Von Goldap ins Herzogtum Oldenburg

Ich wohne nun schon seit vielen Jahren in Oldenburg. Mein Weg hierher war nicht weit – er führte nur über die Weser – und er war unkompliziert. Für Johann Friedrich Isigkeit, der mehr als 100 Jahre vor mir hier in Oldenburg landete, war das alles sehr viel umständlicher. Um sich im damaligen Großherzogtum Oldenburg niederlassen zu können, musste er nicht nur einen sehr viel weiteren Weg zurücklegen, sondern zuvor seine preußische Staatsangehörigkeit aufgeben bzw. ‚aus dem Preußischen Untertanenverbund entlassen werden‘.

Goldap_Auswanderung_Deckblatt

Alle nachfolgenden Informationen habe ich den vom Archiwum Państwowe w Olsztynie (Staatsarchiv Allenstein) digitalisierten Akten über ‚die Auswanderung Preußischer Unterthanen aus dem landrathlich Goldappschen Kreise‘ entnommen, die hier einzusehen sind.

Johann Friedrich Isigkeit wird am  17. September 1827 als Sohn des Eigenkätners Carl Isigkeit in Iszlaudszen im Kirchspiel Tollmingkehmen, Kreis Goldap (Regierungsbezirk Gumbinnen) geboren. In der Stadt Goldap erlernt er die Gerberei und begibt sich anschließend auf die Wanderschaft. Seine Mutter verstirbt früh, der Vater heiratet erneut – im März 1859 ist er auch er verstorben.

Iszlaudszen

Im März des Jahre 1859 lebt der Gerbergeselle Johann Friedrich Isigkeit bereits im  Herzogtum Oldenburg – vermutlich zunächst in Elsfleth. Von hier aus beantragt er bei der für ihn zuständigen Regierung in Gumbinnen einen Heimatschein. Offenbar hat er mittlerweile seine zukünftige Ehefrau Anna Sophia Meyer kennengelernt und plant die Hochzeit mit ihr.

Anna Sophia Meyer wurde am 2. Februar 1827 in Deichstücken als Tochter von Johann Meyer und Anna Catharina Margareta Edling geboren. Sie war zuvor bereits verheiratet mit dem Matrosen Friedrich Stemmich, der aus Steinhausen stammt. (Quelle: OFB Brake-Elsfleth-Golzwarden-Hammelwarden – hier wird auch die Ehe von Johann Friedrich Isigkeit und Anna Sophia Meyer genannt, allerdings wird der Bräutigam unter dem Namen ‚Jeigkeit‘ aufgeführt).

‚In Folge der vorstehenden Bescheinigung steht der Verheirathung des J. F. Isigkeit in weltlicher Hinsicht nichts entgegenAmt Elsfleth, 9. April 1859′ – ist als Randvermerk auf dem am 15. März 1859 von der Regierung in Gumbinnen ausgestellten Heimatschein zu lesen. Man bestätigt dem Antragsteller, dass er ‚durch Abstammung die Eigenschaft als Preuße‘ besitze. Weiterhin wird mitgeteilt, dass von den nächsten Angehörigen des Johann Friedrich Isigkeit folgende Personen noch am Leben seien:

  1. die Stiefmutter, Eigenkätnerfrau Maria Isigkeit (Witwe), Besitzerin eines   Eigenkätnergrundstücks in Iszlaudszen von 16 Morgen
  2. eine Schwester des Johann Friedrich Isigkeit, verheiratet an den Eigenkätner Pinnau in Rominten
  3. eine weitere Schwester, verheiratet an den Losmann Riegel in Baudehnen.

Am 19.6.1859 findet in Elsfleth die Eheschließung von Johann Friedrich Isigkeit und Anna Sophia Meyer statt und um 1861 muss die gemeinsame Tochter Friederike Isigkeit zur Welt gekommen sein. Vor März 1863 muss die Familie Elsfleth verlassen haben und in die Stadt Oldenburg verzogen sein.

Um hier das Bürgerrecht zu erhalten und als Oldenburgischer Staatsangehöriger aufgenommen werden zu können, muss Johann Friedrich Isigkeit 1863 bei der ‚Großherzoglich Oldenburgischen Regierung‘ weitere Nachweise erbringen:

Goldap_Oldenburg_Isigkeit_4

Am 6. Mai 1863 erhält der Gerbergeselle Johann Friedrich Isigkeit die Urkunde über seine Aufnahme in den Staatsverband des Herzogtums Oldenburg. Ein Duplikat wird zur Kenntnisnahme an die Königlich Preußische Regierung in Gumbinnen gesandt.

Isigkeit

Isigkeit_Urkunde

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