Blumenthaler Schulkinder um 1921

Blumenthal_Schulanfang 002Beim Sortieren meiner Unterlagen entdeckte ich dieses Foto, das vermutlich um 1921 in meinem Heimatort Bremen-Blumenthal entstand. Aufgenommen wurde die Schulklasse meiner Mutter Elisabeth Haesloop. Meine Mutter (im Bild mit einem roten Kreuz gekennzeichnet) wurde am 28.12.1915 in Bremen-Blumenthal geboren – auch ihre Mitschüler und Mitschülerinnen werden etwa um diese Zeit zur Welt gekommen sein. Besonders fröhlich sehen sie alle nicht aus :-)

Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatten diese Schulanfänger ihr ganzes Leben noch vor sich. Mittlerweile werden die meisten von ihnen wohl nicht mehr am Leben sein, aber viele werden sicherlich Familien gegründet und Nachfahren hinterlassen haben. Vielleicht erkennen einige Blumenthaler ihre Eltern oder Großeltern auf diesem Bild wieder …. ?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Digitalisierte Kirchenbücher aus Hessen

Meine hessischen Vorfahren (Schaumlöffel, Giebel und Bonacker) lebten in Obervorschütz, Felsberg und Frankenberg an der Eder. Von allen drei Orten sind mittlerweile Kirchenbücher im Internet zu finden, die vom Staatsarchiv Marburg digitalisiert wurden. Auch die Kirchenbücher vieler anderer hessischer Orte sind unter den Digitalisaten der Mormonen einzusehen. Allerdings sind die Bücher jeweils nur für einen begrenzten Zeitraum vorhanden – für Obervorschütz z.B. nur für die Zeit von 1808 bis 1812.

Obervorschütz

Meine eigenen Vorfahren verließen ihre hessischen Geburtsorte schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts, aber das waren ja nur einzelne Personen – viele Geschwister blieben in ihrer Heimat und gründeten neue Familien. Über diese Familien weiß ich bislang gar nichts. Einige Schaumlöffel-Familien, die im Kirchenbuch verzeichnet sind, sind vermutlich auch Verwandte.

Vielleicht gehört auch Johann Henrich Schaumlöffel dazu, der am 26. September 1774 als Sohn von Johannes Schaumlöffel und Anna Katharina Riemenschneider in Obervorschütz zur Welt kam und zeitweise Bürgermeister des Ortes war? Ich fand seinen Geburtsschein im Kirchenbuch von Obervorschütz.

Schaumlöffel_Geburtsschein

Ausschnitt aus dem digitalisierten KB von Obervorschütz

Ab 1730 ist in Obervorschütz auch eine jüdische Gemeinde nachweisbar. Das Kirchenbuch enthält ab Seite 71 das Register der Acte des Civilstandes der mosaischen Gemeine zu Obervorschütz, Canton Gudensberg.’ Auch die dortigen Einträge wurden während seiner Amtszeit von Bürgermeister Schaumlöffel unterzeichnet.

Obervorschütz_jüdischeGemeinde_2

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Familie Frommer – Gutsbesitzer in Weskeim, Pr. Eylau

Im Jahre 1820 gehört das Gut Weskeim, Pr. Eylau (heute Weskajmy) über das ich bereits früher hier berichtet habe, dem Major Friedrich von Steinwehr, der den gesamten Gutskomplex nach seiner Eheschließung mit Friederica von Fresin – der Tochter des ehemaligen Erbherrn Friedrich Wilhelm von Fresin – für 30.000 Taler übernommen hatte. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist Friedrich von Steinwehr nach einigen Jahren nicht mehr in der Lange, das Gut zu halten. Schließlich kommt es zu einer Zwangsversteigerung von Weskeim  (mit Grünwalde u. Kohsten). Mehrere Termine werden angesetzt; der Kaufpreis wird immer wieder reduziert – bis letztlich ein neuer Besitzer gefunden wird.

Besitzveränderungen_1830

In einer Liste über die Nachweisung von Besitzveränderungen adeliger Güter wird 1830 bekannt gegeben, dass Ludwig Ferdinand Frommer Weskeim, Kohsten und Grünwalde erstanden hat.

Frommer_Weskeim

Ludwig Ferdinand Frommer ist zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Jahre alt und verheiratet mit Theodore Amalie Wilhelmine Borbstädt. Als das Ehepaar Weskeim übernimmt bringt es ihren etwa dreijährigen Sohn Johann Theodor Gustav Frommer mit. 1831 wird Sohn Andreas Ferdinand Wilhelm George Frommer geboren und 1836 kommt die Tochter Johanne Amalie Marie Frommer zur Welt.

Ludwig Ferdinand Frommer wird nur 42 Jahre alt. Er stirbt am 10. August 1843 in Königsberg an der Auszehrung und wird zunächst auch dort bestattet. Nach Fertigstellung eines Begräbnisgewölbes auf Gut Weskeim wird der Gutsbesitzer noch im August dorthin überführt.

Besitzer des Guts wird nun der Sohn Johann Theodor Gustav Frommer. Auch seine Ehefrau ist eine geb. Borbstädt. Von 1856 bis 1862 werden dem Ehepaar drei Kinder geboren: Max Gustav Frommer wird nur wenige Tage alt und stirbt bereits im Alter von nur 10 Tagen an Schwäche – der 1858 geborene Sohn Paul ist 4 Wochen alt als er am 14. Juli 1858 an Krämpfen verstirbt. 1862 kommt Tochter Amalie Friederike Meta zur Welt.

Die 1836 auf Gut Weskeim geborene Johanne Amalie Marie Frommer ist 21 Jahre alt als sie am 21. August 1857 in Weskeim den Gutsbesitzer Hans Waldemar Borbstädt heiratet, zu dem vermutlich auch ein verwandtschaftliches Verhältnis besteht. Der Heiratseintrag im Kirchenbuch von Eichhorn lautet: ‘Hans Waldemar Borbstädt, Rittergutsbesitzer auf Stanillien, 24, ältester ehel. Sohn des Partilulier(s) Gottlieb Borbstädt in Wattlau bei Wehlau, mit Johanna Amalie Marie Frommer in Weskeim, 21, ehel. einzige Tochter des verstorbenen Rittergutsbesitzers Ludwig Ferdinand Frommer auf Weskeim.’ 

Am 23. Oktober des Jahre 1889 verstirbt Gustav Frommer, am 25. Januar 1901 seine Ehefrau Marie, geb. Borbstädt. ‘1907 war Gustav Borbstädt, Oberstleutnant a. D. und Generallandschaftsrat Besitzer des 209 ha großen Gutes. Er betrieb Herdbuch-Viehzucht und Remontezucht mit eigenem Remontemarkt. Borbstädt war auch 1913 Besitzer von Weskeim, dessen Viehbestand mit 115 Pferden (Remontezucht), 180 Rindern – davon 80 Kühe – 35 Schafen und 25 Schweinen und der Grundsteuer-Reinertrag mit jährlich 3662 Mark angegeben wurde. Auch im Jahre 1920 gehörte Gustav Borbstädt noch Weskeim, doch hat er es wenig später an Georg Frommer verkauft, der Major a.D. und Landschaftsdirektor war. Es konnte nicht festgestellt werden, ob er ein Verwandter jenes Gutsbesitzers Gustav Frommer von 1879 war’ schreibt Horst Schulz in seinem Buch ‘Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau.’

Sowohl Gustav Borbstädt als auch Georg Frommer werden wohl Verwandte gewesen sein.  Georg Frommer wurde am 29.9.1862 in Gunten, Reddenau, geboren und verstirbt am 15. November 1940 im Alter von 78 Jahren, 1 Monat und 16 Tagen in Weskeim an Altersschwäche.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Jacob Lehmann, Bräuer von Wildenhoff

Jacob Lehmann und Barbara Dunckel sind meine Urgroßeltern  6. Grades. Über lange Zeit – auf jeden Fall wohl von etwa 1710 bis etwa 1727 – ist Jacob Lehmann Bräuer der Begüterung Wildenhoff.

Er hat die Erbauung des wunderschönen Schlosses von Wildenhoff miterlebt, das der Reichsgraf  Friedrich Wilhelm von Schwerin in der Zeit von 1705 bis 1727 von dem Architekten Jean de Bodt errichten ließ.

Bei der Hufenschoss-Aufnahme 1717 erfährt man über Wildenhoff (ohne Vorwerke): “Adliger Sitz von 12 Hufen mit neuem Schloß, 11 Hufen Acker, 1 Hufe Brüche und See, kein Wald. Das Land wird von Scharwerksbauern bearbeitet, 3 Gärtner (Instleute mit etwas Land), 3 Knechte, 2 Mägde, 1 Junge. 4 Teiche sind besetzt. 20 Kühe à 20 Mark Pacht im Jahr; jeder Gärtner 1 Kuh. Ein Krug ist vorhanden, Ausschank bis 16 Tonnen Bier und 20 Stof Branntwein im Jahr. Brennerei höchstens 90 Scheffel im Jahr gebrannt. 70 Taler 30 Groschen Steuer im Jahr für Hauptgut”.  (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; Seite 350)

links: Ausschnitt aus einem Messtischblatt – rechts: Quelle: Google Earth

Wildenhoff gehört zum Kirchspiel Canditten. Aus den Einträgen der Canditter Kirchenbücher geht hervor, dass im Kirchspiel gleichzeitig ein zweiter Jacob Lehmann lebt. Er ist Bauer und Schulz in Rimlack und außerdem Gerichtsgeschworener. Beide Personen werden häufig als Taufpaten genannt und immer deutlich unterschieden: ‘Jacob Lehmann, der Bräuer’ bzw. ‘Jacob Lehmann, der Bauer’.

‘Mein’ Jacob Lehmann hat mindestens 4 Kinder, die in Wildenhoff zur Welt kommen:

  • Tochter Maria Lehmann heiratet 1734 den Müller Johann Jacob Langkau
  • Tochter Catharina Lehmann wird die Ehefrau des Krügers George Steinau u. heiratet nach dessen Tod den Krüger Johann Boenke
  • Sohn Michael Lehmann heiratet in Buchholz Elisabeth Andres, eine Tochter des Hofmanns in Saraunen
  • Sohn Johann Georg Lehmann, geb. 1722 u. später vermutlich Krüger in Gr. Steegen

Nach 1727 ist Jacob Lehmann Eigentümer in Canditten, wo seine Ehefrau Barbara und er selbst am Ende des Jahres 1753 kurz nacheinander – offenbar unerwartet – versterben.

Sterbeeintrag aus dem KB von Canditten

‘den 30. ej. (Dezember) ist der alte gewesene Bräuer Jacob Lehmann begraben, der den 28. ej. des Morgends, da er noch gesund heraus gegangen, bey seinem Eintrit in die Stube plötzl(ich) gestorben ist. Wie es (auch?) mit seiner, den 19. Nov(ember) begrabenen Ehegattin tödl(icher) Krankheit plötzlich zugegangen ist’.

Meine direkten Vorfahren sind Jacobs Tochter Catharina Lehmann und ihr Ehemann, der Krüger Johann Boenke.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

‘In tiefster Unterthänigkeit ersterben’

Vor einigen Jahren dachte ich noch an einen Schreibfehler oder an einen Fehler meinerseits beim Entziffern – inzwischen weiß ich, dass es wirklich so heißt!

Untertänigkeit_ersterbenMittlerweile habe ich diese Formulierung mehrfach gefunden, und zwar unter Bittschreiben, die aus unterschiedlichen Gründen an die jeweiligen Regenten gerichtet werden. Mal ist ein Einzelner, der sich mit einem persönlichen Anliegen an seinen Landesfürsten wendet und am Schluss seiner Anfrage ‘in Untertänigkeit erstirbt’ – mal ‘ersterben’ die Dorfschulzen ‘in Untertänigkeit’, nachdem sie ihrem König zum Beispiel die untragbaren Zustände der Bewohner ihres Ortes geschildert und ihn um Erlassung von Abgaben gebeten haben.

Hier sind es die ‘treuen und unterthänigsten Knechte (=Schulzen) und Deputirte des Amts Pr. Eylau’, die sich im Februar 1812 an ihren König wenden, weil sie – nach Beendigung des Napoleonischen Krieges – die ihnen für erlittene Kriegsschäden versprochene Entschädigung nicht erhalten haben und nochmals darum bitten.

Untertänigkeit_ersterben_1812

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Schweineschneider aus Österreich in Eichhorn, Pr. Eylau

Johann Franz Urban ist der einzige Schweineschneider bzw. Tierkastrator, der in der Zeit von 1665 bis 1945 im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, zu finden ist – zumindest wird kein anderer innerhalb dieser Zeitspanne im Kirchenbuch genannt.

Als Johann Urban am 24. Februar 1823 in Eichhorn an ‘hitzigem Brustfieber‘ verstirbt, ist er 45 Jahre alt. Der Pastor vermerkt im Sterbeeintrag, dass sich Urban seit 9 Jahren in der ‘Gemeine‘ aufhielt, katholischer Religion, ‘aus Oestreich gebürtig’ und ‘seiner Profession (nach) ein Castrirer’ gewesen sei.

URBAN_1823

Der Schweineschneider Urban muss demnach um 1798 in Österreich geboren worden und um 1814 – im Alter von etwa 36 Jahren – nach Eichhorn gekommen sein. Gleich zu Beginn seines Aufenthalts in Eichhorn wird er Catharina Dorothea Damerau kennengelernt haben, mit der er von 1814 bis 1822 vier uneheliche Töchter bekommt, von denen drei jedoch bereits im Kleinkindalter sterben.

In allen Taufeinträgen ist Johann Franz Urban als Vater angegeben. Durfte er die Mutter seiner Kinder aufgrund seines Berufes nicht heiraten? Im Mittelalter zumindest gehörten die Schweineschneider – wie zum Beispiel auch Scharfrichter, Totengräber, Gefängniswärter oder Spielleute – zu den ehrlosen und damit auch rechtlosen Personen.

Schweineschneider reisten oft als ‘fahrende Chirurgen’ durch die Lande. Auf Verlangen der Bauern oder Gutsbesitzer entfernten sie bei Tieren Hoden oder Eierstöcke, um auf diese Weise Tiere auszusortieren, die zur Fortpflanzung ungeeignet erschienen, um Arbeitstiere zu zähmen oder damit bei den Tieren ein höherer Fettansatz erzielt werden konnte. (Ein Schweineschneider war es auch, der um 1500 den ersten Kaiserschnitt an einer lebenden Schwangeren durchführte).

Allerdings scheint der Schweineschneider Urban in Eichhorn ziemlich angesehen gewesen zu sein – zu den Taufpaten seiner Kinder gehören u.a. Andreas Gabriel, der Schulhalter aus Neuendorf und die Ehefrau des Frau der Krügers Möck von Polassen.

Nachdem der Vater ihrer Kinder verstorben ist, werden Catharina Dorothea Dameraus Eltern wohl dafür gesorgt haben, dass sie endlich einen Ehemann findet. Am 12.12.1823 heiratet sie in Eichhorn den 52jährigen Witwer Michael Bogdahn, einen Instmann aus Glomsienen. Sie selbst ist bei der Eheschließung 35 Jahre alt. Die beiden bekommen 1825 noch einen Sohn, der aber nur 4 Monate alt wird. Am 6.5.1833 stirbt auch Michael Bogdahn im Alter von 63 Jahren an ‘Hartleibigkeit‘.

Die Witwe Catharina Dorothea Bogdahn, geb. Damerau heiratet 1834 in zweiter Ehe den Instmann Gottfried Überlein.

Die einzig überlebende Tochter des Schweineschneiders Urban ist die 1814 in Eichhorn geborene Tochter Wilhelmine Damerau. Sie wird mit 18 Jahren die Ehefrau des Instmann Johann Gottfried Pohl aus Glomsienen und bekommt 5 Kinder.

Ob die Nachfahren dieser Familie wohl noch wissen, dass ihr Vorfahre ein Schweineschneider aus Österreich war?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Von Worienen nach Kapsitten und zurück

Manchmal hilft mir das Aufschreiben bisher recherchierter Fakten, um Ansatzpunkte für eine erneute Suche nach meinen Vorfahren zu finden. Christian Schmidt(ke) – der Name wird unterschiedlich geschrieben – und Dorothea Quednau sind meine Urgroßeltern 5. Grades.  Als 1764 in Worienen ihre Tochter Anna Regina zur Welt kommt, ist der Vater Schmied in Worienen, Pr. Eylau. Anna Regina wird nur etwa eine Woche alt. Nach ihrem Tod verschwindet die Familie aus Worienen. Schmied in Worienen ist nun Georg Simon Ammon.

Wann die Familie ins Kirchspiel Eichhorn zurückkehrt, weiß ich nicht genau. Die im Zeitraum von 1765 bis 1773 geborenen Kinder werden jedenfalls nicht in Eichhorn getauft. Erst aus späteren Einträgen zu den Familienmitgliedern ist Näheres zu erfahren:

  • 1793 heiratet in Eichhorn die um 1773 geborene Tochter Anna Regina Schmidt (benannt nach der verstorbenen jüngeren Schwester) den Knecht Christian Gottlieb Gnoss aus Glomsienen. Der Heiratseintrag ist schlecht zu entziffern – zu lesen sind lediglich einige Fragmente wie ‘jüngste Tochter’, ‘Meister Christian Schmidten, Huf und (Waffen) schmidt’ (=Schmied), … und ‘Schmidtgewerk in der Stadt Domnau.’ …
  • Aus dem Sterbeeintrag des Sohnes Friedrich, der nur 36 Jahre alt wird und 1801 in Polassen stirbt, geht dann hervor, dass die Familie nach ihrem Wegzug aus Worienen in Kapsitten bei Domnau gelebt haben muss. Der Eintrag im KB von Eichhorn lautet: ‘Den 3. December starb in Polassen an der Lungensucht der Huf und Waffen Schmiedegesell Friedrich Schmidke, 36 Jahre, Sohn des verstorbenen Christian Schmidtke, Huf und Waffen Schmiedemeisters in Kaps(ch)itten, Domnauschen Kirchspiels und der noch lebenden Witwe Dorothea geb. Quednauin aus Stockheim u. wurde den 6.12. nach einer ihm zuvor gehaltenen Leichenpredigt bestattet’.

Kapsitten_Karte-horz

Am 31.7.1797 stirbt Christian Schmidt selbst in Polassen im Alter von 76 Jahren und wird am 31.7. mit einer Leichenpredigt begraben. Seine Ehefrau Dorothea geb. Quednau wird 72 Jahre alt und verstirbt 1807 in Polassen an Entkräftung.

Mein direkter Vorfahre ist der um 1771 – vermutlich in Kapsitten – geborene Sohn Carl Wilhelm Schmidt. Er arbeitet als Kunstgärtner in Worienen und heiratet Anna Louise Tugendreich Reissmann die Tochter des ‘Oberwarths im Jägerhof”, der Privatförsterei der Begüterung Worienen.

Worienen_Kapsitten

Nun habe ich mir per ‘Google Streeview‘ Kapsitten und die Umgebung einmal angesehen. Heute heißt der Ort Jagodnoje (russisch Ягодное). Läuft man von Worienen aus ‘querfeldein’, beträgt die Entfernung etwa 23 km.

Das Gut Kapsitten scheint nicht mehr zu existieren – allerdings sind wohl noch einige alte Nebengebäude des Guts erhalten. Laut Plan (s.o.) gehörte zum Beispiel dieses Gebäude zum Gutshof.

Kapsitten_5

Und auch durch Domnau bin ich ‘gelaufen’, denn dort wird sich die Familie sicherlich oft aufgehalten haben. Man erkennt an den Häusern, dass die Stadt einmal sehr schön gewesen sein muss.

Um weitere Informationen zu dieser Vorfahren-Familie zu erhalten, werde ich wohl die Kirchenbücher von Domnau durchsehen müssen – möglicherweise haben Christian Schmidt und Dorothea Quednau in Domnau geheiratet und vermutlich wurden dort einige ihrer Kinder getauft.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Große Hungersnot in Ostpreußen (1867)

Aufgrund extrem schlechter Witterungsverhältnisse und nachfolgender Missernte bricht im Jahr 1867 in Ostpreußen eine furchtbare Hungersnot aus, die viele Opfer fordert. Auch im Kreis Pr. Eylau, in dem meine Vorfahren leben, ist die Not groß.

‘Die Kirchenchronik von Borken bei Bartenstein, Kreis Pr.-Eylau, die in einer Abschrift aus dem Jahre 1927 zufällig gerettet worden ist, berichtet über das Notjahr 1867:

Dieses Jahr wurde ein sehr trauriges. Fast ununterbrochen vom März bis November währende Regengüsse bewirkten in Ostpreußen und Westpreußen bis zur Weichsel einen vollständigen Misswuchs aller Feld- und Gartenfrüchte. Die Not war furchtbar. Ganz Deutschland sammelte für die hungernden Altpreußen. In Masuren brach Hungertyphus aus, der viele Opfer kostete. Ein Denkmal jener traurigen Zeit ist das masurische Waisenhaus in Lötzen. Es ist ein Knabenwaisenhaus, während die Mädchen in dem Graf Lehndorffschen Waisenhaus zu Rosengarten – zu den Steinortschen Gütern gehörig – untergebracht wurden. Mehrere masurische Waisenkinder nahm der hierher geeilte Pastor Engelbert in sein Diakonen- und Waisenhaus zu Duisburg (Rheinprovinz) mit.

Auch im Kirchspiel Borken musste für die Armen in den Dörfern Spittehnen und Ardappen gesorgt werden. In der Schule zu Spittehnen wurde eine Suppenanstalt eingerichtet. Die Kinder wurden teils in dem Schullokale zu Mittag gespeist, teils nahmen die aus gänzlich armen Familien kommenden Kinder das Essen mit nach Hause. Die Suppenanstalt in Spittehnen trat ins Leben Anfang des Jahres 1868, als die armen Leute nichts mehr an Viktualien hatten und wurde bis Mai desselben Jahres fortgesetzt. – Im folgenden Jahr (1868) war eine große Dürre während des ganzen Sommers, so dass die Futterkräuter missrieten. … Soweit die Borker Kirchenchronik’. 

(Quelle: Ostpreußenblatt, März 1955)

In Spittehnen wohnen um diese Zeit Rudolph Westphal und Auguste Wilhelmina Friederica Ankermann. Rudolph Westphal ist Besitzer der Mühle in Spittehnen – ihr Sohn Hugo Westphal kommt im April des Jahres 1867 in Spittehnen zur Welt. Aus dieser Familie haben alle überlebt – als Mühlenbesitzer hatte Rudolph Westphal vermutlich einige Vorräte, von denen die Familie zehren konnte.

Zu Beginn des Jahre 1868 teilt der Landrat im Kreisblatt mit, dass der Kreis den Bewohnern Darlehen zur Beschaffung neuer Saat für die Bestellung der Felder gewährt.

Kreisblatt_1868_Darlehen

Der Hunger führt dazu, dass viele Menschen bettelnd durch die Lande ziehen. Die Ortsvorstände werden aufgefordert, die Bettelei zu unterbinden und umherziehende Bettler an ihren Wohnort zurück zu schicken. Hilfsbedürftige Familien werden von wohltätigen Organisationen und vom Kreis unterstützt. Allein das Rote Kreuz verteilt im Winter 1867 in Ostpreußen etwa 3 Millionen Essensportionen sowie Kleidung und Brennmaterialien.

Betteln_1868

Kreisblatt_Januar_1868

Bei der Witwe Friederike Neumann in Landsberg wird ein Sack mit Speisekartoffeln beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Kartoffeln gestohlen wurden – falls dies wirklich so gewesen sein sollte, wird auch hier der Hunger wohl ursächlich gewesen sein.

Neumaann_Landsberg_1868

Hunger und mangelnde hygienische Verhältnisse führen zudem zum Ausbruch der Typhus-Krankheit. Größere Versammlungen von Menschen werden vermieden. Im Februar 1868 wird deshalb zum Beispiel der Viehmarkt in Bartenstein abgesagt.

Typhus_1868_2

Im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau sterben in den Jahren 1868 und 1869 insgesamt sieben Personen an Typhus. Bei ungewöhnlich vielen Kleinkindern wird im Kirchenbuch als Todesursache ‘Schwäche‘ angegeben – auch das hängt vermutlich mit der auch in diesem Kirchspiel herrschenden Hungersnot zusammen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

‘Hier ist die Welt zu Ende’

Ostpreußenblatt_1957_Titel

In der Ausgabe des Ostpreußenblatts vom 17. August 1957 erscheint die erste Folge eines ausführlichen Berichts des Lehrers Adolf Hubert Osthaus, der 12 Jahre lang (von 1945 bis 1957) als Lehrer im Kreis Pr. Eylau – von 1945 bis 1951 als ‘polnischer Hauptlehrer’ in Topprienen und anschließend in Landsberg – unterrichtete. In insgesamt 11 Folgen schildert er seine Erlebnisse und die Zustände an der neu errichteten Grenze.

‘Tutaj swiat przepadl’ – Hier ist die Welt zu Ende’. Das war ein geflügeltes Wort unter den zwangsverschleppten ukrainischen Bauern, mit denen ich zwölf Jahre lang Freud und Leid in der Nähe des russischen Stacheldrahtes teilte’ beginnt er seine Schilderung …

Ostpreußenblatt_August1957

Einige Auszüge aus den Berichten von Adolf Hubert Osthaus:

‘In vielen kleinen Orten längs der Demarkationslinie leben die Menschen wie auf einsamen Inseln, abgeschnitten von allem Verkehr. Am stärksten war dieser Eindruck in Molwitten, das in der Nähe der sowjetischen Eisenbahnlinie zwischen Pr. Eylau und Bartenstein liegt … Dieses Dorf ist der trostloseste Ort, den ich in den letzten zwölf Jahren in Ostpreußen kennengelernt habe. Obwohl die Häuser von Kriegseinwirkungen verschont blieben, sind sie in einem unglaublich verwahrlosten Zustand. Wie überall in Ostpreußen, so sind auch hier in den ersten Jahren nach dem Kriege Türe, Fensterrahmen, ja sogar die Kachelöfen herausgerissen worden. Sie wurden an anderer Stelle als Baumaterial verwendet oder es wurde für sie Fusel eingehandelt. Noch heute ist jeder froh, wenn er in einem verlassenen Haus etwa noch eine vergessene Ofentür findet, denn Artikel dieser Art sind im freien Handel praktisch überhaupt nicht zu haben.

In den wenigen Häusern, die noch bewohnbar sind, leben arme ukrainische Bauern, denen in dieser verlassenen Gegend ein Stückchen Land zugeteilt wurde. Aber auch diese bewohnten Häuser machen einen traurigen Eindruck. An den blinden Fensterscheiben, die meist aus zusammengesuchten Scherben und Pappstücken zusammengesetzt sind, hängen keine Gardinen. Vorgärten, wie zu unserer Zeit, gibt es nicht mehr. Die Gartenzäune wurden herausgerissen und verheizt’. …

Auf dem Gut Perscheln steht – als einziges Herrenhaus weit und breit an der Demarkationslinie – das Schlößchen, in dem die früheren Gutsherren wohnten. Wenn man über die verfallenen Freitreppe hinaufsteigt, dann sieht man über der Tür noch in vergoldeten Buchstaben die Inschrift: „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ Auf dem Dachboden, den ich einmal zusammen mit meinem Sohn auf der Suche nach deutschen Büchern durchstöberte, fand ich noch ein Päckchen mit alten Briefen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, in deren Kopf ein Wappen eingepresst war. Diese Briefe hatte der Gutsherr von Perscheln aus Berlin an seine junge Frau geschrieben. Er wurde später Landrat in Pr. Eylau, wie ebenfalls aus den Briefen hervorging. Es war ein unheimliches Gefühl, in diesem verfallenen Herrenhaus, dessen ehemalige Schönheit man nur ahnen konnte, die Briefe aus einer vergangenen Zeit des Glanzes und des Reichtums zu finden’.

(Anmerkung von mir: Das Gut Perscheln befand sich von 1837 bis 1945 im Besitz der Familie von Berg. Letzter Besitzer war Botho von Berg (1903-1983).

In der 7. Fortsetzung seiner Schilderung der Zustände (erschienen am 12.10.1957) beschreibt Adolf Hubert Osthaus die Zustände in Landsberg, die mehr als 10 Jahre nach Kriegsende noch katastrophal gewesen sein müssen, obwohl Landsberg den Krieg einigermaßen unbeschadet überstanden hatte. Osthaus schreibt: ‘Was ist aus diesem Musterstädtchen geworden? Unter den ostpreußischen Städten, die ich in den letzten zwölf Jahren kennengelernt habe, war es wohl der Ort, der am meisten verwahrlost war’. Er berichtet u.a. von verschmutztem Trinkwasser, fehlenden Wasserleitungen, Schmutz und Abfällen in den Straßen, von fehlender Elektrizität und großer Armut ….

1957 war ich bereits 10 Jahre alt. Meine Kindheit in Bremen-Blumenthal war wohl ein Idyll im Vergleich zu dem Leben in der Geburtsstadt meines Großvaters!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Oldenburger Verwandtschaft

Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter früher oft von Verwandten in Oldenburg erzählte, die sie – schon als Kind mit ihrer Mutter – häufiger besucht habe. Diese Verwandten hätten damals den Bootsverleih am Schlossgarten betrieben und sie sei gern bei ihnen gewesen. Ich weiß nicht, wer es war, der diesen Bootsverleih betrieb, aber ich weiß, um welche Familie es sich handelt. Und er gehört dazu: Georg Ludwig Baar.

GeorgBaar_1914_Wilhelmshaven (2)

1914 in Wilhelmshaven

Georg Ludwig Baar ist der Sohn des Tischlers Friedrich Ludwig Baar und dessen Ehefrau Mathilde Knübel, der ältesten Schwester meiner Urgroßmutter Margarete Knübel. Er wurde am 5. Oktober 1877 in Fähr, (Kirchspiel Blumenthal) geboren, verstarb aber bereits 1918.

Seine Schwester Elisabeth Margarete Baar, die 1882 in Fähr zur Welt kam, heiratet 1902 den Schiffszimmermann Heinrich Johann Gördes aus Deichstücken (Kirchspiel Elsfleth). Elisabeth Margarete Gördes, geb. Baar ist somit die Schwester der Großmutter meiner Mutter. Die beiden Gördes-Kinder Friedrich und Martha waren nur einige Jahre älter als meine Mutter.

Die Familie Baar ist eine alteingessene Blumenthaler Familie – ein direkter Vorfahre ist der Blumenthaler Windmüller Johann Philipp Baar, der um 1722 geboren wurde und am 6.2.1798 in Flethe (Kirchspiel Blumenthal) verstarb.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar