Spannende Neuigkeiten aus Woryny (Worienen, Pr. Eylau)

Wie gut, dass meine Worienen-Chronik noch nicht ganz abgeschlossen ist – so werden diese Neuigkeiten darin noch den ihnen gebührenden Platz finden!

Direkt am ehemaligen Schlossteich und dem angrenzenden Park befindet sich das einstige Haus des Administrators der Begüterung Worienen. Auch die Post und das Standesamt waren vor dem Krieg hier untergebracht – nach dem Krieg wurde das Gebäude als Schule genutzt. In dieser massiven Bauweise wurde das Haus zu Zeiten der Familie von Domhardt errichtet. Ludwig Friedrich von Domhardt selbst notiert in den Gutsakten:

‚Für einen geheiratheten Administrator habe ich im Jahre 1797 ein sehr bequemes massives Wohnhaus bauen laßen, und sind darin zwey Hallen, im untern Stock 4 Stuben, 5 Kammern und die Küche, in der Dachétage 2 Stuben und 4 Kammern, und hinter dem Hause ein Stall aus gemauertem Fachwerck für Schweine und Feder-Vieh(,) auch ein Garthen‘ L.v.D.

Während der vergangenen Jahrzehnte verfiel dieses schöne alte Haus mehr und mehr und drohte vollkommen einzustürzen.

 

um 1930

2013

Über lange Zeit bemühten sich eine Reihe engagierter Bewohner, die sehr an der Geschichte des Ortes und der Bewahrung historischen Kulturguts interessiert sind, mit vereinten Kräften darum, ihr Wieś Woryny (ihr Dorf Worienen) zu verschönern und neu zu beleben. Ihre Anstrengungen führten dazu, dass Woryny im September 2016 zum schönsten Dorf der Region gewählt wurde.

Kamila Skrzypa, eine junge Studentin, die in Woryny aufgewachsen ist, hält am Tage der Preisverleihung eine Rede über die Geschichte ihres Heimatsorts. Bei einem Rundgang durch Woryny erwähnt sie auch das verfallene Haus aus Domhardts Zeiten. Kamila erzählt:

‚Wenn wir weiter gehen, sehen wir ein Gebäude, das einst der Wohnsitz des Schlossverwalters und der Post gewesen ist. Nach dem Krieg befand sich hier eine Schule. Die letzte Pausenklingel erklang 1979. Seit einigen Jahren hat das Gebäude einen neuen Besitzer. Das war die Besiegelung des Schicksals des Gebäudes. Das Schild „Einsturzgefahr!“ hängt seitdem an der ungepflegten Fassade. Als Bewohner konnten wir nicht untätig zusehen, wie das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert verfällt. Mehrmals haben wir eine Initiative für den Erhalt der Schule gestartet. Ein stichfestes Argument ist schon allein die Lage. Das renovierte Gebäude könnte mit dem Parkgelände zu einem Besuchermagnet werden. Bedauerlicherweise stießen solche Überlegungen auf großes Unverständnis und Missbilligung‘.

Nun führten die Bemühungen der Bewohner von Woryny aber doch noch zum Erfolg!

Mittlerweile wurde mit der Renovierung des alten Administratorenhauses begonnen. Bei der Freilegung des Sockels entdeckte man diese Inschrift aus der Zeit der Familie von Domhardt:

Kamila Skrzypa Mai 2018

 Kamila Skrzypa Mai 2018

L.F. v. D. (Ludwig Friedrich v. Domhardt) 1797

Die Bauarbeiten schreiten voran!

Kamila Skrzypa Mai 2018

Kamila Skrzypa Mai 2018

Die neuesten Nachrichten besagen, dass der geamte Komplex nach Fertigstellung als Altersheim genutzt werden soll.

Vielleicht sollte ich mir schon jetzt ein Zimmer in Woryny reservieren lassen – in dem Ort, in dem bereits meine Vorfahren vor mehr als 250 Jahren mit ihren Familien lebten?

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‚So viel Tobaksrauch als möglich durch den Mastdarm‘

Die medizinische Versorgung von Kranken hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte aufgrund neuer Erkenntnisse glücklicherweise immer weiter verbessert. Und auch bei der Rettung verunglückter Menschen geht man heutzutage teilweise anders vor als dies Herr ‚Hofcammerrath‘ Johann Heinrich Ludwig Bergius im Jahre 1779 seinen Lesern empfiehlt.

In Band 5 seines  ‚Neuen Policey- und Cameral-Magazins‘, klärt Johann Heinrich Ludwig Bergius über dieRettung leblos gewordener Menschen auf und verrät, ‚durch welche Mittel plötzlich verunglückte, todt scheinende Personen in den meisten Fällen gerettet werden können‘.

Bergius schreibt: ‚Unwissende halten dergleichen Leute für todt, weil sie nicht mehr Athem holen, unempfindlich sind, wenn sie auch gerüttelt, mit Wasser oder stark riechenden Feuchtigkeiten angesprenget, gebrannt u.s.w. werden, und weil nicht der geringste Pulsschlag, weder in einer äußern Ader noch am Herzen bey ihnen gespüret wird, auch wohl bey dem ersten Aderlasse kein Blut kommt. Aber diese vermeinte Todeszeichen sind alle trüglich, und man hat bewährte Hülfsmittel, wodurch der scheinbar Todte, wenn auch die gedachten Anzeichen alle vorhanden wären, dennoch oft gerettet worden.

Einige dieser Hülfsmittel kann nur ein Arzt verordnen, oder ein Wundarzt appliciren, weil Vorsicht oder besondere Kunstgriffe erforderlich sind, wenn sie nicht schaden sollen. Andere sind von der Beschaffenheit, daß jeder Ungelehrter sie ganz leicht und ohne Bedenken anwenden kann. Von diesen letztern soll gegenwärtiger Unterricht handeln‘.

Zu den empfohlenen Maßnahmen der Ersten Hilfe bei ‚Ertrunkenen gehören u.a.:

  • der Mensch muss behutsam ins Trockne gebracht werden. ‚Die alte Gewohnheit, im Wasser verunglückte Personen auf den Kopf zu stellen oder über Fässer zu rollen, womit gemeiniglich die Hülfleistung anfänget, ist von den besten Ärzten gefährlich, wenigstens nicht nothwendig gefunden worden‘.
  • der Verunglückte soll entkleidet, weich gebettet und in warme Tücher gewickelt , ‚oder auch mit warmer Asche, warmen Salze oder gewärmten Sande bis an den Hals so dick wie immer möglich bestreuet‘ werden.

Es wird geraten, den Körper des Verunglückten mit warmen Tüchern oder einer Bürste zu reiben und durch Mund-zu-Mund-Beatmung Luft in seine Lunge zu bringen. ‚Will dieses niemand thun, so kann man einen Blasebalg oder sonst eine vorhandene Röhre brauchen. … Man kann auch Tobacksrauch in den Mund einblasen, um die Lunge zu reizen. Bey allen diesen Versuchen muß die Nase des Kranken fest zugehalten werden‘.

Nun folgt ein  – zumindest für mich – ziemlich befremdlicher Ratschlag:

Zu gleicher Zeit muß man dem Kranken so viel Tobaksrauch als möglich durch den Mastdarm in den Unterleib treiben. Es sind zu diesen sogenannten Tobaksclystiren eigene bequeme Instrumente erfunden worden. Doch kann die Sache auch kürzer bewerkstelliget werden, auf zweyerley Art. Man bestreicht das Ende eines Pfeifenrohrs mit Oehl, und bringt es in den Mastdarm des Kranken; das andere Ende nimmt ein Mensch in den Mund, welcher zugleich aus einer andern Pfeife stark Toback raucht. Den aus dieser gezogenen Rauch nun bläset er in jenes Rohr, und treibet solchergestalt so viel Rauch, als er nur immer kann, in den Unterleib des Kranken. Oder man zündet zwey Pfeifen an, hält die Köpfe fest zusammen, bringet das mit Oehl bestrichene Ende des einen Stiels in den Mastdarm des Kranken, und durch das andere bläset ihm ein Mensch den an beyden Pfeifen gestoßenen Rauch ein. Knaster und Brasilientobak sind hierbey am wirksamsten; doch thut auch schlechterer im Nothfall gute Dienste.


Quelle: Johann Heinrich Ludwig Bergius, Gräfl(ich) Sayn- Hohen- und Wittgensteinischen Hofcammerraths Neues Policey- und Cameral-Magazin nach alphabetischer Ordnung; Fünfter Band; Leipzig 1779

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Familie Gegner in Stettin

Im Jahre 1854 ist der Name Gegner erstmals im Adressbuch von Stettin verzeichnet.

Johann GUSTAV Heinrich Gegner (* 1826 in Mengelrode), ein Sohn des 1794 in Eichhorn, Kreis Pr. Eylau, geborenen Johann Gottfried Gegner, ist damals 28 Jahre alt und von Beruf  Regierungs Kanzlei Assistent. Er wohnt mit seiner Ehefrau Auguste Johanne Henriette Klewe und ihren – vermutlich 3 – Kindern mitten in der Stettiner Altstadt, in der Nähe der Jacobi Kirche, in der auch die Kinder getauft werden. Die genaue Adresse der Familie lautet: Kleine Domstraße Nr. 674.

Schon 1856 ist Familie Gegner quasi ‚um die Ecke‘ in die Klosterhofstraße gezogen. Die Taufen der von 1855 bis 1863 geborenen Kinder finden nun in der Schlosskirche von Stettin statt.

Auch später wechselt die Familie mehrfach die Adresse:

  • 1860 – Gr. Oderstraße 2
  • 1870 – Grüne Schanze 2
  • 1885 – Grüne Schanze 6

Über die Familie des aus Ostpreußen stammenden Johann Gottfried Gegner und einige seiner Nachfahren habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben:

Von Eichhorn nach Berlin, Mengelrode, Stettin und Breslau

Inzwischen habe ich jedoch ein wenig mehr über den am 14. Oktober 1852 in Stettin geborenen GUSTAV Eduard Hermann Gegner – einen Sohn des oben erwähnten Ehepaars – herausgefunden.

Gustav Gegner wird Buchhalter und wohnt 1885 noch bei seinen Eltern in der Grünen Schanze Nr. 6. Kurz danach muss er die Kapitänstochter Anna Auguste Hedwig Ellmann geheiratet haben. Als 1888 der gemeinsame Sohn Walter Gustav Julius Gegner zur Welt kommt, ist die Familie unter der Adresse ‚Prutzstraße Nr. 4‘ eingetragen.

1889 wird im Adressbuch nicht mehr Buchhalter, sondern ‚Kaufmann‘ als Gustavs Beruf angegeben. Die Adresse ist geblieben. Um 1895 ist Gustav Gegner Mitinhaber der Firma Gegner&Wendt, einer Wein-, Spirituosen-, Bier- und Cigarrenhandlung in der Turnerstraße.

Quelle: http://www.polbeerlabels.pl/SzczecinBe.htm

Bei der Recherche nach der Adresse ‚Turnerstraße 33‘ gelangte ich zu diesem Haus, dem ‚Establissement Kaisergarten‚.

Quelle: http://sedina.pl/galeria/index.php

Später ist die Familie unter der Adresse ‚Arndtstraße 34‚ zu finden. Nach Gustav Gegners Tod am 12. Juni 1912 wird auch 1943 noch seine Witwe Anna Gegner, geb. Ellmann, unter dieser Adresse genannt.

Der 1888 geborene Sohn Walter Gustav Julius Gegner wandert 1914 nach Amerika aus und gründet in Milwaukee eine Familie.

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Sammeln von Sperlingsköpfen im Amt Pr. Eylau

In den Jahren von etwa 1710 bis bis 1750 werden von König Friedrich Wilhelm I eine ganze Reihe von Verordnungen erlassen – darunter auch einige zur ‚Abwehr culturschädlicher Thiere‘. Zu diesen zählen:

  • Wölfe  (vor allem in Ostpreußen)
  • Bären
  • Wanderheuschrecken
  • Hamster und
  • Sperlinge

Im Dezember 1721 erscheint z.B. das ‚Renovirte Edict wegen Ausrottung der Sperlinge, da diese durch ihr Überhandnehmen in vielen Landesteilen die Getreideernte in hohem Maaße beeinträchtigen. Die Anzahl der Sperlinge soll dezimiert werden und die Bewohner werden verpflichtet, sich an der Ausrottung zu beteiligen.

Um dies überprüfen zu können, werden sie aufgefordert, der Obrigkeit jährlich eine bestimmte Anzahl von Sperlingsköpfen zu liefern – oder stattdessen eine gewisse Geldsumme an die Armenkasse ihres Dorfes zu zahlen. Die Lieferungen werden kontrolliert und von den jeweiligen Amtmännern werden Nachweise darüber an die Kriegs- und Domänenkammer gesandt.

Nach zahlreichen Klagen über die erneute Vermehrung der Sperlinge und den von ihnen verursachten Schäden an Garten- und Feldfrüchten erfolgt 1731 eine neue Verodnung.

Das betrifft selbstverständlich auch die Bewohner des Amtes Pr. Eylau.

In den Steuerbüchern des Amts Pr. Eylau, die von den Mormonen digitalisiert wurden, findet man unter den ‚Bauernlisten aus dem Jahr 1737′ zunächst Nachweise über die von den amtsuntertänigen Dörfern 1735/36 gelieferten Getreidemengen, in denen die Namen der Bauern aufgeführt werden – wie hier Christoph Bergemehn (=Borgemehn) aus Domtau – Michel und Gerge Eggert, Ertmann Stebuhn, Michel Kuhn und Hans Lang aus Glandau sowie Christoph Haffcke, Michel Kommritz, Christoph und Michel Alex, Jacob Dunckel, Peter Hantel und Hans Busau aus Kumkeim.

Dann folgt eine Auflistung der von Trinitatis 1737 bis Trinitatis 1738 aus den einzelnen Dörfern gelieferten Sperlingsköpfe.

Die geforderte Anzahl von Sperlingsköpfen ist je nach Stand unterschiedlich – während die Bauern 12 Köpfe pro Jahr vorweisen müssen, sind es bei Eigenkätnern 8 und bei Instleuten bzw. Hirten jeweils 6 Köpfe.

Die Auszüge sind ziemlich am Ende des Films 71047 zu finden. Der Fim enthält insgesamt:

  • Steuergefälle 1664, 1684, 1703, 1716
  • Viehzählung 1721
  • Bauernlisten 1737
  • Steuerkataster 1748 und
  • Bauernlisten 1749.
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Aus einem Zinsbuch des Amtes Balga von 1684

Ich möchte ein wenig Freude wecken am Lesen alter Dokumente, indem ich einige Auschnitte aus einem Ostpreußischen Folianten zeige – und zwar aus einem Zinsbuch des Amtes Balga aus dem Jahre 1684. Vieles von dem, was dort zu lesen ist, wurde bereits ausgewertet und in verschiedenen Schriften veröffentlicht. Auch ich wusste, was ich in diesem Amtsbuch über meine Vorfahren finden würde – aber dennoch macht es mir großen Spaß, diese so sorgfältig geführten alten Bücher durchzublättern!

Einiges hatte ich mir bei früheren Besuchen des ‚Geheimen Staatsarchivs Pr. Kulturbesitz‘ in Dahlem aus den Folianten bereits herausgesucht und kopieren lassen. Mittlerweile wurden aber eine Reihe der Ostpreußischen Folianten des ehemaligen Königsberger Staatsarchivs digitalisiert und sind nun online einsehbar – u.a. hier!

Zum Amt Balga gehören um 1684 auch viele Orte des späteren Kreises Heiligenbeil, in denen einige meiner Vorfahren lebten – u.a. Hans Tolkmitt in GehdauMichel Lange in Lütkenfürst und Jacob Ewert (Ebert) in Schönlinde. Sie alle werden auch in diesem Buch genannt.

Aber zunächst einige Überschriften aus diesem Zinsbuch, die vielleicht schon verdeutlichen, weshalb es  mir so viel mehr Spaß macht, in den Original-Folianten zu stöbern als irgendwelche gedruckten Abhandlungen zu lesen.

Verzeuchnüß der Schultzen, Ihrer Huben, undt zu waß Sie dieselbe besitzen

undt waß Ihre Pflichte seyn

Die Cöllmische Freyen dieses Ambts

Einnahm Geldt.

An Bußen so der Herr Haubtmann

Zuerkandt

Manche Amtsschreiber haben offenbar Freude an der Gestaltung ihrer Bücher gehabt. Da ich selbst auch heute noch gern mit der Hand schreibe, bin ich begeistert von der wunderschönen Ausgestaltung. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, dass sämtliche Amtsbücher derart gut lesbar und prachtvoll verziert sind – Schmierfinken gab es auch damals!

Vielleicht entdeckt man in einem solchen Amtsbuch auch einen Vorfahren, der dort eingetragen wurde, weil er etwas Verwerfliches gesagt oder getan hat. Unter der zuletzt eingefügten Überschrift über das ‚Einnahme Geldt an Bußen‚ ist zum Beispiel zu lesen, daß Gerge Schultz aus Eisenberg ein Strafgeld zu entrichten hat, ‚weil er wider den Priester daselbsten ehrenrührig gesprochen‘. (Er gehört aber nicht zu meinen Ahnen!)

Jeder Ort und jedes Gut des Amts wird genau beschrieben. Und in dem folgenden Text wird auch mein Vorfahre Hans Tolkmitt (Tolckmith) genannt.

Gedau

Hatt eine Neue Handt Veste unter eigener Hohen Handt, vom Markgraf George Wilhelm Churfürsten zu Brandenburg. Ist gegeben Anno 1639. Wohnen daselbst 5 Freyen, mit Nahmen Friederich Schultz, Hanß Tolckmith, Michel Tolcksdorff, Friedrich Radau und Peter Schwarck, besizen 22 Huben 11 Morgen zu Cöllmischen Rechten, leisten Zusammen einen tüchtigen Dienst, mit Pferdt, Mann und Harnisch, imgleichen ist jeder Jährl. Auff Sanct Martini, des Bischoff Tage 1 schf. Weytzen und 1 schf. Korn zu geben schuldig. Im übrigen Von allem Scharwerck alte Häuser Zu brechen, Neue zu bauen auch andere pflichten und Beschwerden, wie dieselben Nahmen haben und erdacht werden mögn, Erb und Ewiglich ganz und gar Befreyet, und dabey Zu allen Zeiten geschüzet werden sollen.


Ich würde mich sehr freuen, wenn ich vor allem einige der jungen Ahnenforscher dazu anregen könnte, auch Einsicht in alte Dokumente zu nehmen und sich nicht nur mit dem Sammeln von Namen und Daten zu begnügen !!!

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25 Regeln für Dienende

Im Jahrbuch der preußischen Landwirthschaft, das im Jahre 1821 in Gumbinnen gedruckt wurde, wird ‚ein kleines, aber gewiß ungemein nützliches Heftchen angepriesen, ‚was in die Hände einer jeden Dienstperson, männlichen und weiblichen Geschlechts, kommen und von ihr beherzigt werden sollte‘.

Der Verfasser fügt hinzu: ‚Dieses Büchelchen ist es werth, daß jede Herrschaft, die Leute in ihrem Dienste hat, es ankauft und an ihr Gesinde vertheilt, und dann eignet es sich auch sehr als Prämie für fleißige Schulkinder, welche sich, nachdem sie die Schule verlassen, ihren Unterhalt als Gesinde verschaffen müssen‘.

Diese 25 Regeln sind:

  1. Sey gottesfürchtig
  2. Sey sittsam und keusch
  3. Sey treu und ehrlich
  4. Sey arbeitsam und fleißig
  5. Sey folgsam
  6. Sey achtsam und nachdenkend
  7. Sey ordentlich
  8. Sey reinlich
  9. Sey höflich und gefällig
  10. Sey verträglich
  11. Sey mitleidig gegen Menschen
  12. Sey gegen Thiere nicht grausam
  13. Sey mäßig im Essen und Trinken
  14. Sey mäßig im Vergnügen
  15. Sey besorgt für deine Gesundheit
  16. Sey vorsichtig in der Wahl des Umgangs
  17. Sey verschwiegen
  18. Sey wahrheitsliebend
  19. Sey nicht klatschhaft
  20. Sey anständig im Reden
  21. Sey nicht abergläubisch
  22. Sey lernbegierig
  23. Sey immer auf Nutzung der Zeit bedacht
  24. Sey sparsam
  25. Sey dankbar und erkenntlich
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Hugo Westphal – von Spittehnen nach Detroit?

Hugo Westphal wird am 4. April 1867 in Spittehnen bei Bartenstein als Sohn des dortigen Mühlenbesitzers Rudolph Westphal und dessen Ehefrau Auguste Wilhelmina Friederica Ankermann geboren. Seine Eltern sind Cousin und Cousine – beide sind Geschwister meiner Ur-Ur-Großeltern. Angeblich soll Hugo Westphal nach Detroit ausgewandert sein. Der nachfolgende Ausschnitt stammt aus einem bei FamilySearch veröffentlichten Stammbaum. Leider finde ich keinen Beleg dafür, dass diese Angaben stimmen – in anderen Datenbanken wird angezeigt, dieser Hugo Westphal sei in Hamburg geboren worden!

Was stimmt wirklich? Kontakte zu einigen Ahnenforschern, die Hugo in ihren Stammbaum integriert haben, blieben ohne Erfolg – sie wussten keine Quellen anzugeben, hatten die Informationen ‚irgendwo im Internet‘ gefunden und von dort übernommen. Und so verbreiten sie sich weiter und weiter ….

In der Hoffnung, vielleicht durch Kontakte zu Nachfahren von Hugo Westphal seine Identität klären zu können, habe ich versucht, seinen Lebenslauf in Michigan ein wenig zu verfolgen:

Am 15. August 1896 heiratet Hugo in Wayne die 22-jährige Anna Kern, eine Tochter von Christian Gottlieb Kern und Ernestine Josephine Koehn. Anna Kern kam bereits in Detroit zur Welt. Hugos Vater wird im Heiratseintrag auch genannt – er hieß tatsächlich Rudolph Westphal!  Als Trauzeugin wird u.a. Maria Westphal genannt.

Hugo Westphal und Anna bekommen 11 Kinder, die von 1898 bis 1917 in Detroit geboren werden. Im Juni 1915 erscheint in der Detroiter Abendpost folgende Anzeige:

Ich konnte einige Ehepartner der anderen Westphal-Kinder ausfindig machen:

  • Florence Westphal  (*1899) heiratet 1921 Ferdinand W. Rieck aus Michigan.
  • Hazel Westphal (*1901) heiratet 1921 Arthur Kukuk.
  • Mildred Westphal (*1905) oo Gustav Schreiber.
  • Lloyd C. Westphal (+1907) heiratet Marie Rose Trevillian.
  • Howard Westphal (*1911) oo Evelyn Schatzberg.
  • Milton Frederick Westphal (*1916) oo Clara Jane Bennett.

Manches spricht dagegen, dass dieser ausgewanderte Hugo Westphal wirklich der 1867 in Spittehnen geborene Sohn des Mühlenbesitzers Rudolph Westphal ist:

  • In einem Affidavit (einer eidesstattlichen Erklärung) vor seiner Eheschließung gibt er den Namen seiner Mutter mit ‚Mary‚ an.
  • Laut Census von 1900 wurde er am 31. August 1868 geboren !

Ich bin gespannt, ob sich das Rätsel klären lässt!

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Kartoffeln gehören nicht unters Bett!

Über die oft schwierigen Lebensumstände meiner Vorfahren und ihrer Zeitgenossen habe ich schon oft geschrieben. Immer dann wird mir deutlich, in welchem Luxus ich doch lebe: in einem warmen Haus, mit Badezimmer, Wasch- und Kaffeemaschine und mit Stauraum für Kartoffeln! Ich habe mir niemals Gedanken darüber gemacht, dass viele Menschen ihre Kartoffeln früher aus Platzmangel unter ihren Betten lagern mussten.

Im Oktober 1831 veröffentlich die Abteilung des Inneren im Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung Königsberg eine Verordnung, ‚wegen des Aufbewahrens der Kartoffeln in den Wohnstuben unter den Schlafstellen der kleinen Leute‘.  Die Verdordnung lautet:

‚Die Bewohner des platten Landes pflegen einen Theil der erbauten und zum Verbrauch im Winter bestimmten Kartoffeln nicht allein in ihren Wohnstuben, sondern auch sehr häufig selbst unter ihren Schlafstellen aufzubewahren. Die Nachtheile, die dadurch für die Gesundheit der Stubenbewohner durch die fortwährende Ausdünstung der Kartoffeln, besonders deren Schalen, entstehen, sind nicht zu verkennen und in Abrede zu stellen, und giebt uns Veranlassung, die Königlichen Kreis- und Orts-Polizeibehörden, die Dominien, die Domainen- und Intendantur-Beamte und Magisträte deshalb aufzufordern, dahin zu wirken, daß diese schädliche Gewohnheit des Aufbewahrens der Kartoffeln in den Stuben während des Winters eingestellt, und dem Bedürfnisse überall zweckmäßig anderweit abgeholfen werde. Wo die Landbewohner bis jetzt keine eigene Kartoffelkeller besitzen, wird die Grundherrschaft zu vermögen seyn, es zu gestatten, daß ihre Grund-Eingesessen sich ihrer Keller mit bedienen könnten, falls diese sich nicht auf andere zweckmäßige Art zu helfen wissen‘.

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Müller-Familie Pohlmann im Ermland

Mit dieser Pohlmann-Familie habe ich mich nur ganz am Rande beschäftigt, weil ich etwas über die Familie wissen wollte, in die meine Ur-Ur-Urgroßmutter Friederica Henrietta Ankermann, geb. Schmidt im Jahre 1848 einheiratete.

Als Friederica Henrietta Ankermann, geb. Schmidt in Heilsberg als Witwe den sehr viel jüngeren Anton Pohlmann  ehelicht, ist dieser Mühlenwerktüchner in Raaben bei Landsberg, Pr. Eylau.

Besitzer der Raaben-Mühle, die zum Kirchspiel Buchholz im Kreis Pr. Eylau gehört, ist um diese Zeit Valentin Pohlmann – vielleicht Antons Onkel oder Bruder? Antons Vater ist zum Zeitpunkt der Heirat seines Sohnes Mühlenbesitzer in Plauten bei Mehlsack.

Meine Ur-Ur-Urgroßmutter verstirbt 1874 in Freudenberg im Kirchspiel Seeburg, wo sich Anton Pohlmann nach der Eheschließung als Mühlenbesitzer niedergelassen hat. Aus einer zweiten Ehe Antons mit Rosa, geb. Schwendt, gehen mehrere Kinder hervor:

  • Hugo Pohlmann, geb. um 1867, wird später Mühlenbesitzer in Nossberg bei Heilsberg.
  • Antonius Aloysius Pohlmann, geb. am 22.5.1869 in Freudenberg, wird Mühlenbesitzer in Knipstein, im Kreis Heilsberg.

Auch weitere ‚Pohlmänner‘ betreiben Mühlen im weiteren Umkreis von Heilsberg. Ich kann sie nicht alle genau zuordnen – aber vermutlich sind sie alle miteinander verwandt.

Anton Pohlmann ist übrigens katholisch – alle anderen Pohlmann-Namensträger ebenso. Meine Ur-Ur-Urgroßmutter Friederica Henrietta Ankermann, geb. Schmidt ist evangelisch – wie all meine Vorfahren. Derartige ‚Mischehen‘ scheinen damals im Ermland nicht unüblich gewesen zu sein – sie sind mir in den Kirchenbüchern rund um Heilsberg häufiger begegnet.

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Familie Wersuhn in Worienen, Pr. Eylau

Beim Verfassen meiner Chronik des Ortes Worienen im Kreis Pr. Eylau (die in nächster Zeit nun endlich mal fertig werden soll!) fallen mir manchmal familiäre Zusammenhänge auf, die in der Chronik keinen Platz finden werden, aber vielleicht für andere Familienforscher von Interesse sein könnten.

Um 1850 kommt Ludwig Wersuhn mit seiner Ehefrau Amalie geb. Kleinfeld und einigen – vermutlich 4 – Kindern nach Worienen. Sohn Rudolph verstirbt dort am 12. April 1851 an der Bräune. Er wird 6 Jahre und 7 Monate alt. Im Sterbeeintrag wird angegeben, dass Ludwig Wersuhn zu dieser Zeit als Instmann tätig ist.

Drei weitere Wersuhn-Kinder werden in Worienen geboren:

  • Carl Ludwig Albert Wersuhn am 14.7.1854
  • Johanne Auguste Wersuhn am 20.12.1857 und
  • Gustav Otto Wersuhn am 14.10.1859

Ab 1854 wird Ludwig Wersuhn als Gärtner in Worienen bezeichnet. Er stirbt bereits am 27.8.1862 im Alter von 51 Jahren. Ludwig hinterlässt seine Ehefrau Amalie, geb. Kleinfeld und 7 unmündige Kinder, die nach seinem Tod in Worienen bleiben.

  • Maria Ottilie Wersuhn, * um 1839, heiratet am 28.9.1860 in Eichhorn den Schmiedemeister Friedrich Gottlieb Zilian, einen Sohn des verstorbenen Bauern Gottfried Zilian aus Großendorf
  • Tochter Friederike Wersuhn, * um 1842, wird 1862 die Ehefrau des Gärtners Friedrich Gottlieb Schäfer, der aus Kreuzburg stammt Die beiden bekommen 5 Kinder, die in Worienen geboren werden.
  • Ludwigs Tochter Bertha Wersuhn ist 24 Jahre alt als sie am 27.9.1874 in Eichhorn den 26jährigen Wilhelm Reichelt, Brennereiführer (und späteren Oberinspektor) in Groß Peisten heiratet, einen Sohn des Mühlenbesitzers Ferdinand Reichelt. In Groß Peisten kommt am 8.2.1876 der Sohn Kurt Schmerzensreich Reichelt zur Welt. Wilhelm Reichelt ist allerdings bereits 1877  mit einer anderen Frau verheiratet.
  • Sohn Friedrich August Wersuhn muss um 1849 geboren worden sein. Er wird Gärtner wie sein Vater und heiratet 1875 in Eichhorn die Kammerjungfer Wilhelmine Henriette Rosa, eine Tochter des verstorbenen Schäfers Gustav Rosa aus Knauten.
  • Die in Worienen geborene Tochter Johanna Auguste Wersuhn wird 1887 die Ehefrau des Müllergesellen Hermann Gustav Russke.

Amalie Wesuhn, geb. Kleinfeld, wird 71 Jahre alt. Sie verstirbt am 9.12.1888 in Worienen.

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