Páriga – Patikan – Padeken – Asegut – und eigentlich Kolschen

Sucht man nach den Vorfahren der väterlichen Linie, so orientiert man sich üblicherweise am eigenen Nachnamen: heißt man selbst Müller, heißt normalerweise auch der Vater Müller und der Großvater usw. – zumindest dann, wenn alle ‘ordnungsgemäß’ geheiratet haben.

In diesem Fall war der Weg steinig. Etwa 10 Jahre lang hat Micael Páriga aus Arizona versucht, seinen Ur-Ur-Großvater zu finden und dessen wahre Identität zu enthüllen.

Der Name Páriga ist in den USA selten und Micael wuchs in der Annahme auf, seine Vorfahren seien irgendwann aus Mexiko eingewandert. Der Name klingt eher spanisch, Mexiko und Arizona grenzen aneinander und in der Familie wurde immer auch Spanisch gesprochen. Innerhalb der Familie wurde allerdings auch die Geschichte erzählt, dass es unter den Vorfahren einmal zwei Brüder gegeben habe, deren Eltern (mit Namen Patikan) ursprünglich aus Irland oder aus Deutschland eingewandert und bei einem Überfall von Indianern getötet worden seien. Die Kinder seien daraufhin von einem reichen mexikanischen Ehepaar adoptiert worden. Weitere Einzelheiten waren nicht bekannt.

Nun hat sich herausgestellt, dass der Ursprung der Familie Páriga in Varel liegt!

Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle den gesamten Ablauf der mühsamen Suche zu schildern – das wäre ausreichend Stoff für ein spannendes Buch. Aber in Kurzform möchte ich die – fast unglaubliche – Geschichte von Friedrich Gerhard Padeken erzählen, die sich am Ende der Suche ergeben hat.

Friedrich Gerhard Padeken wird am 13.11.1829 in Seghorn bei Varel als Sohn des Schmiedes Johann Kolschen (oder Padeken) und dessen Ehefrau Helene Margrete Ebken geboren. (Padeken nennt sich der Vater, nachdem er in Obenstrohe die Padeken-Schmiede übernommen hatte). Um 1850 leben nur noch seine Mutter und ein 8-jähriger Bruder.

1854 verlässt Friedrich Gerhard Padeken seine Heimat und schmuggelt sich zunächst als ‘Edward Asegut‘ unter falschem Namen an Bord des Auswandererschiffes Germania nach New York. Der richtige Edward Asegut war vermutlich ein Schiffsarbeiter, der nicht zum Dienstantritt erschienen war. So nahm er dessen Platz ein.

Auswandererschiff

Immer wieder hat es in der Mitte des 19. Jahrhunderts Deutsche nach Hawaii (=Sandwich-Inseln) verschlagen. Auch Friedrich Gerhard Padeken alias Edward Asegut landet dort. Er heiratet eine Hawaiianerin namens Margaret Kamaha Aweau. Die beiden bekommen 6 Kinder. Alle werden auf den Namen Asegut getauft. ‘Edward Asegut’ ist Geschäftsmann und handelt – gemeinsam mit seinem Partner Julius Reinhardt – u.a. mit Zucker, Melasse und gesalzenem Rindfleisch. Sie besitzen mehrere Zuckerplantagen, auf denen sie Mühlen betreiben.

Zuckerplantagen

Es läuft nicht alles wie erhofft – mehrfach müssen ‘Edward Asegut‘ und sein Partner vor Gericht erscheinen – zum Beispiel werden sie im Juni 1863 verklagt, ihre Waren auf dem Schiffsweg nicht ordnungsgemäß versandt zu haben.

1874 wendet sich ‘Edward Asegut‘ an König David Kalākaua von Hawaii und bittet darum, seinen Geburtsnamen wieder führen zu dürfen, den er in seinem Brief erstmals selbst erwähnt. Auch seinen Geburtsort Varel nennt er. Als Grund dieser erwünschten Namensänderung gibt er an, er habe einen Brief aus Deutschland erhalten, in dem ihm mitgeteilt worden sei, dass er ein beträchtliches Vermögen geerbt habe. Er müsse sich deshalb mit seinem richtigen Namen ausweisen können. (1874 verstirbt in Varel sein Taufpate Friedrich Christian Reiners, der als Kammerregistrator in Varel tätig war – hat ihm dieser möglicherweise etwas vererbt?)

König

Ausschnitt aus Padekens Brief an den König

Friedrich Gerhard Padekens Gesuch auf Änderung seines Namens wird vom Innenministerium auch in der Zeitung veröffentlicht:

Asegut_Padeken

1875 wird Friedrich Gerhard Padeken wegen eines Viehdiebstahls angeklagt. Während er im Gefängnis auf die Hauptverhandlung wartet, gelingt es ihm, mehrere bekannte Hawaiianer als Bürgen zu gewinnen. Sie zahlen eine Kaution, Friedrich Gerhard Padeken wird aus dem Gefängnis entlassen und verschwindet. Auf dem Schiff Clara Bell verlässt er (diesmal als John Johnson) Hawaii in Richtung San Francisco und leiht sich vom Steward Geld, um nach Deutschland zu gelangen, wo angeblich die erwähnte Erbschaft auf ihn wartet.

In der Zeitung wird auch von seiner Flucht berichtet. Am Ende des Artikels heißt es in etwa: ‘Die zuversichtlichen Eingeborenen, die für ihn gebürgt haben, werden sich zweifellos freuen, wenn er weiterhin gesund bleibt und reich wird.’ 

Friedrich Gerhard Padekens Geschäft ist mittlerweile bankrott und er lässt alles hinter sich – auch seine Familie. Für einige Jahre verliert sich seine Spur.

Bankrott_1876

1879 taucht Friedrich Gerhard Padeken in Arizona wieder auf. In der ‘Arizona Sentinel’ erscheint ein Artikel, in dem von seinen Erfahrungen bei der Anlage von Zuckerplantagen und seinem erfolgreichem Management solcher Plantagen in Louisiana und besonders auf den Sandwich Inseln  berichtet wird.

Am 16. April 1887 wird in der ‘Arizona Weekly Citizen‘ die Nachricht veröffentlicht, die bekannten Geschäftsmänner Tully, Ochoa, and Buckaslew hätten F. G. Padekens ausstehende Schulden gezahlt. Tully, Ochoa, and Buckaslew besitzen zu dieser Zeit den größten Frachtbetrieb im Südwesten der USA – dem damaligen ‘Wilden Westen’. Hauptsitz der Firma ist Tuscon. Sowohl Pickney Randolph Tully als auch Estevan Ochoa waren zeitweise auch Bürgermeister von Tuscon. Ihre Transporte führen auch durch Gebiete, die von Indianern bewohnt werden und immer mal wieder werden die Züge während dieser Fahrten überfallen und die Waggons geplündert.

Tully_Ochoa_Überfall

Friedrich Gerhard Padeken hat mittlerweile eine neue Frau namens Inez (ob er sie geheiratet hat, ist nicht bekannt) und zwei Söhne. Einer seiner Söhne ist der 1879 geborene Frederick Padeken, der sich fortan Federico Páriga nennt.  – sein Bruder Charles, der um 1881 zur Welt kommt, nennt sich später Patikan. Federico stirbt 1956 – sein Bruder Charles im Jahre 1923.

Federico (Padeken) Pariga – Sohn von Friedrich Gerhard Padeken – mit seiner Ehefrau Guadalupe Portillo

So kommt es, dass heutzutage eine Reihe von Nachfahren des aus Varel ausgewanderten Friedrich Gerhard Padeken mit unterschiedlichen Nachnamen in unterschiedlichen Gegenden der USA leben – auch auf Hawaii hat er ja einige Kinder hinterlassen, die später Familien gegründet haben.

Was aber wurde aus Friedrich Gerhard Padeken selbst? Die letzte Spur ist die Nachricht in dem 1887 erschienenen Zeitungsartikel, aus der wohl abzuleiten ist, dass er um diese Zeit für die Firma Tully, Ochoa, and Buckaslew arbeitet. Im Census von 1900 werden seine beiden Söhne – inzwischen junge Männer – als ‘Untermieter’ im Haus von Familie Tully aufgeführt – allerdings unter dem Namen Padakin! Auch sie werden vermutlich in der Firma tätig sein. Hat sich Familie Tully um die beiden gekümmert, weil die Eltern tatsächlich bei einem Indianer-Überfall ums Leben gekommen waren? Das wäre auch eine Erklärung für die Geschichte, die innerhalb der Familie Páriga immer weitergetragen wurde ….

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Ergänzungen zur Berliner Gegner-Familie

Am vergangenen Wochenende habe ich erstmals die Möglichkeit des kostenlosen Zugangs zu Ancestry genutzt. Es werden offenbar nur wenige Unterlagen zur Einsicht freigegeben, aber ich konnte dennoch einige interessante Informationen über Verwandte finden, die von Ostpreußen aus nach Berlin gezogen sind.

Ich wusste bereits, dass Otto Gegner, ein Bruder meines Ur-Ur-Großvaters Johann Ludwig Gegner, der 1819 in Eichhorn, Pr. Eylau, geboren wurde, später in Berlin heiratet, dort als Kleidermacher lebt und eine Familie gründet. Nun habe ich noch herausfinden können:

  • Otto Gegners Ehefrau Friederike Luise geb. Gegner wurde am 3.2.1825 in Mengelrode, Kreis Erfurt geboren und verstarb 1897 in Berlin.
  • Otto Gegner selbst starb am 7.1.1875.
  • Sohn Carl Hermann Otto Gegner heiratet 1886 auch eine geborene Gegner – und zwar Luise Auguste Gertrud Gegner, eine Tochter des Kanzlisten Eduard Gegner aus Elberfeld und dessen Ehefrau Gertrud Buettgen. Er arbeitet zunächst als Uhrmacher in Berlin, später als Kaufmann in Elberfeld.
  • Ottos Tochter Anna Emilie Elisabeth Gegner, die 1867 in Berlin zur Welt kam, wird am 15.5.1893 die Ehefrau des Kaufmanns Franz Ludwig Georg Ollhoff, der aus Cammin in Pommern, stammt. Er verkauft in Berlin Gummiwaren.
  • Die beiden bekommen zwei Kinder: Siegismund Herbert Arno Ollhoff, geb. 1895 und Ella Gertrud Sophie Elisabeth Ollhoff, geb. 1896.
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Kirchenbücher aus dem Kreis Pr. Eylau online

Vor 10 Tagen wurde das Internetportal Archion Bild in Originalgröße anzeigenfreigeschaltet – ein kostenpflichtiges Webportal, das digitalisierte Kirchenbücher aus deutschen evangelischen Kirchenarchiven bereitstellt. Beteiligt ist auch das EZAB (Evangelisches Zentralarchiv Berlin) und so werden nach und nach auch eine Reihe ostpreußischer Kirchenbücher einsehbar sein. Auch aus dem ehemaligen Kreis Pr. Eylau sind bereits einige Kirchenbücher zu finden  – momentan aus den Kirchspielen Eichhorn, Gr. Peisten, Hanshagen und Landsberg.

Allerdings sind auch an anderer Stelle digitalisierte Unterlagen aus dem Kreis Pr. Eylau einsehbar – und zwar kostenlos. So befinden sich unter den vom Staatsarchiv Allenstein digitalisierten und in einer vom Verein für Familienforschung für Ost- u. Westpreußen veröffentlichten Datenbank zum Beispiel auch Standesamtsunterlagen mehrerer Kirchspiele des Kreises Pr. Eylau.

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Die Bibliothek in Gr. Peisten, Pr. Eylau

Die  Begüterung Gr. Peisten, Pr. Eylau, ist ab 1547 über viele Jahrhunderte im Besitz der Familie von Kreytzen (bzw. von Creytzen oder von Kreytz). Der Familie gehören auch andere Besitzungen – Gr. Peisten ist jedoch das Hauptgut. Hier befindet sich deshalb auch die bereits im 16. Jahrhundert angelegte Büchersammlung der Familie, die um 1630 von dem damaligen Besitzer Obermarschall Wolff von Kreytzen ‘zu einer der bekanntesten und größten in Preußen’ erweitert wird (siehe Horst Schulz, die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 431).

