… das musste wohl mein sächsischer Vorfahre Israel Elßig (auch Illtzig – Iltzig – Ilßig oder Elsig geschrieben), der als Schafmeister auf verschiedenen Gutshöfen in der Umgebung von Meißen tätig war.

‚Der Schafmeister, so nicht selber hütet, muß nicht nur alle Tage, wo möglich, einigemal die Schafställe, sondern auch die weidenden Heerden auf den Triften besuchen. Den es ist nicht zu glauben, wie nöthig es sey, daß er immer hinter die Knechte herschleiche, da gute Knechte sich selten selbst bilden, und ihre Bosheit, Dummheit, Faulheit und Schlafsucht kaum zu beschrieben ist‘.
Schafmeister werden auf vielen Begüterungen benötigt – sie sind quasi Pächter der dortigen Schäfereien. Üblicherweise erhalten sie eine Bestallungsurkunde des jeweiligen Gutsherrn, die ihren Arbeitsbereich detailliert beschreibt. Leider fand ich keine solche Urkunde meines Vorfahren Israel Elßig – jedoch eine, die 1708 auf dem Gut Wolkenburg (zu dieser Zeit im Besitz der Familie von Einsiedel) für den Schafmeister Hans Otten ausgestellt wurde. Darin heißt es:
‚Zu wißen sey hiermit, daß Ich Hanß Otten bisherigen Schaffmeister zu Ronneburg auff ein Jahr von Mich(aelis) 1708 bis wieder dahin 1709 auff hießige Schäfferey zu Wolkenburg folgender gestalt bestellet und darnebenst das auff der Schäfferey stehende Rind Vieh in Pacht gegeben habe.

‚Nehmlich, vor allen dingen soll Er nebst den Seinigen ein Gott gefälliges leben führen, alles unanständige sich enthalten, und auch bey den seinen abwehren, Nechstdem mir getreu und dienst gewärtig seyn, auf feuer und licht fleißige Aufsicht und Sorge haben, niemanden mit bloßem lichte in die Ställe, Scheunen, auf die Böden, oder andere gefährliche Orthe außer im Nothfall mit wohl verwahrten laternen zu gehen verstatten, aber da durch seyn oder der seynigen Verwahrlosung und Unvorsichtigkeit Unglück und Schaden geschehen möchte, soll er mit seyner Caution und sämtlichen vermögen dafür hafften und gelten‘.
Weitere Zitate aus der Bestallungsurkunde:
Die Schäfferey soll und will Er mit allen fleiß und Sorgfalt füttern, warten, und derselben treulich vorstehen, auch alle mahl tüchtige Schaff Knecht halten, und fleißige Obsicht haben, damit das Vieh von Ihnen nicht verhüttet oder im träncken verwahrloßet werde, nicht weniger bey der Lamm Zeit und Hämmerlung, die Lämmer fleißig pflegen und wartten, auch allen andern Schaden so viel Ihm möglich abwenden und dagegen nutzen suchen und fördern. …
Was aber an Viehe stirbt, davon geht dem Schäfer sein Sechstes auch ab, deswegen Er den Abgang iedes mahl den verwalter anzeigen und mit Ihm darüber Kerbhöltzer bis zur berechnung halten soll. …
Ein Kerbholz, auch Kerbstock, Zählholz oder Zählstab genannt, ist eine frühzeitliche und mittelalterliche Zählliste; es diente meist dazu, Schuldverhältnisse fälschungssicher zu dokumentieren. (Wikipedia)
Das Krippen Geräthe, welches er den abziehenden Schäffer bezahlet und Ihm von seinem nachfolger hinwieder so hoch bezahlet wird, soll er … in guten Stande erhalten.
Wenn gejagd wird, ist er schuldig, mit auf die Jagdd zu gehen und gleich andern Netze und Forckeln zu tragen. Ingleichen, wenn gefischt wird, muß er ebenfals helffen, … da Er aber bey der Schäferey nöthiger zu verrichten hat, mag er es bey den Verwalter mit Bescheidenheit erinnern.
Die Heiratseinträge von Israels Kindern enthalten unterschiedliche Angaben über den Verbleib ihres Vaters. Vermutlich hat auch er – wie der oben genannte Schafmeister Hans Otten – seine Arbeitsstelle immer mal gewechselt.
- 1730 – bei der Proklamation seiner Tochter Anna Christine mit Christian Fischer in Raußlitz – ist Vater Israel Elßig bereits verstorben und es wird angegeben, er sei Schafmeister zu Kobelsdorf gewesen
- 1734 heiratet in Oberau bei Meißen Sohn Daniel (ebenfalls Schafmeister, auf ‚denen hochfreiheitlichen Gütern zu Siebenlehen und Corbitz‚) – hier heißt es, sein Vater Israel Illtzig sei Schafmeister zu Graupzig gewesen.
- 1737 findet in Rüsseina die Hochzeit von Tochter Anna Regina statt. Sie wird als ‚Ißrael Elßigs, weil. Schaafmeisters in Hermsdorf seel. ehelich hinterlaßene Tochter‘ bezeichnet.
- Im März 1745 ist im Kirchenbuch von Meißen St. Afra das Ableben von Israels Ehefrau Anna Christina vermerkt. Ihr Sterbeeintrag lautet: ‚Frau Anna Christina, Meister Ißrael Ilßigs, weyl(and) Schäffers in Corbitz nachgel(assene) Wittbe begr(aben) mit einer Leichen Predigt, d. 14. Marti.‘
Als im Mai 1745 in Weigmannsdorf Sohn Johann David Iltzig heiratet, ist im Heiratseintrag vermerkt, sein Vater sei in ‚Knobelsdorff bey Ringethal‘ verstorben.
Bislang fand ich weder den Sterbeeintrag von Israel Elßig noch die Taufeinträge seiner Kinder. Auch der Heiratseintrag von Israel und Anna Christina fehlt noch.
Israels – vermutlich um 1710 geborener – Sohn Daniel wird ebenfalls Schafmeister. Am 25. November 1734 schließt er in der Kirche St. Afra in Meißen als ‚Schafmeister der Güter Siebeneichen und Corbitz‚ die Ehe mit Rosina Hoffmann, einer Tochter des Schafmeisters George Hoffmann in Oberau. Im Kirchenbuch ist zu lesen:

Der Ehrsame Jungges(elle) Daniel Iltzig auf
denen hochfreiheitl. Gütern zu Siebeneichen u.
Corbitz Schaafmeister, Isr. Iltzigs, weil(and) Schaff-
meisters zu Graupzig nachgel(assener) ehel(icher) Sohn, und die
Ehrb(are) Jungfr(au) Rosina Hoffmannin, George Hoff-
manns, Schaafmeisters zu Oberau ehel. älteste Tochter
Und dann gibt es noch Johann David Iltzig – einen weiteren Sohn – der am 29. Mai 1745 in Weigmannsdorff heiratet. Falls die Angaben in seinem Heiratseintrag zutreffen, verstarb Vater Israel in ‚Knobelsdorff bey Ringethal‚. Der Eintrag lautet:
David Iltzig, Juv., weyland Israel Iltzigs, gewesenen Pächters auff dem hochadel. Hofe zu Knobelsdorff bey Ringethal nachgelaßener eheleibl. Sohn, und Jgfr. Johanna Rachel Magdalena, weyl. Herrn Gotthelff Jacob Griebens in Müdisdorff, …. dreymal öffentlich proclamiret u. den 29. May in Weigmannsdorff öffentlich corpuliret worden.
Davids Ehefrau Johanna Rachel Magdalena Griebe ist eine Tochter von Gotthelf Jacob Griebe und Johanne Henriette von Kanne ‚auf Langenau und Gränitz‘, die ihre Ehe im Jahre 1717 wegen ‚Unpässlichkeit des Herrn Bräutigams‚ auf ganz spezielle Weise schlossen! Dies ist ihr Heiratseintrag:
Tit. Herr Gotthelf Jacob Griebe in Müdisdorf, weyl. Tit Herrn Jacob Griebens auf Langenau und Gränitz, Churfürstl. Sächsischen Kriegs Zahlmeisters hinterl. ehelicher ältester Sohn, u. Tit. Frl. Johanne Henriette von Kanne, Tit. Herrn Ernst August von Kanne, Königl. P. u. Churfürstl. Sächsischen Hauptmanns, anitzo in Weigmannsdorff, sind auff erhaltenen gnädigsten Obern Consitorial Befehl ohne Proclamation privatim vor dem Bette wegen des Herrn Bräutigams Unpäßlichkeit, nachdem sie mit einem Handschlag an Eydes statt wegen anderwärtigen Verbindnüßes, beyderseits sich legitimiret, den 26. April in Müdisdorff getrauet worden.
Johann David Iltzig und seine Ehefrau wohnen zunächst in Müdisdorf, wo auch die ersten Kinder zur Welt kommen. Später lebt die Familie in Freiberg. Johann David ist hier als Bergmann tätig und verstirbt 1763 in Freiberg. Seine Ehefrau folgt ihm einige Jahre später.
Tochter Johanna Rahel Iltzig heiratet 1772 in Pretschendorf den Witwer und Kinderlehrer Johann Daniel Arnold. Ihre Söhne Carl Gottlob und Johann David Heinrich ernähren ihre Familien als Berghauer in Freiberg. Letzterer wird 1801 als ‚bestallter Obersteiger‘ bezeichnet.
Der Familienname Elßig – Ilsig – Elsig – Illtzig – Iltzig kommt in der Region um Meißen sehr selten vor – fast alle Personen dieses Namens konnte ich dieser einen Familie bzw. der Familie von Johann Gabriel Iltzig (+1737 in Freiberg) und dessen Nachkommen in Freiberg zuordnen.










































































