Einige meiner Vorfahren, die ursprünglich aus dem Kreis Pr. Eylau stammen und alle evangelisch sind, leben zeitweise im benachbarten Kreis Heilsberg und somit im überwiegend katholischen Ermland. Sie werden in der evangelischen Kirche von Heilsberg getauft, konfirmiert und getraut.
Der Grundstein dieser Kirche wurde im Jahre 1821 gelegt – 1823 wurde sie eingeweiht. Damit ist die Heilsberger Kirche das erste evangelische Gotteshaus im Ermland.
1864 wird in Heilsberg eine Statistik veröffentlicht, die zu Beginn des Jahre 1863 im ‚Bureau des Königlichen Landrathsamts Heilsberg‚ erstellt wurde. Darin ist zu lesen: ‚Die evangelische Kiche anlangend, so gehören die evangelischen Bewohner des Heilsberger Kreises zu 2 Parochien, dem evangelischen Kirchspiele Heilsberg und dem evangelischen Kirchspiele Guttstadt. Jenes begreift die in der Stadt Heilsberg und deren Umkreis im Radius von 2 Meilen befindlichen evangelischen Personen, dieses diejenigen, welche in umd um Guttstadt in einen ähnlichen Umkreise wohnen. Einige wenige Bewohner des Kreises gehören auch zum evangelischen Kirchspiel Wormditt.
Die Zahl der Bekenner zu der evangelischen Kirche hat in den letzten Jahren abgenommen, denn es befanden sich im Kreise
im Jahre 1858 ………. 3116 und
im Jahre 1861 ………. 2874 evangelische Personen, also
im Jahre 1861 ………. 242 evangelische Personen weniger.
Von den evangelischen Einwohnern gehören zur Kirche in Heilsberg 1651 Personen und zur Kirche in Guttstadt 1223 Personen. Eine erhebliche Zunahme der Bekenner der katholischen Konfession im Wege der gemischten Ehen ist nicht bemerkbar‘.
Ich habe wieder einmal in den Digitalisaten des Staatsarchivs Stade gestöbert ….
Unter diesen befindet sich auch ein dicker Ordner mit folgender Aufschrift: ‚Acta betreffend die von den Quartals Commissarien eingesandten Designationen über die Classifizierung der Einwohner‚zur Erhebung der Kontribution und Konsumtionsakzise. Die Regierung benötigt Geld und man möchte zuvor wissen, in welchen Vermögensverhältnissen sich die Bewohner befinden.
Viele Seiten sind online schlecht zu entziffern – wenn man sie nach dem Downloaden ein wenig bearbeitet, klappt das Lesen gut!
Am 11. Februar 1710 befiehlt die Regierung in Stade, in sämtlichen untertänigen Dörfern und Orten eine Klassifizierung der Bewohner in drei Vermögensklassen vorzunehmen – nach diesem Schema:
Das Herzogtum Bremen steht noch bis zum Jahr 1719 unter schwedischer Herrschaft – Adressat des Antwortschreibens ist also der König von Schweden.
Die einzelnen Ämter beschreiben ganz genau, wie sie bei der Erfassung der Vermögensverhältnisse und deren Zusammenstellung vorgegangen sind – es wurde je nach Ort ein wenig anders verfahren.
Das Amt Blumenthal erklärt:
‚damit man nun von einem jeden Zustandt und deßen Vermögen desto gründlicher Nachricht haben möchte; ‚So hat man aus jedem Dorffe zwey Alte und beständige Männer vor der Commission Zu erscheinen Citirt, die man dan An Eydes statt ermahnet, auff desjeniges warumb sie etwa befraget werden möchten, die reine und unbezwingliche Wahrheit auszusagen, worauff man dann zum Wercke selbsten geschritten und die Contributions und Consumptions-Rollen zur Handt genommen, und die Classen darnach gemachet‘.
Die Auflistungen werden ‚in Unterthänigkeit übergeben, mit dem Hinbeyfügen, daß es daselbsten nicht alleine Viele Armsehlige Leuthe gibt, sondern es befinden sich auch darunter viele Häußlinge, die sonsten nichts eigenes haben, alß was sie mit der Handt Täglich alß Taglöhner Verdienen‚ ….
In der Börde Lesum hat man ’nicht auf gantze-halbe Bau oder Kathen allein reflectiret, sondern auf dem itzigen Zustand und gelegenheit, ob Sie in diese Extra-ordinaire Begebenheit einen Vorschub zu thun vermögen oder nicht, die absicht genommen, da bisweilen ein halber Bauermann oder ein vermögender Käther, woll in die Erste, oder andre Classe, dahingegen auch woll ein Bauermann, welcher in schlechten Zusstande stehet, in die andere oder gahr dritte Classe gesetztm, nachdehm man sein Vermögen judiciret‘.
Man trifft sich in der Vorderstube des Wohnhauses von Jost Harbers auf dem Burgdamm!
Protocollum Commissionis Gehalten auf dem Burgdamm in Jost Harbers Wohnhaus Vorderstube, den 21. February Anno 1710 wegen Classificrung der Eingeseßenen, der Böhrde Leesumb, Ritter- hude und übrigen Freyen Dämme, auch Troupe undt St. Jürgen.
Die Bevollmächtigten der Börde Scharmbeck senden eine besonders ausführliche Situationsbeschreibung. Sie sind der Meinung, dass die 3 Klassen nicht an allen Orten gleich gesetzt werden können, und ‚dass die Börde Scharmcke, wo nicht die aller geringste im Lande, demnach eine von denen unvermögensten seye, in betracht eine sehr große anzahl leute darin, wie man zu reden pfleget, von der Hand in den Mund lebete, imdem es Handwerker sind von geringer Nahrung, welche nichts zuthun haben, woferne nicht die Bremer arbeiten lassen, wir aber solches, bey generaler abnahme der Nahrung, nicht mehr so, als woll vorhin geschiehet, so folget daraus, dass fast durchgehens die Kinder dieser, und der ihnen gleichenden Leute, das Brod vor sich, und ihre Eltern, vor anderer Leute Tühren suchen, und diese sind doch von dem H. Commissarius durchgehens in die 3. Classe gebracht.
Wie nun der bekante Circulus in der Welt so ist, dass, wann der geringe Mann nichts hat, oder consumiren kan, der auf ihn folgende, auch nichts habe, weil Er keine Nahrung hat, und dan überdehm die Börde Scharmcke durchgehens, einige Jahre her, gar hart, theils durch Mißwachs, Hagelschaden, am aller meisten aber universaliter, im abgewichenen Jahre, durch den darin erlebten harten Frost, und die darauf erfolgte sehr schlechte Ärnte mitgenommen worden, so, dass sie itzo durchgehens das Brod nicht hat;
Es folgt ein wunderschön formulierter Abschluss ….
‚So stellen wir es lediglich zu Ew. Hochgräfl. Excellenz auch Hochwoll: und Wohlgeb. Gnädig geneigte erwegen, ob und wie, Sie, die armseelige Börde Scharmbcke zu denen bevorstehenden extraordinairen Beytrage consideriren wollen, damit nicht der ordinairen und ordinair-extraordinairen, onera, welche doch aufgebracht werden müßen und sollen, in stocken gerathen.‚
Nachfolgend einige Resultate der Erhebung aus unterschiedlichen Orten. Es fällt auf, dass insgesamt nur sehr wenige Personen der 1. Vermögensklasse zugeordnet werden und dass diese vor allem in Beckedorf und Neuenkirchen ansässig sind. Von meinen eigenen Vorfahren betrifft dies lediglich Johann Vollers und Dierich Burgwall in Beckedorf!
Ein weiterer Bericht aus der schwedischen Zeit des Herzogtums Bremen:
Auch Maarten Dietrich Gutt hätte ich ohne die Ahnenforschung wohl nie getroffen. Er wohnt weit entfernt von mir – in der Nähe von Krakau. Viel zu weit!
Wir lernten uns bereits vor mehr als 20 Jahren über unsere Forschung in Natangen kennen. Zusammengeführt hat uns die Suche nach Vorfahren seines Familiennamens: Gutt!
Maarten und ich hatten von Beginn an einen ganz besonderen ‚Draht‘ zueinander. Während seines ersten Besuchs bei mir in Oldenburg saßen wir gemeinsam vor den Lesegeräten in der Forschungsstelle der Mormonen und versuchten, die Einträge in den Kirchenbüchern von Canditten der dort ansässigen Gutt-Familien zu entziffern, die zu meinen Ahnen gehören.
Seitdem haben wir uns mehrfach wiedergesehen – dreimal auch in Polen. Eines unserer Treffen – im November 2005 – war besonders emotional, denn wir besuchten zusammen den ‚Friedhof 116‘ bei Gorlice, einen Soldatenfriedhof in Galizien, auf dem mein ostpreußischer Großvater Carl Ludwig Gegner 1915 bei der sogenannten ‚Durchbruchsschlacht‚ sein Leben verlor. Maarten hatte zuvor herausgefunden, dass er dort bestattet wurde. Einige Jahre später besuchte Maarten meinen Opa dort sogar noch einmal allein.
Trotz der großen Entfernung haben Maarten und ich einen regen und intensiven Kontakt zueinander. Ob wir an irgendeiner Stelle durch unsere Ahnen miteinander verbunden sind, konnten wir bislang nicht herausfinden – auf jeden Fall sind wir ‚Seelenverwandte‚!
Unsere letzte direkte Begegnung war eine Reise durch Natangen im Sommer 2023 – zusammen mit meinem Sohn. Wir wohnten unmittelbar an der russischen Grenze – in ‚Terra Natangia‚ in Żywkowo.
Von dort aus fuhren wir gemeinsam durch die wunderschöne Landschaft, besuchten u.a. Heilsberg, Landsberg, Bartenstein, Petershagen, Schppenbeil, Rastenburg, Canditten und Worienen, die kleine Kirche in Eichholz, erkundeten den ehemaligen Standort der Mühle meines Ur-Ur-Großvaters auf dem Kohnertsberg bei Landsberg und hatten viel Zeit für intensive Gespräche ….
Seit fast 30 Jahren verfolge ich die Spuren meiner Vorfahren in Ostpreußen, Hessen, Norddeutschland und in Sachsen und habe dabei nicht nur ganz viel über meine verstorbenen Ahnen und ihre Lebensumstände erfahren. Ab und zu gelang es mir auch, noch lebende Verwandte zu finden, zu denen ich einen herzlichen Kontakt aufbauen konnte. Darüber freue ich mich ganz besonders. Ohne die Beschäftigung mit der Ahnenforschung hätte ich sie vermutlich nicht kennen gelernt ….
Die – mittlerweile sehr enge und intensive – Beziehung zu meinen Verwandten in Sandstedt an der Weser ergab sich vor etwa 25 Jahren durch ein ziemlich witziges Ereignis. In einer genealogischen Mailing-Liste für Ahnenforscher, die speziell für die Recherche nach Vorfahren in Norddeutschland eingerichtet wurde, versuchte ich damals, Näheres über meinen 1814 in Schwanewede geborenen Ur-Ur-Großvater Carsten Knübel zu erfahren.
Als Reaktion auf meine Anfrage erhielt ich eine Mail von Erdmute aus Sandstedt. Ihre erstaunte Frage war: ‚Was haben Sie denn mit unserem Carsten Knübel zu tun?‘ ….
Schnell stellte sich heraus, dass wir beide etwas mit ihm zu tun haben und dass unsere verwandschaftliche Beziehung gar nicht so weit zurück liegt. Die Großmutter von Erdmutes Ehemann Jürgen – Beta Catharina Knübel – war die Schwester meiner Urgroßmutter Margarethe. Carsten Knübel und Elisabeth Dehls sind ihre Eltern. Ihr Grabstein befand sich noch lange auf dem Friedhof der Reformierten Kirche in Bremen-Blumenthal, bevor er auf ärgerliche Weise entsorgt wurde ….
Verwandt bin ich also eigentlich mit Jürgen – aber Erdmute und ich teilen eine große Leidenschaft: wir beschäftigen uns beide voller Begeisterung mit der Geschichte Ostpreußens.
Auch die Familie von Jens Gegner Andreasen lernte ich durch die Ahnenforschung kennen. Jens wurde in Kopenhagen geboren und ist mit Min Min Yu verheiratet, die aus China stammt. Beide haben eine Tochter namens Anne-Marie Serena.
Wir kennen uns inzwischen seit fast 20 Jahren! Jens hätte ich niemals gefunden, wenn er nicht zusätzlich zu seinem Namen ‚Andreasen‚ noch den Geburtsnamen seiner Großmutter Ebba Andrea Gegner erhalten hätte, die 1892 in Dänemark zur Welt kam. Hier sieht man sie (rechts in der 1. Reihe) gemeinsam mit ihren Geschwistern.
Ebbas Urgroßvater – Carl Ludwig Gegner – stammt aus dem kleinen Kirchdorf Eichhorn im ehemaligen Kreis Preußisch Eylau in Ostpreußen. Er ist der Bruder meines Vorfahren Ernst Wilhem Gegner.
Carl Ludwig wurde Kunstgärtner – wie sein Großvater Michael Gegner, der die Gartenanlagen der Begüterung Worienen betreute. Nach einer Ausbildung in Bartenstein verließ Carl Ludwig seine ostpreußische Heimat, heiratete 1809 in der Garnisonskirche von Kopenhagen die Dänin Ellen Erland und gründete eine Familie. Dies ist ihr Heiratseintrag:
Jens Gegner Andreasen und seine Familie leben mittlerweile in Italien. Wir freuen uns beide über den Kontakt, senden uns Fotos und tauschen Nachrichten aus. Jens sagt: ‚Ahnenforschung ist ein bißchen wie ein Spaziergang durch einen großen Wald, wo man ständig neue ‚Blumen‘ entdeckt!‘ Er hat Recht! Ich hoffe sehr, dass wir uns bald auch einmal persönlich begegnen!
Spannend ist auch, dass in Italien gerade ein kleiner Junge zur Welt gekommen ist, der einen besonders interessanten Stammbaum mit Ahnen aus vielen Teilen der Welt hat – sie lebten in Italien – Dänemark – China und in Ostpreußen!
Zu der dänischen Gegner-Familie findet man hier noch nähere Informationen:
Bei der Durchsicht von Kirchenbüchern achte ich immer auch auf chonikalische Aufzeichnungen der Pastoren, die man in vielen Büchern finden kann. Die Pastoren berichten oft hautnah über Geschehnisse in ihrer Umgebung oder über besondere Ereignisse des Weltgeschehens.
Die nachfolgenden Ausschnitte stammen aus dem Kirchenbuch von Rüsseina – nicht weit entfernt von Meißen in Sachsen. In dieser Kirche – wie auch in denen von Krögis, Planitz, Raußlitz und Ziegenhain werden in der Zeit von etwa 1550 bis 1800 eine Reihe meiner Vorfahren getauft, bestattet oder verheiratet.
Diese Aufzeichnungen wurden verfasst von Johann Gottlob Stöckel, seit 1742 Pfarrer in Rüsseina, vorher Feldprediger im Kürrasierregiment. Er schreibt:
Dieses 1745ste Jahr war sehr merckwürdig. Imo (in der Tat) starb der Kayser Carolus VII d. 20 Jan: nachdem er nur 3 Jahr und zwar in der größten Unruhe regiret hatte(,) denn 1742 im Monat Januario war die Wahl vollzogen worden. Sein Alter war 47 Jahr, 5 und 1/2 Monat; die Zeit seiner Regierung im Churfürstenthum Bayern 19 Jahr weniger 1 Monat. Im Kayserthum aber von dem Wahltage an 3 Jahr weniger 3 Tage.
Seit 1744 tobt der Zweite Schlesische Krieg, bei dem auch Sachsen sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.
Der Friede von Dresden (auch: Dresdener Friede, Dresdner Friede oder Friede zu Dresden) war ein am 25. Dezember 1745 in Dresden unterzeichneter Friedensvertrag zwischen Preußen, Österreich und Sachsen. Er beendete den Zweiten Schlesischen Krieg. Während König Friedrich II. von Preußen mit Frankreich verbündet war, bildete Österreich unter Maria Theresia eine Allianz mit Sachsen, Großbritannien und den Niederlanden. (Wikipedia)
Die preußischen Soldaten verlassen Sachsen, aber sie zwingen viele junge Männer, mit ihnen zu kommen. Der Pfarrer von Rüsseina berichtet:
Am 27. Decembr gieng der König in Preußen von Dreßden ab, am 28. zog die Guarnison aus. Am 1. Jan(uar) 1746 verließen sie leipzig, und in wenigen Tagen drauff das gantze Land.Aus Dreßden wurden vom König in Preussen über 40 Cadets mitgenommen, von welchen kaum 3 oder 4 ihr Vaterland wieder gesehen haben, da doch diese, als Edelleute, gleiche Kriegs Freyheiten, als Officiers zu geniessen haben.
Zugleich wurden auch die Knaben aus den Casernen, welche blau gekleidet waren, alle nach Brandenburg geschlept, desgleichen 3000 wohlgewachsne junge Mannschafft von der landmilitz, welche die Preussen auff dem Marsch übel sollen tractirt haben, sie des Nachts in die Kirchen gesperrt, dass manche darinnen erfroren sind.
Und ob es gleich bey dem frieden geheissen: sie solten wiederum ausgeliefert werden, so sind doch die allermeisten Dienste zu nehmen gezwungen worden, und in die äußerste Grentzen der Brandenburgschen Lande hin und her zerstreut worden, dass viele Eltern im Lande noch bittere Thränen wegen ihren weggeführten Kindern vergießen müßen.
Macht es Sinn, die KI bei der eigenen Ahnenforschung einzubeziehen? Ich hab’s ausprobiert – aber nun reicht es auch!
Es waren keine kostenlosen KI-Tools, die ich bei diesem Test genutzt habe!
Zunächst bin ich tatsächlich beeindruckt von einigen Texten, die von KI nach Vorgabe nur weniger Fakten erstellt werden – zum Beispiel Biografien wie diese:
Beeindruckt hat mich anfangs der Schreibstil, der so ganz anders ist als mein eigener. Aber es ist eben nicht mein Schreibstil! Die KI-Texte enthalten zahlreiche äußerst ‚blumige‚ Formulierungen und Ausschmückungen – ich selbst schreibe eher Sachtexte.
Was mir gefällt und sicherlich manchmal nützlich sein kann, ist die KI-generierte Darstellung verschiedener Lebenssituationen – zum Beispiel von Berufsbildern der Ahnen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Regionen. Im ‚Flow‘ mit KI bietet mir diese zwischendurch immer mal die Erstellung ‚historisch stimmungsvoller Bilder‚ an – wie KI selbst diese Kreationen nennt.
Im Verlauf der „Unterhaltung“ über meinen Vorfahren Michael Gegner, der um 1750 als Kunstgärtner der Begüterung Worienen im ehemaligen ostpreußischen Kreis Pr. Eylau tätig ist, schlägt mir KI vor, ein solches Bild zu erstellen. Das Ergebnis:
In einschlägiger Literatur konnte ich nirgends ähnliche Abbildungen entdecken, deshalb finde ich es sinnvoll, zur Illustration der eigenen Familiengeschichte KI-generierte Bilder zu verwenden, wenn diese stimmig sind.
Ich füge an dieser Stelle einen Ausschnitt aus einem Kommentar zu diesem Thema ein – den gesamte Kommentar findet man unter dem Beitrag.
Christoph schreibt: ‚Gerade die Bildgenerierung erachte ich als ein ziemliches genealogisches Pulverfass, da wie oben „plausible“ Illustrationen erstellt werden, die irgendwann vielleicht als historische Überlieferung verkannt werden. Als Nachgeborenem kommen einem doch beim Gärtner-„Foto“ ziemliche Zweifel: Konnte sich ein Gärtner um 1750 derartige Stiefelleisten? Wäre er damit zur Arbeit gegangen? Die Weste – zeitgemäßer Stil, Arbeitsklamotte und (immerhin bestickt o.ä.) im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten? ….. Welches Werkzeug hält Christian Fischer in der Hand und entspricht sein muskelbepackter Körper nicht eher modernem Schönheitsideal, Proteinpulver und Muckibude als den Lebensrealitäten im 18. Jahrhundert? So genau „weiß“ die KI das natürlich auch nicht – woher auch – und deswegen steht auch unter dem Schafmeister „c. 1700–1930“.
Weitere Beispiele KI-generierter Darstellungen einiger Vorfahren: Bild links und Mitte: Israel Elßig, Schafmeister in Kobelsdorf bei Meißen um 1700 – rechts Christian Fischer, der von 1704 bis bis 1749 als Maurermeister in Pinnewitz bei Meißen lebte. Könnten beide bei der Ausübung ihrer Berufe so ausgesehen haben …?
Ab und zu habe ich die KI getestet und bewusst Fragen gestellt, die ich selbst beantworten kann. Mit der Begüterung Worienen im ehemaligen Kreis Pr. Eylau in Ostpreußen habe ich mich lange beschäftigt – damit kenne ich mich ganz gut aus. Deshalb war ich gespannt auf die Beantwortung meiner Frage an KI: „Kannst du mir bitte Näheres über den Ort Worienen im Kreis Pr. Eylau in Ostpreußen erzählen?“ Es folgte diese ‚Unterhaltung‚:
‚Sauber geklärt‚ wird aber leider gar nichts! KI hätte die richtigen Informationen einfach nur dem von mir erstellten Einleitungstext zum OFB Eichhorn entnehmen können – da heißt es:
Der ehemalige Kreis Pr. Eylau in Natangen gehörte zum Regierungsbezirk Königsberg in Ostpreußen. Das Kirchspiel Eichhorn umfasst folgende Orte bzw. Güter: Dixen, Dörsen, Eichhorn, Gallehnen, Glomsienen, das Vorwerk Jägerhof, Kohsten, Kumkeim, Müggen, Neuendorf, Neukrug, Polassen, Stettinen, Tapperlauken, Weskeim, Wokellen, Worglitten und Worienen.
Sowohl das Dorf Eichhorn selbst – um 1350 als deutsches Bauerndorf gegründet – als auch die zum Kirchspiel gehörigen Orte befanden sich über mehrere Jahrhunderte in adligem Besitz. So lebten beispielsweise in Worienen die Familien von Lehndorff, von Tettau, von Bredow und von Domhardt, in Wokellen Familie von Tettau und in Weskeim Familie von der Gröben.
Stattdessen kommt dieser Unsinn!
Es folgt ein Angebot:
Und dann kommt diese unsinnige Karte!
Noch abstruser ist die nachfolgende Karte! Sie ist das Ergebnis meines Versuchs, herauszufinden, auf welchem Weg meine Gegner-Vorfahren wohl nach Ostpreußen gelangt sein könnten. Ich weiß, dass sie bereits um 1650 im Kirchspiel Eichhorn leben – schon zu dieser Zeit werden sie in den dortigen Kirchenbüchern genannt.
KI erklärt: ‚Das Ordensland wurde in ein weltliches Herzogtum unter Albrecht von Brandenburg-Ansbach umgewandelt. Schon er (um 1530–1550) lockte viele süddeutsche und schlesische Beamte, Geistliche und Handwerker an – bevorzugt aus seiner fränkischen Heimat (Ansbach, Nürnberg, Bayreuth). In dieser Zeit könnten bereits einzelne Familien mit Namen wie „Gegner“ eingewandert sein.‘
Damit bin ich einverstanden – das vermute ich auch schon lange! Doch dann schlägt KI wieder vor, eine Karte anzufertigen, um zu verdeutlichen, wie ‚diese mitteldeutschen Einwanderungsströme im 16. Jahrhundert ins Herzogtum Preußen verliefen‘ und bringt alles durcheinander!
Mein Fazit: KI ist sehr sprachgewandt und ausgesprochen höflich und freundlich! Sie freut sich über Hinweise, lobt den Anwender und bedankt sich für Korrekturen oder Ergänzungen – die sie ja auch benötigt, um besser zu werden!
Es hat Spaß gemacht, verschiedene Funktionen zu testen! Ab und zu erschienen mir KI-Anmerkungen sinnvoll und zumindest überprüfenswert und einige Anregungen werde ich sicherlich durchdenken!
Aber ich sehe eine große Gefahr! Man sollte die KI momentan nur dann verwenden, wenn man selbst in der Lage ist, die – reichlich vorhandenen – sachlichen Fehler zu erkennen! Anfängern in der Familenforschung rate ich ausdrücklich davon ab, KI-generierte Antworten ohne Überprüfung und Kontrolle der Quellen zu übernehmen! Man kann ziemlich beeindruckt sein von all dem, was KI behauptet, aber (leider?) ist vieles absoluter Quatsch! Die eigene Recherche und die Arbeit an Original-Quellen kann KI nicht ersetzen! Und das ist wohl auch gut, denn die Recherche macht Spaß!
Als ziemlich gruselig habe ich die persönliche Nähe empfunden, die KI durch immer wiederkehrende Ansprache und Lob zum Nutzer aufzubauen versucht. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige Anwender dadurch die nötige Distanz zu diesem Medium verlieren und in einen Sog geraten, der kritische Beurteilung verhindert.
Während der vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit meinen Vorfahren in Sachsen befasst und entdeckt, dass viele dieser Familien während des 16. bis 18. Jahhunderts in kleinen Orten bei Meißen lebten. Sie gehören in die Ahnen-Linie meines Ur-Ur-GroßvatersCarl Friedrich August Müller, der am 24. November 1818 in Torgau geboren wurde, seine sächsiche Heimat als junger Mann verlässt und fernab in (Bremen)-Blumenthal landet.
Ich kenne diese Region überhaupt nicht – vielleicht ein neues Reiseziel …?
Quelle: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen
Zu meinen Vorfahren in der Region von Meißen gehören u.a. Urban Görne, der 1663 in Neustößwitz verstirbt, Andreas Fischer aus Pinnewitz, Valten Münch aus Görtitz und – George Zscherper, der 1633 in Kleinprausitz zur Welt kommt. Um sie zu entdecken, habe ich die Kirchenbücher von Krögis, Ziegenhain, Raußlitz und Rüsseina durchstöbert.
Über Familie Zscherper (auch auch Tscherper – Zschörper – Zscherber oder auch Scherper geschrieben) konnte ich herausfinden:
George Zscherper kommt 1633 im Dorf Kleinprausitz als Sohn von Hans Zscherper zur Welt und wird am 30. April in der Kirche von Krögis getauft. Seine Taufpaten sind: ‚der Wohl Edle Gestrenge und Veste Georg Albrecht von Nizschwiz (Nitzschwitz) uff Sörnwitz (Sornitz), an deßen statt Hanß Gappisch; Thomas Zscherper zu Görtiz (Görtitz) und Regina, uxor Hanß Lehmanns zu Cäbschiz (Käbschütz)‘.
1657 wird George in der Kirche von Ziegenhain erstmals als Taufpate genannt:
George Zscherber, ein Junger geselle, Hannß Zscherbers zur Klein Prausiz ehelicher Sohn
1659 tritt er in Ziegenhain erneut als Pate auf. Mittlerweile hat er seine Ausbildung beendet und wird nun als ‚George Zscherber, Schirrmacher in Klein Prausitz‘ bezeichnet. So könnte es ausgesehen haben, wenn er arbeitete:
mit Hilfe von KI erstellt
George und Anna leben nach ihrer Eheschließung in Gohla. Hier werden von 1662 bis 1684 ihre 10 Kinder geboren. Zwei Söhne kommen tot zur Welt, einer stirbt 1664 bereits im Mutterleib. Hier ist mehr über ihr Leben zu erfahren: George Zscherper – Schirrmacher von Gohla.
Anhand der sächsischen Gerichtsbücher konnte ich noch einiges über die vorherigen Zscherper-Generationen herausfinden. Diese Bücher sind wahre Schätze – vor allem dann, wenn keine Kirchenbücher existieren, aber auch dann, wenn man nach Informationen aus der Zeit vor Führung der Kirchenbücher sucht!
Recherche in den Gerichtsbüchern
Die Gerichtsbücher sind einzigartige Quellen zu Grundbesitz-veränderungen, Nachlässen oder Vormundschaften vom ausgehenden Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und liegen für praktisch alle Orte Sachsens vor. Sie geben Auskunft über Kaufhandlungen, verbriefte Rechte, Besitzerfamilien, verwandtschaftliche Beziehungen, aber auch zum Alltag der Menschen in früheren Jahrhunderten. https://www.saechsische-gerichtsbuecher.de/
So funktioniert’s: Nach Eingabe des Ortsnamens in ein Suchfeld werden die für diesen Ort in Frage kommenden Gerichtsbücher angezeigt.
Man muss sich ein wenig einarbeiten. Die meisten Bücher enthalten Namensregister – sortiert wird allerdings in den frühen Büchern (manchmal noch bis ins 18. Jahrhundert hinein) nicht nach Familiennamen, sondern nach Vornamen.
Das sieht dann so aus:
Wenn man die Vornamen der jeweils gesuchten Personen nicht kennt, macht es Sinn, das gesamte Register zu studieren! Auf jeden Fall sollte man dabei auch an die möglichen Schreibvarianten der Familiennamen denken – Zscherper ist beispielsweise auch unter S (Scherper) oder T (Tscherper) zu finden. Wichtig ist außerdem, unter den Buchstaben T und V nachzusehen – Hinweise auf die gesuchte Familie könnten sich dort evtl. unter den Stichwörtern ‚Testament‚ – ‚Vergleich‚ oder ‚Vererbung‚ finden lassen.
Ab und zu hatte ich Schwierigkeiten, den Text zu entziffern. Ich habe mich bei der Durchsicht der Dokumente vor allem auf die Namen der genannten Personen konzentriert, um die Verwandtschaftsverhältnisse zu entschlüsseln. Ich zeige anhand einiger Beispiele, wie ich vorgegangen bin und was ich herausfinden konnte ….
Hanns Tscherper mit seinenn Brüdern undSchwägern – GB Meißen Nr. 269
4.2.1568 – Peter Zscherper ist verstorben. Er hat zwei Güter hinterlassen: eins in Prausitz und eines in Roitzschen. Nach seinem Tod erscheint sein Sohn Hans mit seinen Brüdern Barthel und Peter im Amt Meißen – gemeinsam mit ihren Schwagern Hans Fichtner,Simon Mainzner u. Hans Rosenberg in ehelicher Vormundschaft ihrer Weiber, Peter Tscherpers nachgelassenen Töchtern.Weitere Erben sind: Veit und Hans Schuberts Tochter Kinder.
Die Bezeichnung ‚Gut‚ ist oft etwas irreführend – vermutlich ist damit ein gewöhnliches Bauernhaus gemeint.
Hans soll das Gut in Roitzschen und Barthel das Gut in Kleinprausitz bekommen. Peter erhält Geld. Barthel findet auch seine Schwager mit Geld ab.
Also: Peter Zscherper verstirbt vor 1658. Er hat auf jeden Fall 3 Söhne: Hans – Barthel und Peter sowie drei verheiratete Töchter! Ihre Ehemänner heißen: Hans Fichtner – Simon Mainzner und Hans Rosenberg.
Hans Zscherper gesteht, dass er seinem Bruder Peter noch Geld schuldet.
2.5.1575 – Hans Zscherper in Roitzschen ist verstorben. Vor dem Amt Meißen erscheinen: Peter Heimbach, Vormund der Tochter Elisabeth – Jacob Schönberg, Vormund von Katharina und Valten Donat, Vormund des Sohnes Blasius, des Erben.
Danach hinterlässt der vor 1575 verstorbene Hans Zscherper in Roitzschen mindestens drei Kinder: Tochter Elisabeth – Tochter Katharina und Sohn Blasius.
GB Meißen 273
1593 Valten Donat erscheint mit seinem Mündel Blasius Zscherper im Amt. Nach dem Tod des Vaters hatte Blasius – als Erbe des Guts in Roitzschen – seinem Stiefvater George Kretzschmer aus Barnitz diesen Besitz für 18 Jahre verpachtet. Pfingsten 1594 wird Kretzschmer das Gut an ihn abtreten. Noch 1618 erhält George Kretzschmer Erbgeld (warum eigentlich?)
Die Mutter hat demnach um 1575 erneut geheiratet. Ihr 2. Ehemann ist George Kretzschmer, der aus Barnitz stammt.
Am 25.6.1581 erscheinen im Amt Meißen Barthel Zscherpers (Besitzer in Kleinprausitz) hinterlassene Kindern und Erben mit ihren verordneten Vormündern namens Nickel Haubtmann von Döbschütz, Walpurgen, der ältesten Tochter Vormund, Matthes Zscherper, Elisabeth, Blasius Zscherper von Döbeln, Hansen, Jorge Thielmann u. Hans Pinkert, Vormünder des jüngsten Sohnes Bartholomäus …
Das bedeutet: Barthel Zscherper stirbt vor 1581 in Kleinprausitz. Er hat auf jeden Fall folgende Kinder: Walpurgis (älteste Tochter) – Matthes – Elisabeth – Blasius – Hans – Bartholomäus (jüngster Sohn)
GB Lommatzsch Nr. 101: 1593 erscheint Hans Zscherper aus Kleinprausitz im Amt Lommatzsch – er kauft ein Gut im Dorf Mauna!
Der jüngste Sohn – also Bartholomäus (Barthel) – ist der Erbe des Guts in Kleinprausitz. Er muss vor 1612 verstorben sein, denn am 10.2. 1612 erscheinen im Amt Meißen die Kinder und Erben mit ihren Vormündern – u.a. die Witwe Regina mit ihrem verordneten kriegischen VormundPhilipp Gappizsch aus Leippen – ihr wird ein Wiederkaufsrecht eingeräumt – dabei sind: Blasius Zscherper aus Roitzschen als Vormund des älteren Sohnes Peter – Peter Donat aus Roitzschen, Vormund von Tochter Maria – George Tielmann aus Kleinprausitz u. George Gamzsch aus Krögis als Vormünder von Hans, dem Erben !!!
Ein „kriegischer Vormund“ ist ein historischer Rechtsbegriff (aus dem Spätmittelalter), der einen speziellen Vormund für einen einzelnen Rechtsstreit oder ein Rechtsgeschäft bezeichnet, ähnlich einem modernen Prozesspfleger (curator in litem), der eine Person (oft eine Frau, die rechtlich eingeschränkt war) vertritt, wenn ein Konflikt drohte oder bestand, und der vom Ehemann oder einem männlichen Familienmitglied unterschieden wurde. Die Funktion war, Schutz und rechtliche Vertretung in spezifischen Situationen zu bieten.
Wiederkauf der Bartel Zscherperin umb das gutt zue Klein Prausiz, sampt dem Inventario undt schulden (GB Meißen Nr. 277)
Am 10.2.1612 werden u.a. folgende Regelungen getroffen:
das Gut wird der Mutter für 18 Jahre wiederkäuflich übergeben
die Kaufsumme beträgt 2000 Gulden
der Erbe verpflichtet sich, den Kinder jeweils die Hochzeit auszurichten
die Kinder sollen im Gut ‚ernehret und aufgezogen werden’
ebenso mit notwendiger Kleidung versehen werden bis sie 12 Jahre alt sind
wenn es einem Kind nicht mehr auf dem Hof gefällt, kann es woanders in Dienst gehen
falls es wieder dienstlos oder krank würde, kann das Kind zurück kommen und wird 6 Wochen zu Hause versorgt
jedes Kind soll eine Kuh und ein einjähriges Kalb bekommen
Nur 4 Wochen später – im März 1612 findet sich die Witwe Regina – erneut im Amt ein. Diesmal kommt sie in Begleitung ihres Verlobten und zukünftigen Ehemanns Hans Münch, der aus Stroischen stammt. Mit ihm wird ein Pachtvertrag für 18 Jahre geschlossen. Über mehrere Seiten wird das gesamte Inventar wird aufgelistet – z.B. das Vieh auf dem Hof (u.a. ‚4 ziehende Pferde‘) – vorhandenes Getreide, aber auch ‚1 gedeckter Tisch mitt 12 Tellern, undt 12 Löfelln und 3 Schüsselln‘.
Auch die vorhandenen Schulden müssen übernommen werden – u.a.: Steuer an das Amt Meißen – Lohn an die Mittelmagd – Lohn für den Schmied Thomas Schneider in Krögis – Lohn für den Arzt in Siebenlehen – George Tzscherper bekommt noch Geld für eine Kuh (wer ist George Tzscherper?) – Geld für das Essen, das die Vormünder beim Amtsschreiber verzehrt haben – auch Erbgelder müssen noch an mehrere Personen gezahlt werden, u.a. an Elisabeth Voigt in Soppen, die Witwe von Jacob Voigt – an Gregor Voigt in Krögis – an Georg Tzscherper (?)…..
25.7.1626 – Thomas ist der jüngste Sohn von Blasius Tscherper in Roitzschen. Blasius verkauft bzw. vererbt ihm sein Gut zu Lebzeiten, will es jedoch selbst noch bewirtschaften so lange es möglich ist. Falls seine Frau vor ihm versterben sollte, will der Vater auf sein anderes Gut ziehen! Dies liegt im Gutsbezirk der Familie von Schleinitz. Falls Blasius zuerst sterben sollte, soll Thomas seine Mutter bei sich aufnehmen und versorgen. Seine Enkelin Maria Burckhardt (Tochter von Jacob) soll Geld bekommen – der ‚blöde‘ Sohn Blasius soll versorgt werden.
(Anmerkung: Der Begriff ‚blöde‚ besagt, dass Sohn Blasius geistig behindert war – im Kirchenbuch von Krögis findet man 1632 seinen Sterbeeintrag. Aufgrund der Kriegswirren und nach Ausbruch der Pest verlieren in der Region um Meißen – auch im Dorf Roitzschen – viele Menschen ihr Leben. Dazu gehört auch Blasius – er wird ‚vom Kriegsvolck‚ erschossen).
KB Krögis 1632
Meißen, den 20.12.1630 – Nach dem Tod von Barthel Zscherper in Kleinprausitz war 1612 mit Hans Münch – dem 2. Ehemann der Witwe – ein Pachtvertrag für 18 Jahre geschlossen worden – siehe oben! Das hat offenbar nicht gut funktioniert! Hans Münch musste sich ’seines bösen Haushalts und vieler gemachter Schulden halber außm guthe begeben‘ und hat ‚daßelbe öde, wüste und unbesambt liegen laßen‘
Nun übernimmt Hans Zscherper – der eigentliche Erbe – den Hof! Bei der Übernahme wird das Inventar genauestens begutachtet- vorhandene Mängel werden vermerkt.
Dieser Hans Zscherper ist vermutlich der Vater meines Vorfahren George Zscherper, der 1633 in Kleinprausitz zur Welt kommt. Aber um diese Vermutung abzusichern, werde ich auf jeden Fall nach weiteren Belegen suchen!
Vier Generationen Kahnschiffer an der Weser (um 1700–1855)
Noch ein KI-Versuch! Nach nur wenigen Vorgaben erhielt ich folgenden Text:
Rönnebeck – ein schmales Dorf am linken Weserufer, dort, wo der Deich sich sanft zur Flussbiegung neigt. Zwei Dutzend Häuser, Gärten hinter hohen Wurten, Schilf am Wasser, und dahinter die weite Marsch. Seit Menschengedenken lebten hier Menschen vom Strom. Einer von ihnen war Martin Haesloop, der um 1707 geboren wurde.
Martin Haesloop war Kahnschiffer. Er besaß einen flachen Weserkahn, wie man sie damals überall zwischen Vegesack und Brake fuhr. Im Frühjahr brachte er Bauholz, im Sommer Ziegel, im Herbst Getreide. Der Fluss war sein Weg und sein Wagnis zugleich. Die Ufer wechselten mit jeder Flut, Sandbänke wuchsen, Nebel kam ohne Vorwarnung. Doch Martin verstand das Wasser – und die Weser verstand ihre Leute. Sie nährte sie, prüfte sie und nahm sie, wenn sie wollte.
Ein Weserkahn um 1750 – Unwetter (KI)
Um 1743 wurde sein Sohn Hinrich Haesloop geboren, ebenfalls in Rönnebeck. Auch er wuchs in der Sprache des Flusses auf. Noch bevor er lesen konnte, wusste er, bei welchem Wind der Wasserstand sank und wann man das Boot besser festmachte. Er folgte seinem Vater früh in den Beruf. Rönnebeck war ein Dorf der Schiffer, Treidler und Fischer, und wer dort aufwuchs, gehörte entweder zum Wasser – oder zu niemandem.
Hinrich Haesloop erlebte die Zeit, als Bremen größer und der Verkehr auf der Weser dichter wurde. Er fuhr mit Gütern flussaufwärts in die Stadt, brachte Torf und Holz zurück in die Marsch. Die Männer aus Rönnebeck galten als zäh, wortkarg und zuverlässig. Wenn sie losfuhren, wusste man: der Fluss würde sie prüfen – und die, die zurückkehrten, waren um eine Geschichte reicher.
1776 wurde Hinrichs Sohn Johann Haesloop geboren, wiederum in Rönnebeck, im Schatten des Deichs. Auch sein Leben stand von Anfang an im Zeichen der Weser. Schon als Knabe half er seinem Vater am Ufer, beim Treideln der Kähne stromaufwärts. Das dicke Hanfseil schnitt in die Haut, die Schuhe blieben im Schlamm stecken, und doch trugen die Jungen den Stolz der Männer in sich. Wer auf der Weser Bestand hatte, brauchte keine andere Ehre.
Als Johann erwachsen wurde, war er längst selbst Schiffer. Er fuhr von Rönnebeck nach Bremen, nach Brake, manchmal bis nach Sandstedt. Er kannte jeden Nebenarm, jede Böe. Die Arbeit war beschwerlich, aber in Rönnebeck zählte das nicht. Man tat, was die Weser verlangte.
Am 3. Februar 1807 heiratete er in der Kirche zu Blumenthal – denn Rönnebeck gehörte zum Kirchspiel dort – die Margarete Oltmann, eine junge Frau aus seiner Nachbarschaft. Ihr Vater, Reinert Oltmann, war Seefahrer gewesen, und auch ihre Mutter, Tibke Maake, stammte aus einer Schifferfamilie von der Weser.
Margarete kannte das Geräusch der Taue im Wind, das Warten, das Hoffen. Sie war daheim in Rönnebeck, am Rand des Wassers, wo das Land nach Salz schmeckt.
Zwischen 1808 und 1824 brachte sie fünf Kinder zur Welt, alle in Rönnebeck geboren, alle mit dem Blick auf den Deich groß geworden. Ihr zweiter Sohn, Hinrich Haesloop, kam 1810 zur Welt – und er sollte den Beruf seines Vaters und Großvaters fortsetzen.
Während Margarete das Haus führte, war Johann monatelang auf der Weser. Sie hielt das kleine Anwesen hinter dem Deich in Ordnung, versorgte Vieh, Garten, Kinder. Oft stand sie abends draußen, sah nach Westen und lauschte. Ob irgendwo, hinter dem Nebel, ein Segel ihr Signal gab? Der Wind brachte manchmal den Klang von Stimmen – Männer, die auf dem Strom arbeiteten. Es war kaum zu unterscheiden, ob es wirklich Rufen war oder nur das Echo des Wassers.
So vergingen die Jahre. Johann fuhr, Margarete wartete, die Kinder wuchsen heran, und der Fluss floss weiter, ungerührt von Menschenleben.
Hinrich, der Sohn, wurde wie sein Vater Kahnschiffer. Auch er blieb in Rönnebeck, auch er zog sein Schiff gegen den Strom, belud, entlud, kämpfte gegen Wind und Nebel. Doch die Zeiten änderten sich: Auf der Weser erschienen Dampfschiffe, die kleinen Kähne wurden verdrängt. Vielen alten Schiffern nahm das die Arbeit, nicht wenigen den Mut. Hinrich hielt fest an dem, was die Haesloops seit Generationen konnten – mit der Strömung leben.
Dann, am 19. Oktober 1845, traf das Schicksal die Familie. Dicker Nebel lag über der Weser, der Wind drehte unberechenbar. Hinrich Haesloop war auf Fahrt, als sein Kahn kenterte. Niemand weiß, ob es ein falscher Schritt oder ein gebrochenes Tau war. Als man ihn fand, trieb er tot im Wasser – nur wenige hundert Meter von Rönnebeck entfernt. Er war 35 Jahre alt.
Für seine Eltern, Johann und Margarete, war das ein tiefer Schlag. Sie hatten ihr Leben lang mit der Gefahr des Flusses gelebt – doch wenn sie trifft, ist sie nie vertraut.
Margarete starb 1852, drei Jahre vor ihrem Mann. Johann Haesloop, der zuletzt als alter Mann noch am Deich half, ertrank am 8. März 1855 – fast achtzigjährig, in seinem eigenen Element. Die Weser, die ihn getragen hatte, nahm ihn zuletzt still an sich.
Über mehrere Jahrhunderte lang wohnten die Haesloops in Rönnebeck. Von Martin Haesloop um 1700, über Hinrich, Johann und Hinrich (1810), bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts blieb die Familie eng mit dem Dorf und dem Fluss verbunden. Sie waren Teil jener kleinen, standhaften Gemeinschaft, die ihren Wohlstand und ihr Unglück gleichermaßen aus dem Wasser zog.
Als die Dampfschifffahrt die alten Kähne verdrängte, wandelte sich auch Rönnebeck. Doch für viele der Nachkommen blieb das Wasser ihr Beruf: Einige arbeiteten auf Schleppdampfern, andere auf den Werften von Blumenthal oder Vegesack, wieder andere gingen zur See. Der Klang des Familiennamens aber blieb an die Weser gebunden.
Der Sohn des 1845 in der Weser ertrunkenen Kahnschiffers Hinrich ist mein Urgroßvater Hinrich Haesloop (1846 -1922). Bei seiner Geburt war der Vater bereits verstorben. Auch er selbst wurde Seemann – ebenso wie später sein Sohn – mein Großvater Hinrich Haesloop (1846-1922) – der als Maschinist die ganze Welt bereiste.
Heute ist kaum mehr etwas übrig von dem ursprünglichen Dorf der Schiffer. Doch wer am Deich von Rönnebeck steht und den Blick über das ruhige Wasser schweifen lässt, schaut auf denselben Strom, denselben Fluss, der Martins Kahn trug, über den Hinrich und Johann zogen, in dem Hinrich und Johann ertranken. Wenn der Wind über das Schilf fährt und die Möwen schreien, mag man glauben, die alten Stimmen zu hören – heiser, vertraut und vom Leben zerfurcht.
Dann flüstert die Weser selbst, leise und unaufhörlich, einen einzigen Name über die Jahrhunderte hin: „Haesloop.“
Denn wer in Rönnebeck am Wasser geboren ist, trägt die Strömung in sich – sein Leben lang.
Dies ist mein 1. Versuch, KI einen Text aus wenigen vorgegebenen Informationen erstellen zu lassen. Vorgegeben habe ich den Namen meines ‚neuen‚ sächsischen Vorfahren – seinen Beruf – den Namen seiner Ehefrau – den Wohnort – die Anzahl der Kinder – die Sterbedaten der Eltern – und einige Notizen zum Hausverkauf an den Sohn. Entstanden ist dieser Text:
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte im kleinen Dorf Gohla bei Meißen der Schirrmacher George Zscherper. Sein Leben fällt in eine Zeit, in der Sachsen sich langsam vom Elend des Dreißigjährigen Krieges erholte und wieder aufblühte.
George gehörte zu jenen bodenständigen Handwerkern, die den Wiederaufbau des Landes trugen. Er war Schirrmacher – ein Beruf, der im 17. Jahrhundert eng mit dem Sattler- und Wagenmacherhandwerk verbunden war. Der Schirrmacher stellte Schirme, Planen, Pferdegeschirre oder bedeckte Wagen her, also jene Schutz- und Nutzvorrichtungen, die den Transport und den Handel in ländlichen Gegenden möglich machten. Sein Handwerk verband Geschick mit körperlicher Arbeit, und in der Gemeinschaft war dieser Beruf geschätzt.
George war verheiratet mit Anna Münch, die aus dem nahegelegenen Görtitz stammte. Gemeinsam gründeten sie eine große Familie – zehn Kinder wurden in Gohla geboren. Die Kinder wuchsen in einer bäuerlich-handwerklichen Umgebung auf, in der jeder zum Unterhalt der Familie beitrug.
Die Ehe währte lange. Nach Jahrzehnten gemeinsamen Lebens starb Anna Zscherper, geb. Münch, am 15. Dezember 1704 in Gohla. Sie wurde von der Dorfgemeinschaft gewiss mit Achtung verabschiedet, denn mit ihr endete fast ein Menschenalter familiärer Beständigkeit. Nur drei Jahre später, am 18. April 1707, folgte ihr George im Tod. Sein Begräbniseintrag beschreibt ihn als „George Zscherper, Geschirrmacher von Gohla, mit einer Leich-Predigt und Abdankung.“
Dass eine Leichenpredigt und öffentliche Abdankung für ihn gehalten wurden, zeigt, dass er im Dorf Ansehen genoss – ein Hinweis auf seinen guten Ruf als ehrbarer Meister und Familienvater.
Kurz vor seinem Tod, im Jahr 1705, hatte George sein Haus an seinen jüngsten Sohn Michael verkauft. In der Kaufvereinbarung bittet der alte Schirrmacher – „hohen Alters wegen“ – um ein lebenslanges Bleiberecht für sich und seine Tochter Anna, die ihn pflegte. Der Sohn verpflichtete sich, dem Vater und der Schwester Unterkunft und Verpflegung zu gewähren. Wörtlich versprach er, jährlich ein Sechstel des Obstes sowie drei Kannen Butter und Käsezu liefern. Zudem sicherte er zu, kranke Geschwister „nach Gottes Willen“ bei sich aufzunehmen – ein Zeugnis familiärer Verbundenheit und dörflicher Verantwortung jener Zeit. Der Vertrag ist in einem Gerichtsbuch von Meißen belegt (GB AG Meißen Nr. 005).
Mit Georges Tod im Jahr 1707 endete ein langes und arbeitsreiches Leben, das vom Wandel Sachsens vom Nachkriegs-Elend zum Aufbruch des 18. Jahrhunderts geprägt war. In den Archivalien seiner Gemeinde lebt der Schirrmacher von Gohla weiter – als Beispiel eines jener einfachen, aber bedeutsamen Handwerker, die mit Fleiß, Würde und familiärer Fürsorge das Fundament des Landes legten.
Im 17. Jahrhundert wurde der Familienname Zscherper sehr unterschiedlich geschrieben. Suche auch nach: Scherper – Zschärper – Zscherber – Zschörber – Scharper (auch ein Hinweis der KI)
KI fragte mich anschließemd, ob er – oder sie – oder es – diese ‚Geschichte‘ noch einmal aus der Sicht von George erzählen solle. Ich stimmte zu!
KI: Hier ist eine Ich-Perspektive-Fassung über George Zscherper, gestaltet wie ein persönlicher Rückblick aus seiner Sicht. Sie orientiert sich an den tatsächlichen Ereignissen, verbindet sie aber mit einer warmen, erzählerischen Stimme – so, als würde George selbst aus seinem Leben berichten:
„Ich, George Zscherper, Schirrmacher von Gohla“
Ich bin George Zscherper, Schirrmacher aus dem kleinen Dorf Gohla bei Meißen. Schon mein Vater war, so glaube ich, ein Mann des Handwerks, und auch ich lernte, mit Leder, Holz und Eisen umzugehen – um daraus Geschirre, Planen und allerlei Schirme zu schaffen, die Mensch und Tier vor Wind und Wetter schützen. So lebte ich vom Fleiß meiner Hände und vom Vertrauen der Leute in meiner Umgebung.
In jungen Jahren nahm ich mir eine Frau – Anna Münch aus Görtitz –, eine fromme und starke Gefährtin. Gemeinsam bauten wir uns ein Heim in Gohla, wo wir zehn Kinder großzogen. Sie füllten unser Haus mit Arbeit, Lachen und manchmal auch Sorge, wie es in solchen Zeiten nun einmal ist. Wir erlebten schwere Jahre, denn das Land erholte sich erst mühsam von den Wirren des langen Krieges. Doch wir hielten zusammen, und mit dem Frieden kehrte auch Hoffnung zurück.
Das Leben verrinnt still in einem Dorf wie dem unsrigen: Früh die Feldarbeit, sonntags die Kirche, abends die Werkstatt. Ich war stolz auf mein Handwerk. Jeder Karren, der ordentlich bespannt war, jedes Pferd, das in gutem Geschirr lief, war mein Werk. Und wenn meine Nachbarn sagten: „Der Zscherper macht’s ordentlich“, dann war das Lohn genug.
Als ich alt wurde und meine Kräfte nachließen, übergab ich 1705 mein Haus an meinen jüngsten Sohn Michael. Ich bat darum, daß meine Tochter Anna, die mich pflegte, und ich darin wohnen bleiben dürften. Michael versprach es – samt einem Anteil am Obst und ein paar Kannen Butter und Käse im Jahr. So ist’s recht unter Kindern, dachte ich damals: Jeder sorgt für den anderen, wie Gott es will.
Meine gute Anna, meine Ehefrau, starb im Dezember 1704. Drei Jahre später, am 18. April 1707, legte auch ich mein Werkzeug nieder. Man hielt eine Leichenpredigt und Abdankung für mich in der Kirche zu Gohla. (Anmerkung: die Kirche war in Raußlitz!). Ich hoffe, man erinnert sich meiner als eines ehrbaren Handwerkers, der mit einfachsten Mitteln, aber mit ganzem Herzen seiner Arbeit und Familie diente.
Wenn meine Kinder und Kindeskinder dereinst von mir sprechen, mögen sie sagen: Er war ein Schirrmacher, der das Seine tat – redlich, gottesfürchtig und mit stiller Zufriedenheit.
Und es geht noch weiter. Ki fragte: Möchtest du, dass ich diese Ich-Erzählung in einer älteren Sprache (17./18.-Jh.-Anklang, mit zeittypischen Formulierungen) noch anpasse – also so, als hätte sie wirklich aus Georges Zeit stammen können? Das würde dem Text ein leicht historisches Klangbild geben.
Darauf war ich sehr gespannt! Das Ergebnis:
„Ich, Georgius Zscherper, Schirrmacher zu Gohla“
Ich, Georgius Zscherper, bin von Stande ein Schirrmacher und habe mein Leben lang meinen Wohnsitz gehalten im Dorfe Gohla, gelegen unfern der Stadt Meißen. Daselbst habe ich, so Gott mir Gnade verlieh, mein ehrliches Handwerk getrieben, und mancher Fuhrmann, der meine Geschirre und Planen trug, hat meinen Namen wohl gekannt. Denn ich hielt stets darauf, daß meine Arbeit redlich und dauerhaft sei und den Leuten nütze, auf daß auch mir mein tägliches Brot gewiß bleibe.
Zu meiner Jugendzeit nahm ich mir in rechtem Ehestand die tugendsame Anna Münchin aus Görtitz. Sie war mir eine getreue Gehülfin all meiner Tage. Der Herr segnete unsere Ehe mit zehen Kindern, welche alle hier in Gohla geboren und getauft worden sind. Gar mancherlei Mühsal haben wir überstanden, denn das Land lag noch wund und erschöpft nach dem langen Kriegswesen, das ganz Teutschland verheerte. Doch der Herr ließ wieder Gedeihen werden; Felder wurden bebaut, Handwerk und Handel kamen aufs Neu in Schwung, und die Menschen hatten Hoffnung im Herzen.
Die Jahre vergingen stille. Ich verrichtete mein Werk in Demut, hielt die Sonn- und Feiertage, wie’s einem ehrbaren Manne ziemt, und freuete mich, wenn meine Kinder wuchsen und zu tüchtigen Menschen gereiften.
Als aber mein Haar grau ward und meine Hände schwach, da erkannte ich, daß meine Tage sich neigten. So verkaufte ich im Jahr des Herrn 1705 mein Haus an meinen jüngsten Sohn Michael. In der Schrift ward vermerkt, daß ich mit meiner Tochter Anna, welche mich meines Alters halber wartete, Freiheit des Wohnens und eine Nahrung haben solle: den sechsten Teil des Obstes, dazu Butter und Käse aus Michaels Hof. Auch verhieß er, seine Geschwister in Not und Krankheit in sein Haus zu nehmen, wie es guter Kinder Pflicht ist.
Doch zuvor, im Dezember des Jahres 1704, war mir meine liebe Ehegattin Anna im Herrn entschlafen. Es war mir schwer, den Weg ohne ihr trautes Wesen zu gehen. Drei Jahre darnach hat auch mich der Herr heimgerufen, am 18. April 1707. Man hielt mir eine Leich-Predigt und Abdankung – ein ehrbar Ende, wie ich es mir gewünscht.
Wenn nun meine Nachkommen meiner gedenken, so bitte ich, daß sie nicht meines Namens, sondern meines Wandels eingedenk seien: Daß ich redlich im Beruf stand, Gott gefürchtet, mein Weib und meine Kindlein geliebt, und also gelebt, wie’s einem christlichen Handwerker ziemt.
Ein letzter Beitrag im ‚alten Jahr‘ 2025! Über die Begüterung Worienen im ehemaligen Kreis Pr. Eylau in Ostpreußen habe ich schon oft geschrieben, aber Bethel Henry Strousberg habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht erwähnt. Das hole ich nun nach …
Die Begüterung Worienen (heute Woryny) befand sich ab 1558 im Besitz der Familien von Lehndorff – von Tettau – von Bredow – von Domhardt, des Rittmeisters von Kositzki und der Familie Gützlaff, bevor sie 1866 für 10 Jahre in den Besitz des sogenannten „Eisenbahnkönigs“ Bethel Henry Strousberg kam.
Quelle: „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart,“ Bd. 2, Leipzig 1901
Die Auszüge aus dem nachfolgende Text stammen aus meiner Chronik von Worienen.
Bethel Henry Strousberg, an den Gustav Gützlaff die Begüterung Worienen 1866 verkauft, ist eine schillernde Persönlichkeit. Er wohnt mit seiner Familie in Berlin, wo er für reichlich Gesprächsstoff sorgt. Der ebenfalls in Berlin lebende Schriftsteller Ernst Korfi schreibt 1870: „Wer in den letzten Jahren … Berlin passirt, mag es anstellen, wie er will, und in welchen Gesellschaftskreisen immer sich bewegen: er wird entweder vom Grafen Bismarck oder vom Dr. Strousberg sprechen hören“ (Quelle: Ernst Korfi, Dr. Bethel Henry Strousberg, Biografische Karakteristik; Verlag G. Eichler; Berlin 1870; Seite 3)
Die Biographie Bethel Henry Strousbergs liest sich wie ein Roman. Er wird im November 1823 in Neidenburg als Sohn jüdischer Eltern geboren und auf den Namen Baruch Hirsch Strausberg getauft. Bereits im Alter von 12 Jahren wird er Waise, besteigt allein ein in Pillau lagerndes Frachtschiff und macht sich auf den Weg nach London, wo ein Onkel namens Gottheimer einen Kohlenhandel betreibt (Ernst Korfi nennt insgesamt drei Gottheimer-Onkel, die in London leben).
„Bei ihm trat der Knabe in die Lehre, und erwies sich bald brauchbar genug, um im Interesse seines Oheims zu verschiedenen Malen jeden Theil von England zu bereisen, den man den Steinkohlen-Bezirk nennt, bei welcher Gelegenheit er das Kohlengeschäft aus dem Grunde erlernte. Die Noth, die mächtigste Lehrmeisterin des Individuums, so wie der ganzen Menschheit, trieb ihn vorwärts, und erweckte in ihm frühzeitig einen sehr ausgeprägten Sinn für das Geschäftsleben“. (Ernst Korfi, Dr. Bethel Henry Strousberg, Biografische Karakteristik; Verlag G. Eichler; Berlin 1870; Seite 12)
Die Gottheimer lassen ihn in London anglikanisch taufen. Von nun an nennt er sich Bethel Henry Strousberg. Da seine Eltern viel Wert auf Bildung gelegt hatten, spricht er bei seiner Ankunft in London bereits Deutsch, Polnisch und Französisch. Nun erlernt er auch die englische Sprache. Strousberg ist eifrig und zielstrebig. Dies sind nur einige Stationen seines Lebens: Er studiert, wird Literat, arbeitet für verschiedene Londoner Zeitungen, wird Redakteur und schließlich Direktor der Londoner gemeinnützigen Bau-Gesellschaften. Er arbeitet als Kunsthändler und im Versicherungswesen, gründet eine Familie und versucht, durch trickreiche Spekulationen mit geliehenem Geld zu Reichtum zu gelangen.
1855 kehrt Strousberg nach Deutschland zurück. Zunächst lebt er in verschiedenen Berliner Mietwohnungen, anfangs in der Luisenstraße, dann in der Dorotheenstraße Nr. 555. Er beginnt, mit Immobilien zu handeln. Außerdem fängt er an – zunächst als Bevollmächtigter, dann selbständig – in ganz Mitteleuropa weitläufige Bahnstrecken anzulegen, weshalb er im Laufe der Zeit den Titel „Eisenbahnkönig” erwirbt. Strousberg baut bzw. kauft eine Reihe industrieller Unternehmen, Häuser und Güter (u.a. die Gustav Arndt’schen Schienenwalzwerke in Dortmund, die Egestorff’sche Maschinenfabrik in Hannover, die Südzitadelle in Antwerpen, Häuser inWien und Berlin, Güter in Brandenburg, Ost– und Westpreußen).
Strousbergs Eisenbahnlinien, die zum großen Teil bis heute erhalten sind:
„In den Jahren 1864 bis 1870 erwirbt Strausberg in Deutschland und Österreich-Ungarn zahlreiche Landgüter mit einer Größe von insgesamt 47. 300 ha. Hiervon entfallen in Ost- und Westpreußen über 10. 000 ha; in Ostpreußen sind im Kreise Preußisch Eylau die Rittergüter Groß Peisten, Egdeln, Schwadtken, Sienken,Worienen und Wiecherts in Strausbergs Besitz.“ (Quelle: Hermann Pölking, Ostpreußen, Biographie einer Provinz, S. 252)
Auch nach dem Erwerb seiner Landgüter wohnt Strousberg mit seiner Familie weiterhin in Berlin, wo er „in der Wilhelmstraße (Nr. 40) sein Hoflager aufgeschlagen hat.“ Quelle: Friedrich vom Rhein, Enthüllungen über Dr. Strousberg und sein rumänisches Eisenbahn-Unternehmen; Verlag Eugen Grosser, Berlin 1871, Seite 12)
Dieses prunkvolle Gebäude – auch „Palais Strousberg“ genannt – war 1867/68 errichtet und mit allem für damalige Verhältnisse nur denkbarem Luxus ausgestattet worden. Es verfügte über „bemerkenswerte technische Einrichtungen wie Gasbeleuchtung, Warmwasserheizung, Waschmaschine und Badezimmer.“ Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Strousberg – abgerufen am 17.08.2019)
[Bildindex der Kunst und Architektur] ] Bildarchiv Foto Marburg
All diesen Luxus kann die Familie nur wenige Jahre genießen. Seine Spekulationen und die allgemeine schlechte finanzielle Lage treiben Strousberg in den Ruin. Er meldet Konkurs an. Schon 1871 ist zu lesen: „Noch vor Jahr und Tag stand der gewaltige, in alle Welt hinaus posaunte Ruf und Ruhm des sogenannten „selbstgemachten“ Mannes, Dr. Strousberg, auf seinem Höhepunkte; in letzter Zeit ist derselbe ganz gewaltig in die Krümpe gegangen und gegenwärtig wird wohl kein Privatmann häufiger genannt und mit mehr Verachtung und Verwünschungen überhäuft, als derselbe „große“ Mann.“ (Quelle: Friedrich vom Rhein, Enthüllungen über Dr. Strousberg und sein rumänisches Eisenbahn-Unternehmen; Verlag Eugen Grosser, Berlin 1871, Seite 12)
Strousberg selbst erzählt: „Als ich im Besitz einer großen Summe von Stamm-Actien der ostpreußischen Südbahn gelangte und noch glaubte, dass ich mich von Geschäften zurückziehen würde, bot sich die Gelegenheit, einige größere Güter in Ostpreußen zu kaufen, wobei ich Actien in Zahlung geben konnte. Die Besitzungen lagen nicht weit von der Bahn und die Verkäufer kannten die Verhältnisse derselben, ehe ich dabei betheiligt war. So gelangte ich zum Grundbesitz. Dies wurde bekannt und mir wurden im Laufe der Zeit in allen Theilen der Monarchie Güter angeboten.“ (Quelle: Dr. Strousberg und sein Wirken von ihm selbst geschildert; Berlin, Verlag von J. Guttentag (D. Collin) ; geschrieben in Moskau, im Juli 1876; Seite 406/407.
Strousberg befindet sich auch zum Zeitpunkt des Erwerbs von Worienen bereits in großen finanziellen Schwierigkeiten. Herrn Gützlaff ist dies bekannt. Er verlangt deshalb keinerlei Anzahlung und beschließt stattdessen, auch nach dem Verkauf der Begüterung noch für einige Zeit in Worienen zu bleiben, um die Bewirtschaftung kontrollieren zu können.
Gützlaff dazu in seinem Tagebuch: „Es handelte sich um ein Werth-Objekt von fast einer halben Million Thalern, was er (Strousberg) käuflich von mir erwarb, ohne auch nur einen rothen Heller darauf baar anzuzahlen. Ich wusste sehr genau, dass es mit seiner Kasse verzweifelt schwach bestellt war, und dass das ganze Geschäft sich zerschlagen musste, falls auch nur die geringste baare Anzahlung von ihm verlangt worden wäre. Ich musste also in Bezug auf diesen Punkt, so gut es eben ging, mir den Rücken anderweitig zu decken suchen. Konnte ich nur in Worienen bleiben und die Wirthschaft im Auge behalten, wurde die Gefahr für mich wesentlich verringert.” (Quelle: Tagebuchaufzeichnungen von Gustav Gützlaff; privat)
Für die Dauer von 10 Jahren pachtet Gustav Gützlaff die Woriener Brauerei und bleibt zunächst in Worienen. In einem Adressbuch von 1866 sind sowohl Gützlaff als auch Strousberg (hier Strusberg) aufgeführt. Gützlaff noch als Besitzer der Begüterung Worienen, Strousberg als Eigentümer von Peisten.
Die Begüterungen Worienen und Groß Peisten bleiben – wie all seine Besitzungen – nur wenige Jahre im Besitz von Bethel Henry Strousberg. 1875 wird er in St. Petersburg verhaftet und wegen Anstiftung zu Kreditvergehen und Bestechung in Moskau angeklagt und schuldig gesprochen. Das Urteil lautet auf Verbannung aus Russland und lebenslängliches Einreiseverbot. Dennoch lässt man ihn erst 1877 nach Deutschland zurückkehren.
Strousberg gibt nicht auf, gründet eine Zeitung und arbeitet wieder als Journalist. Hoch verschuldet stirbt Bethel Henri Strousberg 1884 als Ortsarmer in Berlin. Die Familiengrabstätte auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg besteht noch heute.
1876 befinden sich sowohl Worienen als auch Groß Peisten im Besitz der Berliner Disconto-Gesellschaft, einer der größten deutschen Bankgesellschaften. Strousberg hatte von dieser „behufs Regelung der Rumänischen Eisenbahnangelegenheit“ . . . . unter Verpfändung seiner gesamten Güter, seiner Grundstücke in Berlin und Wien sowie „einer größeren Herrschaft in Polen“ „unter solidarischer Bürgschaft der übrigen Concessionäre der Rumänischen Eisenbahnen bis zum Betrage von 1,500.000“ einen immensen Vorschuss erhalten. Da Strousberg nicht in der Lage ist, die bewilligten Gelder zum Fälligkeitstermin zurückzuzahlen, wird bei einer General-Versammlung der Disconto-Gesellschaft im Juni 1877 u.a. protokolliert: ‚Die Herrschaften Radawnitz, Womwelno und Worienen… sind von uns in den betreffenden Subhastationsterminen käuflich erworben, und ist unser Grundstücksinteresse durch den Zuwachs des betreffenden Nettokaufpreises hierdurch, den an anderen Stellen stattgehabten Realisirungen gegenüber, unerheblich vermehrt worden. Die gleichfalls im Subhastationstermine ersteigerte Herrschaft Peisten ist bald nachher mit angemessenem Nutzen wieder veräussert worden, wodurch sich die oben erwähnte Verlust-Abschreibung auf jene Forderung entsprechend verringert hatte.‘
Strousberg wirf der Bank vor, sich auf seine Kosten bereichert zu haben und seine Güter nach seinem Konkurs für weniger als die darauf verausgabten Meliorationskosten ersteigert zu haben.