Zur Begüterung Groß Peisten (Piasty Wielkie) – Fortsetzung

II. Die Zeit nach 1837

Das Gutshaus von Groß Peisten (Quelle: Bildarchiv Ostpreußen)

Nach dem Ende der Ära der Familie von Kreytzen wechseln die Adelig Peistenschen Güter mehrfach den Besitzer. Im Jahre 1837 werden sie aus wirtschaftlichen Gründen zur Subhastation ausgeschrieben. Der Wert wurde 1835 auf 115. 373 Taler geschätzt. Zusammen mit seinem Schwager, dem Hauptmann Albert von Kortzfleisch ersteigert der Leutnant Ernst von Wedell die Begüterung nun für 85.ooo Taler.

Teile der Begüterung werden sofort weiter verkauft – und zwar wird das Gut Egdeln ‚mit dem Egdelschen Walde und dem Eichberge von Egdeln, jedoch ohne den zu Egdeln veranschlagten Rohrteich‘ für 4.400 Rthl verkauft an den Ökonomen Friedrich Wilhelm von Sacksen – das Gut Sienken ‚mit der Sienckenschen Heide, der nassen Nutzung des Sienckenschen Teiches sowie der trockenen Nutzung desselben in jedem dritten Jahr und mit dem Bauerndorfe Grauschienen jedoch unter Vorbehalt des Schankverlagrechts in diesem Dorfe für Groß Peisten‘ für 5.600 Rthl an den Gutsbesitzer Friedrich Wilhelm Bleyer.(Quelle: Grundbuch von 1836)

Im Juni 1840 gibt der damalige Landrat von Heyden im Kreisblatt bekannt, dass der Besitzer Ernst von Wedell beabsichtige, am Steinfluss ‚unterhalb der Brücke im Wege nach Weskeim‘ einen Eisenhammer anzulegen

Schon vor 1845 befinden sich die Peistenschen Güter im Besitz des Leutnants und Barons Hugo von Esebeck (*1818), der verheiratet ist mit Anna von Schön, einer Tochter des Geheimen Staatsministers Theodor von Schön.

Gotha

Am 16.4.1846 wird in der Kirche von Gr. Peisten Ernst Carl Hermann Burchardt von Esebeck getauft, ein Sohn des Barons Hermann von Esebeck und seiner Ehefrau Laura von Studnitz. Zu den Paten gehören u.a. Herr Baron Hugo von Esebeck und Herr Landrat von Heyden auf Nerfken.

Am 17.10. 1847 wird in Gr. Peisten die Taufe von Friederike Caroline Clara Johanne von Esebeck gefeiert, einer Tochter des Leutnants Carl von Esebeck und seiner Ehefrau Therese von Stülpnagel. Als Paten werden Herr von Oldenburg auf Beisleiden und Madame Gützlaff von Worienen genannt.

Um 1848 befinden sich in Gr. Peisten 27 Gebäude und 346 Einwohner – in Kl. Peisten 2 Gebäude mit 71 Einwohnern (Quelle: Schlott)

Nachrichten aus der Zeit des Herrn von Esebeck

Nächster Besitzer der Adelig Peistenschen Güter wird der Sagen umwobene Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg. „In den Jahren 1864 bis 1870 erwirbt Strausberg in Deutschland und Österreich-Ungarn zahlreiche Landgüter mit einer Größe von insgesamt 47. 300 ha. Hiervon entfallen in Ost- und Westpreußen über 10 000 ha; in Ostpreußen sind im Kreise Preußisch Eylau die Rittergüter Groß Peisten, Egdeln, Schwadtken, Sienken, Worienen und Wiecherts in Strausbergs Besitz.“ (Hermann Pölking, Ostpreußen, Biographie einer Provinz, S. 252)

Nachrichten aus der Zeit des Herrn Strousberg

Bethel Henry Strousberg „baute viele Gebäude neu und stockte auch das Gutshaus Gr. Peisten etwa 1866 auf; steckte auch sonst viel Geld in sein Gut. 1871 gab es in Gr. Peisten allein 27 Wohnhäuser und 332 Einwohner. Mit allen 11 Vorwerken: Egdeln, Kattlack, Kl. Peisten, Schwadtken, Sienken, Wangnick, Wiecherts, Ziegelei Papperten, Mühle Raaben, Papiermühle Finken und Waldhaus Wangnick waren 53 Wohngebäude, 150 Haushalte und 878 Einwohner, darunter 18 Katholiken, vorhanden“. (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden der Kreises Pr. Eylau; S. 432)

Adressbuch der Gutsbesitzer

Wie alle anderen Besitzungen bleiben auch die Peistenschen Güter nicht lange im Besitz von Bethel Henry Strousberg. 1875 wird er in St. Petersburg verhaftet und wegen Anstiftung zu Kreditvergehen und Bestechung in Moskau angeklagt und schuldig gesprochen.

Im Jahre 1876 befinden sich sowohl Worienen als auch Groß Peisten im Besitz der Berliner Disconto-Gesellschaft, einer der größten deutschen Bankgesellschaften, von der Strousberg unter Verpfändung seiner gesamten Güter sowie seiner Grundstücke in Berlin und Wien einen immensen Vorschuss erhalten hatte.

1877 ist die Begüterung Gr. Peisten bereits im Besitz von Familie Strüvy . Durch den Verkauf der Vorwerke wird der Besitz zunächst wesentlich verkleinert – allerdings ändert sich der Umfang des Besitzes im Laufe der Zeit immer mal wieder. Letzter Besitzer vor dem Krieg ist Wilhelm Strüvy (1886-1962). Im Jahre 1932 ist er „Herr über Gr. und jetzt auch Kl. Peisten, Worlack mit Wotterlack und Powarschen … Dazu gehörte eine Mahl- und Schneidemühle, eine Brennerei, Kalksandstein-Fabrik und ein eigener Remontemarkt wie auch die Zucht des Deutschen Edelschweines und die Schafzucht.“ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden der Kreises Pr. Eylau; S. 433)

Ausschnitt aus Niekammers Güteradressbuch von 1932

Weitere Beiträge aus dieser Zeit:

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15-jähriges Blogger-Jubiläum

Vorgestern vor 15 Jahren – am 5. Januar 2007 – veröffentlichte ich den ersten Beitrag in meinem Genealogie-Tagebuch! Inzwischen sind es 671 Beiträge geworden …

Dadurch, dass ich mich mit so intensiv mit den Regionen beschäftigt habe, in denen meine Vorfahren lebten, mit den Bewohnern, die dort mit ihnen ansässig waren, mit historischen Ereignissen und den Lebensumständen meiner Ahnen und ihrer Familien zu unterschiedlichen Zeiten, habe ich selbst viel gelernt.

Ich freue mich aber auch sehr darüber, dass ich durch meine Beiträge anderen Familienforschern helfen konnten und dass im Laufe der vergangenen Jahre so viele bereichernde Kontakte entstanden sind – nicht nur zu Forschern in Deutschland, sondern zu Forschern in diversen anderen Ländern.

Übersetzungs-Programme ermöglichen mittlerweile einen Austausch in fast jeder Sprache und so kann ich mich inzwischen auch mit den jetzigen Bewohnern der ehemaligen Regionen meiner Vorfahren in Polen und Russland verständigen – das war vor 15 Jahren noch nicht so leicht. Inzwischen arbeiten wir in regem Austausch gemeinsam!

Das Recherchieren und Schreiben begeistert mich nach wie vor und ich werde weiterschreiben!

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Jugenderinnerungen eines armen Dienstmädchens

Mehr als ein Jahrhundert nach Erstveröffentlichung der „Jugenderinnerungen eines armen Dienstmädchens“ gelang es Krystyna Drożdż das Geheimnis des Pseudonyms Marie Sangène zu lüften, unter dem die Autorin ihre Erlebnisse damals veröffentlichte. Alle Nachforschungen waren zuvor erfolglos geblieben. Für mich ist diese Geschichte sehr spannend, weil ich ihre späteren Schwiegereltern „kenne“!

(Anmerkung: die aus der Zusammenstellung von Krystyna Drożdż übernommenen Textstellen hat mir der DeepL Translator übersetzt!)

Als das Buch 1906 erstmals erschien, erregte es kaum Aufsehen. In den 1970er Jahren wurde das Buch neu aufgelegt. 2019 werden die Jugenderinnerungen im Rahmen der Verlagsreihe ‚Danzig in Danzig‘ in polnischer Sprache veröffentlicht und „heute [so der Historiker Peter Oliver Loew im Vorwort der polnischen Ausgabe] gilt das Buch als einer der wichtigsten autobiografischen Texte, die von einem Vertreter der Dienstboten des neunzehnten Jahrhunderts geschrieben wurden„. Krystyna Drożdż schreibt: „die Seiten dieser autobiografischen Erinnerungen sind voller Bilder vom Leben der Danziger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Leser blickt mit der Autorin in die Häuser der Bourgeoisie, in Militärquartiere, in die Keller der Armen, in städtische Geschäfte und Fabriken und wandert durch die Straßen von Danzig, seine Vororte und das Umland“.

