Johann Friedrich von Domhardt

Johann Friedrich von Domhardt, geboren zu Allerode im Herzogthume Braunschweig am 18.  September 1712,  kam im Jahre 1724 aus seinem Vaterlande mit seinen Eltern nach Preußen, wo sein Vater, ein sehr verständiger erfahrner Landwirt, eine Meyerei in Pacht nahm‘ schreibt Oberförster Jester in der von ihm 1818 verfassten Biographie über ihn.

Just Heinrich Domhardt, der Vater von Johann Friedrich von Domhardt und seine Ehefrau Katharina Gertrud Trustedt haben insgesamt 5 Kinder. In Allrode im Harz  ist Just Heinrich Domhardt als Gutsverwalter tätig, nach 1724 ist er in Ostpreußen  zunächst Administrator, dann Pächter des Domänenamtes Althof-Ragnit.

Johann Friedrich von Domhardt ist etwa 12 Jahre alt, als er mit seinen Eltern nach Ostpreußen übersiedelt. Nach dem Tod seines Vaters, der bereits um 1732 verstirbt (das genaue Sterbedatum ist nicht bekannt) übernimmt er die Leitung der Domäne Althof-Ragnit.  ‚Er hatte nun die Gelegenheit(,) die in der Schule des Vaters erworbenen Kenntnisse in Anwendung zu bringen, und es ließ sich, da er neben einem hellen Kopfe eine rastlose Thätigkeit besaß, schon im voraus erwarten daß er nichts Alltägliches leisten würde‘ schreibt Oberförster Jester.

Um 1740 (wann genau und wo ist nicht bekannt) heiratet Johann Friedrich von Domhardt Johanna Amalia (Keudel) Keydel, eine Tochter von Johann Caspar (Keudel) Keydel (laut H.-W. Quassowski; bearbeitet v. K. Roemer;  APG Familienarchiv Bd. 22; S. 182 Domänenpächter in Ostpreussen; vormals herzogl braunschweigischer Forstsekretär)  und dessen Ehefrau Dorothea Agnes Hesse. Von 1741 bis 1756 werden dem Ehepaar 7 Kinder geboren:

  • Justus Friedrich von Domhardt (1741 – 1796)
  • Ludwig Friedrich von Domhardt (1742 – 1814)
  • Amalia Eleonore von Domhardt (* um 1745 – + vor 1791)
  • Ernestine Gertrud Friederike von Domhardt (* um 1750 – 1807)
  • Albertine Elisabeth Henriette von Domhardt (1752 – 1795)
  • Dorothea Friederica von Domhardt (*um 1755 – 1775)
  • Otto Heinrich von Domhardt (1756 – 1835)

Aufgrund seiner stetigen Verbesserungen im Bereich der Landwirtschaft  und seiner Erfolge im Bereich der Pferdezucht erregt Johann Friedrich von Domhardt die Aufmerksamkeit des Königs Friedrich Wilhelm I. ‚Der damalige Kronprinz und nachmalige Regent Friedrich II., welcher seinen Königl. Vater gewöhnlich auf Reisen begleitete, faßte unsern Domhardt sehr genau ins Auge, und würdigete ihn gar bald nach seinem wahren Werthe. Es erging seinem Kennerblick nicht, daß die Sphäre, in der Domhardt stand, viel zu beschränkt für sein Genie sey. Um diesem mehr Spielraum zu geben, ernannte er ihn, bald nach dem in Jahre 1740 erfolgten Regierungsantritt zum Krieges- und Dömänenrath bei der Ostpreußischen Kammer, versetzte ihn kurz darauf nach Gumbinnen und vertraute ihm das in Trackehnen befindliche Königl. Gestütt seiner besondern Aufsicht an‚ (Jester S. 4).

Das Gestüt Trakehnen, das ’sich damals in einem höchst elenden Zustande‘ (Jester) befand, scheint Johann Friedrich von Domhardt ganz besonders am Herzen zu liegen. Es wird unter seiner Leitung völlig umgestaltet.

Im Jahre 1744 wird Johann Friedrich von Domhardt Besitzer des Gutes Wischwill; später verleiht ihm Friedrich II das Kirchenpatronat von Wischwill.  Bei einem Einfall von Kosaken werden das Gut Adl. Wischwill und das gesamte Dorf im September 1757  niedergebrannt. Domhardt lässt das zerstörte Gutshaus wieder aufbauen.

Einige weitere Stationen seines Lebens:

  • kurz vor Beginn des Siebenjährigen Krieges Ernennung zum Präsidenten der Litauischen Kammer
  • während des Okkupation bewahrt er die Provinz vor Ausplünderung und kümmert sich um die Verpflegung des preußischen Militärs
  • nach dem Krieg macht er sich verdient um den Wiederaufbau der Region
  • 1763 Ernennung zum Oberpräsidenten von Ost- u. Westpreußen
  • kurz darauf Erhebung in den Adelsstand
  • Domhardt veranlasst den Bau des Masurischen Kanals
  • 1763 Kauf der Begüterung Worienen in Pr. Eylau
  • bei Eintritt in den Ruhestand erhält er die Begüterung Groß Bestendorf im Kreis Mohrungen.

Neben der Ausübung seiner Ämter investiert Johann Friedrich von Domhardt viel Zeit und Mühe, die Begüterung Worienen umzugestalten und zu verbessern. ‚Zu dem Hauptgut gehörten damals die Vorwerke Glomsienen, Dörsen, Saagen, Schwadtken bei Topprienen und die Dörfer Eichhorn, Dixen, Müggen, Polassen und Worglitten. Domhardt kaufte 1765 für 5666 Taler 60 Groschen das Gut Schönwiese bei Landsberg dazu und erhielt vom König 1767 zur Abrundung seines Besitzes ein Areal der Eylauer Heide von 4 Hufen … (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; S. 456).  Johann Friedrich von Domhardt legt in Worienen ein Privatgestüt an, vermehrt sowohl die Rindviehhaltung als auch die Schafzucht. ‚Als sehr sozial denkender Mann und Staatsbeamter verbesserte er sofort das Los seiner untertänigen Bauern und führte statt des „unangemessenen Scharwerks“ eine Scharwerkspflicht von 130 Tagen im Jahr ein‘. (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; S. 456).  Im Jahre 1767 lässt Johann Friedrich von Domhardt das Woriener Schloss erbauen und einen großen Park anlegen.

Im Oktober 1775 ereignet sich in der Familie von Domhardt eine furchtbareTragödie – im Alter von 22 Jahren stirbt Dorothea Friederica von Domhardt, eine Tochter Johann Friedrich von Domhardts,  in Worienen bei einem Brand “Der Vater selbst berichtet hierüber tieferschüttert: Sie kam in ihrer Kammer zu Worienen einem kleinen eisernen Ofen, dessen Thür halb offen stand, rückwärts schreitend zu nahe, die Kleider faßten Feuer und sie lief brennend durch alle Zimmer über den Hausflur nach der Mägdestube, wo sie mit Brandwunden bedeckt zusammenbrach. Siebenundzwanzig Tage lang, vom 4. bis 31. Oktober 1775 lag sie trotz vorzüglicher Pflege und Behandlung dreier Ärzte in Todesqualen.“ (Dr. Erich Joachim, Archivrath zu Königsberg i. Pr., Johann Friedrich von Domhardt – Ein Beitrag zur Geschichte von Ost- und Westpreußen unter Friedrich dem Großen; A. Asher & Co., Berlin 1899).

Vier Jahre später – am 28. Juni1779 verliert Johann Friedrich von Domhardt seine Ehefrau Johanna Amalia (Keudel) Keydel.  Sie verstirbt in Königsberg und wird in Eichhorn (dem Kirchdorf, zu welchem auch Worienen gehört) bestattet. Der Eintrag im Kirchenbuch von Eichhorn lautet: “Frau Ober Praesidentin Johanna Amahlia von Domhardt gebohren 1715 den 29. September und gestorben 1779 den 28. Juni zu Könisgberg und den 30ten d.  M. alhier in Eichhorn im Herrschaftlichen Lehns Gewölbe beigesetzt.“

Im Jahre 1791 erkrankt Johann Friedrich von Domhardt. „Seine Munterkeit nahm von Tage zu Tage mehr ab, sein Gedächtniß, in dem er seines gleichen suchte, ward täglich schwächer So lange es möglich ist,  versieht er seine Dienstgeschäfte. Er missachtet die Ratschläge der Ärzte, die ihm Ruhe verordnen. „Man lässe mich, sagte er, doch ja so lange arbeiten, als ich kann. Ich werde ja nun bald lange genug ausruhen.“ (Jester, S. 28).  Johann Friedrich von Domhardt stirbt am 20. November 1781 in Königsberg und wird am 1.12.1781  bestattet. Im Kirchenbuch von Eichhorn vermerkt der Pastor: „Den 20. 11. um 6 1/4 Uhr Abends starb der weiland Hochwohlgebohrene H. Lehns Patron Johann Friedrich von Domhardt im 70. Jahr in Königsberg, und ward am 1.12. in den hiesigen Lehns Herrschaftlichen Gewöben beygesetzt“.


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3 Kommentare zu Johann Friedrich von Domhardt

  1. Volker Reinhold sagt:

    Hallo,

    gibt es Hinweise über Geschwister von Johann Friedrich von Domhardt, z.b. eine Justine Henriette Domhardt, geb. 29.12.1714 in Allrode und verh. mit Friedrich Schultz, Amtsrat zu Moulienen?

    Vielen Dank!

  2. Johannes Wackerbarth sagt:

    Hallo, ich lese den sehr interessanten Artikel erst jetzt.
    Bei mir kommt in der AL eine Schwester des Johann Friedrich vor:
    – Magdalene Elisabeth Sophie Domhardt, *…, +…, oo vor 1735
    – Johann Christian Conrad Rochau, *…, + 1771 Tilsit, Königlich preußischer Kriegs- und Domänenrat, Pächter der Domänen Balgarden (1736-1748 und 1763-1771) und Labiau (1755-1761) in Ostpreußen
    (Quellen können bei Bedarf übermittelt werden)

    Zu der angefragten Justine Henriette kann ich leider nichts beitragen.
    MfG
    JvW

  3. Christian Keydel. sagt:

    Der Vater des Johann Friedrich von Domhardt, Just Heinrich Domhardt, ist möglicherweise später als „um 1732“ gestorben. In seinem Aufsatz „Die ostpreußischen Amtmänner und Domänenpächter im Jahre 1735“ führt Eduard Grigoleit den Sohn für Althof=Ragnit, den Vater aber gleichzeitig für
    Sommerau auf (Archiv für Sippenforschung 1961-1962, S. 87). Christian Keydel.

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