Das ‚Deutsche Haus‘ in Landsberg, Pr. Eylau

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit klappt hervorragend! Der nachfolgende Text stammt von Wojtek Wolański. Er benutzte dafür Unterlagen, die ihm das Rathaus von Górowo Iławeckie zur Verfügung stellte – sowie die Bücher von Manfred Gross (Landsberg Ostpreußen, Straßen, Häuser, Einwohner). Übersetzt wurde der Text mit Hilfe von ‚deepl‘. Ich selbst habe ein wenig ’nachgearbeitet‘ und den Text an einigen Stellen ergänzt.


Heute existiert in Górowo kein richtiges Hotel mehr. Gäste, die bei uns wohnen möchten, müssen nach Lidzbark oder Bartoszyce gehen oder können eines der Angebote des lokalen Agrotourismus nutzen. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es jedoch ganz anders.

Ziemlich im Zentrum von Górowo, in der Hofstraße 14 (der heutigen Sikorskiego-Straße, gegenüber der Ermland-Bäckerei und der Apotheke) stand früher ein schönes Gebäude: das Hotel „Deutsches Haus„mit angeschlossenem Restaurant.

Die ehemalige Hofstraße in Landsberg – 1. Haus links das ‚Deutsche Haus‘

Die erste Erwähnung dieses Hauses geht auf das Jahr 1862 zurück. Zunächst befand sich hier ein großer Gasthof, der von dem Kaufmanns Friedrich Rudolph Ankermann (geb. am 25.1.1832 in Konnegen, Kr. Heilsberg – Anmerkung von mir: er ist der Bruder meiner Ur-Urgroßmutter) durch einen Neubau ersetzt wurde. Das Gasthaus wurde zum Hotel und fortan wurde es „Deutsches Haus“ genannt. 1880 wohnte darin der Kaufmann und Getreidehändler Carl Mulack.

Inserat im Kreisblatt 1886

Fand die Musterung der Militärpflichtigen des Kreises in Landsberg statt, so geschah dies 1886 – und vermutlich auch in anderen Jahren – ‚im Lokale des Kaufmanns Mulack‚:

Bekanntgabe im Kreisblatt – März 1886

1895 hieß der Besitzer Julius Freund (Kaufmann, geb. am 21.10.1849 in Seefeldt, Kr. Braunsberg) und 1901 Ernst Gruhn. 1913 wurde das Haus von Familie Krauskopf aus Königsberg gekauft, die – nach dem Kauf eines weiteren Gebäudes am Marktplatz – das „Deutsche Haus“ an den Kaufmann August Kalb veräußerte.

August Kalb war eine interessante Figur. Auf der Rückseite der Feuerwehr (die sich bei der alten Schule befand) besaß er eine Scheune, in der er eine Mühle aufstellte. Diese wurde jedoch 1925 durch eine Explosion zerstört.

1924/25 baute August Kalb das Haus um und vergrößerte es. Das angrenzende Gebäude des Stellmachers Karl Nieswand wurde deshalb abgebrochen. In einem Teil des Hauses richtete August Kalb zudem einen Feinkostladen ein – außerdem einen Eisenwarenladen.

Das „Deutsche Haus“ erlebte eine Reihe wichtiger Veranstaltungen: im Jahre 1895 feierten hier 87 Personen die Einweihung der neuen katholischen Kirche. Auch Feiern des Vaterländischen Frauenverbandes, Winterbälle des Männergesangsvereins und zahlreiche Maskenbälle fanden hier statt.

In den Räumen des „Deutschen Hauses“ wurden Aufführungen des Landestheaters Elbinger veranstaltet und es wurden Sendungen von Radio Königsberg unter Beteiligung des Dirigenten Eugen Wilken und des Komponisten Erich Boerschel live übertragen. Auch Kinovorführungen unter der Leitung von Herrn Beersdorf aus Preußisch Eylau, die zuvor im Café Paradowskie stattgefunden hatten, wurden hierher verlegt.

Nachfolgender Besitzer des Hotels waren Herr Tischtau und seine Frau Emma, geb. Koll. Tischtau war Vertreter der Kinderhof Brauerei in Gerdauen. Um die Jahreswende 1936/37 verkaufte er das „Deutsche Haus“ an Gustav Wierutsch (Ehefrau Emma, geb. Arndt).

Das Feinkostgeschäft („Edeka“) im Erdgeschoss führte Gerhard Wehrmeister – um 1936 wurde es von Franz Hill übernommen. Die Eisenwarenhandlung betrieb der jüdische Kaufmann Georg Alexander, der in der Hindenburgstraße wohnte. Alexander musste Landsberg 1938/39 verlassen – sein Geschäft wurde anschließend von Gert Karusseit weitergeführt.

Telefonverzeichnis Landsberg 1942

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das „Deutsche Haus“ zerstört und leider nicht wieder aufgebaut. Auch die Häuser 9 bis 12 fielen dem Krieg zum Opfer. Besitzer waren:

  • Hofstraße 9: Franz Vanhöfen
  • Hofstraße 10: Erwin Gottwill, Tischlermeister (Ehefrau Maria geb. Wohlfeil u.  Tischlermeister Rudolf Gottwill
  • Hostraße 11: Bruno Petroschka, Bäcker (Ehefrau Ida geb. Pogorszelski)
  • Hofstraße 12: Otto Wormitt, Fleischermeister (Ehefrau Margarete geb. Feuerabend)

Auf dem Grund dieser Häuser wurde ein Einkaufszentrum errichtet, in dem sich heute die Bäckerei Warmia, die Apotheke, eine neue Eisdiele und ein Geschäft befinden.

Google Streetview – links befand sich das ‚Deutsche Haus‘

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‚Tante Anni‘ in der Waller Feldmark

Anna Kröger, geb. Müller, (* 2.9.1899)  war die Ehefrau von Carsten Kurt Kröger, einem Bruder meiner Großmutter Anna Lisette, der am 3. März 1890 in BremenLüssum zur Welt kam. Er wuchs gemeinsam mit seinen 5 Geschwistern in diesem schönen Haus in der Lüssumer Straße auf, das leider abgerissen wurde.

Das alte Kröger-Haus in der Lüsssumer Straße Nr. 99. Auf der Treppe meine Urgroßeltern Heinrich Kröger und Margarete geb. Knübel

Carsten Kurt Kröger, der in den noch vorhandenen Familienunterlagen seltsamerweise mal CARSTEN und mal KURT genannt wird, besaß eine große Schlachterei in Bremen-Walle, in der Grenzstaße Nr. 124. Am 29. Juli 1944 verunglückte er in Bremen beim Einsatz eines ‚Sicherheits- und Hilfsdienstes‘. Das Haus, in dem er wohnte, wurde ausgebombt (Quelle: Dr. Heinrich Kröger).

Für mich war Anna Kröger meine ‚Tante Anni‚. Ich kann mich sehr gut an sie erinnern, aber als ich vor einigen Tagen zufällig auf die Seite des Digitalen Heimatmuseums Bremen stieß, wurden meine Erinnerungen noch sehr viel lebendiger.

Im Vordergrund sitzend: links meine Oma Anna Lisette – rechts Anni Kröger

‚Tante Anni wohnte auf einer Parzelle in Walle‘ hatte ich mir irgendwann einmal notiert. Nun weiß ich es genauer: sie wohnte in der Waller Feldmark, im Buchfinkenweg Nr. 10!

Bremer Adressbuch 1957

Ihr Haus war ein sogenanntes ‚Kaisenhaus‚. Da während des zweiten Weltkriegs ca. 60% aller Häuser in Bremen zerstört worden waren, hatte der damalige Bürgermeister Kaisen aufgrund des eklatanten Wohnungsmangels erlaubt, in Eigeninitiave Wohnhäuser in den Kleingärtnergebieten zu errichten.

Für viele Erbauer dieser kleinen Häuser war es schwierig, überhaupt die für den Bau notwendigen Materialien zu beschaffen. In Tante Annis Fall half sicherlich die Familie aus Lüssum. Anna Krögers Schwiegervater – mein Urgroßvater, der Maurer- und Brunnenmachermeister Heinrich Kröger – hatte dort bereits im Jahre 1885 ein Bauunternehmen gegründet, das nach seinem Tod von Sohn Georg, Annis Schwager, weitergeführt wurde. Auch Georg Kröger verstarb 1945, doch das Unternehmen blieb in der Familie. So dürfte es kein großes Problem gewesen zu sein, Baumaterialen in die Waller Feldmark zu liefern.

Tante Anni war rundlich, gemütlich und ausgesprochen kinderlieb. Sie hatte keine eigenen Kinder – das war wohl der Grund, weshalb ich immer mal wieder einen Teil meiner Ferien bei ihr verbringen durfte. Und manchmal war ich nicht das einzige Kind, das sich bei ihr aufhielt. Es gab noch einen kleinen Jungen namens Enno, der dort in seinen Schulfereien Zeit verbrachte. Er wohnte eigentlich in Bunde, Ostfriesland, und war einige Jahre jünger als ich. Vielleicht liest er diesen Artikel irgendwann einmal und und hat ebenso schöne Erinnerungen an Tante Anni in der Waller Feldmark …?

Am 23. Mai 1973 verstarb Anna Kröger in Bremen.

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Austausch über die Geschichte einer Stadt in Polen

Seit kurzer Zeit bin ich Mitglied einer Polnisch sprachigen Facebook-Gruppe, die sich mit der Geschichte der Stadt Górowo Iławeckie – früher Landsberg im Kreis Preußisch Eylau – beschäftigt. Ich freue mich darüber, dass sich die jetztigen Bewohner der Region inzwischen auch für die Vergangenheit ihrer Stadt interessieren und darüber, dass ich mit meinen Kenntnissen dazu beitragen kann, dass sie evtl. noch ein wenig mehr erfahren.

Selbstverständlich wird in dieser Gruppe Polnisch ‚gesprochen‘. Das bedeutet für mich:  ich verstehe weder, was die Gruppenmitglieder kund tun, noch kann ich unmittelbar antworten. Aber mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms klappt alles wunderbar!

Wichtig ist allerdings die Wahl des richtigen Programms – ansonsten kann es leicht zu Mißverständinissen kommen.

Ein Beispiel: Die Teilnehmer unterhielten sich über besonders schöne Häuser in Górowo Iławeckie und deren Bewohner. Das schönste Haus – da war man sich schnell einig – ist wohl die frühere ‚Villa Seddig‚, die unmittelbar am ehemaligen Mühlenteich liegt. Ich wusste, dass darin  einmal der Landsberger Mühlenbesitzer Car Gustav Seddig mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Eggert, und den Kindern gewohnt hatte. Herr Seddig war am 18.3.1902 in Landsberg verstorben.

Villa Seddig in Landsberg – 2004

Ein Gruppen-Mitglied teilte daraufhin mit, dass er die Bewohner des ‚zweit schönsten‚ Hauses in der Stadt kenne. Das in Facebook integrierte Translator-Programm formte aus dieser Bemerkung den folgenden Satz: ‚In der zweiten über die Schönheit des Hauses, sind wir im Bienenstock. Die Rote Armee hat derzeit meine Freunde … und eine Puppe mit Eltern gelebt‘.

Erst die Übersetzung mit Hilfe eines anderen Programms ergab schließlich Sinn: ‚In der zweitschönsten Hütte in der …  Straße lebten derzeit meine Freunde … und … mit ihren Eltern‘. 🙂

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Die Lage der Häuser in Hoofe, Pr. Eylau

In Hoofe – heute Dwórzno – wurde 1855 mein Urgroßvater Rudolf Leopold Gegner geboren. Auch seine Mutter Justine Friedericke Matern kam dort zur Welt und in den Jahren 1870 und 1873 verstarben dort Friederickes Eltern, Carl Matern und Maria Borm, meine Ur-Ur-Ur-Großeltern.

Carl Matern wird im Jahre 1818 – bei der Geburt einer Tochter und deren Taufe in der Gutskirche von Groß Peisten – als erster Träger des Namens MATERN bzw. MATTERN in Hoofe genannt. Maria Borm und ihr Bruder Johann sind um 1818 bzw. 1819 die ersten Personen in Hoofe, die den Familiennamen BORM tragen.

Auch in den Gutsakten der Begüterung Gr. Peisten, die im Staatsarchiv von  Allenstein verwahrt werden, werden die Familien Matern und Borm aufgeführt.

Nachfahren beider Familien leben noch bis 1945 in Hoofe.

Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau

 

Herzlichen Dank an Gerd Birth, der mir den folgenden Plan von Hoofe gesandt hat, aus dem die Lage der Häuser der o.g. Familien hervorgeht:

Lage der Häuser in Hoofe

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Um 1890 in Landsberg, Pr. Eylau

Mein Großvater Carl Ludwig Gegner war ein kleiner ‚Knirps‘ von 4 Jahren als diese Inserate von Landsberger Geschäftsleuten im Jahre 1890 im Pr. Eylauer Kreisblatt veröffentlicht wurden.

Aber vielleicht ist sein Vater Leopold, der in Landsberg als Schneidermeister  für den Unterhalt der Familie sorgt, mit ihm – als ältestem Sohn – einmal im Omnisbus nach Pr. Eylau gefahren …?

Und vielleicht hat ihn seine Mutter Therese, die sich inzwischen um 2 weitere kleine Söhne kümmern muss, ab und zu mit einem Einkaufszettel zu seiner Oma Johanna Ankermann (Thereses Mutter, im Inserat fälschlichweise Ackermann) oder zu ‚Onkel‘ Julius Schnell – einem Verwandten der Familie – geschickt, um Brandt-Kaffee für die Familie zu holen …?

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Brief an die Eltern – Bremen-Lüssum 1907

Heinrich Kröger wurde am 15.11.1894 in Bremen-Lüssum geboren. Er ist der jüngste Sohn meiner Urgroßeltern Heinrich Kröger und Margarete geb. Knübel. und der jüngste Bruder meiner Oma Anna Lisette (ganz links im Bild). Auf diesem Photo ist die ganze Familie vollzählig – Heinrich ist der kleine Junge hinten rechts.

Heinrich ist 13 Jahre alt als er am Neujahrstag des Jahres 1907 diesen rührenden Brief auf wunderschön verziertem Papier an seine Eltern schreibt:

Der Text lautet:

Lüssum den 1. Januar 1907

Liebe Eltern!

An des Jahres erstem Morgen bring‘ ich meine Wünsche dar, dank für Liebe, Müh und Sorgen in dem nun verfloss’nen Jahr.

Möge Gott Euch ferner schenken
Kraft, Gesundheit, Lebensmut,
segnend Eurer stets gedenken,
daß dies Jahr auch ende gut!

Lange mög er Euch erhalten,
mir das beste Elternpaar;
seine Gnade la(ß) er walten
über Euch noch manches Jahr
bis er führt zu seinem Frieden
Euch in seinen Himmel ein,
wo nach manchem Kreuz hienieden
er uns alle neu verein!

Dies wünscht Euch  Euer Sohn Heinrich

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Chronik des Ortes Worienen im Kreis Pr. Eylau

Bis auf die Formatierung, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird und einige kleine Korrekturen, die noch vorgenommen werden sollen, ist mein ‚Werk‘ – eine Chronik des Ortes Worienen im Kreis Pr. Eylau – nun fast vollendet. Das Inhaltsverzeichnis wird sicherlich nicht mehr verändert, deshalb kann es hier schon einmal eingesehen werden.

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Die Lage der Häuser in Eichhorn, Pr. Eylau

Das Dorf Eichhorn im ehemaligen Kreis Pr. Eylau (heute Wiewiórki) liegt unmittelbar an der Straße, die von Landsberg nach Bartenstein führt – nur 5 km entfernt von der Stadt Landsberg. ‚Im Dorf selbst waren zwei Gastwirtschaften (Nichau und Westphal) mit Ladengeschäften; letztere mit Saal, in denen die Feste der Vereine gefeiert wurden. Trotz der Stadtnähe waren viele dörfliche Handwerker wie Schmied, Tischler, Stellmacher, Schneider und Maurer vertreten. … Letzter Bürgermeister war Friedrich Schön.‘ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; Seite 442)

Die nachfolgende Zeichnung stammt von Rudolph Passarge, der 1936 als Sohn des Bauern Walter Otto Passarge und dessen Ehefrau Else, geb. Hanke, in Eichhorn geboren wurde. Auch Walter Passarge kam bereits in Eichhorn zur Welt. Sein Vater Adolph Passarge war zu dieser Zeit Besitzer der Eichhorner Mühle.

