Großbürger in Landsberg, Pr. Eylau

Bürger einer Stadt konnten unsere Vorfahren nur dann werden, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllten und bereit waren, gewisse Pflichten zum Wohle der jeweiligen Stadt zu erfüllen. So mussten sie:

  • ein bestimmtes Alter erreicht haben
  • innerhalb der Stadt wohnen
  • Steuern und Abgaben an die Stadt zahlen
  • bereit sein, Wehrdienst für die jeweilige Stadt zu leisten
  • und vom Magistrat der Stadt aufgenommen werden

Sie entrichteten ein Bürgergeld und leisteten einen Bürgereid, in dem sie versprachen, all ihre Pflichten zu erfüllen.

Das Großbürger-Recht konnten lediglich Kaufleute und Mälzenbräuer erwerben. Diese mussten zuvor bereits Bürger der Stadt gewesen und zu einem gewissen Wohlstand gekommen sein – nur dann waren sie auch in der Lage, sich dieses Recht zu erkaufen. Einfachen Handwerkern oder kleinen Händlern war es nicht möglich, Großbürger zu werden. Diese durften ihr Gewerbe nur innerhalb der Stadt ausüben, während Großbürger auch außerhalb der Stadt Handel betreiben und auf diese Weise weiteren Reichtum erlangen konnten. Außerdem konnten sie in einflussreiche Ämter ihrer Stadt gewählt werden.

Bei Durchsicht der Kirchenbücher von Landsberg, Pr. Eylau, fallen mir im 18. Jahrhundert folgende Großbürger auf:

  • Borschdorf(f), JacobGroßbürger, Mälzenbräuer, Kuchen- u. Losbäckermeister – + vor 1783 – To Charlotta oo 1783 Gotthilf Heinrich Kode, Cassencontrolleur bei der Königlichen Accise in Landsberg
  • Borschdorf(f), Christoph 33, – Großbürger, Mälzenbräuer, Kuchen- u. Losbäckermeister oo 20.11.1787 Anna Regina Weyde, geb. Freywald, 25, Witwe von Carl Ludwig Weyde, Königl. Posthalter, Postwärter, Großbürger u. Mälzenbräuer
  • Crüger, Daniel Friedrich – um 1780 Großbürger u. Materialist
  • Döpner, Christoph – Großbürger und Mälzenbräuer oo 1782 Dorothea Braxein, des verstorbenen Cöllmers in Pompicken Christoph Braxein nachgel. ehel. Tochter (31/22)
  • Döpner, Jacob Gottlieb – um 1795 Großbürger u. Mälzenbräuer
  • Freywald, Gottfried – Großbürger – To Carolina oo 18.4.1797 Friedrich Wilhelm Görcke, Inspector der Adlig Groß Seewaldtschen Güter 24/19
  • Glaubitz, Friedrich – um 1780 Großbürger u. Mälzenbräuer, auch Festbäckermeister, am Markt wohnhaft – Ehefrau Maria Dorothea geb. Klein oo 1782 Maria Dorothea Koy, To des Großbürgers, Mälzenbräuers u. Festbäckermeisters Johann Friedrich Koy (+1781) dessen To Carolina Wilhelmina Koy oo 11.10. 1797 Johann Gottfried Habner, Bürger u. Schwarzfärbermstr., Witwer 46/19 – To Carolina Habner oo 16.8. 1797 Friedrich Witt, angehenden Großbürger u. Mälzenbräuer 32/17
  • Häusener, Christian – Großbürger u. Mälzenbräuer oo 1737 Fr. Catharina, des + Mr. Johann Friedrich Geißlers, gewesenen Bürgers u. Festbäckers wie auch Mälzenbräuers u. Stadtältesten hinterlaßene Witwe
  • Helbing, Herr George Heinrich – 1783 Großbürger, wie auch Kauf- u. Handelsmann, am Markt wohnhaft – Ehefrau Frau Maria Lowisa geb. Häusner
  • Hennig, Johann Gottfried – Großbürger u. Medicin-Apotheker am Markt + 8.12.1782 – 28 Jahre, 6 Monate
  • Heske. Martin – + vor 1786 Großbürger u. Kirchenvorsteher
  • Kohn, Johann – um 1800 Großbürger u. Mälzenbräuer in der. Hofgasse – Eheg. Charlotta geb. Busau
  • Liegendhof, Magnus – 1777 Großbürger u. Ältermann des Fest- u. Weißbäckergewerks am Mühlenthor – To Julia oo 1793 Johann Gottfried Döpner, Bürger u. Kürschnermstr.
  • Lindekamm, Johann Gottfried – um 1800 Großbürger u. Mälzenbräuer am Markt – Ehefrau Carol. Lowisa Neumann
  • Meding, Friederich – um 1790 Großbürger u. Drechsler Meister, am Markt wohnhaft, – Ehefrau Sophia Carolina geb. Oehmke
  • Neumann, Erdmann – um 1780 Großbürger, Mälzenbräuer u. Ältermann der Drechsler – To Anna Charlotta oo 1777 den Müllermeister Friedrich Gabriel – auch Friedrich Gabriel wird Landsberger Großbürger u. heiratet 1787 als Witwer Anna Elisabeth Westphal, To des Müllermeisters Johann Friedrich Westphal
  • Neumann, Johann Friedrich – um 1785 Großbürger u. Mälzenbräuer, auch Drechsler Meister, am Markt wohnhaft – Ehefrau Catharina Barbara geb. Link
  • Neumann, Johann Gottfried Neumann, 22, Großbürger, Mälzenbräuer u. Kürschnermstr oo 1795 Dorothea Döpner, 25, Witwe des + Großbürgers, Mälzenbräuers u. Stadtältesten Christoph Döpner
  • Philipp, Gottlieb – 1783 Großbürger und Mälzenbräuer, auch Mühlenmeister, am Markt wohnhaft – Catharina Barbara Zimmermann
  • Radtke, Michael – um 1780 Großbürger u. Schneidermeister u. Stadtältester
  • Reimer, Daniel Christoph – Großbürger u. Stadt-Chirurg oo 1795 Anna Theodora Koy, To. des + Großbürgers, Mälzenbräuers u. Festbäckermstr. Johann Friedrich Koy 47/20
  • Schiborra, Ludwig – um 1795 Großbürger u. Gewürzhändler, am Markt wohnhaft – Eheg. Anna Lowisa geb. Pollitt
  • Stamm, Christoph – um 1790 Großbürger u. Zimmermeister, am Rathhause wohnhaft – Ehefrau Catharina Barbara geb. Geisler
  • Tobien, Ernst Melchior – 1777 Großbürger am Markt u. Maria Dorothea Henning – er + vor 1785 – seine Witwe heiratet am 15.7.1785 Friedrich Hieronymus Huhn, Cantor u. Organist der Landsberger Kirche u. Stadtschule 30/35
  • Winkelmann, Johann Ernst – Großbürger u. Stadt-Chirurg + vor 1794 – To Friederica Amalia oo 1797 Christoph Wilhelm Ewert, Bürger u. Maler in Landsberg
  • Will, Michael – Großbürger u. Mälzenbräuer, am Markt wohnhaft oo 1787 Ehegattin Anna Lowisa geb. Czesnick (Gesnik) 26/17
  • Zilian, Christlieb Friederich – um 1795 Großbürger, Mälzenbräuer u. Schuhmachermeister, am Markt wohnhaft – Ehefrau Maria geb. Neustock

Diese Auflistung ist vermutlich nicht ganz vollständig – ich bin nicht sicher, ob ich sämtliche Großbürger ‚erwischt‘ habe. Auffällig ist, dass viele von ihnen am Landsberger Markt wohnen.

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So mancher Bauer bleibt mit offenem Mund und Auge stehen

Die von Ernst Litfaß erfundenen Säulen wurden auch ‚Annonciersäulen‚ genannt. Im Jahre 1878 setzt sich Elimar Klein dafür ein, dass sie auch in Königsberg aufgestellt werden.

Bekanntmachung im Memeler Dampfboot im März 1878

Rg. Königsberg, 29. März. Unsere Vaterstadt soll durchaus weltstädtisches Aussehen erhalten. Unser Mitbürger Elimar Klein ist beim hiesigen Magistrate darum eingekommen, an Stelle der alten schwarzen Anschlagtafeln Litfaßsäulen nach dem Muster der Berliner an geeigneten Plätzen aufstellen zu dürfen. Obenan sollen dann die betreffenden Polizeibureaus, Feuermeldestationen, Armenvorsteher u.s.w. verzeichnet werden und die Säulen selbst an der Spitze eine Laterne erhalten. Sollte sich der Magistrat hiemit einverstanden erklären, was wohl zu wünschen wäre, so würden wir gut thun, diese Säulen Kleinsäulen zu nennen, um unsern unternehmungslustigen Mitbürger wenigstens so zu ehren. Herr Klein hat in Königsberg viele leicht in die Augen fallende Häuserwände gepachtet und sie mit Annoncen bemalen lassen, die sämmtliche Farben des Regenbogens aufweisen. So mancher Bauer, der hier in die Stadt kommt, bleibt vor diesen grellen Farbenschildern mit offenem Mund und Auge stehen.

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Auf den Spuren der Familie Holzweiß aus Landsberg, Pr. Eylau

Im Zusammenhang mit seinen eigenen Tiesler-Vorfahren (auch Tieseler oder Tießler geschrieben – später einheitlich Tiesler) veröffentlicht der Eisenbahn-Ingenieur Kurt Tiesler im Deutschen Geschlechterbuch Bd. 68 auch Informationen über die Familie >>>

Zacharias Holzweiß ist der erste Träger des Namens Holzweiß (auch Holtzweiß oder Holtzweißke geschrieben), der in den Kirchenbüchern von Landsberg, Pr. Eylau, zu finden ist. Im Jahre 1713 ist er Bürger und Sattlermeister in Landsberg und nach ihm üben noch mehrere Generationen seiner Nachfahren in dieser Stadt denselben Beruf aus.

Zacharias Holzweiß ist verheiratet mit Lowisa Reimann. Ihr Ehe ist in Landsberg nicht zu finden – aufgrund der gegenseitigen Übernahme von Patenschaften innerhalb der Familien Holzweiß und Reimann ist sie vermutlich eine Schwester des zu dieser Zeit in Landsberg lebenden ‚civis und pannifers‘ (Bürgers und Tuchmachers) Andreas Reimann.

Am 18. August 1713 wird in der Landsberger Kirche ihr Sohn Christophorus Holzweiß getauft. Nach ihm kommen noch 4 weitere Söhne zur Welt, die jedoch – bis auf den 1727 geborenen Christian – alle früh sterben.

Christophorus bzw. Christoph – wie er später genannt wird – heiratet am 21.6.1739 in der Landsberger Kirche die älteste Tochter meiner Vorfahren Johann Wilhelm Hellwich und seiner Ehefrau Anna Söcknick. Im Kirchenbuch ist zu lesen: ‚Mr. Christoph Holtzweiß, Bürger u. Sattler alhier, mit Jgfr. Anna Maria, des Tit. Mr. Johann Wilhelm Hellwichs, Arendatoris der hiesigen Hochgräflichen Mühlen Arendatoris eheleibl. ältesten Tochter‘

Heiratseintrag im Kirchenbuch von Landsberg

Beide Holzweiß-Eltern sind zum Zeitpunkt der Eheschließung ihres Sohnes bereits verstorben – Vater Zacharias Holzweiß stirbt im Februar 1739 im Alter von 50 Jahren, Mutter Lowisa bereits im Dezember 1737.

Christoph Holzweiß und Anna Maria Hellwich bekommen insgesamt 7 Kinder:

  • Johann Christoph * 4.9.1740
  • Gottfried * 4.1.1743 – + 23.5.1743
  • Gottlieb * 21.4.1744
  • Johann George * 13.3.1747
  • Anna Maria *Oktober 1749
  • Wilhelm * um 1753
  • Zacharias * um 1755

Einige Daten sind aufgrund der Lücken im Bestand der Kirchenbücher von Landsberg nicht mehr genau zu ermitteln – sicher ist jedoch, dass 3 Söhne dieser Familie: Johann George Holzweiß Wilhelm und Zacharias Holzweiß in Landsberg bleiben, hier Familien gründen und die Familientraditon fortsetzen, indem auch sie den Beruf des Sattlermeisters ausüben.

Das Zunftwappen der Sattler LutzBruno – old Lexica: Ritters geographisch-statistisches Lexikon, 2 Bände (A-K, L-Z) Ed.: J. Penzler, Otto Wiegand, Leipzig

Johann George Holzweiß lebt mit seiner Ehefrau Maria Elisabeth Bünder als Sattlermeister am Markt und hat mindestens 3 Kinder.

Wilhelm Holzweiß heiratet am 9.11.1781 in Landsberg Charlotte Tiesler, eine Tochter des Landsberger Bürgers und Seilermeisters Michael David Ties(e)ler und dessen Ehefrau Helene Dorothea Hensel. Wilhelm wird nur 31 Jahre alt und verstirbt am 3. November 1884 an der Schwindsucht – nur wenige Monate nach der Geburt des Sohnes Carl Friedrich Holzweiß, der am 5. Februar 1784 in Landsberg zur Welt kommt.

Zu Familie Tiesler: Michael David Ties(e)ler wird 1721 in Landsberg als Sohn des Bürgers und Seilermeisters Christian Tiesler geboren. Er besitzt ein halbes Haus in der Hinter-Straße Nr. 78 sowie ein halbes Haus in der Hofgasse Nr. 9. Das halbe Haus in der Hintern-Straße – ‚mit dem dazu gehörigen halben Hauß-Acker und halben Hauß-Garten, und überhaupt, was darinnen Erd- Wand- Land- Niet- und Nagelfest ist‘ – verkauft Michael David Ties(e)ler im Mai 1780 an den Landsberger Mädchen-Schullehrer Benjamin Fünfeich. Die Haushälfte in der Hofgasse bleibt im Besitz der Familie. Nach Ties(e)lers Tod am 28.7.1786 erbt zunächst seine Witwe Helene Dorothea Hensel (* 1723 in Landsberg), die das Haus für 500 Gulden an ihren Sohn Carl David Ties(e)ler verkauft. Sie selbst behält das Wohnrecht und darf bis zum Lebensende ein Beet im ‚Geköchgarten‚ bewirtschaften. (Diese Informationen stammen aus dem DGB Bd. 68).

Quelle: Deutsches Geschlechterbuch Bd. 68

Um 1788 verlegt der Seilermeister Carl David Tieseler seinen Wohnsitz von Landsberg in die Stadt Pr. Eylau, wo er das Grundstück in der Schlossstraße Nr. 117 ersteht. Auf diese Weise gelangt das halbe Haus in der Landsberger Hofgasse in den Besitz der Familie Holzweiß – in die Familie seiner Schwester Charlotte.

Charlotte ist mittlerweile – nach dem Tod ihres Ehemanns Wilhem Holzweiß (s.o.) und einer kurzen Ehe mit dem Landsberger Schuhmachermeister Gottfried Böhm – mit Wilhelms Bruder Zacharias Holzweiß verheiratet. Auch Zacharias war bereits einmal verheiratet – seine 1. Ehefrau Lovisa Catharina Nitsch (*1766 in Landsberg) verstarb 1792 – 3 Kinder aus dieser Ehe ebenfalls.

Zacharis Holzweiß und Charlotte Tiesler bekommen drei weitere Kinder:

  • Dorothea Holzweiss *1793 heiratet 1818 in Königsberg den Bürger und Stellmacher Johann Christoph Herrmann.
  • Johann Christoph Holzweiß *1796 heiratet 1820 in Landsberg Charlotte Heske, eine Tochter des Landsberger Bürgers und Böttchermeisters Gottfried Heske (wohnhaft „unter dem Rathause in den Zaunbuden“) und seiner Ehefrau Anna Maria Friedrich und lebt nach seiner Eheschließung als Seilermeister in Zinten. Auch der 1838 in Zinten geborene Sohn Johann Gustav Holzweiß ist später Seilermeister in Zinten.
  • Carl Ludwig Holzweiß (1799-1800) und
  • Gottfried Wilhelm Holzweiß (1801-1804)

In Landsberg übernimmt der o.g. Carl Friedrich Holzweiß – Sohn von Wilhelm Holzweiß und Charlotte Tiesler – nach dem Tod seines Stiefvaters und Onkels Zacharias Holzweiß (+ 1807) und Auszahlung der Erbteile an seine Stiefgeschwister das Grundstück in der Hofgasse Nr. 9. Auch Carl Friedrich ist Sattlermeister. Am 31. Oktober 1808 heiratet er in Landsberg die Hebamme Anna Catharina Charlotta Stannowsky (auch Stangnowsky), die einzige Tochter des Landsberger Bürgers und Zimmermeisters Johann George Stannowsky.

Drei Söhne dieses Ehepaars konnte ich weiter verfolgen – sie üben nun allerdings andere Berufe aus:

August Leopold Caspar Holzweiß besucht dss Lehrer-Seminar in Klein Dexen und beendet die Ausbildung im Jahre 1834 als Elementar-Schullehrer. August Leopold heiratet zunächst Charlotte Sophia Kirstein, eine Tochter des Lehrers Gottfried Kirstein (Lehrer in Leissen, Görken u. Topprienen – über die Lehrerfamilie Kirstein habe ich bereits hier geschrieben). August L.C. Holzweiß unterrichtet etwa 10 Jahre lang in Damerau bei Bartenstein. Nach dem Tod seiner Ehefrau (+ 1847 in Damerau) heiratet er 1848 in Königsberg Auguste Johanne Driwanowski, wird bis 1858 Lehrer in Spittehnen und unterrichtet anschließend an der Stadtschule in Friedland. Dort verstirbt er am 17. April 1875.

Carl Friedrich Holzweiß ehelicht 1849 in Schippenbeil Charlotte Friederike Groeck, eine Tochter des dortigen Schuhmachermeisters Gottlieb Groeck, und gründet als Bürger und Riemermeister eine Familie in Schippenbeil.

Rudolph Holzweiß bleibt in Landsberg, wo er bis zu seinem Tod am 17. April 1877 als Fleischermeister für das Wohl der Landsberger Bewohner sorgt. Rudolph ist verheiratet mit Heinriette Lapuse – die beiden bekommen 7 Kinder. Der 1851 geborene Sohn August Lepold Holzweiß wird Glasermeister in seiner Heimatstadt Landsberg und heiratet 1876 Lina Schwittlau – 1877 wird Anna Lina Holzweiß geboren und 1879 kommt Sohn Paul Hugo Holzweiß in Landsberg zur Welt. Später lebt der Glasermeister mit seiner Familie in Allenstein.

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Alte Häuser in Hoppendorf, Pr. Eylau (Grotowo)

Zur Situation im Jahr 1939 schreibt Dr. Fuchs in seiner Chronik des Dorfes Hoppendorf:

„Das Dorf hat selbst 16 Gehöfte. 26 Hofstellen sind Abbauten. Die Größe der Dorfflur beträgt 1900 Morgen, dazu kommen vom Ortsteil Groß Steegen 500 Morgen Acker, 96 Morgen Wasser und 1050 Morgen Wald. In Hoppendorf befinden sich 23 Erbhöfe (darunter sieben Siedler), die Besitzgröße der Erbhöfe liegt zwischen 37 und 396 Morgen. 24 Landwirte haben ein Anwesen unter 30 Morgen Größe. Im Dorf leben außerdem sieben Maurer, ein Tischler, ein Schneider und ein Schmied. Außerdem befindet sich in ihm ein Gasthof. Die Erbhöfe umfassen insgesamt 550,58 ha, die landwirtschaftlichen Kleinbetreibe 125,60 ha. Innerhalb der Dorfflur befinden sich 39,56 ha Pachtland, außerdem gehört dazu ein Pachtland von 17,32 ha, das außerhalb der Dorfflur liegt. Auf Wege und Gewässer kommen 23,89 ha. Nach der Zählung vom 17. Mai 1939 befinden sich in Hoppendorf 287 Bewohner.“

Die Chronik enthält auch Abbildungen einiger Hoppendorfer Häuser und Informationen über die Familien, die darin wohnten.

letzter Besitzer: Karl Hantel, Bauer *28.10.1904 – seine Familie stammt aus Glandau und kam 1876 nach Hoppendorf – Ehefrau: Edith, geb. Düsterhöft *1.4.1906 in Johannesgrün, Kr. Zinn. Das Haus wurde 1851 erbaut, als das Grundstück, auf dem dieses Haus steht, vom Schulzschen Grundstück abgetrennt wurde.

  • 1852 im Besitz von Ernst Schulz u. Frau, geb. Knorr (Schwester des Friedrich Knorr)
  • 1878 Julius Hantel (aus Glandau)

letzter Besitzer: Friedrich Ritter, Landwirt *14.10.1878 – die Familie stammt aus Balga und kam 1899 nach Hoppendorf – Ehefrau: Maria, geb. Zimmermann *24.11.1874 in Hohenfürst, Kr. Heiligenbeil – 9 Kinder

letzter Besitzer: Rudolf Ritter, Maurer u. Landwirt *30.7.1899 (Sohn von Friedrich R.) – Ehefrau: Maria, geb. Schink *24.1.1899 in Wilhelmsberg, Pr. Eylau

In dem „Antonschen“ Haus wohnten:

  • 1849 Gottfried Anton u. Luise, geb. Neumann
  • 1855 Friedrich Anton u. Caroline, geb. Coehn
  • 1869 Hermann Mitau u. Wilhelmine, geb. Anton
  • 1891 Gottfried Klein u. Wilhelmine, geb. Anton, verw. Mitau
  • 1900 Carl Schulz u. Berta, geb. Günther
  • 1902 Gottfried Dreher u. Amalie, geb. Lehmke
  • 1910 Rudolf Dreher u. Auguste, geb. Schirrmacher

Von dem ehemaligen ‚Antonschen‘ Besitz wurden im Laufe der Zeit mehrere andere Grundstücke abgetrennt: eines um 1840 für Ernst Rogge – ein anderes für Heinrich Faber u. Ehefrau Maria, geb. Kohse

Bevor Ludwig Aust sich in Hoppendorf niederließ, war er Pächter des Gutes Achthuben. Im Jahre 1838 wohnt er mit Ehefrau Marie, geb. Lindemann bereits in Hoppendorf. Nach seinem Tod heiratet seine Witwe 1849 den Bauern Conrad Kroll.

Weitere Besitzer waren:

  • 1870 Wilhelm Kroll u. Henriette, geb. Plehn
  • 1895 Julius Perbandt u. Marie geb. Korsch
  • 1902 Franz Paul u. Martha, geb. Ewers
  • 1849 Abtrennung eines Grundstücks für Johann Robben
  • 1867 wurden 20 Morgen abgetrennt für Carl Aust, Sohn von Ludwig Aust

Dieses Haus befand sich auf dem Grundstück von Friedrich Knorr u. Dorothea, geb. Schwarz. 1848 wurde das Anwesen aufgeteilt für die 4 Töchter des Friedrich Knorr:

  • Wilhelmine Jaekel, geb. Knorr
  • Maria Will, geb. Knorr
  • Johanna Luise Mindt, geb. Knorr
  • Anna Elisabeth Krause, geb. Knorr

Die Eltern behalten 13 Morgen Land sowie das später ‚Geschwisterhaus‚ genannte Wohnhaus und die Stallungen – Erben sind die o.g. Töchter.

Vergleicht man die folgende Skizze (Stand 1939) mit der sogenannten ‚Urkarte‚ im vorherigen Beitrag, so erkennt man deutlich, wie sehr sich die Grundstücke durch Abteilungen und Verkäufe im Laufe der Zeit verändert haben.

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Hoppendorf, Pr. Eylau (heute Grotowo) um 1842

Die von Dr. Hans Fuchs geschriebene und 1939 im Schroedel-Verlag erschienene Chronik des Dorfes Hoppendorf enthält an vielen Stellen extrem unangenehmes nationalsozialistes Gedankengut. Aber sie beinhaltet auch wertvolle Informationen über die Geschichte und Entwicklung des Dorfes, über seine ehemaligen Bewohner und deren Familien.

Der Ortskern von Hoppendorf ohne die späteren Abbauten

Zu Beginn der Separations-Verhandlungen, die im Verlaufe des Jahres 1842 stattfinden, besteht Hoppendorf:

  • aus einem Vorwerk, das für die Separation nicht in Frage kommt
  • aus folgenden Ackerhöfen, die innerhalb einer geschlossenen Feldmark liegen und in der Gemeinheit bewirtschaftet werden:
  • A – aus einem cöllmischen Schulzengut, das um diese Zeit der Witwe Maria Grau, geb. Kroll gehört – Größe: 3 1/4 Hufen (vorher lebten auf diesem Grundstück die bisherigen Hoppendorfer Schulzen, zu denen auch meine Vorfahre Jacob Söcknick gehört).
  • B – aus folgenden bäuerlichen Grundstücken:
Ludwig Aust
Friedrich Knorr
Carl Korinth
Christoph Herrmann
Gottlieb Schulz
Erdmann Knorr
Gottfried Anton
Gottfried Krause
Johann Korinth
4 1/6 Hufen
3 1/4 Hufen
3 1/2 Hufen
2 1/8 Hufen
3 1/4 Hufen
2 1/4 Hufen
3 1/4 Hufen
2 1/4 Hufen
1 1/4 Hufen
CEigenkätner:

Ernst Rogge
Carl David Kroll
Carl Ludwig Holzki
Christoph Schmidtke
Gottfried Lange
Reinhold Corinth
Gotthard Sogenannt
Carl Ludwig Springer

‚Alle diese Eigenkätner besitzen Haus und GartenHolzki, Schmidtke, Lange, Sogenannt und Springer besitzen außerdem Weiderecht für eine Kuh, ein Schwein und ein Schaf und zahlen dafür jährlich 23 Silbergroschen. Carl David Kroll hat auf dem cöllmischen Hofe der Witwe Grau Weiderecht für eine Kuh und zahlt einschließlich Hirtenlohn 20 Silbergroschen‘.

D – eine Kate des Carl Knecht, welche derselbe zur Benutzung auf Lebenszeit errichtet hat u. so lange auch einen kleinen Garten von den Ackerwirten erhalten hat, jedoch kein Weiderecht.
E – eine Schule mit Haus u. Gartenplatz, einem eingehegten Dienstmorgen u. Weiderecht auf der Feldmark – frei von Weidegeld u. Hirtenlohn – für 2 Kühe, 2 Schafe u. 2 Schweine.
F – eine Schmiedewerkstätte, Eigentum des Eigenkätners Christoph Schmidtke.
G – ein Hirtenhaus (außerhalb des Dorfes am Wege nach Steegen) nebst 2 Gärten und einem sogenannten Bullengarten, Eigentum sämtlicher Ackerwirte nach Verhältnis der Größe ihrer Grundstücke.

Die folgende Skizze wird in der Chronik als ‚Urkarte‚ bezeichnet. Eintragen wurden die Grundstücke der Bauern und Eigenkätner nach Beendigung der Separation.

Die Ländereien wurden neu aufgeteilt. Um lange Wege zu vermeiden, verlegten die Besitzer ihre Hofstätten nun auf die ihnen zugeteilten Grundstücke außerhalb des bisherigen Dorfes. Auf diese Weise entstanden rund um den Dorfkern zahlreiche Abbauten.

Sämtliche Informationen stammen aus der o.g. Chronik.

Weitere Informationen zu Hoppendorf in vorherigen Beiträgen:

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Ausländische Bäume – Teiche und Pfauen ….

So sah es einmal aus – das ehemalige Schloss in Worienen, Pr. Eylau. Auch der angrenzende Park muss zu Zeiten der Familie von Domhardt wunderschön gewesen sein. Im Mai des Jahres 1795 wurde der Schlosspark von Pastor Christian Friedrich Puttlich bei seinem Besuch der Domhardt-Familie durchwandert – anschließend notiert Puttlich in seinem Tagebuch u.a.: ‚Es giebt viele ausländische Bäume darin als die nordamerikanische Fichte, als die virginische Pappel, der Lerchenbaum, Cypressenbaum, mehrere Akazienarten u. s. w., die zum Theil aber bey dem letzten späten Frost etwas gelitten haben. Außer dem …. größeren Teiche, woran der Garten linker Seite grenzt, enthält er in seinem Innern noch zwey andere kleinere Teiche mit Fischen, davon einer mit einem schönen weißen Geländer umgeben ist, dann kommt man im Laubdunkel zu einer von Feldsteinen eingeschlossenen Samaritäne oder zu einem Quellbrunnen, woran ein Sitz von Wurzeln u. Aesten ist. …. Den großen Garten zieren noch Pfauen, deren 20 seyn sollen u. die hier ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, denn man begegnet sie fast auf allen Pfaden.

Kamila Skrzypa, einer jungen Studentin, die in Woryny (Worienen) aufgewachsen ist, ist es mit ihrem wunderschönen Aquarell gelungen, die damalige Atmosphäre einzufangen! Danke, liebe Kamila!

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Ein ’stilles‘ Begräbnis

Jeder, der sich mit der Erforschung seiner Vorfahren beschäftigt, bemerkt im Laufe der Zeit, dass es unterschiedliche Formen der Bestattung gab und dass in den Kirchenbüchern dementsprechend ganz unterschiedliche Beschreibungen der Bestattungs-Zeremonien zu finden sind – je nach Stand und Ansehen der Verstorbenen werden einige Personen ganz schlicht ‚beerdigt‚, andere ‚mit einer Leichenrede‚, ‚mit Sang und Klang‚ oder – wie mein Vorfahre Johann Wilhelm Hellwich 1764 in Canditten – ‚unter dem Läuten bey des Organisten Lied‘ bestattet.

Und immer mal wieder taucht in den Sterberegistern der Kirchenbücher aller Orten auch der Hinweis auf ein „stilles Begräbnis“ auf.

Bestattungen werden „in aller Stille“ vollzogen, wenn der Pfarrer einer Gemeinde dies aufgrund besonderer Umstände für geboten hält.

Still beerdigt werden in der Regel (von welchen jedoch in verschiedenen Gemeinden Ausnahmen und Abweichungen vorkommen) die zu früh geborenen Kinder …, die todtgeborenen und ungetauften; doch auch diesen würden die Feierlichkeiten, falls sie von den Eltern ausdrücklich gewünscht werden sollten, nicht verweigert werden; in den meisten Fällen werden sie jedoch nicht gewünscht. Daher setzt man sie meist in der Frühe und des Abends, gern auch Sonntags früh während des Einläutens bei, bisweilen auch mit Gesang oder sonstiger Feierlichkeit.

Ein stilles Begräbniß wird im Allgemeinen auch den unehelichen Kindern zu Theil, doch werden diese auch, eben als Getaufte, mit einfacher Feierlichkeit beerdigt, in einigen Gemeinden nur von den Lehrern ausgesungen, in andern mit Verscheide-, aber ohne Begräbnißläuten und unter Begleitung des Pfarrers, der hier die beste Gelegenheit hat, auf die Sünde gebührende Rücksicht zu nehmen, ja sogar mit kirchlicher Danksagung, anderwärts mit ähnlichen, ja mit allen kirchlichen Feierlichkeiten, außer, daß sie in die Kirche getragen werden. In noch andern Gemeinden werden nur Fremdlinge und kleine Kinder still beerdigt.

Die kirchliche Feier wird entschieden unkirchlichen Personen, Spöttern und Verbrechern, Verächtern der Kirche, die meistens nie in die Kirche getragen werden, und vorzugsweise Selbstmördern versagt. Ja diese letzern müssen im einfachen Schrein, ohne jede kirchliche Feier, hie und da nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nicht durch das Thor des Kirchhofes getragen, sondern ohne Bahre auf Stricken über den Kirchhofzaun gehoben und unter demselben begraben werden; ehemals wurden ihre Leichen auch nur auf den Armesünder- oder Pestkirchhof, einem fern abgelegenen wüsten Raum auf dem Felde, hingebracht. Wo man hingegen sich scheut, den Selbstmördern ein unehrliches Begräbniß zuzuerkennen, da werden sie wenigstens mit einer Strafpredigt oder doch ohne Geläut Morgens früh zur Gruft gebracht ..‘ (Quelle: C. G. Hintz, Die alte gute Sitte in Altpreußen; Verlag Gräfe und Unzer, Königsberg 1862)

Beispiele für ’stille Bestattungen‘ aus dem Kirchenbuch von Eichhorn, Pr. Eylau:

d(en 10. Jan(uar) 1769 Nachmittags um 1 Uhr ward des Chri-
tian Borcherts, Wirths in Worglitten Ehegattin Doro-
thea geb. Haeubichin mit einer todten Tochter ent-
bunden, so den 12. Jan(uar) still beigesetzet worden
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Rosalie Löwensohns bewegtes Leben

Rosalie Löwensohn wird am 13. Dezember 1830 als Tochter des Schneiders Jacob Löwensohn (auch Löwinsohn oder Levinsohn geschrieben) und seiner Ehefrau Ernestine Jacobi (auch Jacoby) in Königsberg geboren. Die Familie ist jüdischen bzw. mosaischen Glaubens. Nach dem Tod des Vaters (+ 12.12.1846) vermählt sich die Mutter 1857 mit dem Kesselflicker Ephraim Treufeld.

Im Mai des Jahres 1857 kommt in Königsberg Rosalies Sohn Joseph Julius Löwensohn zur Welt – 4 Jahre später – am 20.4.1861 – Tochter Marie Löwensohn. Beide Kinder werden unehelich geboren.

1865 findet man im Kirchenbuch der Tragheimer Kirche folgenden Eintrag:

den 10 (zehnten) Mai ist Rosalie, Tochter des Schneiders Jacob Lewinsohn u. dessen Ehefrau Ernestine g. Jacobi, welche am 13 (dreizehnten) December 1830 (dreißig) in Königsberg . Pr. geboren ist, in der Kirche des Georgenhospitals von Prediger Lawrence in Danzig getauft worden! Hat den Taufnamen „Martha“ erhalten. Taufzeugen waren: ….

Rosalie heißt also fortan Rosalie Martha – und schnell wird klar, weshalb sie sich christlich taufen ließ, denn nur einige Monate später – am 6. Oktober 1865 – heiratet sie in der Tragheimer Kirche den Schneidergesellen Friedrich Wilhelm Gegner aus Ponienken im Kirchspiel Eichhorn, Pr. Eylau, Sohn des Zimmermanns Wilhelm Gegner (ältester Bruder meines Ur-Ur-Großvaters Johann Ludwig) und dessen Ehefrau Justine Wilhelmine Sattler.

Der Heiratseintrag aus dem Kirchenbuch der Tragheimer Kirche

(Copuliert wurde….) Am 6(sechsten) October der Schneidergeselle Friedrich Wilhelm Gegner mit Jfrau Rosalie Martha, des verst(orbenen) Schneiders Jacob Levinsohns älteste Tochter; Er: 28 J., ledig, Eltern todt, s(eit) 5 Jahren hier; Sie: 27 J. ledig, Vater todt, immer hier, …

Zum Zeitpunkt der Eheschließung ist Rosalie Martha erneut schwanger – bereits am 22. Janaur 1866 wird in Königsberg Sohn Franz Oscar Gegner geboren. Sein Vater Friedrich Wilhelm erlebt nur die ersten Lebensmonate seines Sohnes mit, denn er gehört zu den vielen Cholera-Opfern, die im Verlaufe des Jahres 1866 in Königsberg versterben – insgesamt sind dies 2.671 Personen. Was wird nun aus Rosalie Martha?

Taufeintrag von Franz Oscar Gegner

Bis zum Jahr 1888 wird Rosalie Martha Gegner im Königsberger Adressbuch als Witwe aufgeführt:

Königsberger Adressbuch 1877

1877: GEGNER, geb. LEVINSOHN, Witwe; Bismarckstr. 8
1878: GEGNER, geb. LEVINSOHN, Witwe; Bismarckstr. 8
1881: Borchertstraße 9 (beim Tod des Sohnes Abraham)
1888: GEGNER, geb. LEVINSOHN, Witwe; Borchertstraße 21

Irgendwann nach dem Tod ihres Ehemanns nimmt Rosalie Martha Gegner ihren ursprünglichen Glauben wieder an, legt den Namen ‚Martha‚ wieder ab und bringt als Witwe weitere uneheliche Kinder zur Welt. Seltsamerweise werden zwei Söhne unter dem Namen Gegner registriert – ihre Tochter Johanna Margarethe trägt jedoch den Namen Löwensohn.

  • Carl Adolph Gegner + 1873
  • Abraham Gegner + 1881 im Alter von 15 Jahren
  • Johanna Margarethe Löwensohn *1873

Über lange Zeit wohnt der Schneidermeister M. Jacobi Tür an Tür mit Rosalie und ihren Kindern – sowohl in der Bismarckstraße, als auch später in der Borchertstraße.

1877 M. Jacobi, Schneidermstr, Bismarckstr. 8
1878 M. Jacobi, Schneidermstr, Bismarckstr. 8
1899 Borchertstraße 21 – außerdem Minna Jacobi, geb. Neumann, Schneiderfrau
1901 Borchertstraße 21 – außerdem Minna Jacobi, geb. Neumann, Schneiderfrau

M. Jacobi heißt mit vollem Namen Marcus Julius Jacobi. Er stammt aus Berent in Westpreußen – und auch in seinem Leben geht es ziemlich turbulent zu:

  • 1861 heiratet er in Königsberg Wilhelmine Neumann aus Muldszen bei Wehlau, eine Tochter des dortigen Handelsmanns Alexander Neumann
  • schon vor der Eheschließung (1860) wird Tochter Emma geboren
  • Sohn Adolf kommt 1863 zur Welt
  • Marcus Julius Jacobi.und seine Ehefrau trennen sich. Er wirft ihr vor, mehrmals die Ehe gebrochen zu haben – u.a. mit Eduard Cuhn
  • 1865 heiraten beide erneut
  • Tochter Bertha und Sohn Johann Julius werden geboren

In einem Schreiben an das Königsberger Amtsgericht berichtet Marcus Jacobi im Juli 1889: ‚Ich habe mich mit der Wilhelmine Neumann aus Muldzen Kreis Wehlau im Jahre 1861 hier verheiratet, dieselbe hat aber kurz darauf mit dem damaligen Comis Eduard Cuhn von hier die Ehe gebrochen, in folge dessen habe ich mich durch das hiesige Königl. Stadtgericht von ihr trennen lassen, einige Zeit darauf lies ich mich wieder mit ihr trauen und reichte das Ehescheidungserkenntnis ein, weil dieselbe mich bat, … sie wieder zur Frau zu nehmen, welches ich auch that. Nicht lange daruaf hat Sie wieder die Ehe gebrochen, welches ich mit Stillschweigen übersah, vor kurzem hat zum 3ten mal die Ehe gebrochen und liege ich gegenwärtig mit ihr beim hiesigen Königl. Landgericht in Ehescheidung …‘ Königsberg, d. 27.6.1889 (Quelle: Königsberger Stadtgericht; Beglaubigungsakten der Juden – hier digitalisiert)

Nach erneuter Scheidung von seiner Frau gehen schließlich Marcus Julius Jacobi und Rosalie Martha Gegner, geb. Löwensohn – die Nachbarn aus der Borchertgasse – miteinander eine Ehe ein. Ich hoffe für beide, dass sie noch einige glückliche Jahre zusammen verbringen konnten! Marcus Julius Jacob verstirbt am 1. November 1912 im Alter von fast 89 Jahren in Königsberg.

Rosalie Jacobi, verw. Gegner, geborene Löwensohn zieht von Königsberg aus nach Berlin. Am 24. Februar 1919 verstirbt sie in Berlin-Charlottenburg, in der Passauer Str. Nr. 29/30.

Über den Verbleib ihrer Kinder konnte ich Folgendes herausfinden:

  • Sohn Joseph Julius *1857 wird Uhrmacher und heiratet 1879 in Königsberg Minna Jacobi aus Pr. Stargard – die Ehe wird geschieden und 1899 lebt seine geschiedene Ehefrau auch in der Borchertstraße 21.
  • Tochter Marie *1861 heiratet 1915 als ‚Händlerwitwe Marie Treifeld‚ in Königsberg den ehemaligen Kassierer Friedrich Wilhelm Glade, der am 11.11.1864 in Königsberg geboren wurde. Auch Marie hat in Königsberg zuvor (am 27.5.1890) eine uneheliche Tochter namens Helene Löwensohn zur Welt gebracht. Marie wohnt ebenfalls in der Borchertstraße Nr. 21 und arbeitet als Aufwärterin.
  • Tochter Johanna Margarethe *1873 heiratet 1912 in Berlin den Klempner August Dieck und stirbt 1917.

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Die Landsberger Chronik – 1951 entdeckt

Unter der Überschrift ‚Hier ist die Welt zu Ende‚ erscheint am 17. August 1957 im Ostpreußenblatt die erste Folge eines ausführlichen Berichts des Lehrers Adolf Hubert Osthaus, der nach dem Krieg noch 12 Jahre lang (von 1945 bis 1957) als Lehrer im Kreis Pr. Eylau unterrichtete – von 1945 bis 1951 als ‚polnischer Hauptlehrer‘ in Topprienen und anschließend in Landsberg.

In insgesamt 11 Folgen schildert Osthaus seine Erlebnisse und die Zustände an der neu errichteten Grenze. Vor einigen Jahren habe ich hier bereits Ausschnitte seines Berichts veröffentlicht.

Unter anderem erzählt Adolf Hubert Osthaus auch, auf welche Weise die beeindruckende Landsberger Chronik, die wohl bei Ausbruch des Krieges in der Stadt versteckt worden war, 1951 beim Ausmisten eines Stalles in der Nähe der Kirche entdeckt und ihm übergeben wurde.

Die Landsberger Chronik, an der nach und nach eine Reihe von Personen mitwirkten, befindet sich heute in Verden – im Archiv der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau.

In mehreren der Artikel, die ich im Verlaufe der vergangenen Jahre verfasst habe, finden sich Auszüge aus dieser wertvollen Chronik:

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Erna Sommers Notizbuch – gefunden in Górowo Iławeckie (Landsberg)

Immer noch werden in Polen – zum Beispiel bei der Instandsetzung alter Gebäude – Relikte aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg entdeckt. In diesem Fall ist es ein Notizbuch, das in Górowo Iławeckie, ehemals Landsberg, im Kreis Pr. Eylau, bei der Renovierung eines Hauses in der damaligen Hindenburgstraße – heute Ulica 1 Maja – gefunden wurde.

Das Büchlein gehörte Erna Gertrude Sommer, die am 3. Februar 1909 in Grünwalde bei Landsberg als Tochter des Maurers Gustav Adolph Sommer und dessen Ehefrau Helene Bertha Böhm zur Welt kam.

Hier eine kleine Kostprobe:

Hier hat sich Erna die Geburtsdaten der Familienmitglieder notiert:

Die Auflistung beginnt mit Otto Sommer – Hoofe, den 11.7.

Ihn kann ich leider noch nicht zuordnen.

Es folgen Ernas Eltern und Geschwister:

  • Gustav Sommer – 11. Oktober (1873) in Eichhorn
  • Helene Sommer – 12. Dezmber (1877) in Powarschen
  • Lisbeth Sommer – 9. November (1902) in Landsberg
  • Helene Sommer – 17. Juni (1904) in Grünwalde
  • Erna Sommer – 30. Januar (1908) in Grünwalde
  • Otto Sommer – 27. Juni (1910) in Hanshagen
  • Heinz Sommer – 5. November (?)

Bei dieser Auflistung fehlt die älteste Schwester Hedwig Anna Sommer, die am 23. August 1900 in Landsberg geboren wird und am 30. Juni 1922 in Gr. Peisten den Maurer Franz Karl Blank aus Pr. Eylau heiratet. Sie taucht im unteren Teil als dessen Ehefrau auf. Offenbar hat sie wohl auch schon 2 Söhne namens Werner und Gerhard.

Vermutlich legte Erna Gertrude Sommer dieses Büchlein als Teenager an. Dazu passen auch die folgenden Sprüche, die sie darin notiert hat und die mich sehr an einige der in meinem Poesie-Album enthaltenen Verse erinnern. Da die Enden der Zeilen nicht mehr sichtbar sind, habe ich versucht, fehlende Wörter zu ergänzen. Bei Text Nr.1 ist mir das allerdings nicht so recht gelungen ….

  • Wenn du einst als Frau ..
  • Sitzest im Lehnstuhl bei Herrn ..
  • Und er dir ein Täßchen Kaffee ..
  • Dir streichelt deine Wangen ..
  • denn denk in deinem Frauenglück
  • auch freundlich noch an mich zurück
  • Durch Zufall lernten wir uns kennen
  • doch schnell flog hin die schöne Zeit
  • Bald müssen wir uns wieder trennen
  • vielleicht bis in die Ewigkeit
  • Und sollte es das Schicksal lenken
  • das wir uns niemals wiedersehn
  • so will ich deiner stets gedenken
  • und flehen Gott für dein Wohlergehn
  • Wenn Menschen dich verlassen
  • Wenn Glück wie Glas zerbricht
  • dann mußt du Gott umfassen
  • denn der verläßt dich nicht.

Ergänzungen zur Familie:

  • Ernas Vater – Gustav Adolph Sommer – wird 1873 als Sohn des Bauern Ferdinand Sommer und seiner Ehefrau Justine Amalie Gegner in Eichhorn geboren. Die Familie lebt zunächst in Eichhorn und später in Hoofe.
  • Ernas Mutter – Helene Bertha Böhm – kommt als Tochter des Schmiedemeisters Gottlieb Böhm und dessen Ehefrau Wilhelmine Grünheid in Powarschen zur Welt.
  • Die Eltern heiraten am 4.12.1899 in Reddenau
  • Schwester Liesbeth Helene Sommer, geb. 1902 in Landsberg, heiratet 1926 den Landsberger Töpfer Otto Ernst Neumann
  • weitere Vorfahren der Familien Sommer und Böhm sind im OFB Eichhorn zu finden!

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