Die Bibliothek in Gr. Peisten, Pr. Eylau

Die  Begüterung Gr. Peisten, Pr. Eylau, ist ab 1547 über viele Jahrhunderte im Besitz der Familie von Kreytzen (bzw. von Creytzen oder von Kreytz). Der Familie gehören auch andere Besitzungen – Gr. Peisten ist jedoch das Hauptgut. Hier befindet sich deshalb auch die bereits im 16. Jahrhundert angelegte Büchersammlung der Familie, die um 1630 von dem damaligen Besitzer Obermarschall Wolff von Kreytzen ‚zu einer der bekanntesten und größten in Preußen‘ erweitert wird (siehe Horst Schulz, die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 431).

Bibliothek

Die nachfolgenden Besitzer achten mit Sorgfalt auf den Erhalt dieser Bibliothek. Im Mai des Jahres 1788 verfasst der Erbherr Johann Wilhelm von Kreytzen sein Testament und verfügt darin u.a. Folgendes:

‚Da in dem Hofe zu Peisten eine von meinen Vorfahren gesamlete Bibliothec nebst einiger Raritaeten und Müntzen vorhanden, welche bereits sowohl nach dem Ableben meines GroßVaters Vaters und Bruders als ein gemeinschaftliches Erbguth ohngetrennt erblieben, es auch meiner Familie zum Schimpf gereichen würde, wenn diese schöne Samlung von Büchern und Kostbarkeiten sollte zerrißen und veräußert werden; so ist mein ausdrücklicher Wille, daß meine Erben und Nachkommen diese Bibliothec cum Praetiosis nicht allein beständig auf dem Hofe zu Peisten beybehalten, sondern auch selbige durch Anschaffung guter und nützlicher Bücher, jährlich vermehren sollen, zu diesem Behuf setze ich ein Capital von Viertausend Gulden aus meinem Allodial-Nachlaß aus, welches Capital als eine immerwährende Schuld auf die Peistensche Güther ingroßiert, und von meinen künftigen Lehnsfolgern die jährliche Intereßen mit zwey Hundert Gulden, an den zu haltenden Bibliothecarien gezahlet werden sollen, welcher hiervon dreißig Gulden als ein jährliches Douceur behalten, und an dem Tage da er sich in der Bibliothec aufhält, freye Beköstigung in dem Peistenschen Hofe haben, vor die übrig bleibende Ein Hundert und Siebenzig Gulden aber Bücher anschaffen und hiervon Nachweisung und Rechnung den Lehnsherren und Besitzer jährlich ablegen soll.

Zum Bibliothecario bestimme ich den zeitigen Pfarrer August Mey in Buchholtz, falls derselbe bey meinem Ableben (Johann Wilhelm von Kreytzen) noch eine Prediger-Stelle in den Peisteschen Gütern bekleiden sollte. Nachgehends überlaße ich es meinen Lehnsfolgern, einen von denen bey den hiesigen Lehnskirchen zu Peisten, Buchholtz, und Albrechtsdorff stehenden Predigern das Amt eines Bibliothecario gegen Reichung des vorbemeldten Douceurs aufzutragen, und wird Bibliothecarius beflißen seyn, die Bibliothec in reinlichem und guten Stande zu erhalten, und denen so danach Verlangen tragen, zu zeigen; jedoch sollen keine Bücher ohne Bewilligung des Lehnsbesitzers aus der Bibliothec genommen und ausgeliehen werden‘.

(Dieser Text stammt aus dem Grünen Hausbuch der Adlig Peistenschen Güter, das sich im Geheimen Staatsarchiv Pr. Kulturbesitz in Dahlem befindet – die Transkription wurde von Helmut und Inge Ramm vorgenommen).

Johann Heinrich Ankermann (1765-1825) – mein Urgroßvater 4. Grades – war über viele Jahre Erbkrüger, Dorfschulze und Kirchenvorsteher in Peisten. Aufgrund der Taufpaten seiner Kinder ist anzunehmen, dass er wohl ‚einen ganz guten Draht‘ zum Hofe von Peisten hatte – sowohl der Kämmerer von Peisten, der Schreiber des Hofes und der Administrator Hempel gehören zu den Paten. Und vermutlich hat sich Johann Heinrich Ankermann auch in seiner Funktion als Dorfschulze ab und zu im Gutshof von Peisten einfinden müssen. So wird er diese bedeutende Büchersammlung möglicherweise gesehen haben.

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