Hippophagen in Landsberg, Pr. Eylau

Als ich den Begriff ‚Hippohagen‚ in Zusammenhang mit der Stadt Landsberg in Ostpreußen in einer Zeitung aus dem Jahre 1847 fand, musste ich zunächst einmal recherchieren – ich hatte das Wort zuvor noch nie gehört …


Über die große Hungersnot in Ostpreußen im Jahre 1867 habe ich bereits an anderer Stelle berichtet:

Große Hungersnot in Ostpreußen (1867)

Auch 20 Jahre zuvor – 1846 und 1847 – hatten Missernten und eine seit mehreren Jahren grassierende Kartoffelfäule in Preußen zu einem Mangel an Grundnahrungsmitteln und anschließender großer Hungersnot geführt.

‚Im Zusammenspiel von einem knappen Nahrungsangebot und der Ausfuhr von Nahrungsmitteln in zahlungskräftigere Gebiete stellten sich Teuerungen ein. Zudem fanden besonders einfache Handwerker und Tagelöhner keine Anstellung, um ihr Auskommen zu sichern. Viele Familien waren so nicht mehr in der Lage, sich mit Roggen und Kartoffeln einzudecken.

Getrieben durch Hunger waren die Armen gezwungen, sich von Unkraut und Viehfutter zu ernähren. Brot wurde aus verdorbenem Getreide gebacken und Ersatznahrungsmittel,  wie das aus der Queckenwurzel hergestellte „Queckenbrot“, wurden als Notnahrung angepriesen. Aus der Not heraus stahlen die Hungernden nachts Saatkartoffeln von den Äckern oder begannen zu betteln‘.

(Quelle: Lebendiges Museum Online)

Die östlichen Provinzen Preußens leiden ganz besonders unter dieser Hungersnot. In einigen Gegenden setzt man sich deshalb über das Tabu hinweg, Pferdefleisch zu essen, dessen Verzehr über Jahrhunderte verpönt bzw. verboten war. Nun aber entstehen in verschiedenen Regionen sogenannte ‚Hippophagen-Vereine‚ – Vereine, die sich für die Einführung des Pferdefleischessens einsetzen. Sogar Tierärzte plädieren für den Verzehr von Pferdefleisch in Notzeiten, da dies immerhin besser sei als verdorbene Lebensmittel zu sich zu nehmen und zu erkranken.

Auch in Landsberg, Pr. Eylau – der Stadt, in der ein Teil meiner ostpreußischen Vorfahren um diese Zeit leben – und in der Umgebung von Landsberg wird aus der Not heraus Pferdefleisch gegessen. Den nachfolgenden Artikel fand ich in einer Ausgabe der Zeitung ‚Bohemia‘, die 1847 in Prag herausgegeben wurde.

Ausschnitt aus der Zeitung ‚Bohemia‚ vom 7. Februar 1847

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Familie Schaumlöffel in Amsterdam – Ergänzung

Dank der tatkräftigen Unterstützung einiger niederländischer Familienforscher weiß ich nun auch, wann Wilhelm Bernhard Schaumlöffel und seine beiden Ehefrauen in Amsterdam verstorben sind – ganz herzlichen Dank an Henri Bik und alle anderen Helfer!

Wilhelm Bernhard Schaumlöffel selbst wurde 65 Jahre alt. Er verstarb am 7. Mail 1855 in Amsterdam:

Wilhelm Bernhards 1. Ehefrau Catharina Maria Anna Schamper starb bereits 18 Jahre zuvor, am 25. Mai 1837. Seine 2. Ehefrau, Katrina Rietmeijer, wird 81 Jahre alt. Sie stirbt am 28. November des Jahres 1889 in Amsterdam.


Henri Bik hat nun noch weitere Ergänzungen zur Familie Schaumlöffel gefunden (siehe Kommentar):

    • Maria Theresia Beets, geb. Schaumlöffel  + am  29 Dez 1860 in Amsterdam
    • Anna Elisabeth Schaumlöffel, geb. 1824 + 17 Okt 1824 in Amsterdam
    • Am 7.10.1825 wird eine weitere Tochter namens Anna Elisabeth Schaumlöffel geboren, die unverehelicht bleibt und am 05 Jan 1900 in Amsterdam verstirbt
    • Sophia Wilhelmina Schaumlöffel + 11 Mai 1852 in Amsterdam und
    • Wilhelm Bernhard Schaumlöffel verstirbt am 09 Apr 1853 in Amsterdam

Herzlichen Dank an Henri!

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Familie Schaumlöffel in Amsterdam

Wilhelm Bernhard Schaumlöffel ist einer der beiden jüngeren Brüder meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Johann Georg Schaumlöffel. Von ihm war bislang lediglich bekannt, dass er im Jahre 1851 als Taufzeuge in Amsterdam erwähnt wird. Nun aber konnte ich ein wenig mehr über seinen Verbleib herausfinden, wobei mir diese niederländische Seite sehr geholfen hat!

Wilhelm Bernhard Schaumlöffel wird im Juli 1790 in Kassel geboren. Um 1800 verlassen seine Eltern – der Schneidermeister Johann Conrad Schaumlöffel und Ehefrau Anna Elisabeth Giebel – die Stadt Kassel und leben fortan mit ihren 9 Kindern (5 Söhnen und 4 Töchtern) in Vegesack an der Weser.

Die Söhne Johannes (*1780) und Johann Conrad Schaumlöffel (*1781) werden Schneider in Vegesack – Tochter Sophie Elisabeth (*1784) heiratet 1814 den Schneidermeister Carl Heinrich Conrad Müller aus Nienburg – mein Vorfahre Johann Georg Schaumlöffel (*1787) wird Schneider in Lüssum – Martha Elisabeth (*1789) verstirbt 1812 als Dienstmagd in Bremen – Anna Martha (*1794) stirbt im Alter von 11 Jahren (vermutlich) in Vegesack.

Wilhelm Bernhard Schaumlöffel ist 16 Jahre alt als er im April des Jahres 1808 in der Reformierten Kirche in Blumenthal konfirmiert wird. Wie bereits sein Vater und seine älteren Brüder erlernt auch er das Schneiderhandwerk. Vielleicht ist er auf seiner anschließenden Wanderschaft nach Amsterdam gelangt?

Am 13. Februar 1822 heiratet er dort Catharina Maria Anna Schamper, eine Tochter des Barbiers Gabriel Schamper und dessen Ehefrau Marie Therese le Sage.

Unterschriften des Ehepaars und ihrer Trauzeugen

Aus dieser Ehe gehen 4 Kinder hervor.

In den Geburtsanzeigen der Kinder ist vermerkt, dass die Familie im Zentrum Amsterdams, Heiligeweg Nr. 90, lebt. Wilhelm Bernhard Schaumlöffels Ehefrau Catharina Maria Anna Schamper muss vor 1839 verstorben sein, denn am 14. August 1839 heiratet Wilhelm Bernhard erneut. Seine zweite Frau wird Katrina Rietmeijer aus Amsterdam, eine Tochter des Kutschers Hendrik Rietmeijer und dessen Ehefrau Helena Snijders.

Familie Schaumlöffel wohnt nun in der Kerkstraat Nr. 453, wo von 1840 bis 1849 vier weitere Kinder zur Welt kommen, deren Weg ich teilweise verfolgen konnte.

Wilhelm Bernhard Schaumlöffel muss nach 1866 verstorben sein. Sowohl seinen Sterbeeintrag als auch die Sterbedaten seiner beiden Ehefrauen konnte ich bislang nicht finden. Wilhelm Bernhards Enkelin Helena Slot wandert 1923 mit ihrem zweiten Ehemann Jan Woud in die USA aus.

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Fundstücke aus historischen Zeitungen

Es kann spannend sein, historische Zeitungen nach Familien- oder Ortsnamen zu durchsuchen. Möglich ist dies beispielsweise bei digiPress, dem Zeitungsportal der Bayrischen Staatsbibliothek. (Mit einem Klick auf das Bild sollte man dort landen!)Über die ‚Volltextsuche‚ werden – je nach Eingabe in die Suchmaske – mehr oder weniger interessante Artikel angezeigt. Die gesuchten Begriffe sind markiert und die Zeitung kann problemlos als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Allerdings eignen sich nicht alle Begriffe! Wenig sinnvoll ist zum Beipiel, nach einem Familiennamen wie ‚Gegner‚ zu suchen – man landet mit Sicherheit bei Artikeln über kriegerische Auseinandersetzungen oder sportliche Wettkämpfe 🙂Auch der Name meiner Schaumlöffel-Vorfahren ist ziemlich ungeeignet – es werden überwiegend Artikel präsentiert, die sich mit der Zubereitung von Mahlzeiten oder der Herstellung von Getränken befassen. Hier ein Suchergebnis aus dem Hannoverschen Magazin vom 1. Mai 1769:

Interessant ist die nachfolgende Ankündigung einer Versteigerung der Familie Schaumlöffel in Schwedelbach, die im Jahre 1868 in der Pfälzer Zeitung veröffentlicht wird. Darin ist einiges über die Familienzusammenhänge zu erfahren:

  Man muss bei der Suche ein wenig experimentieren!

Im August des Jahre 1819 erscheint in der Bremer Zeitung die Todesanzeige von Erich Rüter, dem ältesten Sohn des gleichnamigen Bremer Schiffskapitäns und dessen Ehefrau Catharina Helia Grote. Die Umstände seines Todes sind tragisch. Der fast 15jährige Erich Rüter hatte seinen Vater auf einer Reise nach New Orleans begleitet. Nach der Rückkehr – auf dem Weg in den Heimathafen – ertrinkt der Sohn vor den Augen der Eltern beim Baden in der Weser zu Rönnebeck. Die Mutter lässt anschließend diese Anzeige drucken:

Joachim Andreas Hoyer ist Windmüller in Hagen. Vier Jahre vor seinem Tod (er wurde 1748 in Meyenburg geboren und verstarb am 6.3.1821 in Hagen) gibt er in der Bremer Zeitung bekannt, dass er seinen Besitz vermieten oder verkaufen möchte.

Der in diesem Inserat angegebene Ort wurde dabei allerdings falsch abgedruckt – richtig ist: Dorfhagen!

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Von Eichhorn nach Berlin, Mengelrode, Stettin und Breslau

Schon vor zwei Jahren konnte ich einiges über Verwandte herausfinden, die ihre ostpreußische Heimat im Kreise Preußisch-Eylau verließen und später in Berlin lebten. Damals schrieb ich diesen Artikel:

Ergänzungen zur Berliner Gegner-Familie

Am vergangenen Wochenende habe ich den freien Zugang zur Datenbank von Ancestry erneut genutzt und weitere Informationen gefunden. Und plötzlich lassen sich ‚auf wundersame Weise‘ viele der bereits über lange Zeit gesammelten Bruchstücke zusammenfügen!

Nun weiß ich zum Besispiel, dass der Kleidermacher Otto Gegner am 9. Oktober 1853 in Berlin seine Cousine Friederike Louise Gegner heiratet. Otto ist der Sohn meines Urgroßvaters 3. Grades Ernst Wilhelm Gegner, Louise die Tochter seines 1794 in Eichhorn, Pr. Eylau, geborenen jüngsten Bruders Johann Gottfried. Otto und Louise leben nach 1853 in Berlin und gründen dort eine Familie.

Johann Gottfried Gegner – Louises Vater – ist Unteroffizier als er am 23.11.1823 in Berlin die 27-jährige Friederike Charlotte Sophia Fick ehelicht, eine Tochter des Reschmachers Gottlieb Fick in Treptow.

Nach ihrer Eheschließung lebt die Familie zunächst in Mengelrode, im Kreis Erfurt, wo Johann Gottfried Gegner als Steueraufseher tätig ist. Dort kommen folgende Kinder zur Welt:

  • Friederike Louise Gegner am 3.2.1825
  • Johann Gustav Heinrich Gegner am 4.2.1826
  • Eduard Gegner am 19.12.1829

Nach 1829 muss die Familie Mengelrode verlassen haben und nach Körlin im Kreis Belgard verzogen sein. Dort wird um 1833 auf jeden Fall noch ein weiterer Sohn geboren:

  • August Hermann Gegner

Auch die Spur ihrer Kinder und Nachfahren konnte ich teiweise verfolgen:

Johann Gustav Heinrich Gegner ist ‚Königlicher Regierungs Diätarius‘ als er 1853 in Stettin heiratet und dort mit seiner Ehefrau Auguste Johanne Henriette Klewe eine Familie gründet. Die beiden bekommen mindestens 7 Kinder – einige werden bereits vor der Eheschließung geboren,  im Nachhinein aber vom Vater anerkannnt. Die nachfolgende Erklärung ist in mehreren Taufeinträgen vermerkt – z.B. im Oktober 1852 bei der Taufe des Sohnes Gustav Eduard Hermann Gegner.

Der 1855 geborene Ernst Emil Gegner wandert nach Amerika aus und heiratet 1903 in Milwaukee, Wisconsin, Mabel Gimpel. Der Verbleib der anderen Kinder  ist bislang ungeklärt. Gustav Heinrich Gegner selbst wohnt 1890 offenbar in Berlin-Köpenick. Im Berliner Adressbuch findet sich der Eintrag: 1890 Gegner H. Diätar NW Karlstr. 16

Der 1829 in Mengelrode geborene Eduard Gegner heiratet 1861 in Düsseldorf Gertraud Büttgen. Er lebt als Kanzlist in Düsseldorf, Elberfeld und Benrath und hat mindestens 3 Kinder:

  • Theodor Moritz Gegner *1857
  • Carl Wilhelm Gustav Gegner *1863
  • Luise Auguste Gertrud Gegner *1865

Lediglich den Weg von Eduards Tochter konnte ich bislang verfolgen – auch sie heiratet innerhalb der Familie und wird 1886 in Berlin die Ehefrau von CARL Hermann Otto Gegner, einem Sohn des o.g. Kleidermachers Otto Gegner.  Carl Hermann Otto ist zunächst Uhrmacher in Berlin und später Kaufmann in Elberfeld.

Der um 1833 – vermutlich in Körlin – geborene August Hermann Gegner heiratet 1863 in der Garnisongemeinde Kolberg Pauline Wilhelmine Augustine Pietsch aus Briesen, eine Tochter des Eisenbahn-Bauaufsehers Johann Christoph Pietsch und dessen Ehefrau Louise Sielaff. Die Familie muss später in Oberschlesien gelebt haben – August Hermann Gegner und Ehefrau versterben in den Jahren 1888 bzw. 1911 in Klein Zabrze (Hindenburg, Oberschlesien).

Diesem Ehepaar konnte ich bisher nur einen Sohn namens Carl Otto Gegner zuordnen, dessen Ehefrau Maria Salomon heißt. Er wird praktischer Arzt in Sarau, Kreis Schweidnitz und später Sanitätsrat. Carl Otto Gegner verstirbt am 24. März 1933 im Alter von 68 Jahren in der Universitätsklinik in Breslau.


Einige Puzzle-Teile kann ich leider noch immer nicht zuordnen – es gibt weitere Gegner-Familien in Stettin, in Marienwerder und in Gerdauen.

 

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Der Name BORM im Kirchspiel Gurnen, Kreis Goldap

Bei der Durschsicht von Kirchenbüchern mache ich mir oft Notizen, die mir auch danach noch helfen können, mögliche Familienzusammenhänge aufzudecken. Auch beim Durchblättern der Kirchenbücher des Kirchspiels Gurnen im Kreis Goldap entstand nebenbei ein Notiz-Zettel. 

Notiert habe ich:

Unter den Taufpaten:

  • 1762 Gottfried Borm
  • 1794 Christoph Borm u. Eva Bormin b. To. von Johann Brozio, Wirt in Regellen
  • 1802 Eva Bormin
  • 1803 Andreas Borm, Kosaken u. seine Frau Catharina
  • 1804 Andreas Borm, Kosaken
  • 1804 Johann Borm, Regellen – bei Johann Lutz, S. v. Johann Lutz, Wirt in R.
  • 1805 Xstoph Borm – Eva Bormin, Regellen
  • 1806 Xstoph Borm – Ilva Bormin, Regellen
  • 1806 Lowisa Borm u. Michael Borm. Kosaken
  • 1807 Johann Borm, Regellen – bei Gottlieb Lutz, Sohn von Johann Lutz, Wirt in R.
  • 1808 Andreas Borm u. Michael Borm, Kosaken
  • 1810 Michael Borm

Taufpaten bei den Kindern von Christoph u. Eva Borm 1793-1801:

  • Mich. Kowalewski; Joh. Brosio; Louisa Golubuowna
  • Johann Dillo; Dorothea Dillin
  • Ruprecht Fritzenwancker; Anna Fritzenwancker
  • Matthis Dillo; Catrina Dillo; Lowisa Bilowna
  • kein Heiratseintrag von Christoph Borm u. Eva Kulessa von 1784-1793
  • auch Andreas Borm heiratet nicht in Gurnen!

gestorben:

  • 28.2.1840 in Kosaken, Christina Borm, Witwe, 80 Jahre: Erben: der Stiefsohn Michael Borm; Best. 2.3.1840 (*um 1760)

Auch in den Kirchenbüchern der Alten Kirche von Goldap, die ich allerdings nur flüchtig durchgesehen habe, fand ich vor 1750 einige Borms unter den Paten:

1746

  • Johann Jacob Borm – bei Lutz aus Butkuhnen
  • Johann Heinrich Borm bei Lutz
  • Meister Gottfried Borm
  • Jacob Borm
  • scheinbar alle aus Butkuhnen !
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Von Regellen bei Goldap nach Landsberg, Pr. Eylau

Carl Matern und Maria Borm sind meine Urgroßeltern 3. Grades.  Lange habe ich versucht, herauszufinden, wo sie wohl lebten, bevor sie im Jahre 1817 erstmals in Landsberg, Pr. Eylau, genannt werden. Sie müssen bereits verheiratet gewesen sein als sie im Februar 1817 in Landsberg einen Sohn taufen lassen. Es gab keinerlei Hinweise auf ihre Herkunft. Zwei Jahre später lebt das Ehepaar in Hoofe, wo 6 weitere Kinder zur Welt kommen – u.a. auch meine Ur-Ur-Großmutter Justine Friedericke Matern.

Aufgrund der wechselseitigen Übernahme von Patenschaften bei den Taufen ihrer Kinder und aufgrund anderer Hinweise vermutete ich eine Verwandschaft zu drei anderen Borm-Familien, die etwa zur selben Zeit erstmals in Landsberg und Gr. Peisten auftauchen:

  • Johann Borm, Wirt in Hoofe, heiratet am 20.12.1818 in Gr. Peisten Charlotta Carolina Kirstein, eine Tochter des Lehrers Johann Christoph Kirstein. In Hoofe werden ihre 5 Kinder geboren.
  • Mathäus Borm heiratet am 19. März 1819 in Landsberg Dorothea Krysack, eine Tochter von Michael Krysack, der zum Zeitpunkt der Eheschließung Eigentümer in Altkirch ist. Mathäus wird Bauer in Schönwiese und bekommt dort 4 Kinder.
  • Christian Borm heiratet am 21.11.1831 in Gr. Peisten Anna Catharina Scheffler aus Hoofe, eine Tochter des dortigen Erbpächters Gottlieb Scheffler. Christian wird Wirt in Hoofe

Als Christoph Borm – der Vater dieser drei Borm-Geschwister – 1824 als Wirth in Schönwiese verstirbt, ist in seinem Sterbeeintrag angegeben, dass er 4 (!) Kinder hinterlässt. Auch  im Sterbeeintrag seiner Ehefrau Eva Kulessa werden 1839 vier hinterbliebene Kinder erwähnt! Dieses 4. Kind wird vermutlich ‚meine Maria‘ sein, dachte ich jahrelang, ohne jedoch einen Beweis für diese Vermutung gehabt zu haben.

Der o.g. Johann Borm verstirbt 1891 im hohen Alter von 91 Jahren in Hoofe. In seinem Sterbeeintrag ist zu lesen, dass er in ‚Rogellen, Kreis Goldap‚, zur Welt gekommen sei. ‚Rogellen‘ konnte ich nicht finden, aber entdeckt habe ich die Familie nun im Kirchenbuch von Gurnen im Kreis Goldap. In der Zeit von 1793 bis etwa 1806 wird Christoph Borm dort als Wirt in Regellen genannt und von 1793 bis 1801 bringt seine Ehefrau Eva Kulessa in Regellen 4 Kinder zur Welt:

  • 1793 Maria (meine direkte Vorfahrin)
  • 1794 Gottlieb, der im Alter von 2 Jahren an Pocken verstirbt
  • 1800 Johann und
  • 1801 Mathis (später Mathäus genannt)

Quelle: https://polona.pl/item/8170113/0/

Die Familiennamen der im Kirchspiel Gurnen ansässigen Familien sind mir zunächst fremd –  zu den Taufpaten der Borm-Kinder gehören u.a.: Johann Brosio – Johann Dillo – Louisa Golubowna- Ruprecht Fritzenwancker und Lowisa Bilowna. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden hier zudem zahlreiche Salzburger Familien angesiedelt, die ihre Kinder in der Kirche von Gurnen taufen lassen.


Taufeintrag von Mathis Borm – KB Gurnen

Am Rande dieses Taufeintrags von Mathis Borm sieht man den Vermerk ‚att d. 10ten Januari 1809‘. Ähnliche Vermerke finden sich auch in Einträgen anderer Familien.

Ich denke, dass Familie Borm um diese Zeit einen Antrag auf Auswanderung aus dem Goldaper-Gebiet gestellt hat und dass diesem Antrag auch stattgegeben wurde. Die gesamte Region hat sehr unter den Auswirkungen der Napoleonischen Kriege gelitten – viele Dörfer sind völlig verwüstet und dadurch unbewohnbar geworden.

Weitere Hinweise deuten darauf hin, dass Familie Borm wohl zunächst ins Ermland zog und einige Jahre in der Nähe von Guttstadt lebte. Dort wurde vermutlich Christian Borm, der jüngste Sohn der Familie, geboren und möglicherweise haben sich dort auch meine Ur-Ur-Ur-Großeltern Carl Matern und Maria Borm getroffen und vor ihrer Umsiedlung nach Landsberg dort geheiratet.


Auch Michael Krysack, dessen Tochter Dorothea 1819 in Landsberg die Ehefrau von Mathäus Borm wird, stammt aus Regellen. Beide Familien kannten sich also bereits bevor sie nach Landsberg kamen und es ist zu vermuten, dass sie ihre Heimat gemeinsam verließen. Als Michael Krysack 1793 in Gurnen Maria Stangel(owa) heiratet, ist er ’schwarzer Husar des Hochlöblichen General von Goeckingschen Regiments‘ – 1809 wird er im Taufeintrag der Tochter Kathrina Krysack als ‚verabschiedeter schwarzer Husar‘ bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt lebt er bereits in Altkirch ‚bei Guttstadt‘. In dieser Region wurden um diese Zeit eine Reihe von Kolonisten-Familien neu angesiedelt.

Ich vermute, dass beide Familien –  sowohl die Familie Borm als auch die Familie Krysack – einige Jahre in dieser Region wohnten, die Gegend dann aber wieder verließen.

Johann Borm, der jüngere Bruder meiner Maria konnte 1898 mit seiner Ehefrau Charlotta Carolina Kirstein noch den Tag seiner 70-jährigen Vermählung feiern. Er ist damals 88, sie 92 Jahre alt. Im Kreisblatt Pr. Eylau erscheint die folgende Mittelung:


Bekanntgabe im Kreisblatt Pr. Eylau – November 1898:

‚Am 20. December d. J. feiert das Borm’sche Ehepaar aus Hoofe den seltenen Tag der 70 jährigen Hochzeit. Das Jubelpaar, welches im Alter von 88 resp. 92 Jahren sich befindet, erfreut sich immer noch einer guten Gesundheit. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde denselben ein Gnadengeschenk von 45 Mk. überwiesen.‘


Christoph Borm und Eva Kulessa hinterlassen außer mir zahlreiche andere Nachkommen, die teilweise bis 1945 im Kreis Pr. Eylau leben.

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Die Inschrift auf dem Woriener Stein

Ganz herzlichen Dank an die emsigen Mitforscher, die  versucht haben, den Text auf dem Stein zu entziffern.

Ich fasse zusammen:

Bei der Inschrift handelt es sich um griechische Großbuchstaben:

 Γ Gamma
Λ Lambda
Υ Ypsilon
Κ Kappa
Η Eta (aber im Wort auch wie I gesprochen)
Ρ Rho
Ι Iota
Ο Omikron
Ν Ny

Die Übertragung lautet Glykerion.

Nun gilt es, herauszufinden, was diese Inschrift wohl bedeuten mag bzw. welche Funktion der Stein auf dem ehemaligen Schlossgelände gehabt haben mag.

Lösungsansätze:

  • glykos=süß
  • Im Griechischen gibt es den weiblichen Vornamen „Glykeria“ .. „die Süße“ im Sinne von „die Niedliche“. In der klassischen Literatur wurde dieser weibliche Name auch „Glycerion“ oder „Glykerion“ geschrieben.
  • existiert auch als Familienname
  • eine Statue im ehemaligen Schlosspark?
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Rätselhafter Fund in Woryny (Worienen, Pr. Eylau)

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich nun intensiv mit der Geschichte Worienens, eines kleinen Ortes im ehemaligen Kreis Pr. Eylau. Ich habe sowohl in deutschen als auch in polnischen Archiven viele Dokumente ‚ausgegraben‘ und ausgewertet und bin dabei, eine Chronik von Worienen zu verfassen. 350 Seiten sind mittlerweile fertig gestellt und ich hoffe sehr, dass ich die Arbeit bald beenden kann.

Es freut mich, dass inzwischen auch ein Kontakt zu jetzigen Bewohnern hergestellt werden konnte, die sich sehr für die Geschichte ihrer jetzigen Heimat interessieren. So ist auch das folgende Foto bei mir gelandet. 

Dieser Stein wurde in der Nähe des ehemaligen Schlossgeländes gefunden. Die eingravierten Zeichen sehen aus wie griechische Buchstaben. Vielleicht kann jemand helfen, den Text zu entziffern und zu deuten?

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Familie Ankermann und die Mühle in Potritten

Oft sind es – wie auch in diesem Fall – Zufallsfunde, die es ermöglichen, den Verbleib von Familienangehörigen noch im Nachhinein aufzuklären.

Joseph Ankermann, Kürschnermeister, Restaurateur bzw. Gastwirt in Heilsberg, wohnhaft in Heilsberg, Am Markt Nr. 18, verstirbt dort am 13. März 1896 im Alter von 56 1/2 Jahren. Der Tod wird angezeigt von seiner Ehefrau Anna Maria Ankermann, geb. Teschner. In der Sterbe-Urkunde wird angegeben, Joseph sei ‚der Sohn des zu Potritten verstorbenen Mühlenbesitzers Friedrich Ankermann und dessen Ehefrau Theresia geb. Bock, später verwitwete Altsitzer Koll, die in Heilsberg verstorben ist‘.

Den Heiratseintrag von Johann Friedrich Ankermann und Theresia Bock hatte ich vor vielen Jahren bereits im Kirchenbuch der evangelischen Kirche Heilsberg entdeckt und auch über die Familie von Joseph Ankermann hatte ich schon früher einiges herausfinden können. Joseph Ankermann war allerdings katholisch – all meine Vorfahren sind evangelisch – und ich hatte nicht an einen möglichen Zusammenhang gedacht. Durch diesen Hinweis im Sterbeeintrag lassen sich nun einige Lücken schließen.

Der Mühlenbesitzer (Johann) Friedrich Ankermann wurde am 21.5.1815 in Gr. Peisten geboren: Er ist der jüngste (Halb-)Bruder meines Urgroßvaters 3. Grades (Carl Sigismund Ankermann). Ihr gemeinsamer Vater – Johann Heinrich Ankermann – mein Urgroßvater 4. Grades – bekommt insgesamt 13 Kinder aus zwei Ehen, von denen einige jedoch schon im Kindesalter sterben. Johann Friedrich stammt aus der zweiten Ehe mit Susanna Barbara Politt – Carl Sigismund ist der älteste Sohn aus der ersten Ehe mit Carolina Rosenberg. 

Auch die Mühle in Potritten (heute Potryty) im Ermland wird also – zumindest zeitweise – von einem Mitglied meiner Familie betrieben (Carl Sigismund ist zur selben Zeit Besitzer der Mühle in Konnegen, der Bruder Rudolph Ankermann ist Müllermeister in Spittehnen bei Bartenstein).

Joseph Ankermann kam laut Sterbe-Urkunde um 1839 in Klotainen (heute Klutajny) zur Welt – dort muss die Familie wohl gelebt haben bevor sie nach Potritten verzog. 

Joseph Ankermann und Anna Maria Teschner haben mindestens 4 Töchter, die in Heilsberg geboren werden:

  • Maria Ankermann, geb. am 22.3.1865 oo 1895 in Berlin den Kammergerichtsdiätar Johann Edmund Gotthard Ottomar Boehnke
  • Martha Ankermann, geb. am 19.1.1868 00 1890 in Heilsberg den Kaufmann August Neumann. Auch diese Familie lebt später in Berlin
  • Anna Emma Ankermann, geb. am 21.1.1882 und
  • Olga Ankermann, geb. am 9.4.1884

Die Mühle in Potritten scheint es noch zu geben. Als ich mit Hilfe von ‚Google Streetview‘ durch den Ort spazierte, kam ich direkt an ihr vorbei! 

 

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