‘.

Bartenstein, den 19. Juli – Der Staatsanwalt

(Quelle: ‚Im Allensteiner Kreisblatt 1845-1869 veröffentlichte Steckbriefe‘ ; VffW QMS Nr. 15; Hamburg 2009; Seite 219)

Ob der Täter jemals gefasst wurde und ob es tatsächlich der Arbeiter Thater aus Schönwiese war, konnte ich leider nicht herausfinden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

‚Des Heinrich Hoedtcken Besatz Brieff im Dorf Dixsen‘

Als Johann Hoedtke (auch Hedtcke oder Hoedtcke geschrieben) und Elisabeth Voss 1717 in der Kirche von Eichhorn, Pr. Eylau, heiraten, ist Johann Knecht in Dixen. ‚Hanß Hedcke, Kn(echt) von Dixen, mit Elisabeth Voßin, einer Huren von Dixen‘ lautet der Eheeintrag im Eichhorner Kirchenbuch. Da Elisabeth als ‚Hure von Dixen‘ bezeichnet wird, wird sie vermutlich schon vor ihrer Heirat ein Kind zur Welt gebracht haben.

Sohn Heinrich Hoedtke wird um 1725 geboren, allerdings nicht in Dixen. Im Kirchenbuch von Eichhorn ist kein Taufeintrag zu finden. Dixen ist zu dieser Zeit ein adeliges Dorf der Begüterung Gr. Peisten – die Bewohner des Dorfes gehören jedoch nicht zur Kirchengemeinde von Gr. Peisten, sondern zur Gemeinde Eichhorn.

Im April des Jahres 1748 verstirbt Heinrichs Bruder Johann – vier Monate danach auch Johann Hoedtke sen., der mittlerweile in Dixen eine Bauernstelle übernommen hatte. Beide werden mit einer Leichenpredigt bestattet.

Den Besitz erbt zunächst Johanns Ehefrau Elisabeth Hoedtke, geb. Voss – bewirtschaftet wird der Hof von Sohn Heinrich.

Am 19. Oktober 1750 heiratet Heinrich Hoedtke in Eichhorn die 19jährige Dorothea Specht aus Müggen, die älteste Tochter des dortigen Bauern Albrecht Specht und dessen Ehefrau Anna Neumann. Außer Mutter Elisabeth lebt also nun eine weitere Frau auf dem Hof. Einige Monate nach der Heirat ihres Sohnes wird der Hoedtke-Hof in Dixen mit Genehmigung der Gutsherrschafft offiziell von der Mutter an Sohn Heinrich übertragen. Zu diesem Anlass wird im Hofe von Peisten folgender Besatzbrief aufgesetzt:

Des Heinrich Hoedtcken Besatz Brieff im Dorf Dixsen

Ausschnitt aus dem Dokument

Demnach die verwittibte Elisabeth Hoedtckin
im Dorf Dixsen, das Erbe nicht länger zu
besitzen sich getrauet hat, so ist im unten
gesetzten Dato, dieses Bauer Erbe, ihrem
Sohn, dem Heinrich Hoedtcken, mit genehm=
haltung der Hochwohlgebohrnen Groß Peistischen
Lehns Herrschafft, durch die Schultzen Martin
Passargen, und Christoph Mollenhauer, in
beyseyn des Herrn Verwalter Schmidten
über geben worden.

Derselbe hat folgendes zum Besatz empfangen

4 Pferde
2 Ochsen
1 Kuhe
4 Schweine
6 Hüner

Ein fertigen Wagen

Einen beschlagenen Schlitten.
Zwey Egdten mit Nöthigen Eysen Zincken.
Eine Hexsel=Lade mit Meßer und Rinck
Eine fertige Zoche.
Ein Spahten.
Ein Schoß }
Ein Mist} Forcke
Ein Schneide=Meßer
Ein Sense
Ein Zaun Bohrer
Ein Latten} Bohr
Ein Holtz Axse
Ein Hand Beyl
Ein Waßer Thiene
Ein Trinck Tonne
Ein Teig Trog
Ein Scheuer Thiene
Einen Tisch

An Getreyde

20 Scheffel Winterkorn gesäet
15 Scheffel Brodt Korn
10 Scheffel Gerst
15 Scheffel Haaber
1 Scheffel Erbsen
1 Scheffel Leinsaath

Peisten, d. 16ten May 1751

E. G. v. Kreytzen


Die folgenden Erklärungen zu obigen Begriffen stammen von Helmut Ramm:

Die Hexellade diente zum Schneiden von Stroh zu Hexel. Sie war aus 3 Brettern gefertigt, die ca.1,50m lang und ca. 20cm breit waren. An einem Ende war ein eiserner ovaler Ring angebracht, durch den das Stroh geschoben wurde und der als 2.Schneide für das ca. 50cm lange Messer diente, welches Ähnlichkeit mit einer Sense hatte.

