Quellen-Verwirrung

Diese unglaubliche Geschichte wurde mir von einem Forscher-Kollegen zugesandt, dessen Vorfahren ebenfalls im Kreis Pr. Eylau, Ostpreußen, lebten. Er schreibt:

‚Vor etwa zehn Jahren wertete ich für meine Vorfahrenforschung auch die Fotoalben meiner Eltern aus und stieß auf das beiliegende Foto. Natürlich übernahm ich diese Daten in meine Datei. (Meine Großmutter war in 2. Ehe mit einem Gustav Blädtke verheiratet.) 

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Einige Jahre später hatte ich die Gelegenheit, mit einer Nichte der Elisabeth Blädtke zu sprechen. Als ich aber den Mädchennamen „Auch“ erwähnte, ohne den Grabstein selbst zu nennen, sagte sie mir wörtlich: „Vor diesem Grabsten stand ich auch. Der Name Auch ist falsch. In Wirklichkeit hieß sie (auch) Blädtke.“ Weiter berichtete sie mir, wie es dazu gekommen war. Der Steinmetz fragt die persönlichen Daten der Verstorbenen ab: Vorname: Elisabeth, Nachname: Blädtke, Mädchenname: a(A)uch.

Darum, lieber Familienforscher, trau‘ keiner Sekundärquelle, aber begegne auch den Primärquellen mit einer gesunden Portion Misstrauen.

Nachdem ich nun gestern die Geburts- und Heiratsurkunde runtergeladen hatte, musste ich feststellen, dass das Geburtsdatum von Elisabeth Blädtke auf beiden Urkunden nicht identisch ist mit dem auf dem Stein.

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Hat die Familie Blädtke nun zweiundsiebzigmal Elisabeths Geburtstag zwei Tage zu früh gefeiert oder hat sich der Standesbeamte geirrt. …? Fragen über Fragen. Letztendlich können wir nicht sagen, welches Datum richtig ist, denn wir waren ja nicht dabei.:-)‘

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Das Testament der Amalie Eleonore von Domhardt

Amalie Eleonore von Domhardt wird um 1745 als älteste Tochter des späteren Oberpräsidenten Ostpreußens Johann Friedrich von Domhardt und dessen Ehefrau Johanna Amalia Keydel geboren. Nach eigenen Angaben in ihrem Testament kam sie in Ragnit zur Welt – vermutlich wohl auf dem Gut Althof-Ragnit, das ihrem Vater um diese Zeit gehörte. Ihr Geburtsdatum ist aufgrund fehlender Kirchenbücher nicht genau zu ermitteln. 

Im Jahre 1765 heiratet Amalia Eleonore von Domhardt den fast 20 Jahre älteren Hauptmann Woldemar Siegmund von Reibnitz, Herr auf Rositten, Petersdorf, Opitten, und Laubwitz. Dieser steht von Jugend an – insgesamt 41 Jahre lang – in militärischen Diensten und stirbt im Mai 1774 in Königsberg. Amalie Eleonora wird mit etwa 30 Jahren Witwe. 11 Jahre später – am 19. August 1785 – verstirbt auch sie in Königsberg. 

Am 8. August erneuert Amalie Eleonore von Reibnitz in ihrer Wohnung auf dem Roßgarten in Königsberg ihr bereits einige Jahre zuvor (am 13. April 1782) verfasstes Testament in Anwesenheit ihres ‚gerichtlich constituirten Curators‘, des Kriegs- und Domainenrats Christoph Abraham Paulsen.

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Actum Königsberg auf dem Roßgarten in dem Hause der verwittweten Frau Majorin von Reibnitz den 8. August 1785 um 7 Uhr Abends

Amalie Eleonore erklärt: ‚Da meine jetzige kränkliche Leibesumstände mir kein langes Lebensziel versprechen und ich aus gewissen Ursachen für richtig gefunden, die von mir … niedergelegte testamentarische Disposition … gänzlich aufzuheben, so habe (ich) über meinen Nachlaß meine letzte Willensmeinung … in nachstehender Art wissentlich und wohlbedächtig … an den Tag legen wollen.

Sie betont, ‚daß sie in auf- und absteigender Linie keine Nachfahren‘ habe und setzt ihre jüngere unverheiratete Schwester Ernestine Gertrude Friederike von Domhardt als Alleinerbin ein. Diese wird verpflichtet, Teile des Nachlasses an andere Personen auszuhändigen:

  1. an den jüngsten Bruder Otto Heinrich von Domhardt auf Schrombehnen, der diese Gegenstände für seine Tochter Friderike Amalie Henriette von Domhardt bis zu ‚ihrer etwaigen Verheirathung oder Großjährigkeit‘ verwahren soll.

Amalie Eleonora schildert genau, was sie ihrer Nichte zukommen lassen möchte. Der Sekretär Johann Christian Wlochatius notiert, dass diese Folgendes erhalten solle:

  • zwei Unterbette, zwei Pfühle, ein Zudeck, zwei Parchens Kopfkissen von blau gestreifter Einschüttung mit J.A.D. (vermutlich die Initialen der Mutter) auf zwei Personen bezeichnet – (es folgt eine Aufzählung verschiedener anderer Wäschestücke)
  • die von meiner Schwester in Verwahrung habende 50 Ellen rothen Damast
  • sämmtliches Silber ohne Ausnahme
  • die beiden nußbraunen Kastens mit dem Weißzeug
  • das Brautkleid von reichem Stoffe
  • die blau damasten Gardinen zum Bett
  • die nußbraune Komode mit dem was darinnen aufbehalten‘
  • die nußbraune Chatoulle mit dem Portrait meines Vaters en Brosche gefasst und meinen brillanten Ring, auch allen übrigen, was darinnen befindlich ist
  • den grauen Kasten welcher von meinen Groß Eltern herrühret, mit allem, was darinnen befindlich ist.

Weiter heißt es im Testament:

  • Sodann vermache ich den Fräulein Friederike von Podewils und der Jungfer Caroline Liking, die beide bei mir im Hause sind, meine sämmtliche anziehende Kleider, exclusive den Pelzen, und mein anziehendes Leinen, welches im kleinen Büreau verwahret ist… (Anmerkung: beide erhalten zusätzlich noch Baargeld – Fräulein von Podewils 15 Reichstaler, Jungfer Liking 10 Reichstaler – und ihre Betten)
  • (Außerdem) vermache ich meinem Bedienten Lottermoser das Bette worauf er schläft und 50 Reichsthaler baar Geld

Es werden zudem Regelungen getroffen, die das weitere Kapital betreffen – sowohl Caroline Liking als auch Friederike von Podewils sollen eine jährliche finanzielle Unterstützung erhalten – vorhandene Schulden sollen bezahlt werden und auch die bereits erwähnte Nichte soll zusätzlich Geld erhalten. 15.000 Reichstaler aber sollen der Begüterung Worienen zugeschrieben werden.

Neun Tage vor ihrem Tod – am 10. August 1785 – lässt Amalie Eleonore von Reibnitz, geb. von Domhardt noch hinzufügen: 

  • Meine sämmtlichen Leute sind nach meinem Ableben an meinen lieben Bruder, den Rittmeister von Domhardt auf Schrombehnen gewiesen, und kann unter keinem Vorwande Jemand von ihnen sogleich nach meinem Hintritt aus dem Hause gewiesen werden, viel mehr wird mein lieber jüngster Bruder die Güte haben, davor zu sorgen, daß meine Leute gütlich behandelt und nach meiner Beerdigung ihre Forderungen richtig erhalten.
  • Mein Hausgeräth, an Kupfer Zinn und Eisengeräth, wird in dem Stande wie es alsdann befindlich, nach dem Ableben meiner Schwester Ernestine, nach Worienen gegeben, jedoch ohne daß solches dem fideicommissarischen Besitzer zugerechnet wird.

Letztlich verfügt Amalie Eleonore von Reibnitz, geb. von Domhardt , dass ihr ‚entseelter Körper … auf dem Sackheimschen Kirchhofe in einem eichenen Sarg ohn alles Gepränge‘ beigesetzt werden solle.

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Börnsteinarbeiter – Posamentirer – Chaisen-Fuhrmann …

BartschneiderButterträgerPerruquier – TobacksSpinner – Strumpfweber und Gewürzkrämer – all diese klangvollen Berufsbezeichnungen findet man beim Durchblättern alter Königsberger Kirchenbücher (und sicherlich auch woanders). Man landet in einer völlig anderen Welt – schon deshalb lohnt sich die Durchsicht.

gewuerzkraemer

Quelle: http://de.mittelalter.wikia.com/

Mittendrin entdeckte ich im Kirchenbuch der Löbenichter Kirche nun den Heiratseintrag von Johann Christian Gegner aus Worienen. Nach 1768 war Christian im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau – zu dem auch Worienen gehört – nicht mehr auffindbar. 

Johann Christian wird am 25. März 1749 in Worienen, Pr. Eylau, geboren. Er ist der zweite Sohn des Woriener Kunstgärtners Michael Gegner (meines Urgroßvaters 5. Grades). Während Michael Gegner sich in Worienen um den Schlosspark und die Gartenanlagen kümmert, hat Christian seinen Heimatort verlassen und ist vermutlich der Familie von Domhardt nach Königsberg gefolgt. Die Familie hat ihren Hauptwohnsitz in Worienen; allerdings wird sich Johann Friedrich von Domhardt als Oberpräsident von Ost- und Westpreußen der Geschäfte wegen wohl überwiegend in Königsberg aufhalten. Die Familie hat deshalb auch dort ein Quartier. 

Bereits 1768 – gerade 19 Jahre alt – ist Johann Christian Gegner in Worienen als Diener bei der Familie von Domhardt angestellt. Im März 1768 wird er – gemeinsam mit Carl Ludwig Bergh, dem damaligen Administrator von Worienen – im Kirchenbuch als Pate bei seinem Neffen Johann Christian Wilck genannt, dessen Vater, Ehemann von Christians älterer Schwester, ebenfalls (als Zimmerbursche)  im Woriener Schloss tätig ist.

Am 5. Oktober 1777 heiratet Johann Christian Gegner in der Löbenichter Kirche als gewesener Herrschaffts-Bedienter die 23-jährige Eleonora Gertrude Baumann, Tochter eines Löbenichter Gastgebers (= Gastwirt für Getränke und Speisen) Heinrich Wilhelm Baumann und dessen Ehefrau Helena Dorothea Eleonora Keyter (Keiter).

Weiter konnte Christians Spur bislang nicht verfolgen – er kehrt jedenfalls nicht nach Worienen zurück. 

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Johann Conrad Israel – Aufwärter im Kloster Haina

‚Die Hospitalstiftung des Landgrafen Philipp gilt bis heute als eine sozialpolitische Pioniertat und hat auch bis heute Bestand. Als der Herrscher 1533 die Reform verkündete, betraf dies nicht nur das Kloster Haina, sondern auch das Augustinerchorherrenstift Merxhausen bei Kassel (heute Bad Emstal). Haina war für Männer, Merxhausen für Frauen aus Ober- und Niederhessen bestimmt. Später kamen weitere Hospitäler .. hinzu. .. Die Stiftung war gezielt für die Menschen in den Dörfern gedacht, weil es auf dem Land, anders als in den Städten, damals noch kaum Einrichtungen der Armen- und Krankenfürsorge gab. …

aus Topographia Hassiae, Text von Martin Zeiller, Illustrationen von Matthäus Merian

Neben Armen und Alten waren es Kranke und Behinderte, die in Haina Zuflucht fanden. Unter ihnen waren Blinde oder Taubstumme ebenso wie Aussätzige, Epileptiker und Syphilitiker. Auch Gemüts- und Geisteskranke zählten von Anfang an zu den Insassen, ab dem 18. Jahrhundert wurde ihr Anteil immer größer.

Zur Betreuung wurden anfangs nur so genannte Aufwärter und Geistliche eingesetzt, später auch Ärzte.‘ (Quelle: http://www.klosterhaina.de/Hospital)

Die Kranken werden von insgesamt fünf Aufwärtern versorgt, die unterschiedliche Verpflichtungen haben. Sie müssen die ‚Kranken pflegen, sie waschen, kämmen, ihnen das Eßen reichen, die Bette machen, des Winters die Zimmer heizen, denen Rasenden die Kerker ausfegen und ihnen, so offt es noetig, frisch Stroh geben, auch das Linnen Zeug nehmlich Hemder und Bettlinnen waschen.‘ (Quelle: Kurze Beschreibung des Fürstlich-Heßischen Hohen Samt-Hospitals Haina, Verfertiget vom zeitigen Küchenverwalter Adjuncto Johann Theodor Cranz in Haina am 30.ten Julii 1782).

Um 1719 bis 1721 ist einer dieser Aufwärter mein Vorfahre Johann Conrad Israel. 

israel_1721

Als Aufwärter in der Eß-Stube sind dies seine Aufgaben: ‚Zu gewöhnlicher Zeit die Tische zu decken und einem jeden Hospitaliten seine Portion Eßen vorzusezen. Alles Tisch-Geräth, an Tischtücher, Höltzeren- und Eißengeräth rein und sauber zu halten. Das Suppenbrod ordentlich einzutheilen. Darauf zusehen, daß beym Tisch Gebäth und während ein Lector sein Amt in der Eßstube verrichtet alles still und ruhig seye. Die übrig gebliebene Suppe und sonstiges Eßwerk in das Spühlfaß vor das Hospitalsvieh zuthun. Aufsicht auf die Köche, daß solche nicht größere oder kleinere Portiones als sich gehöret austheilen. Aufsicht auf das Gemüß, wenn solches eingeordnet wird, solches auch zur Küche rein machen zulassen. Bestellung derer Haußdiener Weiber zum Jäden auf dem Garten und sonstiger Arbeit p.p. (Quelle: Anlage zum Schuldentilgungsplan für das Hospital Haina, Verzeichnis der Bediensten und ihrer Aufgaben – http://www.xn--hohe-hessische-hospitler-bcc.de)

In einem Reisebericht aus dem Jahre 1788 wird lobend erwähnt, wie sehr der damalige Obervorsteher des Hospitals, der hessische Major von Stamford, um das Wohlergehen seiner Patienten bemüht ist. Für damalige Verhältnisse mag das so gewesen sein – liest man den Bericht heutzutage, gerät man doch ins Grübeln … Der Reisende erzählt:

‚Es ist unmöglich zu beschreiben, daß keiner der Elenden eine hinreichende Speise nicht erhielt, ohne daß er (Major von Stamford) sie gekostet hätte. Personen von Stande erhalten eine Kost, die sie nicht mit Mißvergnügen an ihren Stand erinnert, und das menschenfreundliche Betragen des Obervorstehers gegen sie läßt sie an ihr Unglück kaum denken, so lange sie nur nachdenken können. Gesunde- und Krankenkost sind verschieden, ich versuchte sie, und hätte mitessen wollen, ohne mich zu beklagen.

Da das Hospital ein vortreffliches Wirthshaus hat, so blieb ich drey Tage hier, ob mir gleich zuvorkommende Gastfreyheit es fast entbehrlich machte. Es lagen über dreyßig Unsinnige an Ketten oder in einer breiten Binde um den Leib. Sonst lagen sie auf kaltem Stein. Herr von Stamford hatte ihnen eine Art von hölzernen Bettstellen oder sogenannten Pritschen machen lassen, die höher als der Boden waren. Ueberall zog freye Luft hindurch, Abfluß der Unreinigkeit war befördert, und auf dem Hofe lagen große schwere Bäume, an welche man bey schöner Luft die Rasenden anzuketten wußte, damit sie solcher genießen konnten.

Wie auch alle anderen Bediensteten lebt Johann Conrad Israel mit seiner Familie innerhalb der Klosteranlage. Ich weiß noch nicht sehr viel über die Familie – Tochter Anna Gertrud Israel (meine direkte Vorfahrin) heiratet 1719 im Kloster Haina den Küfer Johann Henrich Giebel aus Frankenberg und bekommt mit ihm 9 Kinder – ihr Bruder Frantz Reinhard Israel wird 1720 als Bader in Frankenau genannt und vermutlich gibt es eine Schwester namens Catharina Israel, die im Jahre 1717 im Kloster konfirmiert wird.

haina_konfirmanden_1717

Catharina Israel wird übrigens zusammen mit zwei Mädchen der Familie Tischbein konfirmiert. Johann Heinrich Tischbein (1682-1764) ist Hospitalbäcker im Kloster Haina. Von ihm stammen sämtliche Künstler der Familie ab – und sicherlich wird auch Familie Israel sein Brot gegessen haben!

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Weinkäufliche Copulation

Da ich mich überwiegend mit meinen ostpreußischen Vorfahren beschäftige, ist mir der Begriff der ‚weinkäuflichen Copulation‚, der im Jahre 1719 im Heiratseintrag meiner hessischen Ahnen auftaucht (siehe vorheriger Artikel), zuvor nie begegnet. Nun habe ich mich ein wenig informiert.

Eine ‚weinkäufliche Copulation‘ gab es nur im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Dort ‚müssen die Verlobten, wenn aus dem Eheverlöbniß eine Verbindlichkeit entspringen soll, sich vom Pfarrer einsegnen (weinkäuflich copuliren) lassen. Hievon sind die wirklichen Räthe und die mit diesen gleichen Rang haben, ausgenommen‘. (Quelle: Ignaz Lougner, Darstellung der Bischöfe in der oberrheinischen Kirchenprovinz; Tübingen 1840; Seite 180).

Der Begriff der weinkäuflichen Copulation ‚ist von dem echt deutschen Brauche herzuleiten: nach abgeschlossenen Verträgen, namentlich Kaufcontrakten, zum Glase zu greifen, und dieselben hierdurch gewissermaßen zu besiegeln, daher man des Wortes „weinkäuflich“ nicht blos bei dem Kaufe sich bediente‘. (Quelle: Danz, Handbuch des heutigen deutschen Privatrechts Bd. II; Stuttgart 1800, Seite 170).

Bei einer solchen weinkäuflichen Copulation unterrichtete der Pfarrer die Verlobten über die Bedeutung des Ehestandes, prüfte ihre Bibel-Kenntnisse und erteilte ihnen schließlich seine vorläufige Einsegnung. Dadurch erklärte er, dass ihm keinerlei Gründe bekannt seien, weshalb diese Ehe nicht geschlossen werden sollte.

1877 wurde die weinkäufliche Copulation per Gesetz aufgehoben.

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Heiratseintrag aus der Gemeinde Haina-Kloster

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Dieser Heiratseintrag meiner Urgroßeltern 6. Grades stammt aus dem Kirchenbuch der hessischen Gemeinde Haina-Kloster in der Nähe von Frankenberg. Mit tatkräftiger Unterstützung ist es gelungen, den Text zu entziffern – herzlichen Dank!

Der Eintrag heißt:

‚d. 13. Jan: ist Anna Gertrud Israels hiesigen Aufwärters in der Eßstube Tochter mit Joh(ann) Henrich Göbel Bänder Gesell aus Frankenberg weinkäufl:(ich) copuliret von Pfr. Peter Scriba Pastore zu Grüsen me absente und darauff praevia terna proclamatione et copulation mit einem gewöhnl:(ichen) Hochzeit Sermon d. 18. April vollendigt ward.

                                                                                                                          Gott segne Ihre Ehe!‘

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‚Todtgeschoßen mit einer Kugel durch den Kopf‘

Die Schlacht von Friedland (Prawdinsk – russisch Правдинск) am 14. Juni 1807, bei der Napoleon das russische Heer besiegte, wurde oft beschrieben, u.a. auch bei Wikipedia 🙂

Genau fünf Jahre später (am 14. Juni des Jahres 1812) hält sich Napoleon auf seinem Feldzug gegen Rußland mit seinen Truppen erneut in der Umgebung von Friedland auf. Mit einer Heerschau (einer ‚militärische(n) Zeremonie, in der Soldaten zu besonderen staatlichen Anlässen öffentlich auftreten und dabei ihre Bewaffnung und Ausrüstung präsentieren‘ (Wikipedia) wird der Sieg von 1807 an diesem Jahrestag gebührend gefeiert.

wohnsdorf_auglitten

Das Gut Groß Wohnsdorf liegt – laut Leopold Krug – etwa 1 Meile östlich von Friedland. Auf diesem Gut, das sich schon lange im Besitz der Familie von Schrötter befindet (zu dieser Zeit im Besitz des Freiherrn Friedrich Leopold von Schrötter) dient 1812 Johann Gottlieb Reissmann als ‚Oberwarth‘. Sein Vater Gottlieb Reissmann – mein Ur-Großvater 5. Grades – übt denselben Beruf im Jägerhoff aus, der Privatförsterei der Begüterung Worienen, Pr. Eylau. Beide sind demnach verantwortlich für den Forstbezirk des jeweiligen Gutes.

Auch drei Tage nach der großen Siegesfeier müssen sich die Franzosen noch in der Gegend von Friedland aufgehalten haben. Als ein französischer Soldat am 17. Juni versucht, in Wohnsdorf Pferde zu stehlen, bemüht sich Johann Gottlieb Reissmann, dies zu verhindern und wird dabei von dem Soldaten erschossen. Die genauen Umstände dieses Vorfalls sind nicht bekannt, aber im Kirchenbuch von Auglitten-Schönwalde fand ich folgenden Sterbeeintrag:

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‚den 21ten Juny ist der Oberwart Gottlieb Reismann aus Wohnsdorf, welcher den 17ten Juny beim Pferderaub von einem Franzosen am Mühlenteich in Wohnsdorf erschoßen wurde, begraben. Er wurde ein Opfer seiner Menschenliebe (?), indem er die von den französischen Truppen mit Gewalt genommenen Pferde retten wollte. Heyl seinem unsterblichen Geiste.

Als Todesursache ist am Rand des Kirchenbuches vermerkt: todtgeschoßen mit einer Kugel durch den Kopf‘

Johann Gottlieb Reissmann wird nur 30 Jahre alt. Einige Monate später kommt in Worienen ein kleiner Junge zur Welt, der seinen Vater nie kennen lernen wird. Der damalige Pastor von Eichhorn notiert im Taufregister:

‚den 6. Januar wurde die unverehelichte Justine Ohmüller, die angeblich geschwängert von dem in Wohnsdorff erschoßenen Oberwarth Johann Gottlieb Reismann, Sohn des Oberwarths Reismann in Jägerhoff b. Worienen, von einem Sohn entbunden, der den 18ten getauft und genannt wurde: Johann Gottlieb Reismann.

‚Die Mutter vorgedachten Kindes kam, nachdem ihr Geliebter erschoßen war, zu deßen Vater, dem Oberwarth Reismann zu Jägerhoff bei Worienen, um ihren Aufenthalt daselbst zu suchen und wurde bald danach entbunden.‘

Was wohl aus den beiden geworden ist …?

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Fürbitten für das königliche Haus und verordnete Trauer

Unter den vom Staatsarchiv Allenstein digitalisierten Akten finden sich auch ‚General-Kirchen-Akten der Superintendentur Heilsberg über Fürbitten für das Königliche Haus aus der Zeit von 1823 bis 1867.

Die Akten enthalten eine Reihe von Schreiben, die während dieser Zeit an ’sämmtliche evangelische Herren Superintendenten des Königsbergschen und Gumbinnenschen Regierungsbezirks‘ gesandt wurden. Diese werden darin über familiäre Ereignisse im Königshause informiert und gleichzeitig aufgefordert, ‚aufs schleunigste zu veranlassen‘, dass dieses Ereignis  den ‚getreuen Unterthanen Seiner Majestät, des Königs‘ in allen Kirchen innerhalb ihres Bezirks mitgeteilt werde

Je nachdem, ob es sich dabei um freudige oder traurige Ereignisse handelt, soll das Fürbitte-Gebet in der Kirche – das ohnehin immer auch das Königliche Haus einschließt -so abgefasst werden, dass diesem Ereignis besonders Rechnung getragen wird.

Dabei handelt es sich um:

  • Vermählungen
  • ‚gesegnete Leibesumstände‘ der Königin oder Prinzessinen
  • Geburten
  • oder Todesfälle

Verstirbt ein Mitglied der königlichen Familie, so greift das 1797 abgefasste TrauerReglement. Nicht jeder soll jedoch auf dieselbe Weise trauern – es sind genaue Regeln einzuhalten: ‚Bei dem Ableben des Königs, der Königin und einer verwitweten Königin von Preußen, trauern der Hof und die Collegia 6 Wochen lang; die ersten drei Wochen der Adel, wie bisher mit Pleureusen (= schwarze Spitzenmanschetten), und Personen bürgerlichen Standes ohne dieselben, mit tiefer Trauer: die übrigen drei Wochen mit gewöhnlichen schwarzen Kleidern, silbernen Degen und Schnallen. Die Subalternen der Collegien trauern bloß mit einem Flor um den Arm.‘

Um sicher zu stellen, dass die Trauer im Lande auch ordnungsgemäß erfolgt, wird den Superintendenten jeweils ein Auszug des Trauer-Reglements gesandt. Das Reglement enthält noch weitere Vorschriften – zum Beispiel wird das Behängen der Kanzeln und Kirchenstühle mit schwarzem Stoff untersagt und es wird angeordnet, dass 14 Tage lang (jeweils Mittags von 12 bis 13 Uhr) die Kirchenglocken geläutet werden sollen.

Quelle: http://olsztyn.ap.gov.pl/baza/skany.php?z=629&s=51

Nachdem am 26. Februar 1805 Königin Friederike Luise von Preußen in Berlin verstorben war, können auch die Bewohner des Kirchspiels Eichhorn, Pr. Eylau, 14 Tage lang den Klang ihrer Kirchenglocken ausgiebig genießen. Im Sterberegister notiert der Pastor:

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Nota

den 26ten Febr. 1805 starb die Allerdurchlauchigste Fürstin und Frau, Frau Louise Friederike, verwitwete Königin von Preußen, und geborene Prinzeßin von Heßen Darmstadt, von einem heftigen Schlagfluß befallen, im 54sten Jahr ihres Alters.

Die Glocken wurden 14 Tage lang, vom 15ten bis zum 27sten März von der Dorfschaft Eichhorn, in der Mittagsstunde von 12 bis 1 Uhr geläutet(,) auch die Kirchen Music 2 Sonntage eingestelt. Die Gedächtsnißpredigt wurde Dom. Judica über den vorgeschriebenen Text Offenb. Joh. 14, 13 gehalten.

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Sammelei ’seltener‘ Familiennamen

Als ich vor nunmehr fast 20 Jahren mit der Erforschung meiner ostpreußischen Vorfahren begann, waren mir die meisten ostpreußischen Familiennamen fremd. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob ein Name in Ostpreußen häufig oder relativ selten vorkommt – deshalb notierte ich oftmals alle Personen, von denen ich meinte, sie könnten sich später einmal als potentielle Verwandte ‚entpuppen‘.

Nachdem ich entdeckt hatte, dass eine meiner ostpreußischen Ur-Ur-Großmütter Justine Friedericke Matern heißt, sammelte ich also  – der Name Matern war mir bis dahin völlig unbekannt und ich hielt ihn für ausgesprochen ungewöhnlich – sämtliche Personen namens Matern und war begeistert, wenn irgendwo Familienzusammenhänge wie die folgenden auftauchten.

Inzwischen weiß ich, dass in Ostpreußen viele Matern- (oder Mattern) Familien lebten! Meine Sammelei war bisher erfolglos – die Herkunft der Familie meiner Ur-Ur-Großmutter ist noch immer nicht geklärt. Justine Friedericke selbst kommt 1832 in Hoofe, im Kreis Pr. Eylau, zur Welt und wird in Gr. Peisten getauft, aber ein Heiratseintrag ihrer Eltern Carl Matern und Maria Borm ist weder in Gr. Peisten noch in benachbarten Kirchspielen zu finden.

Vielleicht kann ein anderer Familienforscher etwas mit den nachfolgenden Matern-Zusammenhängen anfangen … ?


XX. HA Ostpr. Fol. 167 – Hausbuch Amt Brandenburg No 3

S. 322: ‚Extract des in dem Cöllmischen Kruge zu Guttenfeld der verwittweten Frau Maternin (Catharina Barbara geb. Saekin) den 7ten bis 11ten Dec. 1744 gehaltenen Theilung‘

Erben:

1. Frau Anna Regina (verw. Holtzweißerin) Maternin geb. Zander
2. des seel. H. Gottfried Matern nachgel. jüngste Tochter Barbara Dorothea aus Friedland
3. Herr Christian Friedrich Matern
4. Herr Lieutnant Theodor Matern
5. Frau Dorothea Sophia verw. Ambtmannin Reinhardin geb. Matern
6. Frau Catharina Barbara verehel. Meyerin geb. Maternin
7. Herr Chirurgus Severin Matern
8. Im Namen der seel. Frau Anna Maria verehelicht gewesene Hertzogin geb. Matern derselben hinterbliebener Eheliebster Christoph Hertzog aus Fuchsberg für sich und seine beiden Kinder

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Familienforschung in Ostpreußen

Ich freue mich, dass mein Vortrag über Familienforschung in Ostpreußen – während des Kreistreffens der Pr. Eylauer in Verden – auf so großes Interesse gestoßen ist. Da ich mehrfach gefragt wurde, ob man meine Tipps auch auf meiner Internetseite finden könne, stelle ich hier noch einmal die Links für die am Schluss genannten Hinweise zusammen:

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