Eine preußische Kleiderordnung – Königsberg 1633

Ich möchte immer möglichst viel über die Lebensumstände meiner Vorfahren wissen und stelle mir deshalb eine Reihe von Fragen:

  • Welche Ereignisse mögen ihr Leben besonders beeinflusst haben?
  • Welchen Nöten und Misständen waren sie ausgesetzt?
  • Wovon haben sie sich ernährt?
  • Worüber konnten sie sich freuen?
  • und vieles mehr …

Ich stelle mir aber auch vor, wie sie wohl ausgesehen haben mögen.

Ähnelten meine prußischen Ahnen – die Tolkmitts, Söcknicks und Politts – diesem Herrn, der heutzutage in der Marienburg ausgestellt wird und angeblich das Bild eines prußischen Bauern verkörpert ….?

Oder ähnelten sie der des Historikers Christoph Hartknoch (1644-1687) in seinem Buch ‚Alt- und Neues Preußen‘ gezeichneten Person?

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts findet man in vielen preußischen Regionen Kleiderordnungen, die genauestens vorschreiben, welche Kleidungsstücke den Bewohnern zu tragen gestattet und welche ihnen verboten sind. Ziel ist vor allem, die Stände in ihrem äußerlichen Erscheinungsbild deutlich voneinander abzugrenzen. Die folgende Gesinde- und Kleiderordnung wurde im Jahre 1633 in Königsberg veröffentlicht. (Man findet sie hier!)

Es werden strikte Vorschriften erlassen – Dienstmädchen in den Städten wird das Tragen von ‚abgesatzten Schuen‘, ‚Sammet und Seiden‘ oder das Einflechten fremder Haare bei Strafe untersagt. Zur Begründung wird angemerkt: ‚Da die Dienstmägde mit Tragung der verbottenen Zöpffe, als auch seiden Flor umb den Halß, sich würden herfür thun, sollen ihnen die Zöpffe und Flor, von den Häuptern in ihrer Frawen Häusern, genommen werden. Dienstmädchen auf den Höfen sind ‚sammete Börtchen‚ dagegen erlaubt. Für Freie, Schulzen und Krüger und deren Familienmitglieder gelten andere Gesetze – sie dürfen beispielsweise silberne Knöpfe oder Gürtel tragen!

Bei diesen Vorfschriften geht es sowohl um die Materialien, aus denen die der Bekleidung hergestellt werden darf – aber auch um Verzierungen oder die Verwendung bestimmter Farben. So wird den niederen Ständen nur gestattet, inländische Stoffe wie Leinen, Hanf oder Wolle zu verarbeiten – höhere Stände dagegen dürfen auch Kleidung aus importierter Seide tragen. Die Farbe Blau, deren Herstellung besonders kostspielig ist, bleibt dem Adel vorbehalten.

Auf dem Lande werden die Pfarrer angewiesen, die Einhaltung der Kleiderordnung zu überwachen und niemanden zu trauen, der dagegen verstößt – in Städten kontrollieren die jeweiligen Obrigkeiten. Verstöße gegen die Kleiderordnung werden streng bestraft.

Von Gesind- unnd Kleider Ordnung, auch von Annehmung unnd Belohnung der Dienstboten, Arbeiter und Taglöhner, Item, von Werbung unnd Entlauffung der Unterthanen im Hertzogthum Oreussen, revidiret auffm öffentlichen Landtage zu Königsberg, Anno 1633.

Von der Gesind Kleider Ordnung

Cap. I

Also wird es wegen der Kleider Ordnung dahin gestellet, daß bey Freyen, Schultzen, Krügern und dero Weibern, Söhnen unnd Töchtern alle seidene Gezeug durchauß verboten, Lündisch Tuch aber, doch die Ele höher nicht als zu fünff Marck, wie auch silberne Gürtel, silberne Knöpffe, Paternoster, Spangen und dergleichen alles unvergüldet ihnen zu tragen hiemit zugelassen seyn sol.

Ebenmessig wird den Pawren, dero Weibern, Söhnen unnd Töchtern, ohnen allen unterscheidt, kein Seiden Gezeug verstattet, sondern es sollen sich dieselben in gemein Inländisch Preusch Tuch, oder die Knechte in Semisch zu kleiden schuldig seyn. Daneben wird ihnen, gleich der Freyen, Schultzen und Krüger Weiber, Söhnen und Töchtern, silberne Gürtel, und was oben specificiret, an ihrem Leibe zu tragen, hiemit nachgegeben.

Den Dienstmägden in Städten, sol Sammet und Seiden, Adlassen Zöpffe, auch grosse eingeflochtene frembde Haar verboten sey, Kartecken Zöpffe aber, und höher nicht, mögen sie tragen, Und da die Dienstmägde mit Tragung der verbottenen Zöpffe, als auch seiden Flor umb den Halß, sich würden herfür thun, sollen ihnen die Zöpffe und Flor, von den Häuptern in ihrer Frawen Häusern, genommen werden. Also soll ihnen auch allerley seiden Gewandt zu Schauben und Kragen verbotten seyn, sondern ein schlecht Grobgrün zur Schrauben, und Gewandt zu Röcken, unnd über 4 oder 5 Marck nicht werth, doch ungebremet, zu Kragen aber gemein Tripp, Hundeskoth, Grobgrün1 und was darunter, ohne samete Gebreme2, soll ihnen zu tragen frey seyn. Doch soll keine einige Dienstmagd Wollen oder Rechtsammete Korcken tragen, bey verlust der Korcken, und straff des Thurms. Item, Brillen, und auch abgesatzte, und Korduanische Schue sollen ihnen auch verbotten seyn.

Auffm Lande aber in Höfen, bey den Freyen, Krügern, Schultzen und Pawren, wird den Dienstknechten, Jungen und Mägden, zu ihrer Kleidung ein mehrers nicht gestattet, als Leder, Barchen, Leinwandt, und allerley gemein Tuch, so dieser Orthe gemachet wird, Und wird ihnen hieneben verboten, allerhand verbremete Kleidung, sampt allen seidenen Wahren, gestrickte Strümpffe, Mardern Mützen, Korck Schuhe, neben allem, was ihrem Stande zuwieder ist, bey verlust der Kleider, doch, was wol verdiente Hofleute, Knecht und Mägde in Höfen seyn, ist denselben ein ehrlich Kleyd von Lündischen Tuche, die Ele zu dreyssig Groschen Polnisch, wol zu zulassen, Inmasen auch den Dienst Mägden Sammete Börtchen auff dem Lande, zu tragen, sol unverboten seyn.

Weil auch in wenigen, und kurtzen Jahren, die grosse Gekröse3 an den weissen Kragen, sehr eingerissen, so sol allen Dienstmägden, Ammen, Warts– und Dienstweibern, die grosse Gekröse von vielen Schrotten4, und thewren vornehmen Leinwandt, gänzlich verbotten seyn, sondern schlechte Gekröse, oder umbschlagende Koller5, von zehen groschen werth, ohne Nehewerck und Krönichen, mögen sie tragen. Welche Magd, Amme, Warts- und Dienstweib aber über das geschehene verwarnen, mit einem grossen, oder auch blaw gefärbten Gekröse, oder gekröneten blawen Haube, dieser Ordnung zuwieder betroffen wird, dieselbe sol gestraffet, unnd ihr das Gekröse unnd Haube genommen werden.

Der Freyen; Schultzen, Krüger und Pawren Weiber und Töchter sollen keine seidene Mützen tragen, sondern allein von Tripp und Grobgrün, sonsten sol ihnen Zobeln oder Mardern Breme auff Mützen oder Peltzen hiemit gesetzlich verboten seyn.

Es sol bey allen Kirchen, von aller Obrigkeit auff solche Kleider Ordnung fleissig Auffsicht gepflogen werden, daß niemand solche überschreite, und wer sich dawieder zu handeln unterstehen würde, dem sollen die Kleider hinweg genommen werden. Und da jemandt Herren- oder Adelstandes, bey seiner Kirchen und Gerichten, die Auffsicht nicht pflegen wolte, so sol der Hauptmann des Orts, wanns ihme angezeiget, in derselben Herren, oder Edelmanns Gerichten zu exequiren schuldig seyn, bey Poen zwantzig Gulden Ungr. Eylig zu erlegen, wann ers auff ersuchen sich zu thun verweigert. Es sollen auch die Prediger solche Leute, so wieder diese Kleider-Ordnung handeln, nicht zusammen Träwen (trauen), bis sie sich der Ordnung untergeben, bey straff zwantzig Marck, welche ihnen von ihrer Besoldung zu kürtzen, so offt sie verbrechen. Bey den Städten aber sol die Execution, durch die verordnete Obrigkeit jedes Ortes, bey der Oberherrschafft geschehen.

  • 1Verschiedene Gewebe – Mischung aus Leinen, Wolle u. Seide
  • 2Randbesatz, Schmuck an Kleidungsstücken
  • 3Kragen, der aus vielen krausen Falten besteht
  • 4Falten
  • 5Kragen
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Änderung meines ‚Ahnen-Projekts‘

Eigentlich war ich mit dem ersten Band meines neuen Projekts – ausgehend von meinen beiden Großvätern und beiden Großmüttern sämtliche Forschungsergebnisse dieser 4 Linien zusammenzutragen und zu jeweils einem Buch zusammenzufassen – fast fertig. Am schwierigsten war es, einen sinnvollen Aufbau zu finden! Die 1. Version habe ich inzwischen verworfen und das gesamte Konzept geändert.

Dies ist ein Teil des Inhaltsverzeichnisses der 1. Version:

Ich hatte versucht, die Kekule-Nummerierung einzuhalten (mein Großvater als Nr. 1) und aus allen mir bekannten Informationen über jeden einzelnen Ahnen eine Biographie zu erstellen. Bei einigen Personen gelingt das gut, da ich auf Unterlagen wie Testamente oder Verträge zurückgreifen kann. Von anderen Ahnen weiß ich wenig und kann kaum mehr als Tauf-, Heirats- und Sterbedatum nennen. Das sah dann etwa so aus:

Immer wieder hatte ich beim Durchlesen das Empfinden, dass es nicht besonders interessant ist, diese Zusammenstellung zu lesen.

Das Problem bei diesem Format war vor allem: der Zusammenhang der Familien ging verloren – ich konnte gar nicht richtig ‚erzählen‘. Wenn ich beispielsweise über das Leben eines Ehepaars berichtete, hätte ich gern weiter erzählt: über den Werdegang der Kindern – das Leben der Enkelkinder …. Das war bei diesem Aufbau nicht möglich. Informationen über Kinder und Enkelkinder einer Familie erhielt man erst viele Seiten später – man musste ständig hin- und her blättern, wenn man Näheres erfahren wollte.

Da ich auch historische Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Lebensweg meiner Vorfahren einbeziehen wollte, die einzelnen Familien jedoch zur selben Zeit in unterschiedlichen Regionen lebten, bestand eine weitere Herausforderung darin, einen Weg zu finden, um diese historischen Ereignisse nicht andauernd wiederholen zu müssen. Beispiel: zur Zeit der Napoleonischen Kriege wohnt meine Gegner Familie in der Nähe von Landsberg – meine Borm-Vorfahren jedoch halten sich in der Nähe von Goldap auf. Beide Familien erleben ähnliche Missstände, von denen an unterschiedlichen Stellen berichtet wird.

Mittlerweile habe ich das gesamte Konzept verändert. Ich beginne mit meinen prußischen Vorfahren, die vermutlich bereits vor Ankunft der Ordensritter in Ostpreußen ansässig waren. Ich versuche, die Chronologie der Familien beizubehalten, springe jedoch – wenn es sich aufgrund der Lebensumstände anbietet – von Zeit zu Zeit zu einer anderen Familie bzw. in eine andere Region.

Eine ausführliche Schilderung des Lebens meines Großvaters befindet sich nun am Ende des Buches, denn er ist die letzte Person, die noch in Ostpreußen zur Welt kommt. Anschließend folgt noch eine Zusammenstellung seiner gesamten Vorfahren. Personen, von denen ich kaum mehr als ihr Tauf-, Heirats- und Sterbedatum nennen kann, tauchen nur noch in dieser Zusammenstellung auf.

Bei allen Vorfahren werden sämtliche Kinder genannt.

Den Abschluss bildet dann ein Bericht über den heutigen Zustand der Orte meiner Ahnen und über das, was aus ehemaliger Zeit noch zu besichtigen ist.

Nun bin ich mit dem Aufbau ganz zufrieden und kann weiterschreiben!

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Übergabevertrag – Kissitten Pr. Eylau 1715

Neben meinem Vorfahren Heinrich Ankermann gehört auch Christoph Zipper um 1700 zu den Kirchbauern des Kirchspiels Kreuzburg.

Heinrich Ankermann bewohnt mit seiner Familie die zur Kreuzburger Kirche gehörenden Kirchenhufen in Krücken Christoph Zipper ist Kirchbauer in Kissitten.

Im April des Jahres 1714 verstirbt Christoph Zipper und seine Witwe Elisabeh, geborene Hensel – eine Tochter des Freien Michael Hensel aus Sollau – bleibt mit einer Reihe von Kindern zurück, von denen die meisten noch unmündig sind.

Nach dem Tod ihres Ehemanns plant die Witwe Elisabeth Zipper, geb. Hensel, sich an den Kirchenhübner Christoph Schönmohr aus Lewitten zu verheiraten.

Zuvor muss jedoch – auf Befehl des Hauptmanns von Osten auf Kissitten – für die Versorgung ihrer Kinder auf erster Ehe gesorgt werden. Von 1691 bis zum Jahre 1713 hat Elisabeth hat insgesamt 9 Kinder zur Welt gebracht, von denen 1715 noch am Leben sind:

  • Peter Zipper, 19 Jahre alt
  • Christoph Zipper, 14 Jahre alt
  • Regina Zipper, 11 Jahre alt
  • Leonora Dorothea Zipper, 5 Jahre alt (laut Taufeintrag Helena Dorothea) und
  • Maria Zipper, die bereits mit dem Kreuzburger Riemer Gottfried Liedtke verehelicht ist.

Zu den Vormündern der minorennen Kinder wird mein Vorfahre Heinrich Ankermann, Kirchenhübner zu Krücken, bestellt – gemeinsam mit Jacob Samland aus Moritten

Christoph Schönmohr übernimmt die Kirchenhuben seines Vorgängers in Kissitten. Am 14.2.1715 wird ihm ‚auf des Herrn Haubtmann Befehl‘ vom Amtsschreiber und dem Landgeschworenen Hans Zimmermann aus Tiefenthal – im Beisein der Kreuzburger Kirchenvorsteher Hans Gamrad und Christoph Soplitt der Besatz dieser Kirchenhufen übergeben. Dazu gehören:

  • eine Reihe von Tieren: 8 Pferde – 4 Kühe – 2 Ochsen – 5 Schafe – 8 Schweine und 8 Gänse
  • Werkzeug und Hausgerät wie Mistforken und Holzäxte, 1 Beil
  • 2 Wagen, 2 Schlitten – ein beschlagener und ein unbeschlagener
  • ein alter Tisch in der Stube
  • ein Unter– und ein Oberbett sowie „Pfühl vors Gesinde“ (Kissen für die Bediensteten).

Auch das vorhandene Getreide wird Christoph Schönmohr offiziell übergeben, und zwar:

  • 12 Scheffel Korn ‚über Winter ausgesäet‘
  • 12 Scheffel ‚Brodtkorn
  • 20 Scheffel Gerste
  • 30 Scheffel Saathafer
  • 2 Scheffel Saaterbsen und ein Scheffel Leinsamen

Zudem gibt die Witwe ‚an Eydes statt‘ auch die im Haushalt vorhandene ‚Baarschafft‘ an, wozu 2 ‚doppelte holländische Ducaten‘ und 2 ‚Creutz Thaler‘ gehören.

Nach der Eheschließung lebt Elisabeth, geb. Hensel als Ehefrau des Kirchhübners Christoph Schönmohr mit ihren Kinder aus erster Ehe in Kisstten, wo sie am 2. März 1757 im Alter von 80 Jahren und 10 Monaten verstirbt. Christoph Schönmohr wird 79 Jahre alt und stirbt am 28.7.1767.

Der o.a. Peter Zipper – geboren 1694 in Kissitten – heiratet am 22. Oktober 1738 in Klein Dexen – in dritter Ehe meine Vorfahrin Dorothea Kebbe, nachdem diese in Pompicken ihren Ehemann Martin Reuter verloren hatte.

Regina Zipper – Peters Schwester, geb. 1702 in Kissitten, wird 1725 in Klein Dexen die Ehefrau des Witwers Michael Braxein, Schulz von Pompicken.

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Haar-Entfernung in Königsberg im Jahre 1743

Dieses Inserat fand ich in den ‚Frag- und Anzeigungs-Nachrichten‚, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts wöchentlich in Königsberg erschienen – hier kann man die noch vorhandenen Exemplare duchblättern!

Bey Herrn George Friedrich Horn auf der Altstädtschen Holtzwiese in der andern Straße rechter Hand, ist von der überaus schönen Haar-Salbe in gantzen und halben Stangen noch zu bekommen, welche alle Haare aus dem Gesichte und anderen Orten, die einem Menschen verunzieren, wie auch Mähler, die mit Haaren bewachsen und deswegen übel aussehen, können mit dieser Salbe davon befreyet werden.

Man kan sich die schönste Scheitel nach seinem Belieben damit machen, und ist nur nöthig, das Ende der Stangen bey einem Lichte so weit zu erwärmen, daß die Salbe davon zu fließen anfängt, alsdann nimt man das Geschmoltzene mit der Spitze des Fingers, wenn die Wärme davon erträglich gefunden wird, so bestreicht man damit den Ort, wo die Haare stehen, so dick als man ein Pflaster zu streichen pfleget, drücket es mit dem Finger etwas an, und läßts kalt werden, so kan man das bestrichene mit den Nägeln und den Fingern fassen und sambt den Haaren in gantzen Stücken wie ein Pflaster herunter ziehen, weil auch die Wurtzeln der Haare mit ausgezogen werden, so wachsen solche niehmals wieder, sondern die Stelle bleibt gantz rein und glat.

Personen, die keinen Bart haben wollen, können ihn auf diese Art mit einem mahl auf die Zeit ihres Lebens los werden.

Sind die Haare(,) die weggenommen sollen werden, lang, so schneidet man solche so kurtz ab, daß sie nicht höher bleiben, als die Dicke des kleinen Fingers betragen, und bestreicht alsdann die Stelle.

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Stephan Derschau – von Ludwigswalde nach Pilten

Ich verwende mein Genealogie-Tagebuch wieder einmal als Notizbuch, um zu sammeln, was ich bislang über Stephan Derschau herausfinden konnte, von dem ich glaube, dass er ein Bruder meines Vorfahren Georg Derschau aus dem Dorf Ludwigswalde südlich von Königsberg ist.

Von Georg Derschau weiß ich, dass er um 1625 zur Welt kommt, Krüger des Dorfes ist und am 25. Juli des Jahres 1652 in der Kirche von Seligenfeld Regina Steinort heiratet, eine Tochter des Schulzen Michael Steinort in Schönfließ. Georgs Vater hieß Stephan – auch er war bereits Krüger von Ludwigswalde.

Amtsrechnung von Ludwigswalde 1631 – genannt wird als Krüger Stephan Derschau

Georgs vermeintlichen Bruder – Stephan Derschau – finde ich im Jahre 1632 erstmals als Studenten der Albertina in Königsberg. In den Matrikeln wird er aufgeführt als „Stephanus Derschau – Ludowicosylvanus Borussus.“ Er stammt also aus Ludwigswalde, wo zu dieser Zeit nur diese eine Derschau-Familie lebt.

Matrikel der Albertina vom SS 1632

Als Stephan 1632 mit dem Studium beginnt, mag er etwa 15-17 Jahre alt gewesen sein – im Vorwort des Buches (siehe links!) ist zu lesen, dass die Studenten etwa in diesem Alter anfangen zu studieren …..

Er wäre demnach um 1615-1617 geboren. Mein Vorfahre Georg wurde um 1625 geboren – Stephan wäre sein älterer Bruder.

Im Jahre 1637 finde ich Stephan Derschow dann als Studenten an der Universität von Rostock.

1637 Matrikel der Uni Rostock

Am 7.9.1649 heiratet Stephan Derschau in Riga Dorothea Schwarzenberg – eine Tochter von Abraham Schwarzenberg. Er ist inzwischen Pastor in Pilten (Livland). Im dortigen Kirchenbuch wird er unter den ‚lutherischen Predigern so zu Pilten gewesen‘ aufgeführt.

Die Hochzeit der beiden wird in Zusammenhang mit Johannes Hörnick (auch Johann Hoenicus), dem damaligen Rektor der Domschule in Riga erwähnt, der ein Gedicht für das Hochzeitspaar verfasste. Hier wird auch der Vater der Braut genannt.

Im Jahre 1663 finde ich im Kirchenbuch von Pilten den Sterbeeintrag Stephan Derschaus: ‚Stephanus Derschovius, Pastor zu Pilten begraben den 1. Marty‘

Stephan Derschaus Ehefrau lebt noch 20 Jahre nach seinem Tod in Pilten und verstirbt dort im April 1684 – ‚H. Derschau sel(ig) Wittibe von Schwartzenberg‘ ist im Kirchenbuch zu lesen.

Der Name Derschau taucht dann im Kirchenbuch von Pilten nur noch bei zwei Hochzeiten auf, die in den Jahre 1673 und 1679 stattfinden:

  • 1673 Hochzeit von Johann Henrich Schmidt und Anna Catharina Dirschau – später wird bei der Taufen eines Kindes als Beruf des Ehemanns ‚fürstlicher Reiter‘ angegeben
  • 1679 Hochzeit von Joachim Beneke, Bürgermeister von Pilten, mit Magdalena Margareta Derschau

Vermutlich sind wohl Anna Catharina und Magdalena Margareta Töchter des Pastors Stephan Derschau!

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Online-Findbücher des Königsberger Staatsarchivs

Ich vermisse die Forschung im Geheimen Statsarchiv Preußischer Kulturbesitz! Schon der Eintritt ins Gebäude ist etwas sehr Besonderes! Nachdem man das Foyer durchquert und die wunderschöne Wendeltreppe bestiegen hat, gelangt man zum „Forschersaal“ – so heißt er tatsächlich! Dort zu sitzen und in absoluter Ruhe alte Folianten durchzublättern, die teilweise über lange Zeit von niemandem angesehen wurden und nach reichlich viel Vergangenheit duften, ist fast wie Meditation.

Foyer im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz – Foyer © GStA PK / Christine Ziegler

In Dahlem war ich lange nicht – stattdessen habe ich mich in den vergangenen Tagen am PC duch verschiedene Findbücher des ehemaligen Königsberger Staatsarchivs „gewühlt“, die von den Mormonen digitalisiert wurden und hier – nach vorheriger Anmeldung – online einsehbar sind.

Aufgelistet sind u.a. Verzeichnisse von Ordensfolianten Handfesten Schadensbüchern Vasallentabellen und viele weitere. Auch die Findbücher zu den Akten des Etatsministerium können eingesehen werden. Sie sind aufgeteilt in diverse Sachgebiete wie: Grenzsachen Untertanensachen (z.B. Loskäufe) – Schulsachen Justizsachen Mühlenangelegenheiten usw.

Ich musste mich ein wenig einarbeiten … Es gibt die Möglichkeit, nach Namen oder Orten zu suchen oder aber die Findbücher Amt für Amt und Seite für Seite durchzublättern. So habe ich es gemacht, weil ich genau wissen wollte, welche Archivalien überhaupt vorhanden sind.

Meine eigenen ostpreußischen Vorfahren lebten überwiegend in Orten, die – vor Gründung der Kreise Pr. Eylau und Heiligenbeil – in den damaligen Ämtern Balga, Brandenburg und Pr. Eylau lagen.

Einige Ergebnisse meiner Suche aus den Akten des Etatsministerium:

Althof im Kirchspiel Schmoditten

Hier wird der Krug in Althof genannt – zu einer Zeit als er von meinen Vorfahren betrieben wurde. Martin(us) Reuter wird in dem kleinen Ort Althof im Kirchspiel Schmoditten geboren und am 2. November 1687 in der Kirche von Schmoditten getauft. Sein Vater Johann bzw. Hans ist zu dieser Zeit Krüger des Dorfes – der Name der Mutter wird im Kirchenbuch nicht genannt. Weitere Informationen hier: Familie Reuter (Reiter) in Schmoditten und Klein Dexen

Nemritten (Lemritten) im Kirchspiel Zinten

Auch Peter Klein, dessen Grenzstreit hier erwähnt wird, gehört zu meinen Vorfahren. Er wächst in Nemritten bei Zinten auf, wo er im Dezember 1660 als Sohn des gleichnamigen köllmischen Freien Peter Klein geboren wird. Am 14. Juni des Jahres 1703 heiratet er in der Kirche von Brandenburg (heute Uschakowo in der Oblast Kaliningrad) Gertrude Arend, die Witwe des in Pinnau verstorbenen Krügers Heinrich Arend. Mehr darüber in diesem Bericht: Eine Spur nach Pinnau ins Kirchspiel Brandenburg, Heiligenbeil.

Pompicken im Kirchspiel Klein Dexen

Hinweis auf eine Akte, in der es um die ‚Unterstützung der abgebrannten Bauern aus Pompicken‚ im Kirchspiel Klein Dexen geht. In diesem Zeitraum – von 1716 bis 1719 – wohnen dort meine Vorfahren Christoph Kebbe und Martinus Reuter mit ihren Familien. Möglicherweise werden auch sie in diesem Dokument genannt….

Manche Archivalien – wie das folgende – tauchen an unterschiedlichen Stellen mit unterschiedlichem Wortlauf auf.

Pompecken Zinthensches Hospital Dorff – wegen Abbauung und Theilung derjenigen 3 Huben Landes, welche der Michael Dreher in dem Zinthenschen Hospital-Dorffe Pompecken als Erb-Pächter besitzet (ohne Zeitangabe)

1786 – Abbau und Teilung der 3 von Michael Dreher in Pompicken besessenen Hospitalhufem

Michael Dreher stammt aus Trinkheim – er heiratet am 20. Oktober des Jahres 1764 in Klein Dexen Maria Ankermann, eine Schwester meines Vorfahren Johann Christoph Ankermann.

Loskäufe

Unter den ‚Loskaufsachen‚ entdeckte ich auch Personen, deren Namen ich durch meine Forschung in den Kirchspielen Eichhorn und Canditten kenne – in beiden Fällen geht es um die ‚Losgabe von untertänigen Bräuten und Frauen‘ – im 1. Fall aus der Begüterung Worienen – im 2. Fall aus der Begüterung Wildenhoff. Ohne Zustimmung des Gutsherrn und ohne diesen Loskauf kann die beabsichtigete Hochzeit der Brauleute nicht stattfinden.

1722 Peter Plaumann gegen den Burggrafen Müller in Worienen wegen seiner Braut Neumann.

1750 Magistrat Landsberg wegen Freigabe der Dorothea Gerund durch Graf Schwerin Wildenhof für Michael Plohncke

Testamente

Besonders beeindruckt bin ich von der Auflistung der zahlreichen Testamente verschiedener Amtsgerichte – u.a. aus Friedland Rössel und Rastenburg (Filmnummer Film Nr. 008907735 und 8907737).

Unter den Archivalien des Amtsgerichts Rössel wird auch das Testament eines Verwandten aufgeführt:

Johann Friedrich Ankermann wird 1815 als Sohn meines Vorfahren Johann Heinrich Ankermann und dessen 2. Ehefrau Susanna Barbara Politt in Groß Peisten geboren. Er ist zunächst Müllergeselle in Heilsberg und später Mühlenbesitzer in Potritten. Von dieser Familie habe ich bereits hier erzählt: Familie Ankermann und die Mühle in Potritten

Auch vom Amtsgericht Königsberg wurden Testamente ans Staatsarchiv abgegeben – darunter befindet sich u.a. eines von Lorenz Steinort, Schulz zu Ponarth und dessen Ehefrau Anna Dorothea verwittwete Korsch, geb. Dannenberg.

Diese Familie Steinort stammt ursprünglich aus Schönfließ im Kirchspiel Seligenfeld – Lorenz ist ein Nachfahre von Michael Steinort, um 1690 Schulz in Schönfließ ist und später cölmischer Erbsaß und Dorfgeschworener in Ponarth wird. Zu Familie Steinort: Ostpreußische Störche und Familie Steinort in SchönfließDie kölmischen Gutsbesitzer in Ponarth

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Standesamtliche Nachrichten – Pr. Eylau 1886

In einigen Jahrgängen der Kreisblätter des Kreises Pr. Eylau wurden auch Geburten, Aufgebote und Sterbefälle des Standesamts der Stadt Pr. Eylau veröffentlicht. Die folgenden Bekanntmachungen stammen aus dem Jahr 1886. Da diese Standesamtsunterlagen der Stadt Pr. Eylau nicht mehr vorhanden sind, sind diese Bekanntmachungen von großem Wert – leider werden die Namen der geborenen Kinder nicht genannt.

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Höfe und Katen in Canditten, Pr. Eylau

Vor einiger Zeit wurden vom polnischen Staatsarchiv in Allenstein umfangreiche Kirchenakten der evangelischen Diözesen Rosenberg und Bartenstein publiziert. Unter diesen Akten befinden sich auch Kirchenkassen-Rechnungen des Kirchspiels Canditten im Kreis Pr. Eylau aus den Jahren 1822 bis 1846. Die Kirchenbücher des Kirchspiels enden bereits im Jahr 1823 – zudem sind sie sehr lückenhaft: aus der Zeit von 1800 bis 1820 fehlen die Taufeinträge und eine ähnlich große Lücke besteht bei den Heirats– und Sterbeeinträgen. Für Familienforscher mit einem Bezug zum Kirchspiel Canditten bieten diese Kirchenkassen-Rechnungen deshalb einige neue Ansätze.

Sämtliche Bewohner Candittens und der zum Kirchspiel gehörigen Dörfer sind verpflichtet, Abgaben an die Kirchengemeinde zu leisten – je nach Stand in unterschiedlicher Höhe. Die Gemeinde führt darüber genau Buch und zeitweise werden die in den einzelnen Dörfern lebenden Besitzer von Bauernhöfen und Katen namentlich genannt. Allerdings werden sie in den Kirchenkassen-Rechnungen insgesamt als „Eigenkätner“ bezeichnet.

Horst Schulz nennt 1831 im Kirchdorf Canditten: : 2 Freigüter, 21 Bauerngüter, 4 Kätner, 6 Handwerker und 18 Instleute – insgesamt 281 Einwohner und schreibt weiter: „Das Dorf wuchs in der Zeit nach der Separation durch Abbauten und durch neue Höfe nach Besitzteilungen und Kätnerstellen. 1846 hatte Canditten schon 57 Wohngebäude und 340 Einwohner“. (Quelle: Horst Schulz, Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; S. 335).

Diese Angaben lassen darauf schließen, dass die Bezeichnung „Eigenkätner“ in den Kirchenakten sämtliche Personen umfasst, die im Dorf Canditten (und den anderen Dörfern) eine „eigene Kate“ = ein „eigenes Haus“ besitzen. Vergleicht man die Angaben bei Horst Schulz mit denen in den Kirchenakten, bedeutet das:

  • 1824 gab es in Canditten 12 Bauernhöfe und 12 Katen = 24 Wohngebäude
  • 1831: 21 Bauernhöfe und 4 Katen = 25 Wohngebäude
  • 1837: 35 Höfe und 11 Katen = 37 Wohngebäude
  • 1846: 57 Wohngebäude

Aus den Kirchenrechnungen von 1824

1824: 12 große und 12 kleine Höfe – unterschieden in alte und neue. Unter den großen Höfen werden genannt: alte: 1. Zimmermann Hoffmann, 2. Schmidt (= Schmied) Schiemann, 3. Radmacher Lehmann, 4. Wirth Jacob Boenke, 5. Wirth Carl Boehnke, 6. Wirth Gottlieb Steinau. — neue: 7. Ernst Kohn, 8. Friedrich Labowsky, 9. Michael Scheffler, 10. Michael Hahnke, 11. Gottfried Springer, 12. Friedrich Gutt.

Die „kleinen Eigenkäthner“ zahlen eine geringere Abgabe an die Kirchengemeinde. Dazu gehören die alten: 1. Tischler Simon; 2. Gottfried Woelk; 3. Carl Boehnke; 4. Jacob Corinth; 5. Schneider Grund; 6. Witwe Schiemann; 7. Böttcher Will; Schneider Rautenberg; 9. Gottfried Springer – und die neuen: 10. Krüger Gutt; 11. Jacob Lehmann; 12 Johan Schart

Der o.g. Krüger Gottlieb Gutt ist mein direkter Vorfahre. Er wird 1751 als Sohn des Freischulzen Michael Gutt und seiner Ehefrau Catharina Barbara Hellwich in Canditten geboren. Nach seiner Eheschließung mit Anna Barbara Boenke, einer Tochter des Krügers und Kirchenvorstehers Johann Boenke ist Gottlieb Gutt zunächst Hofmann des Vorwerks Amalienhoff bevor er um 1785 den Krug in Canditten von seinem Schwiegervater übernimmt. Ein wenig irritierend finde ich, dass er hier als „neu“ eingestuft wird. Er betreibt diesen Krug seit dem Jahre 1785. Oder wurden die mit „neu“ bezeichneten Häuser neu erbaut?

Die Hausbesitzer in Canditten im Jahre 1837

Die Anzahl der Höfe ist gestiegen – 1837 werden 24 große und 11 kleine Höfe genannt. Die großen gehöre:n 1. Carl Hoffmann, 2. Boehnke, 3. Sarge, 4. Carl Corinth, 5. Hill, 6. Gottfried Rautenberg, 7. Schiemann, 8. Fr. Neumann, 9. Carl Böhnke jun(ior), 10. Carl Böhnke sen(ior), 11. Reske, 12. Kirschnik, 13. Knorr, 14. Witwe Scheffler, 15. Scharth, 16. Hahnke, 17. Gottfried Springer, 18. Krüger Gutt, 19. Pächter Schulz, 20. Wiese. 21. Wilhelm Springer. 22. Joh(ann) Springer. 23. Wilh(elm) Neumann und 24. Simon Lehmann.

Die kleinen Höfe in Canditten besitzen im Jahre 1837: 1. Tischler Simon, 2. Gottfried Woelk, 3. Schuhmacher Wessel, 4. Carl Böhnke sen(ior), 5. Daniel Bruchmann, 6. Zimmermann, 7. David Klein, 8. Minuth, 9. Gottf(ied) Lehmann, 10. Wittwe Gottl(ieb) Lehmann und 11. Johann Boehnke.

Es folgen die Namen der „Eigenkätner„, die im Jahre 1837 in den Dörfer Sangnitten Wormen Worschienen Augam Quehnen und Rimlack leben – außerdem wird der damalige Müller der Mühle Groß Steegen genannt.

Außerdem findet sich in den Unterlagen dieser Vermerk: ‚In den übrigen Ortschaften sind keine Eigenkäthner-Häuser‘.

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Aus der Chonik von Landsberg, Pr. Eylau – 1820/1821

Aus der alten Landesberger Chronik, die erst im Jahre 1951 gefunden wurde und heute im Archiv der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau in Verden verwahrt wird, habe ich bereits an mehreren Stellen zitiert. Auf dieser Seite ist nachzulesen, auf welchem Wege die Chronik wieder auftauchte – außerdem sind dort Links zu folgenden Berichten aus der Chronik zu finden!

In den Jahren 1815 bis 1835 wird die Chronik vom damaligen Landsberger Pfarrer Carl Wilhelm Kob geführt. 1820 und 1821 notiert er folgende Ereignisse:

Im Jahr 1820 wurde auf dem hiesigen Wachhause am Markt ein Thurm errichtet, in welchem eine neue Sturmglocke aufgebracht wurde, die nur dann gezogen und geläutet wird, wenn in der Stadt Feuer und in den Vorstädten entsteht.

Den 20ten July dieses Jahres halb ein Uhr Mittags schlug der Blitz in das am Markte belegene Haus des Kaufmann Ohlenschlaeger sen(ior), zündete das Dach desselben und fuhr durch die Stockwerke hindurch. Bei dem häufigen und anhaltenden Regen diesen Sommer, der auch dieses Gewitter begleitete, wurde aber durch die thätige Hülfe einer großen Menschenmenge das Feuer gleich gelöscht; Hauß und Stadt wurde demnach gnädiglich erhalten.

Im Jahre 1821 wurde auf Kosten der Stadt ein neues Sprizzenhaus am hohen Thore erbauet, besondere Veränderungen fanden nicht statt, doch zu bemerken: Einige Unglücksfälle, begangene Verbrechen, Selbstmorde und verdienstliche Handlungen etc.

  1. Die Frau des hiesigen Arbeitsmannes Andreas Kohn fiel abends 9 1/4 Uhr beim Waßerschöpfen in den Brunnen hinter der Hauptwache befindlich. Der Dienstknecht Johann Herrmann rettete sie und Stadt Chirurgus Münz erbrachte sie ins Leben. Das Unglück macht vorsichtig. Die Brunnen der Stadt wurden gleich bedeckt und mit einer Pumpe versehen.
  1. In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 1821 erhängte sich der Sohn des hiesigen Erbmühlenpächters Will mit Namen Carl am Querbalken des sogenannten Gebiels der Mühle, welcher nur 4 ½ Fuß hoch vom Boden ist. Er hatte sich wegen der Niedrigkeit des Balkens knieend erhängt. Melancholie war die Ursache seines Verbrechens. (Anmerkung: der Erbmühlenpächter Michael Will lebt vor 1803 als Großbürger und Mälzenbräuer in der Stadt Landsberg, ist in erster Ehe verheiratet mit Lovisa Gesnick, in zweiter Ehe mit Anna Dorothea Gabriel, e. Tochter des Müllers Friedrich Gabriel)
  1. Den 22. April wurde dem hiesigen Maurergesellen Friedrich Krause beim Steinsprengen wobei er nicht die nöthige Vorsicht gebraucht hatte, die linke halbe Hand fortgerißen. Dieser Unglückliche erhängte sich kurze Zeit darauf, nicht im Gefühl seines Unglücks, sondern in der Trunkenheit.
  1. Am 10ten Juny am ersten Pfingstfeiertage nachmittags 2 Uhr riß der hiesige Mühlenteich aus und der Müller konnte den Sommer hindurch nicht mehr mahlen. Der Erbmühlenpächter Will erlitt, wie er sagt, einen Schaden von 2 bis 200 Th.
  1. Den 12ten July ertrank ein uneheliches Kind 1 ¾ Jahre alt im Mühlenteich.
  1. Den 12ten July ersäufte sich der Bürger und Schuhmachermeister Friedrich Fischer im Röhrteich, ein liederlicher Mensch. Sein Körper wurde erst den 20ten July gefunden.
  1. Den 5ten October erhing sich der Schnurmachermeister Carl Grohnert, 33 Jahre alt im Bürgergehorsam oder sogenannten Grützkammer am Rathhause an einem schwarzseidenen Halstuch. In der Trunkenheit hatte er grobe Exeßen gemacht, und als Trunkener erhängte er sich auch. Die angestellten Versuche ihn ins Leben zurückzubringen, waren vergeblich angestellt.
  1. Den 1ten Juny fiel der Taglöhner Christian Koenig von hier im Eichenschen Walde von einer Fichte, ein Ast fuhr ihm ins Leib und riß ihm den Unterleib dergestalt auf, daß die Gedärme hervordrangen; wurde aber durch Stadt Chirurgus Kurz glücklich geheilt.
  1. Den 15ten August fiel der Maurer Metz vom Dach der Candittenschen Kirche, brach den rechten Fuß merfach entzwei und wurde am Kopf und im Gesicht schwer verwundet.
  1. Den 23. July verunglückte Otto Reimer, ein Sohn des verwitweten Stadt Chirurgus Reimer durch einen Sturz mit dem Pferde, blieb 24 Stunden sprachlos und gab seinen Geist auf.
  1. Am 11ten November d. J. hatte der Töpferteich durch eingetretenen Frost schon eine Eisdecke erhalten. Mehrere Knaben wagten es, trotz des Verbots, auf diesem schwachen Eise Schlittschuh zu laufen, der Sohn des Rector Ziegner namens Otto und der des Policeycommissair Petzel brachen ein. Otto Ziegner ertrank und Petzel wurde gerettet. Der Tagelöhner Wagner und der schon einmal erwähnte Dienstknecht Johann Hermann zeichneten sich rühmlich bei Rettung dieser Knaben aus.

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Die Ankermann-Familien in Domtau, Pr. Eylau

Diesen Beitrag schreibe ich in der Hoffnung, dass vielleicht ein Nachfahre der Ankermann-Familien aus Domtau seinen Namen googelt, diese Informationen entdeckt, in den noch in seiner Familie vorhandenen Unterlagen stöbert und dort Dokumente findet, durch welche die Lücken meiner Recherche geschlossen werden können!

Meine Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann wurde 1830 in der Mühle von Groß Peisten geboren – ihre Vorfahren namens ANKERMANN lebten in Pompicken, Krücken bei Kreuzburg und Seeben. Andere Namensträger – Nachfahren und Anverwandte – wohnten u.a. in Dollstädt, Penken, Domtau, Königsberg, Ponarth, in Gollau (Kreis Heiligenbeil), in Konnegen (Kreis Heilsberg), in Seeburg (Kreis Rössel), in Eisenbart, in Mollwitten, in Sollecken (Kreis Heiligenbeil), in Tapiau, Allenburg, Landsberg (Pr. Eylau), in Heilsberg, Lampasch, in Schoischen und in Lindenau (Kreis Heiligenbeil), in Gutenfeld bei Königsberg, in Bartenstein, Berlin, Marggrabowa, in Sensburg, Elbing, Korschen und in Marienwerder.

Da ich mich schon lange mit der Genealogie der Ankermann-Familien in Ostpreußen beschäftige, gelingt es mir mittlerweile in den meisten Fällen, einzelne Ankermann-Personen den richtigen Familien zuweisen. Dennoch gibt es in meinen Unterlagen einige Personen oder Familien-Zweige, die ich aufgrund fehlender Dokumente nicht zuordnen kann – dazu gehören auch die beiden letzten Ankermann-Familien in Domtau, die dort bis zum Jahr 1945 ansässig waren.

Schon um 1650 taucht der Name Ankermann unter den Taufpaten im Kirchenbuch von Klein Dexen auf – die Familie lebt zu dieser Zeit jedoch noch im Kirchspiel Dollstädt.

Wenn ich richtig recherchiert habe, ist Anna Ankermann, eine Tochter meines Vorfahren Martin Ankermann, des Kirchenhübners in Krücken, die erste ANKERMANN-Person in Domtau. Am 19. Oktober des Jahres 1690 heiratet sie in Kreuzburg den Freien zu Domtau Friedrich Bidder, der außerdem Kirchenvorsteher in Dexen und später Landgeschworner zu Pr. Eylau ist. Mit ihm gründet sie in Domtau eine Familie.

Der Besitz von Friedrich Bidder wurde bereits im Jahre 1489 verschrieben – Diese 3 Hufen soll Niclaus Windel 1489 vom Hochmeister Hans von Tieffen erhalten haben – 1600 hatte ein Valentin Windel diese 3 Hufen inne. (Quelle:“Die Städte und Gemeindes des Kreises Pr. Eylau“)

Domtau königl(iches) Baurendorf

Um 1715 existieren in Domtau 3 weitere Hofstellen: zu dieser Zeit gehören diese neben Friedrich Bidder den Hochzinsern Christian Klang Hans Dreher und Hans Kuhn. „

Auszug aus einer Amtsrechnung von 1716

Mit Christian Ankermann, einem Sohn meines Vorfahren Johann Christoph Ankermann und Ur-Urenkels des oben genannten Martin Ankermann, taucht der Name ANKERMANN dann im Jahr 1803 wieder in Domtau auf. Christian wurde 1763 im benachbarten Hospitaldorf Pompicken geboren, heiratet in Klein Dexen Dorothea Schulz, eine Tochter des Domtauer Köllmers Samuel Schulz und gründet in Domtau eine Familie. Er hinterlässt jedoch keine Namensträger, sondern „nur“ 2 Töchter – eine seiner Töchter verstirbt als Kleinkind, Tochter Maria Dorothea ist nicht einmal 10 Jahre alt als beide Eltern kurz nacheinander versterben. Sie heiratet 1839 in Zinten den köllmischen Gutsbesitzer Gottfried Buchhorn aus Nemritten.

Nach Christian folgen seine Brüder Daniel und Michael Ankermann – beide sind Halbbrüder des o.g. Christian Ankermann. Sie stammen aus der 3. Ehe meines Vorfahren Johann Christoph Ankermann.

Daniel Ankermann ehelicht 1820 in Kl. Dexen Charlotta Hippler, geb. Schulz, die Witwe des Köllmer und Schulzen Johann Friedrich Hippler, der am 27.4.1819 in Domtau verstarb. Auch Charlotta ist eine Tochter des Domtauer Köllmers Samuel Schulz und dessen Ehefrau Dorothea Hermann. Durch seine Heirat übernimmt Daniel Ankermann den Besitz des verstorbenen Köllmers Johann Friedrich Hippler!

In den Prästationstabellen findet sich bei diesem Hof der Vermerk: „Privilegium Königsberg am Tage Ambrosia 1489“. Vermutlich war dies also der ehemalige Hof von Friedrich Bidder, in dem bereits Anna Ankermann lebte und in den Daniel Ankermann 1820 einheiratet!

‚Der älteste Hof in Domtau war in den Händen der Familie Ankermann. Laut Ur­kunde war er ein Geschenk des Großen Kurfürsten und war 230 Morgen groß.“ schreibt Gerda Ankermann in einem Kreisblatt der Kreisgemeinschaft Pr. Eylau. Und sie fährt fort: „Eingewandert waren die Ankermanns aus Schweden und hatten zuerst einen Hof in Ponarth bei Königsberg gehabt‘. Anmerkung: Gerda Ankermann wurde 1911 als Tochter von Hugo Ankermann und Auguste Hellmer in Domtau geboren – sie verstarb 2003.

Für die Aussage, dass die Ankermann-Familie sei aus Schweden zugewandert sei, fand ich bislang keinen Beleg – da ich die Familie in Ostpreußen bis um 1600 zurück verfolgen kann, müsste die Einwanderung vor dieser Zeit geschehen sein!

Nach Daniel Ankermannns Tod übernimmt sein 1823 in Domtau geborener Sohn Carl August Ankermann den Hof. Aus seinem Heiratseintrag im Kirchenbuch von Tharau geht hervor, dass Daniel Ankermann nur diesen einen Sohn hatte: 1846 „Carl Ankermann, einziger Sohn des Cölmischen Gutsbesitzers Daniel Ankermann in Domtau, 24 Jahre (aufgeboten von Klein Dexen und Wilhelmine Kaehler, 21, Jgfr. in Wittenberg, älteste Tochter des verstorbenen Schulzen u. Kirchenvorstehers Friedrich Kaehler in Lichtenhagen u. Stieftochter des Hufenwirths Friedrich Prang in Wittenberg“.

Ausschnitt aus der Prästationstabelle – Daniel Ankermann
– seit 1848 Carl August Ankermann

Kinder von Carl August Ankermann müssten nach 1846 in Domtau geboren worden sein – die Kirchenbücher von Kl. Dexen enden aber leider im Jahr 1837.

Eine Tochter ist vermutlich Hulda Ankermann – als ‚einzige Tochter des Köllmers Carl Ankermann in Domtau‘ verlobt sie sich am 7. Mai 1883 mit Richard Pawlowsky, einem Hotel- und Brauereibesitzer in Allenstein.

Aber auch Daniels jüngerer Bruder Michael Ankermann, der 1796 in Pompicken zur Welt kam, zieht nach Domtau. Nach einer ersten Heirat mit Johanne Wilhelmine Linck, einer Tochter von Michael Linck, des Krugbesitzers in Schlauthienen, heiratet Michael am 1. August 1827 in Zinten Caroline Wilhelmine Pottrick aus Nemritten.

Dieses Ehepaar bekommt mindestens 8 Kinder. Die Taufen der in den Jahren 1828-1836 geborenen Kinder sind noch im Kirchenbuch von Klein Dexen verzeichnet:

  • Friedrich Wilhelm Ankermann *1828 – ?
  • Johann Gottfried Ankermann *1830 – er heiratet 1859 in Stockheim Henriette Eggert aus Eisenbart – einer ihrer Söhne ist Julius Gustav Ankermann
  • Wilhelmine Henriette Ankermann *1832 – sie wird die Ehefrau von Gotthard Droeger in Tiefenthal
  • Carl August Ankermann *1834
  • Rudolph Ankermann *1836 …

Doch nun wird es schwierig und ein wenig rätselhaft ….

Wenn keine Kirchenbücher mehr vorhanden sind, muss man Umwege einschlagen …. Drei weitere Kinder, deren Taufen nicht mehr im Kirchenbuch von Kl. Dexen verzeichnet sind, konnte ich dieser Familie zuordnen, da sie 1872 in den Akten der Begüterung Gerlauken genannt werden. Diese Akten, die im Staatsarchiv Vilnius verwahrt werden, enthalten ein Darlehnsgesuch des Schulzen Carl August Ankermann an die Sparkasse von Pr. Eylau. Carl August Ankermann ist seit 1867 verheiratet. Im Alter von 28 Jahren heiratete er in Pr. Eylau Auguste Maria Rehberg aus Tenknitten. Er müsste demnach um 1839 geboren worden sein!

Als Besitzer von Hof Nr. 5 in Domtau und beantragt Carl August Ankermann im Jahre 1872 eine Hypothek, um seine Geschwister auszahlen zu können. Als Geschwister werden in diesem Dokument genannt:

  • Rudolf Ankermann, ein geisteskranker Bruder
  • Carl (getauft als Carl August) Ankermann
  • Caroline Ankermann und
  • Gustav Ankermann
Ausschnitt aus den Akten der Begüterung Gerlauken

Der Schulze Carl August Ankermann und seine Ehefrau Auguste Maria Rehberg bekommen mindesten diese beide Kinder:

  • Martha Elise Ankermann *1873 in Domtau oo Johann Adolph Röhrse
  • Arthur Karl Ankermann *1875 in Domtau oo Amalia Louisa Nautsch – Arthur Ankermann war Administrator bzw. Oberinspektor in Mollwitten und zeitweise Schiedsmann für den Amtsbezirk Beisleiden.

Gleichzeitig lebt in Domtau der Köllmer August Ankermann mit seiner Ehefrau Hulda Stamm, die bislang der Ankermann-Familie nicht richtig zugeordnet werden können. August könnte ein Sohn sein von Carl August Ankermann und Wilhelmine Kaehler! August Ankermann und Hulda Stamm heiraten 1874 in Pr. Eylau – bei der Eheschließung ist er 24 Jahre alt, seine Braut ist 21. Diese beiden bekommen ebenfalls mehrere Kinder, die in Domtau zur Welt kommen. Bekannt sind:

  • Berta Ankermann *um 1880 oo Ewald Bärschmidt, Oberförster der Revierförsterei Rosenberg, Kreis Labiau
  • Karl Ankermann *1882 oo Anna Ankermann *1882 (Eltern unbekannt!)
  • Hulda Ankermann *1884 oo ? Hellmer
  • Hugo Ankermann *1886 oo Auguste Hellmer
  • Vera Ankermann *? oo Georg Liedtke
Auszug aus einem Adressbuch von 1929

Nachdem 1934 der größte Teil des Ortes zum Bau des riesigen Truppenübungsplatzes Stablack eingezogen wurde, blieb von Domtau nicht viel übrig. Die 1882 und 1886 geborenen Brüder Karl und Hugo Ankermann sind die Besitzer der beiden letzten Höfe des Ortes . Heute gehört das ehemalige Dorf zur Großgemeinde Dolgorukowo im russischen Teil des ehemaligen Kreises Pr. Eylau.

Den sehr alten Hof hatte also Hugo Ankermann übernommen. Das entspricht dem, was seine Tochter Gerda berichtet (s.0.). Und auch Hugos Ehefrau Auguste geb. Hellmer erzählt:

„Unser Besitztum war 57,7 ha groß. Es war ein alter Erbhof – vom Großen Kurfürsten geschenkt. Ein Ritterknecht mit einem Pferd (Rappen) musste gehalten werden, der jederzeit dienstbereits war. So hat sich der Hof in unmittelbarer Erbfolge von Generationen bis zum Jahr 1945, als im Januar die Flucht kam, erhalten. Er zählte wohl zu den ältesten Höfen; er ist von Malern oft gezeichnet worden – besonders das alte Insthaus gegenüber dem Hof auf der anderen Straßenseite (unten am Liebefluss) hatte es ihnen angetan. Es war ein überaus schöner Anblick, wenn Vieh und Pferde im hügeligen Waldgelände in den Senken während der Sommermonate in den Weidegärten ruhten“. (Quelle: „Ostpreußens Rinder und ihre Zuchtstätten“ herausgegeben von der Ostpreußischen Herdbuchgesellschaft e.V. Köln, 1974)

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen

Der Hof von Karl Ankermann gehörte – laut Horst Schulz – zuvor einer Familie Richter. Hier leben bis 1945 Karl und Anna Ankermann mit ihren Kindern Erna und Fritz.

Karl und Anna Ankermann (Quuelle: privat)
Heutiger Blick auf die Gegend

Leider habe nie jemanden finden können, der sich – wie ich – mit den Ankermann-Familien im Kreis Pr. Eylau beschäftigt. Über Korrekturen und Ergänzungen würde ich mich sehr freuen!

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