Schoßforke= Eine Forke mit meistens 2 Zinken zum Einfahren von Getreidegarben. Eine Mistforke besaß meistens 4 Zinken.

Trinck-Tonne, für Trinkwasser.
Thiene = Wanne, Waschwanne zum einweichen und waschen der Wäsche.

Scheffel = Hohlmaß enthielt etwa 54,34 Ltr. 1 Scheffel wurde etwa auf 0,25 ha ausgesät und brachte bei der Ernte meistens nur den 3-4 fachen Ertrag. 10 Scheffel Brotgetreide = ca. 400 kg, ergeben ca. 520-560 kg Brot


Nach 1751 kommt eine ganze Hoedtke-Kinderschar hinzu – von 1751 bis 1787 bringt Dorothea Hoedtke, geb. Specht, in Dixen insgesamt 11 Kinder zur Welt, von denen einige bereits im Kindesalter versterben. Aber die Familie breitet sich aus und noch im Jahre 1945 ist ein Hof in Dixen im Besitz der Familie Hödtke (Hoedtke).

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Familienforschung im Kreis Pr. Eylau

Liebe Leser! Um nicht jeden Einzelnen kontaktieren zu müssen, bitte ich auf diesem Wege um Verständnis dafür, dass ich es momentan nicht schaffe, all die Anfragen zu beantworten, die jede Woche bei mir ‚eintrudeln‘ – mit der Bitte, bei der Erforschung ihrer Vorfahren aus dem Kreis Pr. Eylau behilflich zu sein.

Ich helfe gern – und werde das auch zukünftig gern wieder tun, aber die Recherchen sind oft sehr zeitaufwendig und im Augenblick möchte ich mich vor allem auf den Abschluss meiner Chronik von Worienen konzentrieren können.

Birken am ehemaligen Woriener Schlossteich – Sommer 2004

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Spannende Neuigkeiten aus Woryny (Worienen, Pr. Eylau)

Wie gut, dass meine Worienen-Chronik noch nicht ganz abgeschlossen ist – so werden diese Neuigkeiten darin noch den ihnen gebührenden Platz finden!

Direkt am ehemaligen Schlossteich und dem angrenzenden Park befindet sich das einstige Haus des Administrators der Begüterung Worienen. Auch die Post und das Standesamt waren vor dem Krieg hier untergebracht – nach dem Krieg wurde das Gebäude als Schule genutzt. In dieser massiven Bauweise wurde das Haus zu Zeiten der Familie von Domhardt errichtet. Ludwig Friedrich von Domhardt selbst notiert in den Gutsakten:

‚Für einen geheiratheten Administrator habe ich im Jahre 1797 ein sehr bequemes massives Wohnhaus bauen laßen, und sind darin zwey Hallen, im untern Stock 4 Stuben, 5 Kammern und die Küche, in der Dachétage 2 Stuben und 4 Kammern, und hinter dem Hause ein Stall aus gemauertem Fachwerck für Schweine und Feder-Vieh(,) auch ein Garthen‘ L.v.D.

Während der vergangenen Jahrzehnte verfiel dieses schöne alte Haus mehr und mehr und drohte vollkommen einzustürzen.

 

um 1930

2013

Über lange Zeit bemühten sich eine Reihe engagierter Bewohner, die sehr an der Geschichte des Ortes und der Bewahrung historischen Kulturguts interessiert sind, mit vereinten Kräften darum, ihr Wieś Woryny (ihr Dorf Worienen) zu verschönern und neu zu beleben. Ihre Anstrengungen führten dazu, dass Woryny im September 2016 zum schönsten Dorf der Region gewählt wurde.

Kamila Skrzypa, eine junge Studentin, die in Woryny aufgewachsen ist, hält am Tage der Preisverleihung eine Rede über die Geschichte ihres Heimatsorts. Bei einem Rundgang durch Woryny erwähnt sie auch das verfallene Haus aus Domhardts Zeiten. Kamila erzählt:

‚Wenn wir weiter gehen, sehen wir ein Gebäude, das einst der Wohnsitz des Schlossverwalters und der Post gewesen ist. Nach dem Krieg befand sich hier eine Schule. Die letzte Pausenklingel erklang 1979. Seit einigen Jahren hat das Gebäude einen neuen Besitzer. Das war die Besiegelung des Schicksals des Gebäudes. Das Schild „Einsturzgefahr!“ hängt seitdem an der ungepflegten Fassade. Als Bewohner konnten wir nicht untätig zusehen, wie das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert verfällt. Mehrmals haben wir eine Initiative für den Erhalt der Schule gestartet. Ein stichfestes Argument ist schon allein die Lage. Das renovierte Gebäude könnte mit dem Parkgelände zu einem Besuchermagnet werden. Bedauerlicherweise stießen solche Überlegungen auf großes Unverständnis und Missbilligung‘.

Nun führten die Bemühungen der Bewohner von Woryny aber doch noch zum Erfolg!

Mittlerweile wurde mit der Renovierung des alten Administratorenhauses begonnen. Bei der Freilegung des Sockels entdeckte man diese Inschrift aus der Zeit der Familie von Domhardt:

Kamila Skrzypa Mai 2018

 Kamila Skrzypa Mai 2018

L.F. v. D. (Ludwig Friedrich v. Domhardt) 1797

Die Bauarbeiten schreiten voran!

Kamila Skrzypa Mai 2018

Kamila Skrzypa Mai 2018

Die neuesten Nachrichten besagen, dass der geamte Komplex nach Fertigstellung als Altersheim genutzt werden soll.

Vielleicht sollte ich mir schon jetzt ein Zimmer in Woryny reservieren lassen – in dem Ort, in dem bereits meine Vorfahren vor mehr als 250 Jahren mit ihren Familien lebten?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

‚So viel Tobaksrauch als möglich durch den Mastdarm‘

Die medizinische Versorgung von Kranken hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte aufgrund neuer Erkenntnisse glücklicherweise immer weiter verbessert. Und auch bei der Rettung verunglückter Menschen geht man heutzutage teilweise anders vor als dies Herr ‚Hofcammerrath‘ Johann Heinrich Ludwig Bergius im Jahre 1779 seinen Lesern empfiehlt.

In Band 5 seines  ‚Neuen Policey- und Cameral-Magazins‘, klärt Johann Heinrich Ludwig Bergius über dieRettung leblos gewordener Menschen auf und verrät, ‚durch welche Mittel plötzlich verunglückte, todt scheinende Personen in den meisten Fällen gerettet werden können‘.

Bergius schreibt: ‚Unwissende halten dergleichen Leute für todt, weil sie nicht mehr Athem holen, unempfindlich sind, wenn sie auch gerüttelt, mit Wasser oder stark riechenden Feuchtigkeiten angesprenget, gebrannt u.s.w. werden, und weil nicht der geringste Pulsschlag, weder in einer äußern Ader noch am Herzen bey ihnen gespüret wird, auch wohl bey dem ersten Aderlasse kein Blut kommt. Aber diese vermeinte Todeszeichen sind alle trüglich, und man hat bewährte Hülfsmittel, wodurch der scheinbar Todte, wenn auch die gedachten Anzeichen alle vorhanden wären, dennoch oft gerettet worden.

Einige dieser Hülfsmittel kann nur ein Arzt verordnen, oder ein Wundarzt appliciren, weil Vorsicht oder besondere Kunstgriffe erforderlich sind, wenn sie nicht schaden sollen. Andere sind von der Beschaffenheit, daß jeder Ungelehrter sie ganz leicht und ohne Bedenken anwenden kann. Von diesen letztern soll gegenwärtiger Unterricht handeln‘.

Zu den empfohlenen Maßnahmen der Ersten Hilfe bei ‚Ertrunkenen gehören u.a.:

  • der Mensch muss behutsam ins Trockne gebracht werden. ‚Die alte Gewohnheit, im Wasser verunglückte Personen auf den Kopf zu stellen oder über Fässer zu rollen, womit gemeiniglich die Hülfleistung anfänget, ist von den besten Ärzten gefährlich, wenigstens nicht nothwendig gefunden worden‘.
  • der Verunglückte soll entkleidet, weich gebettet und in warme Tücher gewickelt , ‚oder auch mit warmer Asche, warmen Salze oder gewärmten Sande bis an den Hals so dick wie immer möglich bestreuet‘ werden.

Es wird geraten, den Körper des Verunglückten mit warmen Tüchern oder einer Bürste zu reiben und durch Mund-zu-Mund-Beatmung Luft in seine Lunge zu bringen. ‚Will dieses niemand thun, so kann man einen Blasebalg oder sonst eine vorhandene Röhre brauchen. … Man kann auch Tobacksrauch in den Mund einblasen, um die Lunge zu reizen. Bey allen diesen Versuchen muß die Nase des Kranken fest zugehalten werden‘.

