Der Brautschatz von Wackern in Pr. Eylau

Das Rittergut Wackern nach einem Gemälde

(Quelle: Horst Schulz, Der Kreis Pr. Eylau in alten Ansichtskarten; S. 153)

‚Im östlichen Teil des Kammeramtes Zinten der Komturei Balga lag in der mittleren Ordenszeit der prußische Ort Waccaros, aus dem dann Wackern wurde, mit den kleinen Gütern von 3 Freien Diensten. … Diese prußischen Freigüter waren 1437 alle besetzt und haben wohl auch die Kriegswirren von 1454/66 überstanden – bis zum Jahr 1497. Damals verschrieb der Hochmeister Hans von Tieffen 12 Hufen und 20 Morgen von Wackern „mit freier Fischerei zu des Tisches Notdurft im See Lanzitten“ dem Heinrich von Arnswald für geleistete Dienste. v. Arnswald erhielt 1506 „seinem Dienst in Wackern zu Hilfe“ noch die beiden prußischen Orte Alkehnen und Skerwitten verliehen und richtete in Wackern sein Hauptgut ein. Um das Jahr 1600 war Hans v. Arnswald Besitzer von Wackern mit den beiden Vorwerken, und bei der Familie v. Arnswald blieb nun die Begüterung über 225 Jahre bis 1723.‘ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, S. 238/29)

Im GStA PK entdeckte ich ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass im Juni des Jahres 1712 auf dem Gut Wackern Wolbrandt Wilhelm v. Arnswald lebt, dessen Eheschließung mit seiner Verlobten Eleonora Juliana offenbar kurz bevorsteht.  In diesem Dokument – einer Heyrahts-Notul (einer schriftlichen Vereinbarung vor der Eheschließung) – geht es vor allem um den ‚Brautschatz‚, den Eleonora Juliana in die Ehe einbringt. Aufgeführt wird der  gesamte Brautschatz, der u.a. aus  Möbelstücken,  Geschirr und Wäsche besteht. Außerdem werden Regelungen getroffen für den Fall, dass die Ehe kinderlos bleiben und Eleonora Juliana vor ihrem Ehemann versterben sollte.

Es würde den Rahmen sprengen, hier sämtliche Gegenstände aufzuzählen, die nach der Eheschließung auf dem Gut Wackern landen. Hier einige Kostproben, von dem, was Eleonora Juliana aus ihrem Elternhaus mitbringt:

An ‚Jouvelen und Pretiosen‘

  • Ein paar Demantene Armbänder
  • Ein güldener Ring mit 9 Demanten
  • Zwey dito ohne Stein
  • Ein güldener Ring mit dem Kröten Stein
  • Sieben Silberne Becher nebst einer Kann vom halben
  • Zwey Douzin (= Dutzend) silberne Löffel
  • Ein Thee Treck Pottchen und sieben kleine Thee= Löffelchen

an Stuben Ornat (= zur Ausschmückung der Stube)

  • Zwey große Spiegel mit schwarz glatten Rehmen
  • das Stuben=Uhr
  • das Taschen=Uhr, so Sie in dem Brautstande anstat Trau Ringes von ihrem Liebsten erhalten
  • 24 stück Bier und Spitz Gläser
  • Einige alte Bilder
  • an Büchern: 4 Postillen, 1 Bibel und etliche andere geistliche Bücher

Später wechselt das Gut Wackern mehrfach den Besitzer. Es gehört 1777 Carl Ludwig von Scharden – 1831 Amtmann Riebensahm – nach 1880 Paul Mückenberger – später Verwandten der Familie Mückenberger. Das Gut wurde im Krieg  teilweise zerstört und liegt heute im russischen Teil des ehemaligen Kreises Pr. Eylau.

 

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13 Kommentare zu Der Brautschatz von Wackern in Pr. Eylau

  1. Eva Rojas sagt:

    Ich habe mich sehr über den Artikel und den kleinen Kartenausschnitt gefreut. Meine Familie stammt zum Teil aus den Orten. Nachdem ich dabei bin, meinen Stammbaum und meine Lebensgeschichte zu schreiben, hat es mir viel geholfen, Ihre Einträge zu lesen. Mein Vater wurde 1904 auf einem Gut in Wackern geboren. Der Besitzer hieß Louis Bundt. Handelt es sich hier um das gleiche Gut, oder ist das ein anderes?
    Viele Dank und viele Grüße aus Amerika. Eva

    • Dr. Hans-Georg Lange sagt:

      Wackern – Louis Bundt (früh verstorben) – Mückenberger war der letzte Besitzer von Wackern, war alles meine Verwandtschaft. Meine Großmutter Hertha Lange geb. Mückenberger war die Schwester des letzten Besitzers.
      Es gibt interessante Aufzeichnungen.
      Höre gerne auch mehr von Ihnen!

      frdl. Gruß Lange

      • Marko Starick sagt:

        Guten Tag Herr Dr. Lange,

        mit Freude habe ich den Bericht über den Ort Wackern und auch Ihren
        Kommentar dazu gelesen.
        Ich bin 39 Jahre alt, Familienvater und seit einigen Jahren auf Spurensuche nach meinen Ahnen aus Ostpreussen.

        Es handelt sich um meine Uroma mütterlicherseits. Ihr Name ist Anna Link, geborene Engel. Sie ist am 7.1.1914 geboren, der Geburtsort ist mir leider nicht bekannt. Ich weiß jedoch, dass sie seit mindestens 1941 mit meinem Uropa Martin Ferdinand Link in Wackern lebte.

        Sie hatten 3 Söhne – Oskar (geb. 05.05.1935), Gerhard (13.01.1939) und Arno – wobei Arno vermutlich in Wackern am 12.06.1943 geboren und 1945 verstorben ist oder aufgrund von Krankheit von Wehrmachtsangehörigen mitgenommen wurde.

        Mein Uropa Martin Ferdinand Link war eventuell Schmied in Wackern.

        Nach Auskunft meines Opas Oskar und dessen Bruder Gerhard hatte meine Uroma die Flucht mit ihnen zunächst angetreten. Sie wurden aber dann wieder zurückgeschickt, sodass meine Uroma im Winter 1946/47 in Wackern verhungerte und dort von ihren Kindern notdürftig vergraben wurde.

        Meinem Opa und seinem Bruder Gerhard gelang anschlließend die Flucht. Leider habe ich nicht viel mehr Informationen, außer einem Foto, welches in Wackern aufgenommen wurde. Im Hintergrund ist ein Gebäude zu erkennen, welches höchstwahrscheinlich zum Gut gehört.

        Mein größter Wunsch ist es, etwas mehr über das Schicksal meiner Uroma oder ihr Leben in Wackern zu erfahren, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

        In der Hoffnung, dass Sie mir vielleicht weiterhelfen können oder Sie sich zurückmelden, möchte ich mich schon jetzt für Ihre Bemühungen bedanken.

        Bei Interesse würde ich Ihnen das Foto gerne per E-Mail zusenden.

        Viele Grüße,
        Marko Starick

        • Irmi Gegner-Sünkler sagt:

          Hallo Herr Starick –

          ich selbst weiß darüber leider nichts. Bei der Kreisgemeinschaft Pr. Eylau in Verden gibt es eine Kartei der ehemaligen Bewohner. Dort würde ich mich zunächst einmal erkundigen. Ich kann aber auch gern den Kontakt vermitteln zu anderen, die einen Kommentar zum Gut Wackern geschrieben haben. Die Kontaktadressen werden hier ja nicht angezeigt. Viel Erfolg und Gruß von Irmi Gegner-Sünkler

    • Joerg Schroeder sagt:

      Hallo Eva, mein Ur-Grossvater kaufte 1933 einen grossen Teil des Gutes Wackern bei Preussisch Eylau (August Schröder). Sagt Dir der Name etwas? Besten Dank Jörg

  2. Eva Rojas sagt:

    Inzwischen habe ich rausgefunden, daß es sich wirklich um das Gut handelt, wo meine Großeltern gearbeitet haben und wo mein Vater geboren wurde. Es war ein wirklich emotioneller Moment, das Gut zu sehen. Ganz besonders, weil mein Opa dort Gärtner war. Also stelle ich mir vor, daß der schöne Garten von ihm gepflegt wurde.

    Viele Grüße aus Amerika. Eva

    • Joerg Schroeder sagt:

      Hier noch ein entsprechender Eintrag dazu: „Um 1933 übernahm Dr. Konrad Mückenberger das Gut Wackern mit den drei Vorwerken . Er mußte zwecks Entschuldung des Gutes auch das Vorwerk Skerwitten mit etwas 120 ha zuer Aufsiedlung verkaufen. Es wurden darauf nur drei Siedlerstellen errichtet. August Schröder, bisher Sodehnen, erwarb das Restgut mit 54, 61 ha für seinen Sohn Fritz Schröder und wollte dort seinen Lebensabend als Altsitzer verbringen. Der zweite Sohn Alfred Schröder erhielt den zweiten Hof mit 31,25 ha …“

  3. dmitry sagt:

    Привет, я из Калининграда! Пару часов назад был на месте именуемом Wackern. Там сейчас ничего нет. Остались очертания дорог, некоторые старые деревья, камни от домов, озеро у дороги и ручей. Если потомкам интересно фото, могу выслать. Мой e-mail: dimabond80@mail.ru

  4. Jutta Besta-Hecker geb . Mückenberger sagt:

    Jutta Besta-Hecker geb. Mückenberger. Jahrgang 40 und habe endlich Zeit, meine Vergangenheit auf „Druck“ meiner Adoptivtochter aufzuschreiben. Es fasst mich wirklich an, von Ihnen zu lesen und unser Gut im Internet zu sehen.
    Wir haben doch wirklich gelebt und nicht nur geschwebt.
    Habt alle noch eine gute Zeit.

    Jutta

    • Steffen Hein sagt:

      Liebe Frau Besta- Hecker,

      ich bin ein Nachkomme einer ehemaligen Angestellten auf ihrem Hof in Wackern.
      Meine Oma Auguste- Lisa Hein geb. Tietze war auf ihrem damaligen Gutshof beschäftigt.
      Meine Oma hatte eine Tochter mit Namen, Anneliese Klein, Jahrgang 1936.
      Anneliese durfte mit Ihren 2 Brüdern ab und an, mit der Kutsche in die 6 km entfernte Schule mitfahren.
      Zudem haben Ihre Eltern, meiner Oma und Opa nach der Flucht und Ankunft im Auffanglager Dessau, sehr bei den Dokumenten (späteren Rentenanspruch) geholfen.
      Vielen lieben Dank an ihre Familie, für die Hilfe in der damaligen schweren Zeit

      Grüße Steffen Hein

  5. Karola Berger sagt:

    karola berger aus Döbeln bei Leipzig

    Hallo, Meine Großeltern arbeiteten auch auf dem Gut Mückenberger. Meine Oma,Lina Schulz geb.Faßbinden,geb. am 15.4.19011 und mein Opa Albert Schulz geb. am 28.01.1909 arbeiteten als Stubenmädchen und Stallmeister. Sie hatten 4 Kinder. Ilse,Erna,Hilde und Konrad. Meine älteste Tante Ilse passte immer auf die Kinder von Fam. Mückenberger auf.
    Mein Uropa, Albert Faßbinder arbeitete bei dem Bauer Schröder. Er führte dort wohl das Kontor.
    Am 7.02.1945 hatte dieses bis dahin wunderschöne Leben, ein Ende. Alle mußten fliehen und es folgte eine schlimme Zeit für alle!
    Mich würde interresieren, ob sich noch jemand an meine Angehörigen erinnern kann und mir etv. oder sie sogar persönlich kannte.

    In Hoffnung auf Antwort

    Karola Berger

  6. Johnny sagt:

    dmitry aus Kaliningrad, der auch seine Emailadresse hier hinterlassen hat, bietet an Fotos von Wackern per Email zu schicken. Er hat diesen Platz neulich besucht und sagt dass dort noch Fundamente und Reste von Straßen zu erkennen sind.

    • Irmi Gegner-Sünkler sagt:

      Hallo Johnny – ich hatte schon einmal versucht, Dmitry anzuschreiben. Das hat leider nicht geklappt. Es waere toll, Fotos aus dieser Gegend zu bekommen!

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