Diese Liste wurde übernommen aus dem Buch von Horst Schulz: ‚Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau‘. Weitere Informationen zu Eichhorner Familien sind im OFB Eichhorn zu finden, das nach und nach vervollständigt wird.

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Familie Zippercke in Tapperlauken (Zipperken)

‚Der Ort Zipperken ist eine alte prußische Siedlung im Kammeramt Worienen der Komturei Balga. Darauf deutet schon sein ursprünglicher Name ‚Tapperlauken‚ hin. … Im Jahre 1537 erwarb Merten Zipperka das Gut Tapperlauken ‚zwischen Gallehnen und Woymanns gelegen,  für 505 Mark geringer preußischer Münze‘ von Fabian von Lehndorff. Nach diesem Besitzer erhielt Tapperlauken den Namen Zipperken, der seit 1570 erwähnt wird. Um das Jahr 1600 waren die 7 Hufen von Zipperken gegen einen Dienst und Bauverpflichtung noch im Besitz von Wenzel und Jacob Zipperka (Quelle: Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 462).

Steuergefälle des Amts Pr. Eylau – 1624

Im Rechnungsbuch des Amtes Pr. Eylau aus dem Jahre 1624 ist angegeben, dass Tapperlauken zu dieser Zeit im Besitz von Bastian und Jacob Zipperka ist.

Tapperlauken – bzw. Zipperken – gehört zum Kirchspiel Eichhorn. Chronologie der Familie Zippercke anhand des Kirchenbuchs von Eichhorn:

  • Um 1660 genannt: Greger Zippercke als ‚Frey von Tapperlaucken
  • Er hat mindestens 7 Kinder:
  • Elisabeth * vor 1665 (Beginn der KB) + 1666
  • Michael *1666
  • Petrus *1669
  • Johannes *1671
  • Christianus *1673
  • Catharina *1675 und
  • Maria * 1678
  • 1669 wird auch Michel Zippercke, ‚Frey von Tapperlaucken‚ als einer der Paten bei der Taufe von Petrus Zippercke eingetragen.
  • Michel Zippercke bekommt einen Sohn namens Christianus, der ebenfalls 1673 geboren wird, jedoch kurz darauf verstirbt
  • Michel Zippercke selbst verstirbt im November 1672
  • Seine Ehefrau Anna heiratet am 5.2.1674 in Eichhorn den Freischulzen Christian Hopp(e) aus Schönwiese. Der Heiratseintrag im Kirchenbuch lautet:Christian Hopp, Freischultz von Schönwiese, mit J. Anna, Selig Michel Zipperken, Freyen von Tapperlaucken hinterlassener Witwe‘
  • Greger Zippercke lebt noch im Jahre 1681 – kein Sterbeeintrag im Kichenbuch von Eichhorn

Zur selben Zeit wohnt auch auf dem benachbarten Hof Wokellen eine Familie Zippercke. Beide Familien sind vermutlich miteinander verwandt

  • von 1674 bis 1681 mehrfach als Patin Gertraud Zippercke, Hofmutter im benachbarten Hof Wokellen
  • von 1676 bis 1681 ebenso mehrfach als Pate Greger Zippercke, Hofmann in Wokellen – auch 1678 bei der Taufe von Maria Zippercke, der Tochter von Greger Z., Frei aus Tapperlauken
  • 1681 werden sowohl Greger Zippercke von Tapperlauken als auch der Hofmann Greger Zippercke von Wokellen gemeinsam als Paten bei der Taufe einer Tochter des Schneiders Frantz Hammer aus Worienen aufgeführt
  • 1681 als Patin: Elisabeth Zippercke aus Tapperlauken

Taufeintrag aus dem KB von Eichhorn – 1681

Nach 1681 taucht der Name Zippercke im Kirchenbuch von Eichhorn nur noch in zwei Heiratseinträgen auf:

  • 18.11.1709: Peter Zippercke, Frey von Molwitten, mit J. Catharina (Liedtke), Freyen und Schmiedes von Stettinen eheleiblicher Tochter
  • 10.10.1712: Christian Zippercke, Frey von Molwitten, mit J. Regina, W(ilhelm Liedtcke) Freyen von Stettinen eheleiblicher Tochter

Die Väter der beiden Bräute (der Freibauer und Schmied Christoph Liedtke und der Freibauer Wilhelm Liedtke aus Stettinen) sind Brüder.

Horst Schulz schreibt in seinem Text über Mollwitten: ‚Um das Jahr 1700 gab es neben den Bauern die beiden Freigüter von Georg Volkmann und Georg Zipperken ….‘ 

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Aus dem Generalprotokoll des Amts Pr. Eylau (1785)

Die Prästationstabellen des Amts Pr. Eylau enthalten nicht nur Auflistungen über Steuereinnahmen oder Tabellen über die den einzelnen Mühlen zugeschlagenen Mahlgäste. Diese wurden ohnehin bereits ausgewertet und veröffentlicht. Es lohnt sich auch, die von den Beamten der Kriegs- u. Domänenkammer verfassten ausführlichen General-Protokolle zu lesen, die zwischen den Tabellen zu finden sind. Die Beamten teilen der Obrigkeit darin Besonderheiten und Missstände mit, die ihnen während der Bereisung der ihnen zugeteilten Region aufgefallen sind.

So berichtet Herr von Puttkammer im Jahre 1785 u.a. über die Beschwerden von Bewohnern, die in Dörfern unweit des Ermlandes leben :

‚Die in der Nachbarschaft des Ermlandes befindliche Dörfer beschweren sich über ihre Lage, denn es gehet kein Jahr vorbey, wo von denen sich daselbst aufhaltenden Zigeunern Diebstähle mancher Art zum größten Nachtheil der Königlichen Einsaaßen unternommen werden. Im Dorfe Glandau sind in diesem Sommer und Herbst aus denen Roßgärten und von der Weide 6 Stück Pferde gestohlen worden; dahero es wohl alle Aufmercksamkeit verdienen würde, diese dem Staat lästige Menschen auf eine oder die andere Art brauchbar, wenigstens unschädlich zu machen. Die vielen Klagen, die deshalb bey Ew. Königl(ichen) hochverordneten Cammer eingegangen, werden die Klagen dieser Dorfschafft rechtfertigen‘. …


Auch einzelne Personen – wie Bauer Tiedtke aus dem Dorf Warschkeiten und Bauer Plaumann aus Poschloschen – die bei der Bereisung der Dörfer wegen mangelhafter Bewirtschaftung ihrer Höfe aufgefallen sind, werden in dem Bericht erwähnt. Herr von Puttkammer schreibt:

‚Zwey Schaarwercks Wirthe verdienen hier besonders bemercket zu werden als der Bauer Gottfried Tiedtcke in Waschkeiten und der Plaumann in Poschloschen. Ersterer gehört zu der Classe der liederlichen Wirthe, das Angespann wird durch die Städtsche Holtz-Fuhren ruiniret, um das nöthige Geld zum Saufen zu erhalten, welches denn auch wöchentlich, ja wohl täglich continuiret wird, ohne daß seine Wirthschaft durch den Verkauf des vielen Holtzes gebeßert werde, vielmehr gehet durch seine öftere Anwesenheit in der Stadt, die nur die Befriedigung des unbezwinglichen Hanges zur Völlerey zur Absicht hat, die häußliche Wirthschaft zu Grunde, die Vermahnungen des Amts sind bishero ohne Effect gewesen, dahero nur noch dieses einzige Mittel  zu versuchen seyn würde, ihn mit Zuchhaus Strafe und Erbes Entsetzung zu bedrohen‘.

‚Der 2te Wirth namens Plaumann aus Poschloschen findet sich in schlechter Verfaßung, es fehlet an dem nöthigen Betriebs Vieh, welches ihm durch Unglücksfälle mancher Art verlohren gegangen. An eigenem Fleiß und Mühe soll es diesem Wirth nach der Anzeige des Beamten nicht fehlen, die Unterhaltung der vielen kleinen Kinder aber setze diesen Wirth sehr in seiner Wirthschaft zurück, und bevor selbige nicht soweit heranwachsen, daß ihm das fremde Dienst Gesinde entbehrlich, wird derselbe in keinen guen Zustand kommen‘.

Die von den Mormonen digitalisierten Prästationstabellen sind hier zu finden!

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