Nun folgt ein  – zumindest für mich – ziemlich befremdlicher Ratschlag:

Zu gleicher Zeit muß man dem Kranken so viel Tobaksrauch als möglich durch den Mastdarm in den Unterleib treiben. Es sind zu diesen sogenannten Tobaksclystiren eigene bequeme Instrumente erfunden worden. Doch kann die Sache auch kürzer bewerkstelliget werden, auf zweyerley Art. Man bestreicht das Ende eines Pfeifenrohrs mit Oehl, und bringt es in den Mastdarm des Kranken; das andere Ende nimmt ein Mensch in den Mund, welcher zugleich aus einer andern Pfeife stark Toback raucht. Den aus dieser gezogenen Rauch nun bläset er in jenes Rohr, und treibet solchergestalt so viel Rauch, als er nur immer kann, in den Unterleib des Kranken. Oder man zündet zwey Pfeifen an, hält die Köpfe fest zusammen, bringet das mit Oehl bestrichene Ende des einen Stiels in den Mastdarm des Kranken, und durch das andere bläset ihm ein Mensch den an beyden Pfeifen gestoßenen Rauch ein. Knaster und Brasilientobak sind hierbey am wirksamsten; doch thut auch schlechterer im Nothfall gute Dienste.


Quelle: Johann Heinrich Ludwig Bergius, Gräfl(ich) Sayn- Hohen- und Wittgensteinischen Hofcammerraths Neues Policey- und Cameral-Magazin nach alphabetischer Ordnung; Fünfter Band; Leipzig 1779

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Familie Gegner in Stettin

Im Jahre 1854 ist der Name Gegner erstmals im Adressbuch von Stettin verzeichnet.

Johann GUSTAV Heinrich Gegner (* 1826 in Mengelrode), ein Sohn des 1794 in Eichhorn, Kreis Pr. Eylau, geborenen Johann Gottfried Gegner, ist damals 28 Jahre alt und von Beruf  Regierungs Kanzlei Assistent. Er wohnt mit seiner Ehefrau Auguste Johanne Henriette Klewe und ihren – vermutlich 3 – Kindern mitten in der Stettiner Altstadt, in der Nähe der Jacobi Kirche, in der auch die Kinder getauft werden. Die genaue Adresse der Familie lautet: Kleine Domstraße Nr. 674.

Schon 1856 ist Familie Gegner quasi ‚um die Ecke‘ in die Klosterhofstraße gezogen. Die Taufen der von 1855 bis 1863 geborenen Kinder finden nun in der Schlosskirche von Stettin statt.

Auch später wechselt die Familie mehrfach die Adresse:

  • 1860 – Gr. Oderstraße 2
  • 1870 – Grüne Schanze 2
  • 1885 – Grüne Schanze 6

Über die Familie des aus Ostpreußen stammenden Johann Gottfried Gegner und einige seiner Nachfahren habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben:

Von Eichhorn nach Berlin, Mengelrode, Stettin und Breslau

Inzwischen habe ich jedoch ein wenig mehr über den am 14. Oktober 1852 in Stettin geborenen GUSTAV Eduard Hermann Gegner – einen Sohn des oben erwähnten Ehepaars – herausgefunden.

Gustav Gegner wird Buchhalter und wohnt 1885 noch bei seinen Eltern in der Grünen Schanze Nr. 6. Kurz danach muss er die Kapitänstochter Anna Auguste Hedwig Ellmann geheiratet haben. Als 1888 der gemeinsame Sohn Walter Gustav Julius Gegner zur Welt kommt, ist die Familie unter der Adresse ‚Prutzstraße Nr. 4‘ eingetragen.

1889 wird im Adressbuch nicht mehr Buchhalter, sondern ‚Kaufmann‘ als Gustavs Beruf angegeben. Die Adresse ist geblieben. Um 1895 ist Gustav Gegner Mitinhaber der Firma Gegner&Wendt, einer Wein-, Spirituosen-, Bier- und Cigarrenhandlung in der Turnerstraße.

Quelle: http://www.polbeerlabels.pl/SzczecinBe.htm

Bei der Recherche nach der Adresse ‚Turnerstraße 33‘ gelangte ich zu diesem Haus, dem ‚Establissement Kaisergarten‚.

Quelle: http://sedina.pl/galeria/index.php

Später ist die Familie unter der Adresse ‚Arndtstraße 34‚ zu finden. Nach Gustav Gegners Tod am 12. Juni 1912 wird auch 1943 noch seine Witwe Anna Gegner, geb. Ellmann, unter dieser Adresse genannt.

Der 1888 geborene Sohn Walter Gustav Julius Gegner wandert 1914 nach Amerika aus und gründet in Milwaukee eine Familie.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar