Ein Kaufmannssohn aus Pr. Eylau erzählt (1807)

Peter Dyck ist der Sohn eines gleichnamigen Kaufmanns aus der Stadt Pr. Eylau. Er wurde um 1798 geboren. Im Alter von 9 Jahren erlebt er die Auswirkungen der legendären Schlacht von Pr. Eylau hautnah mit und schreibt seine Eindrücke und Erlebnisse schon als Schulkind nieder. Viele Jahre später bittet ihn der damalige Eylauer Pastor Gottlieb Emanuel Gäsbeck, seine Erlebnisse für die Kirchenchronik aufzuschreiben. Lehrer Frey aus Pr. Eylau ergänzt den Text 1892 an einigen Stellen und lässt ihn veröffentlichen. Der Bericht erscheint 1893 in Königsberg in den Sitzungsberichten der Altertumsgesellschaft Prussia (Heft 18, Seite 61 bis 75).

Gemälde von A. Gros, Napoléon auf dem Schlachtfeld von Preußisch-Eylau (Wikipedia)

Dieser Bericht unterscheidet sich von allem, was ich bisher über die damaligen Zustände in und um Pr. Eylau gelesen habe. Peter Dyck berichtet vorrangig von den widrigen Lebensumständen der Stadtbewohner und nennt auch deren Namen.

Es folgen einige Auszüge:

‚Mittwoch den 1. Februar 1807 war ich vormittags gleich andern Kindern in der Stadtschule beim Herrn Rektor Passarge, als vom Markt die Nachricht kam, es würden russische Wagen in die Stadt kommen; ein paar Jungen liefen hinaus und erzählten, von den Warschkeiter Bergen käme zwar etwas angezogen, doch möchten es Bauern sein; der Herr Rektor Passarge schloß aber gleich die Schule und ließ uns nach Hause gehen, damit die Kleinen nicht ins Gedränge kämen. …

Sonnabend den 7. Februar 1807 zogen noch immer Russen durch; die benachbarten Dörfer wurden von ihnen hart mitgenommen, in der Eylauer Mühle geplündert und so toll gewirtschaftet, daß sich die Müller Mey’sche ganze Familie zu uns über den gefrorenen Mühlenteich flüchtete, unterwegs nahmen die Soldaten den Frauenzimmern Mäntel und Tücher ab, so den schönen, seidenen Pelzmantel der Mey’schen Tochter, später vehelichte Brockmann, zuletzt Brosien….

Der Vater und sein Gesell Cholewius (er starb als Kaufmann in Berlin) sahen von dem Gehöft noch eine Weile zu. …. Unten auf dem Mühlenbruch im Rohr tiraillierten Franzosen und Russen; es dauerte nicht lange, so schlug eine Kanonenkugel in des Nachbarn Bewernik (später Ruhdel – jetzt Petzall) Dach und der Vater nebst Cholewius kam in den Keller. …

Die Russen hatten gleich mittags drei Kanonen versteckt; eine in Kantor Baurath’s Krug hinten im Schauer, die zweite im Gang zwischen Brosien und Feierabend; wo die dritte, weiß ich nicht mehr (nach Höpfner in der Landsberger Straße, da, wo früher die „Kaffeemühle“ stand, F.). Die Soldaten sollen zum Teil auf den Heuböden gelegen haben, doch waren zuviel Russen und müssen sie durch Kantor und Krüger Baurath’s Garten herangeschlichen sein. ….

Die Schlacht war beendigt. Montag den 9. Februar räumte Herr Riebensahm uns, der Accise-Einnehmer Valentinischen Familie (Eltern des jetzigen Gutsbesitzers von Schloß Eylau) der Kondukteur Sonntagschen Familie (dessen Wohnhaus – jetzt Gerichtshaus – der Kaiser Napoleon bezog) und anderen Freunden die obere Hinterstube ein, wo wir überhaupt 11 Tage bleiben und sehr hungern mußten.

Der Vater ging in die Stadt. Sein Haus war ohne Thür und Fenster. In einer Ladenstube standen Pferde, die Wohnstube lag voll hungriger Verwundeter, die Straßen voll toter Menschen, Pferde und zerbrochener Wagen; die Soldaten suchten Lebensmittel; die Einwohner waren selten zu sehen. Da traf er die Nähterin Dorotheaa Pfuchner, die früher als Kindermädchen bei uns gedient hatte, der er seine Not klagte, und sie sagte: „Ich habe noch ein bißchen Sauerkumst (Kohl) den sie Soldaten nicht gefunden haben, nehmen Sie ihn für ihrer Kinder!“ Der Vater brachte uns ein Schnupftuch voll, den wir auch gleich roh verzehrten, und weil wir Wasser dazu tranken, bekamen wir auch glaich den Durchfall. ….

In den Dörfern war es wie in Eylau. Im Jesau’schen Krug schuten die Pferde aus den Fenstern; die Fenster waren zerbrochen. Von dem eigentlichen Gang der Schlacht weiß ich wenig zu sagen, indem ich noch zu jung war, und wenn ich auch manches gehört habe, so sind die darüber herausgegebenen Schriften doch wohl genauer.

An toten Menschen sollen 30.000 Mann begraben sein, welches auch möglich ist, indem die meisten Verwundeten vor Mangel und Kälte umkamen. Viele schleppten sich vom Felde in die Stadt, waren aber dadurch nicht gebessert. Von hiesigen Einwohnern wurden getötet: Schuster Karnap von den Franzosen am Schloßwall erstochen. Ein Reisender zufällig in Feyerabends Krug im Kellerschaff von einer Flintenkugel erschossen. In Brauns Insthaus eine Instfrau durch eine Kanonenkugel. Auf dem Drummendamm wurden einem Knaben von einer Kanonenkugel beide Beine zerschmettert. Meine Mutter ist verwundet. Im ganzen wenig Unglücksfälle.

Im Kirchenbuch der Stadt Pr. Eylau sind im Jahre 1807 insgesamt 605 Todesfälle verzeichnet. Auch in den Kirchenbüchern der umliegenden Orte sind – vor allem in den Monaten nach der Schlacht – unendlich viele Bewohner an den Folgen des Krieges, an Hunger und an epidemischen Krankheiten – z.B. an der Ruhr – verstorben. Die Pfarrer waren teilweise nicht in der Lage, sämtliche Todesfälle im Kirchenbuch zu vermerken – wie Pfarrer Schiemann in Eichhorn, der 1807 notiert: „Weil die von denen Schultzen eingereichten Listen sehr unvollständig waren, so ist die vollständige Eintragung in das Register auch nicht möglich gewesen.

Für diejenigen, die gern den gesamten Bericht lesen möchten – hier kann er ‚downgeloadet‘ werden: Ein Kaufmannssohn aus Pr. Eylau erzählt (1807)

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Jacob Söcknick – Freischulze in Hoppendorf (1663-1747)

Nachdem ich den Hoppendorfer Freischulzen Jacob Söcknick jahrelangim Verdacht hatte‘, mein Vorfahre zu sein, bin ich nun sicher, dass er es tatsächlich ist! Um meine Zweifel auszuschließen, habe ich die Kirchenbücher mehrerer Kirchspiele rund um Guttenfeld im Kreis Pr. Eylau – zu dem auch Hoppendorf gehört – duchstöbert.

Nun weiß ich: Jacob Söcknick wird im Juli des Jahre 1663 in Kumgarben im Kreis Heiligenbeil geboren und am 6. Juli in der Kirche von Zinten getauft. Jacobs Vater Michel ist Besitzer des Gutes Kumgarben – Jacob ist der älteste Sohn. Am 7. November 1696 heiratet Jacob Söcknick in Guttenfeld Maria Schulz, die Witwe des in Hoppendorf verstorbenen Freischulzen Christoph Flügge (Fligge). Das Aufgebot sowie ein Hinweis auf die Eheschließung in Guttenfeld sind im Kirchenbuch von Zinten zu finden.

Heiratseintrag aus dem Kirchenbuch von Zinten

Maria und Christoph Flügge waren – nach ihrer Eheschließung in Eichholz am 26.10.1681 – insgesamt 15 Jahre verheiratet und Maria bringt mehrere Kinder mit in die neue Ehe, die in der Zeit von 1682 bis 1696 geboren wurden. Da die Taufeinträge von Guttenfeld erst im Jahre 1711 beginnen, sind ihre Einträge nicht mehr vorhanden – sie werden aber später als Paten im Kirchenbuch von Guttenfeld und auch im Kirchenbuch der benachbarten Gemeinde Canditten genannt:

  • 1713 Regina Flüggin, seel. Christoph Fl. gewesenen Freischulzen v. Hoppendorf filia
  • 1714 Andreas Flügg, Freischulzen Sohn
  • Christoph Flügge
  • Eleonora Dorothea Flügge
Heiratseintrag aus dem Kircheenbuch von Guttenfeld

Am 16. Oktober 1720 ist im Guttenfelder Kirchenbuch die Heirat des Schneidermeisters Christoph Möck mit Elisabeth Söcknick, Jacob Söcknicks Tochter, verzeichnet.

Elisabeths Schwester Anna Söcknick – meine Vorfahrin – muss bereits vor 1720 geheiratet haben. Sowohl die Heiratseinträge als auch die Sterbeeinträge des Kirchspiels Guttenfeld beginnen jedoch erst im Jahre 1720.

Annas Heirat mit Johann Wilhelm Hellwich, der bis um 1724 als Müller in der Mühle von Finken im Ksp. Buchholz tätig ist, bevor er als Müllermeister nach Landsberg geht, ist im KB von Guttenfeld deshalb nicht verzeichnet. Auch Annas Taufeintrag sowie die Taufeinträge ihrer beiden ersten Töchter sind nicht mehr vorhanden – diese Daten können nur anhand der späteren Heirats- und Sterbeeinträge geschätzt werden.

Maria Söcknick, geb. Schulz, muss vor 1719 verstorben sein, denn am 21. November 1719 heiratet der verwitwete Jacob Söcknick, ‚Cöllmischer Freyschultz in Hoppffendorf, Gerichtsgeschworener in Wildenhoff und Kirchvater in Guttenfeld‘, in Canditten seine 2. Ehefrau Barbara, die Witwe eines Landsberger Bürgers und Mälzenbräuers. Wie alle Heiratswilligen in Canditten um diese Zeit muss auch Jacob Söcknick vor der Trauung nachweisen, dass er zuvor ordnungsgemäß Bäume gepflanzt hat – der Pfarrer bestätigt, Jacob habe einen Zettel mit dem Vermerk vorgelegt, dass in Wildenhoff von ihm ‚Stämme gesetzt‘ worden seien.

Jacob Söcknick wird 87 Jahre alt und verstirbt im Februar des Jahre 1747 im Hospital von Landsberg.

Sterbeeintrag im Kirchenbuch von Landsberg, Pr. Eylau

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Legitimationserklärungen – Amtsgericht Landsberg, Pr. Eylau

Inmitten der bei Ancestry einsehbaren Kirchenbücher findet man unter der merkwürdigen Bezeichnung ‚Bartoszyce, Bukowiec, Hanshagen u Landsberg‚ zunächst (bis Bild 85) Taufeinträge aus dem Kirchspiel Buchholz. Dann folgen (bis Bild 221) digitalisierte Akten des Amtsgerichts Landsberg, und zwar Legitimationserklärungen unehelicher Kinder aus der Zeit von 1841 bis 1872.

ACTA GENERALIA der Königl(ichen) Kreisgerichts-Kommission zu Landsberg betreffend die Erklärungen der Ehemänner über die Legitimität der von ihren Frauen vor der Ehe geborenen unehelichen Kinder

Da der Landsberger Magistrat auch für umliegende Orte zuständig ist, enthalten diese Akten auch Legitimitätserklärungen von Kindern, die zum Beispiel in Eichhorn, Guttenfeld, Petershagen oder anderswo zur Welt kamen. Der Pfarrer des jeweiligen Kirchspiels, in dem das Kind geboren wurde, war offenbar verpflichtet, die Anerkennung der Vaterschaft zunächst zu protokollieren und anschließend nach Landsberg zu melden.

Am 6. Mai 1860 verfasst zum Beispiel Pfarrer Passarge in Petershagen den folgenden Brief:

Es erschienen die am heutigen Tage getrauten Broddeschen Eheleute, der Kutscher aus Dittchenhöfen Carl August Brodde und seine jetzige Ehefrau Wilhelmine geb. Grünheid, und erkärten, daß sie vor der Ehe ein uneheliches Kind gehabt hatten, welches am 13. Febr. d(es) J(ahres) geboren war und am 26ten d. J. in der heiligen Taufe den Namen Friedrich Wilhelm erhalten. Dieses Kind erkennt der Vater durch diese Verhandlung als das seinige an und versprcht, sich seiner auch ferner als Vater anzunehmen. Dieses bezeugen beide Ehegatten durch ihre Namensunterschrift.

Man findet in den Unterlagen auch einen Brief, der 1858 aus Labiau gesandt wurde. Der mittlerweile pensionierte Wildenhöffsche Oberförster Johann Albert Melchior Lübeck teilt darin mit, dass er das von seiner verlobten Braut Henriette Schrade zu Sangnitten im Kirchspiel Canditten 1845 geborene Kind namens JOHANNE als das Seine anerkennt. Herr Lübeck bittet um einen entsprechenden Vermerk im Kirchenbuch.

In einigen Fällen sind diese Dokumente besonders wertvoll, da aus dieser Zeit gar keine Kirchenbücher mehr vorhanden sind. Sowohl aus dem Kirchspiel Petershagen als auch aus dem Kirchspiel Canditten existieren diese beispielsweise nicht mehr.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Angehörige der Besatzung eines gesunkenen Schiffes gesucht

Am 9. Dezember 1942 wurde der Dampfer Edith Bosselmann auf der Reise von Danzig nach Libau durch ein U-Boot in der Ostsee versenkt und galt lange Zeit als verschollen. Das Wrack wurde von einem Taucher-Team in etwa 30km Entfernung zur Küste bei Klaipėda (Memel) entdeckt. Durch intensive Recherche in Archiven konnte auch die Besatzungsliste des Dampfers gefunden werden.

Das Taucher-Team würde sehr gern wissen, ob es noch Nachfahren bzw. Angehörige der Opfer dieses Schiffsunglücks gibt. Es handelt sich um folgende Personen:

  • Otto Ahrens (Kapitän) *1.09.1890 in Born (Darß)
  • Hubert Stoldt (Heizer) *10.11.1919 in Hamburg
  • August Ohde (Bootsmann) *1.11.1888 in Friedenburg
  • Kurt Pedack (Jungmann) *14.11.1926 in Lindensee
  • Ewald Kschoneck (Jungmann)*19.11.1926 in Wilkenhof
  • Josef Römisch (Messesteward)*23.3.1927 in Linz
  • Johannes Meyer (Funker) *11.11.1923 in Kirchweyhe
  • Heinrich Nowotzki (Matrose) *23.6.1884 in Danzig
  • Kurt Littschwager (Matrose) *24.10.1922 in Danzig
  • Erich Grantz (Ingenieur) *26.10.1908 in Danzig
  • Kurt Traeder (Heizer) *22.04.1923 in Danzig
  • Franz Darkow (I. Offizier) *8.05.1903 in Parpart (Kreis Greifenberg)
  • Leo Rumpza (Ingenieur) *2.11.1914 in Brösen (Danzig)
  • Willy Schreiber (Heizer) *16.03.1901 in Thorn
  • Fritz Peetz (Koch) *2.8.1914 in Stargard

Informationen werden weitergeleitet!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Sie wird stolz gewesen sein!

Taufeintrag aus dem KB von Guttenfeld – 1753

Am 30. Juli des Jahres 1753 wird in der Kirche zu Guttenfeld, Pr. Eylau, Johann Christian Schmidt getauft, der erste Sohn des Herrn Christian Schmidt, Administratoris in Klein Steegen und dessen Ehefrau Catharina Dorothea Schulz. Getauft wird mein Enckel setzt der damalige Pastor Christian Melchior Schulz hinzu.

Der Täufling ist jedoch nicht nur der Enkel des Pastors, sondern auch der erste Enkelsohn von Anna Gegner aus Worienen, der jüngsten Schwester meines Vorfahren, des Böttchers Christoph Gegner aus Polassen. Anna Gegner – verheiratet mit Christian Schmidt, der anfangs als Gärtenierer und später als Arrendator am Hofe von Worienen angestellt ist – bringt zunächst drei Mädchen zur Welt, die tragischerweise alle nur wenige Jahre alt werden.

Aber dann wird am 11. Janur 1729 in Worienen Sohn Christian, geboren. Er wird erwachsen, wird Arrendator des Guts Klein Steegen und heiratet im Ater von 23 Jahren am 20. September in Guttenfeld die fast gleichaltrige Pastorentochter Catharina Dorothea Schulz, deren Vater die Trauung vollzieht und im Kirchenbuch notiert: (Getraut wurden) ‚Herr Christian Schmidt, Administrator der hiesigen adligen Kl. Steegenschen Gütter mit meiner geliebtesten ältesten Tochter Jungfer Catharina Dorothea Schultzin‘.

So kommt es, dass Anna Gegner – Frau Arendatorin Schmidtin aus Worienen – am 30. Juli 1753 – gemeinsam mit Pfarrer Mittwede aus Eichholz, Diakon Neumann aus Landsberg, Herrn Studiosus Friedrich Wilhelm Schulz, Frau von Kanitz und der Pfarrerfrau Weber aus Landsberg – als Großmutter in der Guttenfelder Kirche die Taufe ihres ersten Enkelsohnes erlebt. Sie wird sehr stolz gewesen sein!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Bestände des Königsberger Staatsarchivs in Allenstein

Schon mehrfach habe ich mich darüber gewundert, dass im Staatsarchiv von Allenstein so viele Dokumente vorhanden sind, die ursprünglich aus dem Königsberger Staatsarchiv stammen und die man eigentlich im Geheimen Staatsarchiv PK in Berlin vermuten würde, wo ja der Großteil der ehemaligen Königsberger Materialien als Bestände der XX. Hauptabteilung verwahrt werden. Dies scheint die Erklärung zu sein: Der Autor Marcel Krueger, der fünf Monate als Stadtschreiber in Allenstein tätig war, schreibt vor einigen Monaten in seinem BLOG:

Es hat mich sehr gefreut zu entdecken, dass sich im Staatsarchiv/Archiwum Państwowe in Allenstein das Archiv der Albertina befindet. Die Geschichte des Archivs ist dramatisch: Aus Königsberg ausgelagert bevor die Rote Armee den Belagerungsring um die Stadt schließen konnte, schafften es die meisten Teile des Archivs nur bis ins Ermland. Von hier aus wurden diese nach Göttingen in die britische Besatzungszone transportiert, wo von der britischen Version der „Monuments Men“ ein Depot für wichtige Materialien eingerichtet worden war; und schließlich auf Ersuchen der neuen polnischen Regierung nach Allenstein/Olsztyn zurückgebracht in den späten 1940er Jahren. ……

In dem unauffälligen braunen Gebäude an der Partyzantów sind Papiere aus den letzten 400 Jahren gelagert: Rechnungen, Quittungen, Aufstellungen über Hochzeiten und Beerdigungen, aber auch viel profanere Berichte, die mir beim Betrachten geholfen haben, das Leben der Menschen in Königsberg/Królewiec besser zu verstehen. …

Dr. Agnieszka Pufelska vom Nordost-Institut in Lüneburg untersucht derzeit das Archiv und hofft, ein Projekt zu initiieren, bei dem alle vorhandenen Materialien transkribiert, digitalisiert und dann öffentlich zugänglich gemacht werden. In einem ersten Schritt werden alle Einträge zu Immanuel Kant für das Kant-Jahr 2024 online zur Verfügung gestellt.

Bei Interesse an Dr. Pufelkas Arbeit, dem Archiv und der Arbeit im Kant-Jahr kann man Kontakt mir ihr aufnehmen: A.Pufelska@ikgn.de

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Familie Reuter (Reiter) in Schmoditten und Klein Dexen

Um 1675 wird Johann Reuter als Bauer und später als Krüger im Dorf Althof im Kirchspiel Schmoditten genannt. Hier kommen von 1675 bis zum Jahre 1693 auch seine zahlreichen Kinder zur Welt. Nach 1695 taucht der Name Reuter im Kirchenbuch von Schmoditten nicht mehr auf. Die Familie ist mittlerweile – mit mindestens 7 Kindern – nach Schlauthienen verzogen, wo Johann Reuter den dortigen Krug übernimmt.

Mit diesem Unzug wird auch das Kirchspiel gewechselt, denn die Bewohner von Schlauthienen gehören zur Kirche von Klein Dexen, in der sich die Familie fortan häufiger versammeln wird – 1703 wird dort die Hochzeit von Regina Reuter mit Peter Engelbrecht, einem Bürger und Radmacher aus Pr. Eylau gefeiert – Tochter Catharina heiratet in Kl. Dexen den Schmiedemeister Reinhold Binder aus Schlauthienen. Sohn Martin Reuter – mein direkter Vorfahre – der 1687 auch noch in Althof zur Welt kam, heiratet in Kl. Dexen Dorothea Kebbe und wohnt fortan in Pompicken. Der Eheeintrag im Kirchenbuch lautet: ‚Martin Reuter, neuangehender Wirth in dem Hospital-Dorffe Pompicken mit Jgfr. Dorthea Kebbin, des Christoph Kebben Sen. daselbst, eheliche Tochter, zum Ehestande copuliret‘.

Den Reuter-Hof in Pompicken übernehmen vermutlich Martins Sohn Johann und seine Ehefrau Maria Elisabeth Braxein, die im Jahre 1756 in Kl. Dexen die Ehe schließen. Johann Reuter wird außerdem Kirchenvorsteher von Klein Dexen. In dieser Funktion wohnt er 1776 der in der Kirche vollzogenen Taufe des ‚Mulatten aus den holländischen Plantagen bey Surinam‘ bei, die in der Umgebung sicherlich einiges Aufsehen erregt hat. Um 1790 übernimmt Johann Reuter auch das Schulzenamt in Pompicken von seinem Schwager Johann Christoph Ankermann, dem Ehemann seiner Schwester Dorothea.

Am 16. Dezember 1794 versammeln sich im Reuterschen Hof die damaligen 6 Bauern des Ortes, da eine Kommission aus Zinten  – an dessen Hospital die Pompicker Bewohner ihre Abgaben entrichten müssen – eingetroffen ist, um den Inventarwert sämtlicher Höfe zu ermitteln. Diese Kommission besteht aus dem Zintener Justizbürgermeister Grüneberg, Stadtkämmerer Laudien, Polizeibürgermeister Talck und Hospitalvorsteher Preuß. Das Ergebnis ihrer Ermittlung:

1. Johann Reiter:
Inventarwert 265 Taler, 75 Groschen.
8 Pferde, 8 Rindvieh, 8 Schweine, 8 Schafe, 10 Gänse, 10 Hühner.
Aussaat: 20 Scheffel Roggen,
20 Sch. Gerste,
40 Sch. Hafer,
2 Sch. Erbsen,
2 Sch. Lein.

2. Michael Dreher: Inventarwert 254 Taler, 36 Groschen
3. Christoph Neumann: Inventarwert 259 Taler, 66 Groschen
4. Ludwig Pittwald: Inventarwert 257 Taler, 15 Groschen
5. Christoph Ankermann: Inventarwert 266 Taler, — Groschen
6. Christoph Buchhorn: Inventarwert 256 Taler, 45 Groschen.

Nach 1800 verlassen einige Familienmitglieder den Bauernstand und ergreifen den Lehrerberuf  – zunächst ist dies Johann Reuters jüngster Sohn, der 1776 in Pompicken geborene Johann Heinrich Reuter – später REITER geschrieben. Er besucht das Lehrerseminar in Kl. Dexen, heiratet 1807 in Löwenhagen die 24jährige Regina Oelsner aus Grünbaum im Kirchspiel Abschwangen und wird Lehrer in Heiligenkreutz im Kirchspiel Fischhausen.

Der Herr Johann Heinrich Reiter, Organist und Kirchschullehrer in Heiligen Creutz, 31, des bereits verstorbenen Johann Reiter, Cöllmischen Eigenthümers in Pompicken und Kirchenvorstehers bey der Kirche zu Dexen nachgelaßener eheleiblicher jüngster Sohn, mit der Jungfer Anna Regina Oelsnerin, 24, welche bisher auf Birkenwalde im Dienste gewesen, des bereits verstorbenen Christian Oelsner, Huf- und Waffenschmidts zu Grünbaum im Abschwangischen Kirchspiel nachgelaßenen eheleiblichen jüngsten Tochter, nach eingeliefertem Aufbietungs-Attest von Heiligen Creutz, allhier getruat worden, den 18. August 1807.

Auch sein Naffe Johann Gottfried, der Sohn seines Bruders Carl Daniel Reuter – geboren in Pompicken am 27.1.1818 – wird Lehrer. Auch er besucht das Lehrerseminar, das sich mittlerweile in der Stadt Pr. Eylau befindet. Er wohnt dort zeitweise bei Schuhmacher Tritter, Fleischer Rehfeld und Riemermeister Vollmeister und wird 1839 mit Leistungen entlassen, die als ‚im Ganzen GUT‘ bewertet werden.

Johann Gottfried Reiter soll zunächst 2. Lehrer in Laukischken gewesen sein und später an verschiedenen anderen Schulen des Kreises Labiau unterrichtet haben. (Quelle: Kurt Vogel, Die Verzeichnisse der Seminaristen der Lehrerseminare Kl. Dexen und Pr. Eylau 1816-1924). Als er am 4. Oktober 1842 in der Kirche von Powunden im Samland Juliana Henriette Minuth, die Tochter des in Uggehnen verstorbenen Mühlenbesitzers Friedrich Wilhelm Minuth heiratet, wird er zudem als Pächter dieser Mühle genannt. Aus dem Heiratseintrag geht außerdem hervor, dass sein Vater Carl Daniel Reiter mittlerweile als ‚Ausgedinger‘ in Hoofe lebt – vermutlich bei Tochter Anna Louisa.

Heiratseintrag aus dem Kirchenbuch von Powunden

Das Lehrerseminar in Kl. Dexen (Quelle: Kurt Vogel, Die Verzeichnisse der Seminaristen der Lehrerseminare Kl. Dexen und Pr. Eylau 1816-1924)

Nach 1840 werden sich bei den Reuterschen Familienfeiern eine Reihe von Lehrern versammelt haben, denn auch Marianna und Anna Louisa Reiter – Johann Gottfrieds jüngere Schwestern – heiraten in eine Lehrerfamilie – und zwar in die alt eingesessene Familie der Kirsteins aus Topprienen!

Die 1810 in Pompicken geborene Marianna Reiter wird zunächst Ehefrau von Gottlieb Ferdinand Kirstein, Lehrer in Weskeim und später in Hoofe. Nach ihrem frühen Tod heiratet dieser 1840 in Kreuzburg Marianna Schwester Anna Louisa Reiter. Der gemeinsame Sohn Adolph Kirstein, geboren 1852 in Hoofe, wird später Lehrer in Landsberg und heiratet dort am 1. Mai 1882 Marie Braun aus Landsberg, eine Tochter des  Lehrers und Organisten Leopold Braun und dessen Ehefrau Amalie Eggert. Adolph Kirstein verstirbt 1905 in Landsberg.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Geburtsbrief von Michael Aust (1729)

Ein Geburtsbrief ist eine Urkunde, mit der die eheliche Abstammung des Geborenen bestätigt wurde. Er wurde in der frühen Neuzeit insbesondere von den Zünften von jedem Auswärtigen verlangt, der ein Handwerk in der Stadt erlernen oder ausüben wollte. Der Geburtsbrief bescheinigte auch die Freiheit von Leibeigenschaft. (Wikipedia)

Häufig sind diese Geburtsbriefe wunderschön gestaltet – wie auch dieser, der am 28. Februar 1729 vom Bürgermeister und Rat der Stadt Mohrungen angefertigt wurde.

Ausgestellt wird das Dokument für Michael Aust, einen Sohn des 1729 in Mohrungen ansässigen Müllermeisters Christoph Aust und dessen Ehefrau Barbara Meyer. Die Eltern versichern darin, dass ihr Sohn, der vierte in der Folge ihrer erzeugten Kinder … aus einem reinen keuschen, und unbeflekten Ehebette … gezeuget, auch niemandem mit leibeigenschafft zugethan, sondern freyer Teutscher Nation und Zungen sey.

Vor dem Rat der Stadt erschienen sind auch Gerge Lingner, 63 Jahre alt, Bürger und Mälzenbräuer in Mohrungen und Fabian Teibert, 60 Jahre alt, Schuhmachermeister und Bürger – beyde Evang(elisch) Luther(ischer) Religion. Sie sind gekommen, um zu bezeugen, daß sie den Ehrbaren und wohlgerathen Meister Christoph Austen, Müller und Bürger in Mohrungen und dessen Ehegattin Barbara, eine leibliche Tochter des weyland Ehren vesten Josua Heinrich Meyer, ehemaligen Badern und Bürgern alhier gut kennen. Sie erklären außerdem, daß dieses alles wahr sey – und zwar tun sie dies mit ausgestrekten Armen und auffgehobenen Eydes Fingern.

Als ich diesen Geburtsbrief vor einiger Zeit entdeckte, kam mir diese Familie Aust sehr bekannt vor – nun weiß ich auch, warum! Michael Aust wurde 1710 in Eichhorn, im Kreis Pr. Eylau geboren, ich hatte seine Geburt bereits im OFB des Kirchspiels Eichhorn eingetragen. Als Vater wird im Kirchenbuch angegeben: ‚Müller Christoff Augst anitzo zu Eichhorn wohnhafftig‘. Außerdem hatte ich mir notiert, dass ein Müller namens Christoff Aust 1719 in Liebnicken – im Kirchspiel Canditten – genannt wird und dass er und seine Ehefrau Barbara Meier am 21.11.1719 in der Kirche zu Canditten eine Tochter namens Catharina taufen lassen – einer der Taufpaten ist mein Vorfahre, der Brauer Jacob Lehmann aus Wildenhoff!

Taufeintrag des Michael Aust aus dem Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Aufhebung des Mühlenzwangs in Ostpreußen

Eine Reihe meiner Vorfahren in Ostpreußen üben zu unterschiedlichen Zeiten den Beruf des Müllers aus – einige von ihnen sind Müllermeister, Mühlenpächter oder Besitzer einer Mühle, überwiegend im Kreis Pr. Eylau:

  • Johann Wilhelm Hellwich (1690-1764) vor 1722 Müller in Finken – ab 1724 Müllermeister in Landsberg – um 1730 Arrendator der ‚Gräflich Schwerinschen Mühlen zu Landsberg‘ – um 1744 Müller in Kumkeim, ab 1744 Arrendator des Vorwerks Woymanns – ab 1749 Pächter der Mühlen von Gr. Steegen und Liepnick)
  • Johann Friedrich Westphal (1729-1801) etwa 1762-1778 Müllermeister und Pächter der Mühle zu Wilknit – dann Mühlenpächter der Reichsgräflichen Steegenschen Mühle)
  • Friedrich Westphal (1779-1849) um 18o5-1817 Müller in Eichen; 1818-1826 Müller in Worienen; 1830 Müllergesell in Gr. Peisten, Müllermeister der Worienschen Mühle, 1848/9 Mühlenbesitzer in Gr. Peisten
  • Johann CARL Westphal (1822-1879) von 1850-1855 Mühlenbesitzer in Gr. Peisten, danach Mühlen- und Grundbesitzer in Landsberg (auf dem Konertsberg)
  • CARL Sigismund Ankermann (1799-1846) 1826 Pächter der Mühle in Gr. Peisten – 1827 Müllermeister in Nerfken – etwa 1831-1846 Mühlenbesitzer in Konnegen bei Heilsberg

In Ostpreußen, Litauen, im Ermland und im landrätlichen Kreis von Marienwerder wird der Mühlenzwang durch ein Edikt vom 29. März 1808 aufgehoben. Sowohl für die Müller als auch für die Bewohner, die ihr Getreide zu Mehl verarbeiten lassen wollen, treten damit eine Reihe von Änderungen in Kraft. Für Johann Wilhelm Hellwich und Johann Friedrich Westphal ist es noch selbstverständlich, dass sie in all ihren Rechten und Pflichten vom Wohlwollen ihres Grundherrn abhängig sind. Friedrich Westphal erlebt die Aufhebung des Mühlenzwangs unmittelbar mit und muss sich auf die neuen Regelungen einstellen – und für Johann Carl Westphal und Carl Sigismund Ankermann gelten diese von Beginn an.

  • jeder Eigentümer darf nun auf seinem Grund und Boden eine Mühle bauen
  • die Landespolizeibehörde muss informiert werden
  • der Bau einer Wassermühle (und ob es eine ober- oder unterschlägige sein wird) muss vom Bauherrn an zwei Sonntagen in der Kirche angekündigt werden
  • jeder darf sein Getreide nun in eine beliebige Mühle bringen
  • die Bewohner müssen keine Baudienste mehr leisten – vorher waren sie verpflichtet, die ‚Zwangsmühle‘ mit instand zu halten
  • der Müller verliert das Recht des ‚freien Bauholzes‘
  • die Preise der Mühlenerzeugnisse werden in Abstimmung zwischen Müller und ‚Mahlbedürftigen‘ festgelegt, dürfen aber einen vorgeschriebenen Höchstpreis nicht überschreiten
  • die Mahlpflichtigen zahlen eine Abgabe für die erhaltene Mahlfreiheit
  • Handmühlen (Quirdeln) sind auf dem Lande erlaubt, in der Stadt nicht.
  • niemand darf einer Windmühle durch Anpflanzen von Bäumen den Wind nehmen
  • ein Nachbar darf der Mühle nicht das nötige Wasser entziehen
  • Mühlenwaagen werden Pflicht – es gibt vorgeschriebene Maße und Gewichte
  • jeder Müller muß eine ’schwarz angestrichene, mit rothen oder weißen Nummern versehene Rangtafel halten, und sie öffentlich in der Mühle dergestalt aufhängen, dass sie von Jedem gesehen werden kann‘
  • es werden harte Strafen verhängt wegen ‚untüchtigen oder betrügerischen Mahlens‘ – ein dreimal bestrafter Müller kann zum Verkauf der Mühle angehalten werden
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Vor der Heirat muss gepflanzt werden …

Friedrich Wilhelm (noch nicht zum König gekrönt) ordnet an, ‚daß hinfort ein jeder Unterthan und Einwohner in den kleinen Städten und Flecken, sonderlich aber auf den Dörffern, und sonsten aufm Lande, hinter seinem Wohnhause, wenn er die Gelegenheit darzu findet, ihm einen gewissen Platz abhegen, solchen in zwey Theile theilen, und den einen Theil zu Pflantzung allerhand Frucht=tragender Obst=Bäume, den andern aber zu einem Eichel=Kamp und Zeugung Mast=tragender Eichen=Bäume gebrauchen solle‘ …

Geheiratet werden darf erst dann, wenn zuvor Bäume gepflanzt wurden – genau heißt es: ‚Es soll … allen Pfarrern in allen Unsern Aemptern, und andern Domainen, hiemit ernstlich befohlen seyn, daß sie hinfort und von dato an, kein Paar Ehe=Leute vertrauen sollen, es habe dann der Bräutigam, er sey ein junger Geselle oder Wittwer von seiner Ampts=Obrikeit einen beglaubten Schein und schriftliches Gezeugnis produciret, daß er zum Wenigsten Sechs Obst=Bäume, und Sechs junge Eichen an einem bequemen Orthe gepflanzt habe‘.

Dabei wird auch daran gedacht, dass die Eheschließung ja möglicherweise zu einer Zeit stattfindet, in der eine Pflanzung nicht möglich ist. In diesem Fall soll der Ehemann ‚dieselbe nach vollzogener Heyrath, in dem nechstfolgenden Frühling oder Herbst werckstellig machen‘.

Das alles geschieht unter der Aufsicht von Forst-Bedienten, die sowohl die Bäume besorgen als auch darauf achten sollen, dass diese ordnungsgemäß gepflanzt werden. Beamte und Forst-Bediente sollen zudem dafür sorgen, dass frei stehende Plätze innerhalb der Dörfer ‚wo sichs nur immer schicket‘ mit Bäumen bepflanzt werden. Dies müssen nicht unbedingt Eichen sein – es können auch Rüstern, Linden, Weiden, Espen und dergleichen‘ genommen werden.

Die Anordnung dieser Baum-Pflanzungen wird auch begründet und die Gründe sind durchaus nachvollziehbar. Es heißt nämlich, daß ‚die Häuser in den Dörfern … durch Pflanzungen dergleichen Bäume vor Feuer und Windschaden verwahret werden sollen‘.

Im Kirchenbuch von Canditten im Kreis Pr. Eylau findet man bei den Heiratseinträgen um 1720 ab und zu Notizen wie diese:

d(aß) er stämme gesetzet, hat er mit e(inem) Zettel bewiesen

Auch der Landsberger Bürger und Schneidermeister Jacob Zilian, der 1724 in Canditten Catharina Barbara Geißler, eine Tochter des Schulmeisters Georg Geißler, heiratet, hat zuvor seine Bäume gepflanzt. Im Heiratseintrag deshalb der Zusatz: ‚d(er) stämme halber hat er vom Bürger Mstr einen Zettel gebracht‘.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar