Sitten und Gebräuche in Ostpreußen

Nach Erhard Riemann, ‚Ostpreußisches Vokstum‘; Beiträge zur geographischen Volkskunde Ostpreußens; Ost-Europa-Verlag, Königsberg, 1937 .

Erhard Riemann wurde am 3.4.1907 in Kraußen, Kreis Königsberg geboren und verstarb am 21.3.1984 Kiel. Sein Vater KARL Gustav Riemann war Lehrer und Kantor in Dt.Thierau.

In den Jahren 1929 bis 1931 zog er mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf, um sich selbst ein möglichst genaues Bild von Sitten und Gebräuchen der Umgebung seiner Heimat zu machen – in 350 Tagen besuchte und bearbeitete er auf diese Weise 233 Dörfer. Das von ihm bearbeitete Gebiet hatte eine Breite von etwa 40 km – eine Länge von 105 km. Seine Abhandlungen enthalten auch eine Karte dieses Gebiets.

Anhand selbst erstellter Fragebögen befragte Erhard Riemann nur im Ort geborene Personen (’nicht zu jung und nicht zu alt‘) und wählte diese aus allen Bevölkerungsschichten (’nicht zu gebildet und nicht zu einfältig‘). Die von Erhard Riemann entwickelten Fragen bezogen sich auf folgende Bereiche: ‚Haus- und Hofformen‚ – ‚Bräuche im Jahreslauf‘ und ‚Bräuche im Menschenleben‚. Einige Ergebnisse seiner Befragungen:

Bräuche im Menschenleben

Schwangerschaft

Eine schwangere Frau soll bestimmte Tätigkeiten vermeiden, die sich ungünstig auf das Kind auswirken können: kein ‚gähnendes Tier sehen‘ (Kind bekommt einen Wolfsrachen – keine häßlichen Menschen oder Tiere ansehen (Kind wird häßlich) – nicht ins offene Grab sehen (Kind stirbt bald) – nicht durch Ritzen oder in Flaschen sehen (Kind schielt) …

Geburt und Taufe

Die Nachgeburt wird im gesamten Gebiet vergraben (schädliche Einflüsse) – solange das Kind nicht getauft ist, ist es bösen Mächten ausgesetzt – mit einem ungetauften Kind geht man nicht aus dem Hause (Heiligenbeil und Pr. Eylau: in keinem Fall über die Grenze)

Bräuche im Jahresverlauf

Weihnachten

Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann sind fester Bestand des Festes – im Kreis Heiligenbeil war der Weihnachtsbaum um 1850 noch fast unbekannt – stattdessen baute man ein ‚Wintajreensboomke‘ (drei übereinander stehende Äpfel, die mit Holzstöckchen zusammengespickt waren – der unterste Apfel hatte 4 Stäbchen als Füße, der oberste trug ein Licht – die Äpfel waren mit Wintergrün bedeckt und manchmal etwas vergoldet)

Im Kreis Pr. Eylau sang füher der Nachtwächter in der Weihnachtsnacht und wurde dafür beschenkt.

Leider habe ich mir so viele andere von Erhard Riemann beschriebene Sitten und Gebräuche nicht notiert als ich das Buch vor vielen Jahren in den Händen hatte. Schön wäre, wenn jemand diese Zusammenstellung ergänzen könnte …

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1 Antwort zu Sitten und Gebräuche in Ostpreußen

  1. Maarten Dietrich Gutt sagt:

    Hallo Irmi!

    Das Buch von Riemann kannst du unter folgenden Link: http://dlibra.bibliotekaelblaska.pl/dlibra/doccontent?id=7922&dirids=1 herunterladen!

    Viele Spaß!
    Maarten

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