Emil Gustav Reimer (1871-1959)

Er wollte seine Heimatstadt Landsberg im Kreis Pr. Eylau auf keinen Fall verlassen – weder bei Kriegsbeginn, noch nach Beendigung des Krieges ….

Emil Gustav Reimer kommt am 24.11.1871 in Landsberg als Sohn des gleichnamigen Schlossermeisters und dessen Ehefrau Heinriette Squarr zur Welt. Wie vor ihm schon sein Vater, so wird auch Emil Reimer Schlossermeister. Im Alter von 30 Jahren heiratet er am 6. Oktober 1902 in Landsberg die ebenfalls dort geborene Margarethe Johanna Bass und gründet eine Familie. Emil ist jedoch nicht nur Schlossermeister, sondern auch ein angesehener Kaufmann.

Das ehemalige Reimer-Haus heute

Er besitzt ein Haus am Marktplatz ‚das schönste Haus der ganzen Stadt‘ – gebaut 1911 von dem Baumeister Paul Strehl.

Im oberen Teil dieses Hauses wohnt die Familie – Teile des Hauses sind vermietet. Unten befinden sich Emil Reimers Geschäft für Eisenkurzwaren, sein Sohn Walter – geboren 1906 – verkauft Fahrräder, Motorräder und Nähmaschinen. Im linken unteren Teil befindet sich eine Filiale von Kaiser’s Kaffee Geschäft.

Als der 2. Weltkrieg ausbricht und die Stadt von russischen Soldaten besetzt wird, ist Emil Reimer über 70 Jahre alt. Seine Kinder verlassen ihre ostpreußische Heimat, aber Emil und seine Frau entschließen sich, zu bleiben. Im vergangenen Jahr wurde in seiner ehemaligen Heimatstadt – heute Górowo Iławeckie – bei Bauarbeiten Emil Reimers Tagebuch gefunden – in einem Glas aufbewahrt und in der Erde vergraben. Emil Reimer hat darin genauestens notiert, wie es ihm während der Jahre nach Beendigung des Krieges in Landsberg ergangen ist.

Beim Lesen seiner Aufzeichnungen habe ich den Eindruck, dass das Schreiben dieses Tagebuchs ihm sehr geholfen haben muss, die schwere Zeit zu überstehen. Er beschreibt, wie er immer wieder versucht, sich gegen Drangsalierungen und Übergriffe zu wehren. Formulierungen wie: „wollte mich beschweren … habe mich geweigert … brachte mein Anliegen vor … habe Anzeige beim Bürgermeister gemacht …. lehnte die Unterschrift ab und ging fort … habe es gemeldet, aber erfolglos“ verdeutlichen, dass Emil Gustav Reimer trotz aller Widrigkeiten zu keiner Zeit resigniert.

Einige Auszüge aus seinem Tagebuch:

„Mitte Januar (1945) wurde (ich) durch Stadtwachtmeister Westphal ( = Otto Paul Westphal *1894 in Spittehnen) aufgefordert, den Laden zu räumen zu einem öffentlichen Aufenthaltsraum für Flüchtlinge, auch musste der Luftschutzkeller als öffentlicher frei gegeben werden. Die Waren mussten aus dem Laden alle in den Keller bringen und wurden in 5 Räumen vermauert und war dies nicht zu erkennen. Der Laden war dauernd von Flüchtlingen belegt, der Luftschutzkeller ebenfalls mit weit über 100 Personen.

Am 2. Februar 1945 kamen die Russen, obgleich immer noch amtlich verkündet wurde(,) dass keine Gefahr vorhanden und besetzten Landsberg, wir mussten aus der Wohnung nach dem Luftschutzkeller. Unter auf die Brust gesetzter Pistole mussten wir alles herausgeben.

In unserem Zimmer hinter dem Laden hatten wir einen verwundeten Flüchtling und Frau Meyrahn von hier(,) die schwer krank war(,) untergebracht, die am 7. Februar Nachts starb. Am 8. Februar mussten wir aus dem Hause und durften nichts mitnehmen. In der Nacht waren die Gebäude in der Töpferstraße hinter unserm Wohnhause von den Russen abgebrannt, ebenso die Häuser von Woyahn, Schmidt, Vanhöfen, Petruschka, Wormitt, Deutsches Haus, Post, O. Kirstein und andere, auch mein Haus fing bereits an am Dach zu brennen, konnte es aber mit Hilfe von Fr. Dr. Meyerfeld noch vom Dach aus löschen, wobei wir vom Rathausturm mit Maschinengewehre beschossen wurden.

Die Straßen waren voller Autos mit Offizieren mit Frauen und Militär. Mit Hilfe eines Russen wurden wir aus der Stadt gebracht, gingen über Gr. Peisten bis Borken, wo wir nach einigen Tagen weiter gingen nach Pilven und andere Güter bei Bartenstein, überall musste bei den Russen gearbeitet werden, auch mussten wir Vieh treiben. …..

Die Russen fuhren viele Waren und Möbel mit Lastautos und Fuhrwerken fort. Die Bahnverbindung nach Zinten und Heilsberg war zerstört, die Schienen zum Teil fortgefahren. Dann wurde Landsberg von den Polen besetzt. Unser Laden war Autogarage geworden, die Ladeneinrichtung wurde zerschlagen und verbrannt. Der kleine Laden wurde später Lebensmittelgeschäft. Das ganze Haus wurde vom Landratsamt für Büroräume beschlagnahmt. Das Haus war in bestem Zustand und wurde jetzt alles vernichtet. Wir durften das Haus nicht betreten. …

Im Sommer 1947 musste (ich) auf Anordnung des Landrats … sämtliche Firmenschilderrahmen und die Schaufenstermarquisengestelle mit Federzug am Haus abnehmen und fortbringen. Anfang Mai 1948 Treppenverschlag im Flur aufgebrochen und ausgeraubt. Das große eiserne Fenster im Lagerraum neben der Werkstatt ausgebrochen, die Lagergestelle in demselben Raum abgebrochen und verbrannt. März 1947 wurde vom hinteren Balkon der zweiten Etage unser Nußbaumtisch(,) als ich die hintere Straße ging(,) herunter geworfen und war in Stücke(,) die ich in Verwahrung nahm. Unser Nußbaum Buffet(,) das noch oben in einem hinteren Zimmer stand(,) ist klein geschlagen worden und verbrannt, weil das Landratsamt kein Holz hatte.

(Im) Sommer 1947 hatte der Rektor der Stadtschule … meinen am Schulhof liegenden Garten für sich als Gemüsegarten genommen und bepflanzt, ich forderte von ihm dafür Pacht, was er ablehnte, auch auf Anzeige bei der Schulinspektion erreichte (ich) nichts, als der Garten abgeerntet(,) wurde er zum Schulhof genommen und die Umzäunung abgebrochen.

Vom Polizisten … wurde ich nach der Schmidtschen Brandstelle nach dem Markt geholt, wo eine tiefe Grube gegraben und mir in Gegenwart von noch 3 Polizisten angedroht wurde, wenn ich nicht weitere Angaben über versteckte Waren machen würde(,) sollte (ich) in das Loch gestellt werden und dann zugeschüttet werden, hatten aber keinen Erfolg damit.

Am Ende der Notizen sind Auflistungen zu finden, die Emil Reimer über die ihm entwendeten Besitztümer angefertigt hat – zum Beispiel:

Inhalt der Wandtresors
• 2 Geschäftskontobücher über Forderungen
• 1 „ über Einkauf
• 1 Contobuch über Verkauf auf Abzahlung
• 1 Buch über Einzahlungen bei der Landesbank Löbn. Langgasse an der Brücke oben die Stadtschaft
• Ein Bankkonto derselben Bank mit Eintragung der Zinsen der Stadtschaft
Hinterlegungsschein über 50.000 RM Pfandbriefe, diese sind der Landesbank
im Tresor zur Aufbewahrung übergeben mit Vollmacht für Walter Reimer

• 3 Dollarnoten á 5 Dollar
• 2 Dollarnoten á 2 Dollar
• 1 Beutel mit Inhalt
• 1 14 karat goldene Panzer ..kette
• 1 Paar goldene Manschettenknöpfe
• 1 Krawattennadel Gold mit Brilliant
• Silbergeld, seltene wertvolle Stücke – Nennwert M 420
• 5 Rasierapparate
• 250 Rasierklingen

Adolf Hubert Osthaus, der 12 Jahre lang (von 1945 bis 1957) als Lehrer im Kreis Pr. Eylau – von 1945 bis 1951 als ‚polnischer Hauptlehrer‘ in Topprienen und anschließend in Landsberg – unterrichtete, lernt in Landsberg auch Emil Reimer kennen und berichtet 1957:

Heute haust er in einem kleinen dunklen Stübchen, in das kein Sonnenschein dringt, zwischen rohen Wänden, von denen der Putz abgeblättert ist und die von Feuchtigkeit durchtränkt sind. Aus den Fenstern dieser finsteren Wohnun sieht er auf sein ehemaliges Eigentum, das früher einmal das schönste Haus der ganzen Stadt gewesen ist. Heute ist darin das polnische Landratsamt untergebracht. Er ist schon über 85 Jahre alt. … Er lebt davon, dass er die alten deutschen Nähmaschinen, die jetzt im Besitz der Polen und Ukrainer sind, repariert. Kleine Ersatzteile und Nadeln bekommt er in den Paketen seiner Kinder aus Westdeutschland. So kann er notdürftig sein Leben fristen. Seine Mahlzeiten kocht er sich selbst. Er wäscht seine Wäsche und holt in den Geschäften ein. Er fällt auch heute noch in seinem Alter durch sein gepflegtes Aussehen und seine Sauberkeit in der verwahrlosten Umgebung auf.

Dieser alte Landmann spricht kein Wort Polnisch. Die Kirche, in deren zerstörtem Schiff er früher seine Familienbank hatte – er war Kirchenältester – besucht er nicht mehr, weil er den polnischen Gottesdienst nicht versteht. Dafür pflegt er mit rührender Hingabe das Grab seiner verstorbenen Frau Margarethe Johanna Reimer, geb. Bass verstirbt kurz vor ihrem 80. Geburtstag im Januar 1956und richtet die anderen deutschen Gräber wieder her, die von den Kindern beim Spielen beschädigt werden. Er ist jeden Tag auf dem alten deutschen Friedhof zu finden.

Ich bin oft und gern bei diesem Landmann in seiner finsteren Behausung zu Gast gewesen. Er lebt ganz in seinen Erinnerungen, kennt jeden Namen, weiß um jedes Schicksal…. Ich habe ihn oft gefragt, warum er den dringenden Bitten seiner Verwandten nicht nachkäme, da er doch in Westdeutschland seinen Lebensabend in Ruhe und in geordneten Verhältnissen beschließen könne. Er antwortete mir: „Wer soll denn die Gräber pflegen? Hier ist mein Zuhause und hier will ich auch sterben. Hier gehöre ich hin! Ich kenne jeden Stein in dieser Stadt und ich rede mit den Steinen, denn die Menschen verstehen mich nicht.“ (Quelle: Das Ostpreußenblatt vom 12.10.1957)

Emil Gustav Reimer wird fast 88 Jahre alt und stirbt am 2. Juli des Jahres 1959 in seiner Geburtsstadt.


Ein weiterer Bericht des Lehrers Adolf Hubert Osthaus:

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Aus dem ostpreußischen Landsberg des 16. und 17. Jahrhunderts

Nachfolgend eine Steuerliste aus dem Jahr 1540, in welcher die zu dieser Zeit dort ansässigen Steuerzahler aufgeführt werden. Ich hatte ziemliche Schwierigkeiten, alles richtig zu entziffern und freue mich, dass ich diese Transkription in dem Buch „Geschichte der Stadt Landsberg Ostpreußen durch sechs Jahrhunderte“ des Lehrers Albert Otto Fischer (1879-1943) gefunden habe.

Albert Fischer erwähnt auch den Schicksalsschlag, der die Landsberger Bewohner im Jahre 1655 ereilt.

Er schreibt: „Die Nachstunden des 4. April 1655 sind wohl mit die furchtbarsten gewesen, die je Bürger unserer Stadt durchlebt haben. In dieser Nacht brannte die ganze Innenstadt in wenigen Stunden ab. Wir sind über die Vorgänge durch zwei Briefe, die im Mai des Jahres 1655 an den Großen Kurfürsten gerichtet wurden, ziemlich genau unterrichtet. Der Brand brach zwischen 10 und 11 Uhr nachts in dem Hause eines verstorbenen Bürgers aus. Die Ursache war ein defekter Schornstein. Das Feuer hat „so plötzlich überhand genommen, das dadurch die ganze stadt in ordentliche Lohe und flammen gestanden.“ Nun sind damals gewiß alle Häuser nur mit Stroh, Schilf und Schindeln gedeckt gewesen. Die Löscharbeiten gestalteten sich unsagbar schwierig „weill durch die straffe des Höchsten in diesem Winter durch den Frost das Wasser der Stadt benommen war.“ Kirche, Pfarrhaus, Schule, Rathaus und alle Häuser brannten ab, nur die Vorstadt und die Scheunen blieben stehen. Die Stadteinwohner konnten kaum das nackte Leben retten, Hab und Gut wurde ein Raub der Flammen. So waren in wenigen Stunden Landbergs Bürger bettelarme Leute geworden. Die Kunde von dem Unglück der Stadt erweckte nah und fern große Anteilnahme. Die reichen Hansestädte Danzig und Elbing besonders nahmen sich ihrer Not an und schickten reiche Hilfsmittel. Auch die Lehnsherrschaft half tatkräftig. Die Kanditter Kirche, die ziemlich wohlhabend war, musste „uff Belieben der gn. Lehnsherrschaft“ 900 Mk. zum Landsberger Kirchbau beisteuern. Dann schenkte die Lehnsherrschaft um 1700 der Gemeinde noch die Orgel, die 4000 fl. kostete. – Beim Brande blieben in der Stadt nur die Mauern des Rathauses stehen. Die Stadtväter wollten wenigstens diese erhalten und erbaten sich vom Kurfürsten kostenloses Bauholz aus den umliegenden Staatsforsten. Ebenfalls gingen bei dem damaligen Brande sämtliche Stadt- und Kirchenakten verloren. Für die Heimatforschung ist gerade dieses ein unwiderbringlicher Verlust.“

Die Landsberger Kirchenbücher konnte der damalige Pfarrer Jacob Leitner offenbar retten – sie beginnen im Jahr 1643.

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Chronikalische Aufzeichnungen aus verschiedenen Kirchenbüchern des Kreises Pr. Eylau

Das Leben unserer Vorfahren war während der vergangenen Jahrhunderte sehr viel unsicherer als unser heutiges Leben – ob sie nun an der Nordseeküste, in Hessen oder in Ostpreußen wohnten. Immer wieder war ihr Leben von Krankheiten bedroht, die sich epidemisch ausbreiteten, von Kriegswirren oder von Naturgewalten wie Sturm und Gewitter, denen sie schutzlos ausgeliefert waren.

Ab und zu findet man auch in Kirchenbüchern – mehr oder weniger ausführlich – von der Hand des jeweiligen Pfarrers eingetragene chronikalische Aufzeichnungen, in denen diese auf besondere Vorkommnisse innerhalb des Kirchspiels aufmerksam machen. Hier einige Beispiele:

Aus dem Kirchenbuch von Klein Dexen, Pr. Eylau – 1710

Es sind aber auch in diesem 1710ten Jahr nach des großen Gottes heiligem Willen und Rathschluß aus hiesigem Kirchspiel an der Contagion Todes verblichen:

  1. Georg Kohn Pauer zu Rositten item
  2. Maria Pötschin deßen Magd welche man noch auf den Kirchhof gebracht
  3. des Georg Kohnen Ehegattin Catharina Dorothea
  4. deßen Söhnlein Christian
  5. Noch eine Magd zu Hußainen (=Hussehnen) Catharina Pötschin, welche von Rositten, woselbst ihre Mutter die gleichwol ietzo noch lebet, von ferne mit Entsetzen in einem verpesteten Hause gesehen, zurückkommend jählings gestorben, weiter
  6. Benjamin Gesien, Krüger zu Görken
  7. deßen Ehegattin
  8. deßen Knecht Christoph Wulff
  9. deßen Magd … Krollin; so alle in ihren Dörffern von Pestleuten beerdiget, und bisher da man Niemand dazu hat bewegen können, zur Bestattung nicht sind gebracht worden.

Die Gerechten Seelen so in Gottes Handt und keine Quaal rühret Sie an!

Aus dem Kirchenbuch von Buchholz, Pr. Eylau

Nachdem bey der anno 1691 den 25 Aprilis durch eine unverhoffte Feuersbrunst nicht allein die Widdem zu Buchholz, sondern auch Speicher, Schoppen und Scheune, wie auch dem Pfarrer alle Habseeligkeiten und darunter auch seine Bücher, auch die Kirchenbücher sindt verbrandt worden, alß(o) ist aus Hochdringender Noth dieses Kirchenbuch in demselben Jahr den 23. Maji wieder angeschaffet worden.

Im Jahre 1776 den 20ten August nach Mittage zwischen 3 und 4 Uhr zündete der Bliz die große Prediger Scheune .. zu Buchholz an; nachdem die ganze Ernte außer dem Haber im Sommerfelde bereits eingefüllt worden. Alle Wirthschaftsgebäude mit allem Acker Geräth, das darin befindlich war, stand in einem Zeitraum von 3 Minuten in vollen Flammen. Zuletzt jagte der Sturm die Flammen von der Ecke des Speichers auf das Strohdach des Wohnhauses und auch dies brannte von oben an bis in die Mitte gänzlich ab, so daß die innern Wände(,) die äußern nach der Kirche zu und die Schornsteine und Ofen nur noch stehen blieben. Die Kirchen Bücher und die nothwendigsten Extracten wurden geretttet. In demselben Jahr wurde das Prediger Wohnhaus wieder in wohnbaren Stand gesezzet(,) nachdem noch manche bebrante Thüren und Balken zu sehen waren und es blieb in diesem Zustande bis 1777. Den 22ten November 1777 konnte es wieder bezogen werden.

Die größte Scheune (,) den Dorfschaften Fincken und Papperten gehörig(,) zu unterhalten kam d. 5ten August 1777 endlich zu Stande und der nach Parößken gehörige Heu und Pferde Schoppen.

Aus dem Kirchenbuch von Canditten, Pr. Eylau

Anno 1761

  • d.20. May das Schultzen-Amt in Augam abgebrandt.
  • d. 27ten ej die Schule in Augam abgebrandt, wo der Schultz Joh(ann) Stenau (=Steinau) mit der Familie gewesen, …. … gelde?
  • d. 28ten ej der Krug in Augam abgebrandt, wo derselbe Schultze gewesen?
  • d. 9ten Juni ist endl(ich) auch die übrig gebliebene Scheune des Schultzen Ambts(,) wohin sich der Schultz mit den Seinen retiret, gleichfals zur Mittags Zeit in Flammen aufgegangen.

Überall ist das Feuer, wieder Vermuten, bey aller angewandten Behutsamkeit oben zum Dach heraus geschlagen.

Der Schultz schreibet das Unglück dem Huren Leben des in …, in Quartir gelegenen Rußischen Capitain v. Devitsch zu, wobey sein Haus ? reingeblieben.

Hier gibt es noch einige Fragezeichen – der Text ist an einigen Stellen kaum zu entziffern. Vielleicht hat jemand eine Idee?

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Rigmor Katrine Gegner – Teil 2

In der vergangenen Woche habe ich meine Ostpreußen-Leidenschaft für eine Weile ‚eingefroren‘ und bin ich in eine ganz neue Welt eingetaucht. Ich habe viel gelernt- über die Zeit des 1. Weltkriegs in Belgien – die dortige Gründung des Roten Kreuzes – über die Rolle des belgischen Königshauses in dieser Zeit, über jüdisches Leben und den Diamantenhandel in Antwerpen

Mit Unterstützung belgischer Familienforscher – die Kommunikation war dank ‚Deepl Translator‘ ohne Probleme möglich – und durch eigene Recherche kann ich den Lebensweg von Rigmor Katrine Gegner nun in groben Zügen ergänzen.

Ich beginne im August des Jahres 1914 in Belgien, dem kleinen Land, das – trotz seiner Neutralität – von deutschen Truppen besetzt und in die Wirren des 1. Weltkriegs hineingezogen wird. Belgien ist auf die Versorgung und Behandlung verwundeter Zivilisten und Soldaten in keiner Weise vorbereitet – es fehlt sowohl fachkundiges Personal als auch medizinische Ausrüstung.

Die belgische Königin Elisabeth – aufgewachsen in Possenhofen, Oberbayern, als Tochter des Herzogs Carl Theodor in Bayern – eines bekannten deutschen Augenarztes – veranlasst den Chirurgen Antoine Depage, in Belgien die Organisation des Roten Kreuzes zu etablieren. Es werden zahlreiche improvisierte Krankenhäuser errichtet – selbst der Palast des Königs wird mit einem Operationssaal ausgestattet und es werden ca. 1000 Krankenbetten aufgebaut.

von links: das Grand Hôtel de l’OceanAntoine DepageKönigin Elisabeth (Quelle: Die Dokumentation von Manohan Pirard – Teil einer umfassenden Dokumentation des RTBF – (Radio-télévision belge de la Communauté française) über die Zeit des 1. Weltkriegs).


Innerhalb von 6 Wochen wird das Grand Hôtel de l’Ocean auf dem Seedeich in De Panne (Französich La Panne) unter der Leitung von Dr. Depage zu einem Frontkrankenhaus umfunktioniert und es werden Ärzte und gut ausgebildete Krankenschwestern angeworden und angestellt. Von 1915 bis 1918 wird dieses Lazarett von Dr. Depage geleitet.

Auch Königin Elisabeth selbst unterstützt die Ärzte im Krankenhaus – sie ist ausgebildete Krankenpflegerin und hat – vor ihrer Eheschließung mit König Albert – in der Klinik ihres Vaters mitgearbeitet.

Im Krankenhaus von De Panne arbeitet auch Rigmor Katrine Gegner, die – vermutlich auf einen Aufruf des Roten Kreuzes – ihre beschauliche Heimat Dänemark verlassen hat, um in Belgien zu helfen. Hier begegnet sie dem belgischen Diamantenhändler Armand Ducellier der während des Krieges als Pilot eingesetzt ist und mit Verwundungen in La Panne eingeliefert wird.

Rigmor und Armand verlieben sich ineinander und als sie 1917 in De Panne heiraten, ist Dr. Depage einer ihrer Trauzeugen. Sein Name ist auch auf dem Hochzeitsphoto vermerkt. Dr. Depage steht neben dem Brautpaar (Photo im vorherigen Beitrag).

Am 10. August 1925 kommt in Antwerpen Tochter Yvonne zur Welt. Fast wäre es noch möglich gewesen, Kontakt zu ihr aufzunehmen, denn sie verstarb erst am 8. März 2020 in Suresnes, Nanterre, Hauts-de-Seine.

Über die zweite Tochter – Jaqueline Ducellier – konnte ich leider nichts Konkretes in Erfahrung bringen.


Zu Familie Ducellier

Noch weiß ich nicht alles über die Familie, in die Rigmor einheiratet, aber doch wesentlich mehr: Armand Ducelliers Mutter – Marie Esther Boxhorn (auch Bochshorn oder Bochshorn geschrieben) – ist Jüdin. Sie wird am 1. Januar 1858 in Krakau geboren und als ihre Familie Polen verlässt, ist sie noch ein kleines Kind. 1883 heiratet Marie Esther Boxhorn in Paris den Bankier Claude (Blonde) Marc Maurice Ducellier. Das Ehepaar bekommt drei Söhne:

  • Claude (Blonde) Marc Edouard Joachim Ducellier *1884 in Paris
  • Armand Joseph Frédéric Ducellier *1887 in Antwerpen und
  • Edouard Maurice Henri Ducellier *1889 in Antwerpen

Armands älterer Bruder wird Schriftsteller. Claude Ducellier’schloss sein Studium der Germanistik und Anglistik an der Pariser Fakultät mit dem Bachelor of Arts ab, während dessen er von Ernest Lichtenberger und Charles Andler unterrichtet wurde. 1901 und 1905 besuchte er die Universität Heidelberg, wo er von Kuno Fischer und Henry Thode unterrichtet wurde. Später wurde er Bankier, Remisier und in den 1920er Jahren Direktor der Banque Générale du Nord.

Im Jahr 1910 heiratete er in Brüssel Jeanne Marie Louise de Brabander, Tochter eines Sekretärs der Bank Société Générale in Brüssel. Während des Ersten Weltkriegs wurde er im Rang eines Unterleutnants in einem Bataillon von Alpenjägern verwundet und geriet 1917 in Gefangenschaft. Er wurde wie Charles de Gaulle in der Festung IX in Ingolstadt, Bayern, eingesperrt. Dieses Gefängnis, das härteste in Deutschland, war für widerspenstige Soldaten (die „starken Köpfe“) gedacht, die eine Neigung zur Flucht zeigten (Ducellier wurde später der Vizepräsident der Nationalen Vereinigung der Kriegsflüchtlinge). Während seiner Gefangenschaft hielt er vor seinen 200 Mitgefangenen Vorträge über lyrische Poesie.

Später wurde er als Zwangsarbeiter im BASF-Werk in Ludwigshafen eingesetzt. Während des Zweiten Weltkriegs war er Reserve-Hauptmann im 2. Armeestab und arbeitete im 2. Büro als Chiffrieroffizier und Übersetzer für General Charles Huntziger. Früh von einer literarischen Karriere angezogen, begegnete Ducellier, der als junger Soldat in der Normandie stationiert war, 1904 in Cuverville André Gide und wandte sich 1907 an den Literaturkritiker Jean Ernest-Charles, der ihm jedoch keine Hoffnung machte.

Fast vierzig Jahre später kehrte er zum kreativen Schreiben zurück und übersetzte Rilkes Sonette an Orpheus: nachdem er (vergeblich, denn dieses Werk Rilkes gilt als nicht mehr zeitgemäß und Rilkes Verleger Insel hatte die exklusiven Übersetzungsrechte bereits an die Verlage Aubier und Emile-Paul frères verkauft) im Herbst 1943 versucht hatte, sein Manuskript bei Gallimard und im Haus von Pierre Seghers unterzubringen. Mit Unterstützung von Pierre Emmanuel und Geneviève Bianquis veröffentlichte er 1945 seine Übersetzung mit Glossen im Eigenverlag (in einer limitierten Auflage), aus eigenen Mitteln und mit Unterstützung des Polytechnikers Gabriel Dessus. 1946 gewann er den Grand Prix de Poésie de la Société des Gens de Lettres (Jacques-Normand-Preis) für seine Sammlung Essor (Librairie Gedalge). 1947 stellte Ducellier weitere Übersetzungen von Rilkes Werken fertig und wurde als Nachfolger des kurz zuvor verstorbenen Maurice Betz mit der Betreuung der Übersetzung des Gesamtwerks von Rainer Maria Rilke durch Emile-Paul Frères beauftragt. Das Projekt wurde durch den plötzlichen Tod von Ducellier im Jahr 1950 abgebrochen. (Quelle: Wikipedia – aus dem Französischen übersetzt mit deepl)

Quelle: Das Antiquariat; Bd. 6, Seite 19

Armands Weg ist ein völlig anderer als der seines Bruders. Er lebt mit seiner dänischen Ehefrau Rigmor in Antwerpen und tritt offenbar in die Fußstapfen der Boxhorn-Familie, die dort bereits vor ihm Diamantenhandel betreibt. Schon lange ist Antwerpen die Hauptstadt des weltweiten Handels mit Diamanten, der sich seit Generationen fest in der Hand orthodoxer Juden befindet.

Die folgende Bekanntgebung erscheint 1910 auf Seite 57 dieses Buches:

Partnerschaftsurkunde zwischen David Markovwicz und Armand Ducellier, Diamantenmakler in Antwerpen, mit dem Ziel der Vermittlung und Beauftragung von Diamanten. D. Markovicz und Co, Nachfolger der Boxhorn-Brüder. (Aus dem Französischen übersetzt mit deepl)

Eine geschäftliche Verbindung scheint es auch zu England zu geben, denn als Armand im Jahre 1941 im Alter von 54 verstirbt, wird sein Tod auch in der ‚London Gazette‚ bekannt gegeben. Und hier wird auch seine Adresse in Antwerpen angegeben!


Über den Verbleib des dritten Ducellier-Sohnes Edouard konnte ich leider nichts herausfinden, aber hier noch einige Informationen zu den Eltern und Großeltern der drei Brüder:

Die Ducellier-Eltern leben in Paris – die Mutter stirbt dort am 5. Mai 1929, der Vater am 23. November 1931. Sein Sterbeeintrag lautet: ‚Paris 17 ème le 23.11.1931 est décédé en son domicile 148 avenue Wagram, Claude Ducellier né à Paris le 23.4.1852, Administrateur de Sociétés, fils de Edouard Ducellier et de Virginie Monod, époux décédés. Veuf de Marie Boxhorn‚.

Die Großeltern mütterlicherseits – Chaim (Joachim) Boxhorn und seine Ehefrau Bluma Sara Markowicz leben ebenfalls in Paris. Die Großmutter muss bereits vor 1875 verstorben sein, denn 1875 heiratet der Großvater die Französin Adèle Canard. ‚Joachim Bochshorn (Sohn von Leibel Boxhorn und Meschy Falck), war Kaufmann in Paris, heiratete 1875 eine Französin (Adèle Canard) und starb 1903 in seinem Haus am Place Clichy‘. (aus dem Wikipedia-Eintrag über Claude Ducellier).

Place de Clichy um 1900 – Quelle: Wikipedia

Möglicherweise besaß der Kaufmann Joachim Boxhorn auch ein Casino in Dinard – laut Wikipedia oft Nizza des Nordens und Perle der Smaragdküste genannt. Es wurde im 19. Jahrhundert zum Badeort wohlhabender Engländer.

Die Beschäftigung mit Rigmor Katrine Gegners Lebensweg macht mich sehr nachdenklich …. Sie ist die Cousine 3. Grades meines Großvaters Carl Ludwig Gegner. Beide erleben die Zeit des 1. Weltkriegs auf ganz unterschiedliche Weise – während mein Großvater als Reservist des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr.3 das deutsche Vaterland verteidigt, pflegt Rigmor in Belgien die von deutschen Soldaten Verwundeten – während sie sich in Belgien nach dem Krieg ein neues Leben aufbaut, verliert mein Großvater seines bei einem Kampf in Galizien und lässt zwei kleine Söhne zurück …….

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Rigmor Katrine Gegner

Rigmor Katrine Gegner kommt am 25.6.1887 als älteste Tochter von Carl Ludvig Gegner und Johanne Marie Møller in Hillerød, einer Stadt im Nordosten der dänischen Insel Seeland zur Welt. Nach ihr werden noch drei weitere Gegner-Kinder in Hillerød geboren. Vater Carl Ludvig ist Kaufmann – er besitzt ein Geschäft, in dem er Fleisch und Delikatessen verkauft.

Rigmors Urgroßvater Carl Ludwig Gegner wurde noch 1785 im ostpreußischen Eichhorn im Kreis Pr. Eylau (heute Wiewiórki) geboren. Er ist ein Bruder meines Ur-Urgroßvaters Ernst Wilhelm Gegner. Carl Ludwig verließ Ostpreußen nachdem er in Bartenstein eine Lehre als Kunstgärtner absolviert hatte, heiratet 1809 in der Garnisonskirche von Kopenhagen Ellen Erland und gründet eine Familie. Schon vor 10 Jahren habe ich hier darüber geschrieben.

Auch Rigmor verlässt ihre Heimat. Während des 1. Weltkriegs arbeitet sie in Belgien als Krankenschwester für das Rote Kreuz, lernt in einem Lazarett den verletzten Piloten Armand Joseph Frédéric Ducellier kennen und heiratet ihn am 2. November 1917 – noch während des Krieges – in De Panne, Belgien.

links: Armand Ducellier (Foto aus dem ‚Guldenboek der Vuurkaart‘) – rechts das Hochzeitsbild

Die nachfolgenden Jahrzehnte liegen noch überwiegend im Dunkeln – etwa um 1920 und 1925 werden – vermutlich in Antwerpen – zwei Töchter von Armand und Rigmor geboren: Yvonne und Jaqueline Ducellier. In Antwerpen soll Armand Ducellier als Kaufmann – möglichweise als Diamantenhändler – gearbeitet haben.

Irgendwann muss die Familie nach Paris verzogen sein. In einem Verzeichnis des dortigen Cimitière des Batignolles sind sowohl Armand als auch Rigmor vermerkt. Demnach verstarb Armand bereits im Jahre 1941 – Rigmor wird 64 Jahre alt und verstirbt am 5. März 1952. Hinter seinem Eintrag findet man den Zusatz: d‘ Orthez, Basses Pyrénées. Verstarb er dort?

Ausschnitt aus dem Verzeichnis des Cimitière des Batignolles’in Paris

Es wäre schön, mehr über das Leben von Armand und Rigmor zu erfahren! Vielleicht gibt es noch Nachfahren der Familie …?

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Elisabeth Zimmer – Korrektur und Ergänzungen

Als ich vor mehr als 10 Jahren erstmals über die besondere Beziehung von Elisabeth Zimmer und Alfred von Domhardt – dem Besitzer der Begüterung Worienenberichtete, war der Kenntnisstand ein anderer und auch in meiner Chronik von Worienen muss nun eine Angabe korrigiert werden.

Innerhalb der Familie Zimmer war überliefert worden, dass Elisabeth in Kissitten geboren worden sei. Nach gründlicher Recherche weiß ich nun mehr über die Familie, aus der Elisabeth stammt. Einige Informationen waren nur ‚auf Umwegen‚ über die Heirats- oder Sterbeeinträge der Kinder zu finden, da die eigentlich erforderlichen Unterlagen nicht mehr vorhanden sind.

Elisabeths Vater Michael Zimmer ist 25 Jahre alt und Musketier als er am 1. Oktober 1784 in Klein Dexen, Pr. Eylau, die gleichaltrige – aus Görken stammende – Dorothea Evert heiratet. Einige Jahre später ist er Kutscher des Gutes Graventhien.

Elisabeth Zimmer wird am 6. November 1797 auf dem Gut Graventhien geboren und am 14. November in der Kirche von Schmoditten auf den Namen Anna Elisabeth getauft. Unter Nr. 1 der Taufpaten erscheint Herr Cammerrath Christian Wilhelm Deutsch, Erbherr von Graventhien, der das Gut im Jahre 1790 von seinem Onkel Balthasar Philipp Genge geerbt hatte. Ihre weiteren Taufpaten sind: 2. Friedrich Wegg ib. (=Graventhien); 3. Gottfried Ewerlien ib.; 4. Johann Quednau ib. 5. Carl Wagenfeil, Gärtenierer ib. und 6. Frau Catharina Ewerthin aus Pieskeim.

Anna Elisabeth Zimmer ist ein Zwillingskind – ihr Bruder Gottfried wird leider nur 6 Monate alt und verstirbt laut Kirchenbuch an einer ‚Kinderkrankheit‚, die nicht näher erläuert wird. Auch Bruder Christian, der 1786 zur Welt kommt, stirbt bereits nach kurzer Zeit. Drei weitere Brüder werden jedoch mit Elisabeth erwachsen: Carl Zimmer *1787 – Michael Zimmer *1789 und Christoph Zimmer *1792.

Dem Michael Zimmer Kutscher sind von seiner Ehegattin Dorothea, geb. Ewerthin ein Paar Zwillinge von beyderlei Geschlecht d. 6. Nov. Abends um 9 Uhr gebohren; d. 14ej getauft und genannt worden das Söhnlein Gottfried und das Töchterlein Anna Elisabeth …(Taufeintrag im Kirchenbuch Schmoditten)

Als Elisabeths Bruder Michael im Jahre 1811 in Dollstädt Anna Regina Glandien, die Tochter des im Gut Penken verstorbenen Kochs Johann Christoph Glandien heiratet, erfährt man, dass Michael Zimmer selbst als Kunstgärtner im Gut Penken tätig ist. Vater Michael Zimmer wird bei der Eheschließug als ‚Pachthofmann in Kissitten‘ genannt. (Anmerkung: die Ortsbezeichnung Kissitten gibt es im Kreis Pr. Eylau zweimal – hier ist sicherlich das Gut Kissitten bei Glommen gemeint).

Im März des Jahres 1815 – Elisabeth ist fast 17 1/2 Jahre alt – wohnt und arbeitet sie bereits als Magd in Worienen. Von dort aus macht sie sich am 21. März 1815 auf den Weg in die Kirche nach Dollstädt, um – gemeinsam mit ‚Carl Glandien, Schneidergesell in Penken, des Krügers Lohpens Ehegattin in Dollstädt; des Brauers Strunge Ehefrau in Penken‘ – die Patenschaft ihres Neffen Friedrich Ferdinand Zimmer zu übernehmen.

1817 leben auch Elisabeths Eltern in Worienen – Vater Michael übt nun hier die Funktion eines Pachthofmanns aus und wird um 1819 als Kuhpächter der Begüterung aufgeführt. Elisabeths Bruder Carl hat mittlerweile das Schmiedehandwerk erlernt, ist zunächst Schmied in Mollwitten, gesellt sich aber dann zur Familie und arbeitet als Schmiedemeister für die Begüterung Worienen.

1820 finden wir auch Elisabeths Bruder Christoph, der zunächst als Radmacher in Beisleiden tätig ist, bei seiner Familie. Nachdem er sich 1817 in Pr. Eylau mit Marie Louise Saager, der geschiedenen Ehefrau des Mousquetiers Johann Friedrich Koeckeritz verheiratet hat, wohnt er nun als Radmacher in Müggen und später als Hofmann in Glomsienen. Sowohl Müggen als auch Glomsienen gehören zur Begüterung Worienen.

Gleichzeitig entspinnt sich in Worienen die wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Elisabeth und dem Rittergutsbesitzer Alfred von Domhardt, die nicht ohne Folgen bleibt:

Elisabeth ist fast 22 Jahre alt, als am 3. Oktober 1819 in Worienen ihr unehelicher Sohn Friedrich Ludwig Alfred Zimmer zur Welt kommt. Im August des Jahres 1823 wird Elisabeths Tochter Juliane Eliesabeth Theresia Zimmer geboren. In beiden Taufeinträgen wird kein Vater angegeben. Als jedoch im September 1827 Elisabeths drittes Kind – der Sohn Gustav Heinrich Wilhelm Zimmer – das Licht der Welt erblickt, enthält der Taufeintrag den Vermerk: Vater: Alfred Friedrich v. Domhardt, Erbherr in Bestendorf. (Anmerkung: Die Begüterung Gr. Bestendorf gehört seinem Onkel Otto Heinrich von Domhardt und geht nach dessen Tod an seinen Neffen über – mehr dazu ihr hier nachzulesen!)

Auszug aus dem Kreisblatt Pr. Eylau

Nachdem Alfred von Domhardt im Jahe 1832 das Vorwerk Egdeln pachten konnte, leben Elisabeth Zimmer und Alfred von Domhardt dort einige Jahre zusammen mit ihren 3 Kindern. Und es werden zwei weitere gemeinsame Kinder geboren: Carl Ernst Rudolph Zimmer am 4. November 1833 und Friedericke Auguste Adelheid Zimmer am 2 März 1836.

Nach der Geburt des 5. Kindes kauft Alfred Friedrich v. Domhardt das eine Meile von Landsberg gelegene Köllmische Gut Salwarschienen von Johann Heinrich Nikutowski.  Im Juli 1836 wird der Besitz auf Elisabeth Zimmer übertragen, die fortan  mit den Kindern auf dem Gut Salwarschienen wohnt.

Adressbuch von 1857

Aber nicht nur Elisabeth und ihre 5 Kinder leben auf dem Gut Salwarschienen – Bruder Michael wird 1840 als dortiger Kämmerer genannt – Vater Michael wohnt als Altsitzer in Salwarschienen und muss dort vor 1843 verstorben sein und Elisabeth Patensohn Friedrich Ferdinand Zimmer arbeitet 1843 als Schneidergesell auf dem Gut.

Ich konnte auch den Werdegang der Söhne von Elisabeth Zimmer und Alfred von Domhardt verfolgen:

  • der älteste Sohn – Friedrich Ludwig Alfred Zimmer wird königlicher Postverwalter und heiratet Maria Aurora (Alwine) Gelinski, eine Tochter des Papierfabrikanten Johann Gottfried Gelinski aus Finken. Die Familie lebt zunächst in Achthuben und Reddenau im Kreis Pr. Eylau und später in Königsberg,
  • Gustav Heinrich Wilhelm Zimmer wird Amtsgerichtsrat und heiratet Nathalie Friederike Leopoldine Stockmann aus Gdzyk (Rabenhorst) im Kreis Kulm. Sie wohnen nach der Heirat in Pr. Stargard und später in Köslin.
  • und der 1833 in Egdeln geborene Sohn Carl Ernst Rudolph Zimmer – ebenfalls Jurist – heiratet 1858 in Königsberg Marie Caecilie Franziska Strehl, eine Tochter des des verstorbenen Rittergutsbesitzers Carl Ludwig Strehl und lebt später als Gutsbesitzer in Nausseden im Kreis Heiligenbeil.

Leider weiß ich (noch) nicht, was aus Elisabeths Töchtern wurde ….

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Ahnenforschung als Kompensation …?

Über diese Frage habe ich während der vergangenen Jahre immer mal wieder nachgedacht. Als ich vor mehr als 20 Jahren mit der Erforschung meiner Vorfahren begann, lebte meine Mutter noch. Aus ihrer Familie waren zahlreiche Fotos vorhanden – es gab einen Stammbaum, eine Reihe alter Dokumente und eine Familienbibel.

Mein Vater war bereits 1985 verstorben – lange bevor ich mich überhaupt für die Geschichte unserer Familie zu interessieren begann. Über seine Vorfahren wurde – soweit ich mich erinnere – kaum gesprochen. Aber ich habe auch viel zu wenig gefragt und bei Erzählungen aus der Vergangenheit wohl oft nicht richtig zugehört.

Unsere Familie 1951

Wie wohl in jeder Familie, so gab es auch in meiner viele harmonische Zeiten, an die ich mich gern erinnere. Doch auch meine Familie durchlebte eine Reihe von Krisen, die mehr oder weniger gut gemeistert wurden. Es kam zu Unstimmigkeiten, Mißverständnissen und zu schmerzhaften Kontaktabbrüchen.

Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit dem Leben meiner Ahnen beschäftige. Sie begleiten mich seit vielen Jahren. Ich hole sie in meine Gegenwart und nehme teil an ihren Schicksalen. Und manchmal frage ich mich, ob sich hinter der Motivation, mich so intensiv mit dem Leben meiner Ahnen zu befassen, nicht auch der Wunsch verbirgt, mir einen Teil realer Familie ‚zurückzuholen‚ ….. ?

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Ludwig von Domhardt hätte sich sehr gefreut ….

Ich bin sicher – Ludwig von Domhardt hätte sich sehr darüber gefreut, dass das von ihm im Jahre 1797 in Worienen – heute Woryny – erbaute Administratoren-Haus erhalten und so wunderschön renoviert wurde. Ich habe an dieser Stelle schon ausführlich darüber berichtet, aber sehenswert ist dieser Film, der genau verdeutlicht, welche Anstrengungen unternommen wurden, um Teile des Gebäudes zu retten!

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Über die Papiermühle in Finken, Pr. Eylau

Schon der Orden brauchte Papier“ überschreibt Dr. Hansheinrich Trunz seinen Artikel über alte Papiermühlen in Ostpreußen, (in: Das Ostpreußenblatt, 1968, Nr. 19, S. 11) und berichtet: „Die Lieferungen erfolgten, wie wir aus den Ordensakten und Abrechnungen ersehen können, aus Nürnberg, Augsburg, Lübeck oder Antwerpen. auch aus Italien war solches dabei.“

Die Herstellung von Papier „erfolgte wie zum Teil heute noch, aus Alttextilien, d.h. aus Baumwolle, Leinen und Hanf, deren Fasern in Mörsern zerkleinert wurden. Als später eine so primitive Aufbereitung des Rohmaterials nicht mehr ausreichte, übernahmen mit Wasserkraft angetriebene Stampfen diese Arbeit. In Deutschland erstand die erste derartige Papiermühle 1290 in Ravensburg.“ (Quelle: s. o.)

aus dem Buch ‚Neue Bilder Galerie für junge Söhne und Töchter zur angenehmen und nützlichen Selbstbeschäftigumg aus dem Reiche der Natur, Kunst, Sitten und des gemeinen Lebens“ Berlin 1798

Wann genau im Ostseeraum mit der Herstellung von Papier begonnen und wann die erste Papiermühle errichtet wurde, ist nicht bekannt. Um 1470 wird ein Papiermüller in Danzig genannt und am 4. November 1523 erteilt der letzte Hochmeister des Ordens und spätere Herzog Albrecht eine Baugenehmigung für die erste Papiermühle in Königsberg.

Es folgt der Bau weiterer Mühlen unweit von Königsberg: Kreuzburg 1569 – Ober-Ecker 1632 – Trutenau 1666 – Finken 1680 – Unter-Ecker 1682 – Carben 1689 – Ludwigsort 1693 – Grünwehr 1698 …. insgesamt werden in Ostpreußen mindestens 21 Papiermühlen angelegt.

Das Ostpreußenblatt, 1968, Nr. 19, S. 11

Die Papiermühle in Finken (heute Zięby) im Kirchspiel Buchholz – nicht weit entfernt von Landsberg – gehört zu den ersten ihrer Art in Ostpreußen. Sie verdankt ihre Entstehung der Unternehmungslust der Familie von Kreytzen. ‚Das Privileg zu dieser Papiermühle soll vom 16. März 1680 stammen. In diesem Jahr schloss der Churfürstlich Brandenburg Preußische Ober-Appellations-Gerichtsrat und Erbherr auf Peisten Hans von Kreytzen einen Kontrakt mit dem Papiermachergesellen Nicolaus Krüger aus der Ecker wegen Errichtung einer Papiermühle in Finken.‚ (Quelle: Hans Kohtz, Ostpreußische Papierfabrikation; 1934)

KB Buchholz

Der Papiermacher darf im Mühlenteich für seinen Bedarf fischen, Bier brauen und nach Anweisung des Waldwärters aus den Wäldern Brennholz holen.

Das Ostpreußenblatt, 1968, Nr. 19, S. 11
Im Jahre 1703 wird auf dem „Drei-Finken-Papier“ in Königsberg die Flora Prussica von Johann Loesel gedruckt.

Nach Nicolaus Krüger übernimmt 1720 der Papiermacher Johann Wilhelm Steinmetz die Mühle Finken. Hochverschuldet muss er sie im Jahre 1749 jedoch aufgeben und der Erbherr auf Peisten – nunmehr Christian Gottfried von Kreytzen – vererbpachtet die Mühle an den Papiermacher Emanuel Austigall, einen Schwiegersohn von Steinmetz, der bis dahin in Ludwigsort den Betrieb geführt hatte.

„In einem Vertrag vom 18.3.1749 übernahm Austigal den Betrieb mit allem Zubehör und 2 Hufen Land gegen eine jährliche Pacht von 500 Gulden. Er hatte alle Gebäude nebst Wehr selbst zu unterhalten, bekam aber Bauholz geliefert sowie bei Bedarf Arbeitskräfte gestellt. Für den Papiertransport nach Königsberg sorgte von Kreytzen gegen jährlich 5 Ries 3-Finken-Schreibpapier und 2 Ries feinstes Papier. Bekannt und beliebt war das 3-Finken-Schreibpapier, das als Wasserzeichen einen stilisierten Baum mit drei Vögeln und den Buchstaben NK (= Nicolaus Krüger) führte. Dieses Papier kostete 1756 je Ries (= 144 Bogen) 1 Taler 8 Groschen, war also damals relativ teuer.“ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; S. 387)

Adressbuch 1820

Die in Finken tätigen Papiermachergesellen kommen teilweise aus weit entlegenen Gegenden und so tauchen im Kirchenbuch von Buchholz immer mal wieder neue Namen auf:

Kirchenbuch Buchholz 1694
  • 1693: Johann Christoph EnterleinChristian R(h)ein
  • 1694: Peter KohnckeFriedrich RatckeJoachim Ladebach
  • 1696: Michael MindeSamuel Ernst Hendemann
  • 1701: Ludwig ZieserJohann Gerge Axmann (Pate bei der Taufe seines Sohnes Nicolaus Gottfried ist u.a. Christian Gottlieb Brüderlein, Papiermüller zu Wusen)
  • 1779 Heinrich Seewald Johann Fröhlich
  • 1780 George Adam Benckendorff

Sowohl die Papiermacher selbst als auch ihre Gesellen scheinen innerhalb des Kirchspiels ein hohes Ansehen zu genießen. Wann immer sie – und zwar relativ häufig – unter den Taufpaten der Kinder von Dorfbewohnern genannt werden, werden sie als „Herren“ bezeichnet.

um 1760 – Monogramm von Johann Friedrich Austigall, Sohn von Emanual Austigall

Bis ins 19. Jahrhundert wird die Papiermühle von Familie Austigall bewirtschaftet – dann übernimmt sie Johann Gottfried Gelinsky – seit 1814 verheiratet mit Johanna Charlotta Decker aus Oberecker – einer Tochter des dortigen Papierfabrikanten Johann Christian Decker und seiner Ehefrau Maria Carolina Günther. Je nach Konjunktur wird die Mühle auch als Mahl- bzw. Ölmühle verwendet.

Quelle: Großes Adressbuch der Kaufleute, Fabricanten und handelden Gewerbsleute; Nürnberg 1843

Johann Gottfried Gelinsky muss um 1843 verstorben sein, denn in diesem Jahr erscheint im Königsberger Amtsblatt folgendes Inserat seiner Witwe:

Meine unweit der Stadt Landsberg im landräthl(ichen) Kreise Preuß(isch) Eylau belegene Papierfabrik Finken bin ich Willens aus freier Hand an den Meistbietenden zu verkaufen, und setzte hiezu einen Termin auf den 8ten August, Morgens 9 Uhr, hieselbst an. Zur Papierfabrik gehören außer den hinlänglichen Wohn- und Wirthschaftsgebäuden noch eine Wassermahlmühle und 2 Kulmische Hufen gutes Land; auch wird das sämmtliche erforderliche Bau-, Nutz- und Brennholz gegen einen mäßigen Kanon aus den Gr. Peistenschen Gütern verabreicht. Papierfabrik FinkenDie Besitzerin Wittwe C. Gelinsky

Nach Einführung der Dampfkraft können alte Industriebetriebe wie die Papiermühle in Finken nicht mehr rentabel arbeiten und der Betrieb wird eingestellt.


Auch in diesen Beiträgen geht es um Finken:

Finken, Pr. Eylau

Inventarium bey dem Finckschen Kruge – um 1742


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Eine Stadt entsteht …

Friedland in Ostpreußen, etwa 50 km süd-östlich von Königsberg – heute Prawdinsk – wurde im Jahre 1312 durch den Deutschen Orden gegründet.

Auf den folgenden Plänen sieht man die Entwicklung der Stadt im Verlaufe der ersten drei Jahrhunderte – von 1330 bis 1630. Zunächst errichtete man die Kirche, rund um einen quadratischen Marktplatz wurden eine Reihe von Häusern gebaut und alles wurde mit einer Stadtmauer umgeben. Mehr und mehr Gebäude kamen hinzu und als der Platz innerhalb der Stadtmauer nicht mehr genügte, begann man mit der Bebauung außerhalb der Mauer. Viele andere Städte wurden auf dieselbe Weise angelegt.

Friedland im Jahr 1942 – der Ursprung ist noch gut zu erkennen.

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