Caspar Henneberger und Worienen

Schon lange beschäftige ich mich mit der Geschichte des kleinen Ortes Worienen (heute Woryny) – unweit von Landsberg (Górowo Iławeckie) im ehemaligen Kreis Pr. Eylau gelegen – der bereits zu Ordenszeiten als Mittelpunkt des natangischen Gaus Wore bzw. Woria von besonderer Bedeutung war. Eine Chronik dieses Ortes, an der ich seit mehreren Jahren arbeite, ist mittlerweile auf etwa 300 Seiten angewachsen und wird hoffentlich in absehbarer Zeit fertig werden.

Seit ich mich mit der Geschichte Worienens befasse, interessiere ich mich auch für historische Karten dieser ostpreußischen Gegend und versuche, den Ort darin zu finden. In vielen dieser alten Landtafeln ist Worienen gar nicht verzeichnet – auch in der von Caspar Henne(n)berger im Jahre 1576 angefertigten Karte fehlt der Ort.

Henneberger_1636

Caspar Henneberger war Pfarrer – u.a. in Domnau und Mühlhausen, wurde aber vor allem als Kartograph und Landeskundler bekannt. Schon als Student in Königsberg sammelte er Landkarten von Preußen und verglich sie mit der Realität und vorhandenen Berichten. ‚Als nun … 1570 eine höchst mangelhafte Karte von Preußen erschien, forderten ihn verschiedene Personen auf, eine bessere zu verfertigen, was Henneberger auch endlich unternahm. Zu diesem Zwecke bereiste er das Land angeblich sieben Jahre hindurch‘. (Quelle: F. von Selasinski, Über Land- und Seekarten, Grundrisse u. Städtedarstellungen, welche Ost- u. Westpreußen betreffen, in ‚Neue Pr. Provinzial-Blätter; Königsberg 1848; Seite 372).

Karten, die um diese Zeit erstellt wurden, sind aufgrund der damaligen Möglichkeiten ungenau und auch unterschiedlich. Die Kunst des Feldmessens befand sich erst in den Anfängen – es gab noch kein einheitliches Maß. Henneberger richtete sich bei den Angaben der Entfernungen vor allem nach den Schätzungen der ansässigen Bewohner.

Die politische und administrative Einteilung des Herzogtums Preußen wurde fast völlig ignoriert. Herzog Albrecht hatte das Land zu Beginn seiner Regentschaft in Hauptämter und Kammerämter unterteilt und diese in drei Hauptabteilungen zusammengefasst – in den Samländischen, den Natangischen und den Oberländischen Kreis. ‚Henneberger, der nicht bloß Chorograph, sondern vielmehr noch Historiker sein wollte, der auch wohl diese verwickelte Eintheilung unbequem finden mochte, zog es vor, Preußen nach den Landschaften der heidnischen Preußen abzutheilen. Diese Vermischung des Historischen mit dem Geographischen war ein Mißgriff, der allen Karten von Preußen bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts in den Augen der Landeskundigen ein wunderliches Ansehen geben muß‘. (Quelle: F. von Selasinski, Über Land- und Seekarten, Grundrisse u. Städtedarstellungen, welche Ost- u. Westpreußen betreffen, in ‚Neue Pr. Provinzial-Blätter; Königsberg 1848; Seite 374)

Henneberger selbst beschreibt 1595 sehr detailliert, welche Kosten und Mühen er auf sich nehmen musste, um – neben seinem Beruf als Pfarrer – durch die Lande zu reisen, alte Chroniken zu studieren, zunächst einzelne Mappen der verschiedenen Gebiete anzulegen und anschließend die gesamte Landtafeln erstellen zu können. Seen, Sümpfe und Waldgebiete mussten überwunden werden, Amtsleute und Anwohner wurden befragt. In manchen Gegenden ‚weiss man offtmals der flüsser namen gar nicht, und wenn mann sie nicht in alten Handfestungen und Verschreibungen fünde, so weren der alten namen viele gar verloren, denn die leute achten solches nicht gros, wenn sie nur den nutzen und ein Kannen Bier dabey haben, sein sie wohl content‘ schreibt Hennneberger in seiner ‚Erclerung der Preussischen grössern Landtaffel.‚ (Digitalisat der Bayrischen Staatsbibliothek)

In seine 1638 gezeichnete Karte hat Caspar Henneberger den Ort Worienen dann doch eingetragen. Die Umgebung von Worienen ist ziemlich morastig – vielleicht hatte er vorher Schwierigkeiten, den Ort überhaupt zu erreichen?

Henneberger_Karte

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