Standesamtsunterlagen von Pr. Eylau

Der polnische Genealogie-Verein (PGT) ist dabei, nach und nach die im Staatsarchiv Allenstein noch vorhandenen Standesamtsunterlagen zu digitalisieren. Für den ehemaligen Kreis Pr. Eylau sind bereits einige Jahrgänge verschiedener Kirchspiele abrufbar – zum Beispiel die Unterlagen von:

Die Unterlagen werden nach und nach ergänzt und es werden weitere Kirchspiele hinzukommen. Dank an den PTG!

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Erinnerung an die Anfänge …

Manchmal erinnere ich mich an die Anfänge meiner Ahnenforscherei vor etwa 15 Jahren. Ich weiß noch wie sehr ich mich gefreut habe, wenn ich nach stundenlanger mühsamer Suche in einem unleserlichen Kirchenbuch plötzlich den Namen eines Vorfahren entdeckte. Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich in der genealogischen Forschungsstelle der Mormonen einige Male ziemlich frustriert aufgegeben habe, wenn ich an ein Kirchenbuch geriet, in dem die Einträge kaum zu entziffern waren. Es war damals noch nicht so verbreitet, die Einträge abzufotografieren und das Ablichten ganzer Kirchenbuchseiten  wurde nicht gern gesehen.

Auch mit den getrennt von einander verfilmten Seiten der Kirchenbücher, die sich auf unterschiedlichen Filmrollen befinden, kam ich damals oft nicht zurecht. Ich saß völlig angespannt vor dem Lesegerät, bemühte mich einerseits, die Technik zu bewerkstelligen und die Kurbel des Lesegeräts in die zum fortlaufenden Lesen notwendige Richtung zu bewegen, versuchte mit der Schrift der unterschiedlichen Pastoren klar zu kommen und führte parallel dazu noch Listen, auf denen ich zum Beispiel notierte: ‘Christoph Anckermann, neu angehender … (Seite 134 links, 2. Eintrag von unten)’. Falls meine Notizen stimmten, konnte ich dann auf Seite 134 rechts im 2. Eintrag von unten die andere Hälfte des Eheeintrags finden und folgendes erfahren: …..‘Wirth zu Pompicken mit Frau Maria verwitwete Kebbin aus Pompicken vertrauet.’ (Das Kirchenbuch von Kl. Dexen, Pr. Eylau, in dem auch der Heiratseintrag meines Vorfahren Christoph Ankermann vermerkt ist, ist eines dieser Kirchenbücher, das mich manchmal fast verzweifeln ließ; das obige Beispiel ist allerdings konstruiert).

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All das war mühsam und anstrengend. Dennoch möchte ich diese Zeit nicht missen. Ich hätte keinen Spaß daran, die Namen und Daten meiner Vorfahren aus irgendwelchen Datenbanken zu übernehmen und ich glaube kaum, dass sich diejenigen, die heutzutage mit genealogischen Forschungen beginnen und sich oft gar nicht mehr um eigene Recherchen bemühen müssen, soviel Freude empfinden, wenn sie ihre Aufzeichnungen um einen ‘neuen’ Vorfahren ergänzen können.

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Christian Gottlieb Edelhof und Catharina Elisabeth Hochgräfe

Christian Gottlieb Edelhof und Catharina Elisabeth Hochgräfe sind meine Urgroßeltern 6. Grades. Über diese beiden weiß ich leider gar nichts. Sie werden im Kirchenbuch von (Bremen-) Lesum als Eltern von Anna Sophie Edelhof (bzw. Edeldorp) genannt, meiner Urgroßmutter 5. Grades, die im März 1704 in Burgdamm geboren und am 21.3.1704 in der Kirche St. Martini, Lesum, getauft wird. Ihre Taufpaten sind Anna Sophia Schierholtz, Johann Eggers in Bremen und Alheit Dorothea Ronstorf. 

Anna Sophia hat einen zwei Jahre älteren Bruder namens Johann Edelhof, der am 25. Mai 1702 in Lesum getauft wird. Auch seine Taufpaten sind bekannt – es waren ‘Herr Commandant zur Burgh Henrich Schierholtz, Herr Proviantmeister Johann Boock, dessen beide Söhne Gustav und Johann und Jungfrau Anna Sophia Weiskogel’ (die Tochter des damaligen Lesumer Pastors). 

Aufgrund der Taufpaten seiner Kinder ist zu vermuten, dass auch mein Vorfahre Christian Gottlieb Edelhof mit seiner Familie auf dem Gelände der Burgschanze wohnt und dort ein Amt innehat. Anna Sophia Schierholtz (Patin seiner Tochter) ist die Tochter des damaligen Kommandanten Henrich Schierholtz (Pate seines Sohnes). Sie wird 1706 die Ehefrau des verwitweten Gustav Boock, Sohn von Johann Boock, dem Proviantmeister und Zollverwalter der Burg. Drei Mitglieder der Familie Boock – sowohl Vater Johann als auch die Söhne Gustav und Johann – werden als Paten von Johann Edelhof genannt. Die Pastorentochter Anna Sophia Weißkogel heiratet gegen Ende des Jahres 1702 den Sohn Johann Boock,  Kauf- und Handelsmann in Lesum.

Anna Sophie Edelhof, meine Urgroßmutter 5. Grades, heiratet den Seefahrer Ficke Lülfs. Die beiden bekommen mindesten 6 Kinder und leben mit diesen in Flethe, wo Anna Sophie Lülfs, geb. Edelhof, im Februar des Jahres 1766 verstirbt.

Ich wüsste gern, in welchem Verhältnis meine Vorfahren zu den Paten stehen. Die Namen ‘Edelhof’ (bzw. ‘Edeldorp’) und ‘Hochgräfe’ tauchen ansonsten im Lesumer Kirchenbuch nicht auf. Woher mögen Christian Gottlieb Edelhof und Catharina Elisabeth Hochgräfe gekommen sein?

Es gibt in meiner Familiengeschichte einen weiteren Bezug zur Burgschanze, davon habe ich hier bereits vor einigen Jahren erzählt.

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Nominierungsstress :-)

Karen Feldbusch und Angela Schwentker haben meinen Blog und mich für den One Lovely Blog Award’ nominiert – herzlichen Dank an euch beide (obwohl ihr mir dadurch auch einiges ‘eingebrockt’ habt! Aber ich freu mich natürlich, wenn meine Beiträge gern gelesen werden).

Nach der Nominierung soll man einige Regeln befolgen: man soll sich bedanken (hab’ ich getan) – man soll das Logo in den Blog einbinden …onelovelyblogaward(auch erledigt :-) ) und etwas über sich persönlich verraten. 7 Fakten sollen es sein. Ich will kein Spielverderber sein, aber ob das jemanden interessiert …? Nun denn: 1. Ich liebe Ostpreußen. 2. Ich esse gern Fisch. 3. Es fällt mir schwer, meinen Schreibtisch in Ordnung zu halten – 4. Meine Katze heißt Pauline – 5. Ich gehe oft zu spät ins Bett, wenn ich mit spannender Literatur beschäftigt bin – 6. Ich mag Leonard Cohen und 7. Tom Waits.

Und man soll selbst weitere Blogs nominieren. Das finde ich äußerst schwierig, weil mir oft die Zeit fehlt, andere Blogs regelmäßig zu studieren. Darauf verzichte ich deshalb – manch einer wird mir vielleicht dankbar sein :-)

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Kreistreffen Pr. Eylau

Auch in diesem Jahr verbrachten meine Freundin Anneliese Grosse und ich einen Tag (Samstag, den 20. September) in Verden, um dort bei dem jährlich stattfindenden Treffen der Kreisgemeinschaft Pr. Eylau inzwischen lieb gewonnene ehemalige Kreisbewohner wiederzusehen und mit ihnen zu ‘plachandern’.

Abgesehen davon, dass es immer wieder Freude macht, ‘echten Ostpreußen’ zuzuhören, wenn sie von ihren Heimatorten erzählen, freue ich mich darüber, dass es nun einen neuen Vereinsvorstand gibt (zunächst allerdings nur kommissarisch).

Hoffenlich wird es nun ermöglicht, dass die in der Verdener Heimatstube verwahrten heimat- und familienkundlichen Materialien nicht wie ‘Geheimsachen’ (siehe Kommentar auf einen meiner vorherigen Berichte) unter Verschluss gehalten, sondern Familienforschern und anderen an der Geschichte Ostpreußens Interessierten zugänglich gemacht werden. Und hoffentlich erhalte ich dann endlich einmal die Gelegenheit, die alte Landsberger Chronik im Original zu sehen, an der auch der Landsberger Kaufmann Friedrich Rudolph Ankermann, ein Bruder meiner Ur-Urgroßmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann, mitgeschrieben hat.

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Ein trauriges Auswanderer-Schicksal

‘Mitte des 19. Jahrhunderts kamen deutsche Einwanderer aus den verschiedensten Gründen in die Vereinigten Staaten. Viele suchten Religionsfreiheit, aber die meisten waren auf der Suche nach politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Verbesserungsmöglichkeiten. Nach der Besiedelung der Staaten im Mittleren Westen zwischen 1830 und 1850 wurde Chicago ein beliebtes Ziel für Immigranten’ (Goethe Institut USA).

Aber nicht nur viele Deutsche verließen ihre Heimat, um in Chicago ihr Glück zu finden - auch aus Skandinavien landeten viele Emigranten in dieser Stadt. In der Zeit von 1840 bis 1914 wanderten mehr als 300.000 Dänen in die Vereinigten Staaten aus und hofften auf bessere Lebensbedingungen und eine sorgenfreie Zukunft. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht immer.

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Quelle: Der große Brand, Chicago: seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; 1872 (Google books)

Johannes August Gegner kommt bereits als Jugendlicher nach Chicago. Er heißt nun John A. Gegner und hat sicherlich große Zukunftspläne.

Sein Großvater Carl Ludwig Gegner wurde noch in Ostpreußen, in Eichhorn, Pr. Eylau, geboren. Nach einer Ausbildung zum Kunstgärtner, die er in Bartenstein absolvierte, zog er nach Dänemark, heiratete in Kopenhagen eine dänische Frau und gründete eine Familie. ( Das ist hier nachzulesen) Johns Vater Ludvig August Gegner ist der zweite Sohn dieser Familie. Er heiratet Edvardine Faxoe und ernährt seine Familie (mit insgesamt 8 Kindern) als Schlachtermeister in Stubbekøbing, einer kleinen dänischen Stadt auf der Insel Falster.

John A. (Johannes August) Gegner ist das vierte Kind dieser Familie. Er wird am 29. März 1847 in Stubbekøbing geboren und wandert im Alter von 16 Jahren in die Vereinigten Staaten aus.

Auch einige seiner Geschwister leben nach 1860 in Chicago. Der ältere Bruder Louis (Ludwig Emil) Gegner wird Conditor, nimmt nach dem Tod des Vaters, der 1861 – kurz nach seiner Auswanderung – in Dänemark stirbt, seine Mutter Edvardine, Schwester Ella und Bruder (?) John zu sich, und heiratet um 1870 Laura Christensen, die ebenfalls aus Dänemark stammt.

Gegner_Chicago_1870

Ausschnitt aus dem Census von 1870 (Familysearch)

Bruder Carl Frederick (Charles) Gegner ist Bäcker in Chicago, verheiratet mit Johanna Sørensen aus Norwegen – Schwester Georgine Caroline Cecilie Gegner lebt mit Ehemann Carl Samuel Filip Falkenberg und Sohn Conrad Falkenberg zunächst in Schweden, dann in Canada und später in Michigan.

Die beiden jüngsten Schwestern Ella Mariane Gegner, und Edvardine Lovise Augusta Gegner, geb. 1852 und 1856 in Stubbekjøbing sind Teenager als sie – zusammen mit der Mutter – nach Chicago kommen. Vermutlich haben sie später (nacheinander) denselben Mann geheiratet, und zwar Martin Christian Rasmussen, der ebenfalls aus Dänemark stammt und in Chicago als ‘manufacturer of cabinets’ seinen Lebensunterhalt verdient.

Im Oktober 1903 sind bereits einige der aus Dänemark ausgewanderten Familienmitglieder verstorben: Edvardine Gegner, geb. Faxoe wird 72 Jahre alt und verstirbt am 17 .November 1889 in Chicago - Carl Frederick (Charles) Gegner am 28 Juli 1895 - Ella Mariane Gegner, verheiratete Rasmussen, muss schon vor 1887 gestorben sein.

Rasmussen_Gegner_HeiratHeiratseintrag von Martin Christian Rasmussen und Ella Gegner 1874 (Familysearch)

Es ist anzunehmen, dass John A. Gegner es zu einigem Wohlstand gebracht hat – immerhin ist er 1903 Besitzer eines Geschäfts für Herrenausstattung in der Grand Avenue in Chicago. Aber glücklich scheint er nicht geworden zu sein. Obwohl noch Verwandte (zum Beispiel seine Schwester Edwardine, einige Nichten und Neffen, Großnichten und Großneffen) in der Stadt leben, muss er sich sehr einsam gefühlt haben – so einsam, dass er sich am 28. Oktober des Jahres 1903 das Leben nimmt. Am folgenden Tag ist in der Chicago Daily Tribune zu lesen:

SOLITUDE IN THIS BIG CITY DRIVES MAN TO SUICIDE.

(29.10.1903: Chicago Daily Tribune from Chicago, Illinois)

Lonesomeness believed to have caused John A. Gegner, 276 Grand Avenue, a Storekeeper, to hang himself. In the heart of Chicago John A Gegner died yesterday as a result of almost constant solitude. For fifteen years Gegner, who owned a men’s furnishing store at 278 Grand avenue lived alone. He opened up his store early in the morning, waited on his few customers all the day, and late at night locked up the store and went home. This was his program and as he had no wife or family, the only persons with whom he ever came in contact were his few customers.

‘Vermutlich war es Einsamkeit, die den Ladenbesitzer John A. Gegner aus der Grand Avenue 276 dazu brachte, sich aufzuhängen. Johan A. Gegner, starb gestern im Herzen von Chicago an fast dauerhafter Einsamkeit. Seit 15 Jahren lebte Gegner, der ein Herrenausstatter-Geschäft in der Grand Avenue 278 besaß, allein. Früh am Morgen öffnete er sein Geschäft, wartete den ganzen Tag über auf die wenigen Kunden, schloss den Laden am späten Abend und ging nach Hause. Das war sein tägliches Programm und da er weder Ehefrau noch Familie hatte, waren seine wenigen Kunden die einzigen Menschen, zu denen er Kontakt hatte’.

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Vielleicht wohnen noch heute Nachfahren der aus Dänemark ausgewanderten Gegner-Familie in Chicago oder an einem anderen Ort der USA … ? Edwardine Rasmussen, geb. Gegner lebt laut Census 1940 in Chicago als Großmutter bei ihrer Tochter Florence (mittlerweile verheiratete Saltenberger und Enkel Warren C. Saltenberger).  Später lebt die Familie in Manitowoc, Wisconsin, wo Florence Saltenberger, geb. Rasmussen 1966 verstirbt.

Saltenberger_Gegner

Johanna Rasmussen (Tochter von Ella Mariane Gegner) heiratet 1895 den Banker Jens C. Hansen. Die beiden haben mindesten 4 Kinder, die von 1899 bis 1910 in Chicago zur Welt kommen. Nachfahren leben später in Aurora, Illinois und Grand Rapids, Michigan.

Nachfahren von Louis (Ludwig Emil) Gegner und Laura Christensen wohnen in Melstone, Montana – Tochter Emilia (Amelia) Gegner heiratet 1916 zunächst Peter Bengston aus Schweden und 1942 den aus Wolfenbüttel stammenden Wilson D. Gremmert. Die Söhne William E. Gegner und Louis A. Gegner sterben 1936 bzw. 1939 in Melstone – Sohn Edward verstirbt 1913 in Ticeska, Elmore, Idaho.

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Johann Ludwig Bruno, Burggraf von Wangnick, Pr. Eylau

Am 15. Juli Anno 1723 wird im Hofe von Peisten, Pr. Eylau, zwischen dem damaligen Erbherrn Elias Gottfried von Kreytzen und Johann Ludwig Bruno, dem neuen Burggrafen der ‘Adelich Wangnickschen Güter‘ ein ‘Arrende Contract’ geschlossen, in dem die Rechte und Pflichten des zukünftigen Burggrafen ausführlich beschrieben werden. Diesen Vertrag entdeckte ich vor einigen Wochen im GStA PK  in Dahlem.

Bruno_Vertrag_Peisten

XX. HA Ostpr. Fol. 290

Zum Aufgabenbereich von Johann Ludwig Bruno gehören nicht nur ‘Hoff und Vorwerck Wangnick’, sondern auch auch die Vorwerke Kattlack, Wiecherts, Schwadtken, Egdeln und Sienken ‘mit allen ihren Gebäuden, Äckern, Wiesen, Teichen und Teich-Steten … mit allem darauf stehenden Besatz, Viehe und Pacht-Viehe, an Pferden, Ochsen Kühen, Schaafen, Schweinen, Gänsen und Hühnern … dann vier Baur-Dörffern, nahmentlich Buchholtz, Hanshagen, Papperten und Fincken, mit allen ihren Inwohnern und deren bey ihnen stehenden Geld-Zinsen, Pflichten und Scharwercken … Ferner die Brau- und Brandtwein Brennerey, die Rabsche Waßermühle, Ziegel-Scheune und der Honig-Bruch’.

Johann Ludwig Bruno erhält einen Pachtvertrag für 9 Jahre und hat jährlich 8000 Gulden an Pacht zu zahlen. In insgesamt 21 Unterpunkten werden seine Aufgaben im Vertrag genauestens aufgeführt. Zum Beispiel soll er dafür sorgen, dass

  • ‘die Sämbtlichen Unterthanen … das Bier zu ihren Ausrichtungen auff Hochzeiten und Kindt Taufen auß dem Hoffe Wangnicken’ holen -
  • er muss die Kosten der Böttcher, Riemer und Radmacher übernehmen, ‘ohne Herrn Locatori etwas anzurechnen’ -
  • er soll ‘mit Fleiß darüber wachen, daß nicht übermäßig Holtz gefället, oder aus Muthwillen junge Bäume … ruiniret werden’ -
  • er soll ‘gutte Aufsicht auf die Waldt Wächter haben -
  • er soll die Knechte und Mägde, Jungens und Margellens wie bisher entlohnen, ‘wobey zu mercken, daß die Unterthanen nach der Ordnung drey Jahr im Hoffe zu dienen, verpflichtet sind’.
  • Schäden, die durch Verwahrlosung entstehen, müssen durch Herrn Bruno ersetzt werden, für Schäden durch ‘Feuer vom Himmel, Anzündung böser Menschen, Pest, Krieg und Landes Verheerung’ kommt Herr von Kreytzen auf.
  • usw.

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Am 30. November 1724 lassen Johann Ludwig Bruno und seine Ehefrau Regina in der Kirche von Buchholz ihren Sohn Elias Gottfried Bruno taufen. Taufpaten sind u.a. Elias Gottfried von Kreytzen, der Erbherr von Peisten (und sicherlich Namensgeber dieses Kindes), Herr Antonius Pfeiffer, Arendator von Stegen und Friedrich Seel, der Burggraf von Wildenhoff. Sohn Adam Christian Bruno wird am 24. November 1725 in Buchholz getauft .

Nach 1725 taucht der Name Johann Ludwig Bruno – zumindest im Taufregister des Kirchenbuchs von Buchholz – nicht mehr auf. Es werden weder weitere Kinder getauft, noch tritt J. L. Bruno als Pate in Erscheinung.

Eine Erklärung fand ich auf Seite 823 der Kartei Quassowski: ‘Johann Ludwig Bruno hatte mit seinem Vorpächter Elias Gottfried von Creutz einen Rechtsstreit. Ort und Zeit nicht ersichtlich…’. Demnach hat sich Johann Ludwig Bruno nicht – wie ursprünglich im Vertrag vereinbart - 9 Jahre lang, sondern nur wenige Jahre in Wangnick aufgehalten. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Erbherrn von Peisten wird er Wangnick verlassen haben.

Auch über Johann Ludwig Brunos Herkunft, seinen weiteren Lebensweg und verwandtschaftliche Beziehungen finden sich Informationen in der Kartei Quassowski:

  • ‘Der Pächter Bruno des Lt. von Lau auf Angerapp führt 1736 den Titel Burggraf, jedoch rechtmäßig, da er vorher Kgl. Burggraf zu Salau gewesen war (St. Av Kbg. E.M. 15b Titularbediente). Johann Ludwig Bruno *17.4.1687, zuletzt Erbherr auf Reußen bei Angerapp oo Regina Dorothea Fichlau
  • Vater: Mathias Bruno, Kauf- und Handelsherr zu Berlin – Mutter: Katharina Ladovius
  • Schwester: Anna Katharina Bruno ~ 17.1.1689 oo Oktober 1708 Johann Freigang * 18.10.1678
  • Sohn: Johann Ludwig Bruno, stud. jur. Unviversität Königsberg (Sommerhalbjahr 1770)
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Vor 100 Jahren …

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren – am 31. Juli 1914 - war dem ‘Amtlichen Pr. Eylauer  Kreisblatt‘  folgendes Extrablatt zugefügt:

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Und einige Tage später ‘geruhte der Kaiser und König’ die Mobilmachung zu befehlen. Auch diese Bekanntmachung stammt aus einem Pr. Eylauer Kreisblatt.

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Außerdem werden eine Reihe von Verhaltensvorschriften bekanntgegeben. So dürfen zum Beispiel keine Pferde mehr verkauft werden, die Ausfuhr von Verpflegungs- , Arznei- und Verbandsmitteln wird untersagt und es wird speziell an die Besitzer von Brieftauben appelliert:

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Bahnhofstr. Nr. 242 in Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie)

Auch zu diesem schönen Haus in der ehemaligen Bahnhofstraße in Landsberg, Pr. Eylau, gibt es einen familiären Bezug.

Ursprünglich gehört es dem Schneidemühlenbesitzer Eduard Gustav Liedtke. Gustav Liedtke ist in 2. Ehe verheiratet mit Clara Schnell, geb. Ankermann, der Nichte meiner Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann (siehe vorheriger Artikel) – also wird auch sie nach der Eheschließung hier gewohnt haben. Und vermutlich gingen viele meiner damaligen Landsberger Verwandten in diesem Haus ein und aus.

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eigenes Photo – aufgenommen im Sommer 2004

Später wohnte der Landsberger Bürgermeister in diesem Gebäude – von 1938 bis 1945 war dies Bernhard Blaedtke, der am 7.2.1888 in Glandau als Sohn des Besitzers Ferdinand Blaedtke und dessen Ehefrau Johanne Auguste Borm geboren wurde. 1990 befand sich in dem Haus das polnische städtische Sozialamt (Quelle: Manfred Groß).

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Burgstraße Nr. 144 in Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie)

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Quelle: Google Street View

In diesem Haus in der Burgstraße Nr. 144 in Landsberg, Pr. Eylau (heute Górowo Iławeckie) wohnten von etwa 1890 bis um 1906 Julius Schnell und Auguste Clara Ankermann mit ihrer Familie. Clara Ankermann ist die Tochter des Bruders meiner Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann. Julius Schnell war Kaufmann in Landsberg und Vertrauensmann für den Amtsgerichtsbezirk Landsberg. Er verkaufte sowohl Kolonialwaren als auch Eisen- und Stahlwaren.

JuliuaSchnell_Landsberg-tileIrgendwann muss es vor diesem Haus einen Unfall gegeben haben. Es scheint, als sei ein Fuhrwerk mit Heu umgekippt – dabei entstand dieses Photo.

Julius und Clara Schnell hatten mindestens drei Töchter, zu denen auch die Malerin Elfriede Herta Schnell gehört, von der ich hier bereits erzählt habe.

Julius und Clara Schnell zogen später nach Königsberg, wo Julius Schnell bald darauf verstarb. Clara Ankermann kehrte nach Landsberg zurück und heiratete den verwitweten Schneidemühlenbesitzer Eduard Gustav Liedtke (in 1. Ehe verheiratet mit Wilhelmine Orlowski, einer Tochter des Färbermeisters August Orlowski. Wilhelmine Orlowski war zuvor die Ehefrau des Kaufmanns Hermann Schnell + 1888, der aus Bartenstein stammt – vielleicht ein Bruder von Julius Schnell?). Die Familien Schnell und Liedtke müssen sich gut gekannt haben – schon 1892 wird ‘Kaufmann Schnell’ als Pate eines Sohnes von Gustav Liedtke genannt.

Nach 1906 war das Haus Nr. 144 in der Burgstraße im Besitz von Fritz Kohn.

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Rückseite des Hauses (ehemalige Poststraße)

Die Schwarz-Weiß-Photos stammen aus der Zusammenstellung von Manfred Groß über die Straßen und Häuser in Landsberg – die anderen wurden mit Hilfe von Google Street View erstellt.

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