Wildenhoff 1751 – Klage des Heinrich Kaddey

Heinrich Kaddey (auch Kadde – Cadey oder Kaddig geschrieben) wird im Juli 1699 als ältester Sohn des Kaufgärtners – später auch Brettschneiders – Franciscus Kaddey in Worschienen (im Kirchspiel Canditten, Pr. Eylau) geboren. Am 26. Juli 1723 heiratet er in Canditten Dorothea Corinth. Die Vermählung findet ‚extraordinair‚ im Glockenturm der Kirche statt, da Dorothea hoch schwanger ist – Sohn Michael kommt nur wenige Tage nach der Hochzeit zur Welt.

Heiratseintrag: Heinrich Kaddey (oder Kaddig) ein Knecht mit Dorothea des
alten Hans Corinth tochter s(einer) geschwächten extraordinaire im glocken-
thurm d(en) 26. July (cpuliert)

Am 29. Januar des Jahres 1751 wird im Schloss Wildenhoff bei Canditten, Pr. Eylau in Anwesenheit des damaligen Amtmanns Klügel und des Hoppendorfer Schulzen Georg Corinth, über die strittige Erbuntertänigkeit des Bauern Heinrich Kaddey entschieden. Offenbar hatte dieser bereits einige Jahre zuvor geklagt und war 1745 zu einer Strafe verurteilt worden, da er auf seinem Erbe ‚übel gewirtschaftet‘ hatte.

Heinrich Kaddeys Antrag auf Entlassung aus der Erbuntertänigkeit wird abgelehnt. Er wird darauf hingewisen, dass er ’seiner Herrschafft allen Gehorsam und Treue‘ zu leisten habe und dass auch seine Kinder der Gutsherrschaft – also der Familie des Grafen von Schwerin auf Wildenhoff – zu dienen hätten.

Diesen Folianten entdeckte ich vor langer Zeit im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem.

Quelle: XX HA Ostpr. Foliant 296 (GStA PK)
Auf eingekommener Untersuchungs Acta aus dem
Amte Pr. Eylau in Sachen Heinrich Kaddey, Klägern
an einem, dann des Grafen von Schwerin auf
Wildenhoff und deßelben Arendator Klügel
Beklagten am anderen Theile, strittige Erb Un=
terthänigkeit und anderes betreffend, Erkennen
von Sr. Königl. Majestät in Preußen, wir
hirzu allerhöchst verordnete Commissarii vor Recht;

Alldieweil Kläger gestehet, daß sein Vater ein
Kauf Gärtner in den Wildenhoffschen Gütern
gewesen, dergleichen Leute aber nach den
Landes Ordnungen für Unterthanen zu
halten; wozu noch ferner komt, daß
Kläger selbst bereits vor 20 Jahren und
nachhero abermals ein Bauer Erbe ange=
nommen; als (=also) kan er sich der Unterthä=
nigkeit nicht entziehen, sondern ist schuldig
seiner Herrschafft allen Gehorsam und
Treue, wie es einem Erbunterthanen
gebühret, unweigerlich zu leisten.

Wie denn auch der Herrschafft unbenom=
men ist, seine Kinder zu ihren dien=
sten zu gebrauchen. Wenn er im
übrigen die Straffe in anno 1745
auß vorgängige Untersuchung, und
weil er auf dem Erbe übel gewirth=
schaftet, auch sonsten sich nicht wohl
aufgeführet, erlitten, sein Vermö=
gen indeßen, welches zu Bezah=

lung seiner Schuld nicht zugereichet, or=
dentlich durch Geschworne consigniret und
taxiret worden; so fället, seine des=
halb geführte Beschwerde, als unge=
gründet hinweg; und wird er hir=
mit zur Ruhe und beßerer Auffüh=
rung ernstlich angewiesen.

A. E. v. Schlieben
M. v.d. Groeben v. Werner
J.H. Engelschmid


publicat: umb 10 Uhr vor Mittage
den 29ten Januari 1751 am Gräffl. Hoffe zu Wildenhoff


In Gegenwarth des Herrn Amtmann Klügels
des Schultzen zu Hoppendorff George Corinth
so nomine des jetzigen Krancken
Heinrich Kaddey gegenwärtig.
des Bauren Frantz Kaddey, als Brudern,
des Heinrich Kaddey, und
des jetzigen Mousquetiers Heinrich Kaddey
als Sohn vom Kl(äger) Heinrich Kaddey


extradidi
Michael Damus, Commissions Secr. u. Adl. Gerichtsschreiber

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Ein früherer Beitrag zu diesem Thema: Leute auf adeligen Gütern – frei oder unfrei geboren

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Eine Dorfordnung (Willkür) aus dem Jahre 1537

Quelle: Meyers Gazetteer

Die von Ernst Hartmann verfasste ‚Geschichte des Dorfes Ponarth bei Königsberg in Pr.‘ beinhaltet u.a. eine im Jahre 1537 in Ponarth verkündete Willkür, nach der sich die Bewohner des Dorfes zu richten hatten. Die Dorfordnungen anderer ostpreußischer Orte werden sicherlich ganz ähnlich gewesen sein.

Ernst Hartmann berichtet: ‚Noch zu Zeiten des alten Herzogs Albrecht, nämlich im Jahr 1537, ließen Georg Pfersfelders Nachkommen (Anmerkung: die damaligen Besitzer des Dorfes) für Ponarth eine Dorfordnung oder Willkür ausarbeiten und verkünden. Ihre einzelnen Paragraphen geben uns ein recht anschauliches Bild von dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde Ponarth in damaliger Zeit und verdienen erhöhte Beachtung, weil aus so früher Zeit nur ganz wenige Willküren ostpreußischer Dörfer bekannt sind. Einige wichtige Paragraphen sollen hier teils wörtlich, teils nur dem Sinne nach wiedergegeben werden:

  • Wer den Schulzen oder die Ratsleute schmäht, zahlt Buße
  • Wer nicht innerhalb einer Viertelstunde herzueilt, wenn der Schulz die Gemeinde ‚mit dem Horne‘ zusammenruft, um ihr etwas anzukündigen, muss 4 Groschen Strafe geben
  • Schulz und Ratsleute müssen jährlich die Gemarkungsgrenzen abgehen, damit sie nicht unkenntlich werden (Grenzgang).
  • Wer nicht zum Ding tag (Gerichtstag) kommt, büßt es mit 1/2 Mark.
  • ‚So die gemeine zweispeldigk und irrig wirth, sollen sie tretten in zween Hauffen, dann soll der kleinste (Haufen) volgen dem grösten‘ (Sieg der Mehrheit!).
  • Schulz und Ratsleute müssen wegen der Feuergefahr mehrmals im Jahr reihum ‚zu allen Nachbarn gehen vnd zusehen, das der ruß vnd spinnweben über den Herden vnd backöfen sey abgefegt‘.
  • Jeder Nachbar muss auf seinem Hof 2 Leitern und Tonnen mit Wasser stehen haben.
  • Wer nicht zu Weg-, Brücken und Dammbauten erscheint, zahlt 5 Groschen Buße.
  • Höchsten 2 mal im Jahr gestattet die Herrschaft ‚Gemeinde-Bier‚ zu trinken. In Pestzeiten muss auch dies unterbleiben.
  • Bei einem Diebstahl im Dorf müssen alle Einwohner einen Tag lang nach dem Dieb suchen; wer sich davon ausschließt, gibt die hohe Buße von 3 Mark. Der Schulz bestimmt einige Männer, die ’sollen zu Rosse ziehen auff vier Straßen‘ – also nach den viel Himmelsrichtungen. Ziehen sie über vier Meilen weit, müssen die Zurückgebleibenen ihnen Vergütung zahlen.
  • Niemand darf Glücksspiele (‚Doppelspil‘) in seinem Hause leiden.
  • Wer durch gehegtes Feld fährt oder reitet, büßt 4 Groschen.
  • Jeder muss nacheinader den Zechhirten halten (umzech-reihum)

Zechhirte nannte man ihn, weil er im Dorf reihum von allen Viehbesitzern unterhalten werden musste. Ärmere Gemeinden hüteten selbst umzech, indem ein Bauer nach dem anderen jemand aus der Familie mit dem Dorfvieh hinausschickte. Zuweilen wurden dazu auch die noch schulpflichtigen Söhne herangezogen, die wegen schlechter Schulleistungen nicht konfirmiert werden durften und bis zum 16. oder gar 17. Lebensjahr die Schulbank drücken mussten. Im Jahre 1766 befahl darum die Regierung, die Beamten möchten allenthalben für die Aussetzung von Gemeindeviehhirten Sorge tragen, damit die Jugend nicht wegen des Viehhütens den Unterricht versäume.

  • das Vieh muss schnell den Hirten zugetrieben werden; ‚ausgenommen eine sauw, die mag mit jungen färckeln 4 Wochen auf der Straßen frey gehen‘.
  • Beim Austreiben müssen den Rindern die Hörner beschnitten sein.

Andere Beiträge, die sich mit Ponarth befassen:

‚Ich verbiete jede Collation‘ – Ponarth 1809

Die kölmischen Gutsbesitzer in Ponarth

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Gruselige Ereignisse in Königsberg um 1680

Einige Kirchenbücher enthalten nicht nur Tauf-, Heirats- und Sterbeeinträge, sondern manchmal auch chronikalische Aufzeichnungen der Pastoren zu besonderen Vorkommnissen innnerhalb der Gemeinde. Derartige Aufzeichnungen sind auch im Kirchenbuch der Kirche Altrossgarten in Königsberg zu finden. 1680 notiert der Pastor zum Beispiel:

Den 9. September geneset die Chur Princessin Durchlaucht einer Princessin.

Die nachfolgenden Berichte sind weniger erfreulich, sogar ziemlich gruselig – sie bieten jedoch einen Einblick in damals herrschende Lebensumstände. Der Pfarrer schreibt:

Ausschnitt aus der Chronik – 1680

Fraw Dorschen tochter auß der kneiphöfischen Hofegaß ward zur huren, das Kind ward heimlich in den Keller vergraben, weil aber die Magd durch das Bellen und Kratzen eines kleinen Hündleins es gewahr worden, und davon zu reden angefangen, hat die Fr. Dorsche durch einlegung nachts in die grütze die mägde an die Seit bringen wollen, weswegen die Dorsche auf dem Rahthaus in Arrest behalten, die tochter aber in den blauen thurm geführet worden. Die Dorsche hat Geldstrafe erlegen müßen, die tochter aber hat das Land verschweren müßen und ist den 20 December Anno 1681 durch den Henckersknecht ausgewiesen.

(Anmerkung zu diesem Text: die Stelle mit der Grütze und den Mägden ist mir rätselhaft – vielleicht hat jemand eine Idee?)

1683 berichtet der Pastor der Kirche Altrossgarten:

In diesem Monat ist des Herrn Oberburggrafen Albrecht von Kalneinen Jfraw (Jungfrau) tochter behexet worden, daß sie zu gewißen stunden gebellet wie ein Hund, geschriehn und gemauet wie eine Katz mit groß ungeberd (Ungebärde). Und als die Hofmutter dessen beschuldiget(,) gefenglich eingezogen worden, hat sie mit einem Messer ihr den Hals abgeschnitten.

Und 1684 erfährt man: Anna Dorothea Bartschin ist von Ostern an vom Sathan mit Verzweiflungs gedancken heftig angefochten, auch am leibe geplaget und gekratzet worden. Herr Masovius(,) Tragheimscher Pastor(,) hat sie zu sich ins Haus genommen, des nachts sind einige studiosi bey ihr geblieben, von solcher Teufelsplag ist sie durch Gottes Hülf und der benachtbahrten Prediger (Aufzählung der Namen) die mit ihr vorm althar gebetet, gesund worden.

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Reisepass von Carl Kroczewsky aus dem Jahre 1823

Bei einem meiner Besuche des Staatsarchivs Olsztyn konnte ich eine Reihe von Dokumenten abfotografieren – u.a. Unterlagen des Magistrats von Landsberg, Pr. Eylau (Górowo Iławeckie).

Darunter befand sich auch dieser Reisepass – ausgestellt am 6. August 1823 in Leobschütz, Schlesien, für den Schwarz- und Schönfärbergesellen Carl Kroczewsky. Nachdem sich Carl Kroczewsky durch Vorlage seines Wanderbuchs als unverdächtig legitimiert hatte, erhielt er diesen Pass, der 6 Wochen gültig war und ihm erlaubte, von Leobschütz aus über Oels, Posen und Thorn in seine Geburtssstadt Heilsberg zu reisen. Alle Civil- und Militairbehörden wurden ersucht, ihn mit angeführter Begleitung ungehindert reisen und zurückreisen zu lassen.

Carl Kroczewsky wird genauestens beschrieben:

Er ist katholisch, 26 Jahre alt, 5 Fuß 4 Zoll groß (etwa 1,65m ), hat braune Haare, schwarze Augenbrauen, graue Augen, eine gesunde Gesichtsfarbe und einen braunen Bart – außerdem einen gewöhnlichen Mund, eine bedeckte Stirn und eine stumpfe Nase.

Als ich diesen Reisepass entdeckte, wusste ich, dass ich den jungen Mann ‚kannte‘.

1824 wohnt Carl Johann Kroczewsky als Bürger, Schön– und Schwarzfärbemeister im ostpreußischen Landsberg und heiratet dort am 30. März 1824 Wilhelmine Wuttge, die jüngste Tochter des verstorbenen Stadtchirurgus Friedrich David Wuttge.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Landsberg_1824_Wuttge.jpg
Kroczewsky/Carl Johann/ Bürger und Schön- Schwarzfärberalhier
mit der Jungfer Wilhelmine Wuttge, der verstor-
benen Stadtchirurgus Friedr(ich) David Wuttge hinterlaßenen
jüngsten Tochter.

Carl Kroczewsky wird außerdem Mitglied des Landsberger Magistrats und im Jahre 1836 wird er zum Vormund der unehelichen Kinder des Woriener Gutsbesitzers Alfred von Domhardt und seiner Geliebten Elisabeth Zimmer ernannt, nachem Alfred von Domhardt im Juli 1836 den Gutshof Salwarschienen – heute Kanie Iławeckie – erstanden hatte, auf dem Elisabeth Zimmer fortan mit den gemeinsamen Kindern lebte.

Ich zitiere aus meinem eigenen Buch:

‚Am 18. Juli 1836 – unmittelbar nach der Geburt des 5. Kindes – kauft Alfred von Domhardt das eine Meile von Landsberg gelegene köllmische Gut Salwarschienen von Johann Heinrich Nikutowski. Schon im Kaufvertrag, verhandelt im Stadtgericht zu Landsberg, wird darauf hingewiesen, dass Alfred von Domhardt „beabsichtigt, seine aus dem vorliegenden Kontracte entspringenden Rechte an die unverehelichte Elisabeth Zimmer zu Egdeln (zum Patrimonial Gericht Peisten gehörig) und deren minorenne Kinder zu cedieren . . . “. Wenige Tage später wird der Besitz auf Elisabeth Zimmer übertragen; sie erhält ein lebenslanges Wohnrecht und ist lediglich verpflichtet, „ihre Kinder ordentlich und standesgemäß zu erziehen“. Als Vormund der Kinder ist der Landsberger Färbermeister Kroczewsky angegeben‘.

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Heute vor 109 Jahren …

Heute wäre mein Vater Karl August Gegner 109 Jahre alt geworden! Er wurde am 23. Oktober 1911 in Bremen-Aumund geboren. Sein aus dem ostpreußischen Landsberg im Kreis Preußisch Eylau stammender Vater – mein Großvater Carl Ludwig Gegner – ist der Ausgangspunkt für all meine Ostpreußen-Forschungen, die mich seit mehr als 20 Jahren begeistern!

Wie gern würde ich meinem Vater von seinen Vorfahren und den Reisen in die Orte seiner Vorfahren erzählen! Und wie sehr bedaure ich jetzt, dass ich zu seinen Lebzeiten viel zu wenig gefragt habe!

Mein Vater verstarb am 14. Februar 1985 in BremenBlumenthal. Eine besondere Erinnerung an ihn ist ein Heft, das er am Tag meiner Geburt zu schreiben begann und mit kleinen Zeichnungen verzierte.

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Familie Steinau in Augam – Kirchspiel Canditten, Pr. Eylau

Catharina Lehmann ist meine Urgroßmutter 5. Grades. Ich wusste schon einiges über sie, aber da ich momentan versuche, sämtliche Informationen über meine ostpreußischen Vorfahren zu bündeln, zu vervollständigen und zu einem Buch zu verarbeiten, habe ich noch einmal im Kichenbuch von Canditten recherchiert.

Catharina wird 1m November 1719 in Wildenhoff geboren – ihr Vater Jacob ist Bräuer des Gutes Wildenhoff. Sie ist erst 19 Jahre alt, als sie im Mai 1739 in Canditten den Krüger Georg Steinau heiratet. Über ihn und seine Familie war mir bislang nur wenig bekannt.

Georg Steinau – auch Stehnau oder Stenau geschrieben – wird 1683 in Augam (heute Augamy) geboren, einem kleinen Dorf unweit von Wildenhoff, das ebenso zum Kirchspiel Canditten gehört.

Georgs Vater heißt ebenfalls Georg, seine Mutter Anna. Georg wächst mit einer Reihe von Geschwistern auf – ich habe nicht den Lebenslauf aller verfolgt, da ich mich vorrangig für Georg selbst interessiere. Aber dies fand ich heraus:

  • Bruder Johann Steinau heiratet 1704 in Canditten Catharina Block, eine Tochter des Krügers Simon Block. Im Kirchenbuch ist zu lesen: Hans Stehnau, Georgs Sohn, der Hoffmann in Steegen, mit Jgfr. Catharina, Simon Blokken, des Krügers in Augam eheleibl(eibliche) Tochter
  • Georgs Bruder Christoph Steinau heiratet 1708 in Canditten die bereits schwangere Barbara Wiechmann. Der Heiratseintrag lautet: Christoph Stehnau (Georgs Sohn) mit seiner geschwächten Barbara geb. Wiechmannin im Glockenturm copuliret (Anmerkung: die beiden wurden aufgrund der bestehenden Schwangeschaft nicht vor dem Altar verheiratet)
  • Bruder Michael heiratet 1717 – seine Braut stammt aus Mollwitten. Der Pastor notiert im Kirchenbuch von Canditten: Michael Stehnau, Georg Stehnaus Sohn in Augam, mit Jgfr. Anna Maria, Christian Abramoffsky, e. Cöllm. Freyen in Mollwitten ehel. Tochter
  • Schwester Gertrud Steinau wird 1712 in Canditten mit Martin Busau aus Landsberg verheiratet. Der Eintrag lautet: Martin Busau, e. Eigenthümer in Landsberg, mit Jgfr. Gertrud, Georg Stehnaus, e. Mit Nachbars u. Bauersmanns in Augam ehel. Tochter. (copuliert) daß er die Baum pflanzung gethan, hat er mit einem Zettel von Hrn Bürgermeister in Landsberg bewiesen.
Georg Stehnau der Krüger in Canditten

Georg Steinau selbst wird Krüger in Canditten. Im Februar 1718 verstirbt sein Vater und einige Monate später – am 19. Juni 1718 – heiratet er in Tiefensee – heute Głębock – Barbara Wichert (auch Wiechert), geborene Hahnwaldt, die Witwe des dort verstorbenen Bauern Michael Wichert. Auch dieser Eintrag ist im Kirchenbuch von Canditten verzeichnet. Er lautet: ‚Georg Stehnau, der Krüger in Canditten, mit Fr. Barbara geb. Hahnwaltin, verwittibte (Michael) Wichertin (copuliert) den 19. July‘. Barbara Hahnwaldt stammt ursprünglich aus Canditten, wo sie 1674 als Tochter von Joachim Hahnwaldt zur Welt kam.

Barbara ist fast 10 Jahre älter als Georg Steinau und bringt mindesten 2 Kinder mit in den Krug von Canditten – Tochter Barbara Wichert heiratet 1727 in Canditten den aus Landsberg stammenden Bürger und Festbäcker Daniel Fischer – Tochter Regina Wichert wird 1729 die Ehefrau des Canditter Freibauern Jacob Gutt, dem älteren Bruder meines Vorfahren Michael Gutt.

Dies ist der Heiratseintrag von Daniel Fischer und Barbara Wichert aus dem Kirchenbuch von Landsberg – ein schönes Beispiel für „Falschmeldungen“ in Kirchenbüchern, denn hier wird die Braut Barbara Wichert als ‚liebe Pflege-Tochter‘ des Xstoff Steinhauers, Krügers in Canditten‘ bezeichnet!

Am 22 Mrz 1736 verstirbt Georg Steinaus Mutter Anna im Alter von 87 Jahren – drei Jahre später – am 8. März 1739 – auch seine Ehefrau Barbara, die 65 Jahre alt wird.

Georg hat mittlerweile sein 56. Lebensjahr erreicht – die Stiefkinder sind aus dem Haus und eigene Kinder hat er bislang nicht. Mit meiner Vorfahrin Dorothea Lehmann zieht 1739 eine sehr junge Frau in den Krug von Canditten. Sie bringt von 1740 bis 1751 sechs Steinau-Kinder zur Welt, von denen die beiden ersten jedoch nur eine kurze Zeit leben. Der 1741 geborene Christian Steinau wird später Meister des Zimmergewerks in Kreuzburg – seine Schwester Catharina Dorothea Steinau heiratet 1768 in Canditten den verwitweten Bauern Jacob Maartsch.

Der Krüger Georg Steinau wird 67 Jahre alt und verstirbt am 17. Mai 1750 in Canditten. Dies ist sein Sterbeeintrag aus dem Kirchenbuch von Canditten:

d(en) 19. May ist Georg Stenau Krüger in Canditten
mit Christl(ichen) ceremonien zur Erden bestättiget.
mortuus d. 17.

Georg Steinaus Ehefrau – meine Vorfahrin Dorothea Lehmann – weiß zu dieser Zeit vermutlich noch nichts von einer erneuten Schwangerschaft. Im Februar 1751 bringt sie einen weiteren Sohn zur Welt, der Christoph genannt wird und zwei Monate später heiratet sie Johann Boenke aus Canditten, der den Krug in Canditten übernimmt, sich hoffentlich gut um seine Stiefkinder kümmert und mit dem Dorothea von 1752 bis 1762 sechs weitere Kinder bekommt.

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‚Durch der Jahre Zahl gebeugt und gebrochen‘ …

1855 erinnert Karl Julius von Heyden-Nerfken – damaliger Landrat des Kreises Preußisch Eylau – an die Völkerschlacht von Leipzig, die 42 Jahre zuvor stattfand. Der ’siegreichen Erstürmung Leipzigs‘ gingen die sogenannten Befreiungskriege voraus, an denen viele unserer Vorfahren aktiv beteiligt waren

Mit dem Begriff Befreiungskriege oder Freiheitskriege werden die kriegerischen Auseinandersetzungen in Mitteleuropa von 1813 bis 1815 zusammengefasst, mit denen die Vorherrschaft Frankreichs unter Napoleon Bonaparte über große Teile des europäischen Kontinents beendet wurde,‘ (Wikipedia).

Im Preußisch Eylauer Kreisblatt ist zu lesen:

Noch einmal erleben wir die Wiederkehr des Tages, an welchem durch die siegreiche Erstürmung von Leipzig für Deutschland und Preußen der Grund gelegt wurde, zur Befreiung schmachvoller Abhängigkeit von fremder Herrschaft. Vereinigen wir uns gerne im Danke zu Gott, der nach heißem Kampfe uns bisher die Segnungen des Friedens gegeben. Versuchen wir es gerne in den Dank und die Jubellieder einzustimmen, welche damals auch denen vollherzig gewidmet wurden, welche durch Hingabe von Blut und Leben zum großen Erfolge mitwirkten. Zwei und vierzig Jahre sind freilich darüber hingegangen, aber noch leben viele unter uns, welche ermuntert und gesegnet durch ihre Zeitgenossen den großen Kampf freudig und begeistert durchführten. Sie leben unter uns zum großen Theil schon durch der Jahre Zahl gebeugt und gebrochen, oft kummervoll und elend durch Krankheit und große Noth, zumal bei dieser Theurung und Angesichts eines schweren Winters. Aber sie leben unter uns noch als Zeugen, daß Gott Großes an uns gethan, da wir durch ihre Hülfe Ehre, Frieden und Wohlstand wieder erwarben …

Ich frage mich, ob auch mein Vorfahre Carl Matern ‚den großen Kampf freudig und begeistert durchführte‘ und ob auch er zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Bekanntmachung ‚gebeugt und gebrochen‘, ‚kummervoll und elend‘ sein Leben fristet…

Carl Matern gehört zu diesen Veteranen des Kreises Preußisch Eylau, die 1855 noch leben. Er ist zu dieser Zeit 73 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Hoofe (heute Dwórzno) bei Landsberg. Zum Zeitpunkt der grausamen Schlacht, die dort am 6. Februar 1807 stattfand, war die Familie noch nicht in Hoofe ansässig.

Im Jahre 1864 wird Carl Matern – nebst vielen anderen Veteranen – für seinen ‚Dienst am Vaterland‚ eine Erinnerungs-Kriegs-Denkmünze verliehen! Viele der ehmaligen Soldaten sind mittlerweile verstorben. Carl Matern – inzwischen 82 Jahre alt – hat seine Auszeichnung wohl noch erhalten. Er muss in guter körperlicher Verfassung gewesen sein, denn er wird 91 Jahre, 2 Monate und 13 Tage alt und verstirbt am 17. Oktober 1873 in Hoofe an Altersschwäche.

Dies ist nur ein Ausschnitt aus einem Artikel, der im Dezember 1863 im Pr. Eylauer Kreisblatt veröffentlicht wird.

Auch in nachfolgenden Jahre wird mehrfach dazu aufgerufen, die im Kreis Pr. Eylau noch lebenden Kriegsveteranen zu ermitteln und immer wieder werden im Kreisblatt Listen wie die folgende veröffentlicht:

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Anna Barbara Taubenhahn – die Ehefrau des Amtmanns

Endlich ist es mir gelungen, das Rätsel um die Identität der Ehefrau des Preußisch Eylauer Amtmanns Christian Ankermann zu lösen! Es war eine ziemlich mühsame Puzzle-Arbeit, die mich so manche halbe Nacht gekostet hat …

Christian Ankermann wird im Januar 1684 in Seeben im Kirchspiel Dollstädt, Pr. Eylau, geboren – 1714 ist er Müllergesell und Werkmeister in der Königsberger Obermühle – dann Müller in Kobbelbude und später Amtmann in Pr. Eylau und Besitzer des Guts Hinterwalde im Kirchspiel Mahnsfeld.

Anna Barbara Taubenhahn kommt im November 1699 in Königsberg als Tochter des Schönfärbemeister Michael Taubenhahn zur Welt, der seit 1691 im Besitz der Färberei des Schönfärbers Martin Gablentz ist.

Die Färbereien lagen auf der kurfürstlichen Freiheit Tragheim, also außerhalb des Zunftzwanges, und zwar am Schlossteich, weil sie viel Wasser brauchten. Dort richtete der Schönfärber Johann Georg Gablentz, ein Bruder des kneiphöfischen Ratsfärbers Martin Gablentz, 1683 eine Werkstatt ein mit einer Tuchpresse; in seiner Nachbarschaft war der Färber Jean Poincheval. Als sich die Färber 1696 abermals zu einem Gewerk zusammenschlossen, gab es 4 „Offizinen“ in Königsberg: Bollert, Poincheval, und die beiden Gablentz, bzw. Michael Taubenhan, der seit 1691 im Besitz der Färberei des Martin Gablentz war. (Fritz Gause: Geschichte der Stadt Königsberg, Seite 421]

Anna Barbara hat noch neun Geschwister. Als sie im Juni 1726 erstmals heiratet, ist sie bereits 27 Jahre alt – für die damalige Zeit ungewöhnlich. Ihr Ehemann Johann Heinrich Schönfeld wird als ‚Ministerialis beim Samländischen Consitorio‚ bezeichnet.

In der Löbenichter Kirche findet sich der Eintrag: … auf Hohe Königliche Verordnung Ein Vor Alle Mahl aufgebothen Herr Johann Heinrich Schönfeldt, E. Hochehrw(ürdiger) Samländischer Consistori treufleißiger Ministerialis mit Jungfr. Anna Barbara, H. Michael Taubenhaan, Bürgers u. Schönfärbers alhir im Löbenicht Eheleibliche Tochter (Königsberg Löbenicht)

Johann Heinrich Schönfeld ist Witwer und 30 Jahre älter als Anna Barbara. Zuvor war er verheiratet mit Anna Dorothea Trenkmann (auch Tränkmann geschrieben) – einer Tochter von Gottfried Trenkmann, eines ‚Zinßeinnehmers im Kneip Hoff‘.

Anna Barbara Schönfeld, geb. Taubenhahn bringt zwei Söhne zur Welt, die in Königsberg – in der Kirche Neurossgarten – getauft werden:

  • 1727 Johann Heinrich Schönfeld
  • 1729 Johann Gottlieb Schönfeld

Johann Gottlieb ist erst wenige Monate alt, als sein Vater im April 1729 verstirbt. Mehr als 2 Jahre lang muss sich Anna Barbara als Witwe mit ihren beiden Kindern allein gelebt haben, bevor sie im Oktober 1732 den verwitweten Klempnermeister Michael Supplit heiratet, dessen Ehefrau Gertrude Meyer – eine Tochter des Bürgers und Festbäckers auf dem Steindamm George Friedrich Meyer – kurz zuvor verstorben war.

Der Heiratseintrag von Michael Supplit und Anna Barbara Taubenhahn in der Kirche Neurossgarten ist kaum zu entziffern.

Michael Supplit bringt eine ganze Kinderschar mit in die Ehe. Nach 8 Jahren verstirbt Michael Supplit – die meisten Kinder sind zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig.

Am 4. Februar 1742 heiratet Anna Barbara Taubenhahn im Dom zu Königsberg den mittlerweile ebenfalls verwittweten Amtmann Christian Ankermann.

H. Christian Anckermann Königl(icher)
Ambtmann in Preusch Eilau mit Fr(au)
Barbara, des seel(ig) Mstr Supplitten,
gewe(enen) Klempners n.W. (nachgelassene Witwe)

Nun verstehe ich die Familienverhältnisse besser! Durch diese Verbindung werden sowohl die Kinder aus Anna Barbaras erster Ehe als auch ihre Kinder aus der zweiten Ehe zu Christian Ankermanns Stiefkindern. So lässt es sich auch erklären, dass der 1729 in Königsberg geborene Johann Gottlieb Schönfeld – Sohn aus der 1. Ehe Anna Barbara Taubenhahns – zum Erben des Gutes Hinterwalde im Kirchspiel Mahnsfeld wird, das zuvor dem Amtmann Christian Ankermann gehörte.

Weitere Informationen zu diesen Familien sind hier zu finden!

Und auch vor vielen Jahren habe ich schon über Christian Ankermann geschrieben.

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Genealogische Macke …?

Manchmal erschrecke ich selbst über meine Reaktion und vermute, dass ich allmählich eine ‚genealogische Macke‚ entwickle. Ein Beispiel von heute:

Am Vormittag arbeitete ich mit Freude an der Geschichte meiner ostpreußischen Vorfahren. Ich war damit beschäftigt, den Begriff der ‚Brustwassersucht‚ zu erklären – einer Krankheit, an der mein Vorfahre Christian Schmidt im Jahre 1797 in Polassen – einem kleinen Ort im Kirchspiel Eichhorn des Kreises Preußisch Eylau – verstarb …

Bei der Kontrolle seines Sterbeeintrags im Kirchenbuch lande ich beim Durchblättern zufällig auf einer Seite von Sterbeeinträgen des Jahres 1806 und lese: ‚den 17. Februar starb in Neukrug Lovise verehlichte Zwekelofski, geborene Worm, 45 Jahre, verlaßene Ehegattin des vor 10 Jahren entlaufenen Instmanns in Sand Adam Zwekelofski – welche sich Winter über in Dixen mit Spinnen ihr Brod verdiente, von da krank nach Neukrug zu ihrer Schwester geführt wurde, und daselbst starb. Sie wurde den 19. ejusdem auf dem hiesigen Kirchhofe begraben – Erbin: 1 Tochter Wilhelmine, 12 Jahre alt‘

Statt nun das zu tun, was ich eigentlich wollte – nämlich den Sterbeeintrag meines Ahnen zu kontrollieren – denke ich:

  • Oh Gott, was passiert nun mit Wilhelmine …?
  • Hoffentlich haben sich Lovises Geschwister um die Tochter gekümmert!
  • Oder ist vielleicht der Vater wieder aufgetaucht …?

Und bevor ich mich wieder meinem uesprünglichen Plan zuwenden konnte, verbrachte ich zunächst einmal einige Zeit damit, Lovises Familienverhältnisse zu untersuchen.

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Ein spannendes neues Projekt …

Seit einigen Wochen bin ich mit einem neuen Projekt beschäftigt. Mein Plan ist – ausgehend von meinen beiden Großvätern und beiden Großmüttern – sämtliche Forschungsergebnisse dieser 4 Linien zusammenzutragen und zu jeweils einem Buch zusammenzufassen. Ergänzt werden sollen die genealogischen Berichte durch Fotos – Einträge aus den Kirchenbüchern Dokumente Kartenmaterial Zeitungsausschnitte – Informationen über die Wohnorte der Familien – Erläuterungen der Berufe der jeweiligen Vorfahren und Beschreibungen ihrer Lebensumstände.

  • Die Vorfahren Hinrich Haesloops (1880-1961) – meines Großvaters mütterlicherseits – lebten überwiegend im heutigen Bremen-Nord und umliegenden Orten
  • die von Anna Lisette Kröger bzw. Schaumlöffel (1885-1945) – meiner Großmutter mütterlicherseits – stammen zum Teil auch aus dieser Gegend, aber auch aus Heiligenloh im Amt Ehrenberg und verschiedenen Orten in Hessen
  • Die Ahnen von Caroline Auguste Müller (1884-1970) – meiner Großmutter väterlicherseits – lebten teilweise im heutigen Bremen-Nord, in der Gegend von und um Sandstedt an der Weser, aber auch in Hoya und in Sachsen.

Da mich Ostpreußen am meisten begeistert und ich mich im Verlaufe der vergangenen 20 Jahre am intensivsten mit dieser Region beschäftigt habe, habe ich zunächst mit dem Schreiben über die Vorfahren meines in Landsberg – im Kreis Pr. Eylau – geborenen Großvaters Carl Ludwig Gegner begonnen.

250 Seiten sind bereits gefüllt und ich bin gespannt, was letztlich daraus wird!

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