Bibliothek

Die nachfolgenden Besitzer achten mit Sorgfalt auf den Erhalt dieser Bibliothek. Im Mai des Jahres 1788 verfasst der Erbherr Johann Wilhelm von Kreytzen sein Testament und verfügt darin u.a. Folgendes:

‘Da in dem Hofe zu Peisten eine von meinen Vorfahren gesamlete Bibliothec nebst einiger Raritaeten und Müntzen vorhanden, welche bereits sowohl nach dem Ableben meines GroßVaters Vaters und Bruders als ein gemeinschaftliches Erbguth ohngetrennt erblieben, es auch meiner Familie zum Schimpf gereichen würde, wenn diese schöne Samlung von Büchern und Kostbarkeiten sollte zerrißen und veräußert werden; so ist mein ausdrücklicher Wille, daß meine Erben und Nachkommen diese Bibliothec cum Praetiosis nicht allein beständig auf dem Hofe zu Peisten beybehalten, sondern auch selbige durch Anschaffung guter und nützlicher Bücher, jährlich vermehren sollen, zu diesem Behuf setze ich ein Capital von Viertausend Gulden aus meinem Allodial-Nachlaß aus, welches Capital als eine immerwährende Schuld auf die Peistensche Güther ingroßiert, und von meinen künftigen Lehnsfolgern die jährliche Intereßen mit zwey Hundert Gulden, an den zu haltenden Bibliothecarien gezahlet werden sollen, welcher hiervon dreißig Gulden als ein jährliches Douceur behalten, und an dem Tage da er sich in der Bibliothec aufhält, freye Beköstigung in dem Peistenschen Hofe haben, vor die übrig bleibende Ein Hundert und Siebenzig Gulden aber Bücher anschaffen und hiervon Nachweisung und Rechnung den Lehnsherren und Besitzer jährlich ablegen soll.

Zum Bibliothecario bestimme ich den zeitigen Pfarrer August Mey in Buchholtz, falls derselbe bey meinem Ableben (Johann Wilhelm von Kreytzen) noch eine Prediger-Stelle in den Peisteschen Gütern bekleiden sollte. Nachgehends überlaße ich es meinen Lehnsfolgern, einen von denen bey den hiesigen Lehnskirchen zu Peisten, Buchholtz, und Albrechtsdorff stehenden Predigern das Amt eines Bibliothecario gegen Reichung des vorbemeldten Douceurs aufzutragen, und wird Bibliothecarius beflißen seyn, die Bibliothec in reinlichem und guten Stande zu erhalten, und denen so danach Verlangen tragen, zu zeigen; jedoch sollen keine Bücher ohne Bewilligung des Lehnsbesitzers aus der Bibliothec genommen und ausgeliehen werden’.

(Dieser Text stammt aus dem Grünen Hausbuch der Adlig Peistenschen Güter, das sich im Geheimen Staatsarchiv Pr. Kulturbesitz in Dahlem befindet – die Transkription wurde von Helmut und Inge Ramm vorgenommen).

Johann Heinrich Ankermann (1765-1825) – mein Urgroßvater 4. Grades – war über viele Jahre Erbkrüger, Dorfschulze und Kirchenvorsteher in Peisten. Aufgrund der Taufpaten seiner Kinder ist anzunehmen, dass er wohl ‘einen ganz guten Draht’ zum Hofe von Peisten hatte – sowohl der Kämmerer von Peisten, der Schreiber des Hofes und der Administrator Hempel gehören zu den Paten. Und vermutlich hat sich Johann Heinrich Ankermann auch in seiner Funktion als Dorfschulze ab und zu im Gutshof von Peisten einfinden müssen. So wird er diese bedeutende Büchersammlung möglicherweise gesehen haben.

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Blumenthaler Schulkinder um 1921

Blumenthal_Schulanfang 002Beim Sortieren meiner Unterlagen entdeckte ich dieses Foto, das vermutlich um 1921 in meinem Heimatort Bremen-Blumenthal entstand. Aufgenommen wurde die Schulklasse meiner Mutter Elisabeth Haesloop. Meine Mutter (im Bild mit einem roten Kreuz gekennzeichnet) wurde am 28.12.1915 in Bremen-Blumenthal geboren – auch ihre Mitschüler und Mitschülerinnen werden etwa um diese Zeit zur Welt gekommen sein. Besonders fröhlich sehen sie alle nicht aus :-)

Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatten diese Schulanfänger ihr ganzes Leben noch vor sich. Mittlerweile werden die meisten von ihnen wohl nicht mehr am Leben sein, aber viele werden sicherlich Familien gegründet und Nachfahren hinterlassen haben. Vielleicht erkennen einige Blumenthaler ihre Eltern oder Großeltern auf diesem Bild wieder …. ?

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Digitalisierte Kirchenbücher aus Hessen

Meine hessischen Vorfahren (Schaumlöffel, Giebel und Bonacker) lebten in Obervorschütz, Felsberg und Frankenberg an der Eder. Von allen drei Orten sind mittlerweile Kirchenbücher im Internet zu finden, die vom Staatsarchiv Marburg digitalisiert wurden. Auch die Kirchenbücher vieler anderer hessischer Orte sind unter den Digitalisaten der Mormonen einzusehen. Allerdings sind die Bücher jeweils nur für einen begrenzten Zeitraum vorhanden – für Obervorschütz z.B. nur für die Zeit von 1808 bis 1812.

Obervorschütz

Meine eigenen Vorfahren verließen ihre hessischen Geburtsorte schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts, aber das waren ja nur einzelne Personen – viele Geschwister blieben in ihrer Heimat und gründeten neue Familien. Über diese Familien weiß ich bislang gar nichts. Einige Schaumlöffel-Familien, die im Kirchenbuch verzeichnet sind, sind vermutlich auch Verwandte.

Vielleicht gehört auch Johann Henrich Schaumlöffel dazu, der am 26. September 1774 als Sohn von Johannes Schaumlöffel und Anna Katharina Riemenschneider in Obervorschütz zur Welt kam und zeitweise Bürgermeister des Ortes war? Ich fand seinen Geburtsschein im Kirchenbuch von Obervorschütz.

Schaumlöffel_Geburtsschein

Ausschnitt aus dem digitalisierten KB von Obervorschütz

Ab 1730 ist in Obervorschütz auch eine jüdische Gemeinde nachweisbar. Das Kirchenbuch enthält ab Seite 71 das Register der Acte des Civilstandes der mosaischen Gemeine zu Obervorschütz, Canton Gudensberg.’ Auch die dortigen Einträge wurden während seiner Amtszeit von Bürgermeister Schaumlöffel unterzeichnet.

Obervorschütz_jüdischeGemeinde_2

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Familie Frommer – Gutsbesitzer in Weskeim, Pr. Eylau

Im Jahre 1820 gehört das Gut Weskeim, Pr. Eylau (heute Weskajmy) über das ich bereits früher hier berichtet habe, dem Major Friedrich von Steinwehr, der den gesamten Gutskomplex nach seiner Eheschließung mit Friederica von Fresin – der Tochter des ehemaligen Erbherrn Friedrich Wilhelm von Fresin – für 30.000 Taler übernommen hatte. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist Friedrich von Steinwehr nach einigen Jahren nicht mehr in der Lange, das Gut zu halten. Schließlich kommt es zu einer Zwangsversteigerung von Weskeim  (mit Grünwalde u. Kohsten). Mehrere Termine werden angesetzt; der Kaufpreis wird immer wieder reduziert – bis letztlich ein neuer Besitzer gefunden wird.

Besitzveränderungen_1830

In einer Liste über die Nachweisung von Besitzveränderungen adeliger Güter wird 1830 bekannt gegeben, dass Ludwig Ferdinand Frommer Weskeim, Kohsten und Grünwalde erstanden hat.

Frommer_Weskeim

Ludwig Ferdinand Frommer ist zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Jahre alt und verheiratet mit Theodore Amalie Wilhelmine Borbstädt. Als das Ehepaar Weskeim übernimmt bringt es ihren etwa dreijährigen Sohn Johann Theodor Gustav Frommer mit. 1831 wird Sohn Andreas Ferdinand Wilhelm George Frommer geboren und 1836 kommt die Tochter Johanne Amalie Marie Frommer zur Welt.

Ludwig Ferdinand Frommer wird nur 42 Jahre alt. Er stirbt am 10. August 1843 in Königsberg an der Auszehrung und wird zunächst auch dort bestattet. Nach Fertigstellung eines Begräbnisgewölbes auf Gut Weskeim wird der Gutsbesitzer noch im August dorthin überführt.

Besitzer des Guts wird nun der Sohn Johann Theodor Gustav Frommer. Auch seine Ehefrau ist eine geb. Borbstädt. Von 1856 bis 1862 werden dem Ehepaar drei Kinder geboren: Max Gustav Frommer wird nur wenige Tage alt und stirbt bereits im Alter von nur 10 Tagen an Schwäche – der 1858 geborene Sohn Paul ist 4 Wochen alt als er am 14. Juli 1858 an Krämpfen verstirbt. 1862 kommt Tochter Amalie Friederike Meta zur Welt.

Die 1836 auf Gut Weskeim geborene Johanne Amalie Marie Frommer ist 21 Jahre alt als sie am 21. August 1857 in Weskeim den Gutsbesitzer Hans Waldemar Borbstädt heiratet, zu dem vermutlich auch ein verwandtschaftliches Verhältnis besteht. Der Heiratseintrag im Kirchenbuch von Eichhorn lautet: ‘Hans Waldemar Borbstädt, Rittergutsbesitzer auf Stanillien, 24, ältester ehel. Sohn des Partilulier(s) Gottlieb Borbstädt in Wattlau bei Wehlau, mit Johanna Amalie Marie Frommer in Weskeim, 21, ehel. einzige Tochter des verstorbenen Rittergutsbesitzers Ludwig Ferdinand Frommer auf Weskeim.’ 

Am 23. Oktober des Jahre 1889 verstirbt Gustav Frommer, am 25. Januar 1901 seine Ehefrau Marie, geb. Borbstädt. ‘1907 war Gustav Borbstädt, Oberstleutnant a. D. und Generallandschaftsrat Besitzer des 209 ha großen Gutes. Er betrieb Herdbuch-Viehzucht und Remontezucht mit eigenem Remontemarkt. Borbstädt war auch 1913 Besitzer von Weskeim, dessen Viehbestand mit 115 Pferden (Remontezucht), 180 Rindern – davon 80 Kühe – 35 Schafen und 25 Schweinen und der Grundsteuer-Reinertrag mit jährlich 3662 Mark angegeben wurde. Auch im Jahre 1920 gehörte Gustav Borbstädt noch Weskeim, doch hat er es wenig später an Georg Frommer verkauft, der Major a.D. und Landschaftsdirektor war. Es konnte nicht festgestellt werden, ob er ein Verwandter jenes Gutsbesitzers Gustav Frommer von 1879 war’ schreibt Horst Schulz in seinem Buch ‘Die Städte u. Gemeinden des Kreises Pr. Eylau.’

Sowohl Gustav Borbstädt als auch Georg Frommer werden wohl Verwandte gewesen sein.  Georg Frommer wurde am 29.9.1862 in Gunten, Reddenau, geboren und verstirbt am 15. November 1940 im Alter von 78 Jahren, 1 Monat und 16 Tagen in Weskeim an Altersschwäche.

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Jacob Lehmann, Bräuer von Wildenhoff

Jacob Lehmann und Barbara Dunckel sind meine Urgroßeltern  6. Grades. Über lange Zeit – auf jeden Fall wohl von etwa 1710 bis etwa 1727 – ist Jacob Lehmann Bräuer der Begüterung Wildenhoff.

