Eine Hebamme in Königsberg – 1765

Elisabeth stammt aus Domnau. Sie heiratet den Königsberger Bürger und Tuchmacher Johann Böttcher und arbeitet selbst viele Jahre als Hebamme in Königsberg. Mehr als 1400 Kinder haben mit ihrer Unterstützung das Licht der Welt erblickt – wer weiß, wer alles dazu gehörte ….? Als Elisabeth Böttcher 1765 im Alter von „etwa 115 Jahren“ in Königsberg verstirbt, notiert der Pastor der Haberberger Kirche:

Elisabeth, Mr Johann Böttchers (,) gewesenen Bürgers und Tuchmachers auf dem Untern Haberberge nachgelaßenen Wittwe ist viele jahre her Vor Heb=Amme gegangen(,) hatt dabey über die 1400 Kinder geholet(,) ist 4 Kinder Mutter(,) 36 Kinder Groß=Mutter(,) 18 Kinder Älter Mutter worden. Ihr Alter ist nicht gwiß, weil die Kirchbücher zu Domnau verbrandt, woselbst sie getaufft worden(;) soll demnach praeter propter (=ungefähr) 115 Jahr alt seyn.

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Aufgaben der Berittschulzen in Ostpreußen

Quelle: Was waren unsere Vorfahren –
Amts-, Berufs- und Standesbezeichnungen aus Altpreußen; Königsberg 1938

Bereits vor 1740 gab es in Ostpreußen vereinzelt Berittschulzen. Oberpräsident von Domhardt schlug während seiner Amtszeit sogar vor, man sollte darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll sei, die Dorfschulzen durch Berittschulzen zu ersetzen. Er regte an:

Die Domänenämter sollten mit Zuziehung der Generalpächter ‚in Überlegung nehmen, ob in denen Dörfern nicht eine beßere Ordnung dadurch hergestellt werden könne, wenn in die Stelle der bisherigen Dorffs-Schultzen künftig gewiße berittene Schultzen eingesetzt und denselben die Inspektion über einige nahe bey einander belegene Dörfer anvertrauet, auch ihnen zugleich das denen Dorffs-Schultzen bishero gezahlte Tractament zugeordnet werden möchte, welche Schultzen auch dann denen Einsassen ihres Districts die von hier aus an die Ämter gehende Verordnungen bekannt machen und auf deren Befolgung sowohl als auch die genaue Beobachtung der DorffsOrdnung mit Nachdruck halten, auch die Wirtschaft deren Einsassen und dass sie mit ihrem Angespann gut umgehen und von allen in den Dörfern sich ereignenden Vorfällen dem Amt wöchentlich Rapport abstatten müssen“. (Quelle: Dr. Robert Stein, Die Umwandlung der Agrarverfassung Ostpreußens durch die Reform des 19. Jahrhunderts; Bd. 1 Die ländliche Verfassung Ostpreußens am Ende des 18. Jahrhunderts; Jena; Verlag Gustav Fischer 1918)

Eine Verordnung des Oberpräsidenten von Domhardt vom 17. Juni 1764 befahl dann die Einrichtung der Stellen in allen Ämtern – die Dorfschulzen übten ihr Amt jedoch weiterhin aus.

Während der Regierungszeit Friedrichs des Großen spielen die Berittschulzen bei der Verwaltung der Domänenämter eine wichtige Rolle – um 1810 heißen sie im Amt Preußisch Eylau: Lang, Mehler, Knauer und Kroll.

Noch mehrere Jahre nach der legendären Schlacht bei Pr. Eylau leiden die Bewohner in Natangen extrem unter den Folgen – in Landsberg und den umliegenden Orten leben die Familien in großer Armut und sind kaum in der Lage, sich zu ernähren. Immer wieder werden die Berittschulzen des Amtes Pr. Eylau bei ihren Besuchen der Dörfer mit der großen Not der Bevölkerung konfrontiert.

Jean-Antoine Siméon: The Battle of Eylau, 8th February 1807

Am 29. Januar 1810 wenden sie sich an den König und schreiben:

Allerduchlauchigster Großmächtigster König,
Allergnädigster König und Herr!

Wie sehr die Gegend um Pr. Eylau durch die im Februar 1807 im letzten Kriege angefallenen Schlachten mitgenommen, ist Eurer Königlichen Majestät nur zu genau bekannt. Es war hier der Schauplatz der fürchterlichsten Scenen, die man sich nur denkt; Rußen und Franzosen plünderten so lange sie nur fanden und ließen uns nichts als das Leben. Aber dieses ohne Mittel zur Unterhaltung desselben ist viel schrecklicher als todt seyn. In dieser Lage befanden wir uns gleich nach der Schlacht. Durch Plünderung von allem und auch von Kleidung entblößt irrten wir ohne Nahrung mit einem siechen Körper umher; unsere Wohnungen waren größtenteils durch die Hand des Feindes zerstört; und wir müßten nun dem traurigen Los, den Hungertod zu sterben, mit wankenden Schritten entgegen gehen, wenn nicht Eurer Königlichen Majestät landesväterliche Huld und Gnade durch Mehl und Brodtgetreide diesem Uebel Schranken gesetzt hätten.

Schon dieses ist Beweis genug wie elend und schlecht unsere Verfaßung zu der Zeit war und daß ein jeder Wirthschaftsbesitzer es sey im kleinen oder im großen seine Wirthschaft ganz von neuem in den Stand zu setzen genötiget war; wenn er die fortdauernde Unterhaltung für sich und seine Familie begründen wollte. Mit welchen schwachen Schritten dieses nur vor sich gehen konnte; ergiebt sich sehr leicht (,) wenn man darauf rücksichtigt (,) daß wir gleich nach der Schlacht uns so außer Stand gesetzt sahen (,) daß wir nicht einmal für die Unterhaltung unseres Lebens sorgen konnten (,) sondern uns dem Ohngefähr zu überlaßen gezwungen waren.

Obgleich wir sehr bedeutende Forderungen an die Krone haben, so haben wir dennoch bis jetzt nichts angewiesen erhalten, sondern es sind nur unsere Rückstände zur Abrechnung gebracht: hiedurch (sind wir) freilich von der baaren Bezalung derselben (entlastet), sind aber doch um nichts gebeßert. Unsere Wirthe bleiben aber immer in den nämlichen Verhältnissen und nur baare Anweisungen der Vergütungen (könnten diese) verbeßern. Durch baare Vergütungen erhielten sie Mittel in die Hände mehrers zum Retablissement unserer Wirthschaften vorzunehmen; hiedurch werden solche einträglicher und wir in den Stand gesetzt(,) die Abgaben prompt und ohn-erinnert zu entrichten, es würde also der Vorteil sowohl auf unserer als Ew. Königl. Majestaet Seiten erwachsen; weshalb wir denn auch im Vertrauen auf Ew. Königlichen Majestaet Landes väterliche Huld und Gnade Allerhöchst Dieselben allerunterthänigst zu bitten und erkühnen daß uns auf unsere sehr bedeutende Rußische Forderungen wenigstens die Hälfte derselben baar angewiesen und ausgezahlt werde damit wir unsere Wirthschaften gehörig in Stand setzten können und auch in Stand gesetzt wer den, die Abgaben für die Zukunft gehörig zu leisten.

Ew. Königliche Majestaet huldreiche und Landes väterliche Gesinnungen für das Wohl dero Unterthanen laßen uns die Erfüllung unseres allerunterthänigsten Gesuchs umso zuversichtlicher hoffen und ersterben in der größten Unterthänigkeit

Ew. Königlichen Majestaet

allerunterthänigst treugehorsamste Knechte

Quelle: GStA PK, I. HA Rep. 151 I A Nr. 4770 – Anmerkung: Das Dokument ist am Rand eingerissen und enthält deshalb einige Lücken – der in Klammern gesetzte Text wurde von mir sinngemäß ergänzt.

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Woymanns, Pr. Eylau – heute Wojmany

Eigentlich gibt es sehr viel mehr zu erzählen über dieses kleine Dorf in Natangen, das schon seit mehr als 600 Jahren existiert, hier ein kleiner Abriss der Geschichte ….

Das Dorf Woymanns (früher Weymannsdorf oder Weßmannsdorf – heute Wojmany) wird bereits um 1335-1340 – nicht weit von Landsberg entfernt – als deutsches Zinsbauerndorf gegründet. Auf der von Martin Rousselle erstellten Karte zur Besiedelung des Kreises Pr. Eylau um 1450 wird auch Woymanns bereits angezeigt. 1520 wird das Dorf – im sogenannten ‚Reiterkrieg‚ – vollkommen zerstört. Es wird neu gegründet und gerät anschließend bald in adlige Abhängigkeit.

Das Gutshaus im Jahre 1934

1585 ist Woymanns im Besitz des Hans Jacob Erbtruchseßen und Freiherrn von Waldburg, dem auch die Stadt Landsberg (darunter 4 Pfarrhuben) – Wildenhoff und Canditten (darunter 4 Pfarrhuben) gehören.

Derer von der Herrschafft und

Adell Gütter

Aus einer Amtsrechnung des Amtes Eylau von 1585

Ausschnitt aus der „Schrötterschen Landesaufnahme“

angefertigt zwischen 1796 und 1802

Zu den größten Grundbesitzern Natangens gehört die Familie von Tettau. Ihr gehören über lange Zeit viele Dörfern und Güterkomplexe dieser Gegend.

Georg Abel von Tettau (1618- 1677) ist 1644 – allein im Amt Pr. Eylau – im Besitz von mehr als 414 Huben. „Den Grundbesitz, welcher ihm aus dem väterlichen Nachlass zugefallen war, die Tolkser und die Sieslacker Güter, hat Georg Abel sehr bedeutend, theils durch Erbschaft, theils durch Ankauf, vermehrt.“ Durch seine Eheschließung mit Catharina Barbara von Lehndorff, der einzigen Tochter Hans von Lehndorffs, gelangt auch die Begüterung Worienen zu der damals auch Glomsienen, Dörsen, Polassen, Saagen, Müggen, das Kirchdorf Eichhorn und Worglitten gehören (zusammen 172 Hufen 19 1/2 Morgen) nach dem Tod des Schwiegervaters an Georg Abel von Tettau.

Und auch Bandels, Wokellen, Kohsten, Woymanns und Schönwiese gelangen in seinen Besitz.

Nach Georg von Abels Tod fallen u.a. Wokellen und Woymanns an seinen Sohn Abel von Tettau (*1650 in Königsberg). „Die Wokellenschen Güter vergrößerte Abel durch das am 10. Juni 1681 von ihm für 5000 fl. dazu gekaufte, am 30 Juni 1690 ihm zu adlichen Rechten verliehene Vorwerk Tapperlauken, wobei der Gesammtflächeninhalt der Güter auf 80 Hufen zu stehen kam. – Am 3. Juni 1692 erkaufte er zu Königsberg von dem Kammerherrn Hans v. Kreytzen die Klein-Steegenschen Güter . . . In Folge dieser Erwerbung war der Besitzstand Abels nachstehender:

1. im Amte Pr. Eylau 40 Hufen zu Schönwiese, 11 Hufen 22 Morgen zu Wokellen, 20 Hufen zu Woymans, 7 Hufen zu Tapperlauken oder Zipperken, 80 Hufen zu Blumstein, 6 Hufen zu Klein-Steegen, zusammen 172 Hufen 22 Morgen.

2. im Amte Brandenburg 2 Hufen zu Guttenfeld sowie Wikelsdorf.“

(Quelle: Wilhelm Johann Albert Freiherr von Tettau, Urkundliche Geschichte der Tettauschen Familie in den Zweigen Tettau und Kinsky; Berlin 1878; Seite 297)

Wie alle Begüterungen und ihre Vorwerke wird auch Woymanns von Arrendatoren bewirtschaftet. Im 18. Jahrhundert gehören zu diesen:

  • George Schultz – etwa 1723-1726
  • Michel Dieterich – um 1730
  • Friedrich Michaelis – um 1740
  • mein Vorfahre Johann Wilhelm Hellwich – etwa 1746-1748

Einige weitere Informationen:

  • Woymanns gehört zum Kirchspiel Landsberg – Wokellen zum Kirchspiel Eichhorn
  • bis 1820 bleibt das Dorf Woymanns in adliger Abhängigkeit
  • 1846 existiert in Woymanns neben dem Dorf mit 8 Wohnhäusern und 68 Einwohnern das adlige Vorwerk von Wokellen mit 3 Wohngebäuden und 72 Bewohnern.
  • um 1870 wird Woymanns als selbständiges Rittergut bezeichnet
  • 1879 heißt der Besitzer Franz Braun – 1889 Heinrich Laue
  • Heinrich Laue betreibt in Woymanns Rinder– und Pferdezucht
  • 1920 wird der Gutsbezirk aufgelöst – Woymanns wird Ortsteil der Gemeinde Schönwiese
  • 1929 heißt der Eigentümer des Guts Curt Migge
  • 1931 Verkauf des Guts zwecks Aufsiedelung – Woymanns wird wieder Bauerndorf
Quelle: Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; Seite 331

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Ankermann-Familien in Königsberg vor 1620

Leider bin ich ziemlich chaotisch. Das macht sich auch bemerkbar, wenn ich meinen PC nach Dokumenten, Bildern oder Ausarbeitungen durchsuche, von denen ich ganz genau weiß, dass ich sie irgendwo abgespeichert habe. Aber wo? Dummerweise hab ich Dateien oft nicht sinnvoll benannt und manchmal dauert es ziemlich lange, bis ich sie wiederfinde …

Ab und zu verwende ich mein Genealogie-Tagebuch deshalb als Notizbuch – hier finde ich alles mühelos wieder und auch andere Familienforscher können davon profitieren.

Seit einigen Tagen versuche ich, die in der Zeit vor 1620 in Königsberg ansässigen Ankermann-Familen aufzuspüren, um sie eventuell miteinander – und mit meinem Stammbaum – verknüpfen zu können. Außerdem hoffe ich, eine Verbindung zu finden zu Benedikt Ankermann, der 20 Jahre lang als Trabant, Rüst- und Fechtmeister im Dienste des Herzogs Albrecht stand.

Unabhänigig von dieser Spurensuche macht es mir Spaß, diese alten Kirchenbücher zu durchforsten – es begegnen mir klangvolle Frauennamen wie Priscilla Apollonia Euphemia Orthia Euphrosina Wolprecht oder Petronella und viele Männer heißen Achatius Dyonisus Crispinus Balzer Stenzel Mauritius Bonifatius Ignatius oder Blasius.

1. Seite des Taufregisters
der Altstädtischen Kirche – 1586
1. Seite des Taufregisters des Königsberger Dom 1579 –
bei Ancestry zu finden unter:
Kaliningrad – Taufen der Unehelichen !!!

Bei diesem Taufregister wurden die linken und rechten Seiten getrennt voneinander digitalisiert!

Chronologie

  • Benedikt Ankermann – etwa von 1548-1568 lang Trabant, Rüst- und Fechtmeister im Dienste des Herzogs Albrecht – er lebt in Königsberg – in der Zeit von 1538-1542 wird ihm in der Königsberger Altstadt ein Haus verliehen – er hat Kinder, deren Namen unbekannt sind – im Jahre 1574 ist Benedikt Ankermann noch am Leben – Näheres ist hier nachzulesen.
  • 1585 – im Dom wird Ursula getauft – Eltern: ‚Ankermanns tochter und ihr Mann‘
  • 1592 – George Ankermann als Pate im Dom
  • 1593 – im Dom heiraten Fabian Gansewind und Brigitta Ankermann, Tochter von Paul Ankermann aus Wilgen
  • 1594 – George Ankermann als Pate im Dom – 1595 auch
  • 1596 – Elsa ‚Ankermannsche‘ als Patin im Dom
  • 1596 – Elsa Ankermann wrd im Dom getauft – Vater: George Ankermann
  • 1597 – als Pate im Dom: Georg Ankermann S(ohn)
  • 1598 – Martin Ankermann zweimal als Pate im Dom
  • 1598 – George Ankermann als Pate im Dom
  • 1599 – Else Ankermann, Patin im Dom – 2 x Ankermannsche
  • 1599 – Lorentz Ankermann als Pate im Dom
  • 1600 – Martin Ankermann oo Wolprecht Witthole, Andres Witthole, Brewers (Bräuers) zu Balga Tochter (Dom)
  • 1601 – Martins u. Wolprechts Tochter Orthia Ankermann wird im Dom getauft
  • 1602 – Georg Angermann (!) heiratet Anna, Witwe von Elias Frenzel (Altstadt)
  • 1604 – Martin Ankermann oo Catharina, Witwe von Stenzel Bock (Altstadt)
  • 1608 – H(err) Paul Ankermann, „Brieffmahler“ oo Ursula, Balzer Hirschbergers Tochter (Altstadt)
  • 1608 – H. Martin Ankermann oo Barbara, Casper Janßen Dienerin (Altstadt)
  • 1610 – Erhardt Kuntzmann oo Anna, Witwe von George Ankermann (Dom)
  • 1611 – Hans Koßmann, ein Reifschläger oo Jgfr. Anna, Daniel Ankermanns v. Roßgarten nachgel. Tochter (Altstadt)
  • 1611 – Taufe von Catharina Ankermann im Dom – Vater: Martin Ankermann
  • 1613 – Nicolaus Ankermann oo Anna Koch, Witwe (Haberberg)
  • 1614 – Taufe von Hieronymus Ankermann im Dom – Vater: Martin Ankermann
  • 1617 – Taufe von Bartel Ankermann im Dom – Vater: Martin Ankermann, ein Zimmermann

Ergänzungen

Der o.g. Paul Ankermann, dessen Tochter Brigitta 1593 im Königsberger Dom heiratet, lebt zu dieser Zeit in Wilgen. Falls ich richtig recherchiert habe, gehört Wilgen zum Ort Arnsberg, der vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jhs. gegründet wurde und sich ab 1541 im Besitz von Kaspar von Nostiz – dem damaligen Rentmeister der Königsberger Kammer – befindet. Sein äußerst spannendes Haushaltungsbuch ist an verschiedenen Stellen im Internet in digitalisierter Form zu finden. Sowohl Paul Ankermann als auch der o.g. Benedikt Ankermann müssten Kaspar von Nostiz eigentlich gekannt haben – dieser vestirbt am 22.3.1588.

Im Jahre 1608 heiratet in der Altstädtischen Kirche der Briefmaler Paul Ankermann. Den Beruf des Briefmalers kannte ich gar nicht.Briefmaler entwarfen und kolorierten Schriftstücke, Urkunden, Kalender, Wappen, Glückwunschbriefe, aber auch Heiligenbildchen und Spielkarten. Angeregt durch die Holzschnitt-Technik arbeiteten die Briefmaler auch mit Holzstempeln, mit denen sie ihre Vorlagen bedruckten. Sie waren oft ihre eigenen Formschneider und ebenfalls an der Herstellung von Blockbüchern beteiligt‘. (Wikipedia)

Briefmaler
im Ständebuch Jost Ammans übernommen von Wikipedia

Fabian Gans(e)wind und Brigitta Ankermann (s.o.) – Tochter (ohne Namen) 1593 im Dom getauft – Sohn Johan 1596 – Sohn Bart(olomäus) 1597

Mein bislang ‚ältester‘ Ankermann-Vorfahre ist George Ankermann. Er wird etwa um 1600 geboren – der Geburtsort ist nicht bekannt – seine Ehefrau heißt Anna und die beiden haben mindestens 7 Kinder – drei Kinder sind vermutlich vor 1640 zur Welt gekommen – darunter auch Martin (Merten) Ankermann, der später als Kirchbauer in Krücken im Kirchspiel Kreuzburg lebt.

Um 1640 wohnt die Familie von George Ankermann in Seeben, im Kirchspiel Dollstädt, Pr. Eylau. Die Kirchenbücher von Dollstädt beginnen im Jahre 1638 – die Familie ist von Beginn im Kirchenbuch verzeichnet.

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Therese Amalie Westphal aus Landsberg, Pr. Eylau

Von meinen ostpreußischen Vorfahren besitze ich nur ein einziges Bild, das mir vor vielen Jahren von einer Cousine meines Vaters zugeschickt wurde. Zu sehen sind meine Urgroßeltern Rudolph Leopold Gegner, der 1855 in Hoofe – im Kreis Pr. Eylau – zur Welt kam, seine Ehefrau Therese Amalie Westphal aus Landsberg und drei ihrer insgesamt acht Kinder: Marie Anna, geb. 1898 – Anna Helene, geb. 1903 und der jüngste Sohn Gustav Wilhelm Gegner, geb. 1895.

Diese 3 Kinder wurden nicht mehr in Ostpreußen, sondern in Wolsdorf bei Helmstedt geboren, da die Familie ihre Heimat kurz vor der Geburt von Gustav Wilhelm verließ.

Das Bild ist von ziemlich schlechter Qualität, aber ich hüte es wie einen großen Schatz. Und ich freue mich darüber, dass ich das Photo so bearbeiten konnte, dass meine Urgroßmutter nun viel besser zu erkennen ist!

Sie wurde 1863 in Landsberg geboren und muss zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 48 bis 50 Jahre alt gewesen sein – das kann ich lediglich anhand des vermuteten Alters der Kinder schätzen. Falls das zutreffen sollte, wäre das Photo vielleicht im Jahre 1909 entstanden und in den nächsten Jahren kämen einschneidende Ereignisse auf sie zu – sowohl glückliche als auch sehr, sehr traurige …

  • 1910 heiratet Carl Ludwig Gegner, ihr ältester Sohn – mein Großvater
  • 1911 wird ihr erstes Enkelkind geboren – mein Vater
  • 1914 kommen 2 weitere Enkelkinder zur Welt
  • 1915 verliert sie innerhalb weniger Monate 2 ihrer Söhne: Carl Ludwig stirbt in Galizien und Richard Rudolf Leopold Gegner – *1891 noch in Landsberg – in Frankreich.

Therese wird 81 Jahre alt und verstirbt am 31. Januar 1945 in Bremen-Vegesack. Fast hätte ich sie noch kennen gelernt!

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Müggen gibt es nicht mehr …



Ausschnitt aus der ‚Schrötterschen-Landesaufnahme‘

Der kleine Ort Müggen – im Kirchspiel Eichhorn, nicht weit entfernt von Landsberg – wird erstmals im Jahre 1499 genannt, als dem lieben und getreuen Michael Moeghe vom damaligen Hochmeister Johann von Tieffen dort 6 Hufen verliehen wurden. Das kleine Gut wird vermutlich nach ihm benannt worden sein. Der Name ‚Moegke‚ wird später zu MÖCK und kommt in der gesamten Gegend häufig vor.

Um den kleinen Gutshof herum siedeln sich einige Bauern an – das Dorf Müggen entsteht.

Über Jahrhunderte gehört dieses zur Begüterung Worienen und wird somit von der Familie von Lehndorff weiter gegeben an Familie von Tettauvon Bredow und an die Familie von Domhardt. Das Gut wird selbständig bewirtschaftet – das Dorf Müggen (damals auch Miggen geschrieben) bleibt ein adliges gutsuntertäniges Dorf. Bei der Auseinandersetzung, die 1820 erfolgt, werden die dort lebenden Bauern umgesiedelt. In den Gutsakten ist zu lesen:

Von den in Miggen zur Regulierung gekommenen 7 Bauernhöfen sind die Besitzer von 4 derselben laut des am am 30. Oktober 1819 entworfenen, am 6. Mai 1820 gerichtlich vollzogenen, am 6. Juni 1820 von der Königl. General Kommission für Ostpreußen und Lithauen bestätigten, und am 17. August 1820, ausgeführten Auseinandersetzungsrezesses nach dem Dorfe Eichhorn translocirt worden, und haben daselbst außer den ihnen erbauten neuen Wohnungen 296 Morgen 150 Ruthen an Gärten, Hofstellen, Äckern, Wiesen und Weidenrain eigenthümlich erhalten. (Grundakten der im Haupt Amte Preusch Eylau gelegenen Worienenschen Ritter-Güter Vol II; Staatsarchiv Allenstein)

Nach Eichhorn umgesiedelt werden: Gottlieb PohlJohann Gottlieb DorschChristoph Schmidt und Albrecht Worm.

Von den übrigen 3 Bauern aus Miggen ist der eine, Gottfried Feyer, durch einen Bauernhof in Worglitten, dessen Abschreibung schon per decretum vom 26. September 1823 erfolgt ist, abgefunden worden … die anderen beiden Bauern dagegen, ferner 2 Bauern aus Eichhorn und 1 Bauer aus Worglitten sind … auf das herrschaftliche Vorwerk Schwadtken verlegt worden. (Gutsakten)

Müggen fällt in Folge dieser Regulierung ‚zur eigenthümlichen Benutzung‘ ganz an die Gutsherrschaft zurück und wird nun Vorwerk von Worienen. Es wohnen dort keine Bauern mehr, sondern nur noch die Familien von 4 Eigenkätnern, 4 Handwerkern, 11 Instleuten – insgesamt 119 Einwohner.

Im Jahre 1830 wird die Begüterung Worienen mit sämtlichen Vorwerken auf 55.960 Taler taxiert und zur Subhastation angeboten. Ersteigert wird sie 1833 von dem Rittmeisters Hippolyt von Kositzki, Erbherr von Gielgudyszki und Bankieliszki in Litauen. Dieser verkauft Worienen 1841 an den aus Danzig stammenden Getreidehändler Christian Gustav Gützlaff.

In seinem Tagebuch beschreibt Gützlaff seine ersten Eindrücke nach dem Kauf, der auf Anraten des Amtmanns Fournier erfolgt war, ohne dass er selbst die Gebäude und das Gelände zuvor besichtigt hatte. Gützlaff erzählt:

‚So groß ich bei dieser Gelegenheit auch die Augen aufsperrte, einen richtigen Einblick in die hier vorliegenden Verhältnisse konnte ich nicht gewinnen. Alles was ich hier erblickte, erinnerte an die Zerstörung Jerusalems. Sämtliche Gebäude auf dem Hauptgut Worienen, sowohl wie auf den dazu gehörenden 7 Vorwerken, waren im höchsten Grade, ohne alle Ausnahme, verfallen, und in der aller jämmerlichsten Beschaffenheit.

Neben Müggen gehören auch Glomsienen, Dörsen, Neukrug, Wilhelmshöhe, Saagen und Schwadtken zu den Vorwerken von Worienen. Gützlaff investiert viel Arbeit, Zeit und Geld – sämtliche Gebäude werden fast völlig erneuert – und er beschäftigt sich intensiv mit der Verbesserung der Landwirtschaft, mit Methoden der Düngung und der Drainage. All das beschreibt er detailliert in seinem Tagebuch.

der Besitzer Christian Gustav Gützlaff
hatgemäß gerichtlichen Kaufvertrages
vom 30. November 1859 das den Worienenschen Rittergütern als Vor-
werk zugeschriebenen Rittergut Miggen für 55.000 Rtl – Fünf und
fünfzig Tausend Thaler verkauft …. (Gutsakten)..

Ab 1849 trennt sich Gützlaff von einzelnen Teilen des Gutskomplexes – das Vorwerk Müggen wechselt am 30.11.1859 den Besitzer und wird für 55.000 Taler an Otto Schuhardt verkauft. Müggen ist nun ein separates Gut! So etwa soll es im Jahre 1863 dort ausgesehen haben – links im Hintergrund qualmen die Schornsteine der Begüterung Worienen!

Müggen 1863 (Albert Rose, Das ostpreußische Rittergut Müggen von 1860 bis 1902; Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde; Königsberg 1903)

In der o.g. Dissertation von Albert Rose ist auch ein Situationsplan der Gebäude zu finden, die damals zum Gut Müggen gehören:

Otto Schuhardt verkauft das Gut Müggen um 1905 an Max Bischoff, der wiederum im Jahre 1935 an Georg Albrecht, der sein Gut Schlawitten bei Kl. Dexen an den Truppenübungsplatz Stablack abtreten musste (nach Horst Schulz, Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 444).

Heute existiert Müggen nicht mehr!

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Zur Familie von Christian Gottlieb Reetz – Förster in Gr. Peisten

Die höheren Bediensteten der Begüterungen im Kreis Pr. Eylau stammen häufig aus entfernteren Gegenden Ostpreußens und nicht selten verschwinden sie nach einigen Jahren wieder, weil ihre Posten neu besetzt werden. Das wurde mir bereits beim Verfassen der Chronik von Worienen deutlich. Mein Vorfahre Gottfried Reisemann (bzw. Reißmann), der um 1789 Oberwarth im Jägerhoff – der Försterei in Worienen – wird, stammt beispielsweise aus dem Samland.

Christian Gottlieb Reetz – der Name wird auch Raetz bzw. Räths geschrieben – ist etwa 10 Jahre lang Oberwarth der Begüterung Groß Peisten. Einige meiner Vorfahren scheinen die Familie gut gekannt zu haben – sowohl der o.g. Gottfried Reisemann als auch mein Vorfahre Johann Heinrich Ankermann – Erbkrüger, Dorfschulze und Kirchenvorsteher in Peisten – werden als Taufpaten der Reetz-Kinder in Groß Peisten genannt.

Geboren wird Christian Gottlieb Reetz am 28.2.1759 in Powayen (Kreis Fischhauesen) als Sohn des Jägers Johann Dietrich Reetz und dessen Ehefrau Maria Radtke. Als er am 31. Oktober 1783 – im Alter von 25 Jahren – in Wargen Anna Lovisa Rundt aus Caspershöfen heiratet, ist er Jäger in Cornieten.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Wargen_1783.jpg
Heiratseintrag aus dem KB von Wargen

In Cornieten werden auch die ersten Kinder des Ehepaars geboren:

  • Catharina Barbara Reetz am 9.4.1784
  • Johann Gottlieb Reetz am 30.12.1785
  • auch Justina Wilhelmina Charlotta Reetz wird vermutlich noch dort zur Welt gekommen sein

Die folgenden 3 Kinder – ein Sohn und ein Zwillingspärchen – werden in Groß Peisten geboren, sterben jedoch nach nur wenigen Tagen bzw. Wochen:

  • Friedrich August Reetz (24.8.1796 – 03.9.1796)
  • Carl Ludwig Reetz (18.10.1797 – 25.10.1797) und
  • Heinriette Reetz (18.10.1797 – 31.10.1797)

Der ehemalige Gr. Peistener Oberwart Christian Gottlieb Reetz wird 84 Jahre alt und verstirbt am 20.4.1838 in Bogen im Kreis Heilsberg. Im Sterbeeintrag werden auch seine hinterlassenen Kinder erwähnt.

Sterbeeintrag: ‚Ehemaliger Oberwarth Gottlieb Reetz, jetzt in Bogen wohnhaft (Consens von Heilsberg). Er hinterlässt 2 Kinder: Frau Riedel in Launen, Sohn in Kl. Pöppeln, von einer Tochter, die schon todt, 2 uneheliche Töchter: Frau Kull in Bogen, Joh. Reetz in Launen u. 2 mit dem Wilhelm Modrau gezeugte eheliche Kinder.

Die genannte ‚Frau Riedel‘ ist die 1784 in Cornieten geborene Tochter Catharina Barbara Reetz. Sie heiratet am 10. Oktober 1810 in Gr. Peisten den Förster Ernst Hyronimus Riedel, einen Sohn des Hägemeisters Friedrich Riedel aus Siedenbollentin in Vorpommern.

Der 1785 geborene Johann Gottlieb Reetz wird ebenfalls Förster und verstirbt um 1848 in Klein Pöppeln bei Labiau.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Reetz-Kl.-Poeppeln-1024x198.jpg

Tochter Justina Wilhelmina Charlotta Reetz hat ein bewegtes Leben – sie bekommt zunächst eine uneheliche Tochter, die 1811 in Sienken zur Welt kommt. Diese erhält den Namen der Mutter und heiratet am 11. September 1833 in der Kirche von Hanshagen Gottlieb Kull, der als Kutscher am Hofe von Gr. Peisten angestellt ist.

Justina Wilhelmina Charlotta Reetz selbst wird 1815 die Ehefrau von Johann Tatschlowsky, Jäger in Kattlack im Ksp. Buchholz. 1819 wird in Sienken Friedrich Wilhelm Tatschlowsky geboren. Die Ehe mit dem Jäger Tatschlowsky wird geschieden.

Am 23.9.1821 heiratet Justina Wilhelmina Charlotta Reetz den Bauern Christoph Wilhelm Modrau in Hoofe und bringt dort 6 weitere Kinder zur Welt, von denen 4 im Kleinkindalter versterben. Ihre älteste Tochter heiratet später den verwitweten Zimmermann Carl Leopold Kohn und lebt in Gr. Peisten.

Justina Wilhelmina Charlotta Reetz wird 41 Jahre und 7 Monate alt. Am 20.4.1835 – drei Jahre vor ihrem Vater – verstirbt sie in Hoofe.

Christoph Wilhelm Modrau ist insgesamt 4x verheiratet – u.a. auch mit einer Schwester meiner Ur-Ur-Großmutter Justine Friedericke Mat(t)ern – und zeugt insgesamt mindestens 16 Kinder! Über diese Familie werde ich später berichten ….

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Vor langer, langer Zeit in Natangen …

Emil Hollack (1860-1924) war Lehrer in Mühlhausen, Labiau und Königsberg. Sein besonderes Interesse galt der Ur- und Frühgeschichte seiner ostpreußischen Heimat. Als Mitglied der Altertumsgesellschaft Prussia nahm er an vielen Ausgrabungen teil. Das Ergebnis seiner Arbeiten ist die von ihm 1908 herausgegebene ‚vorgeschichtliche Übersichtskarte Ostpreußens‚. Diese Ausschnitte zeigen die Funde im Gebiet des Kreises Preußisch Eylau.

Die blauen Sternchen * um Landsberg herum weisen auf die Entdeckung von Hügelgräbern der jüngeren Bronzezeit hin – die roten Sterne * (mit Loch in der Mitte) zeigen ehemalige Burganlagen. Eine solche gab es beispielweise in Worienen. Diese diente der gesamten Umgebung – auch der Stadt Landsberg – bei drohender Gefahr als Zufluchtsort. Auf dem Messtischblatt sind die Wallanlagen der ehemaligen Burg deutlich zu erkennen – und auch aus der heutigen Vogelperspektive ist die Anlage noch zu sehen.

Und so ähnlich könnte diese Burganlage einmal ausgesehen haben:

Horst Schulz, Der Kreis Pr. Eylau – keine Quelle angegeben

Eine solche ‚Burg‘ darf man sich nicht wie eine Burg im eigentlichen Sinne vorstellen. Sie war kein märchenhafter Bau mit Türmchen und Zinnen – sie war einfach ein festes, aus Stein errichtes Haus. Das allerdings war zu dieser Zeit etwas Besonderes. Für lange Zeit waren die Woriener Burg und später die Landsberger Kirche (erbaut in der Zeit von 1330 bis 13701) die einzigen steinernen Gebäude im gesamten Umkreis; alle anderen Gebäude waren aus Holz gebaut.

1 Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler Ost- u. Westpreußen

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Von Landsberg, Pr. Eylau, nach Syrien …

Es gibt 3 besondere Ereignisse, durch welche die Stadt Landsberg in Ostpreußen – heute Górowo Iławeckie – zeitweise in aller Munde war: 1. das Missgeschick des Andreas Grünheid – 2. der Aufenthalt Napoleons und 3. der Flug des Falken, der 1822 in Landsberg beginnt und drei Jahre später in Syrien endet.

Diese Geschichte wird auch in der Landsberger Chronik erwähnt. Ich wusste jedoch bislang nichts Näheres über die genauen Umstände.

Im Jahre 1834 findet Professor Christian Gottfried Ehrenberg in einer soeben in London erschienen Reisebeschreibung den folgenden Satz: „A species of hawk was shot in Damascus in June 1825 having a billet of wood round its neck and on it ‚Landsberg in Prussia in 1822„. Obwohl schon lange vermutet wurde, dass viele europäische Vögel in südlichen Ländern – „namentlich in Syrien und Ägypten“ – überwintern, war dies der erste konkrete Beweis dieser Vermutung.

Christian Gottfried Ehrenberg (* 19. April 1795 in Delitzsch; † 27. Juni 1876 in Berlin) war ein sächsisch-preußischer, deutscher Zoologe, Mikrobiologe, Ökologe und Geologe und zählt zu den bekanntesten und produktivsten Wissenschaftlern seiner Zeit. Er war Professor an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin und wurde zum Geheimen Medizinalrat ernannt. (Wikipedia).

„Herr Professor Ehrenberg wünschte daher, über diesen Fall Auskunft aus Landsberg selbst zu bekommen, indem er vorzüglich auf vier Fragen aufmerksam machte:

  1. In welchem Landsberg in Preußen wurde 1822 jener bezeichnete Falk entlassen?
  2. Unter welchen Umständen, von wem?
  3. Von welcher besonderen Falken-Art war das Individuum?
  4. Ist derselbe bezeichnete Falk in den Jahren 1823 und 1824 in der Gegend von Landsberg wiedergesehen worden?

Am 3. Mai 1834 teilt Pfarrer Kob aus Landsberg, Pr. Eylau, Folgendes mit: „Es ist gar nicht zu bezweifeln, daß dieser Falk vom Wildenhöffschen Oberjäger Bohlmann dem Herrn Stadtrichter und Justizrath Ribbentrop jung überliefert und …. hier von unserm Landsberg seinen weitern Flug begonnen hat. Dieser Falk befand sich im Jahr 1822 im Garten der H. Ribbentrop, dessen Garten blos durch einen Querzaun von meinem getrennt ist.

Ich sahe daher diesen Falk täglich, auch wohnte ich oft seiner Futterung bei, die in rohen Geschlingen von Kälbern etc. bestand und ihm vom damaligen Gerichtsdiener Dunkel gereicht wurde. Der Falk wurde bei seinem Heranwachsen übermüthig; er kam oft in meinen Garten und nahm und raubte mir manches junge Huhn, das in meinem Garten umherging. Ich war daher böse auf dieses Raubthier und verscheuchte ihn oft aus meinem Garten.

Da Ribbentrop befürchtete, der Falke könne gänzlich entweichen, versah er ihn mit einem Schild, auf dem er seine Herkunft vermerkte.

Auch der von Pfarrer Kob erwähnte Landsberger Gerichtsdiener Dunkel wird eingehend befragt. Er berichtet:

Dunkel bestätigt Ribbentrops Aussagen und fügt hinzu: ‚Außer mir kann, doch nicht so genau als ich, der ehemalige Protokollführer Nieh und der Herr Pfarrer Kob in Landsberg darüber Auskunft geben, noch merh als diese würde es der Gärtner Rindfleisch thun können, welcher aber bereits verstorben ist‘.

Und so stellt Professor Christian Gottfried Ehrenberg am Ende der Recherche fest:

(Leider habe ich dummerweise vergessen, die Quelle zu notieren …. )

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Einteilung der Täuflinge – Ostpreußen 1691

Vielen Ahnenforschern werden bei der Durchsicht von Taufeinträgen in Kirchenbüchern die ‚auf dem Kopf stehenden‘ Einträge der unehelich geborenen Kinder begegnet sein. Neben diesen Einträgen hat der zuständige Pfarrer häufig noch die Kennzeichnung ‚Hurenkind‚ notiert.

Im Taufregister der Gemeinde Haffstrom in Ostpreußen – am Frischen Haff unweit von Königsberg – fügt der Pfarrer Jacob Heinrich Ohlius im Jahre 1691 ein Blatt ein, auf dem er ganz genau erklärt, welche Unterscheidungen er selbst bei den Einträgen der Täuflinge vornimmt. Bei ihm gibt es nicht nur eheliche und uneheliche Kinder! Jacob Heinrich Ohlius schreibt:

  1. Die Kinder, so gerad herab, Pagina recte, aufgezeichnet stehen, sind diejenigen, welche auß einem Ehrlichem und Ehelich-Keuschem Ehe-Bette von ungescholtenen Eltern sind gebohren worden.
  2. Bey welchen aber ein Händlein (Symbol für Händlein) praefigiret ist, bedeutet, daß zwar diese Kinder Ehelich gebohren sind; Jedoch von solchen Eltern, derer Ehe vormahls oder mittler Zeit Schiffbruch gelitten.
  3. Welche in die Queere, per transversam Paginam, geschrieben, sind zwar innerhalb dem Ehestande gebohren, aber dennoch Frühkinder, deren Eltern ante Copulationem Sacerdotalem sich unzüchtig vermischet haben.
  4. Die gantz umgekehrt geschriebene, Pagina inversa, sind formaliter unächte und Hurenkinder, so von Ehr- und Ehelosen Weibern gebohren sind.
  5. Wenn bey einem Huren-Kindein Creutzlein (Symbole) stehet, bedeutet, daß dieses der Schand-Mutter 2.tes, oder 3.tes, oder 4.tes Huren-Kind sey.
  6. Wo ein Sternlein * stehet, bedeutet Advenas (Ankömmlinge) und frembdlinge, von welchen Ehrlichem Ehestande man nichts gewißes und eigentliches weiß.
Aus dem Taufregister des KB Haffstrom – 1691
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