Vom Samland nach Natangen …

Die Vorfahren meines ostpreußischen Großvaters Carl Ludwig Gegner lebten vor allem in und rund um Landsberg – in kleinen natangischen Orten der Kreise Pr. Eylau und Heiligenbeil. Aber ab und zu führt mich meine Spurensuche auch in ganz andere Regionen, in diesem Fall ins Samland – in .eine Gegend, mit der ich mich bislang gar nicht beschäftigt hatte.

Im Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, tauchen Gottfried Reissmann und seine Ehefrau Louise, geb. Rumohr erstmals im Jahre 1788 auf, als ihre Tochter Helena Dorothea im Alter von nur einem Jahr und 6 Wochen verstirbt. Beide Namen – sowohl Reissmann als auch Rumohr – kommen im Eichhorner Kirchspiel ansonsten nicht vor.

Die Familie wohnt im Jägerhoff, der Woriener Privatförsterei, denn Gottfried Reissmann ist Oberwart dieser Försterei. Bei ihrer Ankunft in Worienen bringt das Ehepaar bereits einige Kinder mit – u.a. auch meine damals etwa 10jährige Ur…mutter Anna Louise Tugendreich Reissmann, die später den Woriener Kunstgärtner Carl Wilhelm Schmidt aus Kapsitten heiraten wird. Die Geburtsorte der vor dem Eintreffen der Familie in Worienen geborenen Kinder sind bislang nicht bekannt.

Aber ich konnte herausfinden, dass Gottfried REISSMANN – so die Schreibweise im Kirchenbuch von Eichhorn, die auch in den nachfolgenden Generationen beibehalten wird – eigentlich Gottfried Ludwig Reisemann heißt und dass sowohl er als auch seine Ehefrau aus dem Kirchspiel Schaaken im Samland stammen.

  • Gottfried Ludwig Reisemann wird 1745 in Sallecken als Sohn des dortigen Arrendators Johann Jacob Reisemann und dessen Ehefrau Barbara Dorothea Siegmund geboren.
  • Louise Rumohr kommt 1753 nicht weit entfernt – auf dem Gut Sudnicken – zur Welt. Auch ihre Eltern, der Jäger Ernst Friedrich Rumohr und seine Ehefrau Anna Regina Stolzenberg ziehen später zu ihrer Tochter in den Worienener Jägerhoff.

Der Vater von Ernst Friedrich Rumohr und Großvater von Louise ist Melchior Rumohr. Nach Michael Gegner und Carl Wilhelm Schmidt, die beide als Gärtenierer (Kunstgärtner) am Hofe von Worienen tätig sind, ist Melchior Rumohr nun der dritte Kunstgärtner unter meinen Vorfahren.

Melchiors Braut – Maria Dorothea Colbe – ist bereits schwanger als beide am 18.12. des Jahres 1720 heiraten. Der Eintrag im Kirchenbuch von Schaaken lautet: ‚den …. sind nach einmaliger Proclam(ation) zusammen getraut alß unzüchtige Personen Melcher Rumor ein gardinirer und die ? Braut? Maria Doroth(ea), seel(ig) Hanß Colben Hoffmanß ehl(iche) Tochter, beyderseits im hochadl(igen) Hoffe Sudnecken in Dienst‘.

Es war wohl höchste Zeit mit der Heirat. Normalerweise erstreckt sich die Proklamations-Zeremonie über mehrere Wochen – erst anschließend konnte dann geheiratet werden. In diesem Fall konnte nur die Proklamation nur noch ein einziges Mal erfolgen. Vier Wochen später wird auf dem Gut Sudnicken bereits Sohn Ernst Friedrich Rumohr geboren.

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Familie Hellwich (Helmich) in Dollstädt, Pr. Eylau

Nun habe ich endlich den Taufeintrag meines Vorfahren Johann Wilhelm Hellwich gefunden! Ich wusste bereits viel über ihn und hatte vor langer Zeit im Geheimen Staatsarchiv Pr. Kulturbesitz in Dahlem sogar den Erbpachtskontrakt entdeckt, den er 1749 mit dem Grafen von Schwerin auf Gut Wildenhoff geschlossen hatte. Ich kannte seine beiden Ehefrauen und einige seiner Geschwister und konnte seinen Lebenslauf bis zum Jahre 1764 verfolgen. Am 21. März 1764 verstirbt er im Alter von 74 Jahren in der Mühle von Gr. Steegen.

Johann Wilhelm Hellwich wechselte häufig seinen Wohnsitz. Er war:

  • 1717 als Müllergesell Taufpate in Landsberg u. Canditten
  • bis 1722 Müller in Finken, Ksp. Buchholz
  • ab 1724 Müllermeister in Landsberg
  • um 1730 Arrendator der ‚Gräflich Schwerinschen Mühle‘ zu Landsberg
  • um 1744 Müller in Kumkeim; Ksp. Eichhorn
  • ab 1744 Arrendator des Vorwerks Woymanns
  • ab 1749 Pächter der Mühlen von Gr. Steegen und Liepnick, Ksp. Canditten

Seine Herkunft war bislang ein Rätsel. Nun weiß ich, dass er am 28. August 1690 als Hanß Wilhelm Helmich in der Kirche zu Dollstädt getauft wurde!

Der Familienname wird immer mal etwas abgewandelt – in ein und demselben Kirchenbuch findet man innerhalb derselben Familie die Varianten: HelmichHelmigHelmingHelwingHelwig und Hellwich.

Schon im November des Jahres 1681 wird Johann Wilhelms Schwester Loysa Catharina in Dollstädt getauft. Und nach Johann Wilhelm folgen noch weitere Kinder. Bei der Taufe einer seiner Schwestern  wird schließlich auch der Beruf des Vaters angegeben. Vater Johann Hellwich war Schneider.

Um möglichst alle Hinweise auf eine bestimmte Familie im Blick behalten zu können, habe ich mir angwöhnt, bei der Durchsicht eines Kirchenbuches Notizen anzufertigen. Auch bei der Durchsicht des Kirchenbuches von Dollstädt bin ich so vorgegangen. Nachdem ich den Taufeintrag von Johann Wilhelm Hellwich im Jahre 1690 entdeckt hatte, habe ich die Taufeinträge des Kirchenbuchs von Beginn an (1643) verfolgt. Dabei achte ich auch besonders auf die Paten! Meine Notizen sehen in etwa so aus:

  • schon 1640 lassen Gerge u. Anna Ankermann in Seeben ihren Sohn Michael taufen
  • möglichweise sind auch diese beiden meine Vorfahren! (hat sich bestätigt!)
  • 1643 Benedict Nitschmann ist Schulz in Dollstädt – Ehefrau Dorothea
  • Michel Braun – Ursula – Müller in Kattlack – Sohn Barthel get. 6.3.1644
  • George Stephan – Gärtenierer im Hofe Penken – Amalia get. 25.5.
  • Christoph Neander – Schreiber im Hofe Penken
  • Jacob Behm – Schneider in Dollstädt
  • 1646 der Schuster in Seeben heißt Rabe
  • in Dollstädt leben: Peter Glandien, Gerge Vogel, Martin Hantel, Christoph Nitschmann
  • Gerge Stephan, Gärtenierer u. Frau Elisabeth lassen Sohn Ludewich taufen 24.6.
  • Michel Braun ist ‚gewesener Müller‘ – Sohn Michel wird am 4.11. getauft
  • der Müller ist nun Jacob Puschke – Ehefrau Gertrudis
  • 1647 Gerge Puschke ist Brauer in Penken
  • Gerge Ankermann u. seine Ehefrau Anna oft als Paten
  • Michael Richau ist Tischler in Seeben
  • Baltzer String ist Krüger in Dollstädt
  • 1648 Andreß Melhorn ist Gärtenierer im Hofe Penken – Ehefrau Elisabeth
  • Gerge Ankermann lässt Sohn Gerge taufen – mehrere Paten aus Pompicken
  • Casparus Neander ist Schulmeister in Dollstädt …..
  • 1667 der arme Casparus Neander ist noch immer im Schuldienst
  • 1672 der Name Hellwich taucht noch nicht auf!

Manche mögen das ‚pingelig‘ finden. Für mich hat sich dieses Vorgehen sehr bewährt! Die meisten meiner ostpreußischen Vorfahren sind keine Bauern, die über lange Zeit an einem Ort verweilen – viele von ihnen üben handwerkliche Berufe aus und viele sind Müller. Das bedeutet: die Familien wechseln immer mal wieder ihre Wohnorte und tauchen an anderer Orten (und in anderen Kirchspielen) wieder auf. Die Spurensuche ist oft mühsam. Bei der Notizen-Methode gelingt es mir eher, Hinweise auf mögliche Veränderungen oder Verwandtschaftsverhältnisse im Blick zu behalten.

Zudem interessiert mich auch immer, welche anderen Familien – außer meinen eigenen Vorfahren – innerhalb eines Kirchspiels ansässig sind.

Ich weiß nun, dass mein Vorfahre, der Schneider Johann Hellwich vor 1681 noch nicht im Kirchspiel Dollstädt wohnt, dass sowohl er selbst, seine Ehefrau Gertraud als auch ihre Töchter Loysa (*1681) und Maria (*1691) in der Zeit von 1681 bis 1705 häufig als Paten genannt werden und dass die Familie Dollstädt etwa um 1706 verlassen haben muss.

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Mörderlich erstochen – Landsberg, Pr. Eylau (1712)

Im Januar des Jahres 1713 lässt die verwitwete Barbara Henning, geb. Krüger in der Kirche zu Landsberg ihre Tochter Maria Elisabeth Henning taufen, die sie ’nach dem kläglichen Tode ihrers Eheherrn, Herrn Ephraim Henning in die Welt gebohren.‘

Der Pastor vermerkt im Kirchenbuch zum Namen des Vaters Ephraim Henning, „welcher anno 1712 im Monath September, auf’m hiesigen Rathhause an einem Montage abends mörderlich erstochen worden; der Mörder ist der Ratsherr Blumberg gewesen und der Degen(,) dieses unglückliche Werkzeug des verübten Mordes(,) hängt noch an einem Balken in der Sessionsstube des hiesigen Rathhauses‘.

Auch in der Chronik von Landsberg wird von dem Mord berichtet. Hier erfährt man, was anschließend geschah – der Chronikschreiber berichtet: ‚Der Mörder Blumberg wurde darauf nach der Untersuchung auf dem heutigen Markte … decollirt‘.

Die kleine Maria Elisabeth Henning wird nur wenige Wochen alt – sie verstirbt im Februar 1713. Im November 1723 verstirbt auch ihre Mutter, die Witwe Barbara Henning, geb. Krüger. Sie wird 41 Jahre alt.

 

Familie Blumberg ist in der Stadt Landsberg bereits um 1645 anssäsig – Johannes Blumberg ist zu dieser Zeit ‚Balbierer‘ (=Barbier) – seine Ehefrau heißt Maria. Am 21. Juni 1645 wird Sohn Heinrich Blumberg in der Landsberger Kirche getauft. Die Taufpaten – u.a. ‚Herr Bastian Waldau Comptor zu Powarsen‘ (=Powarschen) – der Pfarrer von Canditten – oder ‚die wolgeborne Frau Anna Erbtruchsen von Garbnikhen‘ (=Garbnicken) lassen darauf schließen, dass die Familie in der Stadt einiges Ansehen genoss.

Nach 1713 – bzw. nach dem Mord in Landsberg – konnte ich den Namen Blumberg im Landsberger Kirchenbuch nicht mehr finden.

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Der Schnüffel-Markt in Landsberg, Pr. Eylau

Nicht nur in Danzig oder in der Stadt Heiligenbeil gab es einen ‚Schnüffelmarkt‚ – auch in der ostpreußischen Stadt Landsberg wurde diese Bezeichnung von den Bewohnern verwendet. Der nachfolgende Text stammt aus der Chronik der Stadt Landsberg – dieser Auszug wurde um 1876 von Rektor Carl Ludwig Holldack verfasst. Er berichtet:

Jede Stadt, groß und klein, hat ihre … Eigenthümlichkeiten … Frägt man nämlich einen geborenen Königsberger: Wo liegt das historisch, merkwürdige Ausfallthor? Oder in dem bergigen Theil der Stadt der Katzensteig? oder wo geht man nach der grünen Wiese oder gar: nach der Neuen Sorge? So weiß er`s nicht, denn seine Vaterstadt hat ja 2-3 Meilen im Umfange und ist ihm viel zu groß !

Und kommt man nach unserem kleinen Städtchen, das man in einer halben Stunde um- und durchwandern kann, so weiß dieses der zehnte Theil seiner Bewohner auch nicht und auch du lieber Chronikleser, der du in unserem Städtchen alt und grau geworden?! Weißt darauf keine Antwort zu geben, denn du hast diesen Schnüffelmarkt in deinem ganzen Leben und im eigenen Interesse vielleicht nie besuchen dürfen, aber frage nur den Fleischer oder den Höker, der Butter und Eier braucht, der wirds dir wohl sagen !

Der Schnüffelmarkt liegt nämlich im südöstlichen Theil der Stadt vor dem alten Mühlenthore und begreift die Dammstraße zwischen der Mühle und dem Töpferteich. Hierher gehen fast täglich die Fleischer am Morgen und sehen, ob nicht die hereinkommenden Fuhrwerke ein Kälbchen oder ein Schweinchen (im Stroh versteckt) zum Verkauf bringen? Hierher geht der Höker und revidirt die Körbe der zu Fuß ankommenden Landleute: ob nicht Eier oder Butter darin anzutreffen??

Und von diesen Lischken-Korb-Fuhrwerk-Revidiren und Schnüffeln hat dieser Theil
der Stadt den Namen des Schnüffelmarkts erhalten. Das Wort: Schnüffeln … scheint mehr seiner Bedeutung nach den Hunden zuzukommen und auf uns Menschen nur übertragen zu sein.

In der Mitte des Schnüffelmarktes steht seitwärts die immerwährend laufende Pumpe im Allgemeinen ‚der Pisser‘ genannt auch wird dieser Markt momentan häufiger frequentiert, weil unmittelbar daran nach den Scheunen zu sich der Schweinemarkt anschließt. Die Stadt hat diesen Theil der Stadt keinen offiziellen Namen gegeben, weil er mehr nur im Munde seiner Bewohner lebt.

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Auf den Spuren von Familie Westphal aus Landsberg, Pr. Eylau

Karl (CARL) Ferdinand Rudolf Erdmann Westphal ist der älteste Bruder meiner Urgroßmutter Therese Amalie. Er wird 1855 noch in der Mühle von Gr. Peisten geboren – bevor die Familie in die neue Mühle auf den Kohnertsberg umzieht.

Karl Westphal wird Kaufmann in der Stadt Landsberg und heiratet 1882 in Eichhorn die 22jährige Auguste Dorsch. Im Kirchenbuch ist zu lesen: ‚Kaufmann Karl Ferdinand Erdmann Rudolph Westphal in Landsberg, 28, ehel(iche) Sohn des in Landsberg verstorbenen Mühlenbesitzers Karl Westphal, mit Jungfrau Auguste Dorsch in Dixen, 22, ehel(iche) Tochter des in Dixen verstorbenen Wirthen Friedrich Dorsch.‘

In Landsberg werden von 1884 bis 1889 auch die Kinder von Karl Westphal und Auguste geb. Dorsch geboren:

  • Friedrich Carl Westphal am 27.3.1884
  • Kurt Gottlieb Westphal am 12.3.1885
  • Ernst Richard Westphal am 26.9.1886
  • Gertrud Johanne Amalie Westphal am 26.12.1887 (+1888)
  • Herta Helene Westphal am 22.11.1889

Nach 1900 verliert sich die Spur der Familie in Landsberg. Unter den Digitalisaten der Personalunterlagen von Lehrerinnen und Lehrern an Volksschulen und höheren Schulen Preußens‘ entdeckte ich Unterlagen des 1885 in Landsberg geborenen Kurt Westphal und anhand der dort angegebenen Informationen konnte ich die Spur der Familie wieder aufnehmen. Nun weiß ich:

Kurt Westphal wird Studienrat für Latein und Griechisch. Zur Zeit seiner Reifeprüfung, die er 1909 am Gymnasium von Schwetz ablegt, leben die Eltern in Thorn.

Im Jahre 1912 wohnt die Familie in der Ulmenallee 2 in Thorn an der Weichsel. Im Adressbuch verzeichnet sind unter dieser Adresse:

  • Karl Westphal, Bautechniker
  • Karl Westphal, Buchhalter sowie
  • Kurt Westphal, stud. phil.

Der Sterbeintrag im Kirchenbuch der Stadtgemeinde Thorn belegt, dass es sich bei dem im Adressbuch aufgeführten Buchhalter Karl Westphal tatsächlich um den Bruder meiner Urgroßmutter handelt. Er verstirbt am 10.12.1915 in Thorn. Nun lebt die Familie in der Kirchhofstraße Nr. 62.

Sterbeeintrag von Karl Westphal im Kirchenbuch der Altstadt von Thorn

Der genannte Bautechniker Karl Westphal ist demnach der 1884 noch in Landsberg geborene Sohn. Ob der Kaufmann Ernst Westphal identisch ist mit seinem 1886 geborenen Bruder, konnte ich bislang nicht herausfinden.

1919 finde ich Auguste Westphal, geb. Dorsch, als Witwe im Einwohnerbuch von Thorn. Sie wohnt nun in der Brückenstraße Nr. 18 – gemeinsam mit dem Kriegsinvaliden Bruno Westphal und der Buchhalterin Erna Westphal.

Der Studienrat Kurt Westphal lebt und arbeitet später in Potsdam. Den Personalunterlagen nach ist er verheiratet und hat 2 Kinder. 1930 wohnt er in der Augustastraße – 1939  in der Schwanenallee Nr. 5.

Mein Vater Karl Gegner hält sich um diese Zeit für mehrere Jahre in Kurt Westphals Nähe auf.

Ob seine Großmutter Therese Amalie Westphal ihm wohl von dem Sohn ihres  Bruders erzählt hat und ob die beiden sich wohl kennengelernt haben?

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Herr Professor Huhn auf dem Gut Jerlauken, Pr. Eylau

Manchmal sind es nur Fragmente, die ich zufällig irgendwo entdecke, bei denen es  oftmals gar keine Verbindung gibt zu der Erforschung meiner eigenen Vorfahren, die mich aber dennoch anregen, ein wenig weiter zu forschen ….

In diesem Fall war es ein Eintrag im Kirchenbuch von Klein Dexen.

Am 23. August des Jahres 1836 verstirbt auf Gut Jerlauken (auch Gerlau(c)ken) im Kreis Pr. Eylau, Johann Jacob Christoph Huhn, der damalige Besitzer des Gutes und ehemalige Professor an der Königlichen Kunstschule in Königsberg. Er wird 66 Jahre alt und hinterlässt seine Ehefrau Philippine Charlotte Wilhelmine von Seckendorff sowie seinen 15jährigen Sohn Hermann Wilhelm Ludwig Gustav Huhn.

Nachfolgend sein Sterbeeintrag aus dem Kirchenbuch:

Eine Einsicht in die Hypotheken-Akten zeigt, dass das Gut Jerlauken ‚auf Umwegen‘  in den Besitz der Familie Huhn gelangte. Bis zum Jahre 1822 gehört Jerlauken dem Hauptmanns Johann Christian von Seel (+ 15.6.1822).  Dieser hatte zu Lebzeiten in seinem 1819 aufgesetzten Testament verfügt, dass seine Stieftochter Philippine Charlotte Wilhelmine von Seckendorff, die Tochter seiner Ehefrau Charlotte Christiane von Wallbrunn aus 1. Ehe und spätere Ehefrau von Professor Huhn, nichts aus dem Besitz erhalten dürfe, den er nach seinem Tod hinterlassen würde. Diese habe sich ’sowohl gegen ihre Mutter als auch gegen ihn vergangen‘.

Die Witwe Charlotte Christiane von Seel, geb. von Wallbrunn (+ 3.10.1834), hält sich offenbar nicht an diese Verfügung und vererbt Jerlauken nach dem Tod ihres Ehemanns dennoch an ihre Tochter und deren Ehemann, Professor Johann Jacob Christoph Huhn. Anschließend – Philippine Charlotte Wilhelmine Huhn, geb. von Seckendorfft verstirbt am 2. April des Jahres 1843 – erbt Sohn Hermann Wilhelm Ludwig Gustav Huhn, der mittlerweile etwa 21 Jahre alt ist. Die Erbfolge wird gerichtlich angefochten, aber letztlich beibehalten.

Hermann Huhn heiratet um 1842 Mathilde Adolphine Johanna Auguste Riebensahm, die am 24. Februer 1822 in Landskron b. Schippelbeil geboren wurde. Beide bekommen 3 Kinder.


Über Herrn Professor Huhn fand ich noch Folgendes heraus: Er wurde um 1770 (vermutlich) in Rostock geboren (Quelle: Kartei Quassowski) und war von 1807 bis 1834 Zeichenlehrer und später Professor an der Königlichen Kunstschule Königsberg.

Er fertigte u.a. die Dekorationen des Theaters in Memel, das 1819 fertiggestellt wurde (erwähnt von Johannes Sembritzki in der Festschrift zum 650. Jubiläum der Stadt Memel, 1902). Nach seinem Ableben übergab sein Sohn Hermann der Alterthums-Gesellschaft Prussia in Königsberg eine Reihe von Kunstgegenständen, u.a.:

  • ein Portät des Stadtpräsidenten Th. G. von Hippel
  • 2 ‚aquarellierte Prospecte des Kantschen Begräbnisses
  • ein Brustbild Friedrich des Großen aus dessen Jugendzeit
  • und einen ‚Kupferstich-Versuch, den König Friedrich Wilhelm IV in seiner Jugend bei seinem Aufenthalt in Königsberg‘ unter seiner Anleitung angefertigt hatte (Altpr. Monatszeitschrift , Königsberg 1881)
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Eine Reise in die Vergangenheit …

Der Besuch der Burg Blomendal am vergangenen Sonntag war für mich eine spannende Reise in die Vergangenheit. In der Burg untergebracht ist auch der Blumenthaler Heimatverein und in mehreren Räumen finden sich Spuren meiner Vorfahren.

übernommen von Wikipedia

Dort hängt zum Beispiel ein Bild, auf dem mein Urgroßvater Hinrich Haesloop gemeinsam mit anderen Blumenthaler Kapitänen zu sehen ist –

eine Abbildung des Kahns, der meinem Ur-Ur-Ur-Großvater Lüder Schwarting gehörte

sowie das Schaumlöffel-Schild, das vermutlich über lange Zeit in ihrem Schuhgeschäft in der Mühlenstraße hing.

Die größte Überraschung war jedoch, dass ich mich plötzlich in der alten Schumacherwerkstatt  von ‚Onkel Seebeck‚ wiederfand, in der ich mich als Kind so oft und so gern aufgehalten habe! Nach dem Tod von Johann Seebeck wurde seine gesamte Werkstatt dem Blumenthaler Heimatverein übergeben.

Obwohl wir gar nicht in der Jollenstraße (ehemals Beckstraße), sondern in der Fresenbergstraße und später in der Schonerstraße wohnten, war ‚Onkel Seebeck‘ quasi unser Nachbar. Die Gärten hinter unseren Häusern grenzten aneinander und meine Eltern unterhielten sich oft mit ihm über den Gartenzaun hinweg – meine Mutter auf Plattdeutsch, mein Vater auf Hochdeutsch.

Meine Besuche in ‚Onkel Seebecks‘ Schuhmacherwerkstatt gehören zu den intensivsten Erinnerungen an meine Kinderzeit in Bremen-Rönnebeck. Die Erinnerung ist wohl deshalb so intensiv, weil auch der wunderbare Geruch von Leder und Leim sofort wieder in meine Nase steigt, wenn ich  daran denke …

Johann Seebeck bewahrte in seiner Werkstatt alle möglichen Nägel auf, die er für seine Arbeit benötigte. Sie befanden sich – nach Größe sortiert – in dem runden Metallgefäß, das auf dem obigen Bild in der Mitte des Tisches zu sehen ist. Als Kind durfte ich diese Nägel mit einem Magneten aus diesem Behälter ziehen, musste sie aber anschließend sorgsam wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückbefördern. Sie durften auf keinen Fall vermischt werden! Neben dem Sortieren der Knöpfe unseres Knopfkastens war dies damals eine meiner liebsten Beschäftigungen.

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Heinrichswalde in Ostpreußen

Am 7. November des Jahres 1781 heiraten in der Kirche von Eichhorn, Pr. Eylau meine 4fach-Urgroßeltern Wilhelm Gegner und Elisabeth Catharina Kenckel. Der Eintrag im Kirchenbuch lautet: ‚Wilhelm Gegner, Leinewebergesell in Eichhorn, ist mit Jgfr. Elisabeth Catharina Kenckelin, des Christoph Kenckel, Zimmermanns in Heinrichswalde ältester leibl(icher) Tochter d. 7ten November in hiesiger Kirche copuliret worden. Wohnen in Eichhorn. Der Bräutigam ist lt. Kichenbuch 27 u. die Braut lt. Angabe ..‘.

Jahrelang war ich in dem Glauben, Elisabeth Catharina Kenckel sei in Heinrichswalde bei Topprienen zur Welt gekommen. Dann fand ich heraus, dass das im Kreis Pr. Eylau belegene Vorwerk Heinrichswalde erst seit 1866 existiert.

Kreisblatt Pr. Eylau

Die Orstbezeichnungt ‚Heinrichswalde‚ gibt es in Ostpreußen mehrfach:

  • den Ort Heinrichswalde im Kreis Niederung bzw. Elchniederung
  • das Vorwerk Heinrichswalde bei Frögenau und
  • das Gut Heinrichswalde bei Gassewen im Kreis Angerburg

Wo mag meine Vorfahrin Catharina Elisabeth Kenckel wohl geboren worden sein? Zumindest weiß ich nun, dass meine Versuche, ihre Taufe im Kirchenbuch von Pr. Eylau zu finden, völlig überflüssig war.

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Digitalisate für die Forschung im Kreis Pr. Eylau

All diese Unterlagen für den Kreis Pr. Eylau sind mittlerweile als Digitalisate bei den Mormonen einzusehen. Man muss sich registrieren und kann dann über die Suchmaschine direkt nach der Filmnummer suchen.


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Carl Ludwig Holldack in Landsberg, Pr. Eylau

Die Chronik der Stadt Landsberg in Ostpreußen wird von 1876 bis 1880 von Carl Ludwig Holldack geführt. Sein Nachfolger, Rektor Koppenhagen, verfasst nach Holldacks Tod – er verstirbt am 13.2.1884 – einen Nachruf, der auf der Seite der Familie Holldack nachzulesen ist. Ich möchte diesen Nachruf ergänzen um einige Informationen zur Familie und einige Anmerkungen von Carl Ludwig Holldack selbst.

Carl Ludwig Holldack

Lt. Sterbeurkunde wird Carl Ludwig Holldack am 13. Februar 1807 in Gnie, Kreis Gerdauen, als Sohn des Oberförsters Gottlieb Holldack und dessen Ehefrau Minna Justine Raabe geboren.

Als Chronikschreiber berichtet er u.a. von den wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Stadt, von baulichen Veränderungen, Zünften, von Jubiläen und Begräbnissen, der Gründung eines Vorschuss-Vereins – er erwähnt Unglücksfälle, die sich in der Stadt ereignen, die Stiftung des Krieger-Vereins und beschreibt – voller Stolz – den Werdegang einiger seiner ehemaligen Schüler, die er selbst in der ‚Rektoren-Klasse‘ unterrichtet hatte. Ab und zu schimpft er über Missstände und auf einige Amtsinhaber – und immer wieder streut er lateinische Zitate ein.

All das ist äußerst spannend, wenn man – wie ich – Vorfahren hat, die zu dieser Zeit in Landsberg wohnen.

Bevor er im Mai 1841 nach Landsberg kam, war Carl Ludwig Holldack einige Jahre in Lichtenau, das zu den Dessauschen Gütern gehörte, als Hauslehrer tätig.

Aus seiner Kinderzeit erzählt er:

‚Meine Familie gehörte zu den Forstleuten – mein Vater war Oberförster und stand in ziemlich hohem Gehalt – aber im Sommer mußten alle, wir Kinder, baarfuß gehen und bekamen Stiefel nur anzuziehen, wenn Fremde kamen oder an hohen Festtagen, daher hielt unser Schuhwerk auch 2 bis 4 Jahre und wir Kinder wunderten uns dann darüber, daß Stiefel und Schuhe uns immer zu enge wurden und schoben dann die Schuld auf den Schuhmacher; ich der älteste Sohn der Familie trug selbst gewebte und selbst gemachte Kleider bis zur Einsegnung – erst im Jahre 1830 bekam ich einen Mantel von gekauftem grauen Tuche, als ich Student geworden war. Jede Ausgabe wurde vermieden, wo man sie nur vermeiden konnte.‘

Auch von der Anschaffung seines Aufsehen erregenden Kochherds erzählt er;

‚Als ich herkam im Jahre 1841 gab es in unserm Städtchen noch keinen Sparherd. Da ich nun guten Torf, wie Braunkohle (besaß), wollte ich denselben nicht auf offenem Herde verschmoren – ich verschrieb mir daher aus der Königsberger  Unions-Eisengießerei eine eiserne Kochplatte und ließ mir einen Kochherd setzen, wozu ich den Riß dazu lieferte. Die Kochplatte kostete damals noch 13 Sgr und für die unglasierten Ziegel, die der Magistrat hergab, mußte ich auch noch 2 Sgr bezahlen. Als ich so den ersten Kochherd hergestellt, verschrieb ich mir auch noch eine hermetisch verschließbare Ofenthür aus der damals berühmten Schichauschen Eisenfabrik aus Elbing für 5 Rthl und nun konnte ich reichlich kochen und heizen nach Wohlgefallen, den Landsbergern ein wahres Wunderwerk: ein Kochherd fast mitten in der Küche und ein Ofen ohne Klappe! Das war ihnen rätselhaft!‘

Im Juli des 1843 wird in der Landsberger Kirche sein Aufgebot mit Anna Caecilie Therese Kappner (einer Tochter des mittlerweile verstorbenen Maurermeisters Anton Kappner aus Königsberg) bekannt gegeben. Holldack ist 36 Jahre alt und wird im Kirchenbuch als Prediger, Rektor, Kantor und Organistenadjunct bezeichnet.

Von 1848 bis 1851 werden in Landsberg drei Holldack-Töchter geboren:

  • Anna Caecilie Concordia Holldack * am 19.1.1848
  • Therese Maria Martha Holldack * am 2.6.1850 und
  • Friederike Wilhelmine Martha Holldack * am 13.9.1851

Im Juni 1869 erfährt das ‚hochgeehrte Publico‚ durch ein Inserat im Pr. Eylauer Kreisblatt, dass im Haushalt des Predigers eine amerikanische ‚Wheeler-Wilsonsche Doppel-Steppstich-Nähmaschine‘ existiert und die Damen des Hauses Holldack ‚jede Art von Wäsche, andere Nähtereien und dazu gehörige Stickereien für einen soliden Preis‘ fertigen.

Carl Ludwig Holldacks älteste Tochter – Anna Caecilie Concordia – heiratet am 29. September 1871 in Landsberg den damaligen Oberinspektor der Begüterung Wildenhoff Julius Eduard Theodor von Freyhold, einen Sohn des Gutsbesitzers Heinrich von Freyhold. Tochter Friederike wird einige Monate später – am 15.4.1872 – die Ehefrau von Emil Justus Börner, dem Meiereipächter der Begüterung Worienen.

Schon aufgrund seiner Funktion als Kantor und Organist spielt die Musik in Holldacks Leben eine besondere Rolle – so leitet er z.B. einen Knabenchor. Von Zeit zu Zeit  erwähnt er in der Chronik Mitürger, die mit besonders schönen Singstimmen ausgestattet sind und 1876 berichtet er: ‚Zur Jetztzeit zählt unsere Stadt gewiß schon einige zwanzig Pianos und Fortepianos – das macht im Ganzen der Aufschwung der Zeit, aber auch die Gelegenheit(,) Klavier-Unterricht erhalten zu können, denn sowohl fast alle unsere Lehrer geben Unterricht auf dem Klavier und meine Tochter Therese unterrichtet schon seit 10-12 Jahren mit guten Erfolge in der Musik, so daß bald ihre Schülerinnen selbst werden Unterricht geben können‘.

Carl Ludwig Holldack wird 77 Jahre alt. Sein Tod wird beim Landsberger Standesamt angezeigt von ‚Fräulein Therese Holldack‚, seiner 1884 noch unverehelichten zweiten Tochter.

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