Röhrmeister in Landsberg, Pr. Eylau

Während mein Ur-Ur-Urgroßvater Friedrich Westphal den Unterhalt seiner Familie als Müllermeister in Worienen und schließlich als Mühlenbesitzer in Gr. Steegen verdient, kümmert sich sein Halbbruder Johann Gottfried Westphal um die Wasserversorgung seiner Heimatstadt Landsberg, Pr. Eylau.

Johann Gottfried ist Röhrmeister – diesen Begriff kannte ich gar nicht.

‚Der Röhrmeister oder Röhrenmeister, ein sehr alter, heute kaum noch ausgeübter Beruf,  fertigt aus Holzstämmen Wasserrohre. Dazu benutzt er spezielle Werkzeuge wie den Deichelbohrer.

Die Holzrohre, auch Röhrfahrten oder in Süddeutschland und der Schweiz Deichel oder Teuchel genannt, wurden im Mittelalter benutzt, um das Wasser einer Wasserkunst an die Verbrauchsorte zu verteilen. Möglicherweise geht der Beruf schon auf das Altertum zurück, da die bei der Wasserversorgung im Römischen Reich verwendeten Blei- oder Tonrohre nicht überall zur Verfügung standen.

Im 17. bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte der Röhrmeister die verantwortungsvolle Aufgabe, über die Wasserversorgung der Stadt zu wachen‘. (Wikipedia)

Ausschnitt aus einem Holzschnitt von Elias Diebel in ‚Gustav Lindtke: Lübeck – Ansichten aus alter Zeit. Peters-Verlag, 1959‘ (Wikipedia)

Johann Gottfried Westphal ist 33 Jahre alt als er im Januar 1797 Landsberg Charlotta Gross aus Kumkeim heiratet. Im Kirchenbuch ist verzeichnet: Johann Westphal, hiesiger angesehener Bürger, Eigenthümer u. Röhrmeister, 33, mit der Jungfer Charlotta Grossin, 21, des weiland gewesenen Königlichen) Wirths in Komkeim (=Kumkeim) Michael Groß hinterlassenen jüngsten ehelichen Tochter (copuliert)‘.

In der ‚Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie‚, Bd. 1; Halle 1791 fand ich die Notiz, dass es im Jahre 1788 in Königsberg insgesamt 5 Röhrmeister, 2 Gesellen und 2 Lehrburschen gab.

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Inventarium bey dem Finckschen Kruge – um 1742

Der Ort Finken im Kirchspiel Buchholz, Pr. Eylau, gehört ab etwa 1565 über 270 Jahre lang zur Begüterung Gr. Peisten. Im Jahre 1719 ist über Finken zu lesen: ’14 Hufen 25 Morgen groß, 4 Bauern zu 2 Hufen, Papiermühle 2 Hufen, 1 Erbe von 2 Hufen ist wüst. Zum Krug mit kleiner Einfahrt 2 Hufen, der Krüger Christian Dorsch Ausschank von 15-16 Tonnen Bier. Jeder Hof 2 Pferde, 1-2 Ochsen, 1 Kuh, 4 Schafe, 1 Schwein Besatz. Aussaat je 7 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gerste, 4-5 Scheffel Sommerkorn, 1 Scheffel Leinsaat, 1/2 Scheffel Erbsen. Je 50 Mark Zins im Jahr. Steuer 27 Taler 12 Groschen 9 Pfennig‘. (Horst Schulz, Die Städte und Gemeindes des Kreises Pr. Eylau, S. 383).

Über den Krug von Finken liegt eine detaillierte Beschreibung vor, die um 1742 nach Abzug des Krügers Schwartz bei Übergabe an den neuen Krüger Johann Behnert – verfasst wurde.

Tit. 1 Beschreibung der Gebäude
Der Krug ist an sich selbst, noch im guten Stande,
bloß, daß hin und wieder, neue Schwellen unter=
gebracht werden müßen, im gleichen ist auch
nöthig, den Stroh dach, hin und wieder aus zu
beßern; die Stube und Kammern, sind von boh=
len aufgefället, das Hauß her umb von fach=
werck, und mit Ziegel ausgemauret. An
den Haus Thüren sind 8 große Eisen Bän=
der und Hacken, nebst 2 über leg Kramppen,
am Stall sind 2 kleine Thüren, wovon Vier
Eisen bände, und 3 Hacken befindlich sind,
an der Stuben Thür sind 2 Bänder und 2 Ha=
cken, auch eine Eiserne Klincke, an den beyden
Kammer Thüren, sind 4 Eisen bände, auch
4 Hacken, und 2 Kramppen. In der Stube
sind 4 Licht fenster, jedes Licht von 20 rauthen,
alle im guten Stande, an den fenster laden,
sind 4 bänder und 4 Hacken, auch 4 bänder
und 4 Hacken, an den Licht Thüren, nebst 
einer Kramppe und Haßpe. Der Kachel ofen
ist im guten Stande, und der Schor(n)stein ist
bruchfällig, der fuß boden in der Stube
ist mit Diehlen ausgeleget, in der Stube ist
eine lange Taffel, und 3 banken, welche
zum Kruge gehören.

Noch ist ein Neu Stübchen beym Kruge ver=
handen, in folgender beschaffenheit, an
der Stuben Thür, sind 2 Eisen bänder und Hacken,
ein guth Schloß mit dem Schlüssel, auch eine kleine
Krampe und Haspe, an der Kammer Thür 2 Eisen
Bänder und 1 Hacken, in der Stube ein Neuer 
grüner Kachelofen, mit weißen leisten, ein
kleiner Schorstein, so dem dach heraus gemauret ist,
4 Licht fenster, im guten Stande, der dach über
diesem Stübchen, ist Neu und guth.

Die Scheune beym Kruge, ist an dach und fach
im mittelmäßigen Stande.
Tit. 2 Beschreibung des Ackers
Da die Hochwohlgebohrne Groß Peistische Lehns=
Herrschafft, dem abziehenden Krüger Schwartzen,
d. 17. April ao. 1742 vor 14 Schefl. Korn, so derselbe
über Winter gesäet gehabt, und beym Kruge gelaßen
hat, vor die Außsaath, und beackerung 39 Tl. 20 gl
nemlich vor jeden Scheffel 2 Tl. 25 gl. gerechnet
baar gezahlet hat, imgleichen 4 Tl. vor die 40 fuder
Mist, so in den Ställen verhanden gewehsen,
3 gl. vors fuder gerechnet, so bezahlet vorgedach=
ter Johann Behnert, der Peistischen Herrschafft,
gemeldtes Geld baar zurück, und behält also
bey dem Finckschen Kruge, gantz nichtes zum
Besatz, womit also dieses Inventarium ge=
schloßen worden.
L.B. v. Kreytzen
      1.  

Mein Vorfahre Johann Wilhelm Hellwich war um 1720 Müllermeister in Finken – mehrere andere Vorfahren wohnten in der Zeit von 1700 bis 1800  in benachbarten Orten (z.B. in Schwadtken, Wangnick und Achthuben). Sie werden vielleicht ab und zu in dieses Gasthaus eingekehrt sein, sich am Kachelofen gewärmt und ein Bier getrunken haben.

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Umzug von Steuerpflichtigen innerhalb des Kreises Pr. Eylau

In den Pr. Eylauer Kreisblättern lässt der Landrat des Kreises von Zeit zu Zeit Listen  steuerpflichtiger Personen veröffentlichen, die einen Ortswechsel innerhalb des Kreises Pr. Eylau vorgenommen haben, bzw. sich in den bisherigen Wohnorten ab-,  an den angegebenen neuen Wohnorten jedoch (noch) nicht  wieder angemeldet haben.

Veröffentlicht wurde die obige Liste im Februar 1868 – genannt werden Personen, deren Abmeldung im 2. Halbjahr des Jahres 1867 erfolgt war.

Grund dieser Veröffentlichung war sicherlich die Sorge, die genannten Personen könnten versuchen, sich um die Entrichtung fälliger Steuergelder zu drücken. Für die Familienforschung können die Listen einen Anhaltspunkt dafür bieten, nach dem Verbleib dieser Personen in einem anderen Kirchspiel zu suchen.

Der unter Nr. 9 aufgeführte Julius Schadwell (Sohn des Eichhorner Organisten und Kirchsschullehrers Ferdinand Wilhelm Schadwell und dessen Ehefrau Wilhelmine Geisler) ‚verschwindet‘ nach 1866 aus dem Kirchspiel Eichhorn. Letzmalig wird die Familie im Januar 1866 – bei der Taufe ihres 5. Kindes –  genannt. Danach verliert sich ihre Spur. Vermutlich erfolgte ein Umzug nach Weischnuren ins Kirchspiel Reddenau. Als im Jahre 1884 Sohn Ferdinand Wilhelm heiratet wohnen Julius Schadwell und seine Ehefrau Caroline, geb. Jockel, allerdings in Dittchenhöfen.

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Erinnerung an die Schlacht bei Hoofe (Dwórzno) – 1807

In Hoofe (heute Dwórzno) in der Nähe von Landsberg im Kreis Pr. Eylau wurde 1832 meine Ur-Urgroßmutter geboren und 1855 kam dort mein Urgroßvater Rudolph Leopold Gegner zur Welt. Traurige Berühmtheit erlangte der Ort (früher oft Hof, Hoff oder Hofe geschrieben) jedoch im Jahre 1807 durch die grausame Schlacht der französischen gegen die russische Armee, die dort am 6. Februar des Jahres stattfand.

Quelle: Colmar Frhr. v. der Goltz: ‚Von Jena bis Pr. Eylau‘, Berlin 1907; Seite 376

Der Landsberger Pfarrer Kob berichtet in der Stadtchronik: ‚Der unglückliche Krieg mit Frankreich, der im November 1806 begann, verbreitete mit dem Anfange des Jahres 1807 auch Jammer und bitteres Elend, Krankheiten und Tod in unseren Mauern.

Den 5ten und 6ten Februar kam die Große Rußische Armee, sich fechtend zurückziehend in unsere Gegend und das Hauptquartier desselben in unsere Stadt. Am 6ten begann das Gefecht bei dem uns angrenzenden Dorfe Hofe und währte den ganzen Tag. Die Franzosen nahmen Hofe ein und die Rußen biwagtierten die Nacht hindurch in und um Landsberg. Die Nachtfeuer der Franzosen in und um Hofe und dieselben der Rußen in Landsberg erregten einen schauerlich fürchterlichen Anblick. Die Materialien zu diesem Feuer wurden von Zäunen, Scheunen und auch Gebäuden genommen. Benningsen, der Generalen Chef der Russischen Armee, war in dieser Nacht beim Stadtrichter, Fürst Bagration, der die Garde der Rußen commandierte, bei mir einquartiert.

Zur Erinnerung an diese Schlacht schmückt heute ein riesiges Gemälde die Wand eines Hauses im Ort. Herzlichen Dank an Wojtek Wolański, der in Hoofe wohnt und mir dieses Bild zugesandt hat!

Foto: Wojtek Wolański

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OFB Eichhorn, Pr. Eylau online

Nach langjähriger Vorbereitung wurde nun das von Ko Meerwaldt und mir erarbeitete OFB des Kirchspiels Eichhorn im ehemaligen Kreis Pr. Eylau veröffentlicht!

Es wird nach und nach von uns ergänzt werden.

Über Hinweise zu – sicherlich enthaltenen – Unstimmigkeiten und über Ergänzungen würden wir uns freuen. Sie würden dann im nächsten Update berücksichtigt.

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Familien in Worglitten vor 1700

Auch das Dorf Worglitten gehörte ehemals zum Kirchspiel Eichhorn im Kreis Preußisch Eylau. Kinder, die dort zur Welt kamen, wurden in der Kirche von Eichhorn getauft – Bauern und Instleute, die dort lebten, ließen sich in der Eichhorner Kirche trauen.

Vor 1700 leben in Worglitten u.a.:

  • Christoph Gnoß, Bauer +1669
  • Matthes Gnoß, Bauer und Schulz +1678
  • Greger Gnoß, Bauer und Schulz *um 1640 +1699
  • Gerge Gnoß, Bauer * um 1645
  • Gerg Zilian (Ziljan), Knecht
  • Johann Sahm, Bauer
  • Peter Brodd, Bauer
  • Christoph Kunter, Krüger + 1676
  • Wenzel Kaulbarsch (Kaulbarschcke), Bauer + 1668
  • Christoph Benicke, Bauer
  • Gerge Brahl, Bauer
  • Andres Brahl, Bauer
  • Lorentz Sommerfeldt, Bauer
  • Johann Kaulbarsch, Bauer + 1723
  • Greger Neumann, Bauer
  • Samuel Rappun, Instmann
  • Daniel Dorsch, Bauer
  • Andres Gerge, Knecht
  • Gerg Stabbert, Hirt
  • Melchior Gronert, Instmann +1683
  • Martin Beutner, Hirt
  • Matthes Neumann +1703
  • Johann Thomßcke, Bauer
  • Christoph Dorsch, Bauer +1692
  • Lorentz Krause, Bauer

Die in obiger Liste aufgeführten Gnoß-Bauern sind sicherlich miteinander verwandt. Da die Kirchenbücher von Eichhorn ‚erst‘ im Jahre 1665 beginnen, lässt sich das genaue Verwandtschaftsverhältnis ohne zusätzliche Quellen jedoch nicht klären.

Mitglieder der Gnoß-Familien in Worglitten hatten über lange Zeit das Amt des Dorfschulzen inne, das ja üblicherweise innerhalb der Familien vererbt wird.

  • Als der Krüger Christoph Kunter 1672 in Eichhorn die Witwe des verstorbenen Schulzen von Glomsienen heiratet, ist er Schulz von Worglitten.
  • Schon 1673 – und dann bis zum Jahre 1676 – wird Lorentz Sommerfeld als Schulz genannt, nachdem er 1672 die Witwe des verstorbenen Bauern Christoph Gnoß geehelicht hat. 
  • Im Mai 1678 verstirbt in Worglitten der Bauer Matthes Gnoß. In seinem Sterbeeintrag wird er als ‚gewesener Schultz in Worglitten‘ bezeichnet. Vermutlich hat er dieses Amt bereits vor Christoph Kunter ausgeübt.
  • Der nachfolgende Schulz ist Greger Gnoß. Er wird um 1640 in Worglitten geboren worden sein. Am 17. Oktober des Jahres 1666 heiratet er in Eichhorn Maria Sintscholl aus Müggen, eine Tochter des dort verstorbenen Bauern Caspar Sintscholl. Bis zu seinem Ableben im Jahr 1699 bleibt Greger Gnoß Dorfschulz von Worglitten.
  • Ihm folgt – bis kurz vor seinem Tod – sein 1668 geborener Sohn Johannes (Hans) Gnoß, der 1734 im Alter von 65 Jahren verstirbt.
  • Ab 1732 wird dann der Bauer Martin Worm als Schulz in Worglitten aufgeführt.
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Ergänzung und Korrektur zu Christian Weißermel, Pfarrer in Petershagen

Laut Daniel Heinrich Arnolds ‚Kurzgefaßte(n) Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandenen Predigern‘ (Digitalisat) stammt Christian Weißermel aus Königsberg, ist zunächst Kantor in Kreuzburg, Pr. Eylau, und ab 1705 Pastor in Petershagen.

Erwähnung in o.g. Buch

Christian Weißermels erste Ehefrau, Catharina Elisabeth Martini, eine Tochter von Daniel Martini, Rektor der Pfarrschule in der Altstadt von Königsberg, muss bereits vor April 1716 verstorben sein.

Am 28. April 1716 heiratet Christian Weißermel in Eichhorn, Pr. Eylau,  Eleonora Sophia Boblick. Der Heiratseintrag im Eichhorner Kirchenbuch ist nur schwer zu entziffern. Er lautet: H. Christian Weiß Ermel, Pfarrer von Petershagen mit J. Eleonora Sophia, Selig H. Andreas Martin Boblicken; Sr Königl. Majestät in Preußen unter dem Garde d‘ Corps gewesenen ältesten Wachtmeisters nachgelaßener Tochter‘

Eleonora Sophia Boblick lebt vor der Eheschließung in Worienen und wird von 1712 bis 1716 mehrfach als Patin genannt (im Jahre 1712 u.a. gemeinsam mit meinem Vorfahren Christoph Gegner, der als Böttcher in Polassen wohnt). Auch Christian Weißermel legt in der Zeit von 1709 bis etwa 1733 immer mal wieder den Weg von Petershagen nach Eichhorn zurück, um in der dortigen Kirche – oft gemeinsam mit den Pfarrern der umliegenden Kirchorte – Patenschaften zu übernehmen, u.a.

  • 1712 bei Maria Dorothea Henning, einer Tochter des Eichhorner Pastors
  • 1715 bei Loysa Tugendreich, einer weiteren Tochter desselben Pastors
  • 1716 bei Johanna Henriettta Müller, Tochter des Woriener Burggrafen
  • 1717 bei Anna Maria Gradcke, einer Tochter von Martin G., Hofmann in Glomsienen
  • 1725 bei Martin Ephraim Bohrt, einem Sohn von Jacob Bohrt, Cammerverwandtem in Worienen

Ausschnitt aus dem Kirchenbuch von Eichhorn – unter Nr. 5: H. Christian Weiß Ermel, Past(or) Petershag(en)

In der ‚Kartei Quassowski‘ wird angegeben, am 12.11.1726 sei in Eichhorn Johann Friedrich Weißermel zur Welt gekommen. Das ist ein Fehler – an eben diesem Tag wird hier Johann Friedrich Bohrt geboren, ein Bruder des zuvor genannten Martin Ephraim Bohrt. Auch bei dieser Taufe wird Christian Weißermel jedoch als Pate genannt. Ein Weißermel-Kind wird zu keiner Zeit in Eichhorn getauft.

   
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Familie Schmidt in Kumkeim

Ich freue mich immer, wenn ich weitergehende Informationen zu Familien finde, die ich aus dem Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, ‚kenne‘ – wie hier zu Familie Schmidt aus Kumkeim


Eduard Bernhard Schmidt wird 1833 in Worglitten als jüngster Sohn des dortigen Lehrers Gotthard Schmidt und dessen Ehefrau Maria Dorothea Langhans geboren. Er ist drei Jahre alt als sein Vater im Februar 1836 in verstirbt.

Eduard Bernhard verlässt seinen Heimatort, wird Kaufmann in Bischofstein, kehrt als junger Witwer – erst 30 Jahre alt – zurück und heiratet im Dezember 1863 in der Eichhorner Kirche  die 28jährige – aus Wolfsburg ‚im Herzogtum Braunschweig‘ stammende – Henriette Louise Elisabeth Kranig, eine Tochter des dortigen Försters Friedrich Kranig. Nach ihrer Eheschließung lebt das Ehepaar in Kumkeim, wo auch ihre 3 Kinder zur Welt kommen:

  • Auguste Amalie Waleska  am 28.11.1864
  • Hermann Friedrich Karl am 21.12.1866 und
  • Elisabeth Karoline am 7.9.1870

Das nachfolgende Inserat erzählt uns, wie die Familie um diese Zeit in Kumkeim wohnt: sie besitzt ein Haus mit 4 Stuben, einem Keller, einer Scheune, einem Stall und erntet das eigene Obst aus ihrem Garten. Eduard Bernhard Schmidt hat offenbar vielerlei versucht, um seine Familie zu ernähren – er übernimmt Aufträge als Restaurator, arbeitet 1866 als Gastwirt und hat sich innerhalb des Hauses ein kleines Geschäft eingerichtet.

Nach der Geburt seines Sohnes plant E.B. Schmidt offenbar eine Veränderung der Lebens- oder Wohnsituation. Laufen seine Geschäfte schlecht? Will er mit seiner Familie Kumkeim deshalb verlassen oder möchte er nur in ein anderes Haus innerhalb des Ortes umziehen?

Im Juli 1867 erscheint im Preußisch Eylauer Kreisblatt dieses Inserat:

Ausschnitt aus dem Preußisch Eylauer Kreisblatt – Juli 1867

Vermutlich hat sich weder ein Käufer noch ein Pächter gefunden – zumindest hat kein Ortswechsel stattgefunden – Familie Schmidt wohnt 1870 nach wie vor in Kumkeim. Nun wird Eduard Bernhard Schmidt als ‚Höker‘ bezeichnet. Am 14. September 1870 – nur eine Woche nach der Geburt der jüngsten Tochter – verstirbt seine Ehefrau im Alter von nur 34 Jahren und 11 Monaten an einer unbekannten Krankheit – kurz darauf (am 30. September) auch die erst 3 Wochen alte Tochter Elisabeth Karoline an Schwäche.

Eduard Bernhard Schmidt bleibt zurück mit 2 kleinen Kindern, die versorgt werden müssen. Es geschieht nicht selten, dass verwitwete Väter nach dem Tod ihrer Ehefrauen eine jüngere Schwester ihrer verstorbenen Frau heiraten – so auch Eduard Bernhard Schmidt. Am 3. Februar 1871 ehelicht er  in Eichhorn die 29jährige Auguste Kranig, die bereist 1866 die Patenschaft seines Sohnes übernommen hatte. Die Einwilligung zur Heirat wird von Eduard Bernhards Mutter über das Gericht in Bartenstein erteilt.

Am 4. Juli 1871 kommt Tochter Martha Karoline Schmidt zur Welt. E. B. Schmidt lebt nun als Eigenkätner in Kumkeim. Nach 1871 verliert sich die Spur der Familie im Kirchspiel Eichhorn.

Eduard Bernhard Schmidts Mutter Maria Dorothea, geb. Langhans verstirbt am 6. August 1873 in Worglitten an Altersschwäche. Sie wird 87 Jahre alt und hinterlässt insgesamt 6 majorenne Kinder, die teilweise in Worglitten leben.

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Raubmord zwischen Gallehnen und Zipperken

Meine Gegner-Vorfahren leben 1866 in unmittelbarer Nachbarschaft des Tatortes und haben sicherlich von dem schrecklichen Mord auf der Chaussee bei Zipperken gehört. Vielleicht haben sie sogar an der Beerdigung des Opfers teilgenommen …?

Im Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, findet man im Juni 1866 den Sterbeeintrag des Mühlenwerkführers Eduard Borchert aus Finken. Der damalige Eichhorner Pastor Adolf Julius Schröder vermerkt, Eduard Borchert sei am 24. Juni bei Zipperken auf der Chaussee erschlagen aufgefunden worden – sein Alter und seine Familie seien nicht bekannt, seine Bestattung sei am 27. Juni erfolgt.

Sterbeeintrag aus dem KB Eichhorn - 1866

Sterbeeintrag aus dem KB Eichhorn – 1866

Am 5. Juli erscheint im Preußisch Eylauer Kreisblatt eine Meldung, in welcher ein Arbeiter aus Schönwiese namens Thater als Tatverdächtiger genannt wird:

14 Tage später wird auch im Allensteiner Kreisblatt – allerdings mit einigen Schreibfehlern – über den Raubmord berichtet:

‚In der Nacht vom 23. zum 24. Juni 1866 ist der Mühlenwerkführer Borchardt zu Pinken (= Finken) auf der von Pr. Eylau nach Landsberg führenden Chaussee zwischen Gallehnen und Zipperken ermordet und beraubt worden.

Der That ist ein Mann verdächtig, welcher am 28. Juni mit dem Erschlagenen zusammen nach dem Kruge in Poprienen (=Topprienen) bei Pr. Eylau gekommen war. Dieser Begleiter des Borchardt war mit einem langen griesen Rock bekleidet, trug eine blaue Mütze mit einem Schirm und einer preußischen Cocarde (= ursprünglich kreisförmiges Abzeichen, meist mit militärischer oder politischer Bedeutung, zum Beispiel als Aufnäher auf Kleidern und Uniformmützen – Wikipedia), war von kräftiger Statur, etwa 5 Fuß 5 Zoll groß, mochte ungefähr 30 Jahre alt sein und hatte einen schlecht rasirten dunklen Bart. Er sprach im ermländischen Dialect und erklärte im Kruge zu Poprienen (Topprienen), daß er 1 1/2 Meile hinter Heilsberg zu Hause sei, daß er bei Königsberg an der Bahn gearbeitet habe und sich jetzt wieder nach Hause begebe.

Dem Erschlagenen sind außer baarem Gelde ein Ueberzieher von dunklem Tuche und ein Paar Stiefeln geraubt worden. Die Königlichen Behörden und Privatpersonen werden ersucht, nach dem Thäter Ermittelungen anzustellen und, sobald sich ein Verdacht gegen eine bestimmte Person ergiebt, mir davon Mittheilung zu machen. Demjenigen, welcher erheblich zur Ermittelung des Thäters führende Beweise anzuzeigen vermag, wird hierdurch eine Prämie bis 100 Thaler zugesichert‘.

Bartenstein, den 19. Juli – Der Staatsanwalt

(Quelle: ‚Im Allensteiner Kreisblatt 1845-1869 veröffentlichte Steckbriefe‘ ; VffW QMS Nr. 15; Hamburg 2009; Seite 219)

Ob der Täter jemals gefasst wurde und ob es tatsächlich der Arbeiter Thater aus Schönwiese war, konnte ich leider nicht herausfinden.

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‚Des Heinrich Hoedtcken Besatz Brieff im Dorf Dixsen‘

Als Johann Hoedtke (auch Hedtcke oder Hoedtcke geschrieben) und Elisabeth Voss 1717 in der Kirche von Eichhorn, Pr. Eylau, heiraten, ist Johann Knecht in Dixen. ‚Hanß Hedcke, Kn(echt) von Dixen, mit Elisabeth Voßin, einer Huren von Dixen‘ lautet der Eheeintrag im Eichhorner Kirchenbuch. Da Elisabeth als ‚Hure von Dixen‘ bezeichnet wird, wird sie vermutlich schon vor ihrer Heirat ein Kind zur Welt gebracht haben.

Sohn Heinrich Hoedtke wird um 1725 geboren, allerdings nicht in Dixen. Im Kirchenbuch von Eichhorn ist kein Taufeintrag zu finden. Dixen ist zu dieser Zeit ein adeliges Dorf der Begüterung Gr. Peisten – die Bewohner des Dorfes gehören jedoch nicht zur Kirchengemeinde von Gr. Peisten, sondern zur Gemeinde Eichhorn.

Im April des Jahres 1748 verstirbt Heinrichs Bruder Johann – vier Monate danach auch Johann Hoedtke sen., der mittlerweile in Dixen eine Bauernstelle übernommen hatte. Beide werden mit einer Leichenpredigt bestattet.

Den Besitz erbt zunächst Johanns Ehefrau Elisabeth Hoedtke, geb. Voss – bewirtschaftet wird der Hof von Sohn Heinrich.

Am 19. Oktober 1750 heiratet Heinrich Hoedtke in Eichhorn die 19jährige Dorothea Specht aus Müggen, die älteste Tochter des dortigen Bauern Albrecht Specht und dessen Ehefrau Anna Neumann. Außer Mutter Elisabeth lebt also nun eine weitere Frau auf dem Hof. Einige Monate nach der Heirat ihres Sohnes wird der Hoedtke-Hof in Dixen mit Genehmigung der Gutsherrschafft offiziell von der Mutter an Sohn Heinrich übertragen. Zu diesem Anlass wird im Hofe von Peisten folgender Besatzbrief aufgesetzt:

Des Heinrich Hoedtcken Besatz Brieff im Dorf Dixsen

Ausschnitt aus dem Dokument

Demnach die verwittibte Elisabeth Hoedtckin
im Dorf Dixsen, das Erbe nicht länger zu
besitzen sich getrauet hat, so ist im unten
gesetzten Dato, dieses Bauer Erbe, ihrem
Sohn, dem Heinrich Hoedtcken, mit genehm=
haltung der Hochwohlgebohrnen Groß Peistischen
Lehns Herrschafft, durch die Schultzen Martin
Passargen, und Christoph Mollenhauer, in
beyseyn des Herrn Verwalter Schmidten
über geben worden.

Derselbe hat folgendes zum Besatz empfangen

4 Pferde
2 Ochsen
1 Kuhe
4 Schweine
6 Hüner

Ein fertigen Wagen

Einen beschlagenen Schlitten.
Zwey Egdten mit Nöthigen Eysen Zincken.
Eine Hexsel=Lade mit Meßer und Rinck
Eine fertige Zoche.
Ein Spahten.
Ein Schoß }
Ein Mist} Forcke
Ein Schneide=Meßer
Ein Sense
Ein Zaun Bohrer
Ein Latten} Bohr
Ein Holtz Axse
Ein Hand Beyl
Ein Waßer Thiene
Ein Trinck Tonne
Ein Teig Trog
Ein Scheuer Thiene
Einen Tisch

An Getreyde

20 Scheffel Winterkorn gesäet
15 Scheffel Brodt Korn
10 Scheffel Gerst
15 Scheffel Haaber
1 Scheffel Erbsen
1 Scheffel Leinsaath

Peisten, d. 16ten May 1751

E. G. v. Kreytzen


Die folgenden Erklärungen zu obigen Begriffen stammen von Helmut Ramm:

Die Hexellade diente zum Schneiden von Stroh zu Hexel. Sie war aus 3 Brettern gefertigt, die ca.1,50m lang und ca. 20cm breit waren. An einem Ende war ein eiserner ovaler Ring angebracht, durch den das Stroh geschoben wurde und der als 2.Schneide für das ca. 50cm lange Messer diente, welches Ähnlichkeit mit einer Sense hatte.

Schoßforke= Eine Forke mit meistens 2 Zinken zum Einfahren von Getreidegarben. Eine Mistforke besaß meistens 4 Zinken.

Trinck-Tonne, für Trinkwasser.
Thiene = Wanne, Waschwanne zum einweichen und waschen der Wäsche.

Scheffel = Hohlmaß enthielt etwa 54,34 Ltr. 1 Scheffel wurde etwa auf 0,25 ha ausgesät und brachte bei der Ernte meistens nur den 3-4 fachen Ertrag. 10 Scheffel Brotgetreide = ca. 400 kg, ergeben ca. 520-560 kg Brot


Nach 1751 kommt eine ganze Hoedtke-Kinderschar hinzu – von 1751 bis 1787 bringt Dorothea Hoedtke, geb. Specht, in Dixen insgesamt 11 Kinder zur Welt, von denen einige bereits im Kindesalter versterben. Aber die Familie breitet sich aus und noch im Jahre 1945 ist ein Hof in Dixen im Besitz der Familie Hödtke (Hoedtke).

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