Andreas Grünheid(e) aus Grünwalde

An ihm kommt man nicht vorbei wenn man sich mit der Geschichte von Landsberg, Pr. Eylau, beschäftigt – an Andreas Grünheid, dem ‘Messerschlucker‘ von Grünwalde. In abgewandelter Form begegnet man der Schilderung seines unglaublichen Missgeschicks in zahlreichen Büchern. Aber nirgends wird dieser Unglücksfall so ausführlich beschrieben wie in Christoph Hartknochs Buch ‘Alt- und Neues Preußen’, das 1684 erschien.

Grünheid_Hartknoch

Quelle: Christoph Hartknoch ‘Alt und Neues Preußen’

Kurz zusammengefasst geschieht Folgendes: Andreas Grünheid, Knecht in Grünwalde, verspürt am 19. Mai 1635 eine Übelkeit im Magen, ‘derohalber nahm er ein Messer, fassete es bey der Spitze und wühlete mit der Schale in dem Halse in der Meynung sich also zu übergeben oder zu brechen. Aber das Messer entfuhr ihm und gieng biß in den Magen’ (Hartknoch).

Grünheid_HartknochMesserQuelle: Christoph Hartknoch ‘Alt und Neues Preußen’

Andreas Grünheid wird nach Königsberg gebracht und dort von Dr. Daniel Beck(h)er behandelt. Detailliert gibt Hartknoch dessen Schilderung der Rettung des Patienten und seiner anschließenden Verfassung wieder. Weitere Ärzte werden hinzugezogen und mancherlei Behandlungsmethoden und seltsame Medikamente kommen zum Einsatz – so wird zum Beispiel von ‘Spanischem Balsam’, ‘Perlenwasser’, ‘Tormentillen’, ‘Geraspeltem Frantzosenholtz’ oder ‘Rosmarienhonig‘ berichtet. Die Entfernung dieses verschluckten Messers soll die weltweit erste Magenoperation gewesen sein.

Andreas Grünheid wird schließlich gesund. Am 1. Adventssonntag des Jahres 1641 wird er in Landsberg von Pastor Jacob Leitner mit Dorothea Kolb, einer Tochter des Grünwalder Bauern Christoph Kolb und desses Ehefrau Elisabetha, getraut. ‘Und ist er auch nunmehr wohnhafftig zu Landsberg in der Vorstadt in seiner eigenen Wohnung. Befindet sich biß auff diese Stunde noch frisch und gesund wie er dann auch uns bißweilen zu Königsberg zuspricht’ schreibt Christoph Hartknoch.

Den Heiratseintrag im Kirchenbuch von Landsberg konnte ich leider nicht finden – die noch erhaltenen Einträge beginnen erst einige Jahre später. 1647 heiratet in Landsberg Martin Grünheid aus Grünwalde – vielleicht Andreas Bruder? Nachkommen der Familie Grünheid aus Grünwalde leben dort noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Leute auf adeligen Gütern – frei oder unfrei geboren

1735 ist Anna Gegner, eine Tochter des Böttchers Erdmann Gegner und seiner Ehefrau Anna Specht, bereits 15 Jahre mit Christian Schmidt, den damaligen Arrendator (und vorherigem Gartenierer) von Worienen , verheiratet. Am 27. Juni 1735 wird für Anna, ‘so von freyer Geburth ist‘ und für ihren Ehemann, ‘der als Unterthan in denen Worienenschen Güthern gebohren’ wegen ‘seiner geleisteten nützlichen und treuen Dienste’ in Königsberg ein Freibrief ausgestellt. Dieser Freibrief gilt auch für die bis dahin geborenen und noch lebenden drei Söhne.

