Familie Ankermann und die Mühle in Potritten

Oft sind es – wie auch in diesem Fall – Zufallsfunde, die es ermöglichen, den Verbleib von Familienangehörigen noch im Nachhinein aufzuklären.

Joseph Ankermann, Kürschnermeister, Restaurateur bzw. Gastwirt in Heilsberg, wohnhaft in Heilsberg, Am Markt Nr. 18, verstirbt dort am 13. März 1896 im Alter von 56 1/2 Jahren. Der Tod wird angezeigt von seiner Ehefrau Anna Maria Ankermann, geb. Teschner. In der Sterbe-Urkunde wird angegeben, Joseph sei ‚der Sohn des zu Potritten verstorbenen Mühlenbesitzers Friedrich Ankermann und dessen Ehefrau Theresia geb. Bock, später verwitwete Altsitzer Koll, die in Heilsberg verstorben ist‘.

Den Heiratseintrag von Johann Friedrich Ankermann und Theresia Bock hatte ich vor vielen Jahren bereits im Kirchenbuch der evangelischen Kirche Heilsberg entdeckt und auch über die Familie von Joseph Ankermann hatte ich schon früher einiges herausfinden können. Joseph Ankermann war allerdings katholisch – all meine Vorfahren sind evangelisch – und ich hatte nicht an einen möglichen Zusammenhang gedacht. Durch diesen Hinweis im Sterbeeintrag lassen sich nun einige Lücken schließen.

Der Mühlenbesitzer (Johann) Friedrich Ankermann wurde am 21.5.1815 in Gr. Peisten geboren: Er ist der jüngste (Halb-)Bruder meines Urgroßvaters 3. Grades (Carl Sigismund Ankermann). Ihr gemeinsamer Vater – Johann Heinrich Ankermann – mein Urgroßvater 4. Grades – bekommt insgesamt 13 Kinder aus zwei Ehen, von denen einige jedoch schon im Kindesalter sterben. Johann Friedrich stammt aus der zweiten Ehe mit Susanna Barbara Politt – Carl Sigismund ist der älteste Sohn aus der ersten Ehe mit Carolina Rosenberg. 

Auch die Mühle in Potritten (heute Potryty) im Ermland wird also – zumindest zeitweise – von einem Mitglied meiner Familie betrieben (Carl Sigismund ist zur selben Zeit Besitzer der Mühle in Konnegen, der Bruder Rudolph Ankermann ist Müllermeister in Spittehnen bei Bartenstein).

Joseph Ankermann kam laut Sterbe-Urkunde um 1839 in Klotainen (heute Klutajny) zur Welt – dort muss die Familie wohl gelebt haben bevor sie nach Potritten verzog. 

Joseph Ankermann und Anna Maria Teschner haben mindestens 4 Töchter, die in Heilsberg geboren werden:

  • Maria Ankermann, geb. am 22.3.1865 oo 1895 in Berlin den Kammergerichtsdiätar Johann Edmund Gotthard Ottomar Boehnke
  • Martha Ankermann, geb. am 19.1.1868 00 1890 in Heilsberg den Kaufmann August Neumann. Auch diese Familie lebt später in Berlin
  • Anna Emma Ankermann, geb. am 21.1.1882 und
  • Olga Ankermann, geb. am 9.4.1884

Die Mühle in Potritten scheint es noch zu geben. Als ich mit Hilfe von ‚Google Streetview‘ durch den Ort spazierte, kam ich direkt an ihr vorbei! 

 

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Glumsienen – Glomsienen – Friedrichsberg – heute Głamsiny

Der kleine Ort Glomsienen im Kirchspiel Eichhorn des ehemaligen Kreises Pr. Eylau heißt heute Głamsiny. Er ‚erhielt im 18. Jahrhundert den Namen ‚Friedrichsberg‚. Wahrscheinlich war Johann Friedrich von Domhardt nach 1763 Namensgeber nach seinem Vornamen. – 1785 hatte ‚Glumsienen oder Friedrichsberg‚ als Vorwerk von Worienen 3 Feuerstellen. … Auch 1831 heißt es noch Friedrichsberg …. 1846 wird dieses Vorwerk in der amtlichen preußischen Statistik wieder ‚Glomsienen‘ genannt und hat 3 Wohngebäude und 88 Einwohner.‘ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; Geschichte und Dokumentation; Verden/Aller 1990; Seite 461). 

Fast 300 Jahre lang ist Glomsienen ein Vorwerk der Begüterung Worienen. 1849 werden die Vorwerke Glomsienen und Dörsen von dem damaligen Besitzer der Begüterung verkauft an Otto Gustav Eduard von Saucken. Otto von Saucken verstirbt im Jahre 1858 im Alter von nur 36 Jahren.

Besitzer von Glomsienen wird nach seinem Tod Hermann Eduard Pfeiffer, der schon im Jahre 1855 als Pächter genannt wird. Er ist verheiratet mit Louise Karoline Friedrike, geb. Dudy. Hermann Pfeiffer stirbt am 1. Mai 1871 in Glomsienen im Alter von 54 Jahren an Typhus und hinterlässt seine Ehefrau und 4 unmündige Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes bewirtschaftet die Witwe das Gut weiter, dann übernimmt ihr Schwiegersohn (Ehemann der Tochter und Gutserbin) Dr. Bruno Fornet, Landrat des Kreises Oletzko, die Gutsleitung. Von 1877 bis 1886 ist dieser auch Landrat des Kreises Pr. Eylau.

Nach Horst Schulz wechselt das Gut Glomsienen um 1900 erneut den Besitzer und gehört 1907 ‚dem Kaufmann Schlegelberger in Königsberg, der auf dem 584 ha großen Gut (mit Dörsen) Holländer-Viehzucht und Warmblut-Pferdezucht betrieb … Um 1910 hörte die 50jährige Selbständigkeit von Glomsienen wieder auf. Das ganze Gut (mit Dörsen) wurde von Worienen zurückgekauft und abermals Vorwerk dieser Begüterung.‘ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 461)

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Ortssuche anhand von ‚The Meyers Gazetteer‘

The Meyers Gazetteer‚ – basierend auf Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs aus dem Jahre 1912 – hat mir bei bei der Suche nach Orten oder Informationen zu gewissen Orten schon einige Male geholfen. 

Hier ein Beispiel: Ich suche nach ‚Worienen‚ – Zunächst werden mir zwei Ergebnisse angezeigt: der Ort Worienen bei Königsberg und der Gutsbezirk Worienen im Kreis Pr. Eylau – 

Mich interessiert die Begüterung im Kreis Pr. Eylau  und mit einem Klick erfahre ich Folgendes: 

Beim Anklicken der Übersichtskarte erscheint eine weitere Karte und nun wird die genaue Lage und Umgebung des gesuchten Ortes angezeigt:

Ich erhalte zudem weiterführende Informationen – in diesem Fall u.a., dass sich das für Worienen zuständige Amtsgericht in Landsberg und das Standesamt im benachbarten Ort Eichhorn befinden.

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Familie Schadwell in Eichhorn, Pr. Eylau

Der Anlass, mich näher mit der Familie Schadwell in Eichhorn, Pr. Eylau, zu befassen, war das – unten im Beitrag eingefügte – beeindruckende Photo, das mir von Nachfahren der Familie zugesandt wurde. Herzlichen Dank dafür!


Der Name Schadwell taucht im Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau erstmals im Jahre 1810 auf. In der Eichhorner Kirche wird am 14. November 1810 Ferdinand Wilhelm Schadwell getauft, der erstgeborene Sohn des gleichnamigen Eichhorner Organisten und Kirchschullehrers und dessen Ehefrau Wilhelmine Geisler. (Zu den Taufpaten gehört u.a. auch mein Vorfahre, der Woriener Kunstgärtner Carl Wilhelm Schmidt).

In den Jahren von 1812 bis 1829 werden dem Ehepaar elf weitere Kinder geboren, von denen einige bereits im Kindesalter sterben – drei von ihnen allein im Jahre 1818 an Scharlach bzw. Frieseln. 

Der Organist Ferdinand Wilhelm Schadwell verstirbt am 7. September 1852 im Alter von 63 Jahren und 2 Monaten in Eichhorn – seine Ehefrau Wilhelmine Schadwell, geb. Geisler, einige Jahre nach ihm – am 17.1.1859.

Einige Schadwell-Kinder heiraten in Eichhorn:

  • Auguste Amalie Schadwell (geb. 1812) oo  1831 den cöllmischen Gutsbesitzer Christian Taureck aus Neplecken bei Fischhausen
  • August Leopold Schadwell (geb. 1813) oo 1844 Heinriette Juliane Friderike Landwerz aus Heilsberg und wird Pächter der  Eichhorner Mühle
  • Heinrich Otto Gustav Schadwell (geb. 1814) oo 1835 die Witwe Antoinette Gnabs geb. Sahm 
  • Julius Schadwell (geb. 1823) oo 1852 Caroline Jockel aus Müggen. Zu diesem Zeitpunkt ist er Grundbesitzer u. Schneidermeister in Strobehnen; nach 1852 Eigenkäthner u. Schneider in Eichhorn
  • Albert Hermann Schadwell (geb. 1829) oo 1855 Wilhelme Krause, geb. Toms, eine Tochter des Bartensteiner Tischlermeisters Friedrich Wilhelm Toms

Der 1822 geborene Sohn Rudolph Friedrich Wilhelm Schadwell besucht zunächst das Lehrerseminar in Kl. Dexen. Nach seiner Entlassung heiratet er am 7. Oktober 1844 in Kl. Dexen Ida Johanne Adelheide von Motzki (auch ‚von Mocki‘), die am 19. Oktober des Jahre 1823 in Johannisburg, Ostpreußen als Tochter des Hauptmanns Stanislaus Johannes Ignatius Andreas von Motzki und dessen Ehefrau Louise Hulda Fauser zur Welt kam. (Ihre ältere Schwester Henriette Hulda von Motzki , über die ich bereits an anderer Stelle kurz berichtet habe, ist ebenfalls mit einem Lehrer verheiratet – sie wurde bereits 1826 in Kl. Dexen die Ehefrau des dortigen Organisten und Kirchschullehrers Friedrich Lange).

Hulda von Motzki und Friedrich Lange

Zum Zeitpunkt seiner Eheschließung ist Rudolph Friedrich Wilhelm Schadwell zunächst als 2. Lehrer in Eichhorn tätig, wo 1845 auch seine erste Tochter geboren wird. Nachdem er anschließend einige Jahre als Lehrer in Johnken bei Pr. Eylau und in Wesselhöfen bei Zinten angestellt war, kehrt die Familie um 1851 endgültig nach Eichhorn zurück, wo Rudolph Friedrich Wilhelm Schadwell nach dem Tod seines Vaters dessen Amt als Organist und Kirchschullehrer übernimmt.

Rudolph Friedrich Wilhelm Schadwell wird nur 46 Jahre alt. Als er am 17. Mai 1868 in Eichhorn verstirbt, hinterlässt er seine Witwe und eine Reihe von Kindern mit klangvollen Namen:

  1. Ottilie Sophie Adelhaide, geb am 8. September 1845  + 1883, unverheiratet
  2. Ida Mathilde Hedwig, geb. 5.1.1850 in Wesselhöfen + 11.3.1850
  3. Richard Franz Ferdinand Stanislaus, geb. am 13. Juli 1853 oo Amalie Schlicht
  4. Emma Johanna Elise, geb. am 13. Mai 1855
  5. Reinhold Conrad Johannes, geb. am 13. Mai 1855
  6. Hulda Bertha Maria, geb. am 25. April 1857
  7. Gustav Rudolph Theodor, geb. am 20. Juli 1859 oo Wilhelmine Bartsch
  8. Bernhard Victor Georg Schadwell, geb. am 10. September 1861
  9. Ida Anna Minna Schadwell, geb. am 10. Mai 1863
  10. Marie Elise Antoinette Schadwell, geb. am 8. Juni 1865
  11. Klara Elise Helene Schadwell, geb. am 9. September 1867 + 1868

(Quelle für die Geburt der 1850 in Wesselhöfen geborene Tochter ist das Deutsche Geschlechterbuch Bd. 61. Alle weiteren aufgeführten Kinder kommen in Eichhorn zur Welt).

Sicherlich war es ein besonderer Anlass, zu dem sich die Familie hier versammelt hat. In der Mitte (sitzend) die Witwe Ida Johanne Adelheide von Motzki – neben und hinter ihr ihre Kinder mit Ehepartnern. Leider sind nicht alle zu identifizieren. Links neben der Mutter Gustav Rudolph Theodor Schadwell mit seiner Ehefrau Wilhelmine Bartsch.

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Im ‚Photographen Atelier‘ von Carl Friedrich Röthlisberger

Dieses Foto wird etwa um 1900 im ‚Photographen Atelier‘ von Carl Friedrich Röthlis-berger in Vegesack entstanden sein.

Glücklicherweise hat meine Mutter auf der Rückseite mit Bleistift die Namen der beiden abgebildeten Damen vermerkt: Elisabeth Dehls (oo Meyer) und Anna Kröger (oo Haesloop).

Meine Großmutter Anna Lisette (rechts) hätte ich erkannt. Von ihr existieren noch viele weitere Fotos. Anna Lisette Kröger, geb. Schaumlöffel wurde 1885 in Lüssum geboren und ist hier vermutlich 15 oder 16 Jahre alt (oder älter?)

Elisabeth Dehls kann ich leider nicht zuordnen. Möglicherweise ist sie eine Verwandte, denn auch meine Ur-Ur-Großmutter (Anna Lisettes Großmutter) hieß Elisabeth Dehls. 

Vielleicht waren diese beiden jungen Frauen gemeinsam in einem Vegesacker Haushalt angestellt? Ihre sorgsam gebügelten und frisch gestärkten weißen Schürzen deuten für mich auf eine Arbeit als ‚Hausmädchen‘ hin. Damals war es ja üblich, dass junge Mädchen – in Vorbereitung auf ihre spätere Rolle als Ehefrau und Mutter – nach Beendigung ihrer Schulzeit zunächst in einem fremden Haushalt das Kochen, Backen, Waschen und Putzen erlernten. 

So war es auch zum Beispiel auch bei meiner Urgroßmutter Elisabeth Haesloop, die eine Zeit lang bei ihrem Onkel, dem Schiffskapitän Bernhard von Hagen in Vegesack ‚diente‘.

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Drei fröhliche Gegner-Geschwister

Gegner-Geschwister

Gegner-Geschwister

Auf diesem Bild sind drei Geschwister meines ostpreußischen Großvaters Carl Ludwig Gegner zu sehen: in der Mitte Otto Ernst Gegner, der im Jahre 1888 noch (wie mein Großvater) in Landsberg, Pr. Eylau, geboren wurde. Die beiden Schwestern ‚Mariechen‘ (Marie Anna Gegner) und ‚Anni‘ (Anna Helene Gegner) kamen später in Wolsdorf bei Helmstedt zur Welt.

An ‚Tante Mariechen‚ und ‚Tante Anni‚ kann ich mich gut erinnern. Sie waren bei fast allen Familienfeiern im Haus meiner Oma in Aumund anwesend, waren immer fröhlich und feierten gern – das sieht man auch auf diesem Foto! Allerdings wusste ich damals nicht, dass die beiden Schwestern meines so früh verstorbenen Großvaters waren – ich kannte sie nur als ‚Tanten‘. 

Über Otto Gegner wusste ich bislang nicht viel. Er wohnte nicht in Bremen und vermutlich habe ich ihn deshalb als Kind nicht oft gesehen. Nun habe ich herausgefunden, dass er 1915 in Lübeck Martha Johanna Luise Westphal geheiratet hat und dass beide zwei Söhne hatten, die dort 1919 und 1923 geboren wurden: Günter Karl-Heinz Otto Gegner und Wilfried Leopold Louis Gegner

Über einen Kontakt zu Nachfahren dieser beiden würde ich mich sehr freuen.

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Der christliche Enthaltsamkeitsverein in Klein Dexen, Pr. Eylau

Hochprozentiger Alkohol wird über Jahrhunderte lediglich zu medizinischen Zwecken verabreicht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts breitet sich der Konsum des Branntweins mehr und mehr aus – zunächst unter den Stadtbewohnern. Bei Androhung von Strafen werden seitens der Regierungen immer wieder Versuche unternommen, den Konsum einzudämmen. ‚Erst später, während des Siebenjährigen Krieges (1757-1763) verbreitete sich der Branntwein auch auf das platte Land und wurde von nun an in jeder Dorfschenke, trotz obiger Gesetze, immer fleißiger getrunken‘ (Quelle: J. H. Böttcher: ‚Geschichte der Mäßigkeits-Gesellschaften in den norddeutschen Bundes-Staaten‘; Hannover 1841; Seite 8). Auch Ärzte warnen nun eindringlich vor den Auswirkungen des Branntwein-Konsums. 

In der Zeit von 1837 bis 1839 werden in Ost- und Westpreußen zahlreiche Mäßigkeits- und Enthaltsamkeits-Vereine gegründet. Zu den vier ostpreußischen Vereinen, die bereits 1837 existieren, gehört auch der in Klein Dexen, Pr. Eylau. Gegründet wurde dieser von Johann Ernst Theodor Riedel, der seit 1816 als Pfarrer in Kl. Dexen tätig ist.

Quelle: J. H. Böttcher: ‚Geschichte der Mäßigkeits-Gesellschaften in den norddeutschen Bundes-Staaten; Hannover 1841

Im September des Jahres 1837 versendet das Königlich Preußische Consitorium ein Schreiben an ’sämmtliche Herren Superintendenten in Ost- und Westpreußen‘, das folgendermaßen beginnt: ‚Je häufiger und betrübender in neuerer Zeit die Klagen über die in den niedern Ständen bei zunehmender Wohlfeilkeit des Brantweins sehr gestiegene Trunksucht, und deren für das leibliche und geistige Wohl grundverderbliche Folgen geworden sind, um so mehr wird es dringende Pflicht, auf alle geeignete Mittel, wodurch diesem Verderben Schranken gesetzt werden können, ernstlichen Bedacht zu nehmen‘.

Die Geistlichen und Schullehrer der Provinz werden aufgefordert, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen und diese in ihren Gemeinden anzusprechen, um der Trunksucht und deren Folgen entgegenzuwirken.

In den – vom Staatsarchiv Oltztyn digitalisierten – General-Kirchen-Akten der Superintendentur Heilsberg über Verbreitung der Mäßigkeit (1837-1862) findet sich (ab Seite 18) auch ein Schreiben von Johann Ernst Theodor Riedel.

Johann Ernst Theodor Riedel (1780-1850)

Riedel gehen die Forderungen der Mäßigkeits-Gesellschaften nicht weit genug. ‚Die auf Mäßigkeit im Genusse des Branntweins dringen, scheinen mir halbe Maßregeln zu verfolgen, indem sie es dem Funken immer noch gestatten, ins Pulver zu fallen‘ … schreibt er. 

Er stellt die Frage, ob es ‚ein Glück oder Unglück, ein Gewinn oder Verlust für das wahre Wohl des Vaterlandes und der Menschheit (wäre), wenn der Gebrauch gebrannter Wasser als Getränk allmählich verschwände?‘ und plädiert dafür, die Gemeindemitglieder zum völligen Verzicht auf Branntwein zu animieren.

riedel_enthaltsamkeitsverein

‚Wie viele Familien kommen dadurch an den Bettelstab und müssen Haus und Hof verlassen. Wie viele Kinder werden dadurch frühe Waisen und irren umher ohne Brodt und Obdach, mit elendem Körper und verwahrlosetem Geiste; sie hätten gute und glückliche Menschen und fromme und selige Christen werden können, und werden nun eine Pest der menschlichen Gesellschaft, Tagediebe, Räuber und Mörder, Diebe und Brandstifter‘ … ist in dem von Pfarrer Riedel mit gesandten Informationsblatt zu lesen. 

Der ‚christliche Enthaltsamkeits-Verein‚ der Gemeinde Kl. Dexen, zu der insgesamt 32 Ortschaften gehören, hat 1837 bereits 56 Mitglieder. Dazu kommen noch 23 Mitglieder aus einer Nachbargemeinde. Alle haben durch ihre Unterschrift versichert, künftig ‚keinerley gebrannte Wasser mehr zu trinken‘.

Pfarrer Riedel berichtet: ‚Mein würdiger christlich gesinnter Lehnspatron, Herr Koch auf Cörnen, ist freudig beigetreten; ebenso der Director, die Lehrer und viele Zöglinge des Pr. Eylauer Seminars. Hier wurden solche aufgenommen, die das sechszehnte Lebensjahr überschritten haben. Die Jugend zeigt sich empfänglicher, da sie weniger zu überwinden hat, klarer einsieht, sich freudiger entschließt. Ein Vater unterschrieb, nachdem der Sohn einige Tage zuvor unterschrieben hatte. Der Zutritt von Töchtern oder Mägden war erwünscht, da sie selbst äußerten, daß sie froh wären, künftig ihre Tänzer nicht mehr mit Brandtwein traktieren zu können. Bejahrte Männer erklärten offen, daß sie zwar noch nicht unterschreiben könnten, aber die Probe der Entbehrung anstellen wollten, und, gelänge diese, nicht zurückbleiben würden.‘

Kl. Dexen, den 5ten May 1838

 

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Quellen-Verwirrung

Diese unglaubliche Geschichte wurde mir von einem Forscher-Kollegen zugesandt, dessen Vorfahren ebenfalls im Kreis Pr. Eylau, Ostpreußen, lebten. Er schreibt:

‚Vor etwa zehn Jahren wertete ich für meine Vorfahrenforschung auch die Fotoalben meiner Eltern aus und stieß auf das beiliegende Foto. Natürlich übernahm ich diese Daten in meine Datei. (Meine Großmutter war in 2. Ehe mit einem Gustav Blädtke verheiratet.) 

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Einige Jahre später hatte ich die Gelegenheit, mit einer Nichte der Elisabeth Blädtke zu sprechen. Als ich aber den Mädchennamen „Auch“ erwähnte, ohne den Grabstein selbst zu nennen, sagte sie mir wörtlich: „Vor diesem Grabsten stand ich auch. Der Name Auch ist falsch. In Wirklichkeit hieß sie (auch) Blädtke.“ Weiter berichtete sie mir, wie es dazu gekommen war. Der Steinmetz fragt die persönlichen Daten der Verstorbenen ab: Vorname: Elisabeth, Nachname: Blädtke, Mädchenname: a(A)uch.

Darum, lieber Familienforscher, trau‘ keiner Sekundärquelle, aber begegne auch den Primärquellen mit einer gesunden Portion Misstrauen.

Nachdem ich nun gestern die Geburts- und Heiratsurkunde runtergeladen hatte, musste ich feststellen, dass das Geburtsdatum von Elisabeth Blädtke auf beiden Urkunden nicht identisch ist mit dem auf dem Stein.

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Hat die Familie Blädtke nun zweiundsiebzigmal Elisabeths Geburtstag zwei Tage zu früh gefeiert oder hat sich der Standesbeamte geirrt. …? Fragen über Fragen. Letztendlich können wir nicht sagen, welches Datum richtig ist, denn wir waren ja nicht dabei.:-)‘

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Das Testament der Amalie Eleonore von Domhardt

Amalie Eleonore von Domhardt wird um 1745 als älteste Tochter des späteren Oberpräsidenten Ostpreußens Johann Friedrich von Domhardt und dessen Ehefrau Johanna Amalia Keydel geboren. Nach eigenen Angaben in ihrem Testament kam sie in Ragnit zur Welt – vermutlich wohl auf dem Gut Althof-Ragnit, das ihrem Vater um diese Zeit gehörte. Ihr Geburtsdatum ist aufgrund fehlender Kirchenbücher nicht genau zu ermitteln. 

Im Jahre 1765 heiratet Amalia Eleonore von Domhardt den fast 20 Jahre älteren Hauptmann Woldemar Siegmund von Reibnitz, Herr auf Rositten, Petersdorf, Opitten, und Laubwitz. Dieser steht von Jugend an – insgesamt 41 Jahre lang – in militärischen Diensten und stirbt im Mai 1774 in Königsberg. Amalie Eleonora wird mit etwa 30 Jahren Witwe. 11 Jahre später – am 19. August 1785 – verstirbt auch sie in Königsberg. 

Am 8. August erneuert Amalie Eleonore von Reibnitz in ihrer Wohnung auf dem Roßgarten in Königsberg ihr bereits einige Jahre zuvor (am 13. April 1782) verfasstes Testament in Anwesenheit ihres ‚gerichtlich constituirten Curators‘, des Kriegs- und Domainenrats Christoph Abraham Paulsen.

vonreibnitz_1785

Actum Königsberg auf dem Roßgarten in dem Hause der verwittweten Frau Majorin von Reibnitz den 8. August 1785 um 7 Uhr Abends

Amalie Eleonore erklärt: ‚Da meine jetzige kränkliche Leibesumstände mir kein langes Lebensziel versprechen und ich aus gewissen Ursachen für richtig gefunden, die von mir … niedergelegte testamentarische Disposition … gänzlich aufzuheben, so habe (ich) über meinen Nachlaß meine letzte Willensmeinung … in nachstehender Art wissentlich und wohlbedächtig … an den Tag legen wollen.

Sie betont, ‚daß sie in auf- und absteigender Linie keine Nachfahren‘ habe und setzt ihre jüngere unverheiratete Schwester Ernestine Gertrude Friederike von Domhardt als Alleinerbin ein. Diese wird verpflichtet, Teile des Nachlasses an andere Personen auszuhändigen:

  1. an den jüngsten Bruder Otto Heinrich von Domhardt auf Schrombehnen, der diese Gegenstände für seine Tochter Friderike Amalie Henriette von Domhardt bis zu ‚ihrer etwaigen Verheirathung oder Großjährigkeit‘ verwahren soll.

Amalie Eleonora schildert genau, was sie ihrer Nichte zukommen lassen möchte. Der Sekretär Johann Christian Wlochatius notiert, dass diese Folgendes erhalten solle:

  • zwei Unterbette, zwei Pfühle, ein Zudeck, zwei Parchens Kopfkissen von blau gestreifter Einschüttung mit J.A.D. (vermutlich die Initialen der Mutter) auf zwei Personen bezeichnet – (es folgt eine Aufzählung verschiedener anderer Wäschestücke)
  • die von meiner Schwester in Verwahrung habende 50 Ellen rothen Damast
  • sämmtliches Silber ohne Ausnahme
  • die beiden nußbraunen Kastens mit dem Weißzeug
  • das Brautkleid von reichem Stoffe
  • die blau damasten Gardinen zum Bett
  • die nußbraune Komode mit dem was darinnen aufbehalten‘
  • die nußbraune Chatoulle mit dem Portrait meines Vaters en Brosche gefasst und meinen brillanten Ring, auch allen übrigen, was darinnen befindlich ist
  • den grauen Kasten welcher von meinen Groß Eltern herrühret, mit allem, was darinnen befindlich ist.

Weiter heißt es im Testament:

  • Sodann vermache ich den Fräulein Friederike von Podewils und der Jungfer Caroline Liking, die beide bei mir im Hause sind, meine sämmtliche anziehende Kleider, exclusive den Pelzen, und mein anziehendes Leinen, welches im kleinen Büreau verwahret ist… (Anmerkung: beide erhalten zusätzlich noch Baargeld – Fräulein von Podewils 15 Reichstaler, Jungfer Liking 10 Reichstaler – und ihre Betten)
  • (Außerdem) vermache ich meinem Bedienten Lottermoser das Bette worauf er schläft und 50 Reichsthaler baar Geld

Es werden zudem Regelungen getroffen, die das weitere Kapital betreffen – sowohl Caroline Liking als auch Friederike von Podewils sollen eine jährliche finanzielle Unterstützung erhalten – vorhandene Schulden sollen bezahlt werden und auch die bereits erwähnte Nichte soll zusätzlich Geld erhalten. 15.000 Reichstaler aber sollen der Begüterung Worienen zugeschrieben werden.

Neun Tage vor ihrem Tod – am 10. August 1785 – lässt Amalie Eleonore von Reibnitz, geb. von Domhardt noch hinzufügen: 

  • Meine sämmtlichen Leute sind nach meinem Ableben an meinen lieben Bruder, den Rittmeister von Domhardt auf Schrombehnen gewiesen, und kann unter keinem Vorwande Jemand von ihnen sogleich nach meinem Hintritt aus dem Hause gewiesen werden, viel mehr wird mein lieber jüngster Bruder die Güte haben, davor zu sorgen, daß meine Leute gütlich behandelt und nach meiner Beerdigung ihre Forderungen richtig erhalten.
  • Mein Hausgeräth, an Kupfer Zinn und Eisengeräth, wird in dem Stande wie es alsdann befindlich, nach dem Ableben meiner Schwester Ernestine, nach Worienen gegeben, jedoch ohne daß solches dem fideicommissarischen Besitzer zugerechnet wird.

Letztlich verfügt Amalie Eleonore von Reibnitz, geb. von Domhardt , dass ihr ‚entseelter Körper … auf dem Sackheimschen Kirchhofe in einem eichenen Sarg ohn alles Gepränge‘ beigesetzt werden solle.

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Börnsteinarbeiter – Posamentirer – Chaisen-Fuhrmann …

BartschneiderButterträgerPerruquier – TobacksSpinner – Strumpfweber und Gewürzkrämer – all diese klangvollen Berufsbezeichnungen findet man beim Durchblättern alter Königsberger Kirchenbücher (und sicherlich auch woanders). Man landet in einer völlig anderen Welt – schon deshalb lohnt sich die Durchsicht.

gewuerzkraemer

Quelle: http://de.mittelalter.wikia.com/

Mittendrin entdeckte ich im Kirchenbuch der Löbenichter Kirche nun den Heiratseintrag von Johann Christian Gegner aus Worienen. Nach 1768 war Christian im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau – zu dem auch Worienen gehört – nicht mehr auffindbar. 

Johann Christian wird am 25. März 1749 in Worienen, Pr. Eylau, geboren. Er ist der zweite Sohn des Woriener Kunstgärtners Michael Gegner (meines Urgroßvaters 5. Grades). Während Michael Gegner sich in Worienen um den Schlosspark und die Gartenanlagen kümmert, hat Christian seinen Heimatort verlassen und ist vermutlich der Familie von Domhardt nach Königsberg gefolgt. Die Familie hat ihren Hauptwohnsitz in Worienen; allerdings wird sich Johann Friedrich von Domhardt als Oberpräsident von Ost- und Westpreußen der Geschäfte wegen wohl überwiegend in Königsberg aufhalten. Die Familie hat deshalb auch dort ein Quartier. 

Bereits 1768 – gerade 19 Jahre alt – ist Johann Christian Gegner in Worienen als Diener bei der Familie von Domhardt angestellt. Im März 1768 wird er – gemeinsam mit Carl Ludwig Bergh, dem damaligen Administrator von Worienen – im Kirchenbuch als Pate bei seinem Neffen Johann Christian Wilck genannt, dessen Vater, Ehemann von Christians älterer Schwester, ebenfalls (als Zimmerbursche)  im Woriener Schloss tätig ist.

Am 5. Oktober 1777 heiratet Johann Christian Gegner in der Löbenichter Kirche als gewesener Herrschaffts-Bedienter die 23-jährige Eleonora Gertrude Baumann, Tochter eines Löbenichter Gastgebers (= Gastwirt für Getränke und Speisen) Heinrich Wilhelm Baumann und dessen Ehefrau Helena Dorothea Eleonora Keyter (Keiter).

Weiter konnte Christians Spur bislang nicht verfolgen – er kehrt jedenfalls nicht nach Worienen zurück. 

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