Die Ankermann-Familien in Domtau, Pr. Eylau

Diesen Beitrag schreibe ich in der Hoffnung, dass vielleicht ein Nachfahre der Ankermann-Familien aus Domtau seinen Namen googelt, diese Informationen entdeckt, in den noch in seiner Familie vorhandenen Unterlagen stöbert und dort Dokumente findet, durch welche die Lücken meiner Recherche geschlossen werden können!

Meine Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann wurde 1830 in der Mühle von Groß Peisten geboren – ihre Vorfahren namens ANKERMANN lebten in Pompicken, Krücken bei Kreuzburg und Seeben. Andere Namensträger – Nachfahren und Anverwandte – wohnten u.a. in Dollstädt, Penken, Domtau, Königsberg, Ponarth, in Gollau (Kreis Heiligenbeil), in Konnegen (Kreis Heilsberg), in Seeburg (Kreis Rössel), in Eisenbart, in Mollwitten, in Sollecken (Kreis Heiligenbeil), in Tapiau, Allenburg, Landsberg (Pr. Eylau), in Heilsberg, Lampasch, in Schoischen und in Lindenau (Kreis Heiligenbeil), in Gutenfeld bei Königsberg, in Bartenstein, Berlin, Marggrabowa, in Sensburg, Elbing, Korschen und in Marienwerder.

Da ich mich schon lange mit der Genealogie der Ankermann-Familien in Ostpreußen beschäftige, gelingt es mir mittlerweile in den meisten Fällen, einzelne Ankermann-Personen den richtigen Familien zuweisen. Dennoch gibt es in meinen Unterlagen einige Personen oder Familien-Zweige, die ich aufgrund fehlender Dokumente nicht zuordnen kann – dazu gehören auch die beiden letzten Ankermann-Familien in Domtau, die dort bis zum Jahr 1945 ansässig waren.

Schon um 1650 taucht der Name Ankermann unter den Taufpaten im Kirchenbuch von Klein Dexen auf – die Familie lebt zu dieser Zeit jedoch noch im Kirchspiel Dollstädt.

Wenn ich richtig recherchiert habe, ist Anna Ankermann, eine Tochter meines Vorfahren Martin Ankermann, des Kirchenhübners in Krücken, die erste ANKERMANN-Person in Domtau. Am 19. Oktober des Jahres 1690 heiratet sie in Kreuzburg den Freien zu Domtau Friedrich Bidder, der außerdem Kirchenvorsteher in Dexen und später Landgeschworner zu Pr. Eylau ist. Mit ihm gründet sie in Domtau eine Familie.

Der Besitz von Friedrich Bidder wurde bereits im Jahre 1489 verschrieben – Diese 3 Hufen soll Niclaus Windel 1489 vom Hochmeister Hans von Tieffen erhalten haben – 1600 hatte ein Valentin Windel diese 3 Hufen inne. (Quelle:“Die Städte und Gemeindes des Kreises Pr. Eylau“)

Domtau königl(iches) Baurendorf

Um 1715 existieren in Domtau 3 weitere Hofstellen: zu dieser Zeit gehören diese neben Friedrich Bidder den Hochzinsern Christian Klang Hans Dreher und Hans Kuhn. „

Auszug aus einer Amtsrechnung von 1716

Mit Christian Ankermann, einem Sohn meines Vorfahren Johann Christoph Ankermann und Ur-Urenkels des oben genannten Martin Ankermann, taucht der Name ANKERMANN dann im Jahr 1803 wieder in Domtau auf. Christian wurde 1763 im benachbarten Hospitaldorf Pompicken geboren, heiratet in Klein Dexen Dorothea Schulz, eine Tochter des Domtauer Köllmers Samuel Schulz und gründet in Domtau eine Familie. Er hinterlässt jedoch keine Namensträger, sondern „nur“ 2 Töchter – eine seiner Töchter verstirbt als Kleinkind, Tochter Maria Dorothea ist nicht einmal 10 Jahre alt als beide Eltern kurz nacheinander versterben. Sie heiratet 1839 in Zinten den köllmischen Gutsbesitzer Gottfried Buchhorn aus Nemritten.

Nach Christian folgen seine Brüder Daniel und Michael Ankermann – beide sind Halbbrüder des o.g. Christian Ankermann. Sie stammen aus der 3. Ehe meines Vorfahren Johann Christoph Ankermann.

Daniel Ankermann ehelicht 1820 in Kl. Dexen Charlotta Hippler, geb. Schulz, die Witwe des Köllmer und Schulzen Johann Friedrich Hippler, der am 27.4.1819 in Domtau verstarb. Auch Charlotta ist eine Tochter des Domtauer Köllmers Samuel Schulz und dessen Ehefrau Dorothea Hermann. Durch seine Heirat übernimmt Daniel Ankermann den Besitz des verstorbenen Köllmers Johann Friedrich Hippler!

In den Prästationstabellen findet sich bei diesem Hof der Vermerk: „Privilegium Königsberg am Tage Ambrosia 1489“. Vermutlich war dies also der ehemalige Hof von Friedrich Bidder, in dem bereits Anna Ankermann lebte und in den Daniel Ankermann 1820 einheiratet!

‚Der älteste Hof in Domtau war in den Händen der Familie Ankermann. Laut Ur­kunde war er ein Geschenk des Großen Kurfürsten und war 230 Morgen groß.“ schreibt Gerda Ankermann in einem Kreisblatt der Kreisgemeinschaft Pr. Eylau. Und sie fährt fort: „Eingewandert waren die Ankermanns aus Schweden und hatten zuerst einen Hof in Ponarth bei Königsberg gehabt‘. Anmerkung: Gerda Ankermann wurde 1911 als Tochter von Hugo Ankermann und Auguste Hellmer in Domtau geboren – sie verstarb 2003.

Für die Aussage, dass die Ankermann-Familie sei aus Schweden zugewandert sei, fand ich bislang keinen Beleg – da ich die Familie in Ostpreußen bis um 1600 zurück verfolgen kann, müsste die Einwanderung vor dieser Zeit geschehen sein!

Nach Daniel Ankermannns Tod übernimmt sein 1823 in Domtau geborener Sohn Carl August Ankermann den Hof. Aus seinem Heiratseintrag im Kirchenbuch von Tharau geht hervor, dass Daniel Ankermann nur diesen einen Sohn hatte: 1846 „Carl Ankermann, einziger Sohn des Cölmischen Gutsbesitzers Daniel Ankermann in Domtau, 24 Jahre (aufgeboten von Klein Dexen und Wilhelmine Kaehler, 21, Jgfr. in Wittenberg, älteste Tochter des verstorbenen Schulzen u. Kirchenvorstehers Friedrich Kaehler in Lichtenhagen u. Stieftochter des Hufenwirths Friedrich Prang in Wittenberg“.

Ausschnitt aus der Prästationstabelle – Daniel Ankermann
– seit 1848 Carl August Ankermann

Kinder von Carl August Ankermann müssten nach 1846 in Domtau geboren worden sein – die Kirchenbücher von Kl. Dexen enden aber leider im Jahr 1837.

Eine Tochter ist vermutlich Hulda Ankermann – als ‚einzige Tochter des Köllmers Carl Ankermann in Domtau‘ verlobt sie sich am 7. Mai 1883 mit Richard Pawlowsky, einem Hotel- und Brauereibesitzer in Allenstein.

Aber auch Daniels jüngerer Bruder Michael Ankermann, der 1796 in Pompicken zur Welt kam, zieht nach Domtau. Nach einer ersten Heirat mit Johanne Wilhelmine Linck, einer Tochter von Michael Linck, des Krugbesitzers in Schlauthienen, heiratet Michael am 1. August 1827 in Zinten Caroline Wilhelmine Pottrick aus Nemritten.

Dieses Ehepaar bekommt mindestens 8 Kinder. Die Taufen der in den Jahren 1828-1836 geborenen Kinder sind noch im Kirchenbuch von Klein Dexen verzeichnet:

  • Friedrich Wilhelm Ankermann *1828 – ?
  • Johann Gottfried Ankermann *1830 – er heiratet 1859 in Stockheim Henriette Eggert aus Eisenbart – einer ihrer Söhne ist Julius Gustav Ankermann
  • Wilhelmine Henriette Ankermann *1832 – sie wird die Ehefrau von Gotthard Droeger in Tiefenthal
  • Carl August Ankermann *1834
  • Rudolph Ankermann *1836 …

Doch nun wird es schwierig und ein wenig rätselhaft ….

Wenn keine Kirchenbücher mehr vorhanden sind, muss man Umwege einschlagen …. Drei weitere Kinder, deren Taufen nicht mehr im Kirchenbuch von Kl. Dexen verzeichnet sind, konnte ich dieser Familie zuordnen, da sie 1872 in den Akten der Begüterung Gerlauken genannt werden. Diese Akten, die im Staatsarchiv Vilnius verwahrt werden, enthalten ein Darlehnsgesuch des Schulzen Carl August Ankermann an die Sparkasse von Pr. Eylau. Carl August Ankermann ist seit 1867 verheiratet. Im Alter von 28 Jahren heiratete er in Pr. Eylau Auguste Maria Rehberg aus Tenknitten. Er müsste demnach um 1839 geboren worden sein!

Als Besitzer von Hof Nr. 5 in Domtau und beantragt Carl August Ankermann im Jahre 1872 eine Hypothek, um seine Geschwister auszahlen zu können. Als Geschwister werden in diesem Dokument genannt:

  • Rudolf Ankermann, ein geisteskranker Bruder
  • Carl (getauft als Carl August) Ankermann
  • Caroline Ankermann und
  • Gustav Ankermann
Ausschnitt aus den Akten der Begüterung Gerlauken

Der Schulze Carl August Ankermann und seine Ehefrau Auguste Maria Rehberg bekommen mindesten diese beide Kinder:

  • Martha Elise Ankermann *1873 in Domtau oo Johann Adolph Röhrse
  • Arthur Karl Ankermann *1875 in Domtau oo Amalia Louisa Nautsch – Arthur Ankermann war Administrator bzw. Oberinspektor in Mollwitten und zeitweise Schiedsmann für den Amtsbezirk Beisleiden.

Gleichzeitig lebt in Domtau der Köllmer August Ankermann mit seiner Ehefrau Hulda Stamm, die bislang der Ankermann-Familie nicht richtig zugeordnet werden können. August könnte ein Sohn sein von Carl August Ankermann und Wilhelmine Kaehler! August Ankermann und Hulda Stamm heiraten 1874 in Pr. Eylau – bei der Eheschließung ist er 24 Jahre alt, seine Braut ist 21. Diese beiden bekommen ebenfalls mehrere Kinder, die in Domtau zur Welt kommen. Bekannt sind:

  • Berta Ankermann *um 1880 oo Ewald Bärschmidt, Oberförster der Revierförsterei Rosenberg, Kreis Labiau
  • Karl Ankermann *1882 oo Anna Ankermann *1882 (Eltern unbekannt!)
  • Hulda Ankermann *1884 oo ? Hellmer
  • Hugo Ankermann *1886 oo Auguste Hellmer
  • Vera Ankermann *? oo Georg Liedtke
Auszug aus einem Adressbuch von 1929

Nachdem 1934 der größte Teil des Ortes zum Bau des riesigen Truppenübungsplatzes Stablack eingezogen wurde, blieb von Domtau nicht viel übrig. Die 1882 und 1886 geborenen Brüder Karl und Hugo Ankermann sind die Besitzer der beiden letzten Höfe des Ortes . Heute gehört das ehemalige Dorf zur Großgemeinde Dolgorukowo im russischen Teil des ehemaligen Kreises Pr. Eylau.

Den sehr alten Hof hatte also Hugo Ankermann übernommen. Das entspricht dem, was seine Tochter Gerda berichtet (s.0.). Und auch Hugos Ehefrau Auguste geb. Hellmer erzählt:

„Unser Besitztum war 57,7 ha groß. Es war ein alter Erbhof – vom Großen Kurfürsten geschenkt. Ein Ritterknecht mit einem Pferd (Rappen) musste gehalten werden, der jederzeit dienstbereits war. So hat sich der Hof in unmittelbarer Erbfolge von Generationen bis zum Jahr 1945, als im Januar die Flucht kam, erhalten. Er zählte wohl zu den ältesten Höfen; er ist von Malern oft gezeichnet worden – besonders das alte Insthaus gegenüber dem Hof auf der anderen Straßenseite (unten am Liebefluss) hatte es ihnen angetan. Es war ein überaus schöner Anblick, wenn Vieh und Pferde im hügeligen Waldgelände in den Senken während der Sommermonate in den Weidegärten ruhten“. (Quelle: „Ostpreußens Rinder und ihre Zuchtstätten“ herausgegeben von der Ostpreußischen Herdbuchgesellschaft e.V. Köln, 1974)

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen

Der Hof von Karl Ankermann gehörte – laut Horst Schulz – zuvor einer Familie Richter. Hier leben bis 1945 Karl und Anna Ankermann mit ihren Kindern Erna und Fritz.

Karl und Anna Ankermann (Quuelle: privat)
Heutiger Blick auf die Gegend

Leider habe nie jemanden finden können, der sich – wie ich – mit den Ankermann-Familien im Kreis Pr. Eylau beschäftigt. Über Korrekturen und Ergänzungen würde ich mich sehr freuen!

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