„Aus der Lektüre der Memoiren [schreibt Peter Loew weiter] erfahren wir einiges über ihre Kindheit und Jugend, die sie im historischen Zentrum von Danzig verbrachte. Alle nachfolgenden Nachforschungen über die wahre Identität der Autorin und ihres Ehemannes sind jedoch – bis jetzt – erfolglos geblieben. Vielleicht gelingt es jemandem, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen, wenn er anhand der zahlreichen im Text verstreuten Informationen die Kirchen- und Adressbücher durchforstet?“.

Krystyna Drożdż begab sich auf Spurensuche, um herauszufinden, wer dieses mutige Mädchen war, „das ein starkes Selbstwertgefühl hat, fleißig ist, sich für seine Familie aufopfert, sein Leben bewusst gestaltet und neugierig auf alles ist, was um sie herum geschieht“. Krystyna verfolgte die Hinweise, die Marie Sangène selbst in ihren Jugenderinnerungen gibt.

Marie erwähnt zum Beispiel, dass sie im Jahre 1853 in Danzig geboren worden sei, dass ihr Vater Kutscher war und dass sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter im Armenhaus Pelonken in Oliva verstarben.

Mit Hilfe der Danziger Meldekartei, anhand verschiedener Kirchenbücher und Standesamtsregister gelang es Krystyna, die Identität der Verfasserin aufzudecken. Ich selbst habe noch ein wenig weiter geforscht und Folgendes ist nun bekannt:

Marie Sangène kommt am 18. März 1853 als Maria Rosalie Jacobi in Danzig zur Welt. Ihr Vater ist der Kutscher Johann Gottfried Ernst Jacobi – ihre Mutter Elisabeth Florentine Jahnke war in 1. Ehe verheiratet mit dem Arbeiter Johann Gottfried Janzen. Maria erzählt:

„Mutter, die ihren ersten Mann bald verlor, kam während einer großen Weichselüberschwemmung mit Großmutter nach Danzig, und beide blieben fortan dort wohnen. Mutter wurde zunächst Krankenwärterin im Lazarett am Irrgarten und machte dort eine große Choleraepidemie durch. … Hier lernt sie auch meinen Vater kennen, der dort wegen eines kranken Fußes lag, und heiratete ihn dann.“

Heiratseintrag der Eltern

Marias Mutter Elisabeth Florentine Jahnke wird am 7. August 1819 als Tochter des Arbeiters Johann Jacob Jahnke und dessen Ehefrau Elisabeth Hukowski auf dem Vorwerk Quadenhof bei Danzig geboren. (Auch Elisabeths Eltern konnten noch ermittelt werden – es sind dies der Soldat Michael Hukowski und seine Ehefrau Eleonore Holst bzw. Holz).

1799 – Taufeintrag von Elisabeth Hukowski in der Danziger Garnisonskirche

Der Vater ist „ein lebenslustiger, stattlicher Mann, der leidenschaftlich gern tanzte“. In der ersten Zeit seiner Ehe handelt er mit Pferden, die er aus Warschau holt und in Danzig verkauft – als ihm dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, sucht er sich in Danzig „eine leichte Beschäftigung als Kutscher zwischen den Speichern und dem Hafen und in der Umgegend.“ Marias Mutter arbeitet unermüdlich und übernimmt alle nur erdenklichen Dienste, um die Familie zu versorgen: sie wäscht die Hemden für Soldaten, beherbergt diese und kocht für sie. Sie „wusste alles praktisch einzurichten und wo es nur anging, Geld zu verdienen“.

Und selbstverständlich müssen auch die Kinder ihren Beitrag zum Unterhalt der Familie leisten. Maria berichtet:

„Schon während ich noch zur Schule und zum Unterricht ging, hatte ich auf recht harte Art meiner Mutter einiges Geld verdient. In der Nähe von uns war ein für die damalige Zeit großes Milchgeschäft; es wurden täglich wohl 400 bis 460 Liter Milch und Sahne an die Kunden verkauft und vertragen, die Sahne meist in die Konditoreien; zu diesem Austragen wurde ich oft hinzugezogen, aber auch zu schwererer Arbeit. Die Milch kam nämlich im Sommer mit den Böten aus dem Werder, im Winter aber, wenn das Wasser zugefroren war, musste sie getragen werden; so wurde ich öfter auch bestellt, um mit diesen Milchträgern mitzugehen. Dann musste ich um drei Uhr in der Nacht aufstehen und in die Finsternis und Kälte hinaus …“

An ihre Schulzeit kann sich Maria Jacobi kaum erinnern. Zwar besucht sie die Schule etwa 6 Jahre lang – vom 8. bis zum 14. Lebensjahr – doch immer wieder wird sie von der Mutter für längere Zeiten abgemeldet. Die Mutter benötigt ihre Unterstützung bei häuslichen Arbeiten. „Ging ich aber wirklich zur Schule“ so berichtet sie, „war ich oft durch körperliche Arbeit schon so ermüdet, dass mir Einschlafen näher lag als Aufpassen“.

25 Jahre lang wohnt die Familie in einer Kellerwohnung in der Fleischergasse, für deren Miete anfangs 7, dann 8 und zuletzt 9 Mark monatlichzu zahlen war. „Als nun aber nach 1866 das Flaschenbiergeschäft in Danzig aufkam, wurden die Keller immer teurer“ – die Famlie muss ihre Wohnung verlassen, zieht zunächst in die Tarngäter– und später in die Baumgartschengasse.

Anhand der Eintragungen in der Danziger Meldekartei können wir verfolgen, wann Maria Jacobi ihre Arbeitsstellen wechselt und bei welchen Familien sie dient.

Krystyna Drożdż fand heraus: „In der Pfefferstadt 56 diente Maria bei der Familie von Generalmajor August Reinhold Orlowius, wo sie viel lernte und relativ gut versorgt wurde. Die „edle Dame“ hingegen, über die sich Maria so sehr lustig machte, weil sie „vor lächerlichem Stolz platzte“, war die Frau eines Lehrers an einem der Danziger Gymnasien – Dr. Richard Martens. Die Direktorin einer Privatschule in der Ogarna-Straße 42, die Maria spätabends vor ihrem Haus warten ließ, bis sie ihren Freund besucht hatte, und die versuchte, Maria um ihr Gehalt zu betrügen, war Fräulein Sofia Franziska Nagel. Hätte sie gewusst, dass sie nach einhundertfünfundvierzig Jahren von jemandem für diese Unehrlichkeit gerügt werden würde, wäre sie vielleicht zuverlässiger in ihrer Buchführung gewesen.“

Am 25. Juni 1875 verstirbt Marias Vater im päpstlichen Lazarett von Danzig. Er wird 56 Jahre alt. In seiner Sterbeurkunde wird angegeben, dass er in Elbing geboren wurde. Marias Mutter Elisabeth Florentine, geb. Jahnke verbringt die letzten 15 Jahre ihres Lebens im Armenhaus Pelonken in Oliva, wo auch ihre Mutter Elisabeth Jahnke, geb. Hukowski bereits seit vielen Jahren versorgt wird.

Auch Elisabeth Hukowskis jüngster und ärmster Bruder Johann sowie ihr 2. Ehemann Jacob Kobiella, den sie 1848 in Danzig heiratete, soll sich um 1877 im Armenhaus befinden. Offenbar hat dieser das Armenhaus jedoch wieder verlassen und versucht, die Familie durch eine Anstellung als Kuhhirte zu unterstützen. Im Juni des Jahres 1880 verstirbt er durch einen tragischen Unfall:

Sterbeeintrag von Jacob Kobiella im Kirchenbuch Stüblau, Kreis Dirschau 1880:

Der kathol(ische) Kuhhirte Jacob Kobiella aus Danzig starb am 13. Juni nachdem er von einem Bullen auf die Hörner genommen und tödtlich verletzt war, und wurde den 15ten in Stüblau ej. begraben. Alt: 67 Jahre. Erbe: die Ehefrau soll sich angeblich im Armenhause zu Pelonken befinden.

Elisabeth Hukowski wird fast 91 Jahre alt, sie stirbt am 1. Januar des Jahres 1890 im Armenhaus – das Leben ihrer Tochter Elisabeth Florentine Jacobi, geb. Jahnke, endet am 29. Dezember 1892 in Pelonken.

Doch zurück zu Maria Rosalie Jacobi ….

Sie erwähnt auch einige ihrer Geschwister – zum Beispiel ihren jüngsten Bruder, von dem sie berichtet, er sei zu einem Bauunternehmer gegangen und hätte ihm als Maurer geholfen – später habe er dann eine lohnende Beschäftigung an der Königlichen Pulverfabrik in Spandau gefunden. Dieser Bruder ist der am 2.2. 1862 in Danzig geborene Johann Otto Jacobi. Er heiratet 1919 in Berlin die aus Carlshafen, Kr. Hofgeismar, stammende Witwe Johanne Christine Louise Barre. 1933 wohnt das Ehepaar in Spandau, in der Lessingstraße 41.

