Ich hätte und wäre so gern ….

Wenn ich mich mit den Lebenswegen meiner Vorfahren beschäftige, kommt immer mal wieder der Gedanke, dass ich einigen meiner Ahnen sehr gern begegnet wäre und dass ich mich mit einigen von ihnen sehr gern unterhalten hätte – ich hätte viele Fragen an sie und ich könnte ihnen vieles erzählen, was sie damals noch nicht wissen konnten ….

Meinem Vater hätte ich so gern von seinen ostpreußischen Vorfahren erzählt (als ich mit der Familienforschung begann, war er beits verstorben) – u.a. von Michael Gegner, dem Kunstgärtner in Worienen, mit dem ich unheimlich gern einmal durch den Woriener Schlosspark geschlendert wäre! Michael war etwa 12 Jahre alt, als mit dem Bau des Schlosses begonnen wurde. Er hat hautnah miterlebt, wie dieses schöne Gebäude errichtet wurde und hat sich später mit seinem Onkel – dem Kunstgärtner Christian Schmidt – um die Woriener Gartenanlagen gekümmert. Mein Vater wäre begeistert gewesen – auch er liebte seinen Garten!

Mit meinem ostpreußischen Großvater Carl Ludwig Gegner hätte ich mich gern über die Zeit vor dem 1. Weltkrieg unterhalten und ihn gefragt, ob auch er – wie so viele andere damals – mit Begeisterung in diesen schrecklichen Krieg gezogen ist, obwohl er zu Hause seine Ehefrau und zwei kleine Söhne zurück ließ…. Und meine Großmutter hätte ich sehr gern getröstet, nachdem sie im Mai 1915 in Bremen-Aumund die Nachricht erhalten hatte, dass ihr Ehemann mit nur 28 Jahren fernab in Galizien gefallen war.

Auch einigen anderen Vorfahrinnen hätte ich gern beigestanden – vor allem den Blumenthaler und Rönnebecker Kahnschifferfrauen Catharina Haesloop, geborene Schwarting – Beta Haesloop, geborene Schulken und Margarete Haesloop, geborene Oltmann. Alle drei verloren ihre Ehemänner bei der Ausübung ihres Beruf – alle drei ertranken in der Weser.

Anna Lisette Schaumlöffel hätte ich nach der Geburt ihres unehelichen Sohnes – meines Ur-Ur-Großvaters Heinrich Kröger – gern unterstützt, nachdem sie von dessen Vater (Heinrich Kröger aus Langern) verlassen wurde, der zwar finanziell für sein Kind sorgte, aber vollkommen aus ihrem Leben verschwand. Und Heinrich Kröger aus Langern hätte ich deutlich meine Meinung gesagt!

Ebenso Carsten Knübel aus Hinnebeck, der nach der Geburt seines Sohnes Carsten nicht dessen Mutter – Beke Margrethe Bellmer aus Schwanewede – heiratete, sondern es stattdessen vorzog, Gesche Arnken aus Schwankenfurth zu ehelichen und den dortigen Arnken-Hof zu übernehmen!

Mit meinen ostpreußischen Ur-Ur-Großvater Carl Westphal hätte ich gern auf einer Bank vor seiner Holländer-Mühle auf dem Konertsberg bei Landsberg gesessen – wir hätten in der Ferne den Turm der evangelischen Kirche und einen Teil der Stadt Landsberg gesehen und er hätte mir vom Bau seiner Mühle und vom Leben der Familie in der Mühle von Groß Peisten berichten können, in der die Familie zuvor gelebt hatte ….

Ich hätte ihm berichten können, dass auch ich den gepflasterten Weg zur Mühle in Groß Peisten noch begehen und die Ruine der Peistener Mühle noch 120 Jahre nach seinem Tod besichtigen konnte, dass sie mittlerweile jedoch leider abgerissen wurde …

Nachdem Carl Westphal verstorben war, hätte ich seine Ehefrau – meine Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann – gern in der Sternwartstraße in Königsberg besucht. Sie wohnte ganz in der Nähe des Botanischen Gartens – wir hätten dort gemeinsam spazierengehen können ….

Bei Therese Amalie Gegner, geb. Westphal – Tochter der beiden zuvor Erwähnten – hätte das Kennenlernen fast noch geklappt. Sie starb 2 1/2 Jahre vor meiner Geburt in Bremen–Vegesack. Sie hätte mir noch so viel aus ihrer ostpreußischen Heimatstadt Landsberg berichten können!

Ich wäre unheimlich gern mit Casparus Schellhase durch Züschen geschlendert und hätte mir von ihm gern erzählen lassen, welche Aufgaben er als Bürgermeister dieser Stadt und als Kastenmeister der dortigen Kirche zu bewältigen hatte. Er würde sich sicherlich freuen, wenn er wüsste, dass das alte Haus, das Ditmar Hucke (Schwiegervater seines Sohnes Johannes) und er selbst vor etwa 300 Jahren für ihre Kinder bauen ließen, heute noch existiert.

Den Fayencenmaler Caspar Grote hätte ich gern gefragt, welche Pläne er hatte, nachdem er seinen Arbeitsplatz in der Lesumer Fayencen-Fabrik aufgrund der Schließung der Fabrik verloren hatte. In der Chronik der Fayencen-Fabrik ist über ihn zu lesen “er findet …1773 keine Erwähnung mehr und ist wahrscheinlich in eine andere Fabrik übergesiedelt“. Caspar könnte mir erzählen, wo er lebte, nachdem er Lesum verlassen hatte …. Und ich hätte ihm gern erzählt, dass ich einige seiner Arbeiten bewundert habe – u.a. diesen Ofen, an dem er mitarbeitete und der sich heute im Schloss Schönebeck befindet.

Mit meinem Vorfahren Lüder Schwarting wäre ich gern auf seinem Weserkahn von Rönnebeck bis nach Bremerhaven gefahren – ich hätte ihm vielleicht helfen können, den Kahn dort zu entladen und wieder neu zu beladen ….

Quelle: Staatsarchiv Bremen

Ich hätte gern Familie Müller im sächsischen Torgau besucht. Bei einem Spaziergang zum Schloss Hartenfels, das sich fußläufig von ihrer Wohnung in der Rittergasse befand, hätte ich meinen Ur-Ur-Großvater Carl Friedrich August Müller gern gefragt, was ihn dazu bewog, seine sächsische Heimat zu verlassen ….

Quelle: Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel

Von Johanna Rosina Springefeld würde ich gern erfahren, ob sie sich an Friedrich August, den damalige Kurfürst von Sachsen erinnert, der bei seiner Durchreise auch ihren Geburtsort – das Gestüt Graditz – besuchte. Das hätte sie möglicherweise nicht gekonnt, denn sie war erst 4 Jahre alt. Und ich hätte gern gewusst, wie sie den Tod ihrer Schwester verkraftet hat, die auf dem Weg von Graditz nach Torgau von einem Frachtwagen erfasst wurde dabei tödlich verunglückte.

Ich hätte mich gern mit Michael Gutt in Canditten getroffen. Er hatte nicht nur 34 Jahre lang das Schulzenamt in Canditten inne, sondern war auch Gerichtsgeschworener in Wildenhoff. Von ihm hätte ich gern Näheres über seine Begegnungen mit den Grafen von Schwerin gehört – und von seinem Sohn Gottlieb, dem Krüger in Canditten, hätte ich mir sehr gern ein Bier zapfen lassen …

Quelle: Schloss Wildenhoff – Sammlung Duncker

Mein Vorfahre Harm Maake ließ vor 1724 das alte Haus in der Blumenthaler Feldstraße – heute Fresenbergstraße – erbauen, in dem er dann mit seiner Ehefrau Tibke und den gemeinsamen Kindern lebte. Er wäre sicherlich erfreut darüber, wenn ich ihm erzählen würde, dass nach ihm noch mehrere Generationen seiner Nachkommen dieses Haus bewohnten und dass auch ich noch bis zu meinem 8. Lebensjahr darin wohnte!

Meinen Vorfahren Jacob Ankermann in Seeben würde ich furchtbar gern fragen, ob sein Vater Benedikt hieß und 20 Jahre lang – etwa von 1548-1568 – als Trabant, Rüst– und Fechtmeister im Dienste des Herzogs Albrecht stand. Benedikt besaß ein Haus in der Alstadt von Königsberg und er hatte Kinder – Jacob wird etwa um 1570 geboren – 1574 ist Benedikt Ankermann noch am Leben!

Jacob hätte mir ganz bestimmt auch erzählen können, ob einige dieser ‚Ankermänner‚, die ich in den Königsberger Kirchbüchern entdeckte, zu seinen Geschwistern gehören!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Familienforschung im Kreis Pr. Eylau

Ich habe schon oft Tipps für die Familienforschung im Kreis Preußisch Eylau gegeben, aber nun noch einmal einen Überblick über Möglichkeiten der Recherche erstellt:

Möchte man Näheres über seine Vorfahren herausfinden, die im Gebiet des ehemaligen Kreises Pr. Eylau lebten, sollte man zunächst einmal das Kreisgebiet ein wenig kennenlernen, um folgende Fragen beantworten zu können:


Die aus dem Kreis Preußisch Eylau noch vorhandenen Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen sind mittlerweile online auf unterschiedlichen Portalen zu finden. Die Hauptportale sind: ANCESTRY – ARCHION sowie FAMILYSEARCH (die Datenbank der Mormonen), wo eine Reihe von Kirchenbüchern kostenlos einsehbar sind.


Das Allensteiner Indexierungsprojekt wurde leider vorübergehend deaktiviert. Wenn die Seite wieder erreichbar ist, sind dort viele Standesamtsunterlagen – namentlich indexiert – einsehbar!

Momentan findet man sie hier zum Durchblättern:

https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/web/archiwum-panstwowe-w-olsztynie

zum Beispiel:

Zur Orientierung kann zwischendurch ein Blick auf diese Karte hilfreich sein. Hier werden nur die Kirchdörfer des Kreises Pr. Eylau angezeigt – ohne die einzelnen Ortschaften, die zu diesen Kirchdörfern gehören. Man erhält einen guten Überblick über benachbarte Kirchspiele.


Zur Recherche gehört auch, sich mit der Geschichte des Kreises Pr. Eylau zu beschäftigen. Man sollte beispielsweise wissen, dass es bei der Suche nach Unterlagen aus der Zeit vor 1819 sinnlos ist, nach dem ‚Kreis Pr. Eylau‘ Ausschau zu halten – der existierte noch nicht! Von 1752 bis 1818 gehörten die Gebiete der späteren Kreises Pr. Eylau und Heiligenbeil zum Kreis Brandenburg.

Quelle: Der Kreis Heiligenbeil; Ein ostpreußisches Heimatbuch; S. 31

1818 wurden die Kreise Kreuzburg und Zinten gebildet. Zu beiden Kreisen gehörten Gebiete des späteren Kreises Pr. Eylau: zum Kreis Kreuzburg u.a. natürlich Kreuzburg – aber auch die Kirchspiele Uderwangen – Dexen – Schmoditten u. Pr. Eylau. Zum Kreis Zinten: Canditten – Guttenfeld – Buchholz – Peisten – Hanshagen – Albrechtsdorf – Landsberg – Reddenau – Eichhorn – Petershagen und Borken.

Im Februar 1819 wurden die Kreise Kreuzburg und Zinten wieder aufgehoben und am 1. April 1819 erfolgt die Gründung des Kreises Pr. Eylau mit 21,75 Quadratmeilen – 3435 Wohnhäusern – 3517 Feuerstellen u. 29 994 Einwohnern. Bis auf geringe Grenzänderungen bleibt der Kreis so bis 1945.


Hat man in den Kirchenbüchern ausgiebig nach Namen und Daten gesucht, ist es sinnvoll, auch andere Quellen zu nutzen, um Näheres über die Lebensumstände seiner Vorfahren oder die Geschichte ihrer Wohnorte zu erfahren. Da sind zunächst einmal Steuerlisten – Amtsrechnungen – Prästationstabellen oder Grundbücher.

Die Namen seiner Vorfahren findet man in amtlichen Unterlagen nur dann, wenn diese auch Amtsuntertanen waren. Diese wurden zu unterschiedlichen Zeiten namentlich erfasst, weil sie Abgaben an die jeweilige Regierung zu leisten hatten oder dem Amt gegenüber bestimmte Auflagen zu erfüllen hatten. Gutsuntertanen werden in amtlichen Dokumenten nicht genannt.

Um bei der Recherche die richtigen Stichworte verwenden zu können, sollte man Folgendes wissen: Um 1600 gehören die Kirchspiele „unseres Forschungsgebiets“ zu unterschiedlichen Ämtern: dem Amt Pr. Eylau – Brandenburg – Bartenstein und Balga.

Dem Amt Pr. Eylau unterstehen um 1600 elf Kirchpiele: Pr. Eylau – Klein Dexen – Eichhorn – Petershagen (unter landesherrschaflichem Patronat) – Landsberg – Canditten (unter dem Patronat der Truchsesse v. Waldburg auf Wildenhoff) – Buchholz – Hanshagen (unter Albrecht v. Creytzen) – Albrechtsdorf (unter Caspar v. Aulack) – Reddenau u. Schönbruch (unter d. Patronat der Familie v. Tettau)

Zum Amt Brandenburg gehören die Kirchspiele: Creutzburg – Dollstädt – Jesau – Mühlhausen – Almenhausen – Abschwangen – Schmoditten – Tharau – Uderwangen


Ins Amt Bartenstein: das Kirchspiel Borken und zum Amt Balga das Kirchspiel Guttenfeld sowie Teile des Kirchspiels Klein Dexen (die Ortschaften Sodehnen – Rositten – Hussehnen – Suplitten und Pompicken)

Steuerlisten – Amtsrechnungen – Prästationstabellen oder Grundbücher findet man so:

Beispiele meiner eigenen Recherche:

Mein Vorfahre Jacob Söcknick (auch Sicknick) lebt von ca. 1642 bis 1725 in Sollnicken (Kirchspiel Kreuzburg). Hier ein Ausschnitt aus den Steuerlisten des Amts Brandenburg aus dem Jahr 1703: Jacob Soecknick ist vom Scharwerk befreit, zahlt dem Amt jährlich 50 Mark und muss außerdem Getreide, Holz sowie eine fette Gans, 4 Hühner und Fisch liefern.

Amt Brandenburg – 1703
Einnahm Geldt
2 Hub(en) Jacob Sicknick davon er wegen Be-
freyung des Scharwercks giebet 50 Mark
an Gelde, 1 Scheffel Weitzen, 1 Scheffel Roggen,
2 Scheffel Haber, 1 fette Gans, 4 Hüner, 1 Ach-
tel Holtz und 2 Zoll jutes Garn

Mein Ur-Urgroßvater Johann Ludwig Gegner wird 1822 in Eichhorn geboren, heiratet 1850 in Groß Peisten und lebt anschließend mit seiner Familie in Hoofe. Dort zahlt er Steuern für zwei kleine Landflächen, die vom Besitz der Familie Schlick abgetrennt wurden.


Ausschnitt aus dem Grundbuch-Auszug von Hoofe aus dem Jahr 1860

Auswertung der Kreisblätter

Die Kreisblätter des Kreises Pr. Eylau sind als Digitalisate auf der Seite der Martin Opitz-Bibliothek zu finden. Hier das erste Exemplar aus dem Jahr 1835!. Das Durchblättern lohnt sich! Beispiel: Der in dem nachfolgenden Inserat erwähnte Carl Westphal ist mein Ur-Urgroßvater, der seine Mühle auf dem Kohnertsberg bei Landsberg 1874 zum Kauf anbietet. Ohne Durchsicht der Kreiblätter hätte ich dies vermutlich nicht erfahren!


Weitere Beispiele:


Archivbesuche

Obwohl mittlerweile viele Unterlagen online einsehbar sind, empfehle ich unbedingt, auch Archive zu besuchen! Bei der Recherche nach Dokumenten zu Vorfahren aus dem Kreis Pr. Eylau sind dies vor allem das Geheime Staatsarchiv in Berlin-Dahlem und das Archiv in Olsztyn!

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz – Foyer © GStA PK /
Christine Ziegler

Im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem befinden sich u.a. die

Ostpreußischen Folianten, 16. – 18. Jahrhundert

Inhaltlich von unschätzbarem Reichtum für die Geschichte des alten „Preußenlandes“ (dem späteren Ost- und Westpreußen), aber auch formal von außerordentlichem archivgeschichtlichen Stellenwert stehen die sogenannten Ostpreußischen Folianten in langen Reihen im Magazin des Geheimen Staatsarchivs. Die über 15.000 Nummern stammen aus den Registraturen von Königsberger Behörden, die ihr Schriftgut nach alten Traditionen in solchen „Folianten“ und damit in einer interessanten Übergangsform zwischen spätmittelalterlichen Amtsbüchern und frühneuzeitlichen Akten organisierten. (Quelle: https://agoff.de/?p=53465)

Eine spannende Quelle sind zum Beispiel die vielen noch vorhandenen Hausbücher:

Beispiele aus
XX.HA Ostpr. Fol. 284/2 Hausbuch Gr. Peisten

Auswertung: Der Krug in Peisten, Pr. Eylau

Online-Suche in den Beständen des GStA – mit einem Klick auf die Suchmaske sollte man dort landen!


Online-Suche in den Beständen des Staatsarchivs Olsztyn – mit einem Klick auf die Suchmaske sollte man dort landen!

Bei der Suche nach ‚Worienen‚ werden u.a. folgende im Archiv vorhandene Akten angzeigt, die anhand der angegebenen Signatur vorbestellt werden können:

Eine weitere interessante Quelle sind die Archivalien des Königsberger Etatsministeriums. Viele von ihnen wurden vom Staatsarchivs Allenstein digitalisiert. Sie sind hier einsehbar: https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/strona_glowna

Man findet die Akten, wenn man bei der Suche anklickt, dass man nur Fotos und Scans sehen möchte! Am sinnvollsten ist es jedoch, direkt unter den Digitalisaten des Archiwum Państwowe w Olsztynie zu suchen- siehe oben! Man muss geduldig sein, da die Bezeichnungen der Dokumente manchmal etwas verwirrend sind – ab und zu auch nur in polnischer Sprache.

Beiträge zu diesen Unterlagen:

Suche in Zeitungen



Digitalisierte Literatur

Ab und zu ändern sich leider die Links, aber diese Angaben sind aktuell (17.9.2026)

Die Bücher von Horst Schulz sollte eigentlich jeder einsehen, der sich mit der Geschichte des Kreises Preußisch Eylau und dem Leben der damaligen Bewohner befassen möchte. Manchmal findet man sie noch antiquarisch – fast immer jedoch zu horrenden Preisen!

Horst Schulz: Der Kreis Preußisch Eylau, Geschichte und Dokumentation eines ostpreußischen Landkreises, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau

Horst Schulz: Die Städte und Gemeinden des Kreises Preußisch Eylau, Geschichte und Dokumentation, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau

Horst Schulz: In Natangen – Der ostpreußische Landkreis Preußisch Eylau in 1470 Bildern, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau


Auch mein ‚Genealogie-Tagebuch‚ hat eine Suchmaske – vielleicht findet ihr auch auf diesem Weg Informationen zu Orten des Kreises Pr. Eylau oder zu Familien, die dort ansässig waren. Im Verlauf der vergangenen 20 Jahre hat sich dort einiges angesammelt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Familie Knübel – Baar – Gördes (Zuordnung)

Wenn man sich – wie ich – seit etwa 30 Jahren mit genealogischen Recherchen und Ortsgeschichte beschäftigt, sammelt sich so einiges an … Ich bemühe mich um Auswertung meiner gesammelten Archivalien, aber in meinem Arbeitszimmer befinden sich nach wie vor zahlreiche Dokumente – gestapelt oder in durchsichtigen Boxen. Eigentlich wollte ich sie schon lange ordentlich abheften.

Vor etwa 14 Jahren habe ich bereits über meine ‚Genealogische Unordnung‘ geschrieben! Der letzte Satz hieß: Nun hab ich’s bald geschafft! Da hab ich mich wohl vertan!

Ich nehme immer mal wieder einen Anlauf, um Ordnung zu schaffen …. Leider gelingt mir das oft nicht so recht! Irgendwann entdecke ich beim Räumen längt vergessene spannende Unterlagen, die mich von meinem ursprünglichen Plan ablenken … Zumindest ist es inzwischen wirklich gelungen, die Ahnen-Linien und Herkunftsgebiete (Ostpreußen – Norddeutschland – Hessen und Sachsen) in getrennten Boxen aufzubewahren.

In einer großen Blechdose befinden sich zudem noch viele alte Fotos – auch Bilder, die mir zugesandt wurden, wenn in einigen Familienzweigen niemand daran Interesse zeigte. Ich bin froh darüber, dass diese Fotos nicht entsorgt wurden – allerdings fällt es mir manchmal schwer, die abgebildeten Personen zu identifizieren. Leider wurden viele Bilder nicht beschriftet.

In diesem Fall ist mir die richtige Zuordnung hoffentlich gelungen, ….. Die nachfolgenden Bilder gehören zur Familie meiner Ugroßmutter Margarete Kröger, geb. Knübel (1856-1934).

Die abgebildete Mathilde Knübel ist die älteste Schwester meiner Urgroßmutter. Sie wurde am 3. April 1851 in (Bremen)Lüssum geboren und ist 25 Jahre alt, als sie in der reformierten Kirche in Blumenthal den Tischler Friedrich Ludwig Baar aus Fähr heiratet.

Mathilde als junge Frau – mit Bruder Georg u. Schwester Margarete – rechts als alte Frau

Die beiden bekommen drei Kinder: Georg Ludwig Baar *1877 – Elisabeth Margarete Baar *1882 und Friedrich Baar *1886. Das folgende Foto zeigt den ältesten Sohn und Schwester Margarete.

Elisabeth Margarete Baar wird 1904 die Ehefrau des Schiffszimmermanns und Bootsbauers Heinrich Johann Gördes aus Deichstücken. Hier sieht man das Ehepaar zu unterschiedlichen Zeiten – einmal mit Sohn Friedrich. Beide Photos entstanden im Atelier von Johann Meyer in Vegesack.

Nachfolgend Sohn Friedrich Gördes und Tochter Martha Mathilde Anna Gördes. Friedrich kam 1905 noch in Fähr zur Welt – anschließend verzog die Familie nach Oldenburg, wo 1909 Martha Mathilde Anna Gördes geboren wurde. Beide Eltern verstarben in Oldenburg: Heinrich Johann Gördes 1954 – seine Ehefrau bereits 1936.

Ich bin sicher, dass es noch Nachfahren dieser Familie gibt und hoffe, dass jemand meine Zurodnung korrigieren kann, falls sie falsch sein sollte!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Gesucht ‚wegen böslicher Verlassung‘

Eleonore Blume – eigentlich Leonore Blohm – wird 1736 als Tochter des Häuslings Johann Conrad Blohm und seiner Ehefrau Judith in Wersabe geboren. Seit 1753 ist sie mit dem Reiter Johann Hinrich Lohse verheiratet. Dies sind ihre Eltern:

Conrad Blohm Häußling in Wersabe und seine Ehefrau Judith

Am 15. Februar 1762 erscheint in den ‚Oldenburgisch Wöchentlichen Anzeigen‚ eine ‚Gerichtliche Proclamation und Publication‚ der Regierung in Stade. Man gibt bekannt, dass ‚Eleonore Blume‚ ihrem Ehemann Bargeld und ‚Monturstücke‚ entwendet habe und gemeinsam mit dem Knecht Harm Reincke Lünsmann – von dem sie schwanger sei und den sie mittlerweile auch geheiratet habe – über die Weser ‚ins Dänische‚ geflohen sei.

Leonore Blohm wird aufgefordert, in ihre Heimat zurück zu kehren und wegen ‚böslicher Verlassung‚ ihres Ehemanns ‚Rede und Antwort‚ zu stehen.

Ausschnitt aus einer Situationskarte von Osterstade
Handzeichnung, kopiert durch C.G.Gasschütz (1750-1780)

Die genannten Personen gehören nicht zu meinen Vorfahren – aber sowohl im Dorf Wersabe an der Weser als auch in den umliegenden Dörfern leben zu dieser Zeit auch einige meiner eigenen Ahnen mit ihren Familien und sicherlich wird dieses Ereignis in Wersabe und rundum für Aufregung und reichlich Gesprächsstoff unter den damaligen Bewohnern gesorgt haben …

Die ‚Anzeige‘ lautet: Gerichtl(iche) Proclam(ation) und Publicat(ion) –

Sr. Königl. Majest. von Großbritannien und Churfürstl. Durchlauchtigkeit zu Braunschweig und Lüneburg. Wir zum Consitorio der Herzogthümer Bremen und Verden verordnete Geheimter Rath, Regierungs-Räthe, Cantzeley Director und Räthe …

Geben dir Eleonore Blumen aus dem Dorfe Wersabe gebürtig, vehelichte Losen hiemit zu vernehmen, wasmassen dein Ehemann, der Reuter unter des Obristen Bremer Cavallerie Regiment, Johann Hinrich Lose bey Uns geziemend vorgestellet, daß, da du dich aus dem Quartier zu Hinnebeck Amts Hagen mit des Aleverich Campsen Knecht Harm Reincke Lünsmann über die Weser in das Dänische begeben, deines Ehemanns zurück gelassene Baarschaften an Gelde und Monturstücken mit weggenommen, auch dich von gedachtem Lünsmann schwängern und mit ihm cupuliren lassen, mithin deinen Ehemann böslich verlassen, dessen Umstände aber nicht litten so hin zu leben, Wir geruhen mögten, dich edictaliter anher citiren zu lassen. Wann nun solchem seinen Gesuch Statt gegeben, und diese Citatis una pro tribus erkannt ist;

Als(o) citiren, heischen und laden Namens Sr. Königl. Majest(ät) und Churfürstl. Durchl(aucht) Unsers allergnädigsten Herrn Wir dich Eleonore Blumen verehelichte Losen zum ersten, andern und drittenmahl und also peremtorie solchergestalt, daß du entweder auf den 4ten Martii nach dem Sonntage Ivocavit, zum ersten, oder den 1ten April wird seyn der Donnerstag nach dem Sonntage Judica zum andern, wenigstens den 13ten May 1762, als am Donnerstag nach dem Sonntage Cantate genannt, zum drittenmahl, und zwar auf diesen letztern Termin auch zu Anhörung der Urtel, Morgens früh um 8 Uhr vor hiesigem Königl. und Churfürstl. Consistorio in Person erscheinest, was von deinem Ehemann Johann Hinrich Lose wegen böslicher Verlassung wird an- und vorgebracht werden, anhören, darauf Rede und Antwort geben, und nach … verhandelter Nothdurft, rechtlichen Bescheides auch der Urtel gewärtigen sollest: Mit der Verwarnung, daß, du erscheinest in den angesetzten Terminen oder nicht, dessen ohngeachtet den Rechten nach in Contumaciam (= in Abwesenheit) auch mit Publicirung der Urtel verfahren werden soll. Wornach du dich zu achten.

Gegeben Stade unterm Königl. und Churfürstl. Consistorial-Insiegel den 14. Januar 1762.

(L.S.) v. Bodenhausen, v. Wersebe, Buscher.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

‚Aus bergmännischem Geblüte‘ ….

Eine Reihe von Nachkommen des Schafmeisters Israel Iltzig findet man über mehrere Generationen in der sächsichen Bergbaustadt Freiberg.

Ausschnitt aus der Geognostisch-Bergmännische Karte Der Umgegend Von Freiberg Im K. S. Erzgebirge um 1823

Auch Carl Heinrich Jacob Iltzig kommt am 20. April 1810 als Sohn von Carl Friedrich Iltzig und dessen Ehefrau Christiana Friederica Kaufmann in Freiberg zur Welt. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater und Urgroßvater väterlicherseits waren im Bergbau tätig. Carl Heinrich Jacob möchte ihnen nachfolgen – auch er will Bergmann werden.

Zur Familie: Johann David Iltzig – Urgroßvater von Carl Heinrich Jacob – ist ein Sohn des Schafmeisters Israel Iltzig. Er gründet zunächst eine Familie in Müdisdorf, zieht um 1753 jedoch mit Ehefrau Johanna Rachel Magdalena Griebe und den Kindern nach Freiberg, wo er 1763 als Berghauer verstirbt. Sohn Carl Gottlob Iltzig – Carl Heinrich Jacobs Großvater – wird 1751 noch in Müdisdorf geboren. 1776 heiratet er als Berghauer in Freiberg Christiana Dorothea Lehnert, eine Tochter des Berghauers Christian Friedrich Lehnert und seiner Ehefrau Maria Sophia Straßburger. Carl Friedrich Iltzig – Vater von Carl Heinrich Jacob Iltzig – kommt 1776 in Freiberg zur Welt, dessen Ehefrau Christiana Friederica Kaufmann (Carl Heinrich Jacob Iltzigs Mutter) ist die Tochter eines ‚wohl bekannten Bürgers, Gold und Silber wie auch Seiden Knopfmachers‘.

Am 28. Juni des Jahres 1825 formuliert der 15jährige Carl Heinrich Jacob Iltzig sein ‚Gehorsamstes Gesuch‚ an die Freiberger Bergschule und bittet darum, man möge ihn dort als ‚Bergschulzögling‚ aufnehmen. Genau schreibt er (ein wenig fehlerhaft):

Da ich nun in mein sechzehntes Lebensjahr vorgerückt bin und während den in mir der Wunsch und die schon längst erregte Neigung zum Bergbau zur Bestimmung geworden ist, weil ich aus bergmännischen Geblüte abstamme, welches mir keine Ruhe läßt, die Bergbauwissenschaften zu erlernen, und wo könnte ich dieß am ersten als in der hiesigen Bergschule unter der Leitung des soweit berühmten Hern Professor Hechts erlangen.

Ich habe mich von sechs meinen Jahre an dem Schulwissenschaften gewidmet, und bin doch so weit wie ich mir schmeicheln darf, damit vorgerückt, daß ich die Wissenschaften eines neuen Bergschulzöglings zu besitzen glaube.

Darum wage ich es, Ein Königl(ich) Wohllöbliches Bergamt gehorsamst zu bitten.

Bey Einem Königl. Hochverordneten Oberbergamte mir die Aufnahme auf hiesige Bergschule in bevorstehenden neuen Schuljahren geneigtest auszuwirken. Die gütige Willfahrung meiner gehorsamten Bitte würde ich stets mit dem größten Dank erkennen und mit der größten Hochachtung verharren Eines Königl. Sächsischen Wohllöblichen Bergamts

ganz gehorsamster

Carl Heinrich Jacob Iltzig

Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 1721


Die jungen Männer, die – wie Carl Heinrich Jacob Iltzig – beim Freiberger Bergamt um Aufnahme bitte, fügen ihren Anschreiben ganz unterschiedliche Beweise ihrer Fertigkeiten bei – einige dokumentieren ihre Schönschrift, andere ihre Rechen– oder Zeichenkünste. Einige Beispiele:

Carl Heinrich Jacob Iltzig sendet diese Skizze mit:

Dem weiteren Schriftverkehr ist zu entnehmen, dass Carl Heinrich Jacob Iltzig aufgenommen wird und die Bergschule von 1825 bis 1826 besucht. Danach scheint leider nicht alles so gelaufen zu sein wie er es sich erhofft hatte. Am 2. August 1726 wendet sich seinVater mit diesem rührenden Schreiben an die Schule:

‚Ganz gehorsamste Vorstellung und Bitte !

‚Soweit als gehorsamst unterschriebener von seinen Voreltern Kenntniß hat, so war schon seyn Großvater ein Bergmann, und bis jetzt noch scheint die Lust zu diesen Fache nicht aus meinem Geschlechte weichen zu wollen, da ich mit den Mühen und Beschwerden des Bergmanns durch neunzehnjähriges Anfahren mehr als zusehr bekannt – wohl wünschen durfte, daß meine Kinder sich einen andern Broderwerb wählen würden; auch ließ ich es mir an mancherley Vorstellungen fehlen, und suchte das Beschwerliche dieses Faches von allen Seiten darzustellen, allein wenn mir auch nicht wiedersprochen wurde, so kamen an dessen Stelle Bitten, und die Versicherung, daß ich als Vater gewiß ihr Glück wünsche, und sie wünschten sich nicht besseres, als den Weg ihres Vaters und Großväter zu betreten, und da diese als ehrliche Leute gelebt, so würde es ihnen doch auch so gehn;

Da es nun unbillig wäre, Zwangsmittel zu ergreifen, so willigte ich vor der Hand in den Wunsch meines ältesten Knaben unter Abnahme des Versprechens, daß er sich alle Mühe im Schreiben, Rechnen, Zeichnen usw. geben wolle, damit wenn ich seine körperliche Beschaffenheit für fähig halten würde, er nicht allein mechanisch mit der Handarbeiten lerne, durch etwas Vorkenntniß auch als denckendes Wesen seinen Kopf zu Hülfe nehmen, um dadurch den practischen merklichen Vorschub leisten zu können.

Aus dieser Absicht suchte ich ganz gehorsamst, daß mein Knabe Theil an der Bergschule nehmen könne, welche er nun auch bereits ein Jahr besucht hat und vorletzt verfloßnen Weihnachten gab ich mir auch Mühe, ihn in Arbeit zu bringen; allein da der Wassermangel zu dieser Zeit sehr groß war, und viele Bergleute in Gefahr standen abgelohnt zu werden, trat ich recht gern zurück, zumahl ich die Verströstung erhielt, daß sobald diesen Uebel abgeholfen auf mich billige Rücksicht solle genommen werden, allein da ich vor einiger Zeit mein Netz wieder in Hoffnung auswerfe, so will es verlauten, daß eine Verfügung getroffen, nach welcher jeder, der an der Bergschule Antheil nehmen will, erst drey Jahr müsse eingefahren seyn.

So sehr ich nun als Bergmann in Ordnung, Pünktlichkeit und Gehorsam gewöhnt bin, auch diesen Tugenden nie entgegen zu seyn wünsche, und wäre diese Verfügung eher, oder mir bekannt gewesen, ich mich gewiß folgsam gegen solche bewiesen haben würde; umso viel schmerzhafter aber würde es für mich seyn, wenn ich der erste wäre, der ohne sein Verschulden weder aus Leichtsinn noch Ungehorsam nach so manchen mir gewiß sauer gewordnem Aufwand, sollte abgewiesen werden.

Es ergehet daher an Ew. Hochwohl Wohl und Hochedelgeb(oren) mein gehorsamstes Bitten daß Dieselben, nach Dero allgemein anerkannten Gerechtigkeitsliebe, so nothwendig auch diese neuren Verfügung rücksichtlich der Bergschule sein mag, meinen Knaben, der schon seit einem Jahr theil an dieser Anstalt nahm, und der ebenso wenig als ich davon in Kenntniß gesetzt war, deshalb den ferneren Antheil daran, oder des Anfahrens zu befinden, als wodurch ich in die größte Verlegenheit gesetzt würde, zumahl es fast zu spät seyn würde, wieder etwas anderes zu wählen, und Dieselben doch zu jeder zeit, Bergleuten und deren Kinder ganz vorzüglich berücksichtigten.

In Erwartung der Erfüllung meiner ganz gehorsamsten Bitte, habe ich die Ehre, lebenslänglich mit der vollkommsten Hochachtung zu seyn

Ew Ew Hochwohl Wohl und Hochedelgebohrnen Herrn

ganz gehorsamster Diener Carl Friedrich Iltzig (,) Ablader in Eines Edeln Ratswage

Als Ablader der Ratswaage (dem städtischen Waagehaus) hat Carl Friedrich Iltzig die Aufgabe, die angelieferten Waren und Güter von den Fuhrwerken und Karren ab- und wieder aufzuladen, damit sie auf der städtischen Waage gewogen werden konnten


Einige Tage später – am 4. August 1826 – verfasst Professor Daniel Friedrich Hecht eine Beurteilung seines Schülers Carl Heinrich Jacob Iltzig.

‚Daß Karl Heinrich Jakob Iltzig seit Michaelis 1825 die akademische Bergschule nicht nur besuchet, sondern sich auch hierbey nach seinen Kräften so gezeigt hat, daß man mit seinem bewiesenen Fleiße zufrieden seyn kann wird hiermit attestiret. Freyberg, den 2ten August 1826 Daniel Friedrich Hecht(,) Professor und erster Lehrer an der Bergschule.

(Das klingt in etwa so, als würde er sagen: „Er hat sich stets bemüht!“)

Am folgenden Tag wird der ‚ganz gehorsamsten Bitte‘ des Vaters eine Notiz der Schule hinzugefügt, die besagt, dass der “junge Iltzig‚ aufgrund seiner ‚bedenklichen Gesundheitsumstände‚ und seiner ‚geringen Fähigkeiten‚ abgelehnt wird.

Was mag wohl aus ihm geworden sein ………….. ???

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

‚Immer hinter die Knechte herschleichen‘ ….

… das musste wohl mein sächsischer Vorfahre Israel Elßig (auch Illtzig – Iltzig – Ilßig oder Elsig geschrieben), der als Schafmeister auf verschiedenen Gutshöfen in der Umgebung von Meißen tätig war.

Quelle: Vollständiges Handbuch der Schafzucht für Landwirthe und Liebhaber von Schäfereyen; Landshut 1796

‚Der Schafmeister, so nicht selber hütet, muß nicht nur alle Tage, wo möglich, einigemal die Schafställe, sondern auch die weidenden Heerden auf den Triften besuchen. Den es ist nicht zu glauben, wie nöthig es sey, daß er immer hinter die Knechte herschleiche, da gute Knechte sich selten selbst bilden, und ihre Bosheit, Dummheit, Faulheit und Schlafsucht kaum zu beschrieben ist‘.

Schafmeister werden auf vielen Begüterungen benötigt – sie sind quasi Pächter der dortigen Schäfereien. Üblicherweise erhalten sie eine Bestallungsurkunde des jeweiligen Gutsherrn, die ihren Arbeitsbereich detailliert beschreibt. Leider fand ich keine solche Urkunde meines Vorfahren Israel Elßig – jedoch eine, die 1708 auf dem Gut Wolkenburg (zu dieser Zeit im Besitz der Familie von Einsiedel) für den Schafmeister Hans Otten ausgestellt wurde. Darin heißt es:

‚Zu wißen sey hiermit, daß Ich Hanß Otten bisherigen Schaffmeister zu Ronneburg auff ein Jahr von Mich(aelis) 1708 bis wieder dahin 1709 auff hießige Schäfferey zu Wolkenburg folgender gestalt bestellet und darnebenst das auff der Schäfferey stehende Rind Vieh in Pacht gegeben habe.

Quelle: https://www.archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?guid=eedad14a-46a4-4a86-aa91-2ae062c7e745

‚Nehmlich, vor allen dingen soll Er nebst den Seinigen ein Gott gefälliges leben führen, alles unanständige sich enthalten, und auch bey den seinen abwehren, Nechstdem mir getreu und dienst gewärtig seyn, auf feuer und licht fleißige Aufsicht und Sorge haben, niemanden mit bloßem lichte in die Ställe, Scheunen, auf die Böden, oder andere gefährliche Orthe außer im Nothfall mit wohl verwahrten laternen zu gehen verstatten, aber da durch seyn oder der seynigen Verwahrlosung und Unvorsichtigkeit Unglück und Schaden geschehen möchte, soll er mit seyner Caution und sämtlichen vermögen dafür hafften und gelten‘.

Aelbert Jacobsz. Cuyp (1620-1691) : Schafherde auf der Weide

Weitere Zitate aus der Bestallungsurkunde:

Die Schäfferey soll und will Er mit allen fleiß und Sorgfalt füttern, warten, und derselben treulich vorstehen, auch alle mahl tüchtige Schaff Knecht halten, und fleißige Obsicht haben, damit das Vieh von Ihnen nicht verhüttet oder im träncken verwahrloßet werde, nicht weniger bey der Lamm Zeit und Hämmerlung, die Lämmer fleißig pflegen und wartten, auch allen andern Schaden so viel Ihm möglich abwenden und dagegen nutzen suchen und fördern. …

Was aber an Viehe stirbt, davon geht dem Schäfer sein Sechstes auch ab, deswegen Er den Abgang iedes mahl den verwalter anzeigen und mit Ihm darüber Kerbhöltzer bis zur berechnung halten soll. …

Ein Kerbholz, auch Kerbstock, Zählholz oder Zählstab genannt, ist eine frühzeitliche und mittelalterliche Zählliste; es diente meist dazu, Schuldverhältnisse fälschungssicher zu dokumentieren. (Wikipedia)

Das Krippen Geräthe, welches er den abziehenden Schäffer bezahlet und Ihm von seinem nachfolger hinwieder so hoch bezahlet wird, soll er … in guten Stande erhalten.

Wenn gejagd wird, ist er schuldig, mit auf die Jagdd zu gehen und gleich andern Netze und Forckeln zu tragen. Ingleichen, wenn gefischt wird, muß er ebenfals helffen, … da Er aber bey der Schäferey nöthiger zu verrichten hat, mag er es bey den Verwalter mit Bescheidenheit erinnern.

Die Heiratseinträge von Israels Kindern enthalten unterschiedliche Angaben über den Verbleib ihres Vaters. Vermutlich hat auch er – wie der oben genannte Schafmeister Hans Otten – seine Arbeitsstelle immer mal gewechselt.

  • 1730 – bei der Proklamation seiner Tochter Anna Christine mit Christian Fischer in Raußlitz – ist Vater Israel Elßig bereits verstorben und es wird angegeben, er sei Schafmeister zu Kobelsdorf gewesen
  • 1734 heiratet in Oberau bei Meißen Sohn Daniel (ebenfalls Schafmeister, auf ‚denen hochfreiheitlichen Gütern zu Siebenlehen und Corbitz‚) – hier heißt es, sein Vater Israel Illtzig sei Schafmeister zu Graupzig gewesen.
  • 1737 findet in Rüsseina die Hochzeit von Tochter Anna Regina statt. Sie wird als ‚Ißrael Elßigs, weil. Schaafmeisters in Hermsdorf seel. ehelich hinterlaßene Tochter‘ bezeichnet.
  • Im März 1745 ist im Kirchenbuch von Meißen St. Afra das Ableben von Israels Ehefrau Anna Christina vermerkt. Ihr Sterbeeintrag lautet: ‚Frau Anna Christina, Meister Ißrael Ilßigs, weyl(and) Schäffers in Corbitz nachgel(assene) Wittbe begr(aben) mit einer Leichen Predigt, d. 14. Marti.‘
St. Afra, Meißen – März 1745

Als im Mai 1745 in Weigmannsdorf Sohn Johann David Iltzig heiratet, ist im Heiratseintrag vermerkt, sein Vater sei in ‚Knobelsdorff bey Ringethal‘ verstorben.

Bislang fand ich weder den Sterbeeintrag von Israel Elßig noch die Taufeinträge seiner Kinder. Auch der Heiratseintrag von Israel und Anna Christina fehlt noch.

Israels – vermutlich um 1710 geborener – Sohn Daniel wird ebenfalls Schafmeister. Am 25. November 1734 schließt er in der Kirche St. Afra in Meißen als ‚Schafmeister der Güter Siebeneichen und Corbitz‚ die Ehe mit Rosina Hoffmann, einer Tochter des Schafmeisters George Hoffmann in Oberau. Im Kirchenbuch ist zu lesen:

Dom 20 Trinit.
Der Ehrsame Jungges(elle) Daniel Iltzig auf

denen hochfreiheitl. Gütern zu Siebeneichen u.
Corbitz Schaafmeister, Isr. Iltzigs, weil(and) Schaff-
meisters zu Graupzig nachgel(assener) ehel(icher) Sohn, und die
Ehrb(are) Jungfr(au) Rosina Hoffmannin, George Hoff-
manns, Schaafmeisters zu Oberau ehel. älteste Tochter

Und dann gibt es noch Johann David Iltzig – einen weiteren Sohn – der am 29. Mai 1745 in Weigmannsdorff heiratet. Falls die Angaben in seinem Heiratseintrag zutreffen, verstarb Vater Israel in ‚Knobelsdorff bey Ringethal‚. Der Eintrag lautet:

David Iltzig, Juv., weyland Israel Iltzigs, gewesenen Pächters auff dem hochadel. Hofe zu Knobelsdorff bey Ringethal nachgelaßener eheleibl. Sohn, und Jgfr. Johanna Rachel Magdalena, weyl. Herrn Gotthelff Jacob Griebens in Müdisdorff, …. dreymal öffentlich proclamiret u. den 29. May in Weigmannsdorff öffentlich corpuliret worden.

Davids Ehefrau Johanna Rachel Magdalena Griebe ist eine Tochter von Gotthelf Jacob Griebe und Johanne Henriette von Kanne ‚auf Langenau und Gränitz‘, die ihre Ehe im Jahre 1717 wegen ‚Unpässlichkeit des Herrn Bräutigams‚ auf ganz spezielle Weise schlossen! Dies ist ihr Heiratseintrag:

KB Müdisdorf – 1717

Tit. Herr Gotthelf Jacob Griebe in Müdisdorf, weyl. Tit Herrn Jacob Griebens auf Langenau und Gränitz, Churfürstl. Sächsischen Kriegs Zahlmeisters hinterl. ehelicher ältester Sohn, u. Tit. Frl. Johanne Henriette von Kanne, Tit. Herrn Ernst August von Kanne, Königl. P. u. Churfürstl. Sächsischen Hauptmanns, anitzo in Weigmannsdorff, sind auff erhaltenen gnädigsten Obern Consitorial Befehl ohne Proclamation privatim vor dem Bette wegen des Herrn Bräutigams Unpäßlichkeit, nachdem sie mit einem Handschlag an Eydes statt wegen anderwärtigen Verbindnüßes, beyderseits sich legitimiret, den 26. April in Müdisdorff getrauet worden.

Johann David Iltzig und seine Ehefrau wohnen zunächst in Müdisdorf, wo auch die ersten Kinder zur Welt kommen. Später lebt die Familie in Freiberg. Johann David ist hier als Bergmann tätig und verstirbt 1763 in Freiberg. Seine Ehefrau folgt ihm einige Jahre später.

Tochter Johanna Rahel Iltzig heiratet 1772 in Pretschendorf den Witwer und Kinderlehrer Johann Daniel Arnold. Ihre Söhne Carl Gottlob und Johann David Heinrich ernähren ihre Familien als Berghauer in Freiberg. Letzterer wird 1801 als ‚bestallter Obersteiger‘ bezeichnet.

Der Familienname Elßig – Ilsig – Elsig – Illtzig – Iltzig kommt in der Region um Meißen sehr selten vor – fast alle Personen dieses Namens konnte ich dieser einen Familie bzw. der Familie von Johann Gabriel Iltzig (+1737 in Freiberg) und dessen Nachkommen in Freiberg zuordnen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Bitte keine Stachelbeeren mehr!

Im Gegensatz zu meinem ostpreußischen Großvater Carl Ludwig Gegner, der nicht einmal 29 Jahre alt wurde und während des 1. Weltkriegs – im Mai 1915 – in Gallizien verstarb, hatte mein Großvater Hinrich Haesloop Glück! Er überlebte beide Kriege.

Hinrich war Seemann und fuhr als Maschinist auf verschiedenen Dampfschiffen durch die Welt. Hier sieht man ihn (2. von links) gemeinsam mit anderen Seeleuten auf dem Dampfschiff Heimburg.

Aber auch Hinrich musste im 1. Weltkrieg selbstverständlich ‚dienen‚. Es lag nahe, dass er zur Marine eingezogen wurde. Aufgrund der Adresse auf einer Feldpostkarte, die ihm im März 1915 von seinem Schwager Georg Kröger von Vegesack aus gesandt wurde, weiß ich, dass Hinrich Haesloop zu dieser Zeit der 1. Werftdivision Abt. I in Kiel-Wik – einer militärischen Einheit der Kaiserlichen Marine angehörte – und in Kaserne Nr. 9 in der Stube 35 untergebracht war.

Georg Kröger schreibt u.a.: ‚ (Lieber) Hinrich! Wir haben d(ie) ganzen Tage schon auf dich gewartet, da du doch an Anna geschrieben hattest, daß Du auf Urlaub kommen wolltest‘.

Irgendwann muss er dann wohl wirklich ‚auf Urlaub‘ bei seiner Frau Anna in Blumenthal gewesen sein – denn am 28. Dezember desselben Jahres wird seine Tochter – meine Mutter – geboren!

Meine Großeltern Hinrich und Anna Lisette wohnten in Blumenthal in einem schönen alten Haus und besaßen einen riesigen Garten, in dem alle nur denkbaren Obst– und Gemüsesorten angebaut wurden. Es gab Kartoffeln, Bohnen, Äpfel, Birnen, Kirschen und auch Stachelbeeren!

1916 erhält meine Großmutter in Blumenthal diese Karte von ihrem Ehemann aus Kiel:

Mein Großvater Hinrich Haesloop steht ganz links!

Auf der Rückseite der folgende Text:


Liebe Anna!

Besten Dank für deinen Brief und Paket. Leider muß ich dir mitteilen, daß die Stachelbeeren schlecht waren, deshalb sende bitte keine wieder. Danke bestens für die Adressen, denn wie ich eingeliefert wurde, hatte ich garnichts mitgenommen. Muß noch einige Tage hier bleiben zur Beobachtung, denn es ist festgestellt worden, daß ich die Ruhr gehabt habe. Schreibe bitte bald wieder. Hoffentlich geht es der kleinen gut.

Es grüßt vielmals Heinrich

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

„Trage Deine Ketten und schmücke sie mit Blumen“

….ein ‚Täfelchen‚ mit diesem Spruch findet Pastor Christian Friedrich Puttlich im Mai des Jahres 1795 bei seinem Gang durch den Gutspark der Begüterung Worienen im Kreis Preußisch Eylau. Der Spruch ist an einer Birke befestigt und wurde dort vermutlich von einem meiner Vorfahren angebracht!

Mit Worienen habe ich mich lange und einghend beschäftigt – so sehr, dass sogar ein Buch über die Begüterung entstanden ist. Aber meine Vorfahren, die dort – wenn man ihre gesamte Dienstzeit addiert – etwa 80 Jahre lang als Kunstgärtner arbeiteten, habe ich bislang nicht ausreichend gewürdigt.

Staatsarchiv Olsztyn, Best 383/55, Grundakten der im Haupt Amte Preusch Eylau gelegenen Worienenschen Ritter-Güter

„Die Herrschaftlichen Lust-, Obst– und Geküch-Gärten sind weitläuftig und wird darauf beständig ein Kunst-Gärtner und ein Gärtner Lehr-Bursche, vom Frühjahr ab bis Martini zu auch noch ein Garten Knecht gehalten und diesen zur Reinhaltung der Gärten(,) die nöthige(n) Weiber gegen ein Tag-Lohn von 6 Gl gegeben“ ….

Dies notiert Johann Ludwig von Domhardt in den Woriener Grundakten von eigener Hand. Nach dem Tod seines Vater Johann Friedrich von Domhardt (1781) wird die Begüterung von ihm übernommen und ab etwa. 1790 wird Worienen zum Hauptsitz der Familie.

Zu Zeiten von Mathias von Bredow (1724-1763) – der Worienen vor der Domhardt-Familie besaß und das Woriener Schloss erbauen ließ – heißt der Kunstgärtner Christian Schmidt. Er ist verheiratet mit Anna Gegner, einer Schwester meines Urgroßvaters 6. Grades Christoph Gegner.

Wie wurde man zu dieser Zeit Kunstgärtner?

Ich konnte bei meiner Recherche einige Antworten finden – u.a. in einem von der Uni Dresden veröffentlichter Vortrag (leider wird kein Name angegeben). Darin heißt es: „Eine freie Berufswahl gab es im 18. Jahrhundert zwar, doch ließen rechtliche und wirtschaftliche Beschränkungen es ratsam erscheinen, in vorgegebene Fußstapfen zu treten. So sah man. Fachwissen, aber auch vererbtes Arbeitsgerät bereits als Grundkapital an, mit dem man eine Stellung zu erlangen hoffte oder sich behaupten konnte. Das strenge Weitervererben von Vater auf Sohn war jedoch nicht unbedingt die Regel“. Es konnten auch andere Familienmitglieder sein, die nachfolgten. So ist es auch bei meinen ‚Kunstgärtner-Vorfahren“ in Worienen.

Anmerkung: So ganz frei ist die Berufswahl damals nicht – zumindest nicht für Guts–Untertanen, die gern einen Beruf außerhalb des Gutsbezirks ergreifen möchten. Sie benötigen zunächst einmal Freibrief ihres Gutsherrn, um den Gutsbezirk überhaupt verlassen zu können. Hier zwei Beispiele!

Vermutlich hätte Christian Schmidt einen seiner Söhne als Nachfolger angelernt, doch diese sind noch zu jung, als er sein Amt beendet und Arrendator der Begüterung wird. Zunächst erhält deshalb ein Auswärtiger seine Stelle: Christoph Scheldehnen, der sich jedoch nur einige Jahre in Worienen aufhält. Anschließend übernimmt Christians Neffe Michael Gegner – mein Urgroßvater 5. Grades (Sohn des zuvor genannten Christoph Gegner) – die Aufgabe des Kunstgärtners. Sicherlich wurde er von seinem Onkel ausgebildet.

„Die Inhalte des damaligen Ausbildung im 18. Jahrhundert entsprachen den einzelnen Tätigkeitbereichen im Garten: neben dem Lustgarten gab es den geringer geschätzten Küchengarten, die Orangerie und den Baumgarten„. (Uni Dresden)

Die Anforderungen an einen Kunstgärtner sind vielfältig: sie müssen gut lesen, rechnen und zeichnen können, sich botanisches Fachwissen, Techniken der Gartengestaltung und Pflanzenpflege aneignen und sich mit Schnitttechniken, Düngung, Schädlingsbekämpfung und der Bodenbearbeitung auskennen, um die Pflanzengesundheit zu garantieren. Zudem benötigen sie handwerkliches Geschick.

Eine Orangerie gab es übrigens auch in Worienen – und ein Haus für Pfauen!

Auszug aus den Grundakten: „Die Orangerie nebst dem massiven Wohnhause des Gärtners und dem massiven Pfauen Hause ist von dem jetzigen Besitzer Ludwig Friedrich von Domhardt erbauet und dagegen das alte ganz untaugliche Orangerie-Gebäude im obern theile des Gartens, zu neuem Garten-Hause mit einem Salon und zwey Stuben eingerichtet.“

Nach Michael Gegner, der bei der Eheschließung seiner jüngsten Tochter als „Kunst erfahrener Gartenierer“ bezeichnet wird, folgt zunächst für einige Jahre (von 1767-1770) Johann Christian Krafft, der zuvor Landreiter des Amts Allenstein war. Das scheint eine Notlösung gewesen zu sein – Michaels Sohn Gottlieb (* 1751 in Worienen), der von seinem Vater angelernt wurde und dessen Stelle übernehmen soll, ist vermutlich noch abwesend. Wie in einigen anderen Berufen, war es auch in diesem Bereich üblich, dass man im Anschluss an die Ausbildung auf Wanderschaft ging. ‚Diese sollte so lange fortgesetzt werden, bis sich eine feste Stelle bot‘. (TU Dresden)

Für seine Wanderschaft spricht, dass Gottlieb Gegner 1788 in der Kirche von Tharau einen unehelichen Sohn Gottlieb taufen lässt, der am 17. März des Jahres von Christina Schmidtke, einer Tochter des damaligen Hofmanns von Braxeinswalde geboren wurde.

Der Beruf des Kunstgärtners scheint ziemlich angesehen gewesen zu sein. Ursula Gräfin zu Dohna führt in ihrem Buch „Gärten und Parks in Ostpreußen. 400 Jahre Gartenkunst“ ein Beispiel für den Lohnanstieg in diesem Metier an. Sie bezieht sich dabei auf das Dönhoff-Gut Friedrichstein: während dort ein Administrator im Jahre 1715 120 Gulden und 1795 532 Gulden, ein Schreiber 1715 100 Gulden und 1795 240 Gulden erhält, verdient der dortige Gärtenierer im Jahr 1715 60 Gulden – im Jahr 1795 jedoch bereits 300 Gulden. Er ist also derjenige, dessen Lohn prozentual am meisten gestiegen ist.

So viel wurde in Worienen zu dieser Zeit allerdings nicht verdient, wenn man den in den Gusakten angegebenen Tageslohn von 6 Gulden auf einen Monat hochrechnet!

Gottlieb Gegner kehrt nach Worienen zurück und bis etwa 1799 findet man ihn hier als Gärtenierer. Dann verlässt er den Gutsbezirk und wird Kunstgärtner in Gerdauen.

Abel Grimmer – Die vier Jahreszeiten

Der zu Beginn erwähnte Gang durch den Woriener Gutspark von Pastor Puttlich findet zu Gottliebs Zeit statt. Puttlich berichtet: „Es giebt viele ausländische Bäume darin als die nordamerikanische Fichte, als die virginische Pappel, der Lerchenbaum, Cypressenbaum, mehrere Akazienarten u. s. w., die zum Theil aber bey dem letzten späten Frost etwas gelitten haben. Außer dem …. größeren Teiche, woran der Garten linker Seite grenzt, enthält er in seinem Innern noch zwey andere kleinere Teiche mit Fischen, davon einer mit einem schönen weißen Geländer umgeben ist, dann kommt man im Laubdunkel zu einer von Feldsteinen eingeschlossenen Samaritäne oder zu einem Quellbrunnen, woran ein Sitz von Wurzeln u. Aesten ist. ….

Den großen Garten zieren noch Pfauen, deren 20 seyn sollen u. die hier ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, denn man begegnet sie fast auf allen Pfaden“.‚ ….. Weiter beschreibt er: ‚Nun durchkreutzen sich krumme Pfade durch das wilde Gebüsch von allerley einheimischen Holzarten. Auf der rechten Seite im Garten neben dem einen Teiche findet man die vielen Mistbeete u. einen Treibkasten, worin viele Ananaspflanzen in Töpfen stehen. Achtzehn davon trugen schon Frucht. Hinter diesem Platz kommt der Blumenflor, in dessen Mitte eine steinerne Sonnenuhr steht‘.

Puttlich erwähnt auch ‚das große Gewächshaus von 27 großen Fenstern, worin man eine schöne Orangerie u. seltne Blumenstauden u. Gewächse findet‘.

Zur Gestaltung und Anlage all dieser Elemente leisteten meine Ahnen in Worienen einen bedeutenden Beitrag – ein schönes Gefühl! Laut Johann Georg Estor trugen sie dadurch zur Lustbarkeit‚ und Ergötzung ihrer Mitmenschen bei!

Unter den Menschen sind viele, welche nicht allein nützlich sind, sondern auch zum vergnügen dinen; teils gibet es solche personen, welche zur menschlichen lustbarkeit und ergözung allein vorträglich sind. Dahin gehören die baumeister, maler, mechanici, musici, trompeter, musicanten, dichter, operisten, bild- und steinhauer, kupferstecher, bild- und statuen-giesser, garten-ingenieur, kunstgärtner, feuerwerker etc.

Gottliebs älterer Bruder Johann Christian Gegner wird ebenso Kunstgärtner – er verlässt jedoch den Gutsbezirk und man findet ihn 1784 als Gärtenierer und Krüger in Devau und 1787 als Gärtenierer auf dem Königsberger Sackheim – aber das ist eine andere Geschichte ….

Nachfolger in Worienen wird nach Gottlieb Gegners Abzug der Gärtenierer Carl Wilhelm Schmidt. Erstaunlicherweise ist auch er mein direkter Vorfahre aus einer anderen Ahnenlinie. Er stammt aus Kapsitten im Kirchspiel Domnau, ist verheiratet mit Anna Louise Tugendreich Reissmann, der jüngsten Tochter des damaligen Woriener Jägers und übt den Beruf des Kunstgärtners in Worienen bis zu seinem Tod im Jahre 1829 aus.

Auch in der nachfolgenden Gegner-Generation gibt es wiederum einen Kunstgärtner: der 1785 in Eichhorn geborene Enkel von Michael Gegner – Sohn meines Urgroßvaters 3. Grades Wilhelm Gegner. Er wurde in Bartenstein ausgebildet und wanderte nach Dänemark aus. Näheres kann man hier nachlesen: Von Ostpreußen nach Dänemark

Einige Gedanken des Gartentheoretikers Christian Cay Lorenz Hirschfeld aus seinen Büchern zur ‚Theorie der Gartenkunst‚ zum Beruf des Kunstgärtners oder ‚Gartenkünstlers‚ – wie er ihn nennt:

‚Der Gartenkünstler, der glücklich arbeiten will, muss einen Reichthum von ländlichen Ideen besitzen; und diese erlangt er nur durch eine genaue und anhaltenden Beobachtung der Natur. Er muss nicht nur eine ausgebreitete Kenntniß der verschiedenen Lagen, Gegenstände und Charaktere in der Landschaft haben, sondern auch mit allen den Wirkungen vertraut seyn, welche diese Lagen, Gegenstände und Charaktere sowohl einzeln, als auch in den unendlich mannigfaltigen Zusammensetzungen, worin sie geordnet werden können, auf die menschliche Seele haben‘.

Ein Garten ’soll die Wohnung der Erquickung nach dem Kummer, der Ruhe aller Leidenschaften, der Erholung von der Mühe, der heitersten Beschäftigung des Menschen seyn‘.

Die Gartenkunst ‚giebt ein längeres und dauerhafteres Vergnügen als Statuten, Gemälde und Gebäude; denn ein Garten erhält duch den Fortgang des Wachsthums, durch die Veränderungen der Jahreszeiten und der Witterung, durch die Bewegungen der Wolken und des Wassers, duch die Dazwischenkunft der Vögel und Insekten, durch tausend kleine Zufälligkeiten bey Gegenden und Aussichten – immer eine Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, die weder an Belustigung leer werden, noch ermüden‘.

‚Durch die Mischung von Ebenen, Anhöhungen und Vertiefungen bewirkt die Natur eine reizenden Mannigfaltigkeit in der Landschaft; der Gartenkünstler soll hier ihrem Beispiel folgen und keine von diesen Hauptbeschaffenheiten des Erdbodens vernachläßigen‘.

Hirschfeld erwähnt auch das Anbringen von Schildern in Gärten und bemerkt:

“Sie unterhalten in der Einsamkeit, beleben die Einbildungskraft und wecken die Empfindsamkeit‚ … Zum klugen Gebrauch der Inschriften gehört, dass sie … in einem Garten nur überaus sparsam angebracht werden. … Ein Gartenkünstler, der überall, wo man ruhen will, zum Lesen auffordert, der jede Bank, jedes Beet mit einer Inschrift bekleckt, ist ebenso unerträglich als ein dreister Schwätzer‚.

Auch in meinem Oldenburger Garten hängt übrigens ein ‚Täfelchen‘ – aber das hätten meine Kunstgärtner-Vorfahren wohl nicht aufgehängt 🙂

Falls sich jemand für Gartengeschichte interessieren sollte – hier findet man eine Zusammenstellung interessanter Literatur!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Über Ernst und Hertha Grudde in Beisleiden, Pr. Eylau

Im Sommer 2004 fuhren meine Freundin und ich bei unserer ersten ‚Ostpreußen-Erkundung‚ unmittelbar am Gut Beisleiden (heute Bezledy) vorbei – es liegt nicht weit entfernt vom Grenzübergang in den russischen Teil des ehemaligen Kreises Preußisch Eylau.

Seit 1801 ist das Gut Beisleiden im Besitz der Familie von Oldenburg – erster Besitzer der Familie ist der Generallandschaftsrat Ludwig von Oldenburg (1778–1843), später erster Landrat des Kreises Preußisch Eylau. Sein Sohn Botho von Oldenburg erbt das Gut mit sämtlichen Vorwerken von seinem Vater. Bis 1945 bleibt der Besitz in der Familie von Oldenburg, über die man in einschlägiger Literatur reichlich viele Informationen findet. Ich möchte ein wenig über das Ehepaar Grudde berichten, das mit dem Gut Beisleiden ebenfalls eng verbunden war ….

Ab 1907 wird das Gut von Ernst Grudde bewirtschaftet. Als Oberinspektor bzw. Administrator der Begüterung ist er verantwortlich für die organisatorische und wirtschaftliche Führung, um den reibungslosen Betrieb der Begüterung mit den dazugehörigen Gütern und Vorwerken Perguschen, Glamslack, Sardienen, Stilgen, Bothoswalde, Klein Wolla und der Ziegelei Bekarten. sicherzustellen – in Mollwitten wird dieses Amt gleichzeitig von Arthur Karl Ankermann ausgeübt (geboren am 25.9,1885 in Domtau als Sohn von Carl August Ankermann und Auguste Maria Rehberg – von 1907 bis zu seinem Tod Oberinspektor in Mollwitten).

Niekammers Güteradressbuch von 1932
Das Gut Beisleiden (Quelle: Bildarchiv Ostpreußen)

Nicht weit entfernt – auf Gut Perscheln – lebt Familie von Berg. Der letzte Besitzer des Guts ist Botho von Berg (1903-1983), der auch als Schriftsteller bekannt wurde. Er hält sich oft bei den ‚Nachbarn‘ in Beisleiden auf und lernt auch das Ehepaar Gudde kennen. Botho von Berg berichtet: ‚Grudde regiert die achttausend Morgen Begüterung der Familie von Oldenburg ….Grudde, riesig von Wuchs, alterfahrener Landwirt, ist die Seele der Gegend. Ohne Grudde geht es nicht. Man hat Respekt vor ihm und seinen gewaltigen Hunden, vom kleinsten Scharwerken bis zur gnädigen Frau. Was Grudde sagt, gilt. Was er anfasst, fühlt sich festgehalten. … Grudde verkörpert die Einheit von Landmann und Boden. Er wirtschaftete stets extensiv, sparsam. Er riskierte nichts. … Grudde war vorbildlich im Umgang mit den Gutsleuten, ein auf Ordnung haltender vorbildlicher gerechter Vater seiner großen „Familie“. Seine Aktivität begründete sich auf Leistung und Erfolge. Seine Bombenruhe wirkte segensreich‚. (Botho von Berg in ‚Der Zauberapfel aus Perscheln, Februar 1965 im Ostpreußenblatt) )

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen

Der Historiker Emil Johannes Guttzeit erwähnt Ernst Gudde in seinem Artikel ‚In Natangen – Ein Gang durch den Kreis Pr. Eylau‘, der am 25. September 1952 im Ostpreußenblatt veröffentlicht wird und beschreibt eine lustige Situation:

‚Das Gut Beisleiden der Familie von Oldenburg verwaltete Administrator Grudde. Er war von riesiger Gestalt und brauchte Raum um sich. Aus diesem Grunde stieg er jahrzehntelang weder in einen Zug noch in ein Auto. An der Peripherie seines Lebenskreises lagen die Städte Pr.-Eylau und Bartenstein, die er mit seinem Selbstfahrerwagen erreichen konnte. … An einem Vormittag erschien in einem sechssitzigen Auto eine hohe Regierungskommission, die über einen Schulbau zu entscheiden hatte. Nach Beendigung der Amtshandlung schachtelten sich die Beamten etwas mühsam in das Innere des Autos ein. Da konnte sich Administrator Gudde nicht enthalten, mit herzlichem Bedauern zu sagen: „Mein Gott, sind das kleine Verhältnisse!“

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen – vermutlich um 1907 in Beisleiden

Während sich Ernst Gudde um die Bewirtschaftung von Beisleiden kümmert, verbringt seine Ehefrau Hertha viel Zeit mit den Landarbeiterinnen und Tagelöhnern des Guts. Sie hört ihnen zu und sammelt unermüdlich alte Sagen, Märchen und Erzählungen.

Auf diesen Bild ist sie sitzend – gemeinsam mit einer anderen Dame – in der Spinnstube von Beisleiden zu sehen.

Botho von Berg sagt über sie: ‚Frau Hertha Grudde wirkt in der Stille. Aus dem bescheidenen Beamtenhaus im Schatten des recht stillos verbauten Gutshauses – manche sagen „Schloss“ – strahlt Kultur. Man sieht Frau Grudde kaum, aber man spürt ihr Wirken‚.

Prof. Dr. Walter Ziesemer, der 1925 an der Königsberger Albertus Unviversität das ‚Institut für Heimatforschung‚ gründet und dessen Mitarbeiterin sie wird, beschreibt ihre Vorgehensweise sehr anschaulich: ‚Wie und wo wurden nun die Märchen ausgeschrieben? Gelegentlich geschah es gleich nach Diktat oder aber erst in eine Kladde, denn die Erzähler sprechen langsamer oder schneller, je nachdem sie Zeit haben oder eine leichtere oder schwerere Arbeit verrichten, wenn sie zur Vesper kommen, langsam und bedächtig essen und trinken, dann geht das Erzählen auch ungezwungen langsam vor sich. Dann konnten die Märchen gleich wie nach Diktat getreu nachgeschrieben werden. Bei schnellem Erzählen wurden die Stichworte in die Kladde notiert, die Kladden aber stets am gleichen Tage abgeschrieben, so daß eine völlig getreue Wiedergabe gesichert ist.

Geschrieben wurde im Eßzimmer, in der Küche und im Keller, während die Frauen arbeiteten, im Garten beim Obstpflücken, auf dem Holzhaufen vor dem Haus, auf den Futter­kästen im Stall, auf Wagendeichseln zwischen Brettern und Baum­stämmen auf dem Hof, imStraßengraben der Landstraße, in Arbeiter­stübchen und Gärtchen, wenn gesponnen, gestrickt und geflickt wurde.

Auf die angegebene Art sind in dem kleinen Beisleiden allein über 300 Volksmärchen gesammelt und ausgezeichnet worden‘.


Hertha Grudde erzählt selbst: „Mein Weg zu den „Plattdeutschen Volksmärchen” war ein weiter. Die Erfüllung der beiden grössten Vorbedingungen hierzu lag in meiner Kinderzeit. Ich bin auf dem Gut meines Vaters, das etwa 18 km. von Beisleiden entfernt lag, aufgewachsen und habe dort, im Spiel mit den gleichaltrigen Arbeiterkindern, den plattdeutschen, süd-natangischen Dialekt, genau so wie er in Beisleiden gesprochen wird, vollständig beherrschen gelernt. ….

Hertha Grudde, geb. Hellbarth, verbringt ihre Kinder– und Jugendzeit auf dem väterlichen Gut in Roschenen, unweit von Schippenbeil.

….Ebenso wesentlich wurde für meine späteren, volkskundlichen Sammlungen das Wissen darum, wie man dem sich stets verschieden äußernden und doch ewig gleichbleibenden Misstrauen der Arbeiter gegen die Herrenkaste begegnet. Auch hierin waren die Arbeiterkinder meine Lehrmeister.

„Unbedingtes Worthalten, Wahrheitsliebe, absolute Höflichkeit verbunden mit sehr ruhiger Freundlichkeit und doch Innehalten der Schranken, die sie einem als social anders gestellten Menschen zuweisen”, gehören dazu.

Ich habe mein Verhalten danach gerichtet und zugleich auch nie die bei unseren natangischen Arbeitern geltenden, von den üblichen oft so abweichenden Höflichkeitsregeln vergessen„.

Beisleiden wurde um den 2. Februar 1945 von der ‚Roten Armee‚ besetzt. Die Bewohner begaben sich auf die Flucht. Noch 1958 wird in einer Ausgabe des Ostpreußenblatts um Auskunft über den Verbleib von Ernst und Hertha Grudde gebeten – inzwischen weiß man, dass beide im Februar 1945 in Pillau (bzw. in der Nähe von Pillau) verstarben.

Ostpreußenblatt 8.6. 1996

Einige genealogische Informationen:

zu Familie Grudde: Ernst Albert Rudolf Grudde *7.3.1878 in Gallingen als Sohn des dortigen Mühlenbesitzers Carl Ludwig Grudde und dessen Ehefrau Amalie geb. Schiemann – Eltern von Carl Ludwig Grudde: Johann Christian Grudde *1782 in Falkenau, köllmischer Gutsbesitzer in Falkenau u. Catharina Elisabeth Fleischer – seine Eltern: Johann Gottfried Grudde, Köllmer u. Schulz in Falkenau u. Anna Lovisa Erdmann

zu Familie Hellbarth: Hertha Hellbarth *4.12.1885 in Tengutten als Tochter von William Albert Hellbardt *7.7.1858 in Roschenen u. Katharina Henriette Elisabeth von Lentzke *um 1866 in Voigtshof b. Seeburg (2 unverehelichte Schwestern von Hertha Gudde, geb. Hellbarth verstarben 1978 und 1979 in Berlin) – seine Eltern: Friedrich Gustav Hellbardt, Gutsbesitzer in Roschenen u. Josephine Laura Mojaen *5.1.1832 in Schippenbeil, Mühle Mojaen (in der Sterbeeurkunde des Sohnes Robert Hellbarth ist angegeben, dass diese in Florenz verstarb) – Schwester Maria Alice Hellbardt *1.7.1853 in Roschenen oo den aus Bremerhaven stammenden Werftbesitzer u. Reeder Wilhelm Heinrich Rickmers (1844-1891) – Eltern von Josephine Laura Mojaen: Johann Mojaen, Gutsmühlenbesitzer in Schippenbeil u. Juliane Charlotte Sylla –

Eltern von Katharina Henriette Elisabeth von Lentzke – also Hertha Guddes Großeltern mütterlicherseits – sind: Hermann Ferdinand Ernst von Lentzke, Amtmann zu Voigtshof bei Seeburg, später Domänenpächter in Klein Upalten, Kr. Lötzen u. Martha Margarethe Hedwig Gregorie *17.6.1846 in Schippenbeil – deren Eltern: Ferdinand Theodor Gregorie (1806-1874) u. Friederike Johanne Sylla (1802-1875).

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Genealogie als Heilmittel …

Dieser Beitrag fällt ein wenig aus dem Rahmen – er ist sehr persönlich.

Nachdem mir vor vielen Jahren das von Pfarrer Johannes Hoehne 1909 veröffentlichte kleine Büchlein ‚Das Amt Pr. Eylau um 1600 unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Kl. Dexen‚ in die Hände gefallen war, habe ich bereits einen kurzen Bericht geschrieben, der die Überschrift trägt ‚Genealogie als Heilmittel gegen Unzufriedenheit‚. Der Titel bezog sich auf das Vorwort von Pfarrer Hoehne, der als Heilmittel empfiehlt, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Die Beschäftigung mit der ‚alten, guten Zeit‚ könne bewirken, die eigene Unzufriedenheit abzulegen, behauptet er.

Pfarrer Hoehne hat Recht! Taucht man näher ein in die Vergangenheit, erkennt man schnell, dass es absolut keine guten, alten Zeiten waren, in denen unsere Vorfahren lebten – ganz egal in welchen Regionen sie ansässig waren. Bei näherer Beschäftigung mit den Lebensumständen der Vorfahren fragt man sich ab und zu, wie es überhaupt möglich war, dass es einigen von ihnen gelang, derart viele Krisen, Krankheiten und Widrigkeiten zu bewältigen und zu überleben.

Bei mir selbst hatte die Beschäftigung mit der Ahnenforschung noch weitergehende Auswirkungen. Sie war nicht nur ein Heilmittel gegen Unzufriedenheit.

Als ich vor mehr als 30 Jahren mit meinen genealogischen Forschungen begann, befand ich mich in einer schwierigen Lebenssitutaion. Nach einer Reihe von Schicksalsschlägen litt ich unter Angst- und Panikattacken. Ich musste meinen Beruf aufgeben und und war viele Jahre lang nicht in der Lage, das Haus zu verlassen.

In dieser Zeit, begann ich, mich intensiv in die Ahnenforschung zu stürzen – zunächst nur von zu Hause aus. 1995 startete der Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen) die ersten deutschen genealogischen Mailinglisten – schon damals war also ein Austausch mit anderen Forschern möglich. Ansonsten erhielt ich Informationen über Briefkontakte oder Telefonate – jeder kleine Fortschritt löste riesengroße Freude aus.

Durch die Anforderung der Heiratsurkunde meiner Großeltern erfuhr ich erstmals, dass mein Großvater väterlicherseits aus Ostpreußen stammt – dies war der Anlass, mich der Geschichte seines Geburtsorts Landsberg im Kreis Preußisch Eylau und der Geschichte Ostpreußens zu beschäftigen. Ich erinnere mich noch an den Tag, als mir ein amerikanischer Forscherkollege, der Zugang hatte zu den Kirchenbüchern dieser Region, die ersten Auszüge aus dem Landsberger Kirchenbuch zusandte. Ich war damals so dankbar und überwältigt, dass ich ihm einen Blumenstrauß in die USA schickte!

Das waren die Anfänge. Nach und nach wollte ich mehr und schaffte es schließlich, selbst in der Forschungsstelle der Mormonen zu recherchieren, Archive zu besuchen und sogar verschiedene Regionen zu erkunden, in denen meine Ahnen ehemals lebten – auch die Heimat meiner ostpreußischen Vorfahren.

Ich bin davon überzeugt, dass die Beschäftigung mit der Ahnenforschung – neben einer Reihe von Therapien – für mich ein wirkliches ‚Heilmittel‘ war. Sie hat dazu geführt, dass ich in eine ganz andere Welt eintauchen konnte, andere Perspektiven wahr- und einnahm und dass sich meine persönliche Situation dadurch relativierte.

Sport, Musik oder Kunst können sicherlich Ähnliches bewirken – aber vielleicht gibt es außer mir noch einige andere, die das ‚Abenteuer Ahnenforschung‚ als ‚Heilmittel‚ erleben – nicht nur gegen Unzufriedenheit …. !? Vielleicht kann ich auch einige dazu animieren, es auszuprobieren ….?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare