Das vormalige Soldatenwerben

Dieser Text wurde im Jahr 1840 geschrieben. Er beschreibt die Rekrutierung von Soldaten in Sachsen um 1700. Möglicherweise haben auch Mitglieder meiner eigenen Vorfahren-Familien, die um diese Zeit in Großtreben wohnen, diese Art des Soldatenwerbens erlebt …

Aber auch außerhalb Sachsens wurde derart rigoros vorgegangen, um möglichst viele junge Männer zu ‚erwischen‘.

Das vormalige Soldatenwerben

Der Tag der ‚Rekrutierung‚ ist noch in unsern Tagen für tausend Eltern und deren militärpflichtige Söhne ein schwer gefürchteter Tag. Auch jetzt noch, wo Gesetz und Ordnung bei dem Aushebungsgeschäfte herrscht, geht der Sachse ungern unter das ‚Maaß‘. Wie war es aber vollends vor hundert und vierzig Jahren und bis zu der Zeit, wo Sachsen ein Königreich wurde. Damals hatte jedes Regiment für Herbeischaffung der ihm nöthigen Rekruten selbst zu sorgen: die Obrigkeit kümmerte sich nicht darum. Nun schickte jede Compagnie ‚Werber‚ aus, welche durch List, durch Ueberredung, durch Gewalt, kurz durch jedes Mittel die benöthigte Anzahl Rekruten herbeizubringen suchten.

Da überfiel man die jungen Männer in den Häusern, holte sie Nachts aus dem Bette, lauerte ihnen auf in den Schänken, auf den Straßen, sogar auf dem Wege zur Kirche. Vielen stellten die Werbeofficiere unter irgendeiner Verkleidung nach, lockten sie auf diese Weise hinweg, oder machten sie durch gereichte Getränke trunken und zwangen sie dann zur Annahme des Handgeldes und zum Fahnenschwure. In den Jahren 1697 bis 1701 war das Unwesen der Werber zur größten Plage geworden: niemand mochte in Sachsen gern reisen oder verweilen; Handel und Gewerbe litten unglaublich.

Der damalige Feldmarschall Schöning billigte das schändliche Verfahren. Da hörte endlich der Kurfürst (August der Starke) davon und untersagte den Officieren bei Strafe der Cassation ein solches Verfahren den 24. Februar 1702 (nach Andren den 27. Februar). Aber leider wiederholten sich die Unbilden der Werber immer wieder aufs Neue, besonders wenn Krieg ausbrach.

(Quelle: C. A. F. Mohr, ‚Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte: Eine Gabe für die Schulen und die Jugend der gesammten sächsischen Lande‘;  Leipzig, 1840)

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Königsberger Dissertationen

Nicht nur die in meinem vorherigen Beitrag erwähnte Dissertation – die ich zufällig gefunden hatte – wurde von der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln digitalisiert, sondern ‚im Rahmen der internen systematischen Digitalisierung hat die USB Köln begonnen, ihren Bestand an Königsberger Dissertationen und Universitätsschriften zu scannen.‘

USB_Köln_Königsberger_Dissertationen

Darunter befinden sich eine ganze Reihe weiterer Ausarbeitungen, die auch für Ahnenforscher interessant sind. Mit einem Klick auf das Banner sollte man dort landen!

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Landwirtschaft auf kölmischen Gütern im Süden Natangens

‚Des Lebens Würze ist die Erinnerung; sie bleibt das einzige Paradies, aus dem der Mensch nicht vertrieben werden kann‘ – mit diesem Zitat des Dichters Jean Paul beginnt der Pastor Paul Bordt die Einleitung seiner Dissertation. Sein Thema ist die  ‚Grundlage und Entwickelung der landwirtschaftlichen Betriebsverhältnisse der Kölmischen Güter im Süden von Natangen‘. Geschrieben wurde die Dissertation 1907.

PaulBordt_Dissertation

Die kölmischen Güter, mit denen sich Paul Bordt gefasst, sind:

  • Bartken 
  • Gehdau 
  • Kildehnen 
  • Lichtenfeld 
  • Müngen 
  • Perbanden 
  • Schleppstein 
  • Schönborn  
  • Weisels und
  • Wohlau 

All diese Güter befinden sich im Kreis Heiligenbeil. Ich selbst habe mir diese Ausarbeitung bereits vor vielen Jahren kopieren lassen, weil auch meine eigenen Vorfahren darin genannt werden, die auf den Güter Gehdau Nr.1 und Wohlau Nr. 3 lebten.

Nun findet man diese Dissertation hier als Digitalisat.

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Schallplatten-Spezialaufnahmen des Kirchenglocken-Geläutes

Dieser kurze Bericht hat nicht unbedingt mit Genealogie zu tun – aber er betrifft immerhin die Heimat meiner Vorfahren und erzählt ein wenig von den Lebensumständen zur Zeit des 2. Weltkriegs.

Am 27. März 1940 ruft Generalfeldmarschall Hermann Göring das deutsche Volk dazu auf, ‚zum bevorstehenden Geburtstag Adolf Hitlers‘ Metall zu spenden. Ziel ist die Beschaffung kriegswichtiger Rohstoffe. Erwünscht sind vor allem Gegenstände aus Messing, Kupfer, Bronze, Eisen und Zinn. Im gesamten Land werden Sammelstellen eingerichtet, an denen das Metall abgegeben werden kann. Als Dank erhalten die Spender anschließend eine Urkunde des Führers.

Der Appell richtet sich nicht nur an Privatleute – u.a. werden auch die Kirchengemeinden aufgefordert, ihre Glocken zu spenden. …

Am 4. Mai 1940 erhält der Gemeinderat in Allenstein einen Brief der Firma Telefunken aus ihrer Geschäftsstelle in Königsberg mit dem Betreff:

Schallplatten-Spezialaufnahmen Ihres Kirchenglocken-Geläutes

Telefunken informiert die Kirchengemeinde über die Möglichkeit, dass sie ‚mit einer Schallplatten-Aufnahme des vorhanden Geläutes bei Benutzung einer Elektrischen Übertragungeanlage nicht nur den Originalklang des Geläutes festzuhalten‘ in der Lage sei, ’sondern das Geläute auch weiterhin im Kirchendienst‘ verwenden könne.

Vorgeschlagen wird die Aufnahme des Kirchengeläuts auf der einen Seite der Schallplatte und ein Orgel-Solo des Organisten auf der Rückseite! Bei Interesse würde die Firma mit ihrem – mit neuesten technischen Mitteln ausgerüsteten – Aufnahmewagen nach Allenstein kommen.

Telefunken_Glockengeläut

Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Gefunden habe ich den Brief in dieser Akte der evangelischen Kirche zu Allenstein.

Den Höhepunkt der Metallsammlungen bildete die reichsweite Erfassung und Demontage von bronzenen Kirchenglocken. Sie wurden auf den sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg verbracht, dort eingeschmolzen und in ihre Grundbestandteile Kupfer und Zinn getrennt. Von den rund 90.000 im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten beschlagnahmten Glocken waren bei Kriegsende rund 15.000 noch nicht eingeschmolzen und konnten nach aufwändigen Identifizierungen weitestgehend wieder an ihre angestammten Plätze zurückkehren (Wikipedia)

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Von Goldap ins Herzogtum Oldenburg

Ich wohne nun schon seit vielen Jahren in Oldenburg. Mein Weg hierher war nicht weit – er führte nur über die Weser – und er war unkompliziert. Für Johann Friedrich Isigkeit, der mehr als 100 Jahre vor mir hier in Oldenburg landete, war das alles sehr viel umständlicher. Um sich im damaligen Großherzogtum Oldenburg niederlassen zu können, musste er nicht nur einen sehr viel weiteren Weg zurücklegen, sondern zuvor seine preußische Staatsangehörigkeit aufgeben bzw. ‚aus dem Preußischen Untertanenverbund entlassen werden‘.

Goldap_Auswanderung_Deckblatt

Alle nachfolgenden Informationen habe ich den vom Archiwum Państwowe w Olsztynie (Staatsarchiv Allenstein) digitalisierten Akten über ‚die Auswanderung Preußischer Unterthanen aus dem landrathlich Goldappschen Kreise‘ entnommen, die hier einzusehen sind.

Johann Friedrich Isigkeit wird am  17. September 1827 als Sohn des Eigenkätners Carl Isigkeit in Iszlaudszen im Kirchspiel Tollmingkehmen, Kreis Goldap (Regierungsbezirk Gumbinnen) geboren. In der Stadt Goldap erlernt er die Gerberei und begibt sich anschließend auf die Wanderschaft. Seine Mutter verstirbt früh, der Vater heiratet erneut – im März 1859 ist er auch er verstorben.

Iszlaudszen

Im März des Jahre 1859 lebt der Gerbergeselle Johann Friedrich Isigkeit bereits im  Herzogtum Oldenburg – vermutlich zunächst in Elsfleth. Von hier aus beantragt er bei der für ihn zuständigen Regierung in Gumbinnen einen Heimatschein. Offenbar hat er mittlerweile seine zukünftige Ehefrau Anna Sophia Meyer kennengelernt und plant die Hochzeit mit ihr.

Anna Sophia Meyer wurde am 2. Februar 1827 in Deichstücken als Tochter von Johann Meyer und Anna Catharina Margareta Edling geboren. Sie war zuvor bereits verheiratet mit dem Matrosen Friedrich Stemmich, der aus Steinhausen stammt. (Quelle: OFB Brake-Elsfleth-Golzwarden-Hammelwarden – hier wird auch die Ehe von Johann Friedrich Isigkeit und Anna Sophia Meyer genannt, allerdings wird der Bräutigam unter dem Namen ‚Jeigkeit‘ aufgeführt).

‚In Folge der vorstehenden Bescheinigung steht der Verheirathung des J. F. Isigkeit in weltlicher Hinsicht nichts entgegenAmt Elsfleth, 9. April 1859′ – ist als Randvermerk auf dem am 15. März 1859 von der Regierung in Gumbinnen ausgestellten Heimatschein zu lesen. Man bestätigt dem Antragsteller, dass er ‚durch Abstammung die Eigenschaft als Preuße‘ besitze. Weiterhin wird mitgeteilt, dass von den nächsten Angehörigen des Johann Friedrich Isigkeit folgende Personen noch am Leben seien:

  1. die Stiefmutter, Eigenkätnerfrau Maria Isigkeit (Witwe), Besitzerin eines   Eigenkätnergrundstücks in Iszlaudszen von 16 Morgen
  2. eine Schwester des Johann Friedrich Isigkeit, verheiratet an den Eigenkätner Pinnau in Rominten
  3. eine weitere Schwester, verheiratet an den Losmann Riegel in Baudehnen.

Am 19.6.1859 findet in Elsfleth die Eheschließung von Johann Friedrich Isigkeit und Anna Sophia Meyer statt und um 1861 muss die gemeinsame Tochter Friederike Isigkeit zur Welt gekommen sein. Vor März 1863 muss die Familie Elsfleth verlassen haben und in die Stadt Oldenburg verzogen sein.

Um hier das Bürgerrecht zu erhalten und als Oldenburgischer Staatsangehöriger aufgenommen werden zu können, muss Johann Friedrich Isigkeit 1863 bei der ‚Großherzoglich Oldenburgischen Regierung‘ weitere Nachweise erbringen:

Goldap_Oldenburg_Isigkeit_4

Am 6. Mai 1863 erhält der Gerbergeselle Johann Friedrich Isigkeit die Urkunde über seine Aufnahme in den Staatsverband des Herzogtums Oldenburg. Ein Duplikat wird zur Kenntnisnahme an die Königlich Preußische Regierung in Gumbinnen gesandt.

Isigkeit

Isigkeit_Urkunde

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Notizen bei der Durchsicht von Kirchenbüchern

Ich habe mir angewöhnt, bei der Durchsicht eines Kirchenbuchs zwischendurch all das zu notieren, was mir als Besonderheit auffällt. Oft haben diese Notizen mit der eigentlichen Recherche meiner Vorfahren gar nichts zu tun. Manchmal fallen mir zum Beispiel spezielle Berufe auf – manchmal entdecke ich eine Notiz des Pastors, die etwas über die Lebensumstände der Bewohner eines Ortes verrät – manchmal ist es ein ungewöhnlicher Name, der mir ins Auge fällt. Mich interessieren auch die Familien, die gemeinsam mit meinen Vorfahren im jeweiligen Ort leben oder ich achte – bei der Durchsicht eines Sterberegisters – auf die zu bestimmten Zeiten eingetragenen Todesursachen .

Die nachfolgenden Notizen – die ich hier nicht in vollem Umfang wiedergebe – entstanden bei der Durchsicht von Taufeinträgen des Kirchenbuchs von Kl. Dexen in Pr. Eylau. Die Bewohner des Hospitalsdorf Pompicken hatte ich dabei besonders im Blick, weil in diesem Ort meine eigenen Vorfahren lebten.

  • Bewohner von Pompicken, die ihre Kinder taufen lassen: Martin Nitsch – Görg Braxien (1638) – Görg Braxien (1639) Martin Nitsch (1641) Andres Depner (1650) Hans Pottel (1657) Martin Altmann (1657) Andreas Döpner (1658) Peter Pittwaldt (1661) Michel Steppuhn u. Jacob Arndt (1669) Christoph Kebbe, Bauer zu Pompicken (1701)
  • um 1650 werden mehrere Kinder aus Kumkeim in Kl. Dexen getauft – warum?
  • um 1650-1670 werden Töchter ELSE – ANNIKE – ORTHIA, ORTY o. TUSCH genannt!

KL.Dexen_1668

  • Jacob Schimmelpfennig ist 1667 Bauer in Saagen
  • 1668: Georg Kosemundt aus Gehrken (=Görken) lässt Sohn Michael taufen
  • Andreas Corschinsky ist 1676 Schulz von Orschen
  • der Name Kebbe kommt noch nicht vor!
  • 1682 Martin u. George Kantelberg sind Bauern in Schlauthienen
  • 1683-1685: kaum Taufen eingetragen ‚In diesem 83 Jahr sindt gar keine getaufften Kinder eingeschrieben‘ 1684 2 Taufeinträge – 1685 gar keine
  • 1690 – der Name Reuter ist bislang nicht aufgetaucht!

Dieses Anfertigen von Notizen hat sich sehr bewährt – so manches Mal haben sie mir im Nachhinein zur Auswertung bestimmter Fakten sehr geholfen.

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Als die Frühlingssonne zu weichen begann …

Immer mal wieder entdecke ich in alten Zeitungen Berichte über die Schlacht in Galizien, bei der am 2. Mai 1915 u.a. auch mein Großvater Carl Ludwig Gegner starb. Der nachfolgende Text stammt aus einer Ausgabe des vom Staatsarchiv in Litauen digitalisierten Tageblatt für Litauen (1913-1918). Und immer wieder bin ich fassungslos …

Tageblatt_Litauen

‚Preußische Garderegimenter warfen den Feind aus den Höhenstellungen östlich der Biala und stürmten bei Staszkowka sieben hintereinander gelegene erbittert verteidigte russische Linien. Entweder von den Russen angesteckt oder von den Granaten getroffen, entzündete sich die hinter Gorlice gelegene große Naphtaquelle. Haushoch schlugen die Flammen aus der Tiefe und eine Rauchsäule von mehreren hundert Metern stieg gegen Himmel. Am Abend des 2. Mai als die heiße Frühlingssonne allmählich einer kühlen Nacht zu weichen begann, war die Hauptstellung ihrer ganzen Länge und Tiefe nach in einer Ausdehnung von etwa 16 Kilometer durchbrochen und ein Geländegewinn von durchschnittlich vier Kilometer erzielt. Mindestens 20.000 Gefangene, mehrere Dutzend Geschütze und etwa 50 Maschinengewehre bleiben in der Hand der verbündeten Truppen, die im Kampfe um die Siegespalme gewetteifert hatten. Außerdem wurde eine noch unübersehbare Menge von Kriegsmaterial aller Art erbeutet, darunter große Mengen von Gewehrern und Munition.‘

Die furchtbar vielen toten Soldaten, zu denen auch mein Großvater gehört, der als Gardesoldat bei genau dieser Schlacht am 2. Mai des Jahres 1915 sein Leben verlor, werden in dem Artikel überhaupt nicht erwähnt. Carl Ludwig Gegner war nicht einmal 29 Jahre alt. Hat auch er mit den anderen voller Begeisterung ‚um die Siegespalme gewetteifert‘ oder hat er auch an seine Frau und seine beiden beiden kleinen Söhne gedacht, die er vielleicht nie wiedersehen würde …?

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Kunstdenkmäler im Kreis Preußisch Eylau

Christoph Heinrich Otte (* 24. März 1808 in Berlin; † 12. August 1890 in Merseburg) war ein deutscher evangelischer Geistlicher, der als „Kunst-Archäologe“ mehrere Schriften veröffentlichte. Er galt im 19. Jahrhundert als Begründer und hervorragendster Vertreter der „kirchlichen Altertumswissenschaft des deutschen Mittelalters“. (Quelle: Wikipedia)

1868 erscheint das von Otte herausgegebene ‚Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen Mittelalters‚.

Im Jahre 1857 sendet Heinrich Otte vorgefertigte Fragebögen an die Pastoren aller Kirchen im Kreis Pr. Eylau (ebenso auch an die Pastoren anderer Kreise) und wertet die Ergebnisse anschließend aus. Ich fand keinerlei Hinweis darauf, ob diese jemals veröffentlicht wurden. Auf jeden Fall existieren die handschriftlichen Aufzeichnungen noch. Sie wurden vom Staatsarchiv Olsztyn (Allenstein) digitalisiert.

Titel

Nachfolgend als Beispiel die Antwort von Pfarrer Riedel in Kl. Dexen auf die Frage zu den in seiner Kirche eventuell noch existierenden Grabmonumenten. Er schreibt: ‚Sind nicht vorhanden, da früher wahrscheinlich die Patrone etc. unter dem Kirchenboden in Gewölben beigesetzt sind. Auf dem Fußboden der Kirche sind einige Grabsteine mit Wappen und Inschriften, deren Entzifferung, durch das Hinübergehen beinahe abgenutzt, ziemlich unsicher wird‘.

Kl.Dexen_Grabmale

Kl.Dexen_2 (2)

Manchmal sind den ausgefüllten Fragebögen auch Zeichnungen beigefügt – wie diese der Kirche von Gr. Peisten oder die des Grundrisses der Stadt Landsberg.

Peisten_Kirche
Landsberg_Skizze

Der in Landsberg damals amtierende Pfarrer Westphal legt dem Fragebogen im Mai 1857 folgenden Brief bei: ‚Sehr geehrter Herr Amtsbruder – Auf Ihr gefälliges Schreiben vom 7ten h. erwidere ich Ihnen ganz ergebenst, daß die Steinpfosten der Fenster hiesiger Kirche samt den Steinfiguren in den Fensterbogen wahrscheinlich so alt sind wie die Kirche, da sich kaum annehmen läßt, daß sie beim Brande von 1650 zerstört gewesen sein sollten, indem sie sehr stark, obgleich nur von Ziegeln, aufgeführt sind. – Das bunte Glas in den Fenstern ist erst vor 2 Jahren eingesetzt worden und noch nicht einmal in allen Fenstern vorhanden, indem diese Zierde der Kirche erst noch vollständig ausgeführt werden soll. – Diese Nachrichten Ihnen bereitwilligst mitteilend wünsche ich Ihnen den besten Fortgang Ihrer interessanten(,) obwohl etwas mühsamen Arbeit und verharre in der Liebesgemeinschaft Jesu Christi als Ihr ganz ergebenster Bruder Westphal, Pfarrer‘.

Die digitalisierten Unterlagen zu dieser ‚Fragebogen-Aktion‘ der Kunstdenkmäler (und viele andere) sind hier zu finden!

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Ein gutes Beispiel für die benachbarten Catholiken …

In dem nachfolgenden Sterbeeintrag aus dem Kirchenbuch von Petershagen, Pr. Eylau, berichtet der damalige Pastor von der ‚beispielhaften‘ Fürsorge des Hauptmanns von Heyden auf Nerfken. Dazu muss man wissen: das Kirchspiel Petershagen war evangelisch, lag aber nicht weit entfernt von der Grenze zum katholischen Ermland. Die Entfernung vom Gut Nerfken, das auch zum Kirchpiel Petershagen gehört, bis zum katholischen Heilsberg betrug etwa 10 km. Die Begüterung Nerfken (heute Nerwiki) befindet sich ab 1728 im Besitz der Familie von Heyden – das Schloss existiert noch.

Der Sterbeeintrag lautet:

‚den 11ten Maii 1788 starb ein Schwerdtfeger Geselle, Caspar Ferowski, catholischer Religion, aus Prag in Böhmen gebürtig, im hochadl(igen) Hofe zu Nerfken – – Dieser Wandersbursche kehrte den 7ten Maii im Nerfkenschen Kruge schon krank ein, und nachdem er bis zum 10ten Maii alda gelegen, so wurde es der gnädigen Herrschaft im Hofe gemeldet, welche den unbekanten und nie gesehenen Wanderer sogleich in den Hof zur Verpflegung nahmen und da Sie seine Krankheit von Bedenklichkeit fanden, den Stadt Chrírurgum Wegner von Heilsberg herüberholen ließen, welcher den Kranken mit gehöriger Medicin versehen und zu zweien malen Ader schlagen mußte. Allein aller Vorsorge und Wartung ungeachtet verstarb er unter den Händen des Arztes. Der menschenfreundliche Wohlthäter, Herr Hauptmann von Heyden auf Nerfken, aus Menschenliebe gedrungen und auch den benachbarten Catholiken ein gutes Beispiel in Absicht der Toleranz zu geben, ließ den erblasten Mitmenschen, nach einer gehaltenen Rede vorm Altar, auf dem Kirchhofe zu Petershagen solemniter (=feierlich) u. in Gefolge sämtlicher Unterthanen begraben. – – Der Kirche 30 g; 38 J. Entzündung‘.

Petershagen_1788_Nerfken_3

 

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Verkauf des Gutes Grundfeld, Pr. Eylau (1698)

Immer noch  gibt es eine Reihe von Dokumenten, die ich im Laufe der vergangenen Jahre aus den Staatsarchiven von Dahlem oder Olsztyn (Allenstein) mitgebracht und noch gar nicht richtig ausgewertet habe – zum Beispiel den Kaufbrief über das kleine Gut Grundfeld aus dem Jahr 1698.

‚Nach der Reformation von 1525 und der Gründung des Herzogtums Preußen ist am Rande des Stablack-Forsts auf ausgehauenem Waldland ein kleines Chatull-Gut gegründet worden, das ‚Grundfeld‚ genannt wurde. … Grundfeld blieb auch in späteren Jahrhunderten stets ein kölmisches kleines Gut. Es geriet nicht in den Besitz größerer Güter. 1785 wird es ‚kölmisches adliges Chatullgut‘ mit 3 Feuerstellen im Kirchspiel Kl. Dexen genannt. Besitzer war Fähnrich Seel‘ (Horst Schulz, Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 236).

Der Burggraf der Begüterung Wildenhoff, Reinhold Seel, war bereits vor 1700 Besitzer des Gutes Grundfeld. Am 14. Juni 1698 verkauft er es an seinen Bruder Johann Seel, den damaligen Burggrafen des Gutes Worienen.

Seel_1698_Worienen_2

Kauff Brieff Herrn Johann Seelen, Burggraffen der
Wohrienischen Gütter über das Frey Güthlein Grundfeldt

Kundt und zu wißen sey hirmit, Jedermänniglichen, insonderheit denen hieran gelegen, undt die solches wissen von nöthen haben, daß Anno 1697, den 11ten Januarii gemäß Vergleich ein gültiger, zu Recht beständiger undt unwiederruflicher Kauff-Contract berahmet beschlossen undt vollzogen worden wie folget: Es verkaufet (Tit.) Herr Reinhold Seel, p. t. woll bestallter Burggraff der Hochadel(ichen) Wildenhöfschen Gütter sein cölmisches Freygütlein Grundfeldt im Preusch Eylauschen Ambte gelegen von 2 Huben 15 Morgen, mit allen Pertinentien, Freyheiten, Gerechtigkeiten, wie sie immer Nahmen haben mögen, undt wie Verkäuffer bißhero inne gehabt, besessen und genoßen, nichts davon eximiret, sambt nachfolgenden ausgedrucktem Inventario, als: erstlich Wintersaat: 6 Sch. Gerst, 6 Sch. Haber, 2 Sch. Erbsen, Sommersaat, 2 junge Arbeitsstutten, 1 Kuhe, 1 Ochsen, 5 Schafe, 5 Schweine, 1 Wagen und 1 Egde aus Brüderlicher Liebe an seinen Bruder (Tit.), Herrn Johann Seelen, p.t. wollbestalltem Burggraffen der Hochadel(ichen) Wohrienischen Gütter vor und umb 2000 Schilling Preuß. Jeder in 20 Gulden gerechnet. Welche 2000 Kaufschilling Herr Käuffer Herrn Verkäuffern allsofort bahr mit guten Sorten gegen Quitare gezahlet, dafür er Ihm gebührlichen Dank saget,mit dem außdrücklichen Vorbehalt, undt Condition, daß wenn Gott dermahl einst nach seinem heyligen gnädigen Willen, seinen lieben Bruder, Johann Seelen, undt seine liebe Ehegattin durch den Todt aus dieser Zeitligkeit fordern solte /: welches Gott lange Zeit in Gnaden verhüten wolle :/ Er Verkäuffer nebst den Seinigen die Priorität undt Naheit zu vorgedachtem Gütlein vor allen andern, wer die auch seyn, haben möge. ….. (ein Ausschnitt aus dem Kaufbrief)

So geschehen Wohrienen, den 14ten Junii 1698

Johann Seel, als Käuffer                                                        Reinhold Seel, als Verkäuffer

Seel_1698_Worienen

Grundfeld, das ehemals kleinste amtliche Gut des Kreises Pr. Eylau, existiert schon lange nicht mehr. Es wurde im Herbst 1934 vom Militär aufgekauft und dem Gelände des Truppenübungsplatzes Stablack einverleibt. Der Name Grundfeld verschwand damit  von der Landkarte.


 Zur Familie von Johann Seel gibt es eine verwandtschafliche Beziehung meiner Vorfahren – der Burggraf Johann Seel heiratet im Mai des Jahres 1703 in Eichhorn Catharina Bogdahn, die jüngere Schwester meines Vorfahren Adam Boddahn.

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