Weihnachts- und Neujahrsbräuche in Ostpreußen

Das diesjährige Weihnachtsfest ist vorbei – aber dennoch interessierte mich, wie  wohl meine ostpreußischen Vorfahren früher gefeiert haben. Manche Bräuche erinnern an unser heutiges Fest, andere muten ziemlich fremd an …

Nach Erhard Riemann, ‘Ostpreußisches Vokstum’; Beiträge zur geographischen Volkskunde Ostpreußens; Ost-Europa-Verlag, Königsberg, 1937

Weihnachtsmann und Weihnachtsbaum gehören auch in Ostpreußen zum Weihnachtsfest, sind jedoch vor 1820 kaum nachweisbar. Im Kreis Heiligenbeil ist der Weihnachtsbaum um die Mittes des 19. Jh. noch fast unbekannt – stattdessen baute man einen „Wintajreensboomke„. ‚Er bestand aus drei übereinanderstehenden Äpfeln, die mit Holzstückchen zusammengespickt waren. Der unterste Apfel hatte vier Stäbchen als Füße, während der oberste ein Licht trug. Die Äpfel waren ganz mit Wintergrün besteckt und manchmal noch etwas vergoldet‘. (Riemann; S. 194).

Erhard Riemann stellt 1934 fest, dass sich die von ihm befragten alten Leute fast alle  erinnern, dass es den Weihnachtsmann in ihrer Jugendzeit kaum gegeben habe . Dieser Brauch sei erst allmählich aufgekommen. Fast überall erscheint der Weihnachtsmann nur innerhalb der Familien – selten zieht er im Dorf von Haus zu Haus.

Am Weihnachtsabend beschenkt man sich gegenseitig. ‚In Alt-Passarge, Heiligenbeil gingen früher arme Kinder Gaben sammeln. In Schönfließ Rast(enburg) weiß man noch, daß früher der Lehrer mit einigen Kindern in die Häuser ging und Weihnachtslieder vorsang. Dafür legte jeder bei der Abführung des Dezems 10 Pfennige zu.‘ (Riemann; S. 195)

Im Kreis Pr. Eylau – in den Orten Parösken, Sortlack und Spittehnen – erzählten die Bewohner, dass der Nachtwächter früher während der Weihnachtszeit gesungen habe und dafür beschenkt worden sei. In diesen Orten und auch im Ermland blieb auch vorchristliches Brauchtum erhalten – überall im Ermland ‚aß man am 1. Weihnachtstfeiertag ein Erbsengericht zu Mittag,  häufig sogar jetzt noch (Anmerkung: 1934) : die Weihnachtserbsen, da winaxtsärta, seltener  hilja kristärfta (Spittehnen, Pr. Eylau; Schönfließ, Rastenburg), die man sonst im deutschen Sprachraum als Sivester -oder Neujahrsgericht kennt. Es sind immer weiße Erbsen, die mit Speck gekocht sind. Manchmal gibt es auch Wurst dazu.‘ (Riemann; S. 195)

Diese Erbsenspeise gilt als ‚Segen bringend‚ und wird daher zu wichtigen Anfangsterminen gegessen. Dass diese Speise am 1. Weihnachtstag verzehrt wird, hängt damit zusammen, dass der 25. Dezember im 4. Jh. von Rom als Jahresbeginn festgelegt worden war und im Jahre 1350 eine Kirchenversammlung zu Köln diesen Tag als Jahresanfang festgesetzt hatte. In evangelischen Regionen ist dieser Brauch jedoch nur vereinzelt zu finden – vor allem in Orten nahe der ermländischen Grenze.

Auch eine Reihe sogenannter ‚Abwehrbräuche‚ erinnern daran, dass der Weihnachtstag ehemals als Anfang des neuen Jahres angesehen wurde. Böse Mächte sollten durch alle möglichen Bräuche vertrieben werden. In einigen Orten legte man beispielsweise Stahl auf Türschwellen oder in Krippen oder man machte Kreuze an Stalltüren.

‚Im Kreis Pr. Eylau in der Gegend um Landsberg buk man noch bis kurz vor der Jahrhundertwende zu Weihnachten Tierfiguren, die sonst nur am Neujahrtage üblich sind. In Kildehnen, Heiligenbeil gab es früher ein Weihnachtsbrot, das mit Wrukenstücken verziert war. „Da istder Hase herübergelaufen“ sagte man.“‚

Weitere Bräuche, die am 1. Weihnachtstag verschiedentlich ausgeübt wurden:

  • es darf kein Perd geputzt werden
  • die Gänse dürfen nicht herausgelassen werden
  • Sternsinger ziehen von Haus zu Haus
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3 Antworten zu Weihnachts- und Neujahrsbräuche in Ostpreußen

  1. schulze sagt:

    ich hätte gerne ein typisches ostpreußisches weihnachtslied

  2. schulze sagt:

    wer kennt typische weihnachtslieder aus ostpreußen?

    • Heiko sagt:

      Hallo „Schulze“, hast Du auf Deine Anfrage Antorten bekommen? Ich suche nach dem Text von dem Lied „Weihnachtssonne“. Kennst Du das Lied, oder hast Du evtl. eine Qulle? Heiko

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