Natangische Bauern

Alte natangische Bauerngeschlechter
(Auszüge aus einem Artikel von Emil Johannes Guttzeit)

Wie steht es … mit dem natangischen Bauerntum? Hierauf gibt die Familiengeschichte und die Geschichte des Bauernhofes klar und eindeutig die Antwort: Der natangische Bauer ist seit Jahrhunderten mit seinem Grund und Boden aufs engste verwurzelt. Kriege, Pestzeiten und Hungersnöte haben seine Bodenständigkeit nicht zu erschüttern vermocht.

Die Verwurzelung des Bauern mit der Scholle liegt schon in der Erbfolge begründet. Der Bauernhof vererbte sich allgemein vom Vater auf den Sohn, meistens auf den tüchtigsten Bauernsohn. So ist es oft eine lange Reihe von Männern ein und desselben Geschlechts, die in vier, fünf und mehr Generationen den Bauernhof verwalteten, erhalten und ihn somit als wirkliches Bauernerbe auf Sohn, Enkel, Urenkel usw. weitergegeben haben.

Beispiele sollen dies belegen: in Quehnen erwirbt 1648 Georg Springer ein Bauernerbe, 1688 kommt es an seinen Sohn Georg Springer. Dieser übergibt es 1741 an seinen Sohn Christian Springer. Von ihm kommt es 1770 an dessen Sohn Johann, 1801 tritt sein Sohn Friedrich das väterliche Bauernerbe an. Von ihm geht es 1854 auf seinen Sohn Gottfried und 1912 auf dessen Sohn Gustav über, der in siebenter Generation die vererbte Scholle bebaut. Alle aufeinanderfolgenden Hofbesitzer bilden die Stammreihe des jetzigen Bauernhofinhabers Gustav Springer.

Ein anderes Beispiel: Im Jahre 1799 kam die Bauernfamilie Dorsch durch den Gutsbesitzer von Worienen nach Eichhorn. Der Bauer Johann Dorsch übergab das etwa eine Hufe große Erbe 1835 seinem Sohn Ludwig, dieser 1866 seinem Sohn Friedrich und von diesem kam es 1909 an dessen Sohn Karl.

Ebenso ist die Stammreihe der Familie Schmidt in Eichhorn gleichzeitig die Reihe der Hofbesitzer seit wenigstens 1812: Gottlieb Schmidt, 1846; Gottlieb Schmidt, 1884; Rudolf Schmidt, 1893; Otto Schmidt.

Bei der Familie Tobies in Tharau läßt sich die Reihe bis um 1690, bei den Bauernfamilien Rockel, Peter und Wunderlich in Hussehnen bis 1689 zurückverfolgen.

Die Stammreihe der Bauernfamilie Sarge in Parösken beginnt mit dem Jahre 1780, die der Familie Zander in Stettinen mit dem Jahre 1714.

Die Beispiele ließen sich für Natangen um eine beträchtliche Zahl vermehren. Wenn man die Stammreihe eines Geschlechtes festgestellt hat, kann man auch sämtliche Kinder der einzelnen Hofbesitzer und deren Verbleib verfolgen.

Schreibt man auch wieder noch deren männliche Nachkommen auf, so erhält man eine Stammtafel, die gerade bei den Bauerngeschlechtern infolge ihres Kinderreichtums recht umfangreich werden kann.

Die Verhältnisse liegen ganz anders, wenn das Bauernerbe auf eine Tochter bzw. den Schwiegersohn übergeht. Ein Bauernhof in Klaußen war im Jahre 1808 in den Händen eines Bauern Mattern, von ihm kam er durch die Heirat seiner Tochter an den Bauern Schlicht, und dieser wieder übergab ihn seinem Schwiegersohn Buchhorn. So haben wir also in drei Generationen drei verschiedene Familiennamen auf einem Grundstück.

In Papperten saß 1809 auf einem Bauernerbe der Bauer Scheffler; er hinterließ den Hof seiner Tochter Georgine, die auch einen Scheffler heiratete. 1840 erhielt deren Tochter Ernstine den Hof, die Friedrich Rangnick ehelichte. Deren Tochter Ernstine wieder heiratete 1881 den Bauern Julius Hein. In vier Generationen vier verschiedene Familiennamen.

Solch einen häufigen Namenswechsel auf Bauernhöfen findet man aber selten. Im allgemeinen überwiegen die Bauernhöfe mit durchweg männlicher Erbfolge. Stirbt ein Bauerngeschlecht auf einem Erbe in männlicher Linie aus, so tritt ein anderes – in den meisten Fällen durch Einheirat – an seine Stelle. Dafür kann man in jedem Dorfe mehrere Beispiele linden.

Meine Forschungen haben sich besonders auf Natangen, jene Landschaft zwischen Haff, Pregel, Alle und der Nordgrenze des Ermlandes erstreckt. Hier haben wir es mit einer seßhaften, rein deutschen Bevölkerung zu tun. Zahlreich sind die Geschlechter, die seit Jahrhunderten in ein und demselben Dorfe, auf der ererbten väterlichen Scholle sitzen oder durch Heirat von einer Scholle auf die andere hinübergewechselt sind.

Durch den Kinderreichtum sind viele Nachkommen in die Städte gezogen und in andere Berufe übergegangen. Deshalb finden wir unter den Ahnen von zahlreichen Beamten, Gelehrten, Handwerkern, Kaulleuten wie Arbeitern, Bauern und immer wieder Bauern. Auch bei den Instleuten und Arbeitern kommen wir in den Ahnentafeln im 17. und 16. Jahrhundert – oft auch schon früher – auf Bauern.

Das 19. Jahrhundert hat durch die Stein-Hardenbergschen Reformen und Bauernbefreiung innerhalb des Bauerntums eine umwälzende Umstellung herbeigeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es eigentlich zwei Hauptklassen von Bauern in unserer Heimat: Die Freibauern oder Kölmer und die Scharwerksbauern, die unfreie Leute waren.

Beide Gruppen waren streng voneinander geschieden; der Freibauer fühlte sich als freier Mann auf freier Scholle, als kleiner König auf seinem Besitz, auch wenn er nur klein war.

Der Standesunterschied zwischen ihm und dem Scharwerksbauern war so groß, daß er seine Tochter kaum einem Wirt – so wurden die Bauern in den landesherrlichen Dörfern genannt – oder gar einem adligen untertänigen Scharwerksbauern geben konnte.

Die Kölmerfamilien heirateten unter sich, ebenso die Scharwerksbauern und Gärtner, d. s. Instleute mit Gartenlandnutzung. Dabei ging man bei der Brautschau nicht in die Ferne. Meistens aus demselben Dorfe oder aus dem Heimatkirchspiel wählte sich der Bauer sein Weib, das ihm eine Gehilfin bei der Arbeit und Mutter zahlreicher Kinder war. Da die Kölmer nicht so häufig verbreitet waren, waren ihre Söhne oft gezwungen, die Frauen aus entfernteren Kirchspielen zu holen.

Die Bezeichnung Kölmer geht auf die Kulmer Handfeste vom Jahre 1233 zurück, die die Rechtsverhältnisse anfänglich der Bürger von Kulm und Thorn, später auch anderer mit Land Beliehener regelte. Der Deutsche Ritterorden stellte jedem Kölmer eine Urkunde aus, in der seine Rechte und Pflichten für das ihm verliehene Gut enthalten waren. Dabei behielt er – wie auch die spätere Landesherrschaft – sich das Obereigentum über die kölmischen Güter vor.

Vollständige Bauernlisten von Dörfern aus der Ordenszeit sind ganz selten erhalten geblieben, aber aus Uderwangen ist eine Akte erhalten, die die Bauern aus dem Jahr 1485 erwähnt.

Danach saßen in Uderwangen die Bauern Scherer, Köhler, Krause, Hoffmann, Tiefensee, Berlin, Schwarze, Teier, Kraft, Schumacher, Krüger, Kantelberg, Gerke, Ewert, Ecker, Tiede.

Ein Zinsregister der Vikarie zu Mühlhausen nannte zahlreiche bäuerliche Einwohner in den Kirchspielen Mühlhausen, Uderwangen und Dollstädt zwischen 1399 und 1480. In jener Zeit saßen dort die Schröder, Lauterbach, Bielau, Monsterberg, Schönwald, Marquardt, Bruchmann, Becker, Grube, Golnau und Krämer.

Im Jahre 1444 lassen sich Hans Bludau in Posmahlen, Hans Bertram in Dollstädt, Jakob Quant in Schultitten, Peter Strube in Frisching nachweisen.

In Vierzighuben amtierte 1439 der Schulze Hans Schwarz, neben ihm werden die Bauern Lauterbach und Friese genannt.

1576 nennt Hennenberger den Schulzen Dinges Guttzeit, der beim Fällen von Bäumen erschlagen wurde; sein Geschlecht erscheint erstmals 1439 unter dem Namen Gotid, 1473 als Gutczyt im Kirchspiel Mühlhausen. Es saß auf mehreren Bauernhöfen in Mühlhausen, Vierzighuben und verbreitete sich in der Umgebung als Scharwerksbauern, Gärtner, Instleute.

1480 werden auch schon die Blumenau genannt, die seit 1711 auf einem Bauernerbe in Abschwangen saßen und 1945 Heimat und Hof verlassen mußten. Die Kölmerfamilie Graap ließ sich von Löwenstein um 1800 in Abschwangen nieder, ihr ältester Vertreter starb hier 1812 als kölmischer Krüger. Sein Urenkel saß auf einem Bauerngut und konnte sich und Bewohner von Abschwangen 1914 vor den Russen retten, die dort ein Blutbad anrichteten.

Das in Natangen verbreitete Geschlecht Feyerabend besaß bereits 1637 in Lampasch ein Gut, das bis in die jüngste Gegenwart in seinem Besitz geblieben war.

In Althof saßen lange Zeit auf Bauernerben die Albrecht, Behrendt, Kohn, Kredell, Schlicht, Glande und Biester -

In Almenhausen die Schwarz, Feyerabend, Bergau, Hinz, Petter, Quednau, Endom -

In Abschwangen die Rieß, Tietz, Sahm, Krause, Fuchs, Sommer, Feyerabend, Bergau, Gutzeit, Quednau, Hinz -

In Rositten die Rockel, Klein, Moldenhauer; die Droeger seit 1750 in Tiefenthal; die Petter, Stein, Borchert, Tietz in Uderwangen; die Bahr in Kromargen, die Porsch in Sortlack, die Kroll und Sahm in Roditten, die Dunkel in Topprienen, die Simon in Kumkeim, die Büttner in Lichtenfelde seit 1806, die Grube in Parösken seit 1810.

Im Kirchspiel Kl. Dexen waren die Kemp, Buchhorn, Kroll und Squarr seit mindestens 1600 auf Bauernhöfen nachzuweisen. Die Buchhorn sollen sogar schon im 15. Jahrhundert und die Kempf seit 1586 in Gr. Dexen je ein Bauernerbe innegehabt haben.

In den dreißiger Jahren erhielten die 5 bis 125 ha großen Bauernstellen die Bezeichnung “Erbhof’. Sie sollten ungeteilt an die Erben übergehen und durften nicht verkauft oder mit Schulden belastet werden.

Zahlreiche alteingesessene Bauerngeschlechter wurden damals namentlich herausgestellt und ihr Alter auf den Höfen festgestellt. Aus dem Kreis Pr. Eylau wurden folgende Bauern geehrt (in Klammern steht die Jahreszahl der Hofübernahme durch die Familie):

· Konrad Albrecht, Althof (1518)
· Erich Loetzke, Abschwangen (1540)
· Auguste Kempf, Gr. Dexen (1586)
· Herbert Neumann, Kutschitten (1602)
· Emil Kohn, Glandau (1624)
· Friedrich Grenz, Sollnicken (1636)
· Franz Feyerabend, Lampasch (1637)
· Reinhard Rockel, Hussehnen (1686)
· Friedrich Neumann, Kutschitten (1708)
· Friedrich Sahm, Roditten (1708)
· Wilhelm Möck, Worschienen (1709)
· Gustav Blumenau, Abschwangen (1711)
· Adolf Zantop, Naunienen (1711)
· Karl Zantop, Naunienen (1711)
· Ernst Rieß, Abschwangen (1715)
· Ernst Gutzeit, Frisching (1719)
· Emil Peter, Hussehnen (1725)
· Hermann Schröder, Hussehnen (1727)
· Wilhelm Kohn, Althof (1730)
· Max Kampowski, Grünwalde (1733)
· Gustav Klein, Uderwangen (1738)

Eigene Ergänzungen zu diesem Artikel von Emil Johannes Guttzeit:

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