Dokumentation von Soldatenfriedhöfen in Polen

Das Staatsarchiv Krakau hat viele Unterlagen über die Soldatenfriedhöfe des 1. Weltkriegs in West Galizien, Mähren und Schlesien digitalisiert. Diese Unterlagen umfassen u.a. Listen der dort gefallenen Soldaten, Zeichnungen der geplanten Friedhöfe und Fotos der Friedhöfe. Die folgenden Abbildungen stammen aus diesen Unterlagen.

Auch die Anlage des Soldatenfriedhofs Nr. 116 in Staszkówka, Galizien, auf dem sich das Grab meines Großvaters Carl Ludwig Gegner befindet, wird dokumentiert.

Gorlice_Friedhof_2

Das erste Foto zeigt den Friedhof im ‘Urzustand’ – auf dem zweiten sieht man den fertigen Friedhof.

Ich habe mir die Dokumentation dieses einen Friedhofs genauer angesehen. Die handgeschriebenen Namenslisten enthalten zum Teil Hinweise auf die ursprünglichen Gräber der Gefallenen, die vermutlich zunächst dort begraben wurden, wo man sie gefunden hat.

Gorlice_Liste-2 (2)Bei der sogenannten ‘Durchbruchs-Schlacht’ in Galizien am 2. Mai des Jahres 1915 starben – gemeinsam mit meinem Großvater – insgesamt 5 Offiziere und 196 andere Soldaten. Es waren also mehr als 200 Namen, die allein an diesem einen Tag aufgelistet werden mussten. Vermutlich ist dies der Grund, weshalb die Orte der ursprünglichen Bestattung bzw. die Fundorte der Gefallenen nicht durchgängig notiert werden konnten.

Gorlice_GegnerIn weiteren Listen werden die Namen der gefallenen Soldaten gruppenweise so zusammengestellt wie sie später in den neu anzulegenden Gräbern bestattet werden sollen.

Ich habe diesen Friedhof bereits besucht und weiß, dass der Name meines Großvaters auf einem der Grabsteine an unterster Stelle zu lesen ist. Gorlice_Liste

Insgesamt sind im ‘Grab meines Opas’ mehr als 30 Soldaten bestattet.

Es scheint so, als habe man die ersten Namen dieser ‘Gruppenliste’ genommen und in den Stein gemeißelt. Mein Opa ist also gerade noch so auf den Stein ‘gerutscht’.

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Taufen der Altstädtischen Kirche Königsberg

Unter die digitalisierten Kirchenbücher von Glogau in Niederschlesien hat sich ein Taufbuch der Altstädtischen Kirche Königsberg verirrt. Zu finden sind darin die Taufen der Jahre 1824 bis 1831.

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Dorf, Gut und Waldhaus Schwadtken

Die Ortsbezeichnung Schwadtken kommt im ehemaligen Kreis Pr. Eylau mehrfach vor: es gibt sowohl ein Dorf namens Schwadtken, ein Waldhaus Schwadtken und ein Gut namens Schwadtken (bei Finken – zum Kirchspiel Gr. Peisten gehörig).

DorfSchwadtken

‘Das Dorf Schwadtken … war eine alte prußische Siedlung. Der kleine Ort lag im Kammeramt Pr.Eylau der Komturei Balga und im Kirchspiel Klein Dexen. … 1530 tauschte der Freie Peter Nitsch … Schwadtken mit dem Amtshauptmann Caspar von Lehndorff gegen 12 Hufen in Körnen ein. … Über die Familie von Lehndorff, deren Hauptgut damals Worienen war, kamen die 6 Hufen von Schwadtken für rund 200 Jahre zur Begüterung Worienen.’ (Horst Schulz, die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau, Seite 321).

GutSchwadtken

So kommt es, dass einige Familien oder einzelne Personen, die ursprünglich aus dem Kirchspiel Eichhorn stammen (zu dem auch Worienen gehört), zeitweise in den Kirchenbüchern des Kirchspiels Klein Dexen zu finden sind und dass in den Taufeinträgen immer wieder Paten aus dem Kirchspiel Eichhorn auftauchen.

Auch ein Mitglied meiner Familie verschlägt es ins Kirchspiel Klein Dexen: Albrecht Gegner, ein Bruder meines Urgroßvaters 6. Grades, wird 1686 in Polassen geboren. Polassen gehört ebenfalls zur Begüterung Worienen, zum Kirchspiel Eichhorn. Im Jahre 1708 wird Albrecht Gegner im Kirchenbuch von Kl. Dexen als Pate eines Sohnes von Georg Eichwaldt mit dem Namen ‘Albrecht Jägener‘ eingetragen. Der Name GEGNER ist zu dieser Zeit im Kirchspiel Klein Dexen völlig unbekannt – und vielleicht hat sich Albrecht beim Pastor in Klein Dexen auf  echt ostpreußische Art mit ‘J’ vorgestellt….? :-)

Dexen_1708

Albrecht Gegner wird später Arendator bzw. Waldwart in Schwadtken und verstirbt dort im März des Jahres 1747.

Die im Taufeintrag genannten Familien EichwaldtBogdahn und Dyker(t) haben ebenso verwandtschaftliche Beziehungen ins Kirchspiel Eichhorn.

Im Übrigen gehört auch das dem Kirchspiel Klein Dexen zugehörige Dorf Saagen (früher Sagen) mehr als 250 Jahre lang zur Begüterung Worienen. Bei der Suche nach Vorfahren aus dem Kirchspiel Eichhorn lohnt sich also immer auch ein Blick in die Kirchenbücher von Klein Dexen!

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Familientreffen :-)

Im vergangenen April habe ich in einem Artikel vom abenteuerlichen Leben des aus Varel stammenden Friedrich Gerhard Padeken erzählt, der sich unter falschem Namen auf ein Auswandererschiff schmuggelte, als Geschäftsmann auf Hawaii lebte, wegen eines Viehdiebstahls angeklagt wurde, flüchtete, zwei Familien gründete und vermutlich bei einem Indianer-Überfall ums Leben kam.

Es gab eine ganze Reihe von Reaktionen auf diesen Artikel  – das sieht man auch anhand der Kommentare unter dem Text.

Ich selbst habe nur einen kleinen Beitrag geleistet – Michael Párigas langjährige Forschungsergebnisse zusammengefasst, übersetzt, im Staatsarchiv Oldenburg recherchiert und ein wenig in alten Zeitungen gestöbert. (@Lori: It wasn’t ME who found all the information!).

Friedrich Gerhard Padekens Nachkommen leben heute in verschiedenen Regionen der USA und auf Hawaii. Ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, dass sich einige von ihnen durch diesen Artikel wiedergefunden bzw. überhaupt erst kennengelernt und auf diese Weise vom Lebenslauf ihres Vorfahren erfahren haben.

Und auch neue Fotos sind aufgetaucht – hier Federico Portillo Páriga, der 1931 geborene Enkel des Vareler Auswanderers mit seiner mexikanischen Ehefrau. Ihm ist kaum anzusehen, dass sein Großvater etwa 100 Jahre zuvor in Norddeutschland zur Welt kam!

Federico Portillo Páriga und seine mexikanische Ehefrau

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Special-Atlas vom Regierungsbezirk Königsberg

Ich mag alte Landkarten. Beim Stöbern im Internet entdeckte ich diesen (von der Universität Toruń) digitalisierten

Special-Atlas vom Regierungsbezirk Königsberg

Er wurde lithographiert von den Gebrüdern Schamberg in Königsberg und 1848 herausgegeben.

Schamberg_Königsberg

Der Altlas enthält 19 Karten der Landkreise Königsberg, Allenstein, Braunsberg, Fischhausen, Friedland, Gerdauen, Heiligenbeil, Heilsberg, Labiau, Memel, Mohrungen, Neidenburg, Ortelsburg, Pr. Eylau, Pr. Holland, Rastenburg, Rössel und Wehlau.

Eylau_Karte

Mich interessieren vor allem die Karten der Landkreise Pr. Eylau und Heiligenbeil, denn vor allem dort haben meine ostpreußischen Vorfahren gewohnt.

Im folgenden Ausschnitt sind viele der kleinen Orte rund um Landsberg, Pr. Eylau, verzeichnet, in denen sie lebten – u.a. Polassen (damals Palassen) – Hoofe (damals Hoff) – Peisten (damals Pehsten) – Eichhorn und Worienen.

Man kann deutlich erkennen, wie dicht bewaldet die gesamte Gegend damals war. Wie lange mag es wohl gedauert haben, eine solche Karte zu zeichnen …?

Eylau_Karte_3

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Zur Genealogie der Familie Seebeck in Libau und Charkow

Nach erneutem Lesen des Büchleins von Hedda Seebeck über die Spuren ihrer Familie, habe ich versucht, diese ein wenig genauer zu verfolgen …. Hier ein kurzer Einblick in diese  interessante Familiengeschichte – bis hin zur Geburt von Hedda Seebeck selbst.

Johann Seebeck wird am 5. Oktober 1797 in (Bremen-) Aumund geboren und wächst nach dem Tod seiner Eltern mit seinen beiden Schwestern in Vegesack bei den Großeltern auf. Wie fast alle Jungen aus der Umgebung fährt auch er schon früh als Matrose zur See. ‘Mit rissigen Kleidern hatte ich Vegesack verlassen,mit guten Kleidern kam ich im Herbst 1815 zurück und ging gleich mit der Bremer Brigg ‘Telemach’ nach St. Thomas in Westindien’ notiert er in seinem Tagebuch. Johann Seebeck wird Kapitän. Von 1812 bis 1848 unternimmt er insgesamt 184 große Fahrten – 151 davon als Kapitän.

Nach seiner Eheschließung mit Katharina Elisabeth Schümann, die am 19.9.1826 in Lübeck stattfindet, zieht das Ehepaar nach Libau. Seit 1795 ist Libau (nach Mitau zweitgrößte Stadt Kurlands) Teil des russischen Reiches und (nach Petersburg und Riga) der drittgrößte russische Ostseehafen. Johann Seebeck kauft in Libau ein Haus für seine Familie und gründet eine Tabakfabrik.

Seebeck_1833

Im Taufeintrag des Sohnes Friedrich Gottfried im Kirchenbuch von Libau ist 1833 vermerkt, dass Johann Seebeck sowohl ‘Schiffs-Capitän‘als auch ‘Besitzer der hiesigen Tabacks-Fabrik’ ist. Auch nach Gründung der Fabrik fährt Johann Seebeck weiterhin als Kapitän zur See.

Am 22. August des Jahre 1845 verstirbt Johanns Ehefrau an der Ruhr – sie wird nur 43 Jahre alt.

Am 8. Mai 1848 heiratet Johann Seebeck in Libau Karoline Katharina Irmisch, die Pflegetochter des Kantors Christian Friedrich Irmisch zu Doblin.

Seebeck_Heiratseintrag_1848

Johann Seebecks Kinder aus erster Ehe sind:

  1. Maria Johanna Seebeck * 1828 in Lübeck- +23.5.1834 in Libau
  2. Johann Seebeck *5.12.1830 in Libau. Er wird Kapitän und Reeder und heiratet 1859 Laura Elisabeth de Boer, eine Tochter des Lotsen-Kommandeurs Christian Martin de Boer und dessen Ehefrau Sophia Charlotte Graff. Christian Martin de Boer stammt von der Insel Ameland und verstirbt am 16.4.1849 in Libau.
  3. Catharina Dorothea Elisabeth Seebeck *31.12.1831 in Libau wird 1850 die Ehefrau des aus Lübeck stammenden Schiffskapitän Johann Friedrich Gottlieb Brose, eines Sohnes des Gerbers Johann Heinrich Brose.
  4. Friedrich Gottfried Seebeck, * am 13.7.1833 – er stirbt am 21.6.1834
  5. Catharina Seebeck, geb. in Libau am 4.8.1834
  6. Helene Elisabeth Seebeck kommt am 20. Februar 1836 in Libau zur Welt und heiratet dort am 10.6.1854 den dortigen Druckereibesitzer Gottlieb D. Meyer.
  7. Johann Henrich Seebeck, geb am 25.4.1840 und
  8. Karl Friedrich Seebeck, geb. am 9.9.1842

Seinen am 23.3.1849 geborenen Sohn Johannes Alexander Jakob Seebeck aus zweiter Ehe lernt der Vater nicht mehr kennen. Johann Seebeck verstirbt am 6. Januar 1849 am Schlagfluss – zwei Monate vor der Geburt von Alexander.

Seebeck_Sterbeeintrag_Libau

Alexander Seebeck wird Agronom, heiratet am 19. September 1873 in Libau Anna Christine Jensen aus Kopenhagen, eine Tochter des dänischen Kapitäns Otto Georg Jensen und dessen Ehefrau Christine Gertrude Nieckels. Alexander und Anna sind die Großeltern von Hedda Seebeck, der Verfasserin der o.g. Chronik. ‘Das Ehepaar zieht ins Innere Rußlands, wo Alexander im Gouvernement Charkow das Gut Spilowka pachtet. Hier kommen die Kinder Karl Seebeck (11.4.1875 ), mein Vater, und Alexandra (Sascha) zur Welt’ berichtet Hedda Seebeck.

Nach der Geburt des zweiten Kindes zieht die Familie zurück nach Libau, wo 1877 und 1879 zwei weitere Töchter geboren werden: Laura Katharina Elisabeth Seebeck und Rita Seebeck

Libau_1878

Im Jahre 1879 verliert Alexander Seebeck bei der Arbeit mit einer Dreschmaschine tragischerweise zwei seiner Finger. Aufgrund fehlender ärztlicher Behandlung und anschließendem Wundfieber stirbt er mit nur 30 Jahren und wird auf dem deutschen Friedhof in Sumy bestattet. Anni Seebeck wohnt fortan mit ihren Kindern im Haus ihres Vaters in der Königstraße in Libau und sorgt für den Unterhalt der Familie. Rita, die jüngste Tochter, wird von ihrem Onkel Johannes aufgenommen und zieht mit ihm nach Baku. (Rita Seebeck studiert später in Dresden und wird Malerin).

Sascha Seebeck heiratet den Pastoren Carolus Tempel, einen Freund ihres Bruders und lebt fortan in Balgallen. Karl Seebeck selbst übernimmt in Libau die Druckerei des angeheirateten Onkels Gottlieb D. Meyer und ist nach dessen Tod Verlagsdirektor und Geschäftsführer der Libauschen Zeitung. Außerdem ist er Stadtverordneter sowie Mitbegründer des deutschen Gymnasiums, des Theaters und der Philharmonie in Libau.

1907 werden Karl Seebeck und die Lehrerin Auguste Henriette Lina Zametat (Schametat) – genannt ‘Elli’ – in Balgallen von Schwager Carolus Tempel getraut. Karls Ehefrau ist eine Tochter des Kellners Michael Zametat, der ursprünglich aus Woidehnen im Ksp. Ragnit stammt. Die Mutter Gottlieb (Libbe) Kupffermann ist aus Wormen gebürtig (Vater: Saback Jannis Kupffermann, 1880 Knecht in Wormen. Michael Zametat und seine Ehefrau haben sich am 7.9.1880 in Libau vermählt – am 10.1.1884 wird dort als erstes Kind Auguste Henriette Lina geboren. Ihre Schwester Eugenie (Jenny) Zametat heiratet später Paul Skalon, den damaligen Kommandanten der Kadettenanstalt in Woronesch).

Balgallen_1907

Die Hochzeitsreise von Karl und Elli Seebeck geht nach Moskau und auf die Krim und anschließend kommen in Libau (von 1907 bis 1921) vier weitere ‘Seebecks’ zur Welt:

  • 1907 Harald Seebeck
  • 1908 Hilde Seebeck
  • 1914 Ellen Seebeck
  • 1919 Werner Seebeck (+ im Alter von 9 Monaten) und
  • 1921 Hedda Seebeck (die Verfasserin der Chronik)

Spannend finde ich auch, dass Familie Seebeck – nach ihrem Umzug von Libau in eine von Karl Seebeck erbaute Villa nach Grobin – befreundet war mit der Familie von Zenta Maurina, deren Bücher ich so gern gelesen habe.

(Die obigen Einträge stammen aus den vom Litauischen Staatsarchiv digitalisierten Libauer Kirchenbüchern).

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Beta Seebeck – eine Freiheitskämpferin aus Aumund

Das Spannende an genealogischen Forschungen ist auch, dass man immer wieder mit unterschiedlichen Epochen und anderen historischen Zusammenhängen konfrontiert wird und dass ein ‘Eintauchen’ in die Vergangenheit dazu führen kann, die Lebensumstände der eigenen Vorfahren besser begreifen zu können.

Beim Sortieren meiner Bücher fiel mir gestern der kleine Band ‘Spuren einer Familie’ (Chronik einer baltendeutschen Familie) von Hedda Seebeck in die Hände. Ich hatte diese Chronik bereits mehrmals gelesen.

Hedda Seebeck beschreibt darin vor allem den Lebensweg ihres Urgroßvaters Johann Seebeck, der als Kapitän und Reeder nach Libau auswandert und damit ‘das Verbleiben der Familie Seebeck im Baltikum über 110 Jahre’ begründet.

Sie erzählt aber auch von Beta Seebeck, der Schwester ihres Urgroßvaters, die am 16. Februar 1796 in (Bremen-) Aumund geboren wurde und als junges Mädchen ganz bewusst einen ungewöhnlichen Lebensweg einschlägt.

Wir befinden uns im Jahre 1813. Das ‘alte deutsche Reich’ existiert nicht mehr – alle preußischen Gebiete westlich der Elbe befinden sich seit vielen Jahren unter der Herrschaft Napoleons – die Bevölkerung leidet unter zu hohen Abgaben und unter der Willkür der Regierung. Friedrich Wilhelm III. sendet einen Appell an sein Volk und ruft zum Freiheitskrieg auf:

An_mein_Volk_1813.. ihnen unsere Vorfahren blutig erkämpften, Gewissensfreiheit, Ehre, Unabhängigkeit, Handel, Kunstfleiß und Wissenschaft. Gedenkt des großen Beispiels unserer mächtigen Verbündeten, der Russen, gedenkt der Spanier, der Portugiesen. Selbst kleinere Völker sind für gleiche Güter gegen mächtigere Feinde in den Kampf gezogen und haben den Sieg errungen, erinnert Euch an die heldenmütigen Schweizer und Niederländer. …

Beta Seebeck ist mittlerweile 17 Jahre alt. Ihr Bruder Johann schreibt in seinem Tagebuch: ‘Meine ältere Schwester Beta war ein schönes, blondes, langgewachsenes Mädchen von außerordentlichen Geistesgaben. Alles Lernen war ihr Spielwerk. Im Französischen, Schwimmen, Reiten, Schlittschuhlaufen suchte sie ihren Meister. Ihr gegenüber waren wir nichts. Ja, oftmals schlug sie in unserem und der guten Großmutter Beisein auf den Tisch und wünschte sich, ein Knabe zu sein’. (Anmerkung: die Eltern sind früh verstorben – die Kinder werden von den Großeltern in Vegesack aufgezogen).

Heimlich verlässt Beta im Jahre 1813 ihre Familie und tritt in den Dienst der Lützhowschen Husaren. ‘Ihr Geist und ihr Temperament verleiteten sie’  kommentiert Bruder Johann ihre Entscheidung und berichtet weiter:

Luetzows_verwegene_jagd_aquarellreproduktion_1900

Lützower Kavallerie im Gefecht (Im Vordergrund zwei Husaren, dahinter Jäger zu Pferde) – Wikipedia

‘Als es Friede geworden und alle Regimenter nach Hause marschierten, um entlassen zu werden, wurde sie auf dem Durchmarsch durch Bremen in ihrem Quartier von einer früherer Schulkollegin, die dort zufällig Dienst tat, erkannt. Diese hatte anfangs geglaubt, in dem schönen Husaren-Quartiermeister Beta Seebecks Geist zu sehen. Dann jedoch holte sie unseren Onkel, der in Bremen lebte, zum Selbstsehen.

Beta, durch ihre Feder und Kenntnisse der französischen Sprache in Frankreich zum Quartiermeister avanciert, wollte gerade ausgehen, um sich vom Maire (=Bürgermeister) ein anderes Quartierbillet geben zu lassen, als unser Onkel ins Zimmer trat. Sie gab sich ihm zu erkennen und desertierte in voller Uniform zum Onkel. Nie ist es im Bataillon bekannt geworden, daß ihr junger Quartiermeister ein Mädchen war’. (Hedda Seebeck, Spuren einer Familie, Seite 9)

Am 29. Dezember 1815 heiratet Beta in Lesum den Schiffszimmermeister Martin Raschen und bekommt mit ihm zwei Kinder. Bei der Geburt des zweiten Kindes stirbt Beta im Alter von nur 23 Jahren. Martin Raschen heiratet in zweiter Ehe ihre jüngere Schwester Adelheid Seebeck.

(Zu Betas Ehemann Martin Raschen besteht eine verwandtschaftliche Beziehung – seine 1734 in Lesumbrok geborene Großmutter Anne Bolland ist die Schwester meines Urgroßvaters 4. Grades Henrich Bolland.)

Einzelne Soldatinnen hat es immer mal wieder gegeben – auch beim Lützowsches Freikorps kämpften neben Beta Seebeck noch andere Frauen, zum Beispiel Eleonore Prochaska, die in der Seebeck-Chronik auch erwähnt wird. Hedda Seebeck schreibt: ‘Wirklich schade, daß wir über Betas Soldatenleben nichts weiter erfuhren. Wir haben aber das Glück, den Brief einer anderen Freiheitskämpferin zu besitzen. Es handelt sich um Leonore Prochaska, die unter dem Namen August Renz als Freiwilliger Jäger dem 1. Bataillon des Lützowschen Freicorps beitrat. Aus dem Biwak, einem Feldlager, schrieb sie im Jahre 1813 an ihren Bruder: “… Ich bin seit 4 Wochen schon Soldat. Mein Zeug habe ich verkauft, dann kaufte ich mir eine Büchse für 8 Taler, Hirschfänger und Tschako zusammen für 3 Taler. Nun ging ich unter die schwarzen Jäger. Meiner Klugheit kannst du zutrauen, daß ich unerkannt bleibe. Ich habe aus Vorsicht meinen Namen geändert. Wir exerzieren, tiraillieren und schießen recht fleißig, woran ich sehr viel Vergnügen finde, ich treffe auf 150 Schritt die Scheibe …'”

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Dank an den Standesbeamten von Borken, Pr. Eylau

Manchmal muss man sich bei seinen genealogischen Recherchen damit abfinden, dass – aufgrund fehlender Quellen – die genauen Lebensdaten einiger Vorfahren nicht mehr ermittelt und einige Stationen ihres Lebens nicht mehr detailliert nachvollzogen werden können. Aber manchmal gibt es ganz unerwartet doch neue Erkenntnisse. So auch in diesem Fall:

Meine Ur-Ur-Ur-Großmutter Friederica Henrietta Schmidt wird 1806 in Worienen, Pr. Eylau, geboren, heiratet 1826 in Eichhorn den Müllermeister und späteren Mühlenbesitzer Carl Sigismund Ankermann und bekommt insgesamt 7 Kinder, die in unterschiedlichen Orten zur Welt kommen: in Worienen, Gr. Peisten und in Konnegen. Ab etwa 1832 ist Carl Ankermann Eigentümer der dortigen Mühle.

Konnegen gehört zum Kreis Heilsberg. Die Kirchenbücher der evangelischen Kirche von Heilsberg sind teilweise nicht mehr vorhanden, deshalb war es mir bislang nur möglich, die Sterbedaten dieses Ehepaars anhand der Heiratseinträge ihrer Kinder grob zu schätzen.

Bei der Eheschließung der ältesten Tochter – meiner Ur-Ur-Großmutter Johanna Louise Tugendreich Ankermann – 1850 in der evangelischen Kirche zu Heilsberg – ist angegeben, dass ihr Vater verstorben sei. Als 1866 ihr Bruder Rudolph Ankermann in Heilsberg heiratet, vermerkt der Pastor den Tod beider Eltern.

Ich wusste also, dass Carl Ankermann vor 1850 und seine Ehefrau Friederica Ankermann, geb. Schmidt, in der Zeit von 1850 bis 1866 verstorben sein mussten.

Die zweite Tochter (und vier Jahre ältere Schwester meiner Ur-Ur-Großmutter) Auguste Wilhelmina Friederica Ankermann heiratet insgesamt dreimal:

  1. 1855 in Heilsberg den Mühlenbesitzer Rudolph Westphal (einen Bruder meines Ur-Ur-Großvaters Carl Westphal). Er stirbt 1876 in Spittehnen.
  2. 1878 in Borken den Mühlenwerkführer Carl Becker, der aus  Gr. Schellenberg im Kreis Gerdauen, stammt, die Mühle in Spittehnen übernimmt, aber bereits 1879 verstirbt.
  3. 1880 in Borken den Mühlenbauer August Alexander Marquardt aus Pelklack im Kreis Friedland.

Bei der Nennung der Braut entdeckte ich in der Heiratsurkunde der Standesamts-Unterlagen von Borken diesen Hinweis: Auguste Wilhelmina Friederica Ankermann, Tochter des zu Konnegen verstorbenen Mühlenbesitzers Carl Ankermann und dessen ebenfalls verstorbenen Ehefrau Friederika geb. Schmidt, die sich nachmals später mit Anton Pohlmann, wohnhaft zu Freudenberg, Kreis Heilsberg, verehelicht hatte’.

KB_BORKEN_Ankermann

Dank an den Standesbeamten! Ohne ihn hätte ich wohl niemals erfahren, dass meine Ur-Ur-Ur-Großmutter Friederica Henrietta Schmidt nach dem Tod ihres Ehemanns noch einmal geheiratet hat.

Der von dem Standesbeamten genannte Ort Freudenberg liegt zwar nicht weit von Heilsberg entfernt, scheint aber zum Kreis Rössel und zum Kirchspiel Bischofstein zu gehören. Nun würde ich gern noch herausfinden, wer dieser Anton Pohlmann aus Freudenberg war ….

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Highgate Cemetry London – Nicolaus Trübner

Vorgestern bin ich aus London zurück gekommen. Der Aufenthalt war – wie immer – spannend und viele Eindrücke kann ich erst im Nachhinein verarbeiten. Ich war schon oft in London, aber die Stadt verändert sich zusehends und jedes Mal entdecke ich Neues.

Genealogische Forschungen waren eigentlich nicht vorgesehen, aber bei einem Besuch des Highgate Cemetry entdeckte ich – auf dem Weg zum Grab von Karl Marx – das Grabmal des deutschen Buchhändlers und Verlegers Nicolaus Trübner, der 1817 in Heidelberg geboren wurde und 1884 in London verstarb.

Trübner_Highgate (2)

Im Internet ist keine Abbildung seiner Grabstätte zu finden – vielleicht freut sich jemand über ein Photo …

Trübner_Highgate

Highgate Cemetry London – Grab von Nicolaus Trübner

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Verordnete Trauer

Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts werden in Preußen unzählige Verordnungen erlassen – sämtliche Bereiche des Lebens und Zusammenlebens werden bis ins Kleinste reglementiert – auch trauern darf man nur nach Vorschrift.

Nachdem es mit einer Trauer-Verordnung des Königs aus dem Jahr 1720 nicht so recht geklappt und der König ‘mißfällig‘ vernommen hat, dass dieser Verordnung ‘nicht überall gehörig nachgelebet worden,’ erlässt König Friedrich Wilhelm in Preußen 1734 ein ‘erneuertes Edikt’, in welchem er kund tut, ‘wie es in denen königlichen Landen mit der Trauer gehalten werden soll’. In dieser Verordnung wird genau festgelegt, auf welche Weise die ‘Königlich Preußischen Unterthanen’ zu trauern haben:

  • Die Zeit der Trauer beginnt am Tag, an dem der Verstorbene ‘das Zeitliche verlassen hat’.
  • Bei gekrönten Häuptern, Prinzen oder Prinzessinen des Königlich Preußischen Hauses wird jeweils eine gesonderte Verordnung erteilt
  • Verstirbt ein Kind, das älter ist als 12 Jahre, sollen die Eltern 3 Monate lang trauern – bei Kindern unter 12 Jahren gar nicht! (Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit zu dieser Zeit – sehr viele Kinder sterben bereits im Kleinkindalter – würde so manches Elternpaar ansonsten vermutlich ununterbrochen trauern)
  • Beim Tod der Eltern, Groß- und Urgroßeltern wird den Kindern 6 Monate Trauer verordnet – Stiefeltern werden dagegen nur 30 Tage betrauert
  • Eine Witwe soll ihren Ehemann 1 Jahr lange betrauern – nicht länger! ‘Der Ehemann aber soll die Trauer über seine mit Tode abgegangene Ehegenoßin nach Verfließung von 6 Monaten wieder ablegen’.
  • Schwiegereltern sollen nicht länger als ein halbes Jahr betrauert werden.
  • ‘Wer von jemand zum Universal-Erben oder Legatario eingesetzet ist, hat die Freyheit, die Trauer über desselben Tod bis zu Ende des sechsten Monats zu continuiren’.
  • Versterben Bruder, Schwester, Schwager oder Schwägerin, so reichen drei Monate.
  • Auch bei allen übrigen Verwandten und Angehörigen reichen drei Monate Trauer.
  • Niemand darf bei einem Todesfall ‘seine Carossen drapiren, oder seine Pferde und Zimmer mit schwarz behängen’ - wer dem zuwider handelt, wird bestraft.

‘Damit nun obiges alles stest und genau abserviret werde’, werden die preußischen Beamten aufgefordert, über die Einhaltung des Edikts zu wachen – bei Verstößen werden Geldstrafen angedroht.

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