Der Krug in Peisten, Pr. Eylau (II. Teil)

Über den Krug in Peisten habe ich bereits früher geschrieben. Der nachfolgende Auszug stammt aus den Grundakten der ‚Adelig Peistenschen Güter‘, die ich im April im Staatsarchiv Allenstein eingesehen konnte. Da mein Urgroßvater 4. Grades Johann Heinrich Ankermann diesen Krug fast 30 Jahre lang besaß, freue ich mich über neue Informationen, die sich aus diesem Dokument ergeben, das 1829 aufgesetzt wurde. Das Dokument ist im Übrigen ein schönes Beispiel dafür, dass die Schreibweise der Familiennamen sehr flexibel gehandhabt wurde 🙂

Peisten

Actum Landsberg, am 6ten October 1829

 Adel. Peistensches Patrimonial-Gericht

In der Hypothekensache des Kruges zu Peisten erscheinen im heutigen Termin:

  1. der Besitzer Daniel Hellmig
  2. der Besitzer der Peistenschen Lehngüter, Herr Landrath von Kreytz
  3. der Zeuge Maurer Zander aus Peisten

In Stelles des Schäfers Jacob Scheffler hat der Hellmig den Kalkbrenner Gottfried Willmann mitgebracht, welcher mit den Verhältnissen noch besser als der Scheffler bekannt seyn soll.

Die Zeugen mit dem Gegenstand ihrer Aussage bekannt gemacht und zur Aussage der reinen Wahrheit aufgefordert, lassen sich nachfolgend aus:

  1. Der Maurermeister Jacob Zander: Ich bin 70 Jahre alt, lutherischer Religion und mit dem Hellmig sowenig als mit dem frühern Besitzer verwandt, ich bin in Peisten geboren und habe mich von Jugend auf ununterbrochen daselbst aufgehalten.
  2. Der Kalkbrenner Gottfried Woelmann: Ich bin 67 Jahre alt, lutherischer Religion, ebenfalls mit dem jetzigen Besitzer nicht verwandt und wohne schon seit 50 Jahren ununterbrochen in Peisten.

Im Uebrigen verneinen beide Zeugen alle übrigen Generalfragen, welche ihnen auf ihre Glaubwürdigkeit vorzulegen sind. Zur Sache lassen beide Zeugen, abgesondert und einzeln vernommen, sich einstimmig dahin aus:

Der Krug in Peisten ist zuerst von einem gewissen Mollenhauer von der Peistenschen Gutsherrschaft aquirirt worden; wohl mag dies unsres Wissens schon 100 Jahre her seyn. Der erste Moldenhauer übergab diesen Krug an seinen Sohn, und nachdem dieser letztere ihn wenigstens 20 Jahre lang besessen hatte, verkaufte er ihn an einen gewissen Ankermann. Der Ankermann verstarb vor etwa 5 Jahren und heirathete seine Wittwe den jetzigen Krüger Hellmig, welcher nach dem Tode seiner Frau, der verwittweten Ankermann, das Grundstück pro taxa erworben hat. Bebaut ist dasselbe mit dem KrugGebäude nebst Scheune und Schuppen. Es gehören dazu ein Baum– und ein Geküchgarten. Wieviel Land zum Kruge gehört, ist uns nicht genau bekannt, daß es aber nicht Huben, sondern nur einige Morgen sind, wissen wir sehr wohl, auch kamen in seiner Zeit in jedem Felde noch 1 Morgen Land dazu, wovon die Besitzer einen sogenannten Zins entrichten müssen. Auch können wir bekunden, daß diese 3 Morgen gewiß schon 50 Jahre zu diesem Grundstück gehört haben.


Einige Informationen zu den Familienverhältnissen:

Der Krüger Daniel Helmig stammt vermutlich aus Gerkehnen bei Mohrungen (im Eheregister ist ‚Girkihnen‘ angegeben). Susanna Barbara Politt verwitwete Ankermann ist die zweite Ehefrau von Johann Heinrich Ankermann. Sie verstarb bereits im November 1826 – nur ein Jahr, nachdem sie Daniel Helmig geheiratet hatte und er durch diese Eheschließung in den Besitz des Kruges in Peisten gekommen war. Sie wurde nur 36 Jahre alt.

Daniel Helmig und Susanna Barbara Politt bekommen einen Sohn namens Wilhelm August Helmig, der am 4. Mai 1826 in Peisten geboren und am 7. Mai dort getauft wird. Patin ist u.a. Justine Wilhelmine Sattler, die einzige Tochter des Peistener Jägers Jacob Sattler. Sie wird sich nach dem Tod von Susanna Barbara Politt  vermutlich schon um ihr Patenkind gekümmert haben – im Juli des Jahre 1827 wird sie auch Stiefmutter ihres Patenkindes und Ehefrau von Daniel Helmig. Zu diesem Zeitpunkt ist Justine Sattler erst 17 Jahre alt. Diese Ehe scheint jedoch nicht funktioniert zu haben – als am 1. Mai 1830 Justines Tochter Dorothea getauft wird (im Namensregister als Dorothea Helmig aufgeführt) ist im Taufbuch vermerkt: ‚Muttter: Frau Justine, abgeschiedene Krüger Helmig geb. Sattler; unehelich‘.

Am 18.Juli 1835 heiratet Justine Helmig, geb. Sattler den aus Eichhorn stammenden Zimmermann Wilhelm Gegner, einen Sohn des Leinewebermeisters und Krügers Ernst Wilhelm Gegner und dessen Ehefrau Regina Elisabeth Gnoss. Wilhelm Gegner und Justine, geb. Sattler leben fortan in Ponienken und bekommen noch zwei Kinder.

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