„Auch mein ältester Bruder hat in Danzig sein gutes Auskommen, nur meiner Schwester könnte es besser gehen“ erzählt Maria. Der Arbeiter Hermann Julius Jacobi heiratet 1883 in Danzig Adelgunde Wilhelmine Florinski aus Pasewark in der Danziger Niederung. Er stirbt 1910 in Danzig – von 4 Kindern sterben 2 kurz ihrer Geburt, Sohn Paul Wilhelm Jacobi *1888 in Danzig arbeitet als Dreher in Spandau wohnt dort in der Weißenburgerstraße 19. 1916 verstirbt er in der Reisstraße vor dem Wernerwerk. Tochter Clara Maria Jacoby wird 1907 in Danzig die Ehefrau des Arbeiters Carl Ferdinand Marczinski. Auch dieses Ehepaar lebt später in Spandau. Ihre beiden Töchter versterben dort bereits im Kleinkindalter

Das Danziger Dienstmädchen Maria Rosalie Jacobi nimmt sich vor, nicht – wie ihre Schwester – den Fehler zu begehen, in eine „leichtsinnige Heirat“hineinzuspringen„.

Irgendwann tritt ihr späterer Ehemann Gustav Viktor Gützlaff in ihr Leben.

Doktor Gustav Viktor Gützlaff ist fast 14 Jahre älter als Maria Rosalie und seit Ostern 1874 Lehrer am Realgymnasium in Elbing, wo er Deutsch, Französisch, Geschichte und Religion unterrichtet. Später wird er zum Professor ernannt. 1876 zieht Maria – zunächst für 6 Monate probeweise – nach Elbing, um dort für ihn als Haushälterin zu arbeiten. Ihre Abreise ist auch in der o.a. Meldekartei vermerkt.

Mit Familie Gützlaff habe ich mich für mein Buch über die Begüterung Worienen (Woryny) schon vor einigen Jahren näher beschäftigt, da Viktor Gützlaffs Eltern – der ehemalige Getreidehändler Christian GUSTAV Gützlaff und AUGUSTE Emilie Charlotte Nauck – in den Jahren von 1841-1866 im Besitz dieser Begüterung waren. Viktor selbst wurde 1839 in Danzig geboren, kam als Kleinkind nach Worienen und verbrachte dort einen Großteil seiner Kindheit.

Die Eltern erleben die Hochzeit ihres Sohnes Viktor nicht mehr mit – sie verstarben 1880 bzw. 1878 auf dem Gut Neukrug bei Worienen, das mittlerweile von ihrem Schwiegersohn Andreas Walter Brockmann übernommen wurde.

Ich frage mich, wie wohl das Dienstmädchen aus Danzig bei den anderen Familienmitgliedern aufgenommen wurde …… ? Und was hätte Viktors Vater gesagt ….?

AUGUSTE Emilie Charlotte Nauck und Christian GUSTAV Gützlaff u. ,
die Eltern von Gustav VIKTOR Gützlaff

Als Maria Rosalie Jacobi und Viktor Gützlaff 1887 in Elbing die Ehe schließen, gibt es bereits 3 gemeinsame Kinder, von denen jedoch das erste nach nur wenigen Monaten verstorben war – die beiden anderen werden im Nachhinein von Viktor Gützlaff anerkannt. Diese Kinder sind:

  • Gertrud Helene Rosalie Gützlaff *16.11.1883 in Oliva oo 1903 in Elbing des Polizeiassistenten Hermann Fritz Otto Richter oo 1918 in Zoppot Johann August Paul Weiß *1877 in Crossen, Pr. Holland (Eltern: der Gutsbesitzer Gustav Robert Weiß u. Ida Henriette Muntau) – Johann August Paul Weiß ist Bürgermeister von Zoppot. Er verstirbt 1940 – Gertrud Helene Rosalie Gützlaff wird am 7. Januar 1941 in Zoppot, in der Franziusstraß 24 tot aufgefunden – als Todesursache wird „Tod durch Erhängen“ angegeben
  • Charlotte Viktoria Käthe Gützlaff *14.11.1885 in Elbing oo am 5.2.1908 in Zoppot den dänischen Ingenieur Carl Peter Hansen. Nur wenige Monate nach der Eheschließung – am 18.12.1909 – verstirbt Charlotte Viktoria Käthe Gützlaff in der Wohnung des Ehepaars in Danzig-Langfuhr, Bahnhofstraße 5
  • Sophie Maria Anna Gützlaff *15.7.1887 in Elbing oo 1933 in Zoppot den aus St. Petersburg stammenden verwitweten Kaufmann Wsewolod von Skossyreff – Kinder konnten nicht ermittelt werden
  • Emilie Helene Gützlaff *23.5.1890 in Elbing oo 1914 in Zoppot den Kaufmann Ernst Paul Bahr, der 1890 in Weißfluss, Kr. Neustadt, Westpreußen, zur Welt kam. Die beiden hatten 2 Kinder: Gisela *1918 u. Wolfgang Bahr *1921.Wolfgang Bahr fällt 1944 im Krieg – die anderen Familienmitglieder versterben 1945 in Guben, Brandenburg.
  • Paul Georg Gützlaff *2.11.1892 in Elbing, zunächst kaufmännischer Angestellter, später Verlagsdirektor der Deutschen Buchgemeinschaft oo 1942 in Blankenfelde, Kr. Teltow Gertrud Kaerber. Nur ein Jahre nach der Eheschließung – am 28 Apr 1943 – wird er in der Wohnung mit durchschnittener Halsschlagader aufgefunden.
  • Gustav Siegfried Georg Gützlaff * 10 Apr 1894 in Elbing oo 1920 in Zoppot Johanna Berta Borbe – das Ehepaar lebt zunächst in Brasilien und wandert von dort 1925 aus in die USA – 1930 wohnen sie in Manhattan, New York

In Elbing wohnt Viktor Gützlaff 1898 mit seiner Familie in der Stadthofstraße Nr. 7a

Elbinger Wohnungsanzeiger von 1898
Zoppot, Danziger Straße 70

Viktor Gützlaff und seine Maria kehren zurück nach Zoppot und leben dort noch bis ins hohe Alter – Viktor wird 80 Jahre alt und verstirbt am 14. Dezember 1919 – Maria erleidet im Alter von fast neunundsiebzig Jahren einen Herzinfarkt und stirbt am 19. Februar 1932. Ihr Tod wird angezeigt von Tochter Sophie Maria Anna Gützlaff, die zu dieser Zeit noch bei ihr wohnt. Das Ehepaar lebt im Haus Danziger Straße Nr. 70.

Leider ist es bislang nicht gelungen, noch lebende Nachkommen von Maria Rosalie Gützlaff, geborene Jacobi, aufzuspüren!

Und auch in Bezug auf Johann Jacob Jahnke, Marias Großvater (Ehemann von Elisabeth Hukowski) gilt es, noch ein Rätsel zu lösen! „Dieser, mein Großvater“ berichtet Maria Rosalie Jacobi „war das natürliche Kind einer Bauernmagd und eines Offiziers, eines südfranzösischen Grafen, der als Emigrant in preußische Dienste getreten und ich glaube bei der Belagerung Danzigs im Danziger Werder bei einem großen Käsebauern im Quartier lag.“ Das fremdländische Aussehen des Großvaters vererbte sich auf Marias Mutter, Maria selbst und auf ihre Tochter Charlotte Viktoria Käthe Gützlaff.

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Zur Begüterung Groß Peisten (Piasty Wielkie)

I. Die Ära der Familie von Kreytzen

Ich habe in vorherigen Beiträgen bereits viel erzählt über die Begüterung Groß Peisten – über besondere Einrichtungen, einzelne Vorwerke und Dörfer oder dort ansässige Familien. (Auflistung siehe unten!) Nun möchte ich einen Überblick geben über die Zeit der Familie von Kreytzen.

Über viele Generationen – von 1547 bis 1815 – befinden sich die Peistischen (bzw. Pehestenschen) Gütern im Besitz der Familie von Creytzen (später von Kreytzen). Erster Besitzer der Familie ist Melchior von Kreytzen (ca. 1475-1550).

„Dessen ältester Sohn und Nachfolger Johann von Kreytzen (1506-1575) erweitert diesen Besitz noch bedeutend durch den Kauf von Buchholz, Hoofe, Worlack, Wiecherst, Schwadtken, Kattlack, Finken mit der sog. Teufelsmühle, Sienken, Egdeln sowie einem großen Teil von Albrechtsdorf. Ferner gehörten ihm noch die verschollenen Orte Kupeiten, Konrads sowie später die Begüterung Klein-Steegen. Die Kreytzenschen Besitzungen mit dem Hauptgut Gr. Peisten waren damals die größten im späteren Kreis Pr. Eylau; außerdem kamen noch 18 Orte in den Kreisen Bartenstein, Gerdauen und Rastenburg dazu.“ (Horst Schulz, die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, S. 430)

Das Hauptgut Groß Peisten
  • Fast 40 Jahre lang – von 1536-1575 – ist der Erbherr von Gr. Peisten Prof. Dr. Johann von Kreytzen Kanzler von Preußen. Er wird als einer der bedeutendsten Staatsmänner seiner Zeit angesehen
  • Erbe der Begüterung wird sein Sohn, der Hofgerichtsrat Albrecht von Kreytzen.
  • Ihm folgt dessen Sohn, Obermarschall Wolff von Kreytzen (1598-1672). Zu seiner Zeit werden Umbauten am Gutshaus vorgenommen – außerdem wird der Gutspark angelegt. Zudem erweitert Wolff von Kreytzen die bereits seit dem 16. Jahrhundert bestehende Büchersammlung, die zu einer der größten und bedeutendsten Preußens wird. Um 1615 wird auch die Kirche erbaut – vorher exisiert lediglich eine Schlosskapelle.
  • Dem letzten Willen seines verstorbenen Bruders Achatius von Kreytzen entsprechend, vermacht Wolff von Kreytzen der Kirche in Peisten die Einkünfte der Dörfer Sargen und Plessen: 940 Mark jährlich. Von diesem Geld sollen 7 Schulen errichtet werden: in Peisten, Hoofe, Guttenfeld, Buchholz, Albrechtsdorf und Blumstein
  • Nachfolger von Wolff von Kreytzen wird zunächst Sohn Wolff Albrecht von Kreytzen aus der 1. Ehe mit Euphemia zu Eulenburg. Dieser tritt sein Nachfolgerecht jedoch ab an seinen Stiefbruder, den Hofgerichtsrat und Kammerherrn Johann von Kreytzen (1643-1712) aus der 2. Ehe seines Vaters mit Regina Truchseß zu Waldburg.
  • In den Rechnungen des Amts Pr. Eylau werden 1703 drei Mühlen aufgeführt, die zur Peistenschen Begüterung gehören: die Mühle in Peisten, in Raaben u. in Finken
– Ausschnitt aus den Amtsrechungen von 1703 –
„Mühlen so denen vom Herrn Stand und Adell gehören“
Amt Pr. Eylau – 1703 – Besitz des Johann von Kreytz(en)
  • Unter Johann von Kreytzen wird das Gutshaus in Gr. Peisten in barockem Stil umgebaut. Er verstirbt im Jahre 1712.
  • Nach seinem Tod folgt Sohn Elias Gottfried von Kreytzen (1689-1743). Am 15. Juli 1723 wird im Hofe von Groß Peisten zwischen ihm und Johann Ludwig Bruno, dem neuen Burggrafen der ‚Adelich Wangnickschen Güter‚ ein ‚Arrende Contract‘ geschlossen.
  • Nachfolger von Elias Gottfried wird Sohn Christian Gottfried von Kreytzen (1717-1773). Bei Lucanus ist 1748 zu lesen: „Der adlige Hof Peisten mit seinen Gebäuden und seinem ansehnlichen Lustgarten fällt jedermann in die Augen.“
Ausschnitt aus der Vasallen-Tabelle von 1748

Christian Gottfried von Kreytzen wird 62 Jahre alt und verstirbt am 4. März 1780 im Hofe von Peisten.Der Pastor vermerkt im Kirchenbuch:

„Den 15. Marti wurde der Hochwohlgebohrne Herr Christian Gottfried von Kreytzen, Lehns- und Erbherr der Peisten- u. Wangnickschen Güther, welcher den 4ten ej im 62. Jahr seines Alters an einer Erstickung starb(,) in seinem Erbbegräbniß beygesetzt.“

  • Christian Gottfried hinterlässt keine Kinder – Erbe wird nun sein jüngerer Bruder Johann Wilhelm von Kreytzen (1719-1791). Zu seiner Zeit befinden sich in Groß Peisten selbst 20 Feuerstellen. Johann Wilhelm von Kreytzen selbst lebt nicht auf der Begüterung Gr. Peisten – er hat sein Gut Sillginnen im Kreis Rastenburg zum Wohnsitz auserkoren.
1778 – Johann Wilhelm von Kreytzen – ‚hält sich in Sillginnen, Rastenburgischen Creyses auf“
  • Am 15. Mai 1791 verstirbt Johann Wilhelm von Kreytzen auf dem Gut Sillginnen. Bestattet wird er jedoch in Groß Peisten. Im Kirchenbuch von Gr. Peisten ist zu lesen: „Den 17. May wurde Herr Johann Wilhelm von Kreytzen, Erb- und Gerichts-Herr der Silginnen und Peistenschen Güther, welcher den 15ten desselben Monats im 69. Lebensjahre zu Sillginnen an convulsivischen Zufällen entschlief, in das hiesige Herrschaftliche Erbbegräbniß und äußre Kirchengewölbe beygesetzet mit einer Leichenpredigt. Sanft ruhe der wahre Religionsverehrer und wahre Menschenfreund!“
  • Außer seiner Tochter Henriette, verehelichte von Lentzke und deren Familie sowie der Familie einer bereits verstorbenen Tochter hinterlässt Johann Wilhelm von Kreytzen einen Sohn namens Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen. Aus seinem 1788 verfassten Testament geht hervor, dass Johann Wilhelm von Kreytzen in großer Sorge um den Fortbestand seiner Güter ist – er will die Verwaltung weder seinem Schwiegersohn noch seinem Sohn überlassen. Über seinen Sohn äußert er sich im Testament wie folgt:

Da ich durch lange Erfahrung und viele Proben überzeugt bin, daß mein Sohn Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen von dem höchsten Gott nicht auf solche Ueberlegung und und Nachdenken begabt ist, daß er der Administration und Bewirtschaftung der ihm zufallenden weitläufigen Lehngüther vorstehen kann, und es zu befürchten, daß mein Sohn sich und seine bereits habende Kinder und Lehnserben, wegen fehlender Einsicht zu Grunde richten würde; so ersuche ich das Köngl.-Ober Vormundschaftliche Landes-Collegium, diesem meinem blödsinnigen Sohne einen rechtschaffenen Curatoren, jedoch mit Ausschluß seiner Schwäger zu setzen, und zuzuordnen, welcher auf die Bewirtschaftung derer Silginnen und Peistenschen Güther, als auf die Conservierung des durch die väterliche Erbschaft ihm zufallenden Vermögens, sorgfältige Acht und Aufsicht habe, und darüber dem Königl.-Landes-Collegium jährlich Rechnung ablege,

Kurz vor seinem Tod bekräftigt Johann Wilhelm von Kreytzen sein Testament und ergänzt:

„Die gantz genaue Beobachtung und Beprüfung der Seelen- Kräfte meines Sohnes Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen, meiner Tochter der Henriette von Kreytzen verehel(ichte) von Lentzke und insonderheit des Gemüths meines Schwieger Sohnes des von Lentzke auf Kudwinnen, bringen mich auf den Entschluß, meine unterm 9ten May 1788 errichtetes und den 10ten May 1788 beym Magistrat zu Landsberg deponirtes Testament und Deposition zwischen meinen Kindern nachstehender Art zu erweitern…

Johann Wilhelm von Kreytzen verfügt, dass seiner Tochter und deren Kindern ein Erbteil zugesprochen wird, dass sich sein Schwiegersohn jedoch auf keine Weise einmischen dürfe, da ihm (dem Erblasser) dessen „zanksüchtiges Gemüth und seine Einbildung, daß ihm bey jeder Gelegenheit Unrecht geschiehet, hinreichend bekannt“ sei und dieser deshalb „von dem Capital auch nicht einen Groschen erhalten solle“.

In Bezug auf seinen Sohn betont Johann Wilhelm von Kreytzen erneut:

Da ich auch in dem unterm 9ten May 1788 errichteten Testament disponiret habe, daß meinem Sohn Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen wegen seiner Schwäche des Verstandes und Ueberlegung ein Curator gesetzet werden soll; so bestätige ich dieses nochmals hiemit ausdrücklich, indem ich vollkommen überzeuget bin, daß mein Sohn leider ! nicht im Stande ist, solche ansehnliche Güter und Vermögen zu verwalten, und damit die Welt nicht glaube, daß ich etwa aus ungerechtem Haß und Ueberredung gegen meinen Sohn handele, so ersuche ich hiedurch Er. Königl. höchstverord-neten Ostpreußischen Regierung, diesen meinen Sohn durch artis peritia mit Zuziehung eines Membri Collegii genau untersuchen zu laßen, und im Fall sich alsdenn meine Angabe völlig gegründet finden wird, diese meine Anordnung zum eigenen Wohl meines Sohnes und meiner Familie kräftigst zu unterstützen und aufrecht zu erhalten.

Das gesamte Testament ist hier zu finden: Testament des Johann Wilhelm von Kreytzen 1791. Für Familienforscher mit Bezug zu Groß Peisten ist dieses von besonderem Wert, da es eine namentliche Liste sämtlicher Gutsuntertanen enthält! Das Testament wurde dem Grünen Hausbuch der adlig Peistischen Güter entnommen, das im GStAPK in Dahlem verwahrt wird. Es wurde bereits vor vielen Jahren transkribiert von Helmut Ramm und seiner Ehefrau.

Als Curatoren des Sohnes schlägt Johann Wilhelm von Kreytzen den Herrn Grafen v. d. Groeben auf Schraegen? vor und als dessen Assistenen Stadtrichter Paulien aus Landsberg, da „derselbe die Inspections-Geschäfte in Peisten … schon so viele Jahre hindurch“ zu seiner größten Zufriedenheit geführt habe. Mit den “ dasigen Guthsleuten“ solle dieser „keine ungewöhnlichen Neuerungen vornehmen“.

Auch die besondere Bibliothek erwähnt Johann Wilhelm von Kreytzen in seinem Testament. Sie soll nicht nur bewahrt, sondern auch erweitert werden. Er verfügt: „Da in dem Hofe zu Peisten eine von meinen Vorfahren gesamlete Bibliothec nebst einiger Raritaeten und Müntzen vorhanden, welche bereits sowohl nach dem Ableben meines GroßVaters Vaters und Bruders als ein gemeinschaftliches Erbguth ohngetrennt verblieben, es auch meiner Familie zum Schimpf gereichen würde, wenn diese schöne Samlung von Büchern und Kostbarkeiten sollte zerrißen und veräußert werden; so ist mein ausdrücklicher Wille, daß meine Erben und Nachkommen diese Bibliothec cum Praetiosis nicht allein beständig auf dem Hofe zu Peisten beybehalten, sondern auch selbige durch Anschaffung guter und nützlicher Bücher, jährlich vermehren sollen“.

Quelle: Erdbeschreibung der preußischen Monarchie9; Hrsg. von M.F.G. Leonhardi; Halle 1791
  • Am 21. Oktober des Jahres 1791 übernimmt Erdmann Friedrich Alexander von Kreytzen die Güter Groß Peisten und Sillginnen.
  • In einer „Rangliste“ sämtlicher ostpreußischer Güter wird der Wert der Begüterung Groß Peisten im Jahre 1805 mit 104.147 Rthlr angegeben.
(Quelle: Leopold Krug, Betrachtungen über den National-Reichthum des preußischen Staats und über den Wohlstand seiner Bewohner; Johann Friedrich Unger, Berlin 1805; Seite 410)
  • Im Kreis Pr. Eylau existieren insgesamt 71 adlige Güter . Dem Wert nach steht die Begüterung Groß Peisten – nach Schrombehnen und Jesau – an dritter Stelle.
  • Nach dem Tod von Erdmann Friedrich Alexander im Jahre 1815 erlischt das Haus Peisten im Mannesstamm
  • Es folgen lange Erbauseinandersetungen innnerhalb der Familie mit vielen Prozessen
  • Die Folge sind Misswirtschaft und Verfall der Begüterung
  • Schließlich obsiegt die Domnauer Linie von Kreytz
  • Um 1830 wird der Landrat Ludwig Constantin Sylvester von Creytz (1753-1831) als Erbherr genannt.
  • Um 1835 übernimmt der Major a.D. Franz Heinrich Anton von Kreytz (1783-1872) die Begüterung
1833 – Leopold Krug ,Die preußische Monarchie; topographisch, statistisch u. wirthschaftlich dargestellt nach amtlichen Quellen‘

1835 – In Groß Peisten werden die Bestände der dortigen Orangerie meistbietend verkauft, „zu welchen unter anderen einige und dreißig ältere Pomeranzenbäume von vorzüglich schönem und kräftigen Wuchs, größtentheils mit Früchten besetzt, mehrere Mandel-. Lorbeer- und Feigen-äume, einige sehr schöne Oleander, drei amerikanische Aloes, jede 66 Jahre alt, und andere seltene Gewächse gehören“.

Kreisblatt Pr. Eylau 1835

Leopold Krug gibt in seinem 1833 in Berlin erschienenen Buch: ‚Die preußische Monarchie; topographisch, statistisch u. wirthschaftlich dargestellt nach amtlichen Quellen‘ die genaue Anzahl der Höfe und Bewohner einzelner Dörfer und Vorwerke an. Allerdings stimmen diese – zumindest auf das Dorf Hoofe bezogen – nicht ganz überein mit dem, was in den Grundakten der Peistenschen Güter angegeben wird.

Laut Leopold Krug leben um 1830 in Groß Peisten und den zugehörigen Dörfern und Vorwerken:

  • Groß Peisten: Vorwerk, 7 Eigenkätner, 5 Handwerker – 268 Einwohner
  • Klein Peisten: 5 Instleute – 37 Einwohner
  • Ponienken: 4 Instleute – 35 Einwohner
  • Dixen: 4 Bauernhöfe, 2 Instleute – 58 Einwohner
  • Albrechtsdorf: 1 Kirche, 1 Vorwerk, 18 Bauernhöfe, 29 Eigenkätner, 3 Handwerker, 6 Instleute – 368 Einwohner
  • Grauschienen: 4 Bauernhöfe, 2 Eigenkätner, 3 Instleute – 80 Einwohner; vor der Regulierung (1819) 8 Bauernhöfe
  • Hoofe: 35 Bauernhöfe, 16 Eigenk., 20 Instleute – 312 Einwohner – vor 1826: 20 Höfe
  • Sienken: Vorwerk – 4 Instleute – 38 Einwohner
  • Hanshagen: 1 Kirche, 18 Erbpachtsgüter, 8 Bauernhöfe, 4 Eigenk., 17 Inst. – 246 Einwohner
  • Egdeln: Vorwerk, 3 Instleute – 24 Einwohner
  • Raaben: eine Wassermühle mit 10 Einwohnern
  • Kattlack: Vorwerk, 3 Instleute – 33 Einwohner
  • Schwadtken: Vorwerk, 2 Instleute – 27 Einwohner
  • Achthuben: Vorwerk, 1 Instmann – 22 Einwohner
  • Finken: 2 Erbpachtsgüter, 5 Bauerngüter, 1 Papiermühle, 1 Mahlmühle, 1 Eigenkätner, 8 Instleute – 109 Einwohner
  • Wiecherts: Vorwerk, 3 Instleute – 18 Einwohner
  • Wangnick: Vorwerk, 7 Instleute – 76 Einwohner
  • Papperten: 7 Bauerngüter, 8 Instleute – 132 Einwohner
  • Buchholz: 1 Kirche, 1 Vorwerk, 19 Bauernhöfe, 17 Eigenkätner, 7 Handwerker, 13 Instleute – 249 Einwohner

Im Jahre 1837 werden die ‚Adelig Peistenschen Güter‚, deren Wert 1835 auf 115. 373 Taler geschätzt wurde, aus wirtschaftlichen Gründen zur Subhastation ausgeschrieben.

Inserat in der Preußischen Staatszeitung

Zusammen mit seinem Schwager, dem Hauptmann Franz von Kortzfleisch kauft Ernst von Wedell die Begüterung für 85.ooo Taler.

Franz Heinrich Anton von Kreytz wohnt fortan in Landsberg, wird Ehrenbürger der Stadt und stirbt dort im Jahre 1873.

1837 – Ausschnitt aus der Vasallen-Tabelle

Weitere Beiträge aus der Zeit der Familie von Kreytzen

Fortsetzung folgt!

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Das, was wir unser Leben nennen ….

„Das, was wir unser Leben nennen“, sagt der große Chirurg und eifrige Genealoge Ernst von Bergmann im Vowort zu seiner Familienchronik, „ist nicht ein zwischen Geburt und Tod Abgeschlossenes, vielmehr ein Empfangenes und Fortgesetztes, eingereiht in eine Kette, deren Glieder vom Anbeginn der Welt bis ins Unendliche ineinander greifen. Ererbt von den Vorfahren, wird das Leben vererbt auf die Nachkommen. Es ist nicht plötzlich frei und unabhängig aus einer zufälligen Mischung von Elementen hervorgegangen, sondern gebunden an eine Reihe vorangegangener und regelrecht sich folgender Geschlechter.

Nur in einer kurzen Spanne Zeit, die zwischen seinem Kommen und Gehen liegt, hat der einzelne Mensch das Bewußtsein von seinem Leben und das Vermögen, über seines Daseins Grund und Zweck zu sinnen und zu denken. Die Erinnerung führt ihn an das erste Glied der Kette, an welcher sein eigenens Leben hängt, an die für ihn noch erreichbaren Gestalten von Vater und Mutter. Er weiß, dass sie ihn ins Lebens führten, in eine bestimmte gesellschaftliche Stellung und auf eine bestimmte Entwicklungsbahn, und dass er, was er ist, ihnen schuldig ist.

Der denkende Mensch kann nicht anders, als weiter zu fragen: Wie aber wurden die Eltern das, was sie waren? Wie unser physisches Leben selbst, so ist auch alles, was mit und an uns geschehen, ein aus Anderen Gewordenes und die Folge einer geschichtlichen Entwicklung. Wie sollten wir da nicht gern in diese Geschichte uns versenken und in der Vergangenheit der Voreltern suchen, wie wir zur eigenen Gegenwart gekommen sind?

In jedem der aus- und absteigend miteinander verbundenen Einzel-Leben wiederholen sich, wie vor Tausend Jahren so auch heute, die überall gleichen Naturformen des Menschen mit den ihnen innewohnenden Eigenheiten: Geburt und Wachsen, das spielende Kind, der stürmische Jüngling, der Zug der Geschlechter zueinander, Freundschaft und Liebe, Werbung und Ehe, Arbeit und Muße, Streben und Begierde, Warnung und Rath, Sitte und Stammesgemeinschaft, Krankheit, Schwäche, Alter und Tod. Eingeschlossen in diesen Ring sind die Erlebnisse eines Jeden.

Man mag nicht mit jeder Formulierung übereinstimmen, aber ich finde, es lohnt sich, über diesen Text nachzudenken. Er stammt aus dem Vorwort der Familiengeschichte, die Ernst Gustav Benjamin von Bergmann (1836-1907) im Jahre 1898 für seinen Sohn verfasste. Ernst von Bergmann entstammt einer deutsch-baltischen Familie und wird in Riga geboren. Den 1. Teil dieser Familienchronik findet man hier – auf der Seite der Universität Tartu.

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Er wäre nicht werth, ein Preuße zu heißen!

Bei der Recherche meiner Vorfahren interessieren mich von jeher nicht nur ihre Namen und Daten – ich bemühe mich immer, möglichst viel über ihre Lebensumstände herauszufinden. Ich versuche, mich in ihre Zeit und ihren Lebensraum zu ‚beamen‘, weil ich wissen möchte, unter welchen Bedingungen sie lebten, welchen Einflüssen sie ausgesetzt waren und wie sie sich dabei wohl gefühlt haben mögen ….

Das Leben meiner ostpreußischen Vorfahren in der Gegend von Landsberg, Pr. Eylau, wird ganz besonders stark beeinträchtigt von den Auswirkungen der Napoleonischen Kriege. Familien, die in und um Landsberg herum lebten, konnten sich den Kriegswirren gar nicht entziehen, da sich die Soldaten mehrfach in der Stadt aufhielten oder durch ihre Heimatorte zogen, an verschiedenen Stellen biwakierten und von den Anwohnern verpflegt werden mussten.

Als der nachfolgende Aufruf des preußischen Generals von Bülow im Dezember 1813 im ‚Amts-Blatt der Königlich Preußischen Regierung‚ veröffentlicht wird, ist die berühmte Schlacht bei Pr. Eylau bereits geschlagen – die kriegerischen Auseinandersetzungen dauern jedoch an und es werden nach wie vor junge Männer benötigt, die bereit sind, für König und Vaterland ‚ins Feld der Ehre‘ zu ziehen!

Kavallerieangriff zu Eilau, Gemälde von Jean-Antoine-Siméon Fort (1793–1861). Marschall Murat attackiert mit 10.700 Mann die russischen Linien (Wikipedia)

Im Jahr 1813 ist mein Vorfahre Ernst Wilhelm Gegner 31 Jahre alt und lebt als Leinewebermeister und Krüger in EichhornFriedrich Westphal (34) ist Müller in Eichen Carl Matern (ab 1818 in Hoofe) ist 31 Jahre alt. Sie werden sicherlich bereits gekämpft haben. Von Carl Matern weiß ich dies mit Sicherheit, da ihm 1864 für seinen Dienst am Vaterland‚ eine Erinnerungs-Kriegs-Denkmünze verliehen wird.

Aber wie mag Carl Sigismund Ankermann, der zu dieser Zeit als 14jähriger Jugendlicher im Kruge von Groß Peisten lebt, auf einen solchen Aufruf reagiert haben …?

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Koenigsberg_1813.jpg

Aufruf an die Jünglinge des Vaterlandes

Ein Jahr ist beinahe verflossen, seitdem unser geliebter Monarch die Jünglinge aus Seinen Staaten zur Rettung des Vaterlandes, zur Rettung unserer Freiheit und Selbständigkeit zu den Waffen rief. Mit hohem Muthe folgte die Blühte unserer jungen Männer der Stimme ihres Königs; – sie drängten sich zu seinen Fahnen, zu fechten für die gerechte heilige Sache; große Opfer wurden von allen Seiten ohne Unterschied des Standes und Geschlechts gebracht, und das Vaterland, Teutschland ist frei geworden. Aber noch ist der große Zweck unsres Kampfes nicht erreicht, noch verschmäht der stolze Unterdrücker den gerechten dargebotenen Frieden! Eher dürfen unsere Anstrengungen nicht aufhören, bis dieser erkämpft ist.

Von den edlen Jünglingen, die sich vor einem Jahre bei den freiwilligen Detachements sammelten, hat seitdem Mancher mit seinem Blute ehrenvoll die Siege erringen helfen, die unsern National- und Waffenruhm so hoch verherrlicht haben, viele sind mit Beförderung in die Armee versetzt. Diese schönen Institute, durch die höchsten Bürgertugenden, Vaterlandsliebe und Heldenmuth gebildet, bestimmt, die Pflnazschule für die Offiziere der Armee zu werden, müßten endlich aussterben, wenn sie keinen Zuwachs erhielten.

An Euch, Ihr Jünglinge meines Vaterlandes, wende ich mich daher, die Ihr früherhin vielleicht noch nicht das erforderliche Alter und die Kräfte hattet, um mit den Gefährten Eurer Jugend ins Felde der Ehre zu ziehen, oder die Ihr durch irgend eine andere Ursache damals von Eurem Vorsatz abgehalten wurdet. Kommt, eilt zu den Panieren Eures Königs und Vaterlandes; schließt Euch an Eure vaterländischen Regimenter an! Ehre, Ruhm und Beförderung warten Eurer. Mit Freundschaft werdet Ihr unter uns aufgenommen werden! Die respektiven Gouvernements und Eure Obrigkeiten werden Euch zu Eurer Reise alle mögliche Hülfe leisten.

Wer von Euch könnte taub bei der Stimme des Vaterlandes und der Ehre bleiben? Gewiß ist keiner unter Euch, der in Zukunft erröthend sagen müßte: ich allein, ich habe für König und Vaterland nicht gefochten, und ich allein habe an dessen Ruhm und Siegen keinen Theil. Er wäre nicht werth, ein Preuße zu heißen! Das Vaterland müßte ihn mit Unwillen ausstoßen, und den Namen Sohn verweigern.


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Die Suche nach Gertrudis Vogel im Kirchenbuch von Dollstädt

In der kleinen Kirche von Dollstädt im Kreis Pr. Eylau (heute Krasnonamenskoje) wurden eine Reihe meiner Vorfahren getauft, heirateten dort oder wurden auf dem zugehörigen Friedhof bestattet.

„Dollstädt war eines der wenigen adligen Dörfer (im Kreis Pr. Eylau), das in über 350 Jahren nur 2 Besitzerfamilien hatte“ berichtet Horst Schulz in seinem Buch ‚Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau‘ auf Seite 179. Dies waren die Familie von Rippe und – von 1530 bis 1820 – die Familie von Podewils auf Penken.

Da Familienforschung üblicherweise so funktioniert, dass im Laufe der Zeit mehr und mehr Vorfahren hinzukommen, kann es geschehen, dass man bei seiner Recherche immer mal wieder dieselben Kirchenbücher durcharbeiten muss.

In den Kirchenbücher von Dollstädt landete ich häufiger, denn in ihnen sind nicht nur meine Ankermann-Vorfahren verzeichnet, die schon um 1640 im Dorf Seeben lebten, sondern auch die Taufe meines Vorfahren Johann Wilhelm Hellwich konnte ich dort im August des Jahres 1690 finden. Sein Vater Johann ist Schneider in Dollstädt – der Name seiner Mutter wird mit ‚Gertraud‚ angegeben. Bei der Taufe der Zwillinge Eva und Michael Hellwich im September 1697 wird jedoch nicht nur ihr Vorname, sondern auch ihr Familienname eingetragen – Getraude Vogel!

Ich war ziemlich sicher, dass sie eine Tochter des Dollstädter Schulzen George Vogel und dessen Ehefrau Barbara sein muss, denn im Kirchspiel lebt zu dieser Zeit nur eine einizige Vogel-Familie. Die Suche nach Getrauds Taufeintrag gestaltete sich allerdings schwierig! George und Barbara Vogel lassen von 1645-1666 insgesamt 10 Kinder taufen, aber ‚meine Getraud‘ war nicht dabei! Es gab jedoch eine ‚Tauf-Lücke‘ in der Zeit von 1656 bis 1661.

Beim erneuten Durchblättern – Seite für Seite von Beginn an – stellte ich ein ziemliches Chaos im Kirchenbuch fest: von 1638 bis zum Jahr 1676 ist zunächst alles in Ordnung – dann taucht pötzlich eine Seite mit Taufeinträgen aus dem Jahr 1656/57 auf – bevor es wieder weitergeht mit den Taufen des Jahres 1677 – und immer mal wieder wurden einzelne Seiten von Taufeinträgen eingeschoben, die eigentlich an eine ganz andere Stelle gehört hätten.

Letztlich fand ich den Taufeintrag meiner Vorfahrin Gertraud bzw. Gertrudis Vogel (*1659) doch noch – inmitten der Heiratseinträge der Jahre 1724 und 1725 und den einer Schwester namens Dorothea Vogel (*1657) inmitten der Taufeinträge des Jahres 1677,

Taufe von Gertrudis Vogel – 1659

Über das Chaos im Kirchenbuch von Dollstädt

Für diejenigen, die ebenfalls nach Vorfahren im Kirchspiel Dollstädt suchen, die dort in der Zeit von 1650 bis 1700 lebten, habe ich einige Hinweise zusammengestellt. Die angegebenen Bildnummern beziehen sich auf die Anzeige bei Ancestry.

Es geht um das älteste Kirchenbuch von Dollstädt, das die Taueinträge von 1638 bis 1728 und die Heiratseinträge von 1685 bis 1728 enthält. Zunächst stimmt die Reihenfolge – dann beginnt das Durcheinander!

  • Bild 14-199 – Taufen 1638 bis 1676
  • Bild 200 – Taufen 1656/57
  • Bild 201-204 – Taufen 1677
  • Bild 205 – Taufen 1657
  • Bild 209 plötzlich Taufen ab September 1686
  • dann wieder weiter mit 1678
  • Bild 212 Taufen von 1657
  • Bild 216 – eine Seite Taufen 1658
  • Bild 217 und 218 Heiraten 1685-1692

  • Bild 219 wieder eine Seite Taufen von 1658
  • dann weiter mit Heiraten 1692-1712
  • Bild 224 – 1 Seite Taufen von 1658 eingeschoben
  • Bild 229 – 1 Seite Taufen von 1659 eingeschoben – Taufe von Gertrudis !!!
  • dann wieder laufende Heiraten – bis 1725-1727
  • Bild 231 – Taufen von 1681
  • Bild 233 – 1 Seite Taufen von 1659

Weitere Beiträge zu Dollstädt:

Familie Hellwich in DollstädtDollstädt, Pr. Eylau – Краснознаменское

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Familie Reimer in Landsberg, Pr. Eylau

Über den Schlossermeister und Kaufmann Emil Gustav Reimer, der im Jahre 1871 im ostpreußischen Landsberg zur Welt kam, seine Heimatstadt weder während des Krieges noch nach dem Krieg verlassen wollte, sondern dort 1959 verstarb, habe ich bereits hier geschrieben. Auf dem folgenden Bild, das mir freundlicherweise von einem seiner Enkel zugesandt wurde, sieht man Emil Gustav Reimer mit seiner Familie: seiner Ehefrau Margarethe Johanna Bass – ebenfalls in Landsberg geboren als Tochter des Besitzers und Posthalters Carl Ferdinand Bass und dessen Frau Justine Jacobine geb. Mey – sowie den beiden Söhnen Herbert Emil Carl *1903, Walter Gustav *1906 und der kleinen Tochter Käthe Margarete Henriette Reimer *1911 in Landsberg.

Familie Reimer ist zu dieser Zeit schon seit mehreren Generationen in Landsberg ansässig – Emil Gustavs Urgroßvater Johann Gottfried Reimer wird bereits um 1790 als Kämmerer und Ratsverwandter der Stadt genannt. Sein Sohn Friedrich Gustav Reimer, der 1796 in Landsberg zur Welt kommt, wird zunächst Privatschreiber und anschließend Steueraufseher. Am 29.11.1824 heiratet er in Landsberg Charlotte Tugendreich Christange(r), eine Tochter des Landsberger Schlossermeisters Carl Friedrich Christange(r) und dessen Ehefrau Sophia Maria Moeck. Ihr 1832 geborener Sohn Emil Gustav Reimer wird ebenfalls Schlossermeister – seine spätere Ehefrau Heinriette Squarr stammt aus Roditten im Kirchspiel Klein Dexen. Diese beiden sind die Eltern des oben abgebildeten Schlossermeisters und Kaufmanns Emil Gustav Reimer.

Das folgende Foto entstand viele Jahre später – während des letzten Weihnachtsfestes, das die Familie im Jahre 1944 in ihrem Landsberger Haus gemeinsam feiern konnte.

hinten rechts auf dem Sofa Emil Gustav Reimer und seine Ehefrau – links neben ihnen: Käthe (s.o) mit Sohn Michael – auf dem Fußboden sitzend Käthes Bruder Herbert (s.o.), hinter ihm seine Ehefrau mit Tochter Renate
Das Reimer-Haus am Landsberger Marktplatz – auf diesem Bild ist es nicht mehr im Besitz der Familie, das kleine Haus daneben existiert heute nicht mehr

Und hier ein Blick in den ehemaligen Garten der Familie, den Emil Gustav Reimer auch in seinem Tagebuch erwähnt, das erst im vergangenen Jahr bei Bauarbeiten in der Stadt gefunden wurde,

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Ostpreußische Störche und Familie Steinort in Schönfließ

Die Einleitung dieses Beitrags mag zunächst erstaunen, aber wenn man etwas weiterliest, wird der Zusammenhang zu meinen genealogischen Forschungen deutlich!

Im Jahre 1773 erscheint das „Dreizehnte Stück“ der Reihe „Der Naturforscher„, in dem verschiedene gelehrte Menschen ihre Untersuchungen oder Beobachtungen beschreiben. So erzählt beipielsweise Herr Professor Sanders von einem Rhinocerus in Versailles – J.H. Chemnitz berichtet von der „Würklichkeit des Nordischen Kraken„, Herr Pastor Meineken von „Merkwürdige(n) Steinarten aus der Gegend bey Oberwiederstedt“ … Man findet aber auch einen Beitrag des Herrn Consitorialrath Bock aus Königsberg, in dem es um das Verhalten ostpreußischer Störche geht!

Herr Bock bezieht sich auf Beobachtungen des Priesters Wojciech Tylkowski, die dieser in seinem 1682 veröffentlichten Buch Physica curiosa beschrieb. Dabei handelt es sich um …

„eine sehr seltame und wunderbar scheinende Handlung: wie sie (die Störche) nemlich alle 4 Jahre, ehe sie mit Anfange des Herbstes aus dem Lande zogen, auf einer großen Wiese sich versammleten, die Reihen und Ordnungen stellten und einige aus ihren Mitten nicht anders als Könige und Richter aussonderten. Vor dieselbe (=von diesen) wurden einige nicht anders als Übelthäter aus ihrem Haufen geführet, und jenen vorgestellt, welche darauf nach einigem Verlauf der Zeit von anderen herzufliegenden Störchen, sowie von Nachrichtern und Henkern, mit dem Schnabel getödtet würden. Diese Arth von Gerichtstagen soll länger als einen Tag wehren, worauf sich die Störche, nicht anders, als wenn sich ihr Reichstag geendet, haufenweise davon machen“.

Und nun kommen meine Vorfahren ins Spiel, denn Herr Bock fährt fort: „Diese Nachricht scheinet zwar unglaublich; inzwischen versichern doch einige, daß sie auch diesen Reichstag der Störche und die Hinrichtung einiger Übelthäter angesehen; unter andern bezeuget ein verständiger, glaubwürdiger Mann, ein Schulze aus dem Dorfe Schönfließ, nahe bey Königsberg, Namens Steinort, ob(wohl) ihm gleich das, was Tylkowski geschrieben, völlig unbekannt war, daß er alles so, wie dieser es berichtet, mit seinen eigenen Augen einigemal angesehen, und die Wahrheit dessen allenfalls auch mit einem Eide bekräftigen könne“.

Diese Schulzen-Familie namens Steinort im Dorfe Schönfließ bei Königsberg gehört zu meinen Vorfahren und – wie man liest – hat es sie wirklich gegeben! Wenn ich einen derartigen Hinweis auf meine Ahnen entdecke, werden sie für mich sofort lebendig – sie waren in der Lage, auf den Feldern Störche zu beobachten und über ihre Beobachtungen zu sprechen – sie verwandeln sich in „echte Menschen“ und sind nicht mehr nur leblose Einträge aus Kirchenbüchern …

Schönfließ gehörte zum Kirchspiel Se(e)ligenfeld. Im Jahre 1652 wird die dortige Pfarrstelle übernommen von Pfarrer Erich Paysen (=Ericus Payses) aus Husum. Das erste Eheppar, das von ihm nach seinem Dienstantritt in Seligenfeld vermählt wird, sind meine Vorfahren Regina Steinort und Georg Derschau.

Am 25. Juli notiert der Pfarrer im Kirchenbuch: ‚1652 DN VI post. Trin. habe ich meine erste Trauung verrichtet und sind ehelich miteinander vertrawet worden Georg Derschaw Krüger von Ludwigswalde, u. J. Regina, Michell Steinorts, Schulzen von Schönfl(ieß) T(ochter)‘.

Michael Steinort (=Michel Steinorth) wird im Kirchenbuch von Seligenfeld erstmals im Jahre 1620 bei der Taufe seines Sohnes Andreas erwähnt – in diesem Jahr beginnen die Kirchenbücher dieses Kirchspiels. Es folgen seine Kinder Henrich *1623 – Peter *1626 und meine Vorfahrin Regina Steinort *1628.

Die Fotos der Kirche von Seligenfeld stammen von dieser Seite: http://www.tonbildfilmarchiv.de/seligenfeld/bilder.html

Der Kelch aus dem Jahr 1614 vom Meister Merten Gross mit der Randschrift: „AO 1614 Seligenfeld, Fridericus Sommer Pfar H.    Wilhelm v. Aweiden Kast. H.    CR. Petter.    A. L. Hintz.    Nic Steinort.    H. Klein. Kirchenväter“

In der Zeit von 1620 bis 1630 wohnen im Kirchspiel Seligenfeld außer Michael noch weitere erwachsene Steinort-Personen, die in einer Reihe von Taufeinträgen als Paten genannt werden: Andreas – Hans – Helena – Lorenz (auch Laurenz oder Laurentius).

Nach Michael Steinort wird das Schulzenamt in Schönfließ übernommen von dessen Sohn Peter, der im März 1626 zur Welt kommt. Er wiederum übergibt das Amt an seinen 1658 geborenen Sohn Michael Steinort.

Dieser Michael Steinort verlässt sein Heimatdorf – 1689 heiratet er in der Haberberger Kirche zu Königsberg in zweiter Ehe Maria Lemcke, eine Tochter des Köllmers Christoph Lemcke aus Ponarth. Von nun an – bis ins 20. Jahhundert hinein – leben in Ponarth noch Nachkommen der Familie. Auch das dortige Schulzenamt wird über lange Zeit von der Familie Steinort ausgeübt.

Das Schulzenamt in Schönfließ hat Michael Bruder Lorenz Steinort (*1677) inne, der in erster Ehe mit Elisabeth Korsch, einer Tochter des Köllmers Michael Korsch aus Ponarth verheiratet ist. Seine zweite Ehefrau – Maria Kempff – ist eine Tochter des Domnauer Gerichtsverwandten Michael Kempff. Sowohl im Dorf Schönfließ als auch im Kirchort Seligenfeld wird das Amt über mehrere Generationen innerhalb der Familie Steinort weitergegeben.

  • in Schönfließ zunächst an Christoph Steinort (* 1711 – Sohn von Lorenz und Maria Kempff) – verheiratet mit Anna Maria Belgard, einer Tochter des Arrendators Jacob Belgard in Rathshof bei Königsberg
  • in Seligenfeld an dessen Bruder Johann(es) (* 1709 – Sohn von Lorenz und Maria Kempff) – verheiratet mit 1. Elisabeth Liedtke (Lütke), einer Tochter von Johann L., Köllmischen Freien u. Gastgebers im Kruge zu Schönfließ – 2. mit Dorothea Strantz, Tochter des Krügers Johann St. aus Haffstom)
  • Bruder Lorenz Steinort (*1718 in Schönfließ) heiratet 1743 in Quednau Barbara Elisabeth Lengni(c)k, eine Tochter des dortigen Freicöllmers Christoph Lengni(c)k
  • und Christian Steinort (*1723 – der jüngste Sohn von Lorenz und Maria Kempff) heiratet 1745 Anna Maria Lengni(c)k, eine Schwester der obigen Barbara Elisabeth
  • auch Lorenz und Christian üben zeitweise das Schulzenamt in Schönfließ aus – vermutlich nach dem Tod eines ihrer Brüder. Da die Sterbeeinträge des Kirchspiels Seligenfeld nicht mehr vorhanden sind, lässt sich dies nicht mehr genau feststellen.

Nachkommen der aus Schönfließ stammenden Steinort-Familie findet man später u.a. auch als Bürger und/oder Branntweinbrenner in Königsberg

Noch 1919 soll es auf dem Haberberger Friedhof südlich der Kirche im Rasen einen großen, schön verzierten Stein gegeben haben – das Erbbegräbnis für Lorentz Steinort (1734-1792) und seine Familie – seine 1. Ehefrau Maria Elisabeth Lubbe (1737-1781) sowie seine 2. Ehefrau Marie Elisabeth Matz (1738-1791) – Quelle: Kartei Quassowski

Dieser Lorenz wurde in Seligenfeld als Sohn des o.a. Ehepaars Johann Steinort und Elisabeth Liedtke (Lütke) geboren. Auch in einem früheren Beitrag wird er bereits erwähnt! Als Kirchenvorsteher, Branntweinbrenner und Eigentümer auf dem Unterhaberberg verstirbt er am 30. Dezember 1792 im Alter von 60 Jahren an Entkräftung.

sein Sterbeeintrag im KB Haberberg
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Margarethe von Batocki (1872-1909)

Margarethe von Batocki wird am 10.3.1872 in Ratshof bei Königsberg als Tochter des Gutsherrn von Tharau Rudolf Tortilovitz von Batocki und seiner Ehefrau Paula, geb. von Gramatzki, geboren.

Sie wächst auf dem elterlichen Gutshof in Tharau im Kreis Pr. Eylau auf. „Im Gegensatz zu ihrer kleinen, dunklen, sehr temperamentvollen Schwester Erminia war Margarethe ein ruhiges, artiges Mädchen, lang aufgeschossen und blond. Sie spielte wenig, arbeitete als Kind schon sehr fleißig und eigen an umfangreichen Kreuz- und Lochstickereien, lernte bei Gouvernanten, nahm Zeichen- und Malunterricht, brachte jungen Dorfmädchen das Nähen und Sticken bei, erfüllte einige häusliche wie gesellige Pflichten, besuchte jeden Winter ein Paar Bälle und Opern in Königsberg. Weil sie von Jugend an kränkelte, konnte sie an Heiraten nicht denken!“ berichtet ihre Nichte Hedwig von Lölhöffel.

(Wikipedia: Hedwig von Lölhöffel (1913–1986) war die Tochter von Erminia von Olfers-Batocki und letzte Besitzerin des Gutes Tharau. Sie schrieb u. a. Tharau liegt woanders. Ein Lied, ein Dorf und seine Menschen (Düsseldorf 1987). 1973 erhielt sie den Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen für Literatur).

Schwester Erminia wird eine bekannte Schriftstellerein – Margarethes Hobby ist das Fotografieren! „Sie richtete im früheren Ordensschloß, dem Tharauer Gutsspeicher, eine Dunkelkammer ein, entwickelte alle ihre Bilder selbst und machte zahllose rotbraun getönte Abzüge als Geschenke für Verwandte und Tharauer. Der täglich stundenlange Aufenthalt in der lichtlosen Kammer, das dauernde Einatmen der Essenzen förderten nur noch ihr Knochenleiden, an dem sie siebenunddreißigjährig starb“. (Hedwig von Lölhöffel)

Zusammen mit seiner Tharauer Dorfchronik konnte der Tharauer Pfarrer Boldt etwa 60 Fotos von Margarethe von Batocki in den Westen retten. Im Bildarchiv Ostpreußen werden zahlreiche Tharauer Bilder gezeigt, die um 1900 „von unbekannten Verfassern“ aufgenommen wurden.

Ich kann mir vorstellen, dass die nachfolgenden Fotos – aus dem Bestand des Bildarchivs – von Margarethe von Batocki stammen, denn laut Hedwig von Lölhöffel versuchte sie „im Bild festzuhalten, was werktags und feiertags auf dem Gut geschah: die Frau Kämer klingelt an der aufgehängten Pflugschar zur Mittagspause (Bild 4) – Frau Venohr schöpft Wasser aus dem Ziehbrunnen – Schäfer Thurau zeigt seine jüngsten Zwillingslämmer (Bild 2)“. Bild 1: Landarbeiter – Bild 3: Kutscher Riegel und Frau – Bild 5: Bauer Radau mit 2 Handwerkern beim Brunnenbau – Bild 6: Auf dem Feld beim Kartoffellesen – Bild 7: Arbeiterfrauen warten auf den Lohn – Bild 8: Hirt Gottfried Marx (1839-1917) und sein Hund.

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