Familie Derschau in Ludwigswalde, Prilacken und Riga

Manchmal muss man seine Forschungsergebnisse korrigieren! Als ich vor mehr als 20 Jahren mit der Erforschung meiner Vorfahren begann, waren die Voraussetzungen ganz andere: ich saß entweder vor einem kleinen Filmgerät in der Forschungsstelle der Mormonen in Oldenburg, im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin oder im Staatsarchiv Leipzig, musste die Zeit nutzen, die mir zur Verfügung stand und hatte viel weniger Übung im Entziffern schwer lesbarer Kirchenbucheinträge.

Dank all der mittlerweile vorhandenen digitalisierten Unterlagen kann ich heute in Ruhe von zu Hause aus arbeiten. Das Bildmaterial ist wesentlich besser und ich habe wesentlich mehr Erfahrung im Lesen alter Schriften.

So habe ich nun herausgefunden, dass meine Vorfahrin Regina, die im Jahre 1704 in der Stadt Kreuzburg, Pr. Eylau, meinen Vorfahren Heinrich Ankermann, den damaligen Kirchenhübner in Krücken heiratet, gar nicht Regina Döschner, sondern Regina Derschau, heißt!

Reginas Vater, Johann Derschau, kommt um 1660 in Ludwigswalde (heute Lesnoje)  etwa 10 km südöstlich von Königsberg – zur Welt. 1682 finde ich ihn noch als ‚jungen Gesell‘ unter den Taufpaten im Kirchenbuch von Ludwigswalde. Von hier aus führt sein Weg zunächst nach Prilacken ins Samland.

Prilacken gehört zum Kirchspiel Cumehnen. In der dortigen Kirche heiratet Johann Derschau im Februar 1683 Gertraud Scheffler, die Witwe des einige Jahre zuvor in Prilacken verstorbenen Cöllmers Johann Lopsen.


Der Familienname wird im Kirchenbuch unterschiedlich geschrieben: LopsLopsenLopsin – später Lobsen. Eine verwandtschaftliche Beziehung scheint es zu Christoph Lopsen in Wickau – unweit von Prilacken – zu geben, der etwa zur selben Zeit mehrere Kinder in Cumehnen taufen lässt und auch als Taufpate einer Tochter von Johann Lopsen aufgeführt wird.


Gertraud bringt mehrere Töchter mit in die Ehe und im März 1684 wird in Prilacken der gemeinsame Sohn Georg Derschau geboren. Bei seiner Taufe vermerkt der Pastor, Johann Derschau habe mehr als 60 Gevattern gebeten!

Kurz nach Georgs Derschaus Geburt zieht die gesamte Familie in die Heimat Johann Dreschaus nach Ludwigswalde, wo im November des Jahre 1686 Tochter Regina zur Welt kommt. Zu ihren Taufpaten gehören u.a. :

  • Christoph Pickert aus Königsberg,
  • der Scharmacher (Hersteller von Pflugscharen) Melcher Pantuhn,
  • Hans Quednau, Schulz zu Cavern,
  • Michel Steinort, Schulz zu Schönfließ
  • Hans Quednau, der Krüger von Lichtenhagen und
  • die Peter Jockelsche, deren Sohn Peter 1693 in Ludwigswalde Reginas Halbschwester Dorothea Lopsen heiraten und später mit ihr in Königsberg ‚aufm Steindamm‘ wohnen wird.

Johann Derschau ist nun cöllmischer Krüger in Ludwigswalde, wo er offenbar einiges Ansehen genießt. In den Jahren von 1684 bis 1691 werden sowohl er, seine ‚Hausmutter Gertraud‘ als auch seine Stieftöchter immer wieder als Taufpaten genannt.Das Familienglück währt leider nur 9 Jahre. Georg und Regina Derschau sind noch klein, als 1691 und 1692 nacheinander beide Eltern versterben – zunächst die Mutter, im darauf folgenden Jahr der Vater Johann Derschau. Der Sterbeeintrag von Johann Derschau ist sehr ausführlich und ungewöhnlich – genannt werden auch die Namen seines Vaters und seines Großvaters: Georg Derschau und Stephan Derschau. Es heißt dort: bestattet wird Johan Derschau, viduus, Cölmischer Krüger alhir, Georg Derschauen, Krügers Sohn und Stephan Derschauen, ejusdem status Enkel. Demnach waren sowohl sein Vater als auch sein Großvater Krüger – wie Johann selbst.

Nach dem Tod Johann Derschaus wird für kurze Zeit der langjährige Schulz in Ludwigswalde, Georg Quednau, der im Sterbeeintrag Johann Derschaus als ‚Ohm‘ bezeichnet wird, als Krüger genannt. Die Familien Derschau und Quednau in Ludwigswalde werden somit auf jeden Fall miteinander verwandt sein – das gilt es noch herauszufinden.

Meine Vorfahrin Regina Derschau heiratet 1704 in Kreuzburg den 16 Jahre älteren Kirchhübner Heinrich Ankermann, bekommt mit ihm 12 Kinder und verstirbt im Alter von 71 Jahren in Krücken.


Und dann entdeckte ich anhand verschiedener Quellen noch einen Stephan Derschau (auch Derschow oder Derschovius) aus Ludwigswalde, der schon 1632 an der Albertina in Königsberg und 1637 in Rostock studiert, am 7.9.1649 in Riga Dorothea Schwarzenberg, eine Tochter von Abraham Schwarzenberg, heiratet und anschließend als Pastor in Pilten (Lettland) tätig ist. Dort verstirbt er im Jahre 1663.

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