Über die Papiermühle in Finken, Pr. Eylau

Schon der Orden brauchte Papier“ überschreibt Dr. Hansheinrich Trunz seinen Artikel über alte Papiermühlen in Ostpreußen, (in: Das Ostpreußenblatt, 1968, Nr. 19, S. 11) und berichtet: „Die Lieferungen erfolgten, wie wir aus den Ordensakten und Abrechnungen ersehen können, aus Nürnberg, Augsburg, Lübeck oder Antwerpen. auch aus Italien war solches dabei.“

Die Herstellung von Papier „erfolgte wie zum Teil heute noch, aus Alttextilien, d.h. aus Baumwolle, Leinen und Hanf, deren Fasern in Mörsern zerkleinert wurden. Als später eine so primitive Aufbereitung des Rohmaterials nicht mehr ausreichte, übernahmen mit Wasserkraft angetriebene Stampfen diese Arbeit. In Deutschland erstand die erste derartige Papiermühle 1290 in Ravensburg.“ (Quelle: s. o.)

aus dem Buch ‚Neue Bilder Galerie für junge Söhne und Töchter zur angenehmen und nützlichen Selbstbeschäftigumg aus dem Reiche der Natur, Kunst, Sitten und des gemeinen Lebens“ Berlin 1798

Wann genau im Ostseeraum mit der Herstellung von Papier begonnen und wann die erste Papiermühle errichtet wurde, ist nicht bekannt. Um 1470 wird ein Papiermüller in Danzig genannt und am 4. November 1523 erteilt der letzte Hochmeister des Ordens und spätere Herzog Albrecht eine Baugenehmigung für die erste Papiermühle in Königsberg.

Es folgt der Bau weiterer Mühlen unweit von Königsberg: Kreuzburg 1569 – Ober-Ecker 1632 – Trutenau 1666 – Finken 1680 – Unter-Ecker 1682 – Carben 1689 – Ludwigsort 1693 – Grünwehr 1698 …. insgesamt werden in Ostpreußen mindestens 21 Papiermühlen angelegt.

Das Ostpreußenblatt, 1968, Nr. 19, S. 11

Die Papiermühle in Finken (heute Zięby) im Kirchspiel Buchholz – nicht weit entfernt von Landsberg – gehört zu den ersten ihrer Art in Ostpreußen. Sie verdankt ihre Entstehung der Unternehmungslust der Familie von Kreytzen. ‚Das Privileg zu dieser Papiermühle soll vom 16. März 1680 stammen. In diesem Jahr schloss der Churfürstlich Brandenburg Preußische Ober-Appellations-Gerichtsrat und Erbherr auf Peisten Hans von Kreytzen einen Kontrakt mit dem Papiermachergesellen Nicolaus Krüger aus der Ecker wegen Errichtung einer Papiermühle in Finken.‚ (Quelle: Hans Kohtz, Ostpreußische Papierfabrikation; 1934)

KB Buchholz

Der Papiermacher darf im Mühlenteich für seinen Bedarf fischen, Bier brauen und nach Anweisung des Waldwärters aus den Wäldern Brennholz holen.

Das Ostpreußenblatt, 1968, Nr. 19, S. 11
Im Jahre 1703 wird auf dem „Drei-Finken-Papier“ in Königsberg die Flora Prussica von Johann Loesel gedruckt.

Nach Nicolaus Krüger übernimmt 1720 der Papiermacher Johann Wilhelm Steinmetz die Mühle Finken. Hochverschuldet muss er sie im Jahre 1749 jedoch aufgeben und der Erbherr auf Peisten – nunmehr Christian Gottfried von Kreytzen – vererbpachtet die Mühle an den Papiermacher Emanuel Austigall, einen Schwiegersohn von Steinmetz, der bis dahin in Ludwigsort den Betrieb geführt hatte.

„In einem Vertrag vom 18.3.1749 übernahm Austigal den Betrieb mit allem Zubehör und 2 Hufen Land gegen eine jährliche Pacht von 500 Gulden. Er hatte alle Gebäude nebst Wehr selbst zu unterhalten, bekam aber Bauholz geliefert sowie bei Bedarf Arbeitskräfte gestellt. Für den Papiertransport nach Königsberg sorgte von Kreytzen gegen jährlich 5 Ries 3-Finken-Schreibpapier und 2 Ries feinstes Papier. Bekannt und beliebt war das 3-Finken-Schreibpapier, das als Wasserzeichen einen stilisierten Baum mit drei Vögeln und den Buchstaben NK (= Nicolaus Krüger) führte. Dieses Papier kostete 1756 je Ries (= 144 Bogen) 1 Taler 8 Groschen, war also damals relativ teuer.“ (Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; S. 387)

Adressbuch 1820

Die in Finken tätigen Papiermachergesellen kommen teilweise aus weit entlegenen Gegenden und so tauchen im Kirchenbuch von Buchholz immer mal wieder neue Namen auf:

Kirchenbuch Buchholz 1694
  • 1693: Johann Christoph EnterleinChristian R(h)ein
  • 1694: Peter KohnckeFriedrich RatckeJoachim Ladebach
  • 1696: Michael MindeSamuel Ernst Hendemann
  • 1701: Ludwig ZieserJohann Gerge Axmann (Pate bei der Taufe seines Sohnes Nicolaus Gottfried ist u.a. Christian Gottlieb Brüderlein, Papiermüller zu Wusen)
  • 1779 Heinrich Seewald Johann Fröhlich
  • 1780 George Adam Benckendorff

Sowohl die Papiermacher selbst als auch ihre Gesellen scheinen innerhalb des Kirchspiels ein hohes Ansehen zu genießen. Wann immer sie – und zwar relativ häufig – unter den Taufpaten der Kinder von Dorfbewohnern genannt werden, werden sie als „Herren“ bezeichnet.

um 1760 – Monogramm von Johann Friedrich Austigall, Sohn von Emanual Austigall

Bis ins 19. Jahrhundert wird die Papiermühle von Familie Austigall bewirtschaftet – dann übernimmt sie Johann Gottfried Gelinsky – seit 1814 verheiratet mit Johanna Charlotta Decker aus Oberecker – einer Tochter des dortigen Papierfabrikanten Johann Christian Decker und seiner Ehefrau Maria Carolina Günther. Je nach Konjunktur wird die Mühle auch als Mahl- bzw. Ölmühle verwendet.

Quelle: Großes Adressbuch der Kaufleute, Fabricanten und handelden Gewerbsleute; Nürnberg 1843

Johann Gottfried Gelinsky muss um 1843 verstorben sein, denn in diesem Jahr erscheint im Königsberger Amtsblatt folgendes Inserat seiner Witwe:

Meine unweit der Stadt Landsberg im landräthl(ichen) Kreise Preuß(isch) Eylau belegene Papierfabrik Finken bin ich Willens aus freier Hand an den Meistbietenden zu verkaufen, und setzte hiezu einen Termin auf den 8ten August, Morgens 9 Uhr, hieselbst an. Zur Papierfabrik gehören außer den hinlänglichen Wohn- und Wirthschaftsgebäuden noch eine Wassermahlmühle und 2 Kulmische Hufen gutes Land; auch wird das sämmtliche erforderliche Bau-, Nutz- und Brennholz gegen einen mäßigen Kanon aus den Gr. Peistenschen Gütern verabreicht. Papierfabrik FinkenDie Besitzerin Wittwe C. Gelinsky

Nach Einführung der Dampfkraft können alte Industriebetriebe wie die Papiermühle in Finken nicht mehr rentabel arbeiten und der Betrieb wird eingestellt.


Auch in diesen Beiträgen geht es um Finken:

Finken, Pr. Eylau

Inventarium bey dem Finckschen Kruge – um 1742


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Eine Stadt entsteht …

Friedland in Ostpreußen, etwa 50 km süd-östlich von Königsberg – heute Prawdinsk – wurde im Jahre 1312 durch den Deutschen Orden gegründet.

Auf den folgenden Plänen sieht man die Entwicklung der Stadt im Verlaufe der ersten drei Jahrhunderte – von 1330 bis 1630. Zunächst errichtete man die Kirche, rund um einen quadratischen Marktplatz wurden eine Reihe von Häusern gebaut und alles wurde mit einer Stadtmauer umgeben. Mehr und mehr Gebäude kamen hinzu und als der Platz innerhalb der Stadtmauer nicht mehr genügte, begann man mit der Bebauung außerhalb der Mauer. Viele andere Städte wurden auf dieselbe Weise angelegt.

Friedland im Jahr 1942 – der Ursprung ist noch gut zu erkennen.

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Das Gut Neukrug, Pr. Eylau – Nowa Karczma

Das später selbständige Gut Neukrug ist im 18. Jahrhundert als südlichster Außenposten der Begüterung Worienen, 6 km entfernt, als Krug und kleines Vorwerk gegründet worden. Daher auch der Name‘. (Horst Schulz, Die Städte und Gemeiden des Kreises Pr. Eylau; Seite 447).

Das ehemailige Gutshaus von Neukrug

Unter dem Namen ‚der Neue Krug von Worglitten‚ existiert der Krug als adliges Vorwerk von Worienen mit 1 Feuerstelle bereits im Jahre 1780.

Mein Vorfahre Christoph Gnoss (*1743 in Glomsienen) wird als erster Krüger und Hofmann dieses Kruges genannt. Von 1780 bis 1791 werden hier 7 seiner Kinder geboren – u.a. Regina Elisabeth Gnoss, die 1804 in der Eichhorner Kirche meinen Ur-Ur-Ur-Großvater Enst Wilhelm Gegner heiratet. Im Kirchenbuch von Eichhorn ist außerdem vermerkt, dass die Ehefrau eines ‚Amtmannes Hassenstein aus dem Neuen Kruge‚ am 10.3.1784 dort einen Sohn namens Otto Ludwich Hassenstein zur Welt bringt.

Zu Domhardts Zeiten wird die zum Gut gehörige Brauerei im „Herrschafftlichen Brauhaus“ in Worienen betrieben, „ganz von selbst gewonnener Geerste, auch wenn der Hopfen gut geräth vom eigenen Hopfen. Von 20 Scheffel Maltz werden 10 Tonnen Bier gebrauet…. Der Debit (Ausschank) in den Güthern ist in den Krügen Palassen (=Polassen), Eichhorn und Neukrug und in den Schänkhäusern zu Worienen, Eichhorn, Schönwiese und Sa(a)gen, und zu Ausrichtungen auch etwas außerhalb den Güthern.“ (Quelle: Staatsarchiv Olsztyn, Best 383/55, Grundakten der im Haupt Amte Preusch Eylau gelegenen Worienenschen Ritter-Güter)

Um einen möglichst hohen Umsatz zu erzielen, wird bei der Anlage von Krügen vor allem auf eine verkehrsgünstige Lage geachtet.

Ludwig von Domhardt gibt an, dass der Verkauf von 216 1/2 Tonnen Bier jährlich veranschlagt wird, dass aber im Durchschnitt nur 156 1/2 Tonnen ausgeschenkt werden. Er fügt hinzu: „Indeßen kann solcher, da durch die Dörfer Eichhorn und Polassen die Straße von den Ermländischen Städten Allenstein, Guthstadt und Heilsberg nach Königsberg führt und über Neukrug die Straße von Bartenstein nach Landsberg gehet, wenn immer gleich gutes Getränck fabriciret wird, jährlich bis auf 300 Tonnen gebracht werden. (Quelle: Staatsarchiv Olsztyn, Best 383/55, Grundakten der im Haupt Amte Preusch Eylau gelegenen Worienenschen Ritter-Güter)

Um den Krug herum entstehen nach und nach weitere Gebäude. ‚1820 zählte der ‚adlige Krug mit Vorwerk‘ von Worienen 2 Feuerstellen und 18 Einwohner‘. Nach Regulierung der bäuerlichen Verhältnisse wohnen hier 7 Instleute und insgesamt 49 Einwohner.

Von 1844-1866 ist Christian Gustav Gützlaff Besitzer der Begüterung Worienen – am 14. April 1856 verkauft er die Vorwerke Neukrug und Wilhelmshöh, „welches letztere auf den Ländereien von Neukrug erbaut ist“ zusammen mit dem Bauerngrundstück Nr. 6 in Stettinen für 100.000 Taler an seinen Schwiegersohn, den Kaufmann Andreas Walter Brockmann, der sich am 24. Juli 1852 in der Eichhorner Kirche mit Gützlaffs ältester Tochter Julie Wilhelmine Auguste Gützlaff vermählt hatte.

Nach Übernahme des Guts lebt Familie Brockmann in Neukrug, das nun ein selbständiges Gut wird – Wilhelmshöh wird Vorwerk von Neukrug. Von 1857 bis 1864 werden auf dem Gut 6 Kinder des Gutsbesitzers Brockmann geboren.

Gustav Gützlaff verkauft die Begüterung Worienen 1866 an den ‚Eisenbahnkönig‘ Bethel Henry Strousberg – Gützlaff und seine Ehefrau leben fortan in Danzig-Langfuhr. Sie kehren jedoch noch vor 1876 zurück auf das Gut Neukrug – zu Tochter, Schwiegersohn und den Enkelkindern, wo Auguste Friederike Charlotte Gützlaff, geb. Nauck, am 12. Oktober 1876 als „Rentierfrau“ verstirbt. Vier Jahre später – am 23. Dezember 1880 – verstirbt auch Christian Gustav Gützlaff in Neukrug.

1907 kauft Friedrich Karl Lobien das Gut – 1932 ist Gut Neukrug im Besitz von Charlotte Bachmann.

Heute heißt Neukrug Nowa Karczma. Dort befindet sich ein großer privater Bauernhof.

Google Street View
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Skandal in Borken, Pr. Eylau – um 1780

Bildarchiv Ostpreußen

Im Jahre 1784 übt Ludwig Leopold Laudien für einige Zeit das Amt des Organisten in der Kirche von Borken aus. Am 11. August wendet er sich mit einem Brief an den Vorsitzenden des Ospreußischen Konsitoriums in Königsberg. Er schreibt:

Quelle: GStA PK XX HA EM 14d

Hochwürdiger und Hochwohlgebohrer Herr, Sr. Königl(ichen) Majestaet von Preußen hochbetrauter wirklich Geheimter Etaats und Krieges Ministre Obermarschall und President Ew. Königl. Hochverordneter Ostpreuß. Consistorii, wie auch Johanniter Ritter!

Gnädiger und höchgebiethender Herr!

Ewr. Excellence werden es nicht in Ungnaden bemerken, wenn ich mich unterwinde, aus größter Noth gedrungen Höchstdieselben in Unterthänigkeit anzutreten. Da ich die hohe Gnade hatte, um die vacant gewesene Organist=Stelle in Borcken demüthigst zu bitten,so hörte ich aus Ewr. Excellence Selbst eigenem hohen Munde, die für mich anjetzo so tröstliche Worte/ was will er da, die Stelle ist schlecht, das Borcken hat mir gehöret, und ich kenne es. So nehme demnach in Rücksicht dergl. von Ewr. Excellence Selbst mir gnädigst gegebenen Versicherung des schlechten Organist=Dienstes allhir zu dero hohen Huld und Gnade meine unterthänigste Zuflucht, in zuversichtlicher Hofnung, daß ich in meinem nothdringensten Gesuch zu reüssiren mich getröste.

Es ist nach der Resolution des Creyß Justiz Raths Lindenblatt in Preuß. Eylau das Trinitatis Quartal c., welches 7 Fl. beträgt, der hiesigen Kirchen Casse zugefallen, so habe auch nicht das geringste, wovon ich mich und meine betagte und gebrechliche Mutter, fast den Sommer hindurch ernähren kann, bis kommenden Herbst, da ich annoch die Helfte nicht allein der allhier ungemein wenigen Calende, sondern auch sogar des sehr unbeträchtlichen Schulgeldes der hinterlaßenen Wittwe abzugeben, von besagtem Justice Rath beschieden worden bin, und so das ganze künftige Jahr hindurch von den halben Einkünften leben muß. Ewr. Excellence flehe demnach aufs demüthigste und allerbeweglichste an, auch mich als einen gantz armen Anfänger, da ich als ein Litteratus nur lediglich von den Kirchen und Schul=Einkünften leben muß, gnädigst zu reflectiren, und aus hoher Gnade und Erbarmen, mich nicht nur mit dem Trinitatis Quartal c., sondern auch, damit ich bey meinem sehr mühsamen, und sehr wenig einträglichen Amte nicht den Muth sinken laße, sondern vielmehrzu einer eifrigen Verwaltung deßelben eine kräftige Ermunterung bekomme, mit einer gnädigsten Zulage aus der hiesigen Kirchen=Casse allergnädigst zu erfreuen. Bey so bewandten der Wahrheit gemäßen Umständen lebe der gewißesten Hofnung, daß diese demuthsvolle Zeilen mit dem allererwünschten Erfolg gnädigst werden gecrönet werden.

Der ich in tiefster Submission ersterbe – Ewr. Excellence unterthänigster Knecht L. Laudien

Kirchdorf Borcken bey Bartenstein, d. 11. August 1784

3 Monate später – am 18. November 1784 – heiratet Ludwig Leopold Laudien in Borken Catharina Elisabeth Kosiorowsky aus Markienen.

Die ‚demuthsvollen Zeilen‘ Ludwig Leopold Laudiens bleiben ohne Erfolg – im Gegenteil: Er wird aus dem Amt entlassen! Im April des nachfolgenden Jahres ergeht folgendes Schreiben des Ostpreußischen Konsistoriums an den König, aus dem der Grund seiner Entlassung hervorgeht:

Königsberg, den 19. April 1785

Das Ostpr. Constorium berichtet wegen des von dem Organisten Laudien in Borcken gegebenen Scandals und der ihm solcherhalb ertheilten Dismission, auch in Ansehung eines Subjecti zu Wiederbesetzung dieser nunmehr vacanten Organisten=Stelle in der Bartensteinschen Inspection.

Ewr, Königl. Majestät müßen wir hiermit pflichtschuldigst referiren, wie wir den im vorigten Jahr angesetzten Organisten Laudien in Borcken, wegen der von ihm mit einigen seiner Schulmädchen respect. Von 7 und 12 Jahren begangenen schandbaren Handlungen, wodurch er sich zum Anstoß und Ärgernis der dortigen Gemeine und der Schuljugend dergestalt verächtlich und gehäßig gemacht hat, daß er nicht länger bey seinem Dienste gelaßen worden können, die dimission es officio ertheilet haben. Bey dieser Gelegenheit geben wir zugleich dem Ertzpriester Licht in Bartenstein auf, uns zur Wiederbesetzung dieser Borckenschen Organisten Stelle, ein anderweitiges tüchtiges Subjectum, welches das Orgelwerck tractiren kann, in Vorschlag zu bringen. Hierauf hat nun gedachter Ertzprister Licht den bisherigen Schulmeister Poerschke aus dem Dorfe Steinberkel (Steinbeckellen), welcher nach dem original Anschluß ein gutes Zeugnis von dem Steinbeckschen Pfarrer Hoffmann erhalten, auch nach dem Bericht des Ertzpriesters das kleine Orgelwerck in Borcken zu tractiren weis. Ew. Königlichen Majestät stellen wir es fortmehro in Unterthänigkeit anheim, ob Höchstdieselben den gethanen Vorschlag allerhöchst zu genehmigen und den erwehnte Poerschke, der im Dexenschen Schulmeister Seminario prosporiret seyn soll, zum Organisten in Borcken in hohen Gnaden zu bestellen, geruhen wollen. Wir ersterben in aller Ehrfurcht und Treue.

Nach seiner Entlassung wird Ludwig Leopold Laudien Hofgerichts Canzlei Assistent in Bromberg – dort werden 1788 und 1790 seine Kinder geboren – Tochter Amalia Friderica Susanna Laudien und Sohn Gustav Adolph Laudien.

Zur Familie: Ludwig Leopold Laudien wird im November 1754 in Königsberg geboren – sein Vater Gottlieb ist Kaufmann – seine Mutter Sophia Eleonora Seel ist die Tochter des Königlichen Geheimsekretärs Ernst Friedrich Seel, der 1701 in Klein Dexen als Sohn des dortigen Pfarrers Johann Eberhardt Seel geboren wurde.

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Über die Suche nach Gutsuntertanen

Viele meiner Vorfahren im Kreis Preußisch Eylau waren keine Bewohner vom Amtsdörfern, sondern Gutsuntertanen (darunter Krüger – Müller – Gartenierer – Förster und Arrendatoren) vorrangig der Begüterungen Worienen, Groß Peisten und Wildenhoff.

Bei der Suche nach Gutsuntertanen sollte man daran denken, dass zu den Begüterungen üblicherweise eine ganze Reihe von Vorwerken und Dörfern gehören, die sich entweder in der Nähe des Hauptguts befinden, aber auch sehr abgelegen sein können. Das bedeutet, dass Gutsuntertanen nicht unbedingt über Jahrzehnte an nur einem Ort leben, sondern von ihren Gutsherren mal hier und mal dort eingesetzt werden konnten, vielleicht auch für einige Zeit an befreundete oder verwandte Gutsleute in entfernteren Gegenden ‚ausgeliehen‚ wurden und irgendwann wieder zurückkehren. All das habe ich bei meiner Suche erlebt.

In meiner Chronik von Worienen habe ich dazu geschrieben:

Ein kleiner Exkurs für Familienforscher: Bei der Suche nach Vorfahren, die in Orten des Gutsbezirks Worienen im Kirchspiel Eichhorn wohnen, kann es sinnvoll sein, auch die Kirchenbücher von Klein Dexen durchzusehen. Gutsuntertanen werden je nach Bedarf dort hingeschickt, wo ihre Arbeitskraft benötigt wird und so kommt es vor, dass sie mit ihren Familien immer mal wieder in anderen – zur Begüterung gehörenden – Orten leben. Als Beispiel sei noch einmal der bereits erwähnte Johann Dieker genannt. Er ist Cämmerer in Worienen als er am 18. Februar 1697 in Eichhorn Maria Simson, die Tochter des damaligen Eichhorner Krügers Peter Simson, heiratet. Als Cämmerer untersteht er dem Woriener Burggrafen Johann Seel, der im Jahre 1698 das im Kirchspiel Kl. Dexen gelegene kleine Gut Grundfeld von seinem Bruder Reinhold übernimmt. Johann Dieker wird von Worienen auf das Gut Grundfeld beordert, um dort als Hofmann Dienst zu tun. So kommt es, dass Tochter Maria im Februar 1700 dort geboren und anschließend in der Kirche von Kl. Dexen getauft wird. Im Mai 1704 kommt Sohn Johann Dieker in Schwadtken zur Welt, da sein Vater dort mittlerweile als Hofmann benötigt wird. Als Taufpatin legt die Ehefrau des Burggrafen Johann Seel den weiten Weg von Worienen nach Kl. Dexen zurück. Im Jahre 1706 lebt Familie Dieker wieder in Worienen – hier erblickt Sohn Christianus am 4. April das Licht der Welt. Und wieder geht es zurück nach Schwadtken, wo im September 1713 ein weiterer Sohn namens Michal geboren wird. Am 23. Oktober des Jahres 1720 heiratet Tochter Dorothea in Kl. Dexen den Böttchergesell Gottfried Gerge, zieht mit ihm nach Eichhorn und bekommt dort 7 Kinder. Bruder Johann ist mittlerweile Stallknecht auf dem Hof Wokellen, Bruder Christian arbeitet als Knecht in Schwadtken. Der Cämmerer und Hofmann Johann Dieker selbst verstirbt im Januar 1731 in Schwadtken.

Ein anderes Beispiel:

Zu den Peistischen Gütern – von 1547 bis 1815 im Besitz der Familie von Kreytzen – gehören über lange Zeit die Vorwerke Ponienken Achthuben Wiecherts Wangnick Schwadtken Kattlack Egdeln und Sienken sowie die Dörfer Hanshagen Albrechtsdorf Buchholz Dixen Finken Grauschienen und Papperten.

Einige Vorwerke und Dörfer gehören zum Kirchspiel Buchholz, andere zum Kirchspiel Guttenfeld – Hanshagen liegt im Kirchspiel Groß PeistenDixen im Kirchspiel Eichhorn.

Diese Zusammenhänge sollte man im Blick behalten, wenn man nach Gutsuntertanen sucht!

Das Foto stammt aus dem Staatsarchiv Olsztyn – dort befinden sich die Grundakten der Begüterung Groß Peisten.

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Eine Hebamme in Königsberg – 1765

Elisabeth stammt aus Domnau. Sie heiratet den Königsberger Bürger und Tuchmacher Johann Böttcher und arbeitet selbst viele Jahre als Hebamme in Königsberg. Mehr als 1400 Kinder haben mit ihrer Unterstützung das Licht der Welt erblickt – wer weiß, wer alles dazu gehörte ….? Als Elisabeth Böttcher 1765 im Alter von „etwa 115 Jahren“ in Königsberg verstirbt, notiert der Pastor der Haberberger Kirche:

Elisabeth, Mr Johann Böttchers (,) gewesenen Bürgers und Tuchmachers auf dem Untern Haberberge nachgelaßenen Wittwe ist viele jahre her Vor Heb=Amme gegangen(,) hatt dabey über die 1400 Kinder geholet(,) ist 4 Kinder Mutter(,) 36 Kinder Groß=Mutter(,) 18 Kinder Älter Mutter worden. Ihr Alter ist nicht gwiß, weil die Kirchbücher zu Domnau verbrandt, woselbst sie getaufft worden(;) soll demnach praeter propter (=ungefähr) 115 Jahr alt seyn.

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Aufgaben der Berittschulzen in Ostpreußen

Quelle: Was waren unsere Vorfahren –
Amts-, Berufs- und Standesbezeichnungen aus Altpreußen; Königsberg 1938

Bereits vor 1740 gab es in Ostpreußen vereinzelt Berittschulzen. Oberpräsident von Domhardt schlug während seiner Amtszeit sogar vor, man sollte darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll sei, die Dorfschulzen durch Berittschulzen zu ersetzen. Er regte an:

Die Domänenämter sollten mit Zuziehung der Generalpächter ‚in Überlegung nehmen, ob in denen Dörfern nicht eine beßere Ordnung dadurch hergestellt werden könne, wenn in die Stelle der bisherigen Dorffs-Schultzen künftig gewiße berittene Schultzen eingesetzt und denselben die Inspektion über einige nahe bey einander belegene Dörfer anvertrauet, auch ihnen zugleich das denen Dorffs-Schultzen bishero gezahlte Tractament zugeordnet werden möchte, welche Schultzen auch dann denen Einsassen ihres Districts die von hier aus an die Ämter gehende Verordnungen bekannt machen und auf deren Befolgung sowohl als auch die genaue Beobachtung der DorffsOrdnung mit Nachdruck halten, auch die Wirtschaft deren Einsassen und dass sie mit ihrem Angespann gut umgehen und von allen in den Dörfern sich ereignenden Vorfällen dem Amt wöchentlich Rapport abstatten müssen“. (Quelle: Dr. Robert Stein, Die Umwandlung der Agrarverfassung Ostpreußens durch die Reform des 19. Jahrhunderts; Bd. 1 Die ländliche Verfassung Ostpreußens am Ende des 18. Jahrhunderts; Jena; Verlag Gustav Fischer 1918)

Eine Verordnung des Oberpräsidenten von Domhardt vom 17. Juni 1764 befahl dann die Einrichtung der Stellen in allen Ämtern – die Dorfschulzen übten ihr Amt jedoch weiterhin aus.

Während der Regierungszeit Friedrichs des Großen spielen die Berittschulzen bei der Verwaltung der Domänenämter eine wichtige Rolle – um 1810 heißen sie im Amt Preußisch Eylau: Lang, Mehler, Knauer und Kroll.

Noch mehrere Jahre nach der legendären Schlacht bei Pr. Eylau leiden die Bewohner in Natangen extrem unter den Folgen – in Landsberg und den umliegenden Orten leben die Familien in großer Armut und sind kaum in der Lage, sich zu ernähren. Immer wieder werden die Berittschulzen des Amtes Pr. Eylau bei ihren Besuchen der Dörfer mit der großen Not der Bevölkerung konfrontiert.

Jean-Antoine Siméon: The Battle of Eylau, 8th February 1807

Am 29. Januar 1810 wenden sie sich an den König und schreiben:

Allerduchlauchigster Großmächtigster König,
Allergnädigster König und Herr!

Wie sehr die Gegend um Pr. Eylau durch die im Februar 1807 im letzten Kriege angefallenen Schlachten mitgenommen, ist Eurer Königlichen Majestät nur zu genau bekannt. Es war hier der Schauplatz der fürchterlichsten Scenen, die man sich nur denkt; Rußen und Franzosen plünderten so lange sie nur fanden und ließen uns nichts als das Leben. Aber dieses ohne Mittel zur Unterhaltung desselben ist viel schrecklicher als todt seyn. In dieser Lage befanden wir uns gleich nach der Schlacht. Durch Plünderung von allem und auch von Kleidung entblößt irrten wir ohne Nahrung mit einem siechen Körper umher; unsere Wohnungen waren größtenteils durch die Hand des Feindes zerstört; und wir müßten nun dem traurigen Los, den Hungertod zu sterben, mit wankenden Schritten entgegen gehen, wenn nicht Eurer Königlichen Majestät landesväterliche Huld und Gnade durch Mehl und Brodtgetreide diesem Uebel Schranken gesetzt hätten.

Schon dieses ist Beweis genug wie elend und schlecht unsere Verfaßung zu der Zeit war und daß ein jeder Wirthschaftsbesitzer es sey im kleinen oder im großen seine Wirthschaft ganz von neuem in den Stand zu setzen genötiget war; wenn er die fortdauernde Unterhaltung für sich und seine Familie begründen wollte. Mit welchen schwachen Schritten dieses nur vor sich gehen konnte; ergiebt sich sehr leicht (,) wenn man darauf rücksichtigt (,) daß wir gleich nach der Schlacht uns so außer Stand gesetzt sahen (,) daß wir nicht einmal für die Unterhaltung unseres Lebens sorgen konnten (,) sondern uns dem Ohngefähr zu überlaßen gezwungen waren.

Obgleich wir sehr bedeutende Forderungen an die Krone haben, so haben wir dennoch bis jetzt nichts angewiesen erhalten, sondern es sind nur unsere Rückstände zur Abrechnung gebracht: hiedurch (sind wir) freilich von der baaren Bezalung derselben (entlastet), sind aber doch um nichts gebeßert. Unsere Wirthe bleiben aber immer in den nämlichen Verhältnissen und nur baare Anweisungen der Vergütungen (könnten diese) verbeßern. Durch baare Vergütungen erhielten sie Mittel in die Hände mehrers zum Retablissement unserer Wirthschaften vorzunehmen; hiedurch werden solche einträglicher und wir in den Stand gesetzt(,) die Abgaben prompt und ohn-erinnert zu entrichten, es würde also der Vorteil sowohl auf unserer als Ew. Königl. Majestaet Seiten erwachsen; weshalb wir denn auch im Vertrauen auf Ew. Königlichen Majestaet Landes väterliche Huld und Gnade Allerhöchst Dieselben allerunterthänigst zu bitten und erkühnen daß uns auf unsere sehr bedeutende Rußische Forderungen wenigstens die Hälfte derselben baar angewiesen und ausgezahlt werde damit wir unsere Wirthschaften gehörig in Stand setzten können und auch in Stand gesetzt wer den, die Abgaben für die Zukunft gehörig zu leisten.

Ew. Königliche Majestaet huldreiche und Landes väterliche Gesinnungen für das Wohl dero Unterthanen laßen uns die Erfüllung unseres allerunterthänigsten Gesuchs umso zuversichtlicher hoffen und ersterben in der größten Unterthänigkeit

Ew. Königlichen Majestaet

allerunterthänigst treugehorsamste Knechte

Quelle: GStA PK, I. HA Rep. 151 I A Nr. 4770 – Anmerkung: Das Dokument ist am Rand eingerissen und enthält deshalb einige Lücken – der in Klammern gesetzte Text wurde von mir sinngemäß ergänzt.

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Woymanns, Pr. Eylau – heute Wojmany

Eigentlich gibt es sehr viel mehr zu erzählen über dieses kleine Dorf in Natangen, das schon seit mehr als 600 Jahren existiert, hier ein kleiner Abriss der Geschichte ….

Das Dorf Woymanns (früher Weymannsdorf oder Weßmannsdorf – heute Wojmany) wird bereits um 1335-1340 – nicht weit von Landsberg entfernt – als deutsches Zinsbauerndorf gegründet. Auf der von Martin Rousselle erstellten Karte zur Besiedelung des Kreises Pr. Eylau um 1450 wird auch Woymanns bereits angezeigt. 1520 wird das Dorf – im sogenannten ‚Reiterkrieg‚ – vollkommen zerstört. Es wird neu gegründet und gerät anschließend bald in adlige Abhängigkeit.

Das Gutshaus im Jahre 1934

1585 ist Woymanns im Besitz des Hans Jacob Erbtruchseßen und Freiherrn von Waldburg, dem auch die Stadt Landsberg (darunter 4 Pfarrhuben) – Wildenhoff und Canditten (darunter 4 Pfarrhuben) gehören.

Derer von der Herrschafft und

Adell Gütter

Aus einer Amtsrechnung des Amtes Eylau von 1585

Ausschnitt aus der „Schrötterschen Landesaufnahme“

angefertigt zwischen 1796 und 1802

Zu den größten Grundbesitzern Natangens gehört die Familie von Tettau. Ihr gehören über lange Zeit viele Dörfern und Güterkomplexe dieser Gegend.

Georg Abel von Tettau (1618- 1677) ist 1644 – allein im Amt Pr. Eylau – im Besitz von mehr als 414 Huben. „Den Grundbesitz, welcher ihm aus dem väterlichen Nachlass zugefallen war, die Tolkser und die Sieslacker Güter, hat Georg Abel sehr bedeutend, theils durch Erbschaft, theils durch Ankauf, vermehrt.“ Durch seine Eheschließung mit Catharina Barbara von Lehndorff, der einzigen Tochter Hans von Lehndorffs, gelangt auch die Begüterung Worienen zu der damals auch Glomsienen, Dörsen, Polassen, Saagen, Müggen, das Kirchdorf Eichhorn und Worglitten gehören (zusammen 172 Hufen 19 1/2 Morgen) nach dem Tod des Schwiegervaters an Georg Abel von Tettau.

Und auch Bandels, Wokellen, Kohsten, Woymanns und Schönwiese gelangen in seinen Besitz.

Nach Georg von Abels Tod fallen u.a. Wokellen und Woymanns an seinen Sohn Abel von Tettau (*1650 in Königsberg). „Die Wokellenschen Güter vergrößerte Abel durch das am 10. Juni 1681 von ihm für 5000 fl. dazu gekaufte, am 30 Juni 1690 ihm zu adlichen Rechten verliehene Vorwerk Tapperlauken, wobei der Gesammtflächeninhalt der Güter auf 80 Hufen zu stehen kam. – Am 3. Juni 1692 erkaufte er zu Königsberg von dem Kammerherrn Hans v. Kreytzen die Klein-Steegenschen Güter . . . In Folge dieser Erwerbung war der Besitzstand Abels nachstehender:

1. im Amte Pr. Eylau 40 Hufen zu Schönwiese, 11 Hufen 22 Morgen zu Wokellen, 20 Hufen zu Woymans, 7 Hufen zu Tapperlauken oder Zipperken, 80 Hufen zu Blumstein, 6 Hufen zu Klein-Steegen, zusammen 172 Hufen 22 Morgen.

2. im Amte Brandenburg 2 Hufen zu Guttenfeld sowie Wikelsdorf.“

(Quelle: Wilhelm Johann Albert Freiherr von Tettau, Urkundliche Geschichte der Tettauschen Familie in den Zweigen Tettau und Kinsky; Berlin 1878; Seite 297)

Wie alle Begüterungen und ihre Vorwerke wird auch Woymanns von Arrendatoren bewirtschaftet. Im 18. Jahrhundert gehören zu diesen:

  • George Schultz – etwa 1723-1726
  • Michel Dieterich – um 1730
  • Friedrich Michaelis – um 1740
  • mein Vorfahre Johann Wilhelm Hellwich – etwa 1746-1748

Einige weitere Informationen:

  • Woymanns gehört zum Kirchspiel Landsberg – Wokellen zum Kirchspiel Eichhorn
  • bis 1820 bleibt das Dorf Woymanns in adliger Abhängigkeit
  • 1846 existiert in Woymanns neben dem Dorf mit 8 Wohnhäusern und 68 Einwohnern das adlige Vorwerk von Wokellen mit 3 Wohngebäuden und 72 Bewohnern.
  • um 1870 wird Woymanns als selbständiges Rittergut bezeichnet
  • 1879 heißt der Besitzer Franz Braun – 1889 Heinrich Laue
  • Heinrich Laue betreibt in Woymanns Rinder– und Pferdezucht
  • 1920 wird der Gutsbezirk aufgelöst – Woymanns wird Ortsteil der Gemeinde Schönwiese
  • 1929 heißt der Eigentümer des Guts Curt Migge
  • 1931 Verkauf des Guts zwecks Aufsiedelung – Woymanns wird wieder Bauerndorf
Quelle: Horst Schulz, Die Städte und Gemeinden des Kreises Pr. Eylau; Seite 331

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Ankermann-Familien in Königsberg vor 1620

Leider bin ich ziemlich chaotisch. Das macht sich auch bemerkbar, wenn ich meinen PC nach Dokumenten, Bildern oder Ausarbeitungen durchsuche, von denen ich ganz genau weiß, dass ich sie irgendwo abgespeichert habe. Aber wo? Dummerweise hab ich Dateien oft nicht sinnvoll benannt und manchmal dauert es ziemlich lange, bis ich sie wiederfinde …

Ab und zu verwende ich mein Genealogie-Tagebuch deshalb als Notizbuch – hier finde ich alles mühelos wieder und auch andere Familienforscher können davon profitieren.

Seit einigen Tagen versuche ich, die in der Zeit vor 1620 in Königsberg ansässigen Ankermann-Familen aufzuspüren, um sie eventuell miteinander – und mit meinem Stammbaum – verknüpfen zu können. Außerdem hoffe ich, eine Verbindung zu finden zu Benedikt Ankermann, der 20 Jahre lang als Trabant, Rüst- und Fechtmeister im Dienste des Herzogs Albrecht stand.

Unabhänigig von dieser Spurensuche macht es mir Spaß, diese alten Kirchenbücher zu durchforsten – es begegnen mir klangvolle Frauennamen wie Priscilla Apollonia Euphemia Orthia Euphrosina Wolprecht oder Petronella und viele Männer heißen Achatius Dyonisus Crispinus Balzer Stenzel Mauritius Bonifatius Ignatius oder Blasius.

1. Seite des Taufregisters
der Altstädtischen Kirche – 1586
1. Seite des Taufregisters des Königsberger Dom 1579 –
bei Ancestry zu finden unter:
Kaliningrad – Taufen der Unehelichen !!!

Bei diesem Taufregister wurden die linken und rechten Seiten getrennt voneinander digitalisiert!

Chronologie

  • Benedikt Ankermann – etwa von 1548-1568 lang Trabant, Rüst- und Fechtmeister im Dienste des Herzogs Albrecht – er lebt in Königsberg – in der Zeit von 1538-1542 wird ihm in der Königsberger Altstadt ein Haus verliehen – er hat Kinder, deren Namen unbekannt sind – im Jahre 1574 ist Benedikt Ankermann noch am Leben – Näheres ist hier nachzulesen.
  • 1585 – im Dom wird Ursula getauft – Eltern: ‚Ankermanns tochter und ihr Mann‘
  • 1592 – George Ankermann als Pate im Dom
  • 1593 – im Dom heiraten Fabian Gansewind und Brigitta Ankermann, Tochter von Paul Ankermann aus Wilgen
  • 1594 – George Ankermann als Pate im Dom – 1595 auch
  • 1596 – Elsa ‚Ankermannsche‘ als Patin im Dom
  • 1596 – Elsa Ankermann wrd im Dom getauft – Vater: George Ankermann
  • 1597 – als Pate im Dom: Georg Ankermann S(ohn)
  • 1598 – Martin Ankermann zweimal als Pate im Dom
  • 1598 – George Ankermann als Pate im Dom
  • 1599 – Else Ankermann, Patin im Dom – 2 x Ankermannsche
  • 1599 – Lorentz Ankermann als Pate im Dom
  • 1600 – Martin Ankermann oo Wolprecht Witthole, Andres Witthole, Brewers (Bräuers) zu Balga Tochter (Dom)
  • 1601 – Martins u. Wolprechts Tochter Orthia Ankermann wird im Dom getauft
  • 1602 – Georg Angermann (!) heiratet Anna, Witwe von Elias Frenzel (Altstadt)
  • 1604 – Martin Ankermann oo Catharina, Witwe von Stenzel Bock (Altstadt)
  • 1608 – H(err) Paul Ankermann, „Brieffmahler“ oo Ursula, Balzer Hirschbergers Tochter (Altstadt)
  • 1608 – H. Martin Ankermann oo Barbara, Casper Janßen Dienerin (Altstadt)
  • 1610 – Erhardt Kuntzmann oo Anna, Witwe von George Ankermann (Dom)
  • 1611 – Hans Koßmann, ein Reifschläger oo Jgfr. Anna, Daniel Ankermanns v. Roßgarten nachgel. Tochter (Altstadt)
  • 1611 – Taufe von Catharina Ankermann im Dom – Vater: Martin Ankermann
  • 1613 – Nicolaus Ankermann oo Anna Koch, Witwe (Haberberg)
  • 1614 – Taufe von Hieronymus Ankermann im Dom – Vater: Martin Ankermann
  • 1617 – Taufe von Bartel Ankermann im Dom – Vater: Martin Ankermann, ein Zimmermann

Ergänzungen

Der o.g. Paul Ankermann, dessen Tochter Brigitta 1593 im Königsberger Dom heiratet, lebt zu dieser Zeit in Wilgen. Falls ich richtig recherchiert habe, gehört Wilgen zum Ort Arnsberg, der vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jhs. gegründet wurde und sich ab 1541 im Besitz von Kaspar von Nostiz – dem damaligen Rentmeister der Königsberger Kammer – befindet. Sein äußerst spannendes Haushaltungsbuch ist an verschiedenen Stellen im Internet in digitalisierter Form zu finden. Sowohl Paul Ankermann als auch der o.g. Benedikt Ankermann müssten Kaspar von Nostiz eigentlich gekannt haben – dieser vestirbt am 22.3.1588.

Im Jahre 1608 heiratet in der Altstädtischen Kirche der Briefmaler Paul Ankermann. Den Beruf des Briefmalers kannte ich gar nicht.Briefmaler entwarfen und kolorierten Schriftstücke, Urkunden, Kalender, Wappen, Glückwunschbriefe, aber auch Heiligenbildchen und Spielkarten. Angeregt durch die Holzschnitt-Technik arbeiteten die Briefmaler auch mit Holzstempeln, mit denen sie ihre Vorlagen bedruckten. Sie waren oft ihre eigenen Formschneider und ebenfalls an der Herstellung von Blockbüchern beteiligt‘. (Wikipedia)

Briefmaler
im Ständebuch Jost Ammans übernommen von Wikipedia

Fabian Gans(e)wind und Brigitta Ankermann (s.o.) – Tochter (ohne Namen) 1593 im Dom getauft – Sohn Johan 1596 – Sohn Bart(olomäus) 1597

Mein bislang ‚ältester‘ Ankermann-Vorfahre ist George Ankermann. Er wird etwa um 1600 geboren – der Geburtsort ist nicht bekannt – seine Ehefrau heißt Anna und die beiden haben mindestens 7 Kinder – drei Kinder sind vermutlich vor 1640 zur Welt gekommen – darunter auch Martin (Merten) Ankermann, der später als Kirchbauer in Krücken im Kirchspiel Kreuzburg lebt.

Um 1640 wohnt die Familie von George Ankermann in Seeben, im Kirchspiel Dollstädt, Pr. Eylau. Die Kirchenbücher von Dollstädt beginnen im Jahre 1638 – die Familie ist von Beginn im Kirchenbuch verzeichnet.

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Therese Amalie Westphal aus Landsberg, Pr. Eylau

Von meinen ostpreußischen Vorfahren besitze ich nur ein einziges Bild, das mir vor vielen Jahren von einer Cousine meines Vaters zugeschickt wurde. Zu sehen sind meine Urgroßeltern Rudolph Leopold Gegner, der 1855 in Hoofe – im Kreis Pr. Eylau – zur Welt kam, seine Ehefrau Therese Amalie Westphal aus Landsberg und drei ihrer insgesamt acht Kinder: Marie Anna, geb. 1898 – Anna Helene, geb. 1903 und der jüngste Sohn Gustav Wilhelm Gegner, geb. 1895.

Diese 3 Kinder wurden nicht mehr in Ostpreußen, sondern in Wolsdorf bei Helmstedt geboren, da die Familie ihre Heimat kurz vor der Geburt von Gustav Wilhelm verließ.

Das Bild ist von ziemlich schlechter Qualität, aber ich hüte es wie einen großen Schatz. Und ich freue mich darüber, dass ich das Photo so bearbeiten konnte, dass meine Urgroßmutter nun viel besser zu erkennen ist!

Sie wurde 1863 in Landsberg geboren und muss zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 48 bis 50 Jahre alt gewesen sein – das kann ich lediglich anhand des vermuteten Alters der Kinder schätzen. Falls das zutreffen sollte, wäre das Photo vielleicht im Jahre 1909 entstanden und in den nächsten Jahren kämen einschneidende Ereignisse auf sie zu – sowohl glückliche als auch sehr, sehr traurige …

  • 1910 heiratet Carl Ludwig Gegner, ihr ältester Sohn – mein Großvater
  • 1911 wird ihr erstes Enkelkind geboren – mein Vater
  • 1914 kommen 2 weitere Enkelkinder zur Welt
  • 1915 verliert sie innerhalb weniger Monate 2 ihrer Söhne: Carl Ludwig stirbt in Galizien und Richard Rudolf Leopold Gegner – *1891 noch in Landsberg – in Frankreich.

Therese wird 81 Jahre alt und verstirbt am 31. Januar 1945 in Bremen-Vegesack. Fast hätte ich sie noch kennen gelernt!

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