‚Durch Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen‘

‚Hat sich durch das Gänse-Sauffen die Schwindsucht zugezogen und vor seinem Ende großen Jammer ausgestanden‘ schreibt Pastor Fuhrmann im Januar des Jahres 1767 ins Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau, nachdem der Knecht Michael Neumann aus Worglitten verstorben war.

Der Ausdruck ‚Gänse-Saufen‚ war mir vollkommen fremd. Auch Google hilft da nicht weiter. Man kommt diesem Begriff auf die (hoffentlich richtige?) Spur, wenn man sich näher mit dem Krankheitsbild der Schwindsucht beschäftigt und sich mit ehemaligen Ostpreußen austauscht, die sich mit den Sitten und Bräuchen auf dem Lande auskennen.

‚Schwindsucht‘ wird im Verlaufe des 18. Jahrhunderts häufig als Todesursache angegeben. Es gibt eine ganze Reihe von Abhandlungen über dieseSchwindsucht Krankheit, die etwa zu der Zeit veröffentlicht wurden als Michael Neumann aus Worglitten an der ‚durch das Gänse-Sauffen sich zugezogenen Schwindsucht‘ verschied.

Es werden verschiedene Formen der Schwindsucht und unterschiedliche Krankheitsverläufe beschrieben, Ratschläge zur Vorbeugung und Vermeidung einer Schwindsucht erteilt und es werden eine Reihe von Therapiemaßnahmen für Patienten aufgeführt, die von der Schwindsucht betroffen sind.

‚Die erste unmittelbare Ursache der Krankheit scheint mir in dem Nervensysteme zu liegen, und ist wahrscheinlich eine widernatürliche Beschaffenheit der Lebensgeister, und ein geschwächter oder gestörter Ton der Nerven; daher nenne ich sie auch eine allgemeine Schwindsucht, die im ganzen Körper liegt. So wie aus dem geschwächten Ton des Magens, Mangel des Appetits und der Verdauung entsteht, so verhindert auch eine fehlerhafte Beschaffenheit des Nervensystems, die Aßimilation, Gährung und Verfeinerung des Nahrungssaftes im ganzen Körper‘ liest man in der Abhandlung über die Schwindsucht bei Richard Morton. Und weiterhin:

Schwindsucht_2 (2)

Ähnliche Ursachen werden auch in anderen Veröffentlichungen immer wieder genannt! Die Ursache des ‚zu häufigen Genusses geistiger Getränke‚ führt schon einmal in die passende Richtung – aber was hat das alles mit GÄNSEN zu tun?

Die Vermutung ist: Knecht und Mägde treffen sich zum gemeinsamen Rupfen der Gänse, die zu einem feierlichen Anlass von den Bauern oder Gutsbesitzern verzehrt werden sollen. Wie in Ostpreußen üblich, wird dabei dem Alkohol reichlich zugesprochen. Man trifft sich eigentlich zum ‚Gänse-Rupfen‚, nennt diese Veranstaltung aber umgangssprachlich ‚Gänse-Saufen‚.

Ob das so stimmt?

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