Wie kann es sein, habe ich mich lange gefragt, dass Anna Gegner frei, Christian Schmidt aber als Untertan geboren wurde …? Beide kommen etwa zur selben Zeit in Orten zur Welt, die zur Begüterung Worienen gehören – sie im Jahre 1696 in Polassen als Tochter eines Böttchers, er im Jahre 1699 in Eichhorn als Bauernsohn. Niemand konnte mir diese Frage bislang beantworten. Hier fand ich erstmals den Ansatz einer Erklärung:

Goldbeck_Titel(Quelle: Google Books)

Johann Friedrich Goldbeck schreibt: ‘Die auf den adelichen Gütern wohnende(n) Leute sind theils freye Leute, theils Unterthanen. Erstere, sie mögen entweder Acker oder Grundstücke eigenthümlich oder kontraktmäßig besitzen oder auf den Güthern als Handwerker, Gärtner oder Gesinde sich aufhalten, sind sowohl in Ansehung ihrer Person als ihres Vermögens völlig frey, können von den Gütern frey wegziehen …. Die adelichen Unterthanen sind ebenfalls in Ansehung ihres eigenthümlichen erworbenen oder ererbten Vermögens völlig frey, ….. in Ansehen ihrer Person aber sind sie nicht frey…’ Ausführlich nachzulesen in nachfolgendem Text:

Goldbeck

Ich bin aber immer noch nicht ganz sicher, ob ich die Zusammenhänge nun richtig verstanden habe: wurden Handwerker-Kinder innerhalb eines adeligen Gutsbezirks grundsätzlich ‘frei’, Bauern-Kinder aber grundsätzlich ‘unfrei’ geboren?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Adreß-Handbuch Ostpreußen 1857

Das ‘Statistisch-topographische Adreß-Handbuch von Ostpreußen‘ enthält nicht nur dieses schöne Exlibris der ‘Kunheim-Judittenschen Bibliothek’,

Adressbuch_1857_2

sondern viele Informationen für Familienforscher, deren Vorfahren um 1857 in Ostpreußen lebten. Ich selbst habe zum Besipiel entdeckt, dass sich das ‘Kirchenhufen-Etablissement Krücken’ bei Kreuzburg im Kreis Pr. Eylau noch im Jahre 1857 im Besitz der Familie Ankermann befindet. Schon um 1660 wird mein Vorfahre Martin Ankermann als ‘Kirchbauer in Krücken‘ bezeichnet. Die Kirchenhufen wurden demnach mindestens 200 Jahre lang von Mitgliedern der Familie bewohnt.

Adressbuch_1857

Adressbuch_1857_Krücken_Ankermann

Über Krücken und meine dortigen Ankermann-Vorfahren habe ich hier schon vor langer Zeit einiges geschrieben.

Außerdem konnte ich anhand des obigen Adressbuchs feststellen, dass meine Westphal-Vorfahren bereits um 1857 Besitzer der Mühle in Kerwienen bei Heilsberg waren bevor sie nach Spittehnen bei Bartenstein verzogen und die dortige Mühle übernahmen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Haesloop-Salat :-)

Es ist eine Herausforderung ganz besonderer Art, die Haesloop-Familien im Kirchspiel Blumenthal zu sortieren und die Familiemitglieder richtig zuzuordnen – kein Wunder, wenn dabei manche Fehler auftreten! Vermutlich habe ich mehrere Jahre lang mit einigen falschen Vorfahren gelebt :-)

Das Haesloop-Drama beginnt schon am 20. September 1872. An diesem Tag heiratet mein Urgroßvater Hinrich Haesloop in der Reformierten Kirche zu Blumenthal in erster Ehe Catharina Margarethe Haesloop. Nach deren Tod nimmt er 1878 ihre Schwester Elisabeth Haesloop zur Frau. Damit ist das Elend vorprogrammiert!

Und wenn dann zum Besipiel am 1. Februar des Jahres 1763 der Kahnfahrer Marten Haesloop, Sohn des Kahnfahrers Ficke Haesloop und dessen Ehefrau Ahlheit Haesloop, geborene Haesloop seine Braut Anne Haesloop, eine Tochter des Kahnfahrers Martin Haesloop heiratet, schwirrt mir der Kopf und ich brauche dringend eine Pause ….

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Christian Friedrich Burckhardt – Pfarrer in Guttenfeld u. Dexen

Christian Friedrich Burckhardt ist von 1719 bis 1725 Pfarrer in Guttenfeld, Pr. Eylau, anschließend wird er Pfarrer in Klein Dexen. Seine Ehefrau heißt Anna Regina Ritter. Im Kirchenbuch von Guttenfeld fand ich Taufeinträge einer Tochter und eines Sohnes des Ehepaares. Die Paten geben aufschlussreiche Hinweise auf Verwandtschafts-verhältnisse der Familie. So erfährt man beispielsweise, dass der Pfarrer einen Bruder namens Thomas Burchkardt hat, der Professor der Poesie ist und dass seine Schwester Maria Eleonora Burkhardt verheiratet ist mit Andreas Kiesing, einem Rentmeister in Tilsit.

Am 10. März 1720 wird in Guttenfeld Anna Eleonora Burckhardt geboren. Der Vater schreibt ins Kirchenbuch: ‘Den 10. Marty hatt Gott meine hertzliebste Ehegattin Anna Regina Burckhardtin geb. Ritterin gegen 4 Uhr Nachmittags mit einer jungen Tochter glücklich entbunden(,) welche den 18. Marty alhier in der Guttenfeldischen Kirchen die Heil(ige) Tauffe empfangen, und den Nahmen Anna Eleonora überkommen.’

Pathen:

  1. Frau Eleonora Salome verwitwete Burckhardtin als meine leibliche Frau Mutter
  2. Ihro Hochwolgeb. der Hofgerichtsrath von der Groeben als Lehnsherrschaft
  3. Ihro Wolgeboren Herr N. von der Sacken als .?.. Herrschaft
  4. Anna Maria Schultzin, geb. Ritterin als meiner Frauen Vater Schwester; oder Muhme
  5. Anna Dorothea Lübeckin, geb. Ritterin als meiner Frauen leibl(iche) Schwester
  6. Thomas Burckhardt(,) Prof. Poes(ie) als leibl(icher) Bruder
  7. Maria Eleonora Kiesings, geb. Burckhardtin als leibl(iche) Schwester
  8. Frau Pfarrerin Bergauin aus Eichholtz
  9. H(err) Steinmetz, Papiermacher in Fincken

1723 kommt in Guttenfeld ein Sohn zur Welt. Christian Friedrich Burckhardt notiert im Taufregister: ‘d. 3. Febr(uar) als Mittwochs in der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr ist meine hertzliebste Ehegattin Anna Regina Burckhardtin von einem jungen Sohn Gott Lob! beglückt entbunden worden, welches Kindlein wir den d. 10. Febr(uar) als Mittwochs darauff, in unserer Guttenfeldischen Kirchen durch Ihro Wol Ehrw(ürdigen) Herren Samuel Bergau in Gottes Nahmen tauffen und Christian Friedrich heißen laßen’.

Die Paten unterteilt Pastor Burckardt diesmal in zwei Gruppen: ‘Von denen rechten Verwandten aus der Stadt(,) so aber nicht gegenwärtig seyn können’ werden als Taufpaten aufgeführt: Herr Doctor Ritter – Herr Doctor Kühn – Herr Andreas Kiesing, Rentmeister in Tilsit – Jungfer Rosina Eliesabeth Burckhardtin.

Guttenfeld_Burckhardt_1723_2- KB Guttenfeld 1723 -

Taufpaten ‘von benachbahrten gutten Freunden’ sind:

  1. H(err) Samuel Bergau, Pfarrer zu Eichholtz
  2. H(err) Friedrich Seel, Burggraff zu Wildenhoff
  3. H(err) Anton Pfeiffer, Arrendatorzu Stegen
  4. Mad(ame) Valentini(,) Pfarrerin zu Rödnau (=Reddenau)
  5. Fräulein von Sacken zu Eichholtz
  6. Mad(ame) Perschkin, Pfarrerin zu Buchholtz
  7. H(err) Christoph Milo, Cantor zu Röddenau
  8. Mad(ame) Steinmetzin, Pappier Macherin zu Fincken

Ab 1725 ist Christian Friedrich Burckhardt Pfarrer in Kl. Dexen. Die Damen der Familie werden im Kirchenbuch von Kl. Dexen mehrfach als Taufpatinnen genannt – die in Guttenfeld geborene Tochter Anna Eleonora ist beispielsweise am 9. März 1739 in der Kirche von Kl. Dexen Taufpatin meines Urgroßvaters 5. Grades Johann Christoph Ankermann. Des Pfarrers Ehefrau Anna Regina Burckhardt geb. Ritter ist zwei Jahre zuvor Taufpatin von Jacob Ankermann, dem älteren Bruder von Johann Christoph.

Am 12.6.1742 heiratet Anna Eleonora Burckhardt – im Alter von 22 Jahren – in Kl. Dexen den ‘Commissions Secretarius und Adligen Gerichtsschreiber von Eylau’ Michael Damus. Ihr Vater notiert im Kirchenbuch: ‘Herr Commissions Secretarius u. Adl. Gerichtsschreiber v. Eylau Michael Damus mit unserer Hertzgeliebtesten Tochter Anna Eleonora Burckhardtin durch Herrn Jacob Behrendt Pfarrer v. Preusch Eilau ehelich im Nahmen Gottes Zusammen gegeben worden: der Gnädige Vater im Himmel segne dieß liebe Paar in leibl(ichen) geistl(ichen) und ewigen Güttern reichlich in Christo Jesu zum zeitl(ichen) und ewigen Wohlergehen, Amen’.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA- KB Kl. Dexen 1742 -

In der Kartei Quassowski fand ich noch folgenden Hinweis: zur Familie: ‘Mag. Christ. Friedr. Burckhardt, Pfarrer von Dexen verkauft im Namen seiner Jungfertochter Anna Eleonora B. als Erbin des Döpnerschen Adeligen Freiguts zu Hammersdorf an die 3 adeligen Einsassen u. Freien Peter Pelikan nebst Frau Maria E., Michael Kroß nebst Frau Anna und Michael Schlesinger nebst Frau Maria für 8150 fl. am 13.6.1741′ (St. Av. Kgb. Ostpr. Foliant Nr. 146; Grünes Hausbuch Balga II, Seite 244 ff)

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Eduard Wilhelm HUGO Ankermann (1835 – 1876)

Manchmal lassen sich viele kleine ‘Puzzle-Teilchen’, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, zusammenfügen und plötzlich wird es möglich, einen Teil des Lebenswegs einiger Vorfahren nachzuvollziehen. In diesem Fall sind die Puzzle-Teile: Informationen aus der Königsberger Kirchenbuchdatei, aus zugesandten Stammbäumen, aus eigener Recherche in verschiedenen Kirchenbüchern, aus Friedwald Moellers Altpreussischem Evangelischen Pfarrerbuch,  dem OFB Rastede und einer von Google digitalisierten Dissertation.

Eduard Wilhelm HUGO Ankermann wird am 10. Juni 1835 in Königsberg geboren. Seine Großmutter väterlicherseits ist Dorothea Ankermann, die jüngste Schwester meines Urgroßvaters 5. Grades, die Pompicken im Kirchspiel Kl. Dexen zur Welt kam. Durch ihre Eheschließung mit Christian Ankermann aus Ponarth kreuzen sich zwei Ankermann-Linien.

Hugo Ankermanns Vater Johann Gottfried Ankermann ist Königlicher Regierungs-Registrator, später Kanzleirat in Königsberg, seine Mutter Henriette Wilhelmine Amalie Schupp ist die Tochter eines Gutsbesitzers in Transau. Hugo besucht das Altstädtische Gymnasium in Königsberg und verlässt dieses zu Michaelis 1855, um – wie bereits sein älterer Bruder Gustav Hermann Ankermann – Medizin zu studieren.

Hugo Ankermann_ AltstädttGynmnasium

Im Jahre 1860 schreibt Hugo Ankermann seine Dissertation, die ich digitalisiert im Internet entdeckte. Leider kann ich sie nicht lesen, da sie in Latein verfasst wurde und meine Lateinkenntnisse so gut wie gar nicht vorhanden sind. Die Arbeit enthält allerdings auch einige deutsche Sätze, aus denen hervorgeht, dass Hugo sich wohl mit einer Operation am Darm beschäftigt hat. Sogar sein Name wurde lateinisiert – aus ‘Eduard Wilhelm Hugo’ wird ‘Eduardus Guilelmus Hugo‘.

HugoAnkermann_Dissertation_2

Als ‘Viris dilectissimis et humanissimis’ werden genannt: ‘Armino Ankermann’, Dr. med. und Chirurg (= Bruder Gustav HERMANN Ankermann) und ‘Henrico Laudien’, Symphoniacorum Magistro (= Heinrich Julius Laudien, Musikdirektor in Königsberg, Ehemann seiner Schwester).

Zwischen den Familien Laudien und Ankermann existieren mehrfache Beziehungen. Heinrich Laudien ist gleichzeitig der Bruder von Minna Antonie Kathinka Laudien, Hugo Ankermanns späterer Ehefrau. Und er ist der Vater seiner zukünftigen Schwiegertochter Hedwig Anna Louise Laudien, die 1885 in Königsberg seinen Sohn, den Pfarrer Ludwig Theodor BRUNO Ankermann heiratet.

Hugo Ankermann arbeitet als Arzt in Allenburg und Königsberg. 1867 verstirbt seine Ehefrau. Hugo Ankermann heiratet in zweiter Ehe Rosalie Amalie Renate Schmidt aus Danzig. 1873 wird in Königsberg die gemeinsame Tochter Gertrud Amalie Charlotte Ankermann geboren. Nur wenige Jahre nach der Geburt der Tochter verstirbt Hugo Ankermann am 23. Juni 1876 im Alter von nur 41 Jahren in Königsberg.

Rosalie Amalie Renate Ankermann, geb. Schmidt, und ihre Tochter verlassen Ostpreußen und ziehen nach Norddeutschland – genauer gesagt nach Rastede, also ganz in die Nähe meines Wohnorts Oldenburg. Ich wüsste gern, weshalb sie wohl gerade hier gelandet sind.

Hugo Ankermanns Tochter wird Lehrerin in Osternburg (heute Teil von Oldenburg) und heiratet 1911 den Lehrer Friedrich Johann Heinrich Stührenberg aus Eckwarden. Hugo Ankermanns Ehefrau Rosalie Amalie Renate Ankermann, geb. Schmidt, verstirbt am 14.11.1924 in Rastede.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schulzengestühl in Kirchen

Einige meiner Vorfahren im Kreis Pr. Eylau üben zeitweise das Amt eines Dorfschulzen aus – zum Beispiel Johann HEINRICH Ankermann, der am 23. Juni 1765 in Pompicken, im Kirchspiel Kl. Dexen, geboren wird, 1796 in Landsberg heiratet und dann als Erbkrüger, Dorfschulze und Kirchenvorsteher in Peisten lebt – oder der 1726 in Polassen geborene Böttchermeister Johann Gegner (Bruder meines Urgroßvater 5. Grades), der nach seiner Eheschließung mit seiner Familie in Eichhorn wohnt – anschließend auch dessen Sohn, der Zimmermann Friedrich Gegner.

Über die Aufgaben eines Dorschulzen habe ich hier bereits einiges geschrieben. Zum ersten Mal aber las ich nun in dem 1836 erschienenen – von Pfarrer Johann Gottlob Behnisch geschriebenen – Buch ‘Versuch einer Geschichte der Stadt Bartenstein’, dass es in der dortigen Johanniskirche für die Schulzen spezielle Sitzplätze gab und dass ein solches ‘Schulzen-Gestühl’ wohl auch in anderen Kirchen vorhanden war. Von diesen Plätzen aus konnten die Schulzen die Gemeinde offenbar gut überblicken und kontrollieren, welche Gemeindemitglieder sich erdreisteten, dem Gottesdienst fernzubleiben!

Johann Gottlob Behnisch schreibt auf Seite 244: ‘Eine andere wichtige Einrichtung, welche bei der Johannis-Kirche gemacht wurde, war die, daß in derselben besondere Schulzenstühle angeordnet werden wie man sie noch häufig in den Landkirchen findet, damit der Schulz Acht haben könnte ob auch alle fleißig zur Kirche kämen und diejenigen, welche muthwillig ausblieben sollten einen Groschen Strafe erlegen’.

Der ‘Versuch einer Geschichte der Stadt Bartenstein‘ wurde übrigens von Google digitalisiert.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kontaktsuche zu ehemaligen Bewohnern von Worienen

Mit der Geschichte des Ortes Worienen in Pr. Eylau und seinen Bewohnern beschäftige ich mich schon lange. Über viele Jahre habe ich eine Reihe von Folianten und Dokumenten gesammelt, die ich im Geheimen Staatsarchiv Pr. Kulturbesitz in Dahlem oder im Staatsarchiv von Allenstein fand. Im Laufe der Zeit sind Kontakte zu anderen Familienforschern entstanden, deren Vorfahren ebenfalls in Worienen lebten.

Vor einiger Zeit habe ich damit begonnen, die Geschichte von Worienen aufzuschreiben.

Ich hätte sehr gern Kontakt zu ehemaligen Bewohnern von Worienen, die mir noch einges aus ihrem dortigen Leben erzählen können. Irgendwann wird es niemanden mehr geben, der davon noch berichten kann … Vielleicht existieren auch in einigen Familien noch Photos, die in Worienen enstanden sind?

Ich freue mich über jeden Kontakt zu Worienern!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Daniel Christoph Geisler – von Landsberg nach Nürnberg

Während ‘normale’ Menschen schlafen, stöbere ich nachts manchmal in alten Büchern im  Internet – zum Beispiel in diesem von Google digitalisierten ‘Gelehrten-Lexikon‘ aus dem Jahre 1755:

Gelehrten_Lexikon

In diesem Buch wird auf Seite 519 und 520 der Lebensweg des aus Landsberg, Pr. Eylau, stammenden Daniel Christoph Geisler beschrieben. Daniel Christoph Geisler wird am 7. September 1687 in Landsberg, Pr. Eylau, als Sohn des dortigen Pastors Johann Geisler geboren. Seine Mutter Helena Barbara Röber stammt aus Canditten – vermutlich ist sie eine Tochter des Pastors Daniel Röber, der von 1657 bis 1686 in Canditten amtiert und eine Schwester von Johann George Röber, der das Pastorenamt in Canditten bis zum Jahre 1729 ausübt.

Daniel Christoph Geisler verlässt Landsberg und zieht zu seinem Onkel Daniel Röber nach Nürnberg, der dort als ‘Barbierer‘ tätig ist.

‘Barbier (von frz. la barbe [baʀb] = Bart) ist ein Handwerksberuf. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit wurden im Bereich der Körperpflege, Wundheilung und Krankenpflege tätige Personen wie Bartscherer, Badeknechte und Krankenpfleger als Barbiere oder Balbierer bezeichnet. Zusammen mit dem Bader versorgte der Barbier die vorwiegend männlichen Klienten, indem er ihre Haare und Bärte pflegte. Ihnen oblagen auch Zahnextraktion, Aderlass und Klistiere.’ (Wikipedia)

In Nürnberg besucht Daniel Christoph Geisler das Gymnasium, ‘wo Hagdorn, Faber und Fuchs seine Lehrer waren, bey denen er es soweit brachte, daß er insbesondere in der lateinischen und deutschen Poesie fertig wurde’ – er dichtet, erlernt bei seinem Vetter die Barbier-Kunst und Chirurgie – er studiert, reist durch Italien und die Schweiz, durch Frankreich, England und Holland und lernt berühmte Männer (u.a. auch den Papst) kennen. 1715 kehrt er nach Nürnberg zurück und wird dort ‘ein belobter und geschickter Chirurgus.’ Er stirbt am 12. November 1737 in Nürnberg.

Geisler_Seite519

Geisler_Seite520

Die Familie Geisler ist in Landsberg, Canditten und im Kirchspiel Eichhorn noch lange ansässig. Einige männliche Familienmitglieder üben neben ihrem Handwerksberuf den des Schulmeisters aus.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Genealogie als Heilmittel gegen Unzufriedenheit

Johannes Hoehne war Pfarrer in Kl. Dexen, Pr. Eylau. Wie viele andere Pfarrer auch, beschäftigte er sich außerdem mit Heimatgeschichte – u.a. schrieb er über: ‘Das Amt Pr. Eylau um 1600 unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Kl. Dexen‘. Diese Schrift wurde 1909 veröffentlicht. Im Vorwort empfiehlt Johannes Hoehne seinen Zeitgenossen, sich als ‘gutes Heilmittel für die schlimme Zeitkrankheit’ der Unzufriedenheit mit der Vorzeit zu beschäftigen. Er schreibt: ‘Wer in die Zustände und Verhältnisse vielfach gepriesener, längst verflossener Jahrhunderte hineingeschaut hat, vor dessen Geistesauge verschwindet das so oft heraufbeschworene Phantasiegebilde von der “alten, guten Zeit” wie die Nebel vor der Sonne’.

JohannesHoehne_Kl.DexenIch finde, Johannes Hoehne hat Recht. Das klappt auch heutzutage – zumindest bei mir!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar