‚Immer hinter die Knechte herschleichen‘ ….

… das musste wohl mein sächsischer Vorfahre Israel Elßig (auch Illtzig – Iltzig – Ilßig oder Elsig geschrieben), der als Schafmeister auf verschiedenen Gutshöfen in der Umgebung von Meißen tätig war.

Quelle: Vollständiges Handbuch der Schafzucht für Landwirthe und Liebhaber von Schäfereyen; Landshut 1796

‚Der Schafmeister, so nicht selber hütet, muß nicht nur alle Tage, wo möglich, einigemal die Schafställe, sondern auch die weidenden Heerden auf den Triften besuchen. Den es ist nicht zu glauben, wie nöthig es sey, daß er immer hinter die Knechte herschleiche, da gute Knechte sich selten selbst bilden, und ihre Bosheit, Dummheit, Faulheit und Schlafsucht kaum zu beschrieben ist‘.

Schafmeister werden auf vielen Begüterungen benötigt – sie sind quasi Pächter der dortigen Schäfereien. Üblicherweise erhalten sie eine Bestallungsurkunde des jeweiligen Gutsherrn, die ihren Arbeitsbereich detailliert beschreibt. Leider fand ich keine solche Urkunde meines Vorfahren Israel Elßig – jedoch eine, die 1708 auf dem Gut Wolkenburg (zu dieser Zeit im Besitz der Familie von Einsiedel) für den Schafmeister Hans Otten ausgestellt wurde. Darin heißt es:

‚Zu wißen sey hiermit, daß Ich Hanß Otten bisherigen Schaffmeister zu Ronneburg auff ein Jahr von Mich(aelis) 1708 bis wieder dahin 1709 auff hießige Schäfferey zu Wolkenburg folgender gestalt bestellet und darnebenst das auff der Schäfferey stehende Rind Vieh in Pacht gegeben habe.

Quelle: https://www.archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?guid=eedad14a-46a4-4a86-aa91-2ae062c7e745

‚Nehmlich, vor allen dingen soll Er nebst den Seinigen ein Gott gefälliges leben führen, alles unanständige sich enthalten, und auch bey den seinen abwehren, Nechstdem mir getreu und dienst gewärtig seyn, auf feuer und licht fleißige Aufsicht und Sorge haben, niemanden mit bloßem lichte in die Ställe, Scheunen, auf die Böden, oder andere gefährliche Orthe außer im Nothfall mit wohl verwahrten laternen zu gehen verstatten, aber da durch seyn oder der seynigen Verwahrlosung und Unvorsichtigkeit Unglück und Schaden geschehen möchte, soll er mit seyner Caution und sämtlichen vermögen dafür hafften und gelten‘.

Aelbert Jacobsz. Cuyp (1620-1691) : Schafherde auf der Weide

Weitere Zitate aus der Bestallungsurkunde:

Die Schäfferey soll und will Er mit allen fleiß und Sorgfalt füttern, warten, und derselben treulich vorstehen, auch alle mahl tüchtige Schaff Knecht halten, und fleißige Obsicht haben, damit das Vieh von Ihnen nicht verhüttet oder im träncken verwahrloßet werde, nicht weniger bey der Lamm Zeit und Hämmerlung, die Lämmer fleißig pflegen und wartten, auch allen andern Schaden so viel Ihm möglich abwenden und dagegen nutzen suchen und fördern.

Was aber an Viehe stirbt, davon geht dem Schäfer sein Sechstes auch ab, deswegen Er den Abgang iedes mahl den verwalter anzeigen und mit Ihm darüber Kerbhöltzer bis zur berechnung halten soll.

Ein Kerbholz, auch Kerbstock, Zählholz oder Zählstab genannt, ist eine frühzeitliche und mittelalterliche Zählliste; es diente meist dazu, Schuldverhältnisse fälschungssicher zu dokumentieren. (Wikipedia)

Das Krippen Geräthe, welches er den abziehenden Schäffer bezahlet und Ihm von seinem nachfolger hinwieder so hoch bezahlet wird, soll er … in guten Stande erhalten.

Wenn gejagd wird, ist er schuldig, mit auf die Jagdd zu gehen und gleich andern Netze und Forckeln zu tragen. Ingleichen, wenn gefischt wird, muß er ebenfals helffen, … da Er aber bey der Schäferey nöthiger zu verrichten hat, mag er es bey den Verwalter mit Bescheidenheit erinnern.

Die Heiratseinträge von Israels Kindern enthalten unterschiedliche Angaben über den Verbleib ihres Vaters. Vermutlich hat auch er – wie der oben genannte Schafmeister Hans Otten – seine Arbeitsstelle immer mal gewechselt.

  • 1730 – bei der Proklamation seiner Tochter Anna Christine mit Christian Fischer in Raußlitz – ist Vater Israel Elßig bereits verstorben und es wird angegeben, er sei Schafmeister zu Kobelsdorf gewesen
  • 1734 heiratet in Oberau bei Meißen Sohn Daniel (ebenfalls Schafmeister, auf ‚denen hochfreiheitlichen Gütern zu Siebenlehen und Corbitz‚) – hier heißt es, sein Vater Israel Illtzig sei Schafmeister zu Graupzig gewesen.
  • 1737 findet in Rüsseina die Hochzeit von Tochter Anna Regina statt. Sie wird als ‚Ißrael Elßigs, weil. Schaafmeisters in Hermsdorf seel. ehelich hinterlaßene Tochter‘ bezeichnet.
  • Im März 1745 ist im Kirchenbuch von Meißen St. Afra das Ableben von Israels Ehefrau Anna Christina vermerkt. Ihr Sterbeeintrag lautet: ‚Frau Anna Christina, Meister Ißrael Ilßigs, weyl(and) Schäffers in Corbitz nachgel(assene) Wittbe begr(aben) mit einer Leichen Predigt, d. 14. Marti.‘
St. Afra, Meißen – März 1745

Als im Mai 1745 in Weigmannsdorf Sohn Johann David Iltzig heiratet, ist im Heiratseintrag vermerkt, sein Vater sei in ‚Knobelsdorff bey Ringethal‘ verstorben.

Bislang fand ich weder den Sterbeeintrag von Israel Elßig noch die Taufeinträge seiner Kinder. Auch der Heiratseintrag von Israel und Anna Christina fehlt noch.

Israels – vermutlich um 1710 geborener – Sohn Daniel wird ebenfalls Schafmeister. Am 25. November 1734 schließt er in der Kirche St. Afra in Meißen alsSchafmeister der Güter Siebeneichen und Corbitzdie Ehe mit Rosina Hoffmann, einer Tochter des Schafmeisters George Hoffmann in Oberau. Im Kirchenbuch ist zu lesen:

Dom 20 Trinit.
Der Ehrsame Jungges(elle) Daniel Iltzig auf

denen hochfreiheitl. Gütern zu Siebeneichen u.
Corbitz Schaafmeister, Isr. Iltzigs, weil(and) Schaff-
meisters zu Graupzig nachgel(assener) ehel(icher) Sohn, und die
Ehrb(are) Jungfr(au) Rosina Hoffmannin, George Hoff-
manns, Schaafmeisters zu Oberau ehel. älteste Tochter

Und dann gibt es noch Johann David Iltzig – einen weiteren Sohn – der am 29. Mai 1745 in Weigmannsdorff heiratet. Falls die Angaben in seinem Heiratseintrag zutreffen, verstarb Vater Israel in ‚Knobelsdorff bey Ringethal‚. Der Eintrag lautet:

David Iltzig, Juv., weyland Israel Iltzigs, gewesenen Pächters auff dem hochadel. Hofe zu Knobelsdorff bey Ringethal nachgelaßener eheleibl. Sohn, und Jgfr. Johanna Rachel Magdalena, weyl. Herrn Gotthelff Jacob Griebens in Müdisdorff, …. dreymal öffentlich proclamiret u. den 29. May in Weigmannsdorff öffentlich corpuliret worden.

Davids Ehefrau Johanna Rachel Magdalena Griebe ist eine Tochter von Gotthelf Jacob Griebe und Johanne Henriette von Kanne ‚auf Langenau und Gränitz‘, die ihre Ehe im Jahre 1717 wegenUnpässlichkeit des Herrn Bräutigams auf ganz spezielle Weise schlossen! Dies ist ihr Heiratseintrag:

KB Müdisdorf – 1717

Tit. Herr Gotthelf Jacob Griebe in Müdisdorf, weyl. Tit Herrn Jacob Griebens auf Langenau und Gränitz, Churfürstl. Sächsischen Kriegs Zahlmeisters hinterl. ehelicher ältester Sohn, u. Tit. Frl. Johanne Henriette von Kanne, Tit. Herrn Ernst August von Kanne, Königl. P. u. Churfürstl. Sächsischen Hauptmanns, anitzo in Weigmannsdorff, sind auff erhaltenen gnädigsten Obern Consitorial Befehl ohne Proclamation privatim vor dem Bette wegen des Herrn Bräutigams Unpäßlichkeit, nachdem sie mit einem Handschlag an Eydes statt wegen anderwärtigen Verbindnüßes, beyderseits sich legitimiret, den 26. April in Müdisdorff getrauet worden.

Johann David Iltzig und seine Ehefrau wohnen zunächst in Müdisdorf, wo auch die ersten Kinder zur Welt kommen. Später lebt die Familie in Freiberg. Johann David ist hier als Bergmann tätig und verstirbt 1763 in Freiberg. Seine Ehefrau folgt ihm einige Jahre später.

Tochter Johanna Rahel Iltzig heiratet 1772 in Pretschendorf den Witwer und Kinderlehrer Johann Daniel Arnold. Ihre Söhne Carl Gottlob und Johann David Heinrich ernähren ihre Familien als Berghauer in Freiberg. Letzterer wird 1801 als ‚bestallter Obersteiger‘ bezeichnet.

Der Familienname Elßig – Ilsig – Elsig – Illtzig – Iltzig kommt in der Region um Meißen sehr selten vor – fast alle Personen dieses Namens konnte ich dieser einen Familie bzw. der Familie von Johann Gabriel Iltzig (+1737 in Freiberg) und dessen Nachkommen in Freiberg zuordnen.

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Bitte keine Stachelbeeren mehr!

Im Gegensatz zu meinem ostpreußischen Großvater Carl Ludwig Gegner, der nicht einmal 29 Jahre alt wurde und während des 1. Weltkriegs – im Mai 1915 – in Gallizien verstarb, hatte mein Großvater Hinrich Haesloop Glück! Er überlebte beide Kriege.

Hinrich war Seemann und fuhr als Maschinist auf verschiedenen Dampfschiffen durch die Welt. Hier sieht man ihn (2. von links) gemeinsam mit anderen Seeleuten auf dem Dampfschiff Heimburg.

Aber auch Hinrich musste im 1. Weltkrieg selbstverständlich ‚dienen‚. Es lag nahe, dass er zur Marine eingezogen wurde. Aufgrund der Adresse auf einer Feldpostkarte, die ihm im März 1915 von seinem Schwager Georg Kröger von Vegesack aus gesandt wurde, weiß ich, dass Hinrich Haesloop zu dieser Zeit der 1. Werftdivision Abt. I in Kiel-Wik – einer militärischen Einheit der Kaiserlichen Marine angehörte – und in Kaserne Nr. 9 in der Stube 35 untergebracht war.

Georg Kröger schreibt u.a.: ‚ (Lieber) Hinrich! Wir haben d(ie) ganzen Tage schon auf dich gewartet, da du doch an Anna geschrieben hattest, daß Du auf Urlaub kommen wolltest‘.

Irgendwann muss er dann wohl wirklich ‚auf Urlaub‘ bei seiner Frau Anna in Blumenthal gewesen sein – denn am 28. Dezember desselben Jahres wird seine Tochter – meine Mutter – geboren!

Meine Großeltern Hinrich und Anna Lisette wohnten in Blumenthal in einem schönen alten Haus und besaßen einen riesigen Garten, in dem alle nur denkbaren Obst– und Gemüsesorten angebaut wurden. Es gab Kartoffeln, Bohnen, Äpfel, Birnen, Kirschen und auch Stachelbeeren!

1916 erhält meine Großmutter in Blumenthal diese Karte von ihrem Ehemann aus Kiel:

Mein Großvater Hinrich Haesloop steht ganz links!

Auf der Rückseite der folgende Text:


Liebe Anna!

Besten Dank für deinen Brief und Paket. Leider muß ich dir mitteilen, daß die Stachelbeeren schlecht waren, deshalb sende bitte keine wieder. Danke bestens für die Adressen, denn wie ich eingeliefert wurde, hatte ich garnichts mitgenommen. Muß noch einige Tage hier bleiben zur Beobachtung, denn es ist festgestellt worden, daß ich die Ruhr gehabt habe. Schreibe bitte bald wieder. Hoffentlich geht es der kleinen gut.

Es grüßt vielmals Heinrich

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„Trage Deine Ketten und schmücke sie mit Blumen“

….ein ‚Täfelchen‚ mit diesem Spruch findet Pastor Christian Friedrich Puttlich im Mai des Jahres 1795 bei seinem Gang durch den Gutspark der Begüterung Worienen im Kreis Preußisch Eylau. Der Spruch ist an einer Birke befestigt und wurde dort vermutlich von einem meiner Vorfahren angebracht!

Mit Worienen habe ich mich lange und einghend beschäftigt – so sehr, dass sogar ein Buch über die Begüterung entstanden ist. Aber meine Vorfahren, die dort – wenn man ihre gesamte Dienstzeit addiert – etwa 80 Jahre lang als Kunstgärtner arbeiteten, habe ich bislang nicht ausreichend gewürdigt.

Staatsarchiv Olsztyn, Best 383/55, Grundakten der im Haupt Amte Preusch Eylau gelegenen Worienenschen Ritter-Güter

„Die Herrschaftlichen Lust-, Obst– und Geküch-Gärten sind weitläuftig und wird darauf beständig ein Kunst-Gärtner und ein Gärtner Lehr-Bursche, vom Frühjahr ab bis Martini zu auch noch ein Garten Knecht gehalten und diesen zur Reinhaltung der Gärten(,) die nöthige(n) Weiber gegen ein Tag-Lohn von 6 Gl gegeben“ ….

Dies notiert Johann Ludwig von Domhardt in den Woriener Grundakten von eigener Hand. Nach dem Tod seines Vater Johann Friedrich von Domhardt (1781) wird die Begüterung von ihm übernommen und ab etwa. 1790 wird Worienen zum Hauptsitz der Familie.

Zu Zeiten von Mathias von Bredow (1724-1763) – der Worienen vor der Domhardt-Familie besaß und das Woriener Schloss erbauen ließ – heißt der Kunstgärtner Christian Schmidt. Er ist verheiratet mit Anna Gegner, einer Schwester meines Urgroßvaters 6. Grades Christoph Gegner.

Wie wurde man zu dieser Zeit Kunstgärtner?

Ich konnte bei meiner Recherche einige Antworten finden – u.a. in einem von der Uni Dresden veröffentlichter Vortrag (leider wird kein Name angegeben). Darin heißt es: „Eine freie Berufswahl gab es im 18. Jahrhundert zwar, doch ließen rechtliche und wirtschaftliche Beschränkungen es ratsam erscheinen, in vorgegebene Fußstapfen zu treten. So sah man. Fachwissen, aber auch vererbtes Arbeitsgerät bereits als Grundkapital an, mit dem man eine Stellung zu erlangen hoffte oder sich behaupten konnte. Das strenge Weitervererben von Vater auf Sohn war jedoch nicht unbedingt die Regel“. Es konnten auch andere Familienmitglieder sein, die nachfolgten. So ist es auch bei meinen ‚Kunstgärtner-Vorfahren“ in Worienen.

Anmerkung: So ganz frei ist die Berufswahl damals nicht – zumindest nicht für GutsUntertanen, die gern einen Beruf außerhalb des Gutsbezirks ergreifen möchten. Sie benötigen zunächst einmal Freibrief ihres Gutsherrn, um den Gutsbezirk überhaupt verlassen zu können. Hier zwei Beispiele!

Vermutlich hätte Christian Schmidt einen seiner Söhne als Nachfolger angelernt, doch diese sind noch zu jung, als er sein Amt beendet und Arrendator der Begüterung wird. Zunächst erhält deshalb ein Auswärtiger seine Stelle: Christoph Scheldehnen, der sich jedoch nur einige Jahre in Worienen aufhält. Anschließend übernimmt Christians Neffe Michael Gegner – mein Urgroßvater 5. Grades (Sohn des zuvor genannten Christoph Gegner) – die Aufgabe des Kunstgärtners. Sicherlich wurde er von seinem Onkel ausgebildet.

„Die Inhalte des damaligen Ausbildung im 18. Jahrhundert entsprachen den einzelnen Tätigkeitbereichen im Garten: neben dem Lustgarten gab es den geringer geschätzten Küchengarten, die Orangerie und den Baumgarten„. (Uni Dresden)

Die Anforderungen an einen Kunstgärtner sind vielfältig: sie müssen gut lesen, rechnen und zeichnen können, sich botanisches Fachwissen, Techniken der Gartengestaltung und Pflanzenpflege aneignen und sich mit Schnitttechniken, Düngung, Schädlingsbekämpfung und der Bodenbearbeitung auskennen, um die Pflanzengesundheit zu garantieren. Zudem benötigen sie handwerkliches Geschick.

Eine Orangerie gab es übrigens auch in Worienen – und ein Haus für Pfauen!

Auszug aus den Grundakten: „Die Orangerie nebst dem massiven Wohnhause des Gärtners und dem massiven Pfauen Hause ist von dem jetzigen Besitzer Ludwig Friedrich von Domhardt erbauet und dagegen das alte ganz untaugliche Orangerie-Gebäude im obern theile des Gartens, zu neuem Garten-Hause mit einem Salon und zwey Stuben eingerichtet.“

Nach Michael Gegner, der bei der Eheschließung seiner jüngsten Tochter als „Kunst erfahrener Gartenierer“ bezeichnet wird, folgt zunächst für einige Jahre (von 1767-1770) Johann Christian Krafft, der zuvor Landreiter des Amts Allenstein war. Das scheint eine Notlösung gewesen zu sein – Michaels Sohn Gottlieb (* 1751 in Worienen), der von seinem Vater angelernt wurde und dessen Stelle übernehmen soll, ist vermutlich noch abwesend. Wie in einigen anderen Berufen, war es auch in diesem Bereich üblich, dass man im Anschluss an die Ausbildung auf Wanderschaft ging. ‚Diese sollte so lange fortgesetzt werden, bis sich eine feste Stelle bot‘. (TU Dresden)

Für seine Wanderschaft spricht, dass Gottlieb Gegner 1788 in der Kirche von Tharau einen unehelichen Sohn Gottlieb taufen lässt, der am 17. März des Jahres von Christina Schmidtke, einer Tochter des damaligen Hofmanns von Braxeinswalde geboren wurde.

Der Beruf des Kunstgärtners scheint ziemlich angesehen gewesen zu sein. Ursula Gräfin zu Dohna führt in ihrem Buch „Gärten und Parks in Ostpreußen. 400 Jahre Gartenkunst“ ein Beispiel für den Lohnanstieg in diesem Metier an. Sie bezieht sich dabei auf das Dönhoff-Gut Friedrichstein: während dort ein Administrator im Jahre 1715 120 Gulden und 1795 532 Gulden, ein Schreiber 1715 100 Gulden und 1795 240 Gulden erhält, verdient der dortige Gärtenierer im Jahr 1715 60 Gulden – im Jahr 1795 jedoch bereits 300 Gulden. Er ist also derjenige, dessen Lohn prozentual am meisten gestiegen ist.

So viel wurde in Worienen zu dieser Zeit allerdings nicht verdient, wenn man den in den Gusakten angegebenen Tageslohn von 6 Gulden auf einen Monat hochrechnet!

Gottlieb Gegner kehrt nach Worienen zurück und bis etwa 1799 findet man ihn hier als Gärtenierer. Dann verlässt er den Gutsbezirk und wird Kunstgärtner in Gerdauen.

Abel Grimmer Die vier Jahreszeiten

Der zu Beginn erwähnte Gang durch den Woriener Gutspark von Pastor Puttlich findet zu Gottliebs Zeit statt. Puttlich berichtet: „Es giebt viele ausländische Bäume darin als die nordamerikanische Fichte, als die virginische Pappel, der Lerchenbaum, Cypressenbaum, mehrere Akazienarten u. s. w., die zum Theil aber bey dem letzten späten Frost etwas gelitten haben. Außer dem …. größeren Teiche, woran der Garten linker Seite grenzt, enthält er in seinem Innern noch zwey andere kleinere Teiche mit Fischen, davon einer mit einem schönen weißen Geländer umgeben ist, dann kommt man im Laubdunkel zu einer von Feldsteinen eingeschlossenen Samaritäne oder zu einem Quellbrunnen, woran ein Sitz von Wurzeln u. Aesten ist. ….

Den großen Garten zieren noch Pfauen, deren 20 seyn sollen u. die hier ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, denn man begegnet sie fast auf allen Pfaden“.‚ ….. Weiter beschreibt er: ‚Nun durchkreutzen sich krumme Pfade durch das wilde Gebüsch von allerley einheimischen Holzarten. Auf der rechten Seite im Garten neben dem einen Teiche findet man die vielen Mistbeete u. einen Treibkasten, worin viele Ananaspflanzen in Töpfen stehen. Achtzehn davon trugen schon Frucht. Hinter diesem Platz kommt der Blumenflor, in dessen Mitte eine steinerne Sonnenuhr steht‘.

Puttlich erwähnt auch ‚das große Gewächshaus von 27 großen Fenstern, worin man eine schöne Orangerie u. seltne Blumenstauden u. Gewächse findet‘.

Zur Gestaltung und Anlage all dieser Elemente leisteten meine Ahnen in Worienen einen bedeutenden Beitrag – ein schönes Gefühl! Laut Johann Georg Estor trugen sie dadurch zur Lustbarkeit‚ und Ergötzung ihrer Mitmenschen bei!

Unter den Menschen sind viele, welche nicht allein nützlich sind, sondern auch zum vergnügen dinen; teils gibet es solche personen, welche zur menschlichen lustbarkeit und ergözung allein vorträglich sind. Dahin gehören die baumeister, maler, mechanici, musici, trompeter, musicanten, dichter, operisten, bild- und steinhauer, kupferstecher, bild- und statuen-giesser, garten-ingenieur, kunstgärtner, feuerwerker etc.

Gottliebs älterer Bruder Johann Christian Gegner wird ebenso Kunstgärtner – er verlässt jedoch den Gutsbezirk und man findet ihn 1784 als Gärtenierer und Krüger in Devau und 1787 als Gärtenierer auf dem Königsberger Sackheim – aber das ist eine andere Geschichte ….

Nachfolger in Worienen wird nach Gottlieb Gegners Abzug der Gärtenierer Carl Wilhelm Schmidt. Erstaunlicherweise ist auch er mein direkter Vorfahre aus einer anderen Ahnenlinie. Er stammt aus Kapsitten im Kirchspiel Domnau, ist verheiratet mit Anna Louise Tugendreich Reissmann, der jüngsten Tochter des damaligen Woriener Jägers und übt den Beruf des Kunstgärtners in Worienen bis zu seinem Tod im Jahre 1829 aus.

Auch in der nachfolgenden Gegner-Generation gibt es wiederum einen Kunstgärtner: der 1785 in Eichhorn geborene Enkel von Michael Gegner – Sohn meines Urgroßvaters 3. Grades Wilhelm Gegner. Er wurde in Bartenstein ausgebildet und wanderte nach Dänemark aus. Näheres kann man hier nachlesen: Von Ostpreußen nach Dänemark

Einige Gedanken des Gartentheoretikers Christian Cay Lorenz Hirschfeld aus seinen Büchern zur ‚Theorie der Gartenkunst‚ zum Beruf des Kunstgärtners oder ‚Gartenkünstlers‚ – wie er ihn nennt:

‚Der Gartenkünstler, der glücklich arbeiten will, muss einen Reichthum von ländlichen Ideen besitzen; und diese erlangt er nur durch eine genaue und anhaltenden Beobachtung der Natur. Er muss nicht nur eine ausgebreitete Kenntniß der verschiedenen Lagen, Gegenstände und Charaktere in der Landschaft haben, sondern auch mit allen den Wirkungen vertraut seyn, welche diese Lagen, Gegenstände und Charaktere sowohl einzeln, als auch in den unendlich mannigfaltigen Zusammensetzungen, worin sie geordnet werden können, auf die menschliche Seele haben‘.

Ein Garten ’soll die Wohnung der Erquickung nach dem Kummer, der Ruhe aller Leidenschaften, der Erholung von der Mühe, der heitersten Beschäftigung des Menschen seyn‘.

Die Gartenkunst ‚giebt ein längeres und dauerhafteres Vergnügen als Statuten, Gemälde und Gebäude; denn ein Garten erhält duch den Fortgang des Wachsthums, durch die Veränderungen der Jahreszeiten und der Witterung, durch die Bewegungen der Wolken und des Wassers, duch die Dazwischenkunft der Vögel und Insekten, durch tausend kleine Zufälligkeiten bey Gegenden und Aussichten – immer eine Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, die weder an Belustigung leer werden, noch ermüden‘.

‚Durch die Mischung von Ebenen, Anhöhungen und Vertiefungen bewirkt die Natur eine reizenden Mannigfaltigkeit in der Landschaft; der Gartenkünstler soll hier ihrem Beispiel folgen und keine von diesen Hauptbeschaffenheiten des Erdbodens vernachläßigen‘.

Hirschfeld erwähnt auch das Anbringen von Schildern in Gärten und bemerkt:

“Sie unterhalten in der Einsamkeit, beleben die Einbildungskraft und wecken die Empfindsamkeit‚ … Zum klugen Gebrauch der Inschriften gehört, dass sie … in einem Garten nur überaus sparsam angebracht werden. … Ein Gartenkünstler, der überall, wo man ruhen will, zum Lesen auffordert, der jede Bank, jedes Beet mit einer Inschrift bekleckt, ist ebenso unerträglich als ein dreister Schwätzer‚.

Auch in meinem Oldenburger Garten hängt übrigens ein ‚Täfelchen‘ – aber das hätten meine Kunstgärtner-Vorfahren wohl nicht aufgehängt 🙂

Falls sich jemand für Gartengeschichte interessieren sollte – hier findet man eine Zusammenstellung interessanter Literatur!

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Über Ernst und Hertha Grudde in Beisleiden, Pr. Eylau

Im Sommer 2004 fuhren meine Freundin und ich bei unserer ersten ‚Ostpreußen-Erkundung‚ unmittelbar am Gut Beisleiden (heute Bezledy) vorbei – es liegt nicht weit entfernt vom Grenzübergang in den russischen Teil des ehemaligen Kreises Preußisch Eylau.

Seit 1801 ist das Gut Beisleiden im Besitz der Familie von Oldenburg – erster Besitzer der Familie ist der Generallandschaftsrat Ludwig von Oldenburg (1778–1843), später erster Landrat des Kreises Preußisch Eylau. Sein Sohn Botho von Oldenburg erbt das Gut mit sämtlichen Vorwerken von seinem Vater. Bis 1945 bleibt der Besitz in der Familie von Oldenburg, über die man in einschlägiger Literatur reichlich viele Informationen findet. Ich möchte ein wenig über das Ehepaar Grudde berichten, das mit dem Gut Beisleiden ebenfalls eng verbunden war ….

Ab 1907 wird das Gut von Ernst Grudde bewirtschaftet. Als Oberinspektor bzw. Administrator der Begüterung ist er verantwortlich für die organisatorische und wirtschaftliche Führung, um den reibungslosen Betrieb der Begüterung mit den dazugehörigen Gütern und Vorwerken Perguschen, Glamslack, Sardienen, Stilgen, Bothoswalde, Klein Wolla und der Ziegelei Bekarten. sicherzustellen – in Mollwitten wird dieses Amt gleichzeitig von Arthur Karl Ankermann ausgeübt (geboren am 25.9,1885 in Domtau als Sohn von Carl August Ankermann und Auguste Maria Rehberg – von 1907 bis zu seinem Tod Oberinspektor in Mollwitten).

Niekammers Güteradressbuch von 1932
Das Gut Beisleiden (Quelle: Bildarchiv Ostpreußen)

Nicht weit entfernt – auf Gut Perscheln – lebt Familie von Berg. Der letzte Besitzer des Guts ist Botho von Berg (1903-1983), der auch als Schriftsteller bekannt wurde. Er hält sich oft bei den ‚Nachbarn‘ in Beisleiden auf und lernt auch das Ehepaar Gudde kennen. Botho von Berg berichtet: ‚Grudde regiert die achttausend Morgen Begüterung der Familie von Oldenburg ….Grudde, riesig von Wuchs, alterfahrener Landwirt, ist die Seele der Gegend. Ohne Grudde geht es nicht. Man hat Respekt vor ihm und seinen gewaltigen Hunden, vom kleinsten Scharwerken bis zur gnädigen Frau. Was Grudde sagt, gilt. Was er anfasst, fühlt sich festgehalten. … Grudde verkörpert die Einheit von Landmann und Boden. Er wirtschaftete stets extensiv, sparsam. Er riskierte nichts. … Grudde war vorbildlich im Umgang mit den Gutsleuten, ein auf Ordnung haltender vorbildlicher gerechter Vater seiner großen „Familie“. Seine Aktivität begründete sich auf Leistung und Erfolge. Seine Bombenruhe wirkte segensreich‚. (Botho von Berg in ‚Der Zauberapfel aus Perscheln, Februar 1965 im Ostpreußenblatt) )

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen

Der Historiker Emil Johannes Guttzeit erwähnt Ernst Gudde in seinem Artikel ‚In Natangen – Ein Gang durch den Kreis Pr. Eylau‘, der am 25. September 1952 im Ostpreußenblatt veröffentlicht wird und beschreibt eine lustige Situation:

‚Das Gut Beisleiden der Familie von Oldenburg verwaltete Administrator Grudde. Er war von riesiger Gestalt und brauchte Raum um sich. Aus diesem Grunde stieg er jahrzehntelang weder in einen Zug noch in ein Auto. An der Peripherie seines Lebenskreises lagen die Städte Pr.-Eylau und Bartenstein, die er mit seinem Selbstfahrerwagen erreichen konnte. … An einem Vormittag erschien in einem sechssitzigen Auto eine hohe Regierungskommission, die über einen Schulbau zu entscheiden hatte. Nach Beendigung der Amtshandlung schachtelten sich die Beamten etwas mühsam in das Innere des Autos ein. Da konnte sich Administrator Gudde nicht enthalten, mit herzlichem Bedauern zu sagen: „Mein Gott, sind das kleine Verhältnisse!“

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen – vermutlich um 1907 in Beisleiden

Während sich Ernst Gudde um die Bewirtschaftung von Beisleiden kümmert, verbringt seine Ehefrau Hertha viel Zeit mit den Landarbeiterinnen und Tagelöhnern des Guts. Sie hört ihnen zu und sammelt unermüdlich alte Sagen, Märchen und Erzählungen.

Auf diesen Bild ist sie sitzend – gemeinsam mit einer anderen Dame – in der Spinnstube von Beisleiden zu sehen.

Botho von Berg sagt über sie: ‚Frau Hertha Grudde wirkt in der Stille. Aus dem bescheidenen Beamtenhaus im Schatten des recht stillos verbauten Gutshauses – manche sagen „Schloss“ – strahlt Kultur. Man sieht Frau Grudde kaum, aber man spürt ihr Wirken‚.

Prof. Dr. Walter Ziesemer, der 1925 an der Königsberger Albertus Unviversität das ‚Institut für Heimatforschung‚ gründet und dessen Mitarbeiterin sie wird, beschreibt ihre Vorgehensweise sehr anschaulich: ‚Wie und wo wurden nun die Märchen ausgeschrieben? Gelegentlich geschah es gleich nach Diktat oder aber erst in eine Kladde, denn die Erzähler sprechen langsamer oder schneller, je nachdem sie Zeit haben oder eine leichtere oder schwerere Arbeit verrichten, wenn sie zur Vesper kommen, langsam und bedächtig essen und trinken, dann geht das Erzählen auch ungezwungen langsam vor sich. Dann konnten die Märchen gleich wie nach Diktat getreu nachgeschrieben werden. Bei schnellem Erzählen wurden die Stichworte in die Kladde notiert, die Kladden aber stets am gleichen Tage abgeschrieben, so daß eine völlig getreue Wiedergabe gesichert ist.

Geschrieben wurde im Eßzimmer, in der Küche und im Keller, während die Frauen arbeiteten, im Garten beim Obstpflücken, auf dem Holzhaufen vor dem Haus, auf den Futter­kästen im Stall, auf Wagendeichseln zwischen Brettern und Baum­stämmen auf dem Hof, imStraßengraben der Landstraße, in Arbeiter­stübchen und Gärtchen, wenn gesponnen, gestrickt und geflickt wurde.

Auf die angegebene Art sind in dem kleinen Beisleiden allein über 300 Volksmärchen gesammelt und ausgezeichnet worden‘.


Hertha Grudde erzählt selbst: „Mein Weg zu den „Plattdeutschen Volksmärchen” war ein weiter. Die Erfüllung der beiden grössten Vorbedingungen hierzu lag in meiner Kinderzeit. Ich bin auf dem Gut meines Vaters, das etwa 18 km. von Beisleiden entfernt lag, aufgewachsen und habe dort, im Spiel mit den gleichaltrigen Arbeiterkindern, den plattdeutschen, süd-natangischen Dialekt, genau so wie er in Beisleiden gesprochen wird, vollständig beherrschen gelernt. ….

Hertha Grudde, geb. Hellbarth, verbringt ihre Kinder– und Jugendzeit auf dem väterlichen Gut in Roschenen, unweit von Schippenbeil.

….Ebenso wesentlich wurde für meine späteren, volkskundlichen Sammlungen das Wissen darum, wie man dem sich stets verschieden äußernden und doch ewig gleichbleibenden Misstrauen der Arbeiter gegen die Herrenkaste begegnet. Auch hierin waren die Arbeiterkinder meine Lehrmeister.

„Unbedingtes Worthalten, Wahrheitsliebe, absolute Höflichkeit verbunden mit sehr ruhiger Freundlichkeit und doch Innehalten der Schranken, die sie einem als social anders gestellten Menschen zuweisen”, gehören dazu.

Ich habe mein Verhalten danach gerichtet und zugleich auch nie die bei unseren natangischen Arbeitern geltenden, von den üblichen oft so abweichenden Höflichkeitsregeln vergessen„.

Beisleiden wurde um den 2. Februar 1945 von der ‚Roten Armee‚ besetzt. Die Bewohner begaben sich auf die Flucht. Noch 1958 wird in einer Ausgabe des Ostpreußenblatts um Auskunft über den Verbleib von Ernst und Hertha Grudde gebeten – inzwischen weiß man, dass beide im Februar 1945 in Pillau (bzw. in der Nähe von Pillau) verstarben.

Ostpreußenblatt 8.6. 1996

Einige genealogische Informationen:

zu Familie Grudde: Ernst Albert Rudolf Grudde *7.3.1878 in Gallingen als Sohn des dortigen Mühlenbesitzers Carl Ludwig Grudde und dessen Ehefrau Amalie geb. Schiemann – Eltern von Carl Ludwig Grudde: Johann Christian Grudde *1782 in Falkenau, köllmischer Gutsbesitzer in Falkenau u. Catharina Elisabeth Fleischer – seine Eltern: Johann Gottfried Grudde, Köllmer u. Schulz in Falkenau u. Anna Lovisa Erdmann

zu Familie Hellbarth: Hertha Hellbarth *4.12.1885 in Tengutten als Tochter von William Albert Hellbardt *7.7.1858 in Roschenen u. Katharina Henriette Elisabeth von Lentzke *um 1866 in Voigtshof b. Seeburg (2 unverehelichte Schwestern von Hertha Gudde, geb. Hellbarth verstarben 1978 und 1979 in Berlin) – seine Eltern: Friedrich Gustav Hellbardt, Gutsbesitzer in Roschenen u. Josephine Laura Mojaen *5.1.1832 in Schippenbeil, Mühle Mojaen (in der Sterbeeurkunde des Sohnes Robert Hellbarth ist angegeben, dass diese in Florenz verstarb) – Schwester Maria Alice Hellbardt *1.7.1853 in Roschenen oo den aus Bremerhaven stammenden Werftbesitzer u. Reeder Wilhelm Heinrich Rickmers (1844-1891) – Eltern von Josephine Laura Mojaen: Johann Mojaen, Gutsmühlenbesitzer in Schippenbeil u. Juliane Charlotte Sylla –

Eltern von Katharina Henriette Elisabeth von Lentzke – also Hertha Guddes Großeltern mütterlicherseits – sind: Hermann Ferdinand Ernst von Lentzke, Amtmann zu Voigtshof bei Seeburg, später Domänenpächter in Klein Upalten, Kr. Lötzen u. Martha Margarethe Hedwig Gregorie *17.6.1846 in Schippenbeil – deren Eltern: Ferdinand Theodor Gregorie (1806-1874) u. Friederike Johanne Sylla (1802-1875).

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Genealogie als Heilmittel …

Dieser Beitrag fällt ein wenig aus dem Rahmen – er ist sehr persönlich.

Nachdem mir vor vielen Jahren das von Pfarrer Johannes Hoehne 1909 veröffentlichte kleine Büchlein ‚Das Amt Pr. Eylau um 1600 unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Kl. Dexen‚ in die Hände gefallen war, habe ich bereits einen kurzen Bericht geschrieben, der die Überschrift trägt ‚Genealogie als Heilmittel gegen Unzufriedenheit‚. Der Titel bezog sich auf das Vorwort von Pfarrer Hoehne, der als Heilmittel empfiehlt, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Die Beschäftigung mit der ‚alten, guten Zeit‚ könne bewirken, die eigene Unzufriedenheit abzulegen, behauptet er.

Pfarrer Hoehne hat Recht! Taucht man näher ein in die Vergangenheit, erkennt man schnell, dass es absolut keine guten, alten Zeiten waren, in denen unsere Vorfahren lebten – ganz egal in welchen Regionen sie ansässig waren. Bei näherer Beschäftigung mit den Lebensumständen der Vorfahren fragt man sich ab und zu, wie es überhaupt möglich war, dass es einigen von ihnen gelang, derart viele Krisen, Krankheiten und Widrigkeiten zu bewältigen und zu überleben.

Bei mir selbst hatte die Beschäftigung mit der Ahnenforschung noch weitergehende Auswirkungen. Sie war nicht nur ein Heilmittel gegen Unzufriedenheit.

Als ich vor mehr als 30 Jahren mit meinen genealogischen Forschungen begann, befand ich mich in einer schwierigen Lebenssitutaion. Nach einer Reihe von Schicksalsschlägen litt ich unter Angst- und Panikattacken. Ich musste meinen Beruf aufgeben und und war viele Jahre lang nicht in der Lage, das Haus zu verlassen.

In dieser Zeit, begann ich, mich intensiv in die Ahnenforschung zu stürzen – zunächst nur von zu Hause aus. 1995 startete der Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen) die ersten deutschen genealogischen Mailinglisten – schon damals war also ein Austausch mit anderen Forschern möglich. Ansonsten erhielt ich Informationen über Briefkontakte oder Telefonate – jeder kleine Fortschritt löste riesengroße Freude aus.

Durch die Anforderung der Heiratsurkunde meiner Großeltern erfuhr ich erstmals, dass mein Großvater väterlicherseits aus Ostpreußen stammt – dies war der Anlass, mich der Geschichte seines Geburtsorts Landsberg im Kreis Preußisch Eylau und der Geschichte Ostpreußens zu beschäftigen. Ich erinnere mich noch an den Tag, als mir ein amerikanischer Forscherkollege, der Zugang hatte zu den Kirchenbüchern dieser Region, die ersten Auszüge aus dem Landsberger Kirchenbuch zusandte. Ich war damals so dankbar und überwältigt, dass ich ihm einen Blumenstrauß in die USA schickte!

Das waren die Anfänge. Nach und nach wollte ich mehr und schaffte es schließlich, selbst in der Forschungsstelle der Mormonen zu recherchieren, Archive zu besuchen und sogar verschiedene Regionen zu erkunden, in denen meine Ahnen ehemals lebten – auch die Heimat meiner ostpreußischen Vorfahren.

Ich bin davon überzeugt, dass die Beschäftigung mit der Ahnenforschung – neben einer Reihe von Therapien – für mich ein wirkliches ‚Heilmittel‘ war. Sie hat dazu geführt, dass ich in eine ganz andere Welt eintauchen konnte, andere Perspektiven wahr- und einnahm und dass sich meine persönliche Situation dadurch relativierte.

Sport, Musik oder Kunst können sicherlich Ähnliches bewirken – aber vielleicht gibt es außer mir noch einige andere, die das ‚Abenteuer Ahnenforschung‚ als ‚Heilmittel‚ erleben – nicht nur gegen Unzufriedenheit …. !? Vielleicht kann ich auch einige dazu animieren, es auszuprobieren ….?

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Mein Opa – der „Rennfahrer“

Meinen ostpreußischen Großvater Carl Ludwig Gegner habe ich nie kennengelernt. Er starb im Alter von nur 29 Jahren. Ich freue mich deshalb über jeden kleinen Hinweis auf sein Leben, der ihn mir ein wenig näher bringt ….

Carl Ludwig hatte nur wenig Zeit, um seinen Nachkommen persönliche Erinnerungen zu hinterlassen. Außer zwei Fotos gibt es noch seine Unterschrift, die er 1911 bei der Geburt meines Vaters im Standesamt leistet:

Aber dann ist da noch dieser Pokal, der mich seit meiner Kinderzeit begleitet und belegt, dass mein ostpreußischer Großvater nicht nur Maschinenschlosser und Soldat war – sondern auch Radrennfahrer!

Ich wusste zwar, dass dieser Pokal von meinem Opa stammt und dass er ihn 1906 bei einem Radrennen gewonnen hatte. Ich kannte die Inschrift – aber keinerlei Geschichte ‚dahinter‘. Nun habe ich beim Stöbern in alten Zeitschriften mehr erfahren …

Carl Ludwig Gegner war Mitglied des Blumenthaler Radfahrvereins Germania‚ und nahm als solcher auch an Fernfahrten teil, die von Zeit zu Zeit gegen andere RadsportVereine ausgetragen wurden.

Am 8. September 1906 erscheint in der Oldenburger Zeitung ‚Nachrichten für Stadt und Land‘ folgende Ankündigung: „Für die am nächsten Sonntag zu veranstaltende Fernfahrt über 250 Kilometer sind ca. 20 Nennungen eingegangen, so daß die Fahrt unbedingt stattfinden wird. …. Unter den Gemeldeten befinden sich die besten Straßenfahrer des Gaus aus Bremen, Oldenburg (R.-V. „Germania“ stellt 7 Fahrer), Zwischenahn, Blumenthal usw. …“

Einer dieser „besten Straßenfahrer“ war mein Opa! Bei genau dieser Fernfahrt am 15. September 1906 erreichte er als Zweiter das Ziel und gewann den obigen Pokal! Nach der Fahrt erscheint dieser Artikel:

Darin heißt es: „Die Fahrer mussten folgende Strecke zurücklegen: Bremen, Oldenburg, Varel, Wittmund, Aurich, Hesel, Wiefelstede, Oldenburg, Bremen. Oldenburg passierten die Fahrer zum ersten Male um 7 Uhr 10 Min(uten) und auf der Rückfahrt um 2 1/4 Uhr. Die Fahrer wurden in Oldenburg vom Radfahrerverein von 1884 und vom Radfahrerverein Osternburg geführt, um zu vermeiden, daß innerhalb der Stadt ein zu schnelles Tempo innegehalten wurde. ….

Folgende Herren gingen als Sieger aus der Wettfahrt hervor:

Die Fahrer kamen in bester Gesundheit am Ziel an“.


Wer mehr über die Bremer Fahrradgeschichte vor dem 1. Weltkrieg erfahren möchte, dem sei der Text von Florian Nikolaus Reiß empfohlen, der 2015 im Bremischen Jahrbuch Band 94. veröffentlicht wurde:

Einige Auszüge daraus:

  • Besonders in den frühen Jahren, als das Fahrrad anfing, ein allgemeines Verkehrsmittel zu werden, zeigte die Stadt Bremen eine erstaunliche Offenheit und kreative Bereitschaft, das neue Verkehrsmittel auf ihren Straßen und Wegen zu integrieren .
  • Aus der hölzernen Michauline entwickelte sich das stählerne Hochrad. …. Das Hochrad erlaubte seinen Fahrern, sich mit den Reitern auf Augenhöhe fortzubewegen .
  • Es wird erzählt, dass Engländer und Amerikaner aus ihrer Heimat Fahrräder mitbrachten und damit in Bremen spazieren fuhren. Bremer Kaufmannsöhne eiferten ihnen nach, indem sie sich ebenfalls ein solches Sportgerät zulegten. Bald gab es so viele Radfahrer in der Stadt , dass sich unter ihnen ein Verein bildete. 1881 entstand der Bremer Bicycle-Club.
  • 1884 wird eine neue Fahrradordnung erlassen. Das Befahren der Fußwege wurde nun erlaubt, allerdings nur für Radfahrer, die fahren konnten. Mit dieser Regelung war Bremen damals sehr fortschrittlich, denn es gab nicht viele Städte, die Radfahrer auf den Fußwegen duldeten. Es wurde eine Fahrprüfung eingeführt. Hatte man sie bestanden, konnte man für wenig Geld einen Erlaubnisschein und ein Nummernschild erwerben .
  • Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit des Vereinswesens, und so schossen die Radfahrvereine wie Pilze aus dem Boden. Allein in Bremen gab es an der Schwelle zum 20. Jahrhundert über ein Dutzend.
  • Wichtigste Interessenvertretung der Radfahrer wurde nach 1884 der Deutsche Radfahrerbund.
  • Zehn Radfahr-Ordnungen erließ Bremen zwischen 1884 und 1908. 1887 wurden die Bedingungen, unter denen das Befahren der Fußwege im Bürgerpark gestattet worden war (Erlaubniskarte und Nummernschild, auf alle freigegebenen Fußwege ausgedehnt .
  • Anfang der 1890er Jahre ersetzte die Bremer Polizeidirektion das Wort Velociped durch Fahrrad.
  • Dem ersten Bundestreffen 1897 verdankte Bremen seine ersten Radwege. Im Vorfeld dieses Ereignisses veranstalteten Bremens Radfahrer eine Geldsammlung zur Anlage von Radwegen. 5000 Mark kamen damals zusammen. Davon entstanden im Bürgerpark mehrere Radwege.
  • In den folgenden Jahren wurden Radwege in der Mitte der Straße angelegt. Solche Radwege sind noch heute im Steintorviertel in einigen Straßen vorhanden , sie dürften zu den ältesten noch erhaltenen Radwegen Deutschlands gehören .
  • Die Radrennbahn an der Schleifmühle wird errichtet
  • Am 7. Juni 1885 konnte das erste Rennen unter großer Anteilnahme des Publikums abgehalten werden . Die 1200 Sitz – und Stehplätze auf der Tribüne waren vollständig ausverkauft .
  • Eine Disziplin des Radsports war das Reigenfahren, das heute kaum noch bekannt ist. Es gab Meisterschaften im Hoch – und im Niederrad-Reigen. Bremen besaß damals eine der besten Reigenmannschaften Deutschlands. ….

Das Fahrradgeschäft boomt! Viele Geschäftsleute wittern gute Umsätze und werben für Räder und Zubehör. Ständig werden technische Neuerungen angeboten und die Firma Maggi empfiehlt ihre Bouillon-Kapseln als ‚besonders geeignet für Radfahrer!‘


Auch in Oldenburg existierte eine Halle, in der u.a. Radsport-Veranstaltungen stattfanden: die Rudelsburg! Sie befand sich ganz in meiner Nähe an der Ecke Westerstraße/Ofener Straße. Vermutlich hat mein Großvater auch in der Rudelsburg geradelt, denn beim dortigen Radsport-Saalfest erbrachte der Blumenthaler Verein Germania 1907 wiederum gute Leistungen!

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Familie Kischke in Landsberg, Pr. Eylau

In der Mitte des 19. Jahrhunderts leben in der Geburtstadt meines Großvaters Carl Ludwig Gegner – der ostpreußischen Stadt Landsberg im Kreis Pr. Eylau – zwei Kischke-Brüder, die ursprünglich aus Labiau stammen: Johann Daniel Abrecht und Johann Gottlob Lebrecht Theodor Kischke. Dies sind ihre Taufeinträge aus dem Kirchenbuch von Labiau.

KB Labiau – Taufeinträge der Kischke-Brüder: 1787 und 1789

Ihr Vater Johann Jacob Kischke (zeitweise Kiszke geschrieben) ist Großbürger, Gewürzhändler u. Ratsverwandter in Labiau – ihre Mutter Heinriette Lebrecht Schulz ist seine 2. Ehefrau, die er nur wenige Monate nach dem Tod der ersten Gattin (Sophia Dorothea (Bülowius) Bylovius – + Mai 1786) am 6.9.1786 in der Königsberger Junkergasse, im Haus des Herrn Kressing, geheiratet hatte.

KB Königsberg Löbenicht 1786 – Heiratseintrag

Sohn Johann Daniel Albrecht Kischke kommt am 21. September 1787 in Labiau zur Welt. Er ist 23 Jahre alt, als er am 3. Oktober 1810 in Landsberg mit Barbara Gertrude Neumann die Ehe schließt.

Barbara Getrude Neumann – die jüngste Tochter des Zintener Großbürgers und Kürschnermeisters Johann Jacob Neumann und dessen Ehefrau Suanne Busau – war bereits zweimal verheiratet. Ihre erste Heirat findet 1805 in Landsberg mit Johann Siemon Brusewitz statt, dortigem Großbürger, Brandtweinbrenner u. Schmiedemeister, der jedoch bereits wenige Monate nach der Eheschließung verstirbt. Ihr zweiter Ehemann wird Johann Jacob Aglester, der 1780 als Sohn des Mühlenmeisters Friedrich Aglester und dessen Ehefrau Maria Elisabeth Braxein in Gr0ß Peisten das Licht der Welt erblickte. Hier besteht eine Verbindung zu meinen eigenen Vorfahren, denn Maria Elisabeth Braxein ist eine Tochter aus der 1. Ehe meiner Vorfahrin Dorothea Reuter aus Pompicken ….

Johann Daniel Albrecht Kischke lebt zunächst als Bürger und Brandweinbrenner in Landsberg – 1815 wird er als Ratsmann genannt – am 17.12. 1819 erstmals als Landsberger Bürgermeister vereidigt. Dieses Amt übt er zunächst für 6 Jahre aus.

Die Kischke-Familie vergrößert sich. Von 1811 bis 1822 werden in Landsberg 5 Kinder geboren – Tochter Heinriette Susanna Barbara Kischke heiratet 1840 den Bartensteiner Stadtschullehrer Friedrich Gotthard Ranisch – Tochter Julie Jacobine Hedwig Kischke wird 1851 die Ehefrau des Landsberger Kaufmanns Gustav Adolph Moeck – Sohn Johann Friedrich Leberecht wird 1839 als künftiger Mathematiker unter den Studierenden der Königsberger Albertina aufgeführt.

  • 1838 verstirbt Johann Daniel Albrecht Kischkes Ehefrau in Landsberg an Nervenfieber.
  • 1841 wird Kischke für weitere 6 Jahre zum Bürgermeister gewählt.
  • 1842 heiratet er im Alter von 53 Jahren Ernestine Wilhelmine Henriette Seydel aus Petershagen, die Tochter des dortigen Pfarrers Johann Geoorge Seydel.
  • 1846 heißt es in der Landsberger Chronik: ‚Die Frau Bürgermeister Kischke, welcher von hiesiger Behörde die Leitung der Armenpflege anvertraut war, hat sich besonderen Dank hierbei erworben und ist ihr daher ein belobendes Anerkennungsschreiben von der Königlichen Regierung dafür übersandt worden.‘
  • auch 1847 wird Kischke für weitere 6 Jahre zum Bürgermeister gewählt

Besondere Ereignisse zu seiner Amtszeit:

1842 wird in Landsberg ein Königliches Salzmagazin eingerichtet – ab 1843 findet an jedem Feiertag ein Wochenmarkt statt – eine anhaltend nasse Witterung im Jahr 1844 führt zu schlechter Ernte – Missernte auch im folgenden Jahr – zusätzlich sind die Kartoffeln von einer Krankheit befallen – ärmere Bewohner leiden Not und Hunger und müssen unterstützt werden – 1845 begint der Bau der Chaussee von Landsberg nach Pr. Eylau – am 18. Mai 1845 feiert die Schützengilde das 200-jährige Jubelscheiben-Schießen – das alte Rathaus wird abgebrochen, ein Neubau wird begonnen – am 2. Juni 1846 findet auf dem Marktplatz eine große Feier statt, denn der König hat der Bürgerschaft zum Andenken an das Jubiläum der Schützengilde eine neue Fahne geschenkt – 1847 folgt das dritte Notjahr – die Preise der Lebensmittel steigen von Monat zu Monat – der Rathausbau wird beendet – in der Grünwaldschen Vorstadt gerät eine Scheune in Brand, auch zwei nahe stehende Häuser werden ergriffen – eine neue Feuerordnung wird erstellt – die Separation der Felder wird abgeschlossen – im Dezember 1847 ein erneuter Brand: am Damm des Töpferteichs werden 16 Scheunen mit Getreidevorräten vernichtet … (Quelle: Stadtchronik von Landsbberg)

Es folgen weitere unruhige Zeiten …

Um diese Zeit in die Geschichte meiner Familie einordnen zu können, überlege ich, in welcher Situation sich meine dort lebenden Vorfahren befunden haben mögen … Vor allem Friedrich Westphal und seiner Ehefrau Anna Carolina Gutt werden die Notjahre ganz besonders zugesetzt haben. Sie leben unweit von Landsberg entfernt, in der Mühle von Groß Peisten. Als Mühlenbesitzer ist Friedrich auf Getreide angewiesen – wird ihm keines geliefert, ist er arbeitslos. Es wird der Familie nicht gut gegangen sein! Anna Carolina verstirbt im Oktober 1848 in der Mühle an der Cholera Friedrich nur wenige Monate apäter an Entkräftung.

Straßenkämpfe am Alexanderplatz in Berlin im Jahr 1848 während der Deutschen Revolution

Das Jahr 1848 ……

In der Chronik ist zu lesen: 1848 ist ‚ein höchst denkwürdiges Jahr in der Geschichte Preußens. Am 18. März brach in Berlin eine blutige Revolution aus, welche das absolute Königsthum zu Grabe trug, und ein constitutinelles Regiment herstellte. Alle Gemüther waren erregt und da auch hier viel Unruhe war, so musste der Bürgermeister (Kischke) auf die Sicherheit seines Eigenthums bedacht sein; zu diesem Zwecke wurde eine Bürgerwehr organisiert, zu welcher sämtliche rüstige Bürger herangezogen wurden.

Die Schützengilde, mit Büchsen mehrentheils bewaffnet, bildete die erste Compagnie des Bürgerbataillions. Die beiden anderen Compagnien waren mit Bajonettgewehren, welche aus dem Königlichen Arsenal zu Pillau entliehen und mit Lanzen armiert. Commandeur des Bataillions war der Kaufmann Albert Ohlenschlaeger, ein militärisch geübter energischer Mann, welcher – nachdem später die Bürgerwehr aufgelöst wurde – als Commandeur der Schützengilde verblieb.

Es bilden sich hier wie an anderen Orten politische Vereine. Die meisten Bürger, namentlich die intelligenteren Leute, gehören der liberalen Partei an. Wenngleich ein großer Jubel sich darüber kund gab, dass dem Lande eine Verfassung zu Theil geworden, so war das Jahr 1848 doch ein recht trauriges, denn Handel und Gewerbe lagen vollständig darnieder Zu allen den stürmischen Ereignissen dieses Jahre wankte die Treue zum angestammten Herrscherhause durchaus nicht …


Am 2. April 1848 nimmt Bürgermeister Kischke in Berlin an der Sitzung des Landtags teil. (Mit einem Klick auf das Bild sollte man bei dem Buch landen!)

Der Landsberger Chronist bemerkt dazu: ‚Kischke war kein großer Heres in der Politik(,) aber er hatte Ruf … er folgte den Landtags-Debatten und stimmte gewiß verstandesgemäß ab, obgleich er nach seiner Nachhausekunft aus dem Landtage zur Einsicht gekommen war, selbst vor uns bekannte: Es gehöre zu einem Landtags-Abgeordneten doch mehr als ein fließend Schwatzen und das eigene Bekenntnis ehrten wir an dem Manne.

Sonst war Kischke in unserer Stadt nicht gerade eine persona grata. Sein Character war herrisch und intrigant, keinen Bürgermeister litt er neben sich, so den allgemein geliebten Bürgermeister Engelbrecht, ferner den von der Regierung hergeschickten und später gewählten Bürgermeister Albrecht, mit dem Beinamen ‚Krummstiefel‚, bis er selbst Bürgermeister wurde und dann bald als Schwiegersohn des alten Pfarrers Seidel-Petershagen (am 8. Mai 1850) starb…

KB Landsberg 1850 – Sterbeeintrag von Daniel Albert Kischke

Der Chronist schildert zudem dies: ‚Kischke stammte aus den litthauischen Familien Tilsits und Insterburgs her – und er erzählte mir einmal über seine eigene Abstammung folgende Geschichte: Mein Großvater stammt eigentlich aus Kurland (Rußland) her. Als es im vorigen Jahrhundert noch keine Kaufstraßen, Chausseen, gab, ging der Weg von Kurland bis Memel längst dem Ostseestrande – von Memel bis Königsberg sogar über die Kurische Nehrung. Ein paar Tilsiter Kaufleute trafen einmal auf einer ihrer Strandreisen von Kurland nach Memel hin in einem Strandwäldchen einen verirrten 3- oder 4-jährigen Knaben an. Aus diesem Knaben aber war weder Name noch Geburtsort herauszubekommen und alle Mühe, ihn wieder loszuwerden, war vergebens. Daher nahmen sie den Knaben mit nach Tilsit, ließen ihn gut erziehen und gaben ihm den Namen Kischke d.h. aus Litthauisch Hase, weil sie ihn im Walde wie einen Hasen gefunden.

Von diesem an der Ostsee aufgefundenen Knaben wollen nun alle zweibeinigen Kischkes Litthauens abstammen und also unser Bürgermeister Kischke auch‘. (Ob man das glauben kann???)


Auch Johann Gottlob Lebrecht Theodor Kischke – der 1789 in Labiau geborene Bruder des obigen Bürgermeisters – lässt sich in Landsberg nieder. Bei seiner Eheschließung mit Heinriette Busau in Landsberg am 24. Mai 1819 ist er 30 Jahre alt und wird als Bürger und Höker bezeichnet.

‚Kischke, Johann Theodor, Bürger und Höker alhier mit der Jungfer Heinriette Busau, des noch lebenden Bürgers und Schneider Meisters Johann Jacob Busau ehel(ichen) einzigen Tochter …‘

Theodor Kischke hat ein äußerst abenteuerliches Leben hinter sich, als er letztlich in Landsberg landet. Nach seinem Tod (1865) widmet ihm der damalige Pfarrer Westphal eine ganze Seite im Kirchenbuch und berichtet:

KB Landsberg 1865

Der in diesem Todtenbuche, Jahrgang 1865 Seite 281 No 58 aufgeführte Theodor Kischke, war der Sohn eines Apothekers in Labiau. Letzterer wurde wegen seiner Kenntniß der polnischen u. russischen Sprache Bürgermeister in Bialystock, wo der Sohn die Handlung erlernte.

1806 trat derselbe beim Ausbruch des preußischen Krieges gegen Napoleon freiwillig in das Regiment v. Plaetz ein, kam nach Pillau und wurde nach hartneckigem Kampfe auf dem Wege nach Danzig mit vielen seiner Cameraden von den Franzosen gefangen genommen, nach Frankreich transportiert u. hier gezwungen, in französische Dienste zu treten. 1807 marschirte er mit dem 5ten Chassier-Regiment nach Spanien und kam nach Madrid.

Joachim Murat (Wikipedia)

1808 beim Ausbruche des Spanischen Krieges diente er unter dem von Joachim Murat formirten … Regiment und trat mit demselben den Rückzug bis nach Neapel an, wo Murat König wurde. In Neapel blieb er bis 1812. Dann ward er beim Ausbruche des russischen Krieges nach Triest umgeschifft. Von da schloß er sich den österreichischen Truppen an und kam bis Poltava.

Im November erfolgte der Rückmarsch bis nach Galicien, jedoch nur von den Österreichern, sein neapolitanisches Regiment unter Le Grand ging nach Warschau. Hier verließ er die neapolitanischen Truppen u. trat in preußische Dienste, kam nach Breslau und trat in das pommersche Husaren-Regiment ein, machte den ganzen Feldzug mit, kämpfte in den Hauptschlachten, marschirte mit nach Frankreich bis Castre im October 1814, kämpfte 1815 bei Ligny u. Belle Alliance u. kam zum zweiten Mal nach Paris.

Schlacht von Ligny (Wikipedia)

Bei Versailles wurde er stark blessirt, von einem französischen Kaufmann aufgenommen u. verpflegt, dann nach seiner Genesung nach Longvic geschickt u. dem 7ten Dragoner-Regiment beigegeben.

Nach dem Kriege blieb er bis 1817 in Tionville (Thionville) stehen, wurde dann als halber Invalide in die Heimath entlassen, mußte in Halberstadt wegen eines Augenübels ins Lazareth und kam endlich im März 1818 in Königsberg an, wo er entlassen wurde.

Er ließ sich dann hier in Landsberg als Kaufmann nieder, bis er sein Geschäft in späterer Zeit aufgab u. in stiller Zurückgezogenheit lebte bis an seinen Tod. Er sprach 6 Sprachen: deutsch, polnisch, russisch, französisch, spanisch, neapolitanisch, war ein Mann von kirchlichem Sein und starb im Glauben an seinen Erlöser. Westphal, Pfarrer

KB Landsberg – Sterbeeintrag von Theodor Kischke – er wurde 73 Jahre und 7 Monate alt
und war 47 Jahre verheiratet.

Auch Theodor Kischke wird in der Landsberger Chronik erwähnt. Dort heißt es:Theodor Kischke, der hier zuletzt in dem sogenannten Zanderschen (seines Schwiegersohnes) Haus am Markte als Kaufmann lebte, war insofern ein ausgezeichneter Mann, weil er Italienisch, Spanisch und mehrere andere Sprachen sprach, weil er dorten überall als gefangener Soldat gelebt….“

Am Markt Nr. 44 –

Die Verbindung zur Familie des Kaufmanns Zander ist ein wenig merkwürdig …. Die Ehefrau des Landsberger Kaufmanns Friedrich Leopold Zander heißt Ottilie Kischke. Als beide 1842 heiraten, wird als Vater der Braut nicht Theodor Kischke angegeben, sondern Carl Kischke, Steuerrendant in Sensburg …Bei Ottilies zweiter Heirat nach dem Tod von Friedrich Leopold Zander (1866 mit dem Kaufmann Rudolph Streit aus Drengfurth) heißt es, sie sei die Tochter des verstorbenen Kaufmanns Friedrich Kischke gewesen. Im Sterbeeintrag von Theodor Kischke wird unter den ‚Hinterbliebenen‚ lediglich dessen Ehefrau (keine Tochter) genannt – im Sterbeeintrag von Heinriette Kischke, geb. Busau (1869) wird eine hinterlassene Tochter aufgeführt.

In Sensburg lebt zur Zeit der Geburt von Ottilie Kischke der Rendant bzw. Accise-Einnehmer Carl Eheregott (manchmal Fürchtegott) Kischke – Ehefrau: Euphrosine Brachvogel – Kinder: 6.8.1814: Carl August Theodor – 18.3.1822: Amalia Emma Eveline – 6.8. 1828: Emilie Auguste Josephine – eine Tochter namens Ottilie konnte ich nicht finden.


Ich vermute übrigens, dass es sich bei dem folgenden Ehepaar, das um 1810 unter den ‚Brotlosen Offizianten‚ in Königsberg genannt wird, um die Eltern der beiden KischkeBrüder handelt, da der Vater seinen Posten als Bürgermeister in Bialystok nach dem Tilsiter Frieden möglicherweise verlor. Bialystok fiel an Russland und viele preußische Beamte wurden arbeitslos – nicht nur dort.

(Quelle: APG 1938/12)

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Die evangelische Kirche in Heilsberg

Einige meiner Vorfahren, die ursprünglich aus dem Kreis Pr. Eylau stammen und alle evangelisch sind, leben zeitweise im benachbarten Kreis Heilsberg und somit im überwiegend katholischen Ermland. Sie werden in der evangelischen Kirche von Heilsberg getauft, konfirmiert und getraut.

Der Grundstein dieser Kirche wurde im Jahre 1821 gelegt – 1823 wurde sie eingeweiht. Damit ist die Heilsberger Kirche das  erste evangelische Gotteshaus im Ermland.

1864 wird in Heilsberg eine Statistik veröffentlicht, die zu Beginn des Jahre 1863 im ‚Bureau des Königlichen Landrathsamts Heilsberg‚ erstellt wurde. Darin ist zu lesen: ‚Die evangelische Kiche anlangend, so gehören die evangelischen Bewohner des Heilsberger Kreises zu 2 Parochien, dem evangelischen Kirchspiele Heilsberg und dem evangelischen Kirchspiele Guttstadt. Jenes begreift die  in der Stadt Heilsberg und deren Umkreis im Radius von 2 Meilen befindlichen evangelischen Personen, dieses diejenigen, welche in umd um Guttstadt in einen ähnlichen Umkreise wohnen. Einige wenige Bewohner des Kreises gehören auch zum evangelischen Kirchspiel Wormditt.

Die Zahl der Bekenner zu der evangelischen Kirche hat in den letzten Jahren abgenommen, denn es befanden sich im Kreise

  • im Jahre 1858 ………. 3116 und
  • im Jahre 1861 ………. 2874 evangelische Personen, also
  • im Jahre 1861 ……….   242 evangelische Personen weniger.

Von den evangelischen Einwohnern gehören zur Kirche in Heilsberg 1651 Personen und zur Kirche in Guttstadt 1223 Personen. Eine erhebliche Zunahme der Bekenner der katholischen Konfession im Wege der gemischten Ehen ist nicht bemerkbar‘.

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Klassifizierung der Bewohner in Bremen und ‚umzu‘

Ich habe wieder einmal in den Digitalisaten des Staatsarchivs Stade gestöbert ….

Unter diesen befindet sich auch ein dicker Ordner mit folgender Aufschrift: ‚Acta betreffend die von den Quartals Commissarien eingesandten Designationen über die Classifizierung der Einwohner zur Erhebung der Kontribution und Konsumtionsakzise. Die Regierung benötigt Geld und man möchte zuvor wissen, in welchen Vermögensverhältnissen sich die Bewohner befinden.

Viele Seiten sind online schlecht zu entziffern – wenn man sie nach dem Downloaden ein wenig bearbeitet, klappt das Lesen gut!

Am 11. Februar 1710 befiehlt die Regierung in Stade, in sämtlichen untertänigen Dörfern und Orten eine Klassifizierung der Bewohner in drei Vermögensklassen vorzunehmen – nach diesem Schema:

Das Herzogtum Bremen steht noch bis zum Jahr 1719 unter schwedischer Herrschaft – Adressat des Antwortschreibens ist also der König von Schweden.

Die einzelnen Ämter beschreiben ganz genau, wie sie bei der Erfassung der Vermögensverhältnisse und deren Zusammenstellung vorgegangen sind – es wurde je nach Ort ein wenig anders verfahren.

Das Amt Blumenthal erklärt:

damit man nun von einem jeden Zustandt und deßen Vermögen desto gründlicher Nachricht haben möchte; ‚So hat man aus jedem Dorffe zwey Alte und beständige Männer vor der Commission Zu erscheinen Citirt, die man dan An Eydes statt ermahnet, auff desjeniges warumb sie etwa befraget werden möchten, die reine und unbezwingliche Wahrheit auszusagen, worauff man dann zum Wercke selbsten geschritten und die Contributions und Consumptions-Rollen zur Handt genommen, und die Classen darnach gemachet‘.

Die Auflistungen werden in Unterthänigkeit übergeben, mit dem Hinbeyfügen, daß es daselbsten nicht alleine Viele Armsehlige Leuthe gibt, sondern es befinden sich auch darunter viele Häußlinge, die sonsten nichts eigenes haben, alß was sie mit der Handt Täglich alß Taglöhner Verdienen‚ ….

In der Börde Lesum hat man ’nicht auf gantze-halbe Bau oder Kathen allein reflectiret, sondern auf dem itzigen Zustand und gelegenheit, ob Sie in diese Extra-ordinaire Begebenheit einen Vorschub zu thun vermögen oder nicht, die absicht genommen, da bisweilen ein halber Bauermann oder ein vermögender Käther, woll in die Erste, oder andre Classe, dahingegen auch woll ein Bauermann, welcher in schlechten Zusstande stehet, in die andere oder gahr dritte Classe gesetztm, nachdehm man sein Vermögen judiciret‘.

Man trifft sich in der Vorderstube des Wohnhauses von Jost Harbers auf dem Burgdamm!

Protocollum Commissionis
Gehalten auf dem Burgdamm in Jost Harbers Wohnhaus
Vorderstube, den 21. February Anno 1710 wegen Classificrung
der Eingeseßenen, der Böhrde Leesumb, Ritter-
hude und übrigen Freyen Dämme, auch Troupe
undt St. Jürgen.

Die Bevollmächtigten der Börde Scharmbeck senden eine besonders ausführliche Situationsbeschreibung. Sie sind der Meinung, dass die 3 Klassen nicht an allen Orten gleich gesetzt werden können, und ‚dass die Börde Scharmcke, wo nicht die aller geringste im Lande, demnach eine von denen unvermögensten seye, in betracht eine sehr große anzahl leute darin, wie man zu reden pfleget, von der Hand in den Mund lebete, imdem es Handwerker sind von geringer Nahrung, welche nichts zuthun haben, woferne nicht die Bremer arbeiten lassen, wir aber solches, bey generaler abnahme der Nahrung, nicht mehr so, als woll vorhin geschiehet, so folget daraus, dass fast durchgehens die Kinder dieser, und der ihnen gleichenden Leute, das Brod vor sich, und ihre Eltern, vor anderer Leute Tühren suchen, und diese sind doch von dem H. Commissarius durchgehens in die 3. Classe gebracht.

Wie nun der bekante Circulus in der Welt so ist, dass, wann der geringe Mann nichts hat, oder consumiren kan, der auf ihn folgende, auch nichts habe, weil Er keine Nahrung hat, und dan überdehm die Börde Scharmcke durchgehens, einige Jahre her, gar hart, theils durch Mißwachs, Hagelschaden, am aller meisten aber universaliter, im abgewichenen Jahre, durch den darin erlebten harten Frost, und die darauf erfolgte sehr schlechte Ärnte mitgenommen worden, so, dass sie itzo durchgehens das Brod nicht hat;

Es folgt ein wunderschön formulierter Abschluss ….

So stellen wir es lediglich zu Ew. Hochgräfl. Excellenz auch Hochwoll: und Wohlgeb. Gnädig geneigte erwegen, ob und wie, Sie, die armseelige Börde Scharmbcke zu denen bevorstehenden extraordinairen Beytrage consideriren wollen, damit nicht der ordinairen und ordinair-extraordinairen, onera, welche doch aufgebracht werden müßen und sollen, in stocken gerathen.

Nachfolgend einige Resultate der Erhebung aus unterschiedlichen Orten. Es fällt auf, dass insgesamt nur sehr wenige Personen der 1. Vermögensklasse zugeordnet werden und dass diese vor allem in Beckedorf und Neuenkirchen ansässig sind. Von meinen eigenen Vorfahren betrifft dies lediglich Johann Vollers und Dierich Burgwall in Beckedorf!

Ein weiterer Bericht aus der schwedischen Zeit des Herzogtums Bremen:

Nachrichten aus der Burgschanze bei Lesum

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Man lernt nicht nur Verstorbene kennen (2)

Auch Maarten Dietrich Gutt hätte ich ohne die Ahnenforschung wohl nie getroffen. Er wohnt weit entfernt von mir – in der Nähe von Krakau. Viel zu weit!

Wir lernten uns bereits vor mehr als 20 Jahren über unsere Forschung in Natangen kennen. Zusammengeführt hat uns die Suche nach Vorfahren seines Familiennamens: Gutt!

Maarten und ich hatten von Beginn an einen ganz besonderen ‚Draht‘ zueinander. Während seines ersten Besuchs bei mir in Oldenburg saßen wir gemeinsam vor den Lesegeräten in der Forschungsstelle der Mormonen und versuchten, die Einträge in den Kirchenbüchern von Canditten der dort ansässigen Gutt-Familien zu entziffern, die zu meinen Ahnen gehören.

Seitdem haben wir uns mehrfach wiedergesehen – dreimal auch in Polen. Eines unserer Treffen – im November 2005 – war besonders emotional, denn wir besuchten zusammen den ‚Friedhof 116‘ bei Gorlice, einen Soldatenfriedhof in Galizien, auf dem mein ostpreußischer Großvater Carl Ludwig Gegner 1915 bei der sogenannten ‚Durchbruchsschlacht‚ sein Leben verlor. Maarten hatte zuvor herausgefunden, dass er dort bestattet wurde. Einige Jahre später besuchte Maarten meinen Opa dort sogar noch einmal allein.

Maarten besucht meinen Opa auf dem Soldatenfriedhof

Trotz der großen Entfernung haben Maarten und ich einen regen und intensiven Kontakt zueinander. Ob wir an irgendeiner Stelle durch unsere Ahnen miteinander verbunden sind, konnten wir bislang nicht herausfinden – auf jeden Fall sind wir ‚Seelenverwandte‚!

Unsere letzte direkte Begegnung war eine Reise durch Natangen im Sommer 2023 – zusammen mit meinem Sohn. Wir wohnten unmittelbar an der russischen Grenze – in ‚Terra Natangia‚ in Żywkowo.

Von dort aus fuhren wir gemeinsam durch die wunderschöne Landschaft, besuchten u.a. Heilsberg, Landsberg, Bartenstein, Petershagen, Schppenbeil, Rastenburg, Canditten und Worienen, die kleine Kirche in Eichholz, erkundeten den ehemaligen Standort der Mühle meines Ur-Ur-Großvaters auf dem Kohnertsberg bei Landsberg und hatten viel Zeit für intensive Gespräche ….

Hier ein Bericht von unserer Reise: Zurück aus Natangen …

In Heilsberg
Kaffeepause

Dank Maarten gibt es in meinem Natangen-Buch übrigens auch ein Namensregister, das er erstellt hat. Das hätte ich allein nie geschafft!

Mittlerweile ist Maarten ein kompetenter Namensforscher, der die Vorkommnisse des Namens ‚Gutt‚ in allen möglichen Regionen intensiv erarbeitet hat.

Wie schön,

dass es dich gibt, Maartenchen!

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