Er hat die Erbauung des wunderschönen Schlosses von Wildenhoff miterlebt, das der Reichsgraf  Friedrich Wilhelm von Schwerin in der Zeit von 1705 bis 1727 von dem Architekten Jean de Bodt errichten ließ.

Bei der Hufenschoss-Aufnahme 1717 erfährt man über Wildenhoff (ohne Vorwerke): “Adliger Sitz von 12 Hufen mit neuem Schloß, 11 Hufen Acker, 1 Hufe Brüche und See, kein Wald. Das Land wird von Scharwerksbauern bearbeitet, 3 Gärtner (Instleute mit etwas Land), 3 Knechte, 2 Mägde, 1 Junge. 4 Teiche sind besetzt. 20 Kühe à 20 Mark Pacht im Jahr; jeder Gärtner 1 Kuh. Ein Krug ist vorhanden, Ausschank bis 16 Tonnen Bier und 20 Stof Branntwein im Jahr. Brennerei höchstens 90 Scheffel im Jahr gebrannt. 70 Taler 30 Groschen Steuer im Jahr für Hauptgut”.  (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; Seite 350)

links: Ausschnitt aus einem Messtischblatt – rechts: Quelle: Google Earth

Wildenhoff gehört zum Kirchspiel Canditten. Aus den Einträgen der Canditter Kirchenbücher geht hervor, dass im Kirchspiel gleichzeitig ein zweiter Jacob Lehmann lebt. Er ist Bauer und Schulz in Rimlack und außerdem Gerichtsgeschworener. Beide Personen werden häufig als Taufpaten genannt und immer deutlich unterschieden: ‘Jacob Lehmann, der Bräuer’ bzw. ‘Jacob Lehmann, der Bauer’.

‘Mein’ Jacob Lehmann hat mindestens 4 Kinder, die in Wildenhoff zur Welt kommen:

  • Tochter Maria Lehmann heiratet 1734 den Müller Johann Jacob Langkau
  • Tochter Catharina Lehmann wird die Ehefrau des Krügers George Steinau u. heiratet nach dessen Tod den Krüger Johann Boenke
  • Sohn Michael Lehmann heiratet in Buchholz Elisabeth Andres, eine Tochter des Hofmanns in Saraunen
  • Sohn Johann Georg Lehmann, geb. 1722 u. später vermutlich Krüger in Gr. Steegen

Nach 1727 ist Jacob Lehmann Eigentümer in Canditten, wo seine Ehefrau Barbara und er selbst am Ende des Jahres 1753 kurz nacheinander – offenbar unerwartet – versterben.

Sterbeeintrag aus dem KB von Canditten

‘den 30. ej. (Dezember) ist der alte gewesene Bräuer Jacob Lehmann begraben, der den 28. ej. des Morgends, da er noch gesund heraus gegangen, bey seinem Eintrit in die Stube plötzl(ich) gestorben ist. Wie es (auch?) mit seiner, den 19. Nov(ember) begrabenen Ehegattin tödl(icher) Krankheit plötzlich zugegangen ist’.

Meine direkten Vorfahren sind Jacobs Tochter Catharina Lehmann und ihr Ehemann, der Krüger Johann Boenke.

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‘In tiefster Unterthänigkeit ersterben’

Vor einigen Jahren dachte ich noch an einen Schreibfehler oder an einen Fehler meinerseits beim Entziffern – inzwischen weiß ich, dass es wirklich so heißt!

Untertänigkeit_ersterbenMittlerweile habe ich diese Formulierung mehrfach gefunden, und zwar unter Bittschreiben, die aus unterschiedlichen Gründen an die jeweiligen Regenten gerichtet werden. Mal ist ein Einzelner, der sich mit einem persönlichen Anliegen an seinen Landesfürsten wendet und am Schluss seiner Anfrage ‘in Untertänigkeit erstirbt’ – mal ‘ersterben’ die Dorfschulzen ‘in Untertänigkeit’, nachdem sie ihrem König zum Beispiel die untragbaren Zustände der Bewohner ihres Ortes geschildert und ihn um Erlassung von Abgaben gebeten haben.

Hier sind es die ‘treuen und unterthänigsten Knechte (=Schulzen) und Deputirte des Amts Pr. Eylau’, die sich im Februar 1812 an ihren König wenden, weil sie – nach Beendigung des Napoleonischen Krieges – die ihnen für erlittene Kriegsschäden versprochene Entschädigung nicht erhalten haben und nochmals darum bitten.

Untertänigkeit_ersterben_1812

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Ein Schweineschneider aus Österreich in Eichhorn, Pr. Eylau

Johann Franz Urban ist der einzige Schweineschneider bzw. Tierkastrator, der in der Zeit von 1665 bis 1945 im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, zu finden ist – zumindest wird kein anderer innerhalb dieser Zeitspanne im Kirchenbuch genannt.

Als Johann Urban am 24. Februar 1823 in Eichhorn an ‘hitzigem Brustfieber‘ verstirbt, ist er 45 Jahre alt. Der Pastor vermerkt im Sterbeeintrag, dass sich Urban seit 9 Jahren in der ‘Gemeine‘ aufhielt, katholischer Religion, ‘aus Oestreich gebürtig’ und ‘seiner Profession (nach) ein Castrirer’ gewesen sei.

URBAN_1823

Der Schweineschneider Urban muss demnach um 1798 in Österreich geboren worden und um 1814 – im Alter von etwa 36 Jahren – nach Eichhorn gekommen sein. Gleich zu Beginn seines Aufenthalts in Eichhorn wird er Catharina Dorothea Damerau kennengelernt haben, mit der er von 1814 bis 1822 vier uneheliche Töchter bekommt, von denen drei jedoch bereits im Kleinkindalter sterben.

In allen Taufeinträgen ist Johann Franz Urban als Vater angegeben. Durfte er die Mutter seiner Kinder aufgrund seines Berufes nicht heiraten? Im Mittelalter zumindest gehörten die Schweineschneider – wie zum Beispiel auch Scharfrichter, Totengräber, Gefängniswärter oder Spielleute – zu den ehrlosen und damit auch rechtlosen Personen.

Schweineschneider reisten oft als ‘fahrende Chirurgen’ durch die Lande. Auf Verlangen der Bauern oder Gutsbesitzer entfernten sie bei Tieren Hoden oder Eierstöcke, um auf diese Weise Tiere auszusortieren, die zur Fortpflanzung ungeeignet erschienen, um Arbeitstiere zu zähmen oder damit bei den Tieren ein höherer Fettansatz erzielt werden konnte. (Ein Schweineschneider war es auch, der um 1500 den ersten Kaiserschnitt an einer lebenden Schwangeren durchführte).

Allerdings scheint der Schweineschneider Urban in Eichhorn ziemlich angesehen gewesen zu sein – zu den Taufpaten seiner Kinder gehören u.a. Andreas Gabriel, der Schulhalter aus Neuendorf und die Ehefrau des Frau der Krügers Möck von Polassen.

Nachdem der Vater ihrer Kinder verstorben ist, werden Catharina Dorothea Dameraus Eltern wohl dafür gesorgt haben, dass sie endlich einen Ehemann findet. Am 12.12.1823 heiratet sie in Eichhorn den 52jährigen Witwer Michael Bogdahn, einen Instmann aus Glomsienen. Sie selbst ist bei der Eheschließung 35 Jahre alt. Die beiden bekommen 1825 noch einen Sohn, der aber nur 4 Monate alt wird. Am 6.5.1833 stirbt auch Michael Bogdahn im Alter von 63 Jahren an ‘Hartleibigkeit‘.

Die Witwe Catharina Dorothea Bogdahn, geb. Damerau heiratet 1834 in zweiter Ehe den Instmann Gottfried Überlein.

Die einzig überlebende Tochter des Schweineschneiders Urban ist die 1814 in Eichhorn geborene Tochter Wilhelmine Damerau. Sie wird mit 18 Jahren die Ehefrau des Instmann Johann Gottfried Pohl aus Glomsienen und bekommt 5 Kinder.

Ob die Nachfahren dieser Familie wohl noch wissen, dass ihr Vorfahre ein Schweineschneider aus